Turcat-Méry

ehemaliger Automobilhersteller

Turcat-Méry war ein französischer Hersteller von Automobilen in Marseille.[1][2]

Automobiles Turcat-Méry SA

Rechtsform Société Anonyme
Gründung Mai 1899
Auflösung 1929
Sitz Marseille, Frankreich
Leitung Louis Mouren
Branche Automobilindustrie
Aktie über 100 Francs der Ateliers de Construction d'Automobiles Turcat-Méry SA vom 1. November 1921
Schriftzug am Kühlergrill

UnternehmensgeschichteBearbeiten

Alphonse Méry hatte 1895 ein Auto von Panhard & Levassor gekauft und danach eines von Peugeot. Er wollte daraufhin selber Fahrzeuge produzieren.[3]

Léon Turcat und Simon Méry, je nach Quelle Schwäger oder Cousins, waren junge Techniker. Sie untersuchten die beiden Fahrzeuge von Mérys älterem Bruder Alphonse und entwickelten ab 1897 einige Prototypen.[4] Sie erhielten acht Bestellungen. Daraufhin gründeten sie im Mai 1899 Les ateliers de constructions d’automobiles Turcat, Méry et Cie[5] bzw. Société des Ateliers de Construction d’Automobiles Turcat, Méry et Cie[2].

Im Dezember 1901 kam es während des Pariser Autosalons zu einem Kontakt mit der Société de Dietrich et Cie de Lunéville, die daraufhin im Februar 1902 eine Lizenz erwarb.[5] In der Folgezeit war das Unternehmen auch unterstützend bei De Dietrich tätig.[6]

Das Unternehmen beteiligte sich an Autorennen.[7] Außerdem fertigte es Bootsmotoren.[5]

1911 endete die Lizenzfertigung bei Lorraine-Dietrich, der Nachfolgemarke von De Dietrich. Zu der Zeit entstanden in Marseille 300 Fahrzeuge pro Jahr.[5]

Während des Ersten Weltkriegs wurden Lieferwagen und Kriegsmaterialen gefertigt. Zu dieser Zeit waren 2500 Pesonen beschäftigt.[8]

Nach Kriegsende sollte die Produktion wieder in großen Stückzahlen anlaufen. Lieferschwierigkeiten und Preiserhöhungen der Lieferanten sorgten für Probleme. Die Abgabepreise der Fahrzeuge konnten nicht im gleichen Maße angepasst werden. Am 24. Dezember 1920 kam es zur Zahlungsunfähigkeit.[9]

Anfang 1921 übernahmen Banken das Unternehmen. Sie wandelten es in eine Aktiengesellschaft um.[5] Die neue Firmierung lautete gemäß einer Quelle Automobiles Turcat-Méry SA,[2] allerdings steht auf der Aktie Ateliers de Construction d’Automobiles Turcat-Méry SA. Henri Estier blieb Präsident. Léon Turcat und Simon Méry wurden zu einfachen Angestellten und später entlassen.[5]

1924 gab es erneut finanzielle Probleme. Arthur Provenzal kaufte die Mehrheit der Aktien und änderte die Firma in Société anonyme des ateliers de construction automobiles Turcat-Méry. Louis Mouren leitete nun das Unternehmen.[5]

Ab 1927 wurden Motoren von CIME und S.C.A.P. zugekauft, um Kosten zu senken.[5]

1928 endete die Fahrzeugproduktion[2] und 1929 die Vermarktung[5]. 1929 wurde das Unternehmen liquidiert.[5]

FahrzeugeBearbeiten

1899 entstand das erste Auto. Es hatte einem Vierzylindermotor mit 2600 cm³ Hubraum. 1901 folgte ein Zweizylindermodell. 1907 erschien das erste Sechszylindermodell mit 10.200 cm³ Hubraum. Bis zum Ersten Weltkrieg entstanden ausschließlich große Vierzylindermodelle. Die Motoren hatten wahlweise 2600, 3300, 4100, 4700 oder 6300 cm³ Hubraum.[2]

Nach 1918 wurden kleinere Modelle hergestellt. Zunächst erschien ein Fahrzeug im Vorkriegsdesign mit einem Vierzylindermotor, 2977 cm³ Hubraum und seitlichen Ventilen. 1923 ergänzte ein modernerer Vierzylindermotor mit 2848 cm³ Hubraum und OHC-Ventilsteuerung das Sortiment. Es folgte ein vergleichbarer Motor mit 2388 cm³ Hubraum.

Louis Mouren ging 1926 dazu über, Motoren anderer Hersteller zu verwenden. Zur Wahl standen zunächst Vierzylindermotoren von CIME mit 1200 cm³ Hubraum und SCAP mit 1614 cm³ Hubraum.[2] 1927 ergänzten ein Sechszylindermotor von CIME mit 1215 cm³ Hubraum und seitlichen Ventilen sowie ein Reihen-Achtzylindermotor von S.C.A.P. mit 2340 cm³ Hubraum und OHV-Ventilsteuerung das Sortiment.[2]

ModellübersichtBearbeiten

 
Turcat-Méry von 1906 in einem Museum. Dort als 16/24 CV Sport mit 2600 cm³ Hubraum angegeben.
 
Turcat-Méry Type MJ von 1913
Jahr Modell Serie Zylinder Bohrung
(mm)
Hub
(mm)
Hubraum
(cm³)
Motorleistung oder Steuereinstufung
(PS oder CV)
Radstand
(cm)
Text
1897–1900 Prototypen 4
1901 Zweizylindermodell 1901 2 80 130 1307
1901 Type A 4 80 130 2614
1902 Type B 4 80 130 2614
1903 Vierzylindermodell 1903 4 100 140 4398
1904 Type C 4 80 130 2614
1906 Type D 4 64 130 1673
1907 Type E 4 70 130 2001
1907 Sechszylindermodell 1907 6 120 120 8143
1908 Type FM 165 4 120 140 6333 28 3060
1909 Type GG 180 4 80 120 2413 14 2815
1909 Type GH 215 4 90 120 3054 18 3100
1910 Type HGG 250 4 80 120 2413 14 3030
1910 Type HGH 272 4 90 120 3054 18 3030
1910 Type HI 272 4 100 130 4084 25 3170
1911 Type KG 412 4 80 130 2614 14 3090
1911 Type KH 400 4 90 130 3308 18 3090
1911 Type KI 352 4 100 130 4084 25 3170
1912–1914 Type LG 4 80 130 2614 14 3170
1912 Type LH 635 4 90 130 3308 18 3090
1912 Type LI 715 4 100 130 4084 25 3170
1913 Type MK 4 80 130 2614 14 3090
1913–1914 Type MH 800 4 90 130 3308 18
1913–1914 Type MI 900 4 100 150 4712 28 3190
1913–1914 Type MJ 1003 4 110 160 6082 35 3380
1914 Type NH 1599 4 90 140 3563 20 3130
1914? Type NF 1700 4 75 140 2474 12 3060
1915 Type NH 4 90 140 3563 20 Lkw, Vierzylindermotor anzunehmen
1915? Type MH 4 90 130 3308 18 Lkw, Vierzylindermotor anzunehmen
1919 Type PJ 4 110 160 6082 40
1920–1922 Type PG 4000 4 80 150 3016 15 3280
1922 Type PG Spt. 4 80 150 3016 75 15/25 CV Tour de course
1923 Type QG 5000 4 79,5 150 2978 15 3280
1923–1925 Type RGH 3200 4 82,5 140 2994 15 2850
1924 Type SG 6200 4 79,5 150 2978 15 3280
1925–1928 Type UG 7000 4 79,6 150 2986 12 3280
1925–1927 Type UG Spt. 4 79,6 150 2986 12 2950
1927–1928 Type VD 4 64 93,5 1203 7/8 2760
1927–1928 Type VF 4 70 105 1616 10 3050
1928–1929 Type VD6 6 56 82 1212 8/9 2850
1928–1929 Type VF6 6 63 90 1683 10/11 3150
1928–1929 Type WG8 8 63 94 2344 13/14 3150
1928–1929 Type WG8 court 8 63 94 2344 13/14 2850

Quelle:[10]

AutomobilsportBearbeiten

 
Turcat-Méry 25 CV von 1911, Siegerfahrzeug der ersten Rallye Monte Carlo
 
Rennteam von 1921

Die Fahrzeuge erzielten 1903 beim Rennen Paris–Madrid den 9. Platz und 1904 beim Gordon-Bennett-Rennen mit dem Fahrer Henri Louis Rougier den 3. Platz.[2] Ebenfalls Rougier gewann mit einem 25 CV die erste Rallye Monte Carlo.[2] 1921 erreichte Rougier den 2. Platz bei Circuit de Corse vor drei weiteren Turcat-Méry-Rennwagen.[2]

Ein Fahrzeug dieser Marke ist im Musée de l’Automobile de Valençay in Valençay zu besichtigen.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Turcat-Méry – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Harald H. Linz, Halwart Schrader: Die Internationale Automobil-Enzyklopädie. United Soft Media Verlag, München 2008, ISBN 978-3-8032-9876-8, Kapitel Turcat-Méry; T.M.
  2. a b c d e f g h i j George Nicholas Georgano (Hrsg.): The Beaulieu Encyclopedia of the Automobile. Band 3: P–Z. Fitzroy Dearborn Publishers, Chicago 2001, ISBN 1-57958-293-1, S. 1628–1629 (englisch).
  3. Souvenirs de Pionniers (Memento vom 10. Mai 2021 im Internet Archive) Auf turcat-mery.com (französisch).
  4. La départ. (Memento vom 10. Mai 2021 im Internet Archive) Auf turcat-mery.com (französisch).
  5. a b c d e f g h i j Eric Favre: Turcat-Mery, galéjade marseillaise Auf gazoline.net vom 2. Februar 2003, abgerufen am 15. Mai 2022 (französisch).
  6. La Lorraine. (Memento vom 10. Mai 2021 im Internet Archive) Auf turcat-mery.com (französisch).
  7. Le salon de l’auto. (Memento vom 10. Mai 2021 im Internet Archive) Auf turcat-mery.com (französisch).
  8. La guerre de 1914. (Memento vom 10. Mai 2021 im Internet Archive) Auf turcat-mery.com (französisch).
  9. La fin. (Memento vom 10. Mai 2021 im Internet Archive) Auf turcat-mery.com (französisch).
  10. Les modèles Turcat-Méry (Memento vom 10. Mai 2021 im Internet Archive) Auf turcat-mery.com (französisch).