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Westinghouse Electric & Manufacturing

ehemaliger Automobilhersteller
Aktie der Westinghouse Electric and Manufacturing Company vom 31. März 1910

Die Westinghouse Electric & Manufacturing Company in Pittsburgh (Pennsylvania) ist ein ehemaliger US-amerikanischer Hersteller von elektrischen Komponenten, Generatoren und Elektrofahrzeugen. Das Unternehmen entwickelte außerdem ein Luxusauto, das möglicherweise zuerst in den USA und danach in Frankreich hergestellt wurde.

Inhaltsverzeichnis

Hub ElectricBearbeiten

George Westinghouse begann sich etwa um die Jahrhundertwende auch mit dem Automobilbau zu beschäftigen. Mit der Übernahme der 1901 in Schwierigkeiten geratenen Hub Motor Company von Charles Berg und H. L. Irwin aus Chicago (Illinois) gelangte er in den Besitz von Patenten zum Antrieb der Automobile dieses kleinen Herstellers. Der 1899 vorgestellte Hub Electric hatte Elektromotoren in jeder Radnabe, ein System ähnlich jenem des Lohner-Porsche „Semper Vivus“. Die dem Hub Electric zu Grunde liegenden Patente basierten jedoch auf Erkenntnissen von Fred J. Newman und dem Ingenieur und Designer Joseph Ledwinka (1869–1949)[1], später einer der Konstrukteure des Ruxton.

Zuständig für diese Elektrofahrzeuge war die Westinghouse Electric & Manufacturing Company. Die Produktion des Hub Electric mit zwei oder vier Sitzen scheint recht bald eingestellt worden zu sein. Es ist möglich, aber nicht belegt, dass Westinghouse unter eigenem Namen einige weitere Hub-Electric-Personenwagen montiert hat. Hauptsächlich wurde jedoch eine Bestellung von 40 Omnibussen mit Radnabenantrieb ausgeführt. Deren Karosserien entstanden bei der American Carriage Company in Cincinnati (Ohio). Diese Busse für einen unbekannten Auftraggeber sind möglicherweise die ersten Nutzfahrzeuge mit Allradantrieb überhaupt. Die Produktion solcher Fahrzeuge endete 1903.[1][2]

Westinghouse 40 PSBearbeiten

Es folgte der Entwurf eines konventionellen Personenwagens mit Verbrennungsmotor. Dieses Fahrzeug war als „Rolling Chassis“ (fahrbar, aber ohne Karosserie), als Touring und als Chauffeur-Limousine erhältlich. Der Radstand betrug für die Zeit respektable 3099 mm (122 Zoll), die Leistung des Vierzylinders 40 PS nach der damaligen Berechnungsmethode nach A.L.A.M. (Association of Licenced Automobile Manufacturers). Möglicherweise wurde dieses Auto der obersten Preisklasse von 1905 bis 1907 in kleinen Stückzahlen in Pittsburgh hergestellt.[3] Ab 1907 entstand es bei der Société Anonyme Westinghouse in Le Havre (Frankreich).[2]

In Frankreich lautete die Modellbezeichnung 30/40 CV; die in die USA importierten Fahrzeuge führten keinen Modellnamen. Das Vorgehen ist insofern bemerkenswert, als französische Automobile zu dieser Zeit in den USA als führend angesehen wurden; hier jedoch erschien eine amerikanische Konstruktion mit amerikanischem Namen, die aber in Europa gefertigt wurde.

Eines dieser Importfahrzeuge ist erhalten geblieben und Bestandteil der bekannten Nethercutt-Kollektion in Sylmar (Kalifornien).[3]

In den USA gebaute Luxusautos um 1907 (Auswahl)Bearbeiten

Die Preise für einen Westinghouse waren in den USA astronomisch: US$ 7500 für das Chassis und US$ 10.000 für die Limousine[2], damit war er eines der teuersten in den USA angebotenen Automobile. Die nachstehend aufgelisteten Automobile gehörten in das gleiche Preissegment. Sie verkauften sich nur in sehr kleinen Stückzahlen; so baute Simplex in fünf Jahren nur insgesamt 250 Stück seines Modells 50.

Hersteller Modell Leistung
PS[Anm. 1]
Radstand
mm / Zoll
Karosserie Listenpreis
Chadwick[4] 12 40/45 2743 / 108 Touring US 5000
Columbia[5] Mark XLIX 40/45 2845 / 112 Touring US 4500
Columbia Mark XLIX 40/45 2845 / 112 Limousine US 5500
Columbia Mark XLIX 40/45 3035 / 119,5 Limousine US 5500
Locomobile[6] H 35 3048 / 120 Touring (7 Pl.) US 4500
Lozier[7] F 40 2971 / 117 Touring (7 Pl.) US 5700
Lozier F 40 2971 / 117 Limousine (7 Pl.) US 6000
Lozier F 60 3048 / 120 Touring (7 Pl.) US 7000
Lozier F 60 3048 / 120 Limousine (7 Pl.) US 8000
Pierce-Arrow[8] Great Arrow 40/45 3150 / 124 Touring (7 Pl.) US 5000
Pierce Arrow Great Arrow 40/45 3150 / 124 Limousine (7 Pl.) US 6250
Pierce Arrow Great Arrow Six 65 3150 / 124 Limousine (7 Pl.) US 6500
Stearns[9] 30/60 HP 30/60 3048 / 120 Touring (5/7 Pl.) US 4500
Stearns 30/60 HP 30/60 3048 / 120 Limousine (5/7 Pl.) US 4769
Pierce Arrow Great Arrow 40/45 3150 / 124 Limousine (7 Pl.) US 6250
Pierce Arrow Great Arrow Six 65 3150 / 124 Limousine (7 Pl.) US 6500
Simplex[10] 50 50 3150 / 124 Toy Tonneau US 5500

Ein typischer Luxuswagen seiner Zeit, der Packard Modell Thirty, kostete als Touring mit 30 PS US$ 4200 und als Limousine US$ 5600.[11] Der Westinghouse wurde in Ungarn, damals Bestandteil der Österreich-Ungarischen Monarchie, als Marta in Lizenz produziert. 1907 geriet Westinghouse Electric in finanzielle Schwierigkeiten und unter Insolvenzverwaltung. Es scheint, dass dies das Ende des Imports des 40 PS bedeutete.[2] Gebaut wurde er in Le Havre noch bis 1912. Jahrzehnte später unternahm Westinghouse mit dem Elektro-Prototypen Markette einen neuen Vorstoß in den Automobilbereich. Entwickelt wurde das 1967 vorgestellte Fahrzeug bei der Tochtergesellschaft Marketeer in Redlands (Kalifornien).

AnmerkungenBearbeiten

  1. nach damaliger Berechnungsmethode, wahrscheinlich nach der A.L.A.M.-Norm (Association of Licensed Automobile Manufacturers); wenn zwei Werte angegeben sind, bezieht sich der erste auf damals anwendbare Steuer-PS.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Kimes (1985), S. 689.
  2. a b c d Kimes (1985), S. 1484.
  3. a b theoldmotor.com: Westinghouse gasoline car
  4. Kimes (1985), S. 255.
  5. Kimes (1985), S. 342–346.
  6. Kimes (1985), S. 852–857.
  7. Kimes (1985), S. 865–868.
  8. Kimes (1985), S. 1137–1148.
  9. Kimes (1985), S. 1341–1346.
  10. Kimes (1985), S. 1304–1306.
  11. Kimes (1985), S. 1068.

LiteraturBearbeiten

  • Beverly Rae Kimes (Hrsg.) und Henry Austin Clark, jr.: The Standard Catalogue of American Cars 1805–1942, 2. Auflage, Krause Publications, Iola WI 54990, USA (1985), ISBN 0-87341-111-0 (englisch)
  • G. N. Georgano (Hrsg.): Complete Encyclopedia of Motorcars, 1885 to the Present; Dutton Press, New York, 2. Auflage (Hardcover) 1973, ISBN 0-525-08351-0 (englisch)
  • David A. Kirsch: The Electric Vehicle and the Burden of History; Rutgers University Press, New Brunswick NJ und London, 2000. ISBN 0-8135-2809-7 (Paperback) (englisch)

WeblinksBearbeiten