Lorraine-Dietrich

ehemaliger Automobilhersteller und Eisenbahnhersteller

Lorraine-Dietrich war eine französische Automarke.[1][2][3]

Lorraine-Dietrich
Logo Lorraine-Dietrich.jpg

Besitzer/Verwender Société des Moteurs et Automobiles Lorraine

Inhaber Société des Moteurs et Automobiles Lorraine
Einführungsjahr 1905
Produkte Automobile
Märkte weltweit

MarkengeschichteBearbeiten

Die Société Lorraine des Anciens Établissements De Dietrich et Cie war 1905 das Nachfolgeunternehmen der Société de Dietrich et Cie de Lunéville. Der Sitz war ebenfalls in Lunéville. Die Produktion von Personenkraftwagen, Lastkraftwagen und Eisenbahnwagen[4] wurde fortgesetzt. Der Markenname lautete zunächst Lorraine-Dietrich, ab 1928 Lorraine (französisch für Lothringen). 1934 endete die Produktion von Pkw. Im selben Jahr erfolgte auch die Umfirmierung in Société des Moteurs et Automobiles Lorraine.[5] In den folgenden Jahren konzentrierte man sich auf militärische Fahrzeuge. Lorraine-Dietrich baute den Motor für das Flugzeug L’Oiseau Blanc.

Die Marke wurde 1940 für Lkw aufgegeben.[5]

FahrzeugeBearbeiten

Lorraine-DietrichBearbeiten

Anfangs wurden Vierzylindermodelle hergestellt. 1919 erschien das Modell D 2-6 30 CV mit Sechszylindermotor, 6104 cm³ Hubraum und 75 PS Leistung. Bald darauf folgte das kleinere Sechszylindermodell B 3-6 15 CV, auch 16 CV genannt, mit 3446 cm³ Hubraum und zwischen 50 und 90 PS Leistung. 1923 folgte das Vierzylindermodell A 4 10/12 CV mit 2296 cm³ Hubraum und 45 bis 55 PS.

Fahrzeuge der Marke siegten sowohl 1925 als auch 1926 beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans.

LorraineBearbeiten

Die Modelle B 3-6 15 CV und A 4 10/12 CV wurden weiterhin produziert. 1929 wurde das kleine Modell eingestellt. 1931 erschien der 310/311 20 CV mit Sechszylindermotor, 4086 cm³ Hubraum und 90 PS.

In den 1930er Jahren suchte Lorraine nach neuen Betätigungsfeldern. Hierbei wurden vor allem für das Militär bestimmte geländegängige Fahrzeuge gebaut, wobei man bevorzugt solche nach Lizenz von Tatra baute. Die Fahrzeuge -üblicherweise in typischer Tatra-Bauart mit Zentralrohrrahmen- waren sehr wartungsintensiv und bewährten sich im militärischen Alltag nicht. Es handelte sich um folgende Typen:

  • Lorraine 72: Lizenzbau des Tatra 72: Dreiachsiger leichter LKW (6×4), 4 Zylinder, 1910 cm³ Hubraum, 30 PS, Leergewicht 1,5 Tonnen, Nutzlast 1,2 Tonnen. Insgesamt dürften in den Jahren 1934 bis 1935 zwischen 100 und 200 Stück an die französische Armee geliefert worden sein, die dort vor allem als Halbgruppenfahrzeug bei den Pionieren, aber auch als schwerer geländegängiger PKW und als Sanitätsfahrzeug bei diversen Truppenteilen des Heeres und der Luftwaffe eingesetzt wurden. Das Fahrzeug war untermotorisiert[6].
  • Lorraine 28: Lizenzbau des Tatra 28: Dreiachsiger leichter LKW (6×4), 4 Zylinder, 4710 cm³, 55 PS, Leergewicht 3780 kg, Nutzlast 2720 kg. Links und rechts des Kühlers waren zusätzlich kleine Stützräder angebracht, um ein Aufsitzen des vorragenden Motorraumes auf Bodenwellen zu verhindern. Das Getriebe hatte 4 Vorwärts- und einen Rückwärtsgang, zusätzlich gab es ein Vorgelegegetriebe. Insgesamt wurden in den Jahren 1937 bis 1939 364 Stück[7], nach anderer Angabe 404 Stück[8] an die französische Armee geliefert. Es diente als Gruppenfahrzeug bei motorisierter Infanterie (Dragons portès) und Pionieren, für die Luftwaffe gab es eine Variante mit Tankaufbau. Auch dieses Fahrzeug war angesichts eines Gesamtgewichts von 5,5 Tonnen untermotorisiert, den zeitgleich gebauten Laffly S 20 TL war das Fahrzeug unterlegen.
  • Lorraine 24/58: Lizenzbau des Tatra 24/58: Dreiachsiger schwerer LKW und Zugmaschine(6×4), 6 Zylinder, 11220 cm³, 110 PS, Leergewicht 8 Tonnen, Nutzlast 5 to. Insgesamt wurden in den Jahren 1936 und 1937 nur wenige Stück[9] an die französische Armee geliefert.
  • Lorraine 75: Ebenfalls Tatra-Lizenz, entsprach der Lorraine 75 dem Tatra 75: Ein vier- bis fünfsitziger Mittelklasse-PKW : 4 Zylinder, 1690 cm³ Hubraum, 30 PS, Radstand 2,70 m. Er sollte im französischen Heer als leichtes Verbindungsfahrzeug dienen. 1938 wurde ein Probefahrzeug beschafft. Das Fahrzeug überzeugte nicht[10].
  • Lorraine VLTT (voiture lègere tous terrains, leichter Geländewagen): Hierbei handelte es sich um eine Lizenzproduktion des deutschen Tempo G 1200. Das Fahrzeug hatte Vierradantrieb und zwei Motoren zu je 600 cm³, je einen in Bug und Heck. Die französische Armee bestellte Ende 1937 insgesamt 12 Stück zu Testzwecken, zu einer größeren Serienproduktion kam es nicht[11].

Ab 1939 entstand das gepanzerte Vollkettenfahrzeug Lorraine 37L.

Fahrzeuge dieser Marken sind in verschiedenen Automuseen zu besichtigen.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Lorraine-Dietrich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Harald H. Linz, Halwart Schrader: Die Internationale Automobil-Enzyklopädie. United Soft Media Verlag, München 2008, ISBN 978-3-8032-9876-8.
  2. George Nicholas Georgano (Hrsg.): The Beaulieu Encyclopedia of the Automobile. Band 2: G–O. Fitzroy Dearborn Publishers, Chicago 2001, ISBN 1-57958-293-1 (englisch).
  3. George Nicholas Georgano: Autos. Encyclopédie complète. 1885 à nos jours. Courtille, Paris 1975 (französisch).
  4. Exposition universelle. 1911. Turin (Hrsg.): Groupe VII. Classes 39 et 40. Industrie des Transports. Chemins de fer et tramways. S. Tabelle 6 (cnam.fr).
  5. a b George Nicholas Georgano (Herausgeber): The Complete Encyclopedia of Commercial Vehicles. Motorbooks International, Osceola 1979, ISBN 0-87341-024-6, S. 181–182 (englisch).
  6. Vauvillier/Touraine S. 167
  7. Vauvillier/Touraine S. 173
  8. Faurès S. 342
  9. Faurès S. 341
  10. Vauvillier/Touraine S. 165
  11. Vauvillier/Touraine S. 165