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Klaus Brinkbäumer (2018)

Klaus Brinkbäumer (* 27. Januar 1967 in Münster) ist ein deutscher Journalist. Er war vom 13. Januar 2015 bis Ende Oktober 2018 Chefredakteur des deutschen Nachrichtenmagazins Der Spiegel und Herausgeber von Spiegel Online.[1][2]

LebenBearbeiten

Brinkbäumer wuchs in Hiltrup auf.[3] Nach dem Abitur am Kardinal-von-Galen-Gymnasium arbeitete er als freier Mitarbeiter bei den Westfälischen Nachrichten (WN).[3] Er studierte in Santa Barbara (Kalifornien) und München und lebt in Hamburg. Der Journalist absolvierte sein Volontariat bei Weltbild in Augsburg und besuchte Kurse beim Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses in München.

Brinkbäumer recherchierte zusammen mit Hans Leyendecker und Heiner Schimmöller den Steuerfall Peter Graf (Vater von Steffi Graf) und zusammen mit Clemens Höges die Geschichte der „Vizcaína“, jenes Schiffes, das Christoph Kolumbus auf seiner vierten und letzten Reise in die neue Welt vor der Küste des heutigen Panamas verlor. Seit mehreren Jahren schreibt Brinkbäumer vor allem Auslandsreportagen, zum Beispiel über Migration aus Afrika, aber auch über die amerikanische Wirtschaftskrise von 2008 oder Menschen wie Apple-Gründer Steve Jobs und Schauspieler George Clooney. Er gilt als Autor vieler Spiegel-Titelgeschichten und berichtete über vier amerikanische Präsidentschaftswahlen. Im November 2016 interviewte er zusammen mit Sonia Mikich (WDR) in Berlin den amtierenden US-Präsidenten Barack Obama und im Oktober 2017 in Paris den französischen Präsidenten Emmanuel Macron.

Zum 1. Januar 2011 wurde Brinkbäumer in der neugeschaffenen Position des Textchefs Mitglied der Chefredaktion des Nachrichtenmagazins Der Spiegel, für welches er bis dahin bereits vier Jahre lang als Korrespondent aus New York berichtet hatte.[4] Vom 1. September 2011 bis zum 12. Januar 2015 war er stellvertretender Chefredakteur beim Spiegel.[5] Am 13. Januar 2015 wurde er mit sofortiger Wirkung zum Chefredakteur ernannt.

Als Chefredakteur konzipierte Brinkbäumer 2015 das digitale Bezahlangebot Spiegel Plus, das 2016 mit dem Einzelverkauf von Artikeln auf Spiegel Online begann und im Mai 2018 zu einem Abo-Modell umgestellt wurde. In seiner Amtszeit erschienen prämierte Titelbilder wie „Die letzten Zeugen“ (über Auschwitz-Überlebende), „Das Ende der Welt“ und „America First“ (beide über Donald Trump, beide vom Exil-Kubaner Edel Rodriguez gezeichnet) und preisgekrönte Texte wie Markus Feldenkirchens „Schulz-Story“ über den Wahlkampf des Kanzlerkandidaten Martin Schulz oder „Das Kartell“ über die geheimen Absprachen der deutschen Autoindustrie. Am 18. März 2018 erschien der Spiegel mit neuem Layout. Brinkbäumer ließ 2016 das europaweite Investigativ-Netzwerk „European Investigative Collabation“ (EIC) gründen, das unter anderen mit der Enthüllungsplattform “Football Leaks” kooperierte und Steuertricks und schwarze Kassen im internationalen Profifußball enthüllte.

Am 22. August 2018 wurde bekannt, dass Brinkbäumer von seinem Posten als Chefredakteur entbunden werden solle. Als die Gesellschafter des Spiegel-Verlags Brinkbäumer abberiefen, nannte Geschäftsführer Thomas Hass „unterschiedliche Auffassungen davon, wie die Spiegel-Redaktionen zusammenzuführen sind“, als Grund. Seine Nachfolger zum 1. Januar 2019 sind ein Team von Chefredakteuren, dem Steffen Klusmann als Leiter sowie Barbara Hans und Ullrich Fichtner angehören.[6][7] Zum 31. März 2019 wurde das Vertragsverhältnis mit dem Spiegel einvernehmlich aufgelöst. Bis dahin war er als Autor tätig.[8]

Im April 2019 gab die Wochenzeitung Die Zeit bekannt, das Brinkbäumer fortan für das Blatt als Autor tätig sein werde. Er werde vor allem für die Ressorts Politik, Feuilleton, Dossier und für das Zeit-Magazin schreiben und zunächst aus den USA berichten, wohin er derzeit seinen Lebensmittelpunkt verlegt hat.[9]

Brinkbäumer ist Dozent der Henri-Nannen-Schule, der Hamburger Akademie für Publizistik und des Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp) in München. Er ist Jurymitglied des Nannen-Preises und im Privatleben Mitglied des FC St. Pauli.[10] sowie des Hamburger Segel-Clubs. Er war mehrfacher Deutscher Jugendmeister im Volleyball und spielte für 1860 München in der Bundesliga. Als Segler wurde er 2018 mit seiner Crew auf dem Bodensee Deutscher Vizemeister in der Klasse J/70. Brinkbäumer ist verheiratet mit der Journalistin Samiha Shafy.[11]

BücherBearbeiten

  • Klaus Brinkbäumer, Hans Leyendecker, Heiner Schimmöller: Reiche Steffi, armes Kind – Die Akte Graf, Spiegel-Buchverlag, 1996, ISBN 3-455-15005-5
  • Stefan Aust, Cordt Schnibben (Hrsg.): 11. September – Geschichte eines Terrorangriffs, Spiegel-Buchverlag/DVA, 2002.
  • Stefan Aust, Cordt Schnibben (Hrsg.): Irak – Geschichte eines modernen Krieges, Spiegel-Buchverlag/DVA, 2004.
  • Klaus Brinkbäumer, Clemens Höges: Die letzte Reise – Der Fall Christoph Columbus, DVA, 2004.
  • Cordt Schnibben (Hrsg.): Tsunami – Geschichte eines Weltbebens, Spiegel-Buchverlag/DVA, 2005.
  • Klaus Brinkbäumer: Der Traum vom Leben – Eine afrikanische Odyssee, S. Fischer Verlag, 2006.
  • Klaus Brinkbäumer: Unter dem Sand, S. Fischer Verlag, 2007.
  • Klaus Brinkbäumer (Hrsg.): "70 - Der Spiegel 1947 bis 2017", DVA
  • Klaus Brinkbäumer: Nachruf auf Amerika, S. Fischer Verlag, 2018, ISBN 978-3-10-397232-0.
  • Klaus Brinkbäumer, Samiha Shafy: Das kluge, lustige, gesunde, ungebremste, glückliche, sehr lange Leben: Die Weisheit der Hundertjährigen. Eine Weltreise, S. Fischer Verlag, 2019.

AuszeichnungenBearbeiten

  • 2015: Lead Awards, Cover des Jahres, Gold: „Die letzten Zeugen“
  • 2016: ADC Awards, Cover des Jahres/Magazin: Silberner Nagel für „Ausgeliefert“, Bronzener Nagel für „Die letzten Zeugen“
  • 2016: Chefredakteur des Jahres (Jury des Medium-Magazins)
  • 2017: ADC Awards, Cover des Jahres/Magazin: Grand Prix und Goldener Nagel für „Das Ende der Welt“
  • 2017: „Reporter der Welt“ für investigativen Journalismus, vergeben von der spanischen Zeitung „El Mundo“

LiteraturBearbeiten

  • Jan Freitag: Der Bodenständige. In: journalist, Januar 2015, S. 11.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Klaus Brinkbäumer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Brinkbäumer Chefredakteur des SPIEGEL, Harms Chefredakteur von SPIEGEL ONLINE - SPIEGEL ONLINE. Website Spiegel Online. Abgerufen am 13. Januar 2015.
  2. horizont.net: Details zur Brinkbäumer-Abberufung. So baut Geschäftsführer Thomas Hass den Spiegel um (abgerufen am 23. August 2018)
  3. a b KLAUS BRINKBÄUMER – aus Hiltrup in die weite Pressewelt. (PDF; 2,3 MB) In: nabu-naturschutzstation-muensterland.de. 2013, abgerufen am 26. Mai 2019.
  4. spiegelgruppe.de: Klaus Brinkbäumer ist neuer Chefredakteur des SPIEGEL, Florian Harms ist neuer Chefredakteur von SPIEGEL ONLINE (abgerufen am 9. Mai 2015)
  5. Christian Lohmüller: Zusätzlich zu Martin Doerry: Brinkbäumer wird Vize-Chefredakteur beim "Spiegel". kress.de, 25. August 2011, abgerufen am 25. August 2011.
  6. Steffen Klusmann: "Der Spiegel" bekommt neuen Chefredakteur. In: ZEIT ONLINE. 22. August 2018 (zeit.de [abgerufen am 23. August 2018]).
  7. Karoline Meta Beisel, Claudia Tieschky: Soko Hamburg. In: sueddeutsche.de. 22. August 2018, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 23. August 2018]).
  8. Chefredakteur Klaus Brinkbäumer verlässt den SPIEGEL, spiegel.de, 15. Oktober 2018
  9. Früherer SPIEGEL-Chefredakteur Brinkbäumer wird Autor bei der ZEIT. 3. April 2019, abgerufen am 6. April 2019.
  10. Klaus Brinkbäumer neuer „Spiegel“-Textchef. mediummagazin.de. Abgerufen am 18. Juni 2015
  11. NDR: Die Weisheit der Hundertjährigen. Abgerufen am 24. September 2019.
  12. Die Journalisten des Jahres 2009. In: Medium Magazin online am 21. Dezember 2009, abgerufen am 14. Januar 2010.