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Das Handelsblatt ist eine deutsche Tageszeitung. Die Wirtschafts- und Finanzzeitung in deutscher Sprache wird von der Düsseldorfer Handelsblatt Media Group publiziert, die ihrerseits zur DvH Medien gehört. Chefredakteur ist Sven Afhüppe.[2] Das Handelsblatt ist Pflichtblatt der Wertpapierbörsen in Frankfurt am Main und Düsseldorf. Die verkaufte Auflage beträgt 133.796 Exemplare, ein Minus von 17,1 Prozent seit 1998.[3] 2017 wurde das Handelsblatt im Rahmen des European Newspaper Award als „beste Zeitung Europas“ ausgezeichnet.[4] Laut GPRA-Vertrauensindex ist das Handelsblatt die vertrauenswürdigste Tageszeitung Deutschlands[5], laut Media Tenor zudem der „Meistzitierte Wirtschaftstitel“ in Deutschland[6] (2004–2018).

Handelsblatt
Logo Handelsblatt 2016.png
Beschreibung Tageszeitung
Fachgebiet Wirtschaft
Sprache Deutsch
Verlag Handelsblatt Media Group (Deutschland)
Hauptsitz Düsseldorf
Erstausgabe 16. Mai 1946
Erscheinungsweise Montag bis Freitag
Verkaufte Auflage 133.796 Exemplare
(IVW 2/2019, Mo–Fr)
Reichweite 0,45 Mio. Leser
(MA 2019 II)
Chefredakteur Sven Afhüppe[1]
Weblink handelsblatt.com
ISSN (Print)
CODEN HADBA

GeschichteBearbeiten

 
Foto der Original-Lizenz für die Herausgabe einer Wirtschaftszeitung, die der Journalist Dr. Herbert Gross im Frühjahr 1946 bei den britischen Militärbehörden beantragte.

Im Frühjahr 1946 beantragte der Journalist Dr. Herbert Gross bei den britischen Militärbehörden die Lizenz für die Herausgabe einer Wirtschaftszeitung. Er bekam diese mit der Auflage, dass die Zeitung frei von nationalsozialistischem Gedankengut bleibt und für die Demokratie und ein friedliches Zusammenspiel von Arbeit und Kapital eintritt. Da es an Papier mangelte, durften wöchentlich nur 10.000 Exemplare mit nicht mehr als acht Seiten gedruckt werden. Die Veröffentlichung von Anzeigen wurde nicht erlaubt.

Am 16. Mai 1946 erschien die erste Ausgabe des Handelsblatt. Nachdem sich die Papierzuteilungen schon 1947 besserten, konnten Anzeigen veröffentlicht und die Auflage erhöht werden.

Die Ära Gross endete nach wenigen Monaten. Gross blieb dem Blatt als freier Autor verbunden. Neuer Lizenznehmer wurde der Gründungschefredakteur des Handelsblatt, Friedrich Vogel. Zweiter Lizenznehmer wurde der Wirtschaftsprüfer Dr. Erich Potthoff. Potthoff schrieb regelmäßig eine Kolumne in der Zeitung, außerdem trug er maßgeblich zur Gründung der Zeitschrift DER BETRIEB bei, deren erste Ausgabe im Januar 1948 erschien. 1949 schied Potthoff aus dem Verlag aus. Da 1949 die Lizenzpflicht, die Zensur und andere Auflagen wegfielen, war Vogel nun alleiniger Inhaber der Zeitung.

Ab 1949 erschien das Handelsblatt dreimal pro Woche und ab 1959 börsentäglich. Im Jahre 1961 veränderte sich das äußere Bild der Zeitung. Insbesondere wurden mehr Bilder, Fotos und dann auch Karikaturen aufgenommen. 1964 übernahm das Handelsblatt die „Deutsche Zeitung“, ein ebenfalls 1946 gegründetes Wirtschaftsblatt. Die „Deutsche Zeitung“ blieb bis 1970 Untertitel des Handelsblatt.

Im Jahre 1969 nahm Friedrich Vogel, mittlerweile 67 Jahre alt und ohne Nachkommen, Georg von Holtzbrinck zunächst als Minderheitsgesellschafter auf. Mit von Holtzbrinck als Partner begann eine neue Zeit. Der erste Schritt: 1970 wurde der Konkurrent Industriekurier übernommen. Zum langjährigen Chefredakteur avancierte Klaus Bernhardt.

Das Jahr 1983 brachte für den Verlag erhebliche Veränderungen: Ein neues Verlagshaus in der Düsseldorfer Kasernenstraße wurde bezogen. Gleichzeitig veränderte die Zeitung ihr Gesicht, ihr Format sowie den Druckort. Nach dem ersten großen Auflagenschub binnen fünf Jahren von 44.000 auf 78.000, der der Fusion mit dem „Industriekurier“ gefolgt war, wuchs die Auflage nun – ebenfalls innerhalb von fünf Jahren – von knapp 85.000 auf über 120.000 Exemplare.

 
Das erste „Handelsblatt“ erschien am 16. Mai 1946 mit der Schlagzeile „Regelung des Verbrauchsgüterkreislaufs“.

1994 und 1997 wurde das Design des Handelsblatt gründlich überarbeitet, die Finanzzeitung erheblich ausgeweitet und auf Sonderseiten neue Themen angegangen (beispielsweise „Unternehmen Sport“). Nachdem der Wettbewerber Financial Times Deutschland für 1999 angekündigt worden war, wurden Redaktion und Korrespondentennetz verstärkt. Außerdem wurde die Zeitung inhaltlich weiter ausgebaut, äußerlich farbiger und moderner aufbereitet.

Langjähriger Chefredakteur des Handelsblatt war der Steuer- und Arbeitsrechtler Hans Mundorf.[7] Danach folgten Thomas Knipp (2002–2004) und Bernd Ziesemer (2002–2010).[8] Ziesemer verließ die Zeitung in der zweiten Hälfte des Jahres 2010; neuer Chefredakteur wurde zum 1. April 2010 Gabor Steingart, zuvor Redakteur des Nachrichtenmagazins Der Spiegel, zuletzt als Korrespondent in Washington, D.C.[9] Steingart wurde im Oktober 2012 in die dreiköpfige Geschäftsführung der Handelsblatt Media Group berufen (Antritt 1. Januar 2013). Ihm folgte als Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs zum 1. Januar 2013.[10] Seit Anfang 2015 teilte sich Jakobs den Posten mit Sven Afhüppe, der seit dem 1. Januar 2016 alleiniger Chefredakteur der Zeitung ist.[11]

Das Handelsblatt ist die auflagenstärkste deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzzeitung. Sie verfügt weltweit über rund 200 Redakteure und Korrespondenten. Das Handelsblatt ist mit mehr als 70 In- und Auslandskorrespondenten auf allen Kontinenten vertreten und hat eines der größten Korrespondentennetzwerke der deutschen Medien.

Bei einer verkauften Auflage von 133.796 Exemplaren[12] erreicht das Handelsblatt täglich mehr als eine halbe Million Leser (AWA 2012).[13] Das Motto des Blattes lautet „Substanz entscheidet“.

Das Handelsblatt erscheint börsentäglich von Montag bis Freitag, seit November 2009 vollständig im Tabloidformat. Anfang März 2013 startete die iPad-Applikation Handelsblatt Live – die digitale Tageszeitung (seit 2018: Handelsblatt App).[14]

Im Oktober 2014 lag dem Handelsblatt erstmals das Handelsblatt Magazin als Supplement bei. Das Magazin erscheint mehrmals im Jahr und beleuchtet "die schönen und persönlichen Seiten der Wirtschaft”.[15] Chefredakteur ist Thomas Tuma.

Am Wochenende 6./7./8. Mai 2016 erschien die Jubiläumsausgabe „70 Jahre Handelsblatt“.

Die Handelsblatt Media Group gliedert sich in drei journalistische Geschäftsfelder: Print, Digital und Live-Events. Zudem vergibt die Media Group zahlreiche Preise, darunter den seit 2007 verliehenen Deutschen Wirtschaftsbuchpreis für das beste Wirtschaftsbuch des Jahres.[16] Weitere Preise sind unter anderem die „Hall of Fame der Familienunternehmen“.[17]

Im September 2014 wurde mit der Handelsblatt Global Edition eine kostenpflichtige englischsprachige Digitalausgabe der Zeitung gestartet.[18] Zum Ende des Jahres 2018 wurde sie in das kostenlose Handelsblatt Today umgewandelt,[19] das Ende Februar 2019 eingestellt wurde.[20]

OnlineBearbeiten

Ab Mitte der 90er Jahren gingen, beginnend mit Handelsblatt und Wirtschaftswoche, zahlreiche Objekte der Handelsblatt Media Group mit ihrem Informationsangebot in das Internet. Die Digitalaktivitäten wurden über die Jahre weiter ausgebaut und bildeten neben Print das zweite wichtige Geschäftsfeld.

Von 2011 bis 2015 war Oliver Stock Chefredakteur des Online-Auftritts Handelsblatt Online (www.handelsblatt.com), er löste Sven Scheffler ab.[21]

Im Zuge der Redaktionsreform wurde Handelsblatt Online 2015 mit der Printredaktion verschmolzen. Die neu geschaffene Gesamtredaktion ist in vier Ressorts (Unternehmen, Wirtschaft & Politik, Finanzen und Agenda) organisiert und arbeitet für alle technischen Plattformen. Oliver Stock wurde dabei in die Chefredaktion berufen. Im Jahre 2017 hat er die Handelsblatt Media Group verlassen.

Handelsblatt Online setzte zunächst auf ein Freemium-Modell, bei dem die Website-Inhalte gratis verfügbar waren oder teilweise hinter der Paywall lagen. Im Mai 2018 führte das Handelsblatt eine neue Paid-Content-Strategie ein. Alle Texte, Videos, Recherchetools und Infografiken wurden kostenpflichtig.[22]

AuflageBearbeiten

Das Handelsblatt hat wie die meisten deutschen Tageszeitungen in den vergangenen Jahren an Auflage eingebüßt. Nach dem Start des Ende 2012 wieder eingestellten Konkurrenzblattes Financial Times Deutschland im Jahr 2000 ging die verkaufte Auflage um rund 15 Prozent zurück, konnte sich aber bis 2012 auf diesem Niveau halten. Sie beträgt gegenwärtig 133.796 Exemplare.[23] Die verkaufte Auflage ist in den letzten 10 Jahren um durchschnittlich 1,2 % pro Jahr gesunken. Im letzten Jahr ist sie dagegen um 2,4 % gestiegen.[24] Der Anteil der Abonnements an der verkauften Auflage liegt bei 63,8 Prozent.

Entwicklung der verkauften Auflage[25]
 
Entwicklung der Abonnentenzahlen[26]
 

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Handelsblatt Impressum, abgerufen am 26. Juni 2017.
  2. Jakobs geht als Senior Editor nach München, Kress.de, abgerufen am 12. März 2016.
  3. laut IVW (Details auf ivw.eu)
  4. In eigener Sache: Europas Beste – besondere Auszeichnung für das Handelsblatt. (handelsblatt.com [abgerufen am 28. November 2018]).
  5. GPRA-Vertrauensindex: Etablierte Medien im Aufwind – GPRA e. V. In: GPRA e. V. 19. Dezember 2016 (gpra.de [abgerufen am 28. November 2018]).
  6. Media Tenor – SPIEGEL deutlich vor BILD meistzitiert, HANDELSBLATT legt 2018 am stärksten zu. (mediatenor.com [abgerufen am 28. November 2018]).
  7. „Hans Mundorf: Streiter für Gerechtigkeit“, Nachruf auf Mundorf im Handelsblatt, Februar 2009
  8. Generationswechsel beim Handelsblatt: Thomas Knipp und Bernd Ziesemer übernehmen Chefredaktion. In: vhb.de. Handelsblatt Media Group, archiviert vom Original am 7. Februar 2013; abgerufen am 19. August 2016.
  9. „Wechsel in der Chefredaktion des Handelsblatts“, Handelsblatt, 3. Februar 2010
  10. Handelsblatt-Chefredakteur Steingart wird Geschäftsführer. In: Handelsblatt online, abgerufen am 4. November 2012
  11. In eigener Sache: Sven Afhüppe wird alleiniger Handelsblatt-Chefredakteur. In: handelsblatt.com. 18. November 2015, abgerufen am 19. August 2016.
  12. laut IVW, zweites Quartal 2019, Mo–Fr (Details und Quartalsvergleich auf ivw.eu)
  13. AWA: „Landlust“ und „Handelsblatt“ mit Reichweiten-Explosion. In: horizont.net. Abgerufen am 19. August 2016.
  14. „Handelsblatt Live“ drei Mal täglich auf dem iPad. In: absatzwirtschaft.de. 5. März 2013, abgerufen am 19. August 2016.
  15. Luxus-Beilage: Handelsblatt startet Handelsblatt Magazin › Meedia. Abgerufen am 28. November 2018.
  16. Wirtschaftsbuchpreis 2012: Die Ökonomie von Gut und Böse. In: handelsblatt.com. Abgerufen am 19. August 2016.
  17. Hall of Fame des deutschen Unternehmertums 2012. In: handelsblatt.com. Archiviert vom Original am 31. Januar 2012; abgerufen am 19. August 2016.
  18. VHB startet "Handelsblatt Global Edition": German Mittelstand und Berliner Hipster kress.de, 2. September 2014
  19. Deutsche News auf Englisch – die Krux it den Übersetzunegn morgenpost.de, 2. November 2018
  20. Aus für Steingarts Today und geplanter Stellenabbau: Verlagsgruppe Handelsblatt bestätigt Sparkurs meedia.de, 14. Februar 2019
  21. Oliver Stock wird neuer Chefredakteur von Handelsblatt.com. In: horizont.net. Abgerufen am 19. August 2016.
  22. “Haben die härteste Paywall unter allen Überregionalen”: Handelsblatt-Digital-Chef Matthes über die neue Paid-Strategie › Meedia. Abgerufen am 27. November 2018.
  23. laut IVW, zweites Quartal 2019, Mo–Fr (Details und Quartalsvergleich auf ivw.eu)
  24. laut IVW (online)
  25. laut IVW, jeweils viertes Quartal (Details auf ivw.eu)
  26. laut IVW, jeweils viertes Quartal (Details auf ivw.eu)