Automobiles Léon Bollée

französischer Autohersteller

Automobiles Léon Bollée war ein französischer Hersteller von Automobilen.

Automobiles Léon Bollée (1895–1924)
Morris Motors Ltd., Usines Léon Bollée (1925–1931)
Société Nouvelle Léon Bollée (1931–1933)
Rechtsform Société
Gründung 1895
Auflösung 1933
Sitz Le Mans, Frankreich
Leitung William Richard Morris
Branche Automobilindustrie

Das bekannteste Modell von Léon Bollée: Die Voiturette, namensgebend für viele kleine Fahrzeuge aus französischer Produktion.

UnternehmensgeschichteBearbeiten

Léon Bollée (1870–1913) gründete 1895 das Unternehmen in Le Mans und begann mit der Produktion von Automobilen. Der Markenname lautete Léon Bollée. Darracq war Lizenznehmer.

C. C. Worthington betrieb in New York City die Worthington Automobile Company. Er importierte von 1904 bis 1905 Fahrzeuge von Léon Bollée und vermarktete sie als Worthington-Bollée.[1][2]

Nach dem Ersten Weltkrieg sank die Produktionszahl. Nach dem Tod von Léon Bollée 1913 führte seine Witwe zusammen mit Henri Péan und einem Herrn Faivre das Unternehmen. 1925 übernahm die Morris Motor Company das Unternehmen und benannte es in Morris Motors Ltd., Usines Léon Bollée um. Der neue Markenname lautete Morris-Léon Bollée. 1931 erfolgte eine erneute Umbenennung in Société Nouvelle Léon Bollée. Der Markenname lautete erneut Léon Bollée. 1933 endete die Produktion.[3]

FahrzeugeBearbeiten

Automobiles Léon Bollée (1895–1924)Bearbeiten

 
Léon Bollée 20 CV von 1904
 
Léon Bollée G 1 von 1911

1895 entstand als erstes Fahrzeug ein Tricar, das Voiturette genannt wurde. Der Begriff Voiturette wurde später von vielen Herstellern für kleine Fahrzeuge verwendet. Für den Antrieb standen verschiedene luftgekühlte Einzylindermotoren mit 640 cm³, 692 cm³, 825 cm³ und 995 cm³ Hubraum zur Wahl, die zwischen 2 und 3 PS leisteten[4]. 1896 erwarb die British Motor Company Ltd. die Vertriebsrechte für Großbritannien.[5]

Léon Bollée Tricar Voiturettes nahmen zwischen 1896 und 1899 an mehreren Rennen in Frankreich teil, z. B. Léon und Amedée Bollée am Rennen Paris-Marseille-Paris 1896[6][7]; 1897 erreichte Jamin Klassensiege beim Rennen Paris-Dieppe[8] und Paris-Trouville[9] sowie beim Course de Côte de Chanteloup im November 1898[10]. 1899 wurde diese Modellreihe eingestellt.

1899 folgten Voiturettes mit vier Rädern (Quadricycle), deren Rahmen auf denen des Tricars basierten[11] und die wassergekühlte Einzylindermotoren hatten.

1902 ergänzten Modelle mit Vierzylindermotor und Kettenantrieb das Angebot. Das waren der 18/24 CV mit 3920 cm³ Hubraum, der 24/30 CV mit 4500 cm³ Hubraum, der 35/45 CV mit 7360 cm³ Hubraum und der 40/50 CV mit 8500 cm³ Hubraum. Ab 1908 wurde die Motorleistung mit einer Kardanwelle an die Hinterachse übertragen.

1910 wurden auf dem Pariser Autosalon drei Vierzylindermodelle vom 12 CV mit 2380 cm³ Hubraum bis zum 24/30 CV sowie drei Sechszylindermodelle vom 18 CV mit 3570 cm³ Hubraum bis zum 75 CV mit 11.940 cm³ Hubraum.

Nach dem Ersten Weltkrieg standen das Vierzylindermodell Type H mit 2612 cm³ Hubraum und ab 1922 ein Sechszylindermodell mit 3918 cm³ Hubraum im Sortiment. Das letztgenannte Modell hatte Vierradbremsen von Perrot.

Morris-Léon Bollée (1925–1931)Bearbeiten

 
Morris-Léon Bollée

Das neue Basismodell 12 CV, auch MLB genannt, war eine englische Konstruktion. Hotchkiss lieferte den Vierzylindermotor mit 2402 cm³ Hubraum und OHV-Ventilsteuerung. Daneben stand auch ein Sechszylindermodell im Angebot. Der Preis für das Fahrgestell betrug 26.000 Französische Franc. Außerdem gab es ein Modell mit einem Achtzylinder-Reihenmotor mit 3072 cm³ Hubraum zu einem Preis von 71.300 Franc für das Fahrgestell. Fahrgestell und Motor stammten von der Wolseley Motor Company.

Einen Morris-Léon Bollée fährt der nordchinesische Protagonist in dem Roman Der Liebhaber aus Nordchina von Marguerite Duras. Der Roman spielt um 1930 im Mekongdelta und in Saigon (Französisch-Indochina).[12]

Société Nouvelle Léon Bollée (1931–1933)Bearbeiten

Nun entstand nur noch ein Modell, der ELB. Er war mit einem Vierzylindermotor mit 1997 cm³ Hubraum ausgestattet. Dieses Modell wurde auch als Lieferwagen hergestellt und nach England exportiert. Die Sechs- und Achtzylindermodelle wurden ebenfalls noch angeboten, fanden allerdings keine Käufer. Dabei dürfte es sich um übriggebliebene Fahrzeuge gehandelt haben, die während der Morris-Léon-Bollée-Ära auf Vorrat produziert wurden.

Produktionszahlen, soweit bekanntBearbeiten

1903 entstanden 300 Fahrgestelle bzw. komplette Fahrzeuge. 1908 waren es schon 500 Exemplare, und von 1911 bis 1914 jährlich etwa 600. Vom Morris-Léon Bollée 12 CV entstanden in den ersten drei Jahren etwa 1250 Exemplare, vom Sechszylindermodell nur 25 und vom Achtzylindermodell lediglich sechs.[3]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Léon Bollée – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. George Nicholas Georgano (Hrsg.): The Beaulieu Encyclopedia of the Automobile. Band 3: P–Z. Fitzroy Dearborn Publishers, Chicago 2001, ISBN 1-57958-293-1, S. 1765 (englisch).
  2. Beverly Rae Kimes, Henry Austin Clark Jr.: Standard catalog of American Cars. 1805–1942. 3. Auflage. Krause Publications, Iola 1996, ISBN 0-87341-428-4, S. 1572 (englisch).
  3. a b George Nicholas Georgano (Hrsg.): The Beaulieu Encyclopedia of the Automobile. Band 2: G–O. Fitzroy Dearborn Publishers, Chicago 2001, ISBN 1-57958-293-1, S. 890–892 (englisch).
  4. G. D.: Voiturette Bollée à trois places. In: Raoul Vuillemot (Hrsg.): La locomotion automobile. Band 4, Nr. 52. Paris 30. Dezember 1897, S. 615–617.
  5. The Bollée Tricycle. In: W. H. Smith (Hrsg.): The Automotor and Horseless Vehicle Journal. Band I, Nr. 2. W. H. Smith & Son, London November 1896, S. 53.
  6. Emmanuel Aimé: Course Paris-Marseille. In: Raoul Vuillemot (Hrsg.): La locomotion automobile. Nr. 15. Paris 1. Oktober 1896, S. 253–256.
  7. The Horseless Age: Paris-Marseilles-Paris. Hrsg.: E. P. Ingersoll. Band I, Nr. 10. The Horseless Age Co., New York Oktober 1896, S. 4–17.
  8. La locomotion automobile: Course Paris-Dieppe. Hrsg.: Raoul Vuillemot. Band 4, Nr. 30. Paris 29. Juli 1897, S. 348–350.
  9. La locomotion automobile: Paris-Trouville. Hrsg.: Raoul Vuillemot. Band 4, Nr. 33. Paris 19. August 1897, S. 388–390.
  10. Frantz Reichel: Une Course de Côte. In: P. Jeanniot (Hrsg.): Le Sport universel illustré. Paris 10. Dezember 1898, S. 801–803.
  11. Frederick Gougy: The Old and New Bollée Voiturettes. In: Fred H. Colvin (Hrsg.): The Automobile Magazine. Band I, Nr. 4. U.S. Industrial Publishing Co., New York Januar 1900, S. 419–422.
  12. Marguerite Duras: Der Liebhaber aus Nordchina. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1994, S. 32.