La Buire

ehemaliger Automobilhersteller

La Buire war ein französischer Hersteller von Automobilen und Eisenbahnmaterial.[1][2][3][4]

Société Nouvelle de la Buire Automobiles
Rechtsform
Gründung 1847
Auflösung 1930
Sitz Lyon
Branche Automobilhersteller, Eisenbahnhersteller
Emblem von La Buire 1905
Emblem von La Buire 1908
La Buire von 1905
La Buire von 1908
Aktie über 100 Francs der SA des Automobiles de la Buire vom 1. Oktober 1907

UnternehmensgeschichteBearbeiten

Das Unternehmen geht auf den protestantischen Schweizer Jules Frossard de Saugy aus Lausanne zurück. Nachdem seine politische Karriere im Kanton Waadt durch einen Umsturz 1845 zu Ende gegangen war,[5] gründete er Les Ateliers de Jules Froissard & Cie, die auf einem 10 Hektar großen Werksgelände am linken Ufer der Rhone angesiedelt waren. Es wurden Eisenbahnwagen, Straßenbahnwagen[6] und anderes Material für den Bahnbau hergestellt. Das Unternehmen war erfolgreich und beschäftigte 1856 bereits 800 Mitarbeiter. Durch die stärker werdende Konkurrenz gingen die Aufträge und die Mitarbeiterzahlen zurück.

1863 beteiligen sich die Gebrüder Mangini an den Werkstätten. Sie waren im Besitz der Société Anonyme de la Dombe, die in der Region von Lyon ein größeres Eisenbahnnetz betrieb. Das Unternehmen wechselte 1866 die Hand und wurde zu den Chantiers de La Buire, deren Name Bezug auf Werkstandort La Buyre machte. Es erlangte einen internationalen Ruf und bauten 1877 mit 2000 Mitarbeitern bis zu 25 Wagen pro Tag, unter anderem auch die Luxuszüge des Kaisers von China und den des Königs von Italien.[7]

1877 wurden die Chantiers de la Buire von der Compagnie des Fonderies et Forges de l'Horme übernommen und in Les Chantiers de l'Horme et de la Buire umbenannt. Die große Fabrik in La Buire wurde 1882 erweitert.[8] Nach Konkurs entstand 1895 die Société nouvelle des Établissements de l'Horme et de la Buire, der elektrotechnische Teil wurde 1899 an Alioth, Münchenstein in der Schweiz verkauft. Sie firmierte fortan als Matériel électrique Alioth-Buire. Mit der Fusion von Alioth und Brown, Boveri & Cie. (BBC), gelangte die Matériel électrique Alioth-Buire an deren französische Tochtergesellschaft Compagnie Électro-Mécanique (CEM) im Jahre 1911. Mit der Übernahme der CEM durch Alstom 1985 gelangte auch das Werk Lyon in deren Besitz.

Ab 1889 begann die Herstellung von Serpollet-Dampfdreirädern in kleinen Serien. 1903 begann der Automobilbau in Serie.[8] Der Markenname lautete La Buire. Für den Automobilbau wurde 1905 die Tochtergesellschaft Société des Automobiles de la Buire gegründet.[6] Nachdem die Gesellschaft zahlungsunfähig geworden war, entstand sie 1910 neu als Société Nouvelle des Automobiles de la Buire , die Muttergesellschaft nahm den Namen Société Horme et Buire an.[6] Zu Beginn des Jahres 1910, als Michel Berthier technischer Direktor war, wurde für eine kurze Zeit der Markenname Berthier verwendet.[2] 1930 endete die Produktion von Autos.

FahrzeugeBearbeiten

AutosBearbeiten

Markenname La BuireBearbeiten

1904 wurden die ersten eigenen Vierzylindermodelle 16 CV und 30 CV produziert und unter eigenem Namen angeboten. 1906 folgten weitere Vierzylindermodelle, deren Motoren 4900 cm³, 7500 cm³ und 13.600 cm³ Hubraum besaßen. Die Fahrzeuge nahmen auch an Rennen teil. 1907 gab es ein Vierzylindermodell mit 2700 cm³ Hubraum, 1908 das Modell 10/14 CV mit 2100 cm³ Hubraum und ein Sechszylindermodell mit 4800 cm³ Hubraum. 1909 erschienen vier neue Sechszylindermodelle mit Hubräumen zwischen 3600 cm³ und 9500 cm³. 1910 erschienen die Vierzylindermodelle 15 CV mit 3217 cm³ Hubraum und 20 CV mit 4071 cm³ Hubraum. 1913 bestand das Angebot aus neuen Vierzylindermodellen mit 1700 cm³ und 2300 cm³ Hubraum, den bekannten 15 CV und 20 CV sowie den Sechszylindermodellen mit 4800 cm³ und 5300 cm³ Hubraum.

1919 erschien das Modell 14/20 CV mit 2650 cm³ Hubraum. 1923 wurde der Prototyp 14/16 CV mit Frontantrieb vorgestellt, der allerdings nicht in Serienproduktion ging. 1923 erschien das Vierzylindermodell 12/38 CV mit 1800 cm³ Hubraum, dem kurz darauf ein weiteres Vierzylindermodell mit 2000 cm³ Hubraum folgte. Diese Modelle wurden bis 1930 angeboten.

Ein Fahrzeug dieser Marke ist im Musée Henri Malartre in Rochetaillée-sur-Saône zu besichtigen.

Markenname BerthierBearbeiten

1910 bot das Unternehmen vier Modelle als Berthier an. Dies waren die Vierzylindermodelle 10 CV, 15 CV und 24 CV sowie das Sechszylindermodell 18 CV.[2]

EisenbahnwagenBearbeiten

La Buir baute sowohl Reisezugwagen wie Güterwagen, hauptsächlich für die PLM. An der Weltausstellung Turin 1911 wurde ein dreiachsiger Wagen 1. Klasse und ein vierachsiger Wagen mit 80 Plätzen 3. Klasse gezeigt, weiter war ein Kühlwagen ausgestellt.[4]

LizenzvergabeBearbeiten

Meyrel aus Colmar fertigte Fahrzeuge nach einer Lizenz von La Buire. Iljin aus Moskau war zunächst Importeur und ab 1912 Lizenznehmer.

LiteraturBearbeiten

  • Harald H. Linz, Halwart Schrader: Die Internationale Automobil-Enzyklopädie. United Soft Media Verlag, München 2008, ISBN 978-3-8032-9876-8.
  • George Nick Georgano (Chefredakteur): The Beaulieu Encyclopedia of the Automobile. Volume 2: G–O. Fitzroy Dearborn Publishers, Chicago 2001, ISBN 1-57958-293-1. (englisch)
  • George Nick Georgano: Autos. Encyclopédie complète. 1885 à nos jours. Courtille, Paris 1975. (französisch)

WeblinksBearbeiten

Commons: La Buire – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Harald H. Linz, Halwart Schrader: Die Internationale Automobil-Enzyklopädie. United Soft Media Verlag, München 2008, ISBN 978-3-8032-9876-8.
  2. a b c Georgano: The Beaulieu Encyclopedia of the Automobile.
  3. Georgano: Autos. Encyclopédie complète. 1885 à nos jours.
  4. a b Exposition universelle. 1911. Turin (Hrsg.): Groupe VII. Classes 39 et 40. Industrie des Transports. Chemins de fer et tramways. S. 119–184 (cnam.fr).
  5. Maurice Meylan: JulesFrossard de Saugy. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  6. a b c La Buire (1904 - 1930). In: Letocar. Abgerufen am 3. Januar 2022 (amerikanisches Englisch).
  7. La Buire. In: Lyon chez moi. Nr. 3, September 2006, S. 4 (lyonchezmoi.fr [PDF]).
  8. a b Patrimoine Auvergne–Rhône–Alpes