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Mercedes AMG F1 Team

Werksteam der Daimler AG in der Formel 1
(Weitergeleitet von Mercedes Grand Prix)

Das Mercedes AMG Petronas F1 Team ist seit der Saison 2010 das Werksteam des deutschen Automobilherstellers Daimler AG in der Formel 1. Es ging aus dem britischen Rennstall Brawn GP hervor. Das Team hat seinen Sitz im britischen Brackley, tritt aber mit deutscher Lizenz an. Die Motoren werden bei Mercedes AMG HPP in Brixworth gefertigt und auch an Kundenteams geliefert.

Mercedes
Mercedes AMG Petronas F1 Logo.svg
Name Mercedes AMG Petronas Motorsport
Unternehmen Mercedes-Benz Grand Prix Ltd[1]
Unternehmenssitz Brackley,
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
Stuttgart, DeutschlandDeutschland Deutschland
Teamchef Toto Wolff
Techn. Direktor James Allison
Saison 2019
Fahrer (44) Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Lewis Hamilton
(77) FinnlandFinnland Valtteri Bottas
Testfahrer FrankreichFrankreich Esteban Ocon
BelgienBelgien Stoffel Vandoorne
MexikoMexiko Esteban Gutiérrez
Chassis F1 W10 EQ Power+
Motor F1 M10 EQ Power+
Reifen Pirelli
Statistik
Erster Grand Prix Frankreich 1954
Gefahrene Rennen 203
Konstrukteurs-WM 5 (2014, 2015, 2016, 2017, 2018)
Fahrer-WM 7 (1954, 1955, 2014, 2015, 2016, 2017, 2018)
Rennsiege 97
Pole Positions 109
Schnellste Runden 71
Position 2018 1. (655 Punkte)
Punkte 5017,14
(Stand: Großer Preis von Italien 2019)

Die Marke Mercedes-Benz hat eine lange Tradition im Grand-Prix-Sport. Sowohl die Daimler-Motoren-Gesellschaft als auch Benz & Cie. waren 1894 noch vor ihrem Zusammenschluss Teilnehmer der ersten offiziellen Motorsportveranstaltung Paris-Rouen und Daimler gewann 1903 mit dem Gordon-Bennett-Cup erstmals ein Rundstreckenrennen. Nach der Fusion dominierten die Silberpfeile in der zweiten Hälfte der 1930er-Jahre die internationale Motorsportszene und man gewann mit Rudolf Caracciola mehrmals die Grand-Prix-Europameisterschaft, das damals bedeutendste Championat.[2] In Anlehnung an diese Epoche, werden die Mercedes-Rennwagen bis heute als Silberpfeile bezeichnet.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs engagierte sich Mercedes-Benz vorübergehend erneut im Automobilsport. 1954 und 1955 gewann das Mercedes-Werksteam mit dem argentinischen Rennfahrer Juan Manuel Fangio zwei Weltmeistertitel. Nach einer 38-jährigen Pause im Formelsport kehrte Mercedes 1993 zunächst als Motorenlieferant an der Seite von Sauber in die Formel 1 zurück. 1995 wechselte Mercedes als Teilhaber zu McLaren und gewann bis 2009 als McLaren-Mercedes drei Fahrertitel.

Seit 2010 unterhält das Unternehmen wieder ein eigenes Werksteam in der höchsten Motorsportklasse. In der Saison 2014 gewann das Team überlegen seine erste Konstrukteurs-Weltmeisterschaft und Lewis Hamilton wurde Fahrerweltmeister. 2015, 2016, 2017 und 2018 wurden jeweils beide Titel verteidigt, wobei 2016 Nico Rosberg den Fahrertitel gewann. Seit der Einführung der V6-Turbomotoren konnte Mercedes zwischen 2014 und 2018 insgesamt 74 der 100 ausgetragenen Grand-Prix gewinnen.

In diesen Jahren stellte das Team den Rekord der meisten Siege (19, 2016), meisten Pole-Positions (20, 2016), meisten Podiumsplatzierungen (33, 2016), meisten Doppelsiege (12, 2015) und meisten Punkte (765, 2016) in einer Saison auf.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Das Werksteam der Jahre 1954–1955Bearbeiten

Saison 1954Bearbeiten

 
Fangio im Mercedes W 196 beim Großen Preis von Deutschland 1954
Zum Vergleich: Ein W 196 mit frei stehenden Rädern …
… und Stromlinienkarosserie Monza
(beide Jahrgang 1955)

Das Formel-1-Engagement der 1950er-Jahre begann im Dezember 1953 mit ersten Testfahrten auf dem Werksgelände in Stuttgart; im Frühjahr 1954 folgten weitere in Hockenheim und Monza. Die erfolgreichen Renneinsätze des 1952 vorgestellten schlichten Sportwagens 300SL (W 194) lieferten Motivation und Vertrauen für ein Werksengagement in der Formel 1. Da das Einsatzfahrzeug nicht rechtzeitig zum Saisonstart in Argentinien fertig wurde, stieg Mercedes erst ab dem vierten Saisonrennen in die Weltmeisterschaft ein. Der Argentinier Fangio, von Mercedes als Starpilot für 1954 verpflichtet, startete daher vor dem Frankreich-Grand-Prix drei Rennen lang auf Maserati, um seine Chancen auf die Fahrerweltmeisterschaft zu wahren. Solche Teamwechsel während der Saison gab es damals häufiger als heute.

Der Mercedes-Benz W 196 bot einige technische Innovationen, speziell den Antrieb und die Aerodynamik betreffend. Der Motor war ein 2500 cm³ großer Reihen-Achtzylinder mit neuartiger Benzindirekteinspritzung und desmodromischer Ventilsteuerung. Somit entschied sich das Entwicklungsteam rund um Projektleiter Fritz Nallinger und Versuchsleiter Rudolf Uhlenhaut gegen das ebenfalls erlaubte Motorenkonzept eines aufgeladenen, dann maximal 750 cm³ großen, Motors. Für schnelle Strecken wurde der W 196 mit einer, in der Formel-1-Geschichte einmaligen, Stromlinienkarosserie aus einer leichten Magnesiumlegierung entwickelt, die den Luftwiderstand verringern und den Top-Speed erhöhen sollte. Da der Einstieg in die Saison für das vierte Rennen auf dem Hochgeschwindigkeitskurs von Reims geplant war, hatte die Entwicklung der Stromlinienkarosse Monza Priorität gegenüber einem klassischen Monoposto mit frei stehenden Rädern.[3]

Am 4. Juli 1954 startete Mercedes-Benz beim Großen Preis von Frankreich wie geplant erstmals mit dem W 196 in der Formel 1 und erzielte mit den Fahrern Juan Manuel Fangio und Karl Kling einen Doppelsieg. Dies war der erste Grand-Prix-Sieg eines Silberpfeils seit den 1930er-Jahren und der erste Erfolg eines deutschen Konstrukteurs in der Formel 1. Der junge deutsche Nachwuchsfahrer Hans Herrmann kämpfte sich von Rang sieben zunächst nach vorn, bevor er mit Motorschaden ausfiel.

Die Motorsportszene erwartete nach dem dominanten Comeback der Silberpfeile einen neuerlichen Sieg beim nachfolgenden britischen Grand Prix in Silverstone. Doch die Vollverkleidung stellte sich auf kurvigen Strecken, selbst auf solchen mit großen Kurvenradien wie Silverstone, als zu unübersichtlich und schwer heraus. Fangio verbeulte sich die Karosserie an den Streckenbegrenzungen und wurde lediglich Vierter, Kling Siebter.

So wurden beim Heim-Grand-Prix am ebenfalls kurvenreichen Nürburgring erstmals drei W 196 mit frei stehenden Rädern im Rennen eingesetzt. Lediglich Herrmann startete mit Stromlinienkarosserie, da in der Kürze nur drei Karosserien fertig wurden. Die lediglich 3 kg schwerere Vollverkleidung stellte sich jedoch nicht als großer Nachteil heraus und Hans Herrmann startete von Rang vier. Im Rennen fiel er vorzeitig aus. Altstar Hermann Lang, der bereits vor dem Krieg für Mercedes-Benz Rennen fuhr, beendete seine Karriere mit einem Gaststart im vierten W 196. Fangio gewann am Nürburgring und in der Folge auch den Großen Preis der Schweiz mit den freistehenden Rädern, während beim Großen Preis von Italien im Highspeed-Oval von Monza letztmals in der Saison 1954 der W 196 Monza eingesetzt wurde. Beim Saisonfinale in Spanien fuhr der bereits als Weltmeister feststehende Fangio als Dritter aufs Podium. Im Kühlergitter aufgesammeltes Laub und Papier sorgte für Kühlprobleme und verhinderte ein besseres Ergebnis. Dies führte 1955 zu einer Verlegung der Luftansaugung, wodurch die charakteristische seitliche Ausformung auf der Motorhaube ab 1955 entstand.[4]

Es gingen die fünf besten Resultate in die Fahrerwertung ein, sodass Fangio mit 42 Punkten zum ersten Champion auf Mercedes-Benz und zum insgesamt zweiten Mal Weltmeister wurde. Zusammen mit den zwei Podiumsplätzen von Kling und Herrmann erzielte Mercedes insgesamt sieben Podien sowie jeweils vier Siege, Pole-Positions und schnellste Rennrunden in dieser Premierensaison. Unter Einbeziehung aller gefahrenen Grand-Prix sammelte das Team in sechs Rennen insgesamt 60,14 Punkte. Die ungewöhnliche Punktzahl kam durch das Teilen des Punktes für die schnellste Rennrunde unter mehreren Fahrern beim GP von England zustande. Den Konstrukteurspokal errang Mercedes nicht, da er erst ab der Saison 1958 vergeben wurde.

Saison 1955Bearbeiten

 
Juan Manuel Fangio führt beim Großen Preis der Niederlande 1955 vor Stirling Moss
 
Fangio (links) und Moss nach dem Rennen in Zandvoort (1955)

Auch 1955 setzte das Mercedes-Team den von vornherein für beide Saisons entwickelten W 196 ein. Das Team entwickelte im zweiten Jahr insgesamt drei Versionen des Rennwagens: Neben der Standardversion von 1954 mit 2349 mm Radstand gab es eine mittlere (2209 mm), die bereits beim Saisonfinale 1954 erprobt wurde, sowie eine kurze Version (2148 mm). Die kürzeste Ausführung war ausschließlich für den Einsatz in Monaco vorgesehen, wurde jedoch später vereinzelt auch in Aintree, Zandvoort und Monza genutzt.[5][6] Bei dieser kürzesten Version wanderten die sonst innen liegenden Bremstrommeln an den Vorderrädern nach außen. Die Einsatzvariante mit der Vollverkleidung kam 1955 nur noch in Monza zur Verwendung, der letzten im Kalender verbliebenen Hochgeschwindigkeitsstrecke.

Weltmeister Juan Manuel Fangio blieb dem Team erhalten. Das Fahrerteam wurde vor der Saison durch den britischen Nachwuchsfahrer Stirling Moss ergänzt. Die Rennleitung seitens Mercedes-Benz, vergleichbar in etwa mit dem heutigen Motorsportdirektor, hatte wie bereits in der Vorsaison Alfred Neubauer inne.

Zum Saisonauftakt siegte Fangio Mitte Januar bei seinem Heimrennen in Buenos Aires. Bei dem als „Hitzeschlacht“ in die Geschichte eingegangenen Rennen bestritt er die komplette Distanz als einziger Topfahrer alleine. Herrmann, Kling und Moss wechselten sich auf einem zweiten Chassis ab und wurden mit 2 Runden Rückstand Vierte.

Zurück in Europa erlebte das Team in Monaco mit einem Trainingsunfall von Hans Herrmann und einem technischen Ausfall aller drei gestarteten W 196 ein schwarzes Wochenende. Der Franzose André Simon ersetzte den verletzten Herrmann im Rennen. Beim Großen Preis von Belgien und dem Großen Preis der Niederlande erreichte Fangio mit zwei Siegen den vorzeitigen Gewinn seiner dritten Weltmeisterschaft. Beim britischen Grand-Prix konnte das Team erstmals in der Formel 1 einen Vierfachsieg erreichen. Moss gewann sein erstes Rennen für Mercedes knapp vor Fangio, Kling und dem nachverpflichteten Piero Taruffi. Taruffi konnte in Monza hinter Rennsieger Fangio noch einen zweiten Platz feiern, nachdem Moss und Kling ausfielen.

Mercedes-Benz dominierte die Grand-Prix- und Sportwagenrennen bis zum Ende der Saison 1955, als sich der Konzern, wie zu Beginn geplant, mit allen Teams aus dem Motorsport zurückzog um sich auf die Produktion von Serienwagen zu konzentrieren. Der verheerende Unfall in Le Mans 1955, bei dem der Mercedes-Benz 300 SLR von Pierre Levegh unverschuldet mit dem Austin-Healey von Lance Macklin kollidierte und über 80 Zuschauer getötet wurden, beschleunigte lediglich den Rückzug von den Sportwagenrennen seitens Mercedes. Die Aufgabe des Grand-Prix-Sports wurde bereits zuvor beschlossen.[7]

Als Folge des Unfalls wurden die letzten vier, der ursprünglich zehn geplanten, Rennen der Formel-1-WM 1955 abgesagt. In den übrigen sechs Rennen sammelte das Team neben den fünf Siegen von Fangio und Moss auch vier Pole-Positions und fünf schnellste Rennrunden sowie insgesamt 79 Punkte. Juan Manuel Fangio wurde mit 40 Punkten zum dritten Mal Weltmeister, Stirling Moss mit 23 Punkten Vizeweltmeister.

Vorgeschichte des heutigen WerksteamsBearbeiten

Erste Pläne für ein Comeback als WerksteamBearbeiten

Am 15. Januar 1988 verkündete Mercedes-Benz nach 33 Jahren seine Rückkehr in den internationalen Motorsport. Werner Niefer, damaliger Leiter von Mercedes-Benz Personenwagen, betonte die Tradition des Motorsports im Hause Mercedes und die mögliche Förderung des Technologie- und Markenimages durch den Wettbewerb auf der Strecke. In Kooperation mit dem erfahrenen schweizerischen Rennsportteam Sauber wurden Gruppe-C-Rennwagen in der Sportwagen-Weltmeisterschaft eingesetzt, nachdem sich Mercedes inoffiziell bereits ab 1985 an der Motorenentwicklung beteiligt hatte und dem Team seinen Windkanal zur Verfügung stellte.[8][9]

Der Gewinn der Weltmeisterschaft für Sportwagen 1989 und 1990 sowie der Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans 1989 waren die Höhepunkte dieser Partnerschaft. Parallel bereitete Mercedes unter dem damaligen Rennleiter Jochen Neerpasch, der für die Einsätze der Sauber-Mercedes verantwortlich zeichnete, einen möglichen Formel-1-Einstieg zur Saison 1992 vor. Hierfür wurden die Ingenieure Harvey Postlethwaite und Mike Gascoyne verpflichtet und mit ihnen bereits die Entwicklung eines Prototypen für die Saison 1992 gestartet. Die eigenen Juniorenfahrer waren als Einsatzpiloten vorgesehen und sollten eine neue Ära der Silberpfeile in der Formel 1 begründen.[10]

 
Sauber-Mercedes C9 von 1989 in Goodwood
 
Sauber-Mercedes C13 von 1994 beim Großen Preis von Großbritannien
 
Weltmeister auf McLaren-Mercedes 1998 und 1999: Mika Häkkinen
 
Jackie Stewart 1971 im Tyrrell 003 bei einem Rennen in Brands Hatch
 
Weltmeister auf Brawn-Mercedes 2009: Jenson Button

Ab 1990 wurde mit den deutschsprachigen Nachwuchsfahrern Michael Schumacher, Karl Wendlinger, Fritz Kreutzpointner und Heinz-Harald Frentzen ein erfolgreiches Juniorenprogramm etabliert. Die Fahrer sollten bei den Sportwageneinsätzen an der Seite erfahrener Piloten wie Jochen Mass Erfahrungen sammeln und sich für höhere Aufgaben empfehlen. Als man Michael Schumacher im Sommer 1991 sein Formel-1-Debüt bei Jordan beziehungsweise Benetton finanzierte, damit er Erfahrungen in der höchsten Motorsportklasse sammeln konnte, ließ sich Mercedes noch vertraglich zusichern, dass man im Falle eines eigenen Einstiegs in die Formel 1 auf Schumacher zurückgreifen kann.[11]

Am 26. November 1991 verkündete Mercedes nach dem beschlossenen Ende der Sportwagen-Weltmeisterschaft jedoch den Ausstieg aus der Gruppe C und schloss gleichzeitig einen Einstieg in die Formel 1 zur Saison 1992 aus.[12] Der Vorstand rund um Edzard Reuter begründete die Entscheidung damit, dass ein finanziell aufwendiges Engagement in der Formel 1 nicht mit notwendig gewordenen Sparmaßnahmen im Daimler-Konzern vereinbar sei. Aus Enttäuschung über die kurzfristige Absage beendete Neerpasch sein Engagement bei Mercedes und trat 1992 als Mercedes-Rennleiter zurück.

Einstieg als Motorenlieferant mit SauberBearbeiten

Seit 1993 ist der Name Mercedes-Benz schließlich doch wieder in der Formel 1 vertreten. Entgegen vorheriger Planungen jedoch nicht als Werksteam mit eigenen Autos, sondern als Motorenlieferant. Das bis heute andauernde Engagement geht auf den britischen Motorenhersteller Ilmor zurück, über den Mercedes 1993 zunächst unter dem Label "Concept by Mercedes-Benz" einen 3,5-Liter V10 an den Sauber-Rennstall lieferte. Die Schweizer wagten 1993 mit dem C12 den Sprung in die Formel 1. Bei der Entwicklung wurde teilweise auf das Rennwagenkonzept von Postlethwaite zurückgegriffen, das zuvor für einen Mercedes-Einstieg vorgesehen war.[13]

Mercedes lieferte seine Expertise zur Motorenentwicklung, Ilmor blieb jedoch 1993 noch offiziell der Hersteller. Mercedes-Benz übernahm das Ilmor-Werk im englischen Brixworth erst zwischen 1994 und 2005 in mehreren Tranchen vollständig, sodass der Sauber C13 von 1994 als erster Formel-1-Wagen seit dem W 196 von einem Mercedes-Motor angetrieben wurde. Das Motorenwerk entwickelte sich in der Folge zu einem der erfolgreichsten Motorenhersteller der Formel-1-Geschichte mit über 170 gewonnenen Rennen und firmiert seit 2012 als Mercedes AMG High Performance Powertrains.

Nach zwei durchwachsenen Jahren 1993 und 1994, in denen Sauber nur vereinzelte Punkteplatzierungen gelangen, begann Mercedes 1995 mit einem neu entwickelten 3,0-Liter V10 eine Partnerschaft mit McLaren. In den ersten beiden Saisons konnte die britisch-deutsche Koproduktion noch keine Rennen gewinnen. 1997 folgten immerhin drei Laufsiege, bevor 1998 und 1999 mit zwei WM-Titeln von Mika Häkkinen der Durchbruch gelang. Bis zur Trennung 2014 nach 19 Jahren und 351 gefahrenen Grand Prix konnten insgesamt 78 Rennsiege und drei Fahrertitel errungen werden. Obwohl in der Öffentlichkeit im Zusammenhang mit den McLaren-Mercedes oft von den Silberpfeilen die Rede war, hielt Daimler zu keinem Zeitpunkt die Mehrheit an dem Team, sodass sämtliche Rennergebnisse in die Statistik des britischen Rennstalls übergingen.

Seit 2009 beliefert Mercedes nach dem Ende des Exklusivvertrags mit McLaren auch mehrere Kundenteams in einer Saison mit Motoren. Dies waren beim bis 2013 verwendeten 2,4-Liter V8 McLaren, Force India und Brawn GP. Seit 2014 waren bereits McLaren, Force India, Lotus, Williams, Manor und Racing Point Kunden des 1,6-Liter V6 Turbo.

Entwicklung des heutigen RennstallsBearbeiten

Davon zu trennen ist das Formel-1-Engagement mit einem eigenen Mercedes-Werksteam. Das heutige Mercedes AMG F1 Team geht rechtlich auf den 1960 gegründeten britischen Rennstall Tyrrell Racing Organisation zurück, der ab 1968 in der Formel 1 antrat und mit Jackie Stewart in den Jahren 1969, 1971 und 1973 die Fahrerweltmeisterschaft der Formel 1 gewann. Nachdem 1969 noch ein Chassis von Matra eingesetzt wurde, konstruierte Tyrrell seine Autos ab 1970 selbst. Die Tyrrell Racing Organisation war knapp drei Jahrzehnte lang ein fester Bestandteil der Formel 1, wenn auch überwiegend im Mittelfeld, nachdem Stewart Ende 1973 seine Karriere beendete.

Im November 1997 wurde das finanziell angeschlagene Team von British American Tobacco aufgekauft, um damit nach einer Übergangssaison ab 1999 unter dem Namen British American Racing (BAR) zu starten. British American Tobacco übernahm jedoch weder die Fabrik in Ockham noch große Teile des Personals oder Equipments, sondern war vielmehr an der juristischen Hülle und dem damit verbundenen Startplatz in der Formel 1 interessiert. Als technischer Partner und Chassislieferant für BAR fungierte hingegen der britische Rennwagenkonstrukteur Reynard mit seinem Werk in Brackley. Diese Werksanlagen wurden nach der Insolvenz Reynards im Jahr 2001 von BAR übernommen und in der Folge zum heutigen Operations Centre ausgebaut. Die physischen Wurzeln des heutigen Rennstalls liegen demnach bei Reynard.

British American Racing trat 1999 zunächst mit Supertec- und ab 2000 mit Honda-Motoren an. Nach einem erfolglosen Anfangsjahr, in dem das Team keine Weltmeisterschaftspunkte einfahren konnte, steigerte sich BAR schrittweise, erreichte aber in sieben Jahren keinen Sieg. Am erfolgreichsten verlief die Saison 2004, in der BAR vier zweite und sieben dritte Plätze erreichte. Am Ende der Saison wurde das Team hinter dem dominanten Ferrari Vizeweltmeister und Jenson Button belegte Platz drei in der Fahrerwertung.

Nachdem BAR im folgenden Jahr auf Platz sechs der Konstrukteurswertung zurückgefallen war, übernahm Honda das Team und führte es von 2006 bis 2008 unter dem Namen Honda Racing F1 weiter. 2006 erzielte Button für Honda noch einen Sieg in Ungarn, 2007 rutschte das Team ohne Erfolge auf den achten Rang der Konstrukteurswertung ab. 2008 übertrug Honda dem britischen Ingenieur Ross Brawn, der zuvor als Technischer Direktor bei Benetton und Ferrari mit Michael Schumacher zusammengearbeitet hatte, die Leitung des Teams. Trotzdem fiel Honda in dieser Saison in der Konstrukteurswertung weiter zurück.

Mit Ablauf der Saison 2008 erklärte Honda vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise den sofortigen werksseitigen Rückzug aus der Formel 1. Da eine Liquidation des 700 Mitarbeiter zählenden Teams für Honda hohe Kosten und einen Imageschaden bedeutet hätte, konnte Ross Brawn das Team durch ein Management-buy-out für einen symbolischen Betrag übernehmen und meldete es 2009 unter der Bezeichnung Brawn GP mit Mercedes-Motoren.[14] Brawn GP gewann unter anderem durch die Entwicklung des innovativen Doppeldiffusors am BGP 001 überraschend die Konstrukteursweltmeisterschaft sowie den Fahrertitel mit Jenson Button. Das Team verzichtete aus Kosten- und Gewichtsgründen von vornherein auf das 2009 erstmals erlaubte KERS-System zur Rückgewinnung der Bremsenergie. Viele Werksteams setzten auf das komplizierte System und verloren auch deswegen den Anschluss an die aerodynamisch besser aufgestellten Brawn GP und Red Bull.

Das Werksteam seit dem Jahr 2010Bearbeiten

Saison 2010Bearbeiten

 
Das in den ersten beiden Saisons verwendete Logo
 
Comeback als Werksteam mit dem Mercedes MGP W01 (2010)
 
Nico Rosberg war von 2010 bis 2016 Werksfahrer für Mercedes

Am 16. November 2009 gab die Daimler AG bekannt, dass sie 45,1 % der Teamanteile von Brawn GP übernehme. Weitere 30 % wurden vom Daimler-Großaktionär Aabar Investments übernommen, 24,9 % verblieben bei Ross Brawn und vier weiteren Eigentümern. Der Rennstall änderte seinen Namen in Mercedes Grand Prix und tritt seitdem als Mercedes-Werksteam unter deutscher Flagge an. Offizieller Sitz des Teams ist die Daimler-Zentrale in Stuttgart, das Team operiert aber wie sein Vorgänger Brawn GP aus dem englischen Brackley. Ross Brawn blieb Teamchef und Norbert Haug saß als Motorsportdirektor (bis Ende 2012) von Mercedes-Benz am Kommandostand.[15] Es ist das erste Mal seit 1955, dass die Marke Mercedes-Benz nicht nur als Motorenlieferant in der Formel 1 vertreten ist.

Im Zuge dieser Änderungen beendete Mercedes-Benz die Partnerschaft mit der britischen McLaren Group, an der die Daimler AG damals 40 % der Anteile hielt. Diese wurden bis 2011 zurückverkauft. Die weitere Belieferung mit Motoren lief bis einschließlich der Saison 2014, aus dem werksunterstützten Team wurde ein reines Kundenteam.[16] Am 21. Dezember 2009 wurde der Mineralölkonzern Petronas als neuer Hauptsponsor des Teams sowie Partner für Treib- und Schmierstoffe bekannt gegeben. Somit trat das Team in den Jahren 2010 und 2011 offiziell unter dem Namen Mercedes GP Petronas F1 Team an.[17]

Zunächst wurde für ein Jahr der deutsche Nico Rosberg verpflichtet, der bis dato für Williams gefahren war.[18] Im Dezember 2009 wurde der siebenfache Weltmeister Michael Schumacher, der nach dreijähriger Pause in die Formel 1 zurückkehrte, als zweiter Fahrer bekanntgegeben. Seine Verpflichtung lief bis zum Ende der Saison 2012.[19] Mit seiner Rückkehr zu Mercedes schloss sich nach fast 20 Jahren ein Kreis, nachdem die Stuttgarter ihm 1991 als Juniorfahrer den Einstieg in die Formel 1 ermöglichten. Die Vorjahrespiloten Jenson Button und Rubens Barrichello verließen das Team in Richtung McLaren beziehungsweise Williams.

Das Farbdesign des Mercedes MGP W01 wurde am 25. Januar 2010 im Mercedes-Benz Museum in Stuttgart an einem Brawn BGP 001 präsentiert. Auf der silbermatten Grundlackierung befinden sich schwarze und cyanfarbene Elemente der Sponsoren. Der Einsatzwagen für die Saison wurde eine Woche später am ersten Tag der Testfahrten in Valencia präsentiert. Der Wagen verfügte über keine nennenswerten Innovationen und stellte technisch eine Evolution des BGP 001 ohne den nun verbotenen Doppeldiffusor dar. Durch das Verbot von Tankstopps zur Saison 2010 mussten die Tanks vergrößert und das Mindestgewicht der Rennwagen auf 625 kg angepasst werden. Optisch entfielen zudem per Reglement die Radkappen und die Vorderreifen wurden schmaler. Der W01 wurde wie der Brawn von einem Mercedes-2,4-Liter-V8 ohne KERS angetrieben.

Nachdem das Team im Vorjahr beide Weltmeisterschaften gewonnen hatte, fiel es entgegen großer Erwartungen 2010 ins vordere Mittelfeld zurück. Zwar erlaubte der W01 konstante Platzierungen in den Punkten, jedoch waren Rosbergs dritte Plätze in Malaysia, China und England die besten Saisonplatzierungen. Dies lag auch daran, dass Honda nach dem 2008 beschlossenen Ausstieg nichts mehr in den Rennstall investierte und das chronisch unterfinanzierte Brawn-Team während des Weltmeisterjahres 2009 sämtliche Ressourcen in die Bewältigung der laufenden Saison steckte. Somit wurde die rechtzeitige Entwicklung des 2010er Autos während der Saison 2009 verhindert und die Infrastruktur der Fabrik lange Zeit vernachlässigt. Diese Probleme wirkten sich noch bis auf die Saison 2011 aus. Ross Brawn bezeichnete den MGP W01 später als Folge unzureichender Entwicklung als viel zu konservativ hinsichtlich Gewicht, Schwerpunkt und Aufhängung.[20] Die Aerodynamik, eine Verlängerung des Radstands und das Zusammenspiel von Auspuffabgasen und Diffusor waren weitere Baustellen an dem Rennwagen.

Schumacher erreichte in Spanien, der Türkei und Südkorea jeweils vierte Ränge als beste Ergebnisse und wurde mit 72 Punkten Gesamtneunter der Fahrerwertung. Nico Rosberg sammelte 142 Punkte und schloss das Jahr als Siebter der Fahrerwertung ab. Das Team belegte den vierten Rang der Konstrukteursmeisterschaft (214 Punkte) hinter Motorenkunde und ehemaligem Partner McLaren, die Vizeweltmeister wurden.

Mitte 2010 verließ der bisherige Testfahrer Nick Heidfeld das Team in Richtung Reifenlieferant Pirelli.[21]

Saison 2011Bearbeiten

 
Rosberg mit dem MGP W02 beim Großen Preis von Spanien 2011
 
Michael Schumacher beim Training zum Großen Preis von Kanada 2011

Im Februar 2011 wurde bekannt, dass Daimler und Aabar die restlichen 24,9 % der Anteile der ursprünglichen Eigentümer noch vor dem Saisonstart übernehmen werden. Damit gehörte das Team zu 100 % Mercedes-Benz und seinen Partnern, wodurch sich unter anderem die Flexibilität bei anstehenden Investitionen in die Infrastruktur der Fabrik erhöhen sollte.[22]

Das Mercedes-Werksteam konnte im zweiten Jahr seines Bestehens die erhoffte Leistungssteigerung gegenüber der Vorsaison, die es als Gesamtvierter der Konstrukteure beendete, nicht erfüllen. Die Saison 2011 verlief insgesamt sogar weniger erfolgreich als das Premierenjahr, da es weder Nico Rosberg noch Michael Schumacher schaffte einen Podestplatz zu belegen. Es gelang mit dem Mercedes MGP W02 auch keine Pole-Position oder schnellste Rennrunde.

Der MGP W02 wurde der Öffentlichkeit am 1. Februar 2011 direkt vor den offiziellen Testfahrten in Valencia vorgestellt. Zwei Tage zuvor wurden bereits erste Fotos online gezeigt.[23] Optisch wurde die matte Lackierung des Vorjahres gegen ein glänzenderes, helleres Silber getauscht. Pirelli löste Bridgestone zur Saison 2011 als Reifenlieferant der Formel 1 ab und das DRS wurde eingeführt. Bedingt durch diese und weitere Regeländerungen sowie die mangelnde Performance des Vorgängers, war der W02 eine umfassende Neukonstruktion. Die Nase wurde gegenüber dem W01 angehoben, um möglichst viel Luft unter das Auto zu leiten und so den Diffusor am Heck anzuströmen. Der Radstand wurde verkürzt und die Seitenkästen verkleinert um den Luftwiderstand zu verringern. Der W02 war der erste Werks-Mercedes mit KERS in der Formel 1, da dieses System 2010 nicht erlaubt waren. Angetrieben wurde er wie das Vorjahresmodell von einem 2,4-Liter-V8 aus dem Motorenwerk in Brixworth.

Der geringe Erfolg des Wagens lag weniger an der Leistungsfähigkeit des Antriebs, sondern vielmehr an dem letztlich zu wenig innovativen und effektiven Aerodynamik-Konzept des Chassis. Vor allem den während der Saison am Red Bull RB7 perfektionierten angeblasenen Diffusor brachten die Techniker am W02 nie richtig zum Arbeiten. Entgegen der meisten Konkurrenten verkürzte Mercedes den Radstand, was jedoch nicht für die erhofften Effekte am Diffusor sorgte.[24] Die Umstellung der Hinterradaufhängung auf Zugstreben erschwerte zudem die Setup-Arbeit.

Das Team wurde in der Konstrukteursweltmeisterschaft mit 165 Punkten erneut Vierter. Nico Rosberg belegte den siebten (89 WM-Punkte) und Michael Schumacher den achten Gesamtrang (76 WM-Punkte) der Fahrerwertung. Schumacher setzte mit seiner Fahrt auf den vierten Platz beim chaotischen Regenrennen in Kanada eines der wenigen Highlights und erreichte das beste Saisonergebnis.[25] Nico Rosbergs beste Zielankünfte waren zwei fünfte Plätze bei den Großen Preisen von China und der Türkei.

Die durchwachsenen Ergebnisse der ersten beiden Saisons als Werksteam rührten auch daher, dass Mercedes im Vergleich zu den Topteams Ferrari und Red Bull mit einem kleineren Budget operierte. Der Einstieg als Werksteam im Herbst 2009 erfolgte noch unter der Prämisse der Einführung einer Budgetbegrenzung in der Formel 1. Der Rennstall Brawn GP hatte zum Zeitpunkt der Übernahme bereits einen verkleinerten Mitarbeiterstamm, der den Anforderungen an einen Budgetdeckel entsprochen hätte.[26] Eine solche Begrenzung wurde jedoch nie eingeführt und Mercedes stand vor der Entscheidung, die Richtung des Formel-1-Engagements festzulegen. Man entschloss sich im Laufe der Saison 2011 in Anbetracht der Chancen des neuen Regelwerks ab 2014 für eine schrittweise Erhöhung des Team-Budgets und eine personelle Vergrößerung der Technikabteilung.[27] Im Zuge dieser Entscheidung wurde die von Bob Bell geführte Technikabteilung unter anderem mit den ehemaligen Technikchefs von Ferrari (Aldo Costa) und Red Bull (Geoff Willis) verstärkt.[28] Außerdem wurde der Windkanal im Werk in Brackley für den Einsatz eines 60-%-Modells ausgebaut.[29]

Saison 2012Bearbeiten

 
Schumacher fährt mit dem F1 W03 im Qualifying zum Großen Preis von Monaco die schnellste Zeit (2012)
 
Michael Schumacher war von 2010 bis 2012 Werksfahrer für Mercedes

Zur Saison 2012 änderte der Rennstall den offiziellen Teamnamen in Mercedes AMG Petronas F1 Team.[30] Vor der Saison nahm der Rennstall an den drei Formel-1-Testwochen teil. Das 2012er-Fahrzeug, der Mercedes F1 W03, wurde allerdings erst ab der zweiten Testwoche eingesetzt.

Das Fahrzeug wurde radikaler konstruiert als die beiden Vorgänger und besaß eine Reihe technischer Innovationen, allen voran das Doppel-DRS-System. Dieses ermöglichte bei Betätigung des DRS-Knopfes eine verbesserte Höchstgeschwindigkeit durch eine Reduzierung des Luftwiderstandes. Obwohl es vor der Saison von den Regelwächtern als legal eingestuft wurde, erwogen Red Bull Racing und das Lotus F1 Team einen Protest. Vor dem Rennen in China legte Lotus dann tatsächlich Protest ein, welcher von den technischen Delegierten der FIA jedoch zurückgewiesen wurde.[31] Mit dem neuen Auto sollte die aerodynamische Effizienz im Vergleich zum Vorgänger erhöht werden. Der Radstand wurde gegenüber dem W02 wieder verlängert um die nutzbare Diffusorfläche zu vergrößern. Die Seitenkästen wurden nochmal schlanker gebaut und früher nach innen gezogen. Im Heck wurden Hitzeabweiser an den Radträgern angebracht um die heißen Abgase von den Rädern fernzuhalten.[32]

Zunächst startete der Rennstall ähnlich erfolglos in die Saison wie die beiden Jahre zuvor, da man in zwei Rennen nur einen Punkt erfahren konnte. Beim dritten Saisonlauf, dem Großen Preis von China auf dem Shanghai International Circuit, schaffte man am 15. April 2012 jedoch mit dem ersten Sieg des 2009 gegründeten Teams den großen Durchbruch. Nico Rosberg gewann das Rennen, nachdem er am Tag zuvor bereits die Pole-Position erreicht hatte. Es war der erste Grand-Prix-Sieg eines Mercedes-Benz-Werksteams in der Formel 1 seit dem Großen Preis von Italien 1955 vor 57 Jahren.[33] Die Saison verlief für Rosberg auch nach dem Premierensieg erfolgreich, sodass er nach einem weiteren Podiumsbesuch als Zweiter in Monaco nach dem ersten Saisondrittel auf WM-Zwischenrang fünf lag.

Michael Schumacher startete schwieriger in die Saison und musste eine Reihe technischer Ausfälle hinnehmen. Zwar war er beim Großen Preis von Monaco der Schnellste im Qualifying, er musste aufgrund einer Strafversetzung jedoch von Platz 6 ins Rennen gehen.[34] Darüber hinaus gelang es ihm beim Großen Preis von Europa in Valencia als Dritter zum ersten Mal seit seinem Comeback 2010 einen Podestplatz zu belegen.

Im Verlauf der Europa-Saison konnte das Team die anfänglich guten Ergebnisse nicht mehr bestätigen und fiel gerade im Qualifying weiter hinter die Spitzenteams zurück. So holte der Rennstall vom neunten Saisonrennen in England bis zum zwölften Lauf in Belgien nur 21 Punkte und Rosberg fiel in der Weltmeisterschaft zurück. Beim Großen Preis von Singapur erreichte Rosberg mit dem fünften Platz das beste Ergebnis seit dem Monaco-GP. Podiumsplätze waren jedoch außer Reichweite. Einschließlich des nachfolgenden Großen Preises von Japan konnte das Team bei fünf Rennen in Folge keine Punkte holen und lief zwischenzeitlich Gefahr, den fünften Rang in der Konstrukteurswertung an Sauber zu verlieren. Michael Schumacher konnte diese Serie erst im letzten Rennen in Brasilien mit einem siebten Platz beenden.

Mercedes schloss die Saison mit 142 Punkten als Gesamtfünfter ab. Nico Rosberg erreichte Rang neun (93 Punkte) und Michael Schumacher Rang 13 (49) in der Fahrerwertung. Trotz des ersten Sieges seit dem Comeback, war 2012 nach den durchwachsenen Ergebnissen in der zweiten Saisonhälfte und insgesamt zehn Ausfällen die bis dahin schwächste Saison des Teams.

Am 28. September 2012 gab das Team bekannt, dass der zum Saisonende auslaufende Vertrag mit Michael Schumacher nicht verlängert wurde und man stattdessen Lewis Hamilton ab 2013 als Fahrer verpflichtet hat. Zudem wurde am gleichen Tag Niki Lauda zum Aufsichtsratsvorsitzenden des Teams berufen.[35] Im November 2012 kaufte Daimler den zwischenzeitlich auf 40 % erhöhten Team-Anteil von Aabar zurück, wodurch das Team zu 100 % Daimler gehörte.[36]

Am 13. Dezember 2012 wurde bekannt gegeben, dass der Vertrag mit dem Motorsport-Chef Norbert Haug in gegenseitigem Einvernehmen zum Jahresende aufgelöst werde. Haug verantwortete die Renneinsätze von Mercedes-Benz 22 Jahre lang als Motorsportdirektor.[37]

Saison 2013Bearbeiten

 
Hamilton im neuen F1 W04 beim Training zum Großen Preis von Malaysia 2013
 
Lewis Hamilton ist seit der Saison 2013 Werksfahrer für Mercedes
 
Hamilton vor Rosberg beim Großen Preis von Malaysia 2013
 
Rosberg gewinnt den Großen Preis von Monaco 2013

Anfang 2013 wurde der Österreicher Toto Wolff neuer Motorsportdirektor von Mercedes-Benz und trat die Nachfolge des im Dezember ausgeschiedenen Norbert Haug an. Wolff erwarb im Zuge seines Einstiegs 30 % und Niki Lauda 10 % der Anteile an dem Rennstall.[38] Wolff verfügt über persönliche Rennerfahrung in unteren Klassen und war zuvor in leitender Position bei Williams tätig, wo er noch bis März 2016 als Anteilseigner beteiligt war.[39]

Mercedes trat in der Formel-1-Saison 2013 mit Nico Rosberg und dem im September 2012 von McLaren verpflichteten Lewis Hamilton an. Hamilton war der insgesamt zehnte Grand-Prix-Fahrer von Mercedes und der zweite Brite nach Stirling Moss. Hamilton wurde 2008 bereits Weltmeister auf McLaren-Mercedes.

Der neue Mercedes F1 W04 debütierte auf dem Circuito de Jerez im Rahmen der ersten Wintertestfahrten der Formel-1-Saison 2013.[40] Obwohl der Wagen äußerlich eine Evolution des Vorjahresmodells darstellte, zeigte er sich aerodynamisch stark verbessert und war auf eine gezeitete Runde von Saisonbeginn an schnell. Die überarbeitete Luftführung über den Frontflügel und um die Seitenkästen herum ermöglichte ein verbessertes seitliches Abdichten des Diffusors zwischen den Hinterreifen. Angetrieben wurde der Wagen wie die Vorgänger von einem 2,4-Liter-V8 mit KERS.

Beim Saisonauftakt in Australien ging Hamilton vom dritten und Rosberg vom sechsten Platz ins Rennen. Rosberg fiel technisch bedingt aus, Hamilton wurde Fünfter. Beim zweiten Rennen in Malaysia erreichte Hamilton mit einem dritten Platz seinen ersten Podestplatz für Mercedes. Zusammen mit dem vierten Platz Rosbergs war es das beste Teamergebnis von Mercedes seit dem Wiedereinstieg in die Formel 1. Mercedes wies Rosberg in der Schlussphase mit einer Stallorder an, Hamilton nicht anzugreifen und das Ergebnis zu sichern.[41]

Beim folgenden Rennwochenende in China gelang es Lewis Hamilton, seine erste Pole-Position für Mercedes herauszufahren, gleichzeitig war es seit 2010 die zweite für das Team überhaupt. Im Rennen wurde er lediglich Dritter, Rosberg fiel erneut technisch bedingt aus. Es zeigte sich, dass der F1 W04 die Reifen in der Qualifikation schnell ins richtige Temperaturfenster brachte, dafür aber in den Rennen unter übermäßigem Reifenverschleiß litt.

In China startete das Team eine Serie, denn auch bei den folgenden drei Grands Prix in Bahrain, Barcelona und Monaco errang Mercedes jeweils durch Nico Rosberg die Pole Position. Trotzdem waren durch den eklatant hohen Reifenverschleiß im Rennen sowohl in Bahrain als auch in Barcelona keine Platzierungen auf dem Podium möglich. So wurden die Mercedes in Spanien, von Reihe eins gestartet, ohne erkennbare taktische oder technische Fehler auf die Ränge 6 und 12 durchgereicht.

Erst beim Großen Preis von Monaco konnte das Team den ersten Startplatz in einen Sieg von Rosberg umwandeln. Für ihn war es der zweite Grand-Prix-Sieg seiner Karriere nach China 2012 und er erzielte ihn genau 30 Jahre nachdem sein Vater Keke Rosberg in Monaco gewonnen hatte.

Ab dem fünften Saisonlauf in Barcelona fuhr das Team mit einem modifizierten Farbdesign an den beiden F1 W04, welches mehr Assoziationen an die Silberpfeile der Vergangenheit wecken sollte.[42]

Am Samstag des Monaco-Wochenendes wurde öffentlich bekannt, dass Mercedes gemeinsam mit dem Reifenlieferanten Pirelli im Anschluss an das vorangegangene Rennwochenende in Barcelona einen 1000-Kilometer-Reifentest absolviert hat. In der Folge legten Red Bull Racing und die Scuderia Ferrari Protest bei den Regelkommissaren ein, da Testfahrten mit dem aktuellen Rennwagen während der Saison verboten sind. Pirelli und Mercedes vertraten die Ansicht, die Tests seien legal; außerdem seien die Testergebnisse ausschließlich für Pirelli bestimmt und bedeuteten so keinen Wettbewerbsvorteil für Mercedes. Die Untersuchung wurde von den Rennstewards des Großen Preises von Monaco an die FIA weitergeleitet. Am 20. Juni 2013 kam es zu einer Gerichtsverhandlung vor dem Internationalen Tribunal in Paris, bei dem Mercedes und Pirelli von der FIA angeklagt wurden, illegale Testfahrten durchgeführt zu haben. Einen Tag später wurden Pirelli und Mercedes offiziell verwarnt und das Mercedes-Team von den im Juli in Silverstone stattfindenden Young-Driver-Tests ausgeschlossen.[43] Von weiteren Sanktionen, wie einer Geldstrafe oder Punktabzug, wurde abgesehen, da zwar ein Verstoß gegen die Testregel des sportlichen Reglements vorliege, Mercedes und Pirelli jedoch nachweisen konnten, im guten Sinne gehandelt zu haben, da der Test die Sicherheit der Reifengeneration verbessern sollte. Ein etwaiger Wettbewerbsvorteil des Teams solle durch den Ausschluss bei den Testfahrten im Juli ausgeglichen werden. Noch am selben Tag gab Mercedes bekannt, dass es auf eine Berufung gegen das Urteil verzichten werde.[44]

Nachdem Lewis Hamilton beim Großen Preis von Kanada den dritten Rang verbuchen konnte, gelang dem Team in Silverstone der zweite Saisonsieg durch Nico Rosberg, nachdem Hamilton, von der Pole gestartet, einen Reifenschaden erlitt und Vierter wurde. Hamilton gelang auch auf dem Nürburgring die Pole-Position, das Rennen beendeten die Fahrer jedoch nur auf den Positionen fünf und neun.

Beim folgenden Rennen in Ungarn gelang Lewis Hamilton mit einem Start-Ziel-Sieg der erste Grand-Prix-Erfolg mit seinem neuen Team. In Führung liegend, konnte er seine Reifen trotz der hohen Streckentemperaturen erfolgreich managen. Nach der Sommerpause startete mit Lewis Hamilton in Belgien letztmals in der Saison ein Mercedes von der Pole-Position. Im Rennen wurde er Dritter vor Rosberg. Bei den nachfolgenden Überseerennen konnte das Team keine Podiumsplätze mehr feiern. Ähnlich wie 2012 flachte die Leistungskurve zum Saisonende hin ab, wenn auch auf höherem Niveau.

Mit den Plätzen fünf und neun sicherte sich Mercedes beim Saisonfinale in Sao Paulo zwölf Punkte und damit die Vizeweltmeisterschaft in der Konstrukteurswertung. Am Ende standen sechs Punkte Vorsprung gegenüber Ferrari in der WM-Tabelle.

2013 gelang es Mercedes erstmals seit dem Wiedereinstieg, sich als Topteam zu etablieren und konstant um Podiumsplätze kämpfen zu können. Insgesamt fuhr das Team mit 360 Punkten fast dreimal so viele ein wie in der Vorsaison (142 Punkte; Gesamtrang fünf). Es gelangen insgesamt drei Saisonsiege, acht Pole-Positions und eine schnellste Rennrunde. Lewis Hamilton belegte mit 189 Punkten und einem Saisonsieg Platz vier in der Fahrer-Weltmeisterschaft. Nico Rosberg erreichte 171 Punkte und zwei Saisonsiege, was für Gesamtrang sechs reichte.

Zum Jahresende verließ der bisherige Teamchef Ross Brawn das Werksteam. Der Anfang 2013 zum Mercedes-Benz Motorsportdirektor ernannte Toto Wolff und der im Juni von McLaren abgeworbene Techniker Paddy Lowe übernahmen die Teamführung in einer Doppelspitze, womit der klassische Posten des Teamchefs entfiel. Wolff agiert künftig als Geschäftsführer im Bereich Business, während Lowe Geschäftsführer im Bereich Technik ist.[45]

Saison 2014Bearbeiten

 
Hamilton im Weltmeister-Auto 2014: Mercedes F1 W05 Hybrid
 
Rosberg im F1 W05 beim Training zum Großen Preis von Singapur 2014
 
Lewis Hamilton beim Großen Preis von China 2014

Zu Beginn der Saison 2014 gab es einige personelle Änderungen. Mercedes übernahm mehrere Ingenieure des Konkurrenzteams Red Bull. Zu ihnen gehörten Mark Ellis und Giles Wood.[46] Andererseits kündigte der Rennstall an, dass der Technische Direktor Bob Bell seine Arbeit zum Saisonende einstellen werde. Eine direkte Neubesetzung war zunächst nicht vorgesehen, die Leitung der Technikabteilung übernahm Paddy Lowe.[47] Als Stammfahrer blieben Lewis Hamilton und Nico Rosberg im Team, Pascal Wehrlein war Ersatzfahrer.

Zur Saison 2014 wurden in der Formel 1 erstmals seit 1988 Turbomotoren eingeführt. Einsatzfahrzeug der ersten Saison mit den neuen Motoren war der Mercedes F1 W05, der ab dem fünften Saisonrennen unter der Bezeichnung F1 W05 Hybrid gemeldet wurde. Der W05 war das erste komplett unter Mercedes-Regie entwickelte Formel-1-Auto seit dem W 196, da die Vorgänger noch auf dem bereits 2009 etablierten Reglement aufbauten. Mercedes-Benz betrachtete die 2011 verkündeten Motorenregeln als Chance zum Angriff auf die Weltmeisterschaft. So flossen bereits seit 2011 finanzielle und personelle Ressourcen in die Entwicklung des Motors und dessen Integration in den Rennwagen. Das Teambudget wurde hierfür seit 2012 schrittweise an das der Topteams Ferrari und Red Bull angenähert.[48] Als Antrieb diente der Mercedes-Benz PU106A Hybrid, ein 1,6 Liter großer V6-Turbomotor mit Energy Recovery System (ERS) zur Rückgewinnung sowohl thermischer als auch kinetischer Energie. Der maximale Treibstoff-Durchfluss und die nutzbare Treibstoffmenge pro Rennen wurden reglementarisch begrenzt. Das Mindestgewicht der Fahrzeuge wurde aufgrund der zusätzlichen Elektrokomponenten auf 690 kg angehoben.

Das Auto wurde kurz vor den ersten offiziellen Testfahrten auf dem Circuito de Jerez in Spanien präsentiert. Besondere Designmerkmale des Autos waren eine im Vergleich zum Vorgängermodell tiefer gezogene Nase sowie ein schmalerer Frontflügel. Der Einsatz eines Beam-Wing unter dem Heckflügel wurde verboten.[49] Das Team nahm zur Saisonvorbereitung an den drei offiziellen Testwochen in Jerez und Bahrain teil. Zusammen mit den Kundenteams McLaren, Force India und Williams legte Mercedes an den zwölf Testtagen die meisten Kilometer zurück. Der Turbo-Motor von Mercedes machte vor Saisonstart in Bezug auf Zuverlässigkeit und Performance den am besten entwickelten Eindruck.[50]

Die ersten vier Rennen der Saison war Mercedes mit dem F1 W05 das mit Abstand leistungsstärkste Team. Alle Rennsiege, Pole-Positions und schnellsten Rennrunden sowie sämtliche Führungsrunden der Rennen gingen an Fahrer des Mercedes-Werksteams.[51] Dabei gewann Rosberg den Großen Preis von Australien, während Hamilton die folgenden drei Rennen in Malaysia, Bahrain und China für sich entschied. Die überlegene Performance der Silberpfeile war der Kombination aus dem effizientesten Triebwerk und einem aerodynamisch ausgereiften Chassis zu verdanken. Die frühzeitig begonnene und gemeinsame Entwicklung von Auto und Antriebsstrang stellte sich als Wettbewerbsvorteil heraus.

Die Dominanz setzte sich bei den ersten europäischen Saisonrennen fort. Hamilton gewann in Spanien und Rosberg wie im Vorjahr in Monaco. In Monaco konnte Mercedes darüber hinaus mit dem fünften Doppelsieg in Folge den von Ferrari 1952 und 2002 aufgestellten Rekord einstellen.

In Kanada erlitt das Team erstmals in der Saison technische Defekte. Hamilton schied nach einem Defekt der Hinterradbremse nach dem Ausfall des ERS-K aus; Rosberg, dessen Antrieb ebenfalls vom Ausfall des ERS-K betroffen war, wurde noch Zweiter.[52] Die drei nachfolgenden Rennen gewannen Rosberg und Hamilton. Beim Großen Preis von Ungarn verhinderte bei Hamilton ein technischer Defekt im Qualifying und bei Rosberg eine unglückliche Safety-Car-Phase ein besseres Teamergebnis.

Eine missachtete Stallorder von Hamilton sorgte für Unruhe im Team, die beim Großen Preis von Belgien weiter eskalierte. Rosberg startete vor Hamilton, nachdem dieser jedoch beim Start die Führung übernahm, kollidierten beide in Runde zwei bei einem Überholversuch Rosbergs. Hamilton fiel mit Reifenschaden weit zurück und stellte schließlich ab, Rosberg musste den Flügel tauschen und wurde Zweiter. In der folgenden Woche übernahm Rosberg nach eigenen Aussagen die Verantwortung für den Zwischenfall. Beim Abschluss der Europarennen in Italien konnte das Team einen weiteren Doppelsieg feiern.

In Singapur übernahm Hamilton mit seinem Sieg die WM-Führung, da Rosberg von Pole gestartet durch einen Kabelbruch in der Lenksäule ausfiel. Hamilton gewann auch die Rennen im verregneten Suzuka und in Sotschi vor Rosberg, der nach dem Start bereits in Führung lag, sich aber beim Anbremsen der ersten Kurve einen Bremsplatten einhandelte. Mit dem neunten Doppelsieg des Jahres gewann das Team seine erste Konstrukteurs-Weltmeisterschaft mit bis dahin 565 Punkten vorzeitig.

Lewis Hamilton konnte den USA-GP in Austin gewinnen, Nico Rosberg hingegen den Brasilien-GP in Sao Paulo. Beide Fahrer profitierten bei ihren Siegen jeweils von Fahrfehlern ihres Teamkollegen. Nach dem Rennen in den USA war rechnerisch klar, dass die WM zwischen den Mercedes-Fahrern entschieden würde.

Beim Saisonfinale auf der Yas-Insel gewann Hamilton seine zweite Weltmeisterschaft durch einen ungefährdeten Sieg. Der von Pole startende Rosberg verlor bereits den Start und musste sich nach Verlust des ERS ohne Zusatzpower durch das Rennen kämpfen, welches er aber auf eigenen Wunsch hin trotzdem beendete. Lewis Hamilton wurde nach Juan Manuel Fangio zweiter Weltmeister auf Mercedes-Benz.

Hamilton schlug Rosberg in der Weltmeisterschaft mit 384:317 Punkten und 11:5 Rennsiegen. Der Ausgang der WM war jedoch knapper, als es das, durch die doppelten Punkte beim Saisonfinale verzerrte, Ergebnis vermuten lässt. Das Team sammelte insgesamt 701 Zähler, was einen neuen Saisonrekord bedeutete. Es war der erste deutsche Konstrukteurstitel der Formel-1-Geschichte, da dieser erst seit dem Jahr 1958 vergeben wird. Mercedes fuhr in der Saison 2014 insgesamt elf Doppelsiege ein und stellte damit einen neuen Rekord auf.

Saison 2015Bearbeiten

 
Rosberg im neuen F1 W06 bei Tests vor der Saison 2015 in Jerez
 
Hamilton mit veränderter Nase während der Saison beim Großen Preis von Japan
 
Betretene Mienen während der Siegerehrung zum Großen Preis von Monaco 2015

Das Einsatzfahrzeug der Formel-1-Weltmeisterschaft 2015, der Mercedes F1 W06 Hybrid, wurde am Morgen des 1. Februar 2015 im Rahmen der ersten offiziellen Testfahrten in Jerez präsentiert. Zuvor waren jedoch bereits am 29. Januar erste Fotos des Rollouts in Silverstone öffentlich geworden.[53] Das neue Auto stellte eine Evolution des Vorgängers W05 dar, äußerlich hauptsächlich an einer schmaleren Nase zu erkennen. Laut den verantwortlichen Technikern wurden die wichtigsten Änderungen beim Packaging der verschiedenen Komponenten unter der Verkleidung sowie zur Gewichtsoptimierung vorgenommen. Die als PU106B Hybrid bezeichnete Power Unit des Jahrgangs 2016 stellt eine Weiterentwicklung des 1,6 Liter großen V6-Turbos der Vorsaison dar.

Das Team bestritt auch die Saison 2015 mit den beiden Stammfahrern Lewis Hamilton und Nico Rosberg, sowie Pascal Wehrlein als Testfahrer.

Mercedes startete in Melbourne mit einem dominanten Doppelsieg in die Saison, wobei Hamilton gewann. Der W06 stellte sich beim Saisonstart zunächst als schnellstes Fahrzeug heraus. Beim zweiten Saisonrennen in Malaysia verlor das Team jedoch überraschend gegen Sebastian Vettel auf Ferrari den Sieg. Die Mercedes hatten ähnlich wie in den Jahren 2012 und 2013 Probleme mit dem Reifenmanagement der Pirellis.[54]

Dieses Rennen stellte sich im Nachhinein als Ausnahme heraus. So standen bis zum Rennen in Silverstone neun Rennen in Folge beide Fahrer auf dem Podium. Von den neun Rennen gewannen Hamilton und Rosberg acht. Hamilton war in der ersten Saisonhälfte überwiegend schneller als Rosberg, er erzielte neun Pole-Positions und fünf Laufsiege. Dabei brachte der Monaco-GP eine Kontroverse mit sich, da Rosberg den Sieg in der Schlussphase durch einen strategisch überflüssigen Reifenwechsel Hamiltons erbte, der das Rennen souverän kontrollierte.

Beim Großen Preis von Ungarn fielen beide Piloten wie schon in Silverstone beim Start zurück. Mit den Rängen sechs und acht erzielte das Team das schlechteste Ergebnis seit Saisonbeginn 2014. Auffallend viele Kollisionen und Ausrutscher beider Piloten beendeten eine zwischenzeitlich 28 Rennen andauernde Serie von Podiumsplätzen. Trotzdem führte Mercedes zur Sommerpause in der Konstrukteurswertung mit 383 Punkten deutlich vor Ferrari.

Nach der Sommerpause, gelang in Belgien erneut ein Doppelsieg. In Monza erzielte Hamilton einen Start-Ziel-Sieg, während Rosberg in der vorletzten Runde wegen eines Motorschadens ausfiel.

In Singapur waren die Piloten erstmals in der Saison nicht in der Lage, um den Rennsieg zu kämpfen. Rosberg belegte Rang vier, Hamilton schied aus. Die überraschend schwache Performance (in der Qualifikation mit 1,4 Sekunden Rückstand) erklärte sich das Team in der Folge durch eine unvorteilhafte Kombination aus Streckencharakteristik, Reifenwahl und Setup-Arbeit.[55] Durch die Niederlage in der Qualifikation verpasste es Mercedes den Rekord von Williams mit 24 Pole-Positions in Folge einzustellen.

In Suzuka gelang ein weiterer Doppelsieg angeführt von Hamilton, obwohl Rosberg zum ersten Mal seit Spanien den ersten Startplatz erreichte. In Russland schied Rosberg nach wenigen Runden in Führung liegend aus, sodass Hamilton gewann und kurz vor dem Titelgewinn stand. Mercedes konnte vorzeitig den erneuten Gewinn des Konstrukteurstitel sicherstellen.

In Austin startete Rosberg wieder von der Pole-Position. Nachdem die Führung mehrmals wechselte, gewann Hamilton das Rennen durch einen Fahrfehler seines Teamkollegen wenige Runden vor dem Ziel. Damit stand er mit 80 Punkten Vorsprung drei Rennen vor Saisonende als dreimaliger Champion fest. Bei den letzten drei Saisonrennen baute Rosberg seine Serie an Poles aus und gewann auch jeweils vor Hamilton.

Hamilton wurde mit 381 Punkten Fahrerweltmeister vor Nico Rosberg mit 322. Das Team sammelte insgesamt 703 Zähler, die vorige Saison wurde knapp überboten. Mercedes fuhr zudem insgesamt zwölf Doppelsiege ein und verbesserte seinen eigenen Rekord. Lewis Hamilton entschied die Saison nicht nur nach Punkten für sich, er holte auch 10:6 Siege und 11:7 Pole-Positions.

Saison 2016Bearbeiten

 
Rosberg mit dem F1 W07 beim Großen Preis von Bahrain 2016
 
Von 2013 bis 2016 vier Jahre lang Teamkollegen: Hamilton und Rosberg
 
Rosberg führt vor Hamilton beim regnerischen Großen Preis von Monaco 2016

Das Einsatzfahrzeug der Formel-1-Weltmeisterschaft 2016, der Mercedes F1 W07 Hybrid, wurde am Morgen des 22. Februar 2016 im Rahmen der ersten Testfahrten in Barcelona offiziell präsentiert. Das Auto stellte aufgrund des stabilen Reglements eine Evolution des Vorgängermodells W06 dar, bei dem nach der Rekordsaison 2015 wenig zu verbessern war. Daher konzentrierte man sich bei der Entwicklung vor allem auf die Zuverlässigkeit und eine Effizienzsteigerung der Power Unit. Angetrieben wurde der Wagen vom Mercedes-Benz PU106C Hybrid, der 2016er Ausbaustufe des seit 2014 verwendeten Mercedes-V6-Turbomotors.[56]

Als Stammpiloten blieben der amtierende Weltmeister Lewis Hamilton sowie Nico Rosberg an Bord. Der Ersatz- und Simulatorfahrer Pascal Wehrlein blieb trotz seines Cockpits 2016 bei Manor Racing Angestellter des Mercedes-Teams.

Der F1 W07 Hybrid stellte sich auch zu Beginn der Saison 2016 als schnellstes Auto im Feld heraus. So startete das Team mit einem Doppelsieg beim Großen Preis von Australien. Rosberg gewann die ersten vier Rennen der Saison in Serie, auch weil Hamilton problematische Rennen mit technischen Defekten erlebte. Beim Europaauftakt, dem Großen Preis von Spanien, startete Hamilton von der Pole und Rosberg direkt dahinter. Nach einem harten Duell in den ersten beiden Kurven ging Rosberg zunächst in Führung, bevor die Teamkollegen in Kurve 3 kollidierten und das Rennen für beide beendet war. Hamilton wollte beim Anbremsen innen vorbei, Rosberg ließ ihm jedoch keinen Raum, sodass er auf dem Gras die Kontrolle über den Wagen verlor und seitlich in Rosberg krachte.

Die folgenden Rennen in Monaco und Kanada gewann Hamilton, bei der Premiere des Europa-GP in Baku hingegen Rosberg. Beim neunten Saisonlauf in Österreich startete Hamilton von Pole, Rosberg übernahm zur Rennmitte die Führung und Hamilton schloss in den letzten Runde aufgrund einer alternativen Reifenstrategie wieder auf. Rosberg verteidigte sich entschlossen, sodass es in der letzten Runde zur erneuten Kollision der beiden kam. Hamilton konnte weiterfahren und gewann, Rosberg wurde mit stark beschädigtem Auto nur Vierter, führte in der WM aber noch mit 11 Punkten. Die wiederholten Unfallszenen führten zu harscher Kritik seitens der Teamleitung an den eigenen Fahrern.[57]

Die letzten drei Rennen vor der Sommerpause gewann Hamilton, womit er in Ungarn die WM-Führung übernahm und diese beim Deutschland-GP auf 19 Zähler ausbaute. Das Team führte in der Konstrukteurswertung nach zwölf Rennen mit 159 Punkten Vorsprung auf Red Bull Racing. Zudem stellte das Duo Hamilton/Rosberg in Ungarn mit 25 Doppelsiegen einen neuen Rekord auf; Schumacher/Barrichello fuhren für Ferrari einst 24 ein.

Rosberg kam stärker aus der Sommerpause zurück und gewann in Belgien, Italien und Singapur drei Rennen in Folge, womit er Hamilton in der WM wieder überholte. Den Malaysia-GP konnte Mercedes nicht gewinnen. Bei dem Red Bull-Doppelsieg fiel Rosberg nach einer Startkollision zunächst ans Ende des Feldes, machte im Ziel als Dritter aber trotzdem Punkte auf Hamilton gut, der im letzten Renndrittel in Führung liegend mit Motorschaden ausschied. Nach einem weiteren Sieg in Suzuka hatte Rosberg vier Rennen vor Schluss 33 Punkte Vorsprung, wodurch Hamilton nicht mehr ohne Hilfe Weltmeister werden konnte.

Hamilton gewann die abschließenden vier Rennen in Austin, Mexiko Stadt, Sao Paulo und Abu Dhabi. Rosberg erreichte durch taktische und defensive Fahrweise jedoch jeweils zweite Plätze und sicherte sich dadurch als dritter deutscher Fahrer seine erste Weltmeisterschaft. Er ist nach Fangio und Hamilton der dritte Champion auf Mercedes-Benz in der Formel 1.

Rosberg wurde mit 385 Punkten Fahrerweltmeister vor Hamilton mit 380 Punkten. Das Team sammelte 765 Punkte, was ebenso einen neuen Rekord bedeutete, wie die 19 Rennsiege und 20 Pole-Positions. Rosberg entschied die Saison zwar nach Punkten, Hamilton holte jedoch 10:9 Siege und 12:8 Pole-Positions.

Am 2. Dezember 2016 gab Nico Rosberg auf der FIA-Pressekonferenz anlässlich seines Titelgewinns seinen Rücktritt als Formel-1-Fahrer bekannt.[58]

Saison 2017Bearbeiten

 
Der Finne Valtteri Bottas wurde Nachfolger von Nico Rosberg
 
Bottas mit seiner Startnummer 77 im F1 W08 beim Großen Preis von Malaysia 2017

Am 16. Januar 2017 gab Mercedes öffentlich bekannt, dass der Finne Valtteri Bottas aus seinem Williams-Vertrag gekauft wurde um an der Seite von Hamilton die Nachfolge des zurückgetretenen Weltmeisters Nico Rosberg anzutreten.[59] Er ist der vierte Werksfahrer von Mercedes-Benz in der modernen Ära und der elfte insgesamt. Bottas wurde dem Mercedes-Nachwuchsfahrer Wehrlein vorgezogen, der 2017 schließlich für Sauber fuhr.[60]

Am 10. Januar 2017 machte Mercedes öffentlich, dass Paddy Lowe das Team auf eigenen Wunsch hin verlässt.[61] Noch vor dem Saisonstart gab Mercedes am 16. Februar 2017 mit James Allison seinen Nachfolger als neuen Technischen Direktor des Teams bekannt. Allison übernahm zum 1. März die Gesamtleitung der technischen Abteilung.[62]

Seit Saisonbeginn 2017 tritt das Team offiziell unter dem Namen Mercedes AMG Petronas Motorsport an.[63]

Der neue Einsatzwagen für die Saison 2017, der Mercedes F1 W08 EQ Power+, wurde am 23. Februar 2017 in Silverstone im Rahmen eines Filmtages vorgestellt. Das Team änderte für das neue Auto in Anlehnung an die elektrischen Serienfahrzeuge leicht die Nomenklatur.[64] Er unterschied sich bedingt durch die radikalen Änderungen des technischen Reglements deutlich vom Vorgänger. Die Fahrzeuge wiesen nun zwei Meter Spurbreite, deutlich breitere Reifen, tiefere und breitere Heckflügel sowie angepfeilte Frontflügel auf. Der Bereich zwischen den Vorderrädern und dem Cockpit entwickelte sich durch den Einsatz umfangreicher Bargeboards zur neuen Spielwiese der Aerodynamiker. Der lange Radstand war hingegen eine Mercedes-Eigenheit. Da man das Auto weniger stark anstellte als einige Konkurrenten, musste man den Unterboden verlängern, um hohe Abtriebswerte mit dem Diffusor zu generieren. Das Heck wurde hinter den Seitenkästen noch enger eingeschnitten als in der Vergangenheit, was in Kombination mit dem langen Radstand zu einer ausgeprägten, sogenannten Colaflaschen-Form führte. Einzig beim Antrieb änderte sich wenig, es wurde die 2017er Ausbaustufe des seit 2014 verwendeten 1,6-Liter-V6-Turbomotors eingesetzt. Es ging neben einer allgemeinen Effizienzsteigerung vor allem darum, die Zuverlässigkeit der Power Units an die neuen Regeln anzupassen. Durch die deutlich höheren Abtriebswerte der neuen Autos stieg der Vollgasanteil auf einer einzelnen Runde um bis zu zehn Prozent.[65]

Ein Ferrari-Erfolg beim Saisonauftakt in Melbourne bestätigte den Eindruck der Vorsaisontests, dass die neuen Aerodynamikregeln zum Ende der deutlichen Überlegenheit des Mercedes-Teams aus den vergangenen Jahren führten. Die Konkurrenz hatte sowohl aerodynamisch als auch motorenseitig aufgeholt. Ferrari stellte sich die gesamte Saison über als konkurrenzfähig heraus, Red Bull Racing konnte im Herbst ebenfalls zwei Rennen gewinnen.

Im ersten Saisondrittel deutete sich das WM-Duell zwischen Vettel und Hamilton an. Neben weiteren Duellen erreichte vor allem eine Szene beim Stadtrennen in Baku Aufmerksamkeit. Während einer Safetycar-Phase fuhr der zweitplatzierte Vettel dem führenden Hamilton ins Heck. Er dachte, Hamilton habe bewusst verlangsamt, setzte sich neben ihn und rammte Hamilton erneut. Beide konnten weiterfahren, das Rennen jedoch nicht gewinnen; Vettel bekam eine Zeitstrafe und Hamilton musste aufgrund eines losen Nackenschutzes zusätzlich an die Box. Nach dem Großen Preis von Ungarn führte Vettel mit 14 Punkten Vorsprung die Fahrerwertung an; beide Fahrer hatten vier Rennen gewonnen. Den Grundstein für seinen erneuten WM-Titel legte Hamilton erst nach der Sommerpause, als er fünf der nächsten sechs Rennen gewann und Vettel dabei in Singapur und Japan aufgrund eines Startcrashs und technischen Defekts zwei Nuller anschrieb. Nach der Sommerpause entschieden gegen Ferrari vor allem die effektivere Weiterentwicklung des Chassis und die bessere Zuverlässigkeit über die WM. Trotz der erfolgreichen Titelverteidigung wurde der W08 teamintern als launische Diva bezeichnet, nachdem er, gerade in der ersten Saisonhälfte, schwierig abzustimmen war, teils unerklärliche Performanceschwankungen zeigte und im Umgang mit den Reifen sensibel auf Veränderungen reagierte.[66]

Lewis Hamilton gewann seine vierte Weltmeisterschaft mit 363 Punkten und neun Siegen zum Schluss deutlich. Mit seiner schnellsten Runde im Qualifying in Monza löste er zudem Michael Schumacher als Fahrer mit den meisten Pole-Positions ab.

Valtteri Bottas konnte drei Laufsiege erringen (Russland, Österreich und Abu Dhabi) und beendete die Saison mit 305 Punkten auf dem dritten Gesamtrang. Bottas ist damit der fünfte Grand-Prix-Sieger auf Mercedes-Benz. Das Team gewann die vierte Konstrukteursmeisterschaft in Folge mit insgesamt 668 Punkten. Es konnten insgesamt zwölf Rennsiege und 15 Pole-Positions errungen werden.

Saison 2018Bearbeiten

 
Lewis Hamilton im F1 W09 beim Großen Preis von Österreich 2018

Das Einsatzfahrzeug der Saison 2018 war der insgesamt zehnte von Mercedes-Benz konstruierte Rennwagen, der im Rahmen der Formel-1-Weltmeisterschaft eingesetzt wurde. Der Mercedes-AMG F1 W09 EQ Power+ wurde am 22. Februar 2018 in Silverstone präsentiert.[67] Der Wagen stellt gegenüber seinem Vorgänger größtenteils eine Weiterentwicklung dar, da das technische Reglement im Vergleich zum vergangenen Winter stabil blieb. Die wichtigsten Regeländerungen betrafen das neu vorgeschriebene Halo-System, das zu einem Anstieg des Mindestgewichts auf 733 kg führte, sowie das Verbot der auffälligen Finne an der Motorabdeckung. Mercedes setzte weiterhin auf einen langen Radstand und eine geringe Anstellung des Autos zum Heck hin. Auf der Mehrzahl der Strecken stellte sich die lange Bauform 2017 als aerodynamischer Vorteil heraus. Außerdem musste das Team Ende 2017 aufgrund des WM-Kampfs parallel am W08 und W09 entwickeln, sodass eine umfangreiche Konzeptänderung nicht effektiv umsetzbar gewesen wäre. So konzentrierte man sich beim W09 auf aerodynamisches Feintuning und Änderungen an der Aufhängungskinematik, vorrangig mit dem Ziel das Reifenmanagement zu erleichtern und das Fahrverhalten zu verbessern.[68]

Als Fahrer blieben der amtierende Weltmeister Lewis Hamilton und Valtteri Bottas an Bord.

In der ersten Saisonhälfte bestätigte sich, dass das Team die Dominanz der Vorjahre nicht mehr aufrecht erhalten konnte. Ferrari startete in Australien und Bahrain mit zwei Siegen durch Sebastian Vettel in die Saison und hatte bis zur Sommerpause ein konstant schnelles Auto, das mit dem besseren Reifenmanagement und überlegenem Topspeed punktete. Mercedes-Benz stellte erstmals seit 2014 nicht mehr das unangefochten beste Triebwerk der Formel 1. Auch technisch schien der Mercedes 2018 verwundbar. So fielen beim Österreich-GP erstmals seit Beginn der Hybrid-Ära beide Mercedes technisch bedingt aus. Trotzdem konnten mit Lewis Hamilton im Auto bis zum Großen Preis von Belgien insgesamt fünf Rennen gewonnen werden.

Nach der Sommerpause konnte Mercedes den F1 W09 ähnlich dem Vorjahr entscheidend weiterentwickeln, während Ferrari durch technische, taktische und fahrerische Fehler Punkte abgab. Vettel konnte in Belgien noch gewinnen, doch Hamilton schlug in Italien, Singapur, Russland und Japan mit Siegen zurück. Nach dem Rennen in Suzuka hatte er in der Weltmeisterschaft 67 Zähler Vorsprung. Als sich in den letzten Saisonrennen auch Red Bull siegfähig präsentierte und Mercedes in den USA und Mexiko erneute Schwächen beim Reifenmanagement zeigte, standen die Entscheidungen in der Weltmeisterschaft bereits fest. In Mexiko wurde Hamilton mit einem vierten Platz vorzeitig Weltmeister. Auch das Team konnte seinen Titel aus dem Vorjahr erneut verteidigen. Damit egalisierte Lewis Hamilton die fünf WM-Titel von Juan Manuel Fangio. Außerdem fuhren mit Schumacher, Fangio und Hamilton nun die drei erfolgreichsten Formel-1-Piloten der Geschichte allesamt Rennen für Mercedes.

Lewis Hamilton wurde mit 408 Punkten Weltmeister und Valtteri Bottas mit 247 Punkten Gesamtfünfter. Mercedes hatte mit 655 Punkten 84 Zähler Vorsprung auf den Zweiten Ferrari. Es gelangen 2018 insgesamt 13 Pole-Positions und elf Grand-Prix-Siege. Dabei startete Bottas zweimal von der Pole-Position, blieb jedoch ohne Sieg.

Ende 2018 trennten sich die Wege von Mercedes-Juniorfahrer Pascal Wehrlein und dem Mercedes-Rennstall. Wehrlein wollte das Management seiner Karriere selbst übernehmen, nachdem er als Mercedes-Zögling kein Cockpit in Formel 1 bekam. Toto Wolff stellte in der Folge das Juniorprogramm an sich in Frage, da Mercedes seinen Piloten ohne ein Satellitenteam keine Cockpits in der Formel 1 anbieten könne.[69]

Saison 2019Bearbeiten

 
Bottas im neuen F1 W10 während der ersten Testwoche 2019 in Barcelona
 
Debüt in der zweiten Testwoche: Grundlegend überarbeiteter F1 W10

Zur Saison 2019 gab es verschiedene personelle Änderungen im Team. So informierte der bisherige Designchef Aldo Costa die Teamführung bereits im Sommer 2018, dass er 2019 vom operativen Geschäft zurücktreten und fortan nur noch als technischer Berater zur Verfügung stehen werde. Costa wechselte 2011 von Ferrari zu Mercedes und war neben Ross Brawn als Teamchef und Geoffrey Willis als damaligem Projektleiter des F1 W05 einer der wichtigsten Köpfe in der technischen Vorbereitung der Erfolge während der Hybrid-Ära. Die Stelle wurde nicht direkt neu besetzt und die Aufgaben innerhalb der Engineering Group verteilt. Zudem teilte Performance Director Mark Ellis mit, 2019 ein Sabbatjahr einlegen zu wollen. Er wird vom vorigen Chef-Aerodynamiker Lois Serra vertreten.[70]

Bereits Ende 2018 wurde mit dem ehemaligen McLaren-Piloten Stoffel Vandoorne ein weiterer Entwicklungsfahrer neben Esteban Gutierrez verpflichtet, die 2019 hauptsächlich am Simulator arbeiten. Vandoorne tritt zudem mit HWA in der Formel E an. Mercedes-Juniorfahrer Esteban Ocon muss nach seiner Saison bei Force India 2019 mit dem Job als Ersatzfahrer vorliebnehmen und wird das Team an der Rennstrecke unterstützen.[71] Als Stammfahrer blieben Hamilton und Bottas.

Das Einsatzfahrzeug für die zehnte Saison seit dem Wiedereinstieg als Werksteam, der Mercedes-AMG F1 W10 EQ Power+, wurde am 13. Februar 2019 bei einem Filmtag in Silverstone vorgestellt.[72] Das technische Reglement schrieb für die Saison 2019 breitere und dafür simpler konstruierte Front- und Heckflügel vor, um das Hinterherfahren und Überholen zu erleichtern. Trotz dieser Änderungen war der W10 eine Weiterentwicklung des Vorgängers, da an dem generellen Aerodynamikkonzept mit langem Radstand und wenig Anstellung nichts geändert wurde. Mit dem neuen Auto sollte die Performance der Hinterreifen auf verschiedenen Streckentypen besser konserviert werden können als mit dem Vorgänger. Mit diesem Ziel wurde die Fahrwerksgeometrie und der Luftfluss im nochmals taillierter geschnittenen Heck untersucht.[73] Die Power Unit der Vorsaison wurde erneut weiterentwickelt und in der Saison 2019 mit F1 M10 EQ Power+ bezeichnet.

Während der Vorsaisontests in Barcelona konnte die Scuderia Ferrari konstantere Rennsimulationen und schnellere Rundenzeiten fahren als die Mercedes. Mercedes fuhr in der ersten Woche überwiegend Systemchecks und konzentrierte sich erst in der zweiten Woche mit einer aerodynamischen B-Version des F1 W10 auf die Performance. Durch die neuen Frontflügel entwickelten sich zu Saisonbeginn zwei Designphilosophien. Mercedes setzte wie in den Vorjahren auf steil angestellte Flügel über die erlaubte Breite um möglichst viel Abtrieb aber auch Luftwiderstand zu generieren. Ferrari entwickelte nach außen abfallende, flache Frontflügel für geringeren Luftwiderstand und höhere aerodynamische Effizienz. Zunächst schien Mercedes einen Trend verpasst und Ferrari das neue Reglement besser umgesetzt zu haben.[74] Die Scuderia reiste als Favorit zum Saisonauftakt nach Melbourne.[75]

Mercedes erwischte jedoch den besseren Saisonstart und zeigte sich am Auftaktwochenende mit einem Doppelsieg von Hamilton vor Bottas überlegen. Beim zweiten Rennwochenende in Bahrain fuhr Ferrari zwar auf Pole, Charles Leclerc fiel jedoch in Führung liegend aus, Bottas und Hamilton erbten den Doppelsieg.

Die folgenden Rennen verdeutlichten dann, dass die ausgeglichene Leistung in Bahrain in der ersten Saisonhälfte eine Ausnahme war. Mercedes konnte mit seinem Frontflügelkonzept insgesamt mehr und besser ausbalancierten Abtrieb generieren und damit die Anforderungen der Pirelli-Reifen der Generation 2019 besser erfüllen. Die Fahrer bekamen durch den erhöhten Abtrieb mehr Energie in die Reifen und diese damit im Qualifying schneller in das richtige Temperaturfenster. Im Rennen rutschten die Autos zudem weniger und der Reifenverschleiß war geringer. Lediglich auf Strecken mit hohem Anteil an Geraden (Bahrain, Spielberg) konnte Ferrari mit seiner aerodynamischen Effizienz auftrumpfen. Fünf Doppelsiege in den ersten fünf Rennen verdeutlichen die neuerliche Dominanz. Fünf Doppelsiege zu Saisonbeginn sind neuer Rekord, ein sechster Doppelsieg in Folge hätte auch den gesamten Rekord bedeutet, doch in Monaco wurde Bottas nach einem Zusammenstoß mit Max Verstappen in der Boxengasse nur Dritter hinter Rennsieger Lewis Hamilton.

Am 20. Mai 2019 verstarb der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende des Rennstalls, Niki Lauda, nach längerer Krankheit. Verschiedene Teamvertreter würdigten in ihren Statements die besonderen Leistungen Laudas beim Aufbau der Teamstrukturen vor 2014 und seine diplomatische Rolle als Außenminister des Teams.[76] Beim nachfolgenden Großen Preis von Monaco würdigte man Lauda mit verschiedenen Erinnerungen auf dem Auto.

Beim Großen Preis von Kanada fuhr Sebastian Vettel zum ersten Mal seit dem Bahrain-GP einen Ferrari auf Pole Position. Hamilton konnte trotzdem gewinnen, nachdem er Vettel im Rennen in einen Fehler drängte und dieser für unsicheres Zurückkehren auf die Strecke direkt vor Hamilton mit fünf Sekunden bestraft wurde. Beim Großen Preis von Österreich hatte das Team erstmals in der Saison große Performance-Probleme. Die Höhenlage von Spielberg führte in Kombination mit der extremen Hitze zu Kühlproblemen an beiden Mercedes. Da das eng anliegende Bodywork keine weitere Kühlung erlaubte musste die Leistung der Motoren im Rennen gedrosselt werden. Hamilton beschädigte sich an einem Kerb zudem den Frontflügel, er wurde Fünfter, Bottas Dritter. Der zehnte Saisonlauf in Silverstone zeigte nach Barcelona und Le Castellet erneut, dass der F1 W10 auf kurvenreichen Strecken überlegen war. Hamilton gewann jeweils vor Bottas und baute seinen Vorsprung in der Meisterschaft weiter aus.

Zahlen und DatenBearbeiten

Statistik in der Formel 1Bearbeiten

Stand: Großer Preis von Italien 2019

Saison Teamname Chassis Motor Reifen Grand Prix Siege Zweiter Dritter Poles schn. Runden Punkte[A 1] WM-Rang
1954 Daimler-Benz W 196 Mercedes-Benz 2.5 L8 C 6 4 1 2 4 4 60,14 [A 2]
1955 Daimler-Benz W 196 Mercedes-Benz 2.5 L8 C 6 5 4 1 4 5 79
2010 Mercedes GP Petronas F1 Team MGP W01 Mercedes-Benz 2.4 V8 B 19 3 214 4.
2011 Mercedes GP Petronas F1 Team MGP W02 Mercedes-Benz 2.4 V8 P 19 165 4.
2012 Mercedes AMG Petronas F1 Team F1 W03 Mercedes-Benz 2.4 V8 P 20 1 1 1 1 3 142 5.
2013 Mercedes AMG Petronas F1 Team F1 W04 Mercedes-Benz 2.4 V8 P 19 3 1 5 8 1 360 2.
2014 Mercedes AMG Petronas F1 Team F1 W05 Hybrid Mercedes-Benz 1.6 V6 Turbo
(PU106A Hybrid)
P 19 16 13 2 18 12 701 1.
2015 Mercedes AMG Petronas F1 Team F1 W06 Hybrid Mercedes-Benz 1.6 V6 Turbo
(PU106B Hybrid)
P 19 16 13 3 18 13 703 1.
2016 Mercedes AMG Petronas F1 Team F1 W07 Hybrid Mercedes-Benz 1.6 V6 Turbo
(PU106C Hybrid)
P 21 19 8 6 20 9 765 1.
2017 Mercedes AMG Petronas Motorsport F1 W08 EQ Power+ Mercedes-Benz 1.6 V6 Turbo
(F1 M08 EQ Power+)
P 20 12 10 4 15 9 668 1.
2018 Mercedes AMG Petronas Motorsport F1 W09 EQ Power+ Mercedes-Benz 1.6 V6 Turbo
(F1 M09 EQ Power+)
P 21 11 10 4 13 10 655 1.
2019 Mercedes AMG Petronas Motorsport F1 W10 EQ Power+ Mercedes-Benz 1.6 V6 Turbo
(F1 M10 EQ Power+)
P 14 10 9 4 8 5 505 1.
Gesamt 203 97 70 35 109 71 5017,14
  1. Vergleichbarkeit zwischen den Epochen aufgrund unterschiedlicher Punktesysteme eingeschränkt.
  2. Die Konstrukteursweltmeisterschaft wurde erst 1958 eingeführt.

Alle Fahrer von Mercedes in der Formel 1Bearbeiten

Stand: Großer Preis von Italien 2019

 
Nico Rosberg fuhr bisher die meisten GP für Mercedes
Name Jahre Grand Prix Punkte[B 1] Siege Zweiter Dritter Poles schn. Runden beste WM-Pos.
Deutschland  Nico Rosberg 2010–2016 136 1519 23 24 8 30 18 1. (2016)
Vereinigtes Konigreich  Lewis Hamilton 2013– 133 2389 60 22 15 61 32 1. (2014, 2015, 2017, 2018)
Deutschland  Michael Schumacher 2010–2012 58 197 1 1 8. (2011)
Finnland  Valtteri Bottas 2017– 55 773 5 19 8 10 11 3. (2017)
Argentinien  Juan Manuel Fangio 1954, 1955 12 81,14[B 2] 8 1 1 7 5 1. (1954, 1955)
Deutschland  Karl Kling 1954, 1955 11 17[B 3] 1 1 1 5. (1954)
Deutschland  Hans Herrmann 1954, 1955 6 9 1 1 7. (1954)
Vereinigtes Konigreich  Stirling Moss 1955 6 23 1 2 1 2 2. (1955)
Italien  Piero Taruffi 1955 2 9 1 6. (1955)
Deutschland  Hermann Lang 1954 1 57. (1954)
Frankreich  André Simon 1955 1 60. (1955)

Aktuelle Mercedes-Fahrer sind gelb dargestellt.

  1. Vergleichbarkeit zwischen den Epochen aufgrund unterschiedlicher Punktesysteme eingeschränkt.
  2. Fangio bekam 0,14 für die schnellste Rennrunde beim Großbritannien-GP 1954, da sieben Fahrer zeitgleich waren.
  3. Kling, Herrmann und Moss bekamen je einen der drei Punkte für den vierten Platz beim Argentinien-GP 1955, da sie sich ein Chassis teilten.

Ergebnisse in der Formel 1Bearbeiten

1954–1955Bearbeiten

Saison Chassis Fahrer Nr.[C 1] 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 Punkte Rang
1954 W 196                   [C 2]
Argentinien  J. Fangio 1 4 1 1 1 3
Deutschland  K. Kling 2 7 4 DNF DNF 5
Deutschland  H. Herrmann DNF DNF 3 4 DNF
Deutschland  H. Lang 9[C 3] DNF
1955 W 196              
Argentinien  J. Fangio 1 DNF 1 1 2 1
Deutschland  H. Herrmann 4 DNQ
Deutschland  K. Kling 4 DNF DNF 3 DNF
Vereinigtes Konigreich  S. Moss 4 9 2 2 1 DNF
Frankreich  A. Simon 10[C 4] DNF
Italien  P. Taruffi 4 2
  1. Erst ab der Formel-1-Saison 1974 gab es feste Startnummern. Zuvor variierten die Nummern zwischen den einzelnen Rennen und Trainings.
  2. Die Konstrukteursweltmeisterschaft wurde erst 1958 eingeführt.
  3. Startnummer 9 beim Rennen zum Großen Preis von Deutschland 1954.
  4. Startnummer 10 beim Rennen zum Großen Preis von Monaco 1955.

Seit 2010Bearbeiten

Saison Chassis Fahrer Nr. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 Punkte Rang
2010 MGP W01                                       214 4.
Deutschland  M. Schumacher 03 6 10 DNF 10 4 12 4 11 15 9 9 11 7 9 13 6 4 7 DNF
Deutschland  N. Rosberg 04 5 5 3 3 13 7 5 6 10 3 8 DNF 6 5 5 *17* DNF 6 4
2011 MGP W02                                       165 4.
Deutschland  M. Schumacher 07 DNF 9 8 12 6 DNF 4 17 9 8 DNF 5 5 DNF 6 DNF 5 7 15
Deutschland  N. Rosberg 08 DNF 12 5 5 7 11 11 7 6 7 9 6 DNF 7 10 8 6 6 7
2012 F1 W03                                         142 5.
Deutschland  M. Schumacher 07 DNF 10 DNF 10 DNF DNF DNF 3 7 7 DNF 7 6 DNF 11 13 *22* 11 16 7
Deutschland  N. Rosberg 08 12 13 1 5 7 2 6 6 15 10 10 11 7 5 DNF DNF 11 DNF 13 15
2013 F1 W04                                       360 2.
Deutschland  N. Rosberg 09 DNF 4 DNF 9 6 1 5 1 9 19* 4 6 4 7 8 2 3 9 5
Vereinigtes Konigreich  L. Hamilton 10 5 3 3 5 12 4 3 4 5 1 3 9 5 5 DNF 6 7 4 9
2014 F1 W05
Hybrid
                                      701 1.
Vereinigtes Konigreich  L. Hamilton 44 DNF 1 1 1 1 2 DNF 2 1 3 3 DNF 1 1 1 1 1 2 1
Deutschland  N. Rosberg 06 1 2 2 2 2 1 2 1 DNF 1 4 2 2 DNF 2 2 2 1 14
2015 F1 W06
Hybrid
                                      703 1.
Vereinigtes Konigreich  L. Hamilton 44 1 2 1 1 2 3 1 2 1 6 1 1 DNF 1 1 1 2 2 2
Deutschland  N. Rosberg 06 2 3 2 3 1 1 2 1 2 8 2 17* 4 2 DNF 2 1 1 1
2016 F1 W07
Hybrid
                                          765 1.
Vereinigtes Konigreich  L. Hamilton 44 2 3 7 2 DNF 1 1 5 1 1 1 1 3 2 3 DNF 3 1 1 1 1
Deutschland  N. Rosberg 06 1 1 1 1 DNF 7 5 1 4 3 2 4 1 1 1 3 1 2 2 2 2
2017 F1 W08
EQ Power+
                                        668 1.
Vereinigtes Konigreich  L. Hamilton 44 2 1 2 4 1 7 1 5 4 1 4 1 1 1 2 1 1 9 4 2
Finnland  V. Bottas 77 3 6 3 1 DNF 4 2 2 1 2 3 5 2 3 5 4 5 2 2 1
2018 F1 W09
EQ Power+
                                          655 1.
Vereinigtes Konigreich  L. Hamilton 44 2 3 4 1 1 3 5 1 DNF 2 1 1 2 1 1 1 1 3 4 1 1
Finnland  V. Bottas 77 8 2 2 14* 2 5 2 7 DNF 4 2 5 4 3 4 2 2 5 5 5 5
2019 F1 W10
EQ Power+
                                          505 1.
Vereinigtes Konigreich  L. Hamilton 44 2 1 1 2 1 1 1 1 5 1 9 1 2 3
Finnland  V. Bottas 77 1 2 2 1 2 3 4 2 3 2 DNF 8 3 2

Kundenauto beim Indianapolis 500Bearbeiten

 
Mercedes W 154 bei den 500 Meilen von Indianapolis 1947

Zwischen 1947 und 1957 setzten Privatiers vereinzelt einen, in den Nachkriegswirren in der Tschechoslowakei erworbenen, Mercedes-Benz W 154 mit der Chassisnummer 9 beim 500-Meilen-Rennen von Indianapolis ein. Der Vorkriegs-Silberpfeil aus dem Jahr 1938 wurde 1947 und 1948 von Teamchef Don Lee im Brickyard eingesetzt. Das kleine Privatteam war mit dem aufwändigen Betrieb des W 154 und seinem V12-Motor letztlich technisch wie personell überfordert. Das Auto fiel folgerichtig in beiden Rennen technisch bedingt aus. Das Chassis wurde 1949 nochmals von Joel Thorne eingesetzt, konnte sich jedoch nicht qualifizieren.[77] Das Rennen 1949 schaute sich Mercedes-Rennleiter Alfred Neubauer vor Ort an, um ein mögliches zukünftiges Werks-Engagement von Mercedes in Indianapolis zu prüfen. Dazu sollte es jedoch trotz der umfangreichen Motorsportoffensive der Marke Anfang der 1950er-Jahre nicht kommen.

1957 tauchte das Chassis des W 154 erneut beim Indianapolis 500 auf. Angetrieben wurde das Auto mittlerweile jedoch von einem Jaguar Reihensechszylinder. Das Indianapolis 500 war von 1950 bis 1960 offizieller Teil der Formel-1-Weltmeisterschaft, sodass es sich formal um den einzigen Einsatz eines Mercedes-Kundenautos in der Formel 1 handelte. Das Fahrzeug wurde jedoch durchgängig privat eingesetzt und ist damit unabhängig vom Mercedes-Werkseinsatz zu betrachten und taucht nicht in der Statistik des Konstrukteurs Mercedes auf.

Saison Chassis Fahrer Nr. 1 2 3 4 5 6 7 8 Punkte Rang
1957 W 154                
Vereinigte Staaten  D. Kladis DNQ

Legende
Farbe Abkürzung Bedeutung
Gold Sieg
Silber 2. Platz
Bronze 3. Platz
Grün Platzierung in den Punkten
Blau Klassifiziert außerhalb der Punkteränge
Violett DNF Rennen nicht beendet (did not finish)
NC nicht klassifiziert (not classified)
Rot DNQ nicht qualifiziert (did not qualify)
DNPQ in Vorqualifikation gescheitert (did not pre-qualify)
Schwarz DSQ disqualifiziert (disqualified)
Weiß DNS nicht am Start (did not start)
WD zurückgezogen (withdrawn)
Hellblau PO nur am Training teilgenommen (practiced only)
TD Freitags-Testfahrer (test driver)
ohne DNP nicht am Training teilgenommen (did not practice)
INJ verletzt oder krank (injured)
EX ausgeschlossen (excluded)
DNA nicht erschienen (did not arrive)
C Rennen abgesagt (cancelled)
  keine WM-Teilnahme
sonstige P/fett Pole-Position
SR/kursiv Schnellste Rennrunde
* nicht im Ziel, aufgrund der zurückgelegten
Distanz aber gewertet
() Streichresultate
unterstrichen Führender in der Gesamtwertung

Rekorde in der Formel 1Bearbeiten

 
Siegerehrung nach dem Doppelsieg beim Großen Preis von Italien 2014
Rekord Rekordwert Saison
meiste Grand-Prix-Siege eines Konstrukteurs in einer Saison 19 2016
meiste Doppelsiege eines Konstrukteurs in einer Saison 12 2015
meiste Pole-Positions eines Konstrukteurs in einer Saison 20 2016
meiste Podiumsplatzierungen eines Konstrukteurs in einer Saison 33 2016
meiste Punkte eines Konstrukteurs in einer Saison 765 2016
meiste Doppelsiege in Folge 5 2014
2015–2016
2019
meiste Doppelsiege in Folge zu Saisonbeginn 5 2019
höchste Quote an Pole-Positions aller Konstrukteure 54,2 % 1954–2019
höchste Quote an Doppelsiegen aller Konstrukteure 25,4 % 1954–2019
Stand: Großer Preis von Ungarn 2019

AuszeichnungenBearbeiten

2015 bekam Mercedes als erstes Team überhaupt die Lorenzo Bandini Trophäe für besondere Leistungen im Motorsport verliehen. Die Auszeichnung bezog sich auf den Gewinn der Fahrer- und Konstrukteursweltmeisterschaft 2014.[78]

Das Mercedes-Werksteam gewann im Frühjahr 2018 den Laureus World Sports Award als Mannschaft des Jahres für den Gewinn des vierten Konstrukteurstitels in Folge in der Saison 2017.[79]

Übersicht des aktuellen PersonalsBearbeiten

Das Team beschäftigte Anfang 2019 nach verschiedenen Quellen zwischen 850 und 950 Mitarbeiter im Chassis-Werk am Standort Brackley.[80][81] Im Motorenwerk in Brixworth kamen weitere rund 450 bis 600 Mitarbeiter hinzu.[82]

 
Toto Wolff ist seit 2013 Motorsportdirektor von Mercedes-Benz
Aufgabenbereich Name
Stammfahrer Vereinigtes Konigreich  Lewis Hamilton
Finnland  Valtteri Bottas
Simulator- und Ersatzfahrer Frankreich  Esteban Ocon
Belgien  Stoffel Vandoorne
Mexiko  Esteban Gutiérrez
Teamchef und Geschäftsführer / Motorsportdirektor Mercedes-Benz Osterreich  Toto Wolff
Vorsitzender des Aufsichtsrats Deutschland  Markus Schäfer
Teammanager Vereinigtes Konigreich  Ron Meadows
Betriebsdirektor Vereinigtes Konigreich  Rob Thomas
Technischer Direktor / Entwicklungsleiter Vereinigtes Konigreich  James Allison
Performance Director Vereinigtes Konigreich  Mark Ellis[D 1]
Frankreich  Loic Serra
Technologiedirektor Vereinigtes Konigreich  Mike Elliott
Chefingenieur Digitale Transformation Vereinigtes Konigreich  Geoffrey Willis
Chefingenieur für Simulation und Entwicklung Vereinigtes Konigreich  Giles Wood
Technischer Berater Italien  Aldo Costa
Chefstratege Vereinigtes Konigreich  James Vowles
Chefrenningenieur Vereinigtes Konigreich  Andrew Shovlin
Renningenieur Hamilton Vereinigtes Konigreich  Peter Bonnington
Renningenieur Bottas Italien  Riccardo Musconi
Geschäftsführer des Motorenwerks Vereinigtes Konigreich  Andy Cowell
Vorstandsvorsitzender Daimler AG Schweden  Ola Källenius
Stand: Saisonanfang 2019
  1. Loic Serra vertritt Mark Ellis während dessen Sabbatjahr 2019.

JuniorprogrammBearbeiten

Derzeit fördert Mercedes-Benz drei Nachwuchsfahrer im Rahmen des Grand-Prix-Sports:

Fahrer Jahrgang Zeitraum Aktuelle Serie Erfolge
Frankreich  Esteban Ocon 1996 seit 2015 Formel 1
Ersatzfahrer Mercedes
GP3 Champion 2015
Formel 1 WM-Achter 2017
Vereinigtes Konigreich  George Russell 1998 seit 2017 Formel 1
Einsatzfahrer Williams
GP3 Champion 2017
Formel 2 Champion 2018
Italien  Andrea Kimi Antonelli 2006 seit 2018 Kartsport Nationale Titel

Aktuelle SponsorenBearbeiten

 
Das klassische Farbdesign der modernen Silberpfeile
 
Der malaysische Mineralölkonzern Petronas ist seit dem Wiedereinstieg 2010 Titelsponsor des Teams

Titelsponsor

Teampartner

Technische Unterstützer

Alle Formel-1-Autos von MercedesBearbeiten

Der Buchstabe W als Abkürzung für Wagen steht bei Mercedes-Benz in Kombination mit einer Nummer seit jeher für die interne Bezeichnung der einzelnen Baureihen. Analog wurden die Motoren früher mit einem M abgekürzt. Anfangs folgte die Nummernvergabe keinem Muster, seit dem Wiedereinstieg 2010 werden die Rennwagen fortlaufend nummeriert. Durch verschiedene Namenszusätze können sie von den Vorkriegsmodellen mit gleicher Nummer unterschieden werden.

1954–1955

2010–2013

2014–2016

2017–2019

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Günter Engelen: Mercedes-Benz Renn- und Sportwagen; seit 1894, 1. Auflage. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-613-03206-4.
  • Trevor Legate: Faszination Mercedes-Benz. Parragon Books Ltd., Bath, UK 2009, ISBN 978-1-4075-5933-9.
  • Rainer W. Schlegelmilch, Hartmut Lehbrink: Mercedes Sport. Tandem Verlag GmbH, Potsdam, ISBN 978-3-8427-0266-0.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Mercedes Grand Prix – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Auszug aus dem britischen Handelsregister.
  2. Jörg Walz: Geschichte des Motorsports, Bielefeld 2011, ISBN 978-3-7688-3275-5, S. 22, S. 28, S. 60–69.
  3. Trevor Legate: Faszination Mercedes-Benz. Parragon, Bath 2009, ISBN 978-1-4075-5933-9, S. 115–116.
  4. Günter Engelen: Mercedes-Benz Renn- und Sportwagen. Stuttgart 2011, ISBN 978-3-613-03206-4, S. 362–377.
  5. Mike Lawrence: Grand Prix Cars 1945-65, S. 220.
  6. Günter Engelen: Mercedes-Benz Renn- und Sportwagen, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-613-03206-4, S. 377.
  7. Günter Engelen: Mercedes-Benz Renn- und Sportwagen, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-613-03206-4, S. 348.
  8. Günter Engelen: Mercedes-Benz Renn- und Sportwagen. Stuttgart 2011, ISBN 978-3-613-03206-4, S. 515.
  9. Trevor Legate: Faszination Mercedes-Benz. Parragon, Bath 2009, ISBN 978-1-4075-5933-9, S. 164.
  10. Rainer Holzschuh: Kicker Sonderheft Motorsport 2019, Olympia Verlag GmbH, Nürnberg, Interview von Anno Hecker,ISSN 2569-0892, S. 58–59.
  11. Oliver Hartwich: Der Kreis schliesst sich: Mercedes-Benz und Michael Schumacher. mercedes-seite.de, 27. Januar 2010, abgerufen am 2. März 2019.
  12. Günter Engelen: Mercedes-Benz Renn- und Sportwagen. Stuttgart 2011, ISBN 978-3-613-03206-4, S. 529.
  13. Schlegelmilch/Lehbrink: Mercedes Sport, Potsdam, ISBN 978-3-8427-0266-0, S. 148–149.
  14. Jörg Walz: Geschichte des Motorsports, Bielefeld 2011, ISBN 978-3-7688-3275-5, S. 184–185.
  15. Christian Nimmervoll: Das steckt hinter dem neuen Mercedes-Werksteam. Motorsport-Total.com, 16. November 2009, abgerufen am 16. November 2009.
  16. Stephan Heublein: Silbernes Werksteam - Mercedes übernimmt Brawn GP. Motorsport-Magazin.com, 16. November 2009, abgerufen am 16. November 2009.
  17. „Petronas macht bei Mercedes mit“ ( Kicker Online am 21. Dezember 2009).
  18. Christian Nimmervoll: Offiziell: Mercedes steigt beim Weltmeisterteam ein! Motorsport-Total.com, 16. November 2009, abgerufen am 16. November 2009.
  19. Christian Nimmervoll: Rücktritt vom Rücktritt: "Schumi" ist zurück! Motorsport-Total.com, 23. Dezember 2009, abgerufen am 23. Dezember 2009.
  20. Schlegelmilch/Lehbrink: Mercedes Sport, Potsdam, ISBN 978-3-8427-0266-0, S. 214.
  21. „Offiziell: Mercedes lässt Heidfeld zu Pirelli wechseln“ (Motorsport-Total.com am 17. August 2010).
  22. auto-motor-und-sport.de: Mercedes übernimmt F1-Team zu 100 Prozent, abgerufen am 2. Februar 2011.
  23. Das erste Bild des neuen Silberpfeils. Motorsport-Total.com, 31. Januar 2011, abgerufen am 16. Februar 2019.
  24. Günter Engelen: Mercedes-Benz Renn- und Sportwagen, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-613-03206-4, S. 655–657.
  25. Dominik Sharaf: 2011: Ein Kanada-Grand-Prix für die Ewigkeit. Motorsport-Total.com, 2. Juni 2015, abgerufen am 16. Februar 2019.
  26. Günter Engelen: Mercedes-Benz Renn- und Sportwagen, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-613-03206-4, S. 650.
  27. Michael Schmidt: 250 Millionen für zwei Titel. In: auto-motor-und-sport.de. 8. Dezember 2014, abgerufen am 18. Februar 2019.
  28. Sven Haidinger: Offiziell: Mercedes holt Costa und Willis. In: motorsport-total.com. 30. September 2011, abgerufen am 18. Februar 2019.
  29. Christian Nimmervoll: Mercedes-Windkanal auch wegen Pirelli umgebaut. In: motorsport-total.com. 25. November 2012, abgerufen am 18. Februar 2019.
  30. „Silberpfeile starten 2012 als Mercedes AMG“ (Motorsport-Total.com am 5. Dezember 2011).
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