Russischer Überfall auf die Ukraine 2022

Einmarsch Russlands in die Ukraine seit dem 24. Februar 2022, Teil des russisch-ukrainischen Krieges

Der russische Überfall auf die Ukraine, der am 24. Februar 2022 begann, ist eine vom russischen Präsidenten Wladimir Putin befohlene Invasion, die zunächst auf das gesamte Staatsgebiet der Ukraine zielte und den seit 2014 schwelenden Russisch-Ukrainischen Krieg eskalieren ließ.

Russischer Überfall auf die Ukraine 2022

Militärische Lage (regelmäßig aktualisiert)
  • kontrolliert von der Ukraine
  • kontrolliert von russischem Militär
    und prorussischen Separatisten
  • Datum ab 24. Februar 2022
    Ort Ukraine Ukraine
    Ausgang andauernd
    Konfliktparteien

    Russland Russland
    Belarus Belarus
    (Stationierung und Durchmarsch russischer Truppen,[1] Raketenstarts, keine eigene nachweisbare direkte militärische Beteiligung[2])
    Südossetien
    (300 Soldaten / 2 BTG, die im März durch Meuterei den Einsatz verweigerten und abgezogen wurden, woraufhin Präsident Bibilow im April abgewählt wurde,[3] international nicht anerkannt)

    Ukraine Ukraine
    (unterstützt durch
    Auslandshilfe von
    anderen Staaten
    )

    Befehlshaber

    Russland Wladimir Putin
    Armeegeneral Sergei Schoigu (Verteidigungsminister)
    Armeegeneral Waleri Gerassimow
    Armeegeneral Sergei Surowikin ab Okt. 2022
    Denis Puschilin
    Leonid Passetschnik

    Ukraine Wolodymyr Selenskyj
    Oleksij Resnikow (Verteidigungsminister)
    General Walerij Saluschnyj

    Truppenstärke
    Russland
    ~175.000–​190.000 (Streitkräfte)[4][5]

    10.000–20.000 Söldner[6] (darunter Gruppe Wagner u. a.)
    VR Donezk
    20.000[7]
    VR Luhansk
    14.000[7]

    Ukraine
    209.000 (Streitkräfte)
    130.000 (zivile Kampfverbände)[8]
    900.000 (Reservisten)[7]
    Internationale Frei­willige
    Söldner (PMCs)
    Verluste

    Russische Angaben:
    5.937 eigene Gefallene (Stand: 21. September 2022)[9]

    13.414 Gefallene und rund 7.000 Vermisste (Stand: 21. April 2022, kurz nach Veröffentlichung dementiert)[10]

    über 90.000 Gefallene, Vermisste und Verletzte, die nicht mehr militärdiensttauglich sind (Stand: 12. Oktober 2022, aus kremlnahen Quellen)[11]

    VR Donezk:
    3.746 Gefallene der VR Donezk (Stand: 10. November 2022)[12]

    Ukrainische Angaben:
    87.310 russische Gefallene (Stand: 27. November 2022)[13]

    Westliche Einschätzung:
    „deutlich mehr als 100.000 tote und verletzte russische Soldaten“ (Angabe von US-General Mark A. Milley, Stand: 9. Nov. 2022)[14]

    50.000 Verluste (Verwundete und Kriegsgefangene mitgerechnet) (Angaben der BAF, Stand: 17. Juni 2022)[15]


    Materialverlust Russlands:
    Ukrainische Angaben: (Stand: 27. November 2022)[13]
    2.905 Panzer
    5.856 weitere gepanzerte Fahrzeuge
    4.412 ungepanzerte Fahrzeuge und Tanklaster
    163 Spezialfahrzeuge
    278 Flugzeuge
    261 Hubschrauber
    16 Schiffe
    1.555 Drohnen
    531 Marschflugkörper
    1.897 Artilleriestände
    209 Flugabwehr-Fahrzeuge
    395 Mehrfachraketenwerfer

    Ukrainische Angaben:
    ~ 9.000 bis 10.000 eigene Gefallene (Stand: 22. August bzw. 11. Juni 2022)[16]

    Russische Angaben:
    61.207 ukrainische Gefallene und 49.368 Verwundete (Stand: 21. September 2022)[17]

    Westliche Einschätzung:
    „vermutlich“ mehr als 100.000 tote und verletzte ukrainische Soldaten (Angabe von US-General Mark A. Milley, Stand: 9. Nov. 2022)[14]


    Materialverlust der Ukraine:
    Russische Angaben: (Stand: 9. November 2022)[18]
    6.482 gepanzerte Fahrzeuge (darunter Panzer)
    7.152 anderweitige Militärfahrzeuge
    332 Flugzeuge
    172 Helikopter
    2.470 Drohnen
    3.564 Artilleriestände und Mörser
    885 Mehrfachraketenwerfer
    388 Flugabwehr-Systeme
    88 Radarstände (Stand: 10. März 2022)[19]
    8 Schiffe (Stand: 12. März 2022)[20]

    6.595 bestätigte tote Zivilisten und 10.189 bestätigte verletzte Zivilisten (OHCHR, Stand: 20. November 2022)[21]

    +8.300–29.304 getötete Zivilisten. Mehr als 15.000 Zivilisten als vermisst gemeldet. (ukrainische Angaben, Stand: 20. November 2022)
    aktuell ca. 7 Millionen Binnenflüchtlinge sowie mehr als 7,5 Millionen weitere Flüchtlinge in Europa (laut IDMC und UNHCR, Stand: 27. August bzw. 27. September 2022, Wiederheimgekehrte bereits abgezogen)[22][23]
    ca. 500.000 aus Russland Ausgewanderte bzw. Geflüchtete (laut EU-Kommission, Stand 22. September 2022)[24]

    Ostukraine und angrenzendes Territorium der Russischen Föderation mit den unter Kontrolle prorussischer Separatisten stehenden Gebieten in den ukrainischen Oblasten Donezk und Luhansk und der von Russland 2014 annektierten Halbinsel Krim
    (Stand: 11. September 2014)

    Bereits ab April 2021 wurden Konzentrationen russischer Truppen in den Grenzregionen zur Ukraine beobachtet. Am 21. Februar 2022 erkannte Russland die Unabhängigkeit der unter russischem Einfluss stehenden „Volksrepubliken“ Donezk und Lugansk an. Die angebliche Bedrohung durch die Ukraine diente als Vorwand für den Großangriff auf die restliche Ukraine; dieser erfolgte am frühen Morgen des 24. Februar gleichzeitig von Süden, Osten und Norden. Das ursprüngliche Kriegsziel Russlands, die rasche Einnahme Kiews und der Sturz der ukrainischen Regierung, wurde Ende März aufgegeben, um stattdessen Kräfte auf eine Offensive im Osten des Landes zu konzentrieren. Dort konnte Russland Gebietsgewinne verzeichnen, stieß aber weiterhin auf Widerstand und wurde im September 2022 durch eine Gegenoffensive aus dem Großraum Charkiw zurückgedrängt. Auf diese Rückschläge reagierte Russland mit einer Teilmobilmachung und der völkerrechtswidrigen Annexion der Süd- und Ostukraine. Anfang November mussten sich die russischen Truppen auch vom Westufer des Dnepr zurückziehen und die seit März besetzte Stadt Cherson aufgeben. Beim Abzug der russischen Truppen offenbarten sich in den befreiten Städten Muster kriegsverbrecherischer Misshandlungen, Vergewaltigungen, Folter und Hinrichtungen von Zivilisten.

    Die Invasion der Ukraine wurde im März 2022 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen mit großer Mehrheit verurteilt. Viele Staaten verhängten umfangreiche Wirtschaftssanktionen gegen Russland und leisteten der Ukraine humanitäre und militärische Hilfe. Proteste gegen den Krieg führten in Russland zu Festnahmen und einer verstärkten Zensur in russischen Medien. Dazu gehört auch das Verbot der Verwendung der Begriffe „Invasion“ und „Krieg“ im Zusammenhang mit dem Konflikt; staatliche russische Medien nutzen dabei ausschließlich den Euphemismus militärische Spezialoperation (russisch Специальная Военная Операция, spezialnaja wojennaja operazija), abgekürzt SWO.

    VorgeschichteBearbeiten

    Russischer TruppenaufbauBearbeiten

    Anfang April 2021 wurde von ukrainischer Seite ein Aufbau russischer Truppengruppierungen entlang der Grenze zur Ukraine festgestellt. Der Chef des ukrainischen Grenzschutzes schätzte, dass sich bereits 85.000 russische Soldaten auf der Krim oder in einem Gebietsstreifen von 40 km Breite entlang der ukrainischen Grenze befanden;[25] einen derartigen Aufmarsch russischer Truppen an der ukrainischen Grenze hatte es seit 2014 nicht mehr gegeben.[26] Die Außenminister der G7-Staaten bekräftigten ihre „Unterstützung für die Unabhängigkeit, Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine innerhalb ihrer international anerkannten Grenzen“.[27] Russland kündigte an, es werde vom 24. April bis Ende Oktober 2021 ausländischen Militärschiffen nur noch eingeschränkt die Durchfahrt auf drei Wasserstraßen zum Asowschen Meer erlauben.[28] Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell sagte am 20. April, die Zahl der an der Grenze zur Ukraine und auf der Halbinsel Krim stationierten russischen Soldaten sei auf mehr als 100.000 angestiegen.[29][30][31]

    Im Juli veröffentlichte Putin einen Aufsatz unter dem Titel Zur historischen Einheit von Russen und Ukrainern, in dem er die Existenz der Ukraine als eigene Nation bestreitet und behauptet, dass die ukrainische Regierung von westlichen Verschwörungen gesteuert sei.[32] Ende September endete die Überwachung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) an zwei Grenzübergängen der von Separatisten kontrollierten „Volksrepubliken“ nach Russland, nachdem Russland seine Zustimmung dazu zurückgezogen hatte.[33] Auch im Herbst 2021 wurde, trotz eines vereinbarten Waffenstillstands[34], weiter in der Ostukraine gekämpft. Bei Hranitne beschossen prorussische Separatisten per Artillerie Positionen der ukrainischen Armee, dabei wurde ein Soldat getötet. Daraufhin setzte die ukrainische Armee eine Drohne des Typs Bayraktar TB2 zur Zerstörung des verwendeten Artilleriegeschützes ein – und brach damit ihrerseits die Abmachung der Konfliktparteien, keine Drohnen einzusetzen.[35][36] In den nicht von der Regierung kontrollierten Gebieten wurden fast täglich Mitarbeiter der OSZE in ihren Bewegungen behindert; im Oktober wurden erneut die Büros und Fahrzeuge, diesmal in Donezk und Horliwka, blockiert und den OSZE-Beobachtern Kontrollgänge gänzlich verwehrt.[37]

    Spätestens ab Herbst 2021 wurde von westlichen Diensten und offiziellen Stellen auf „ungewöhnliche“ russische Truppenbewegungen in der Nähe der ukrainischen Grenze hingewiesen.[38] Laut Geheimdienstdokumenten standen im Dezember 2021 unterhalb von Jelnja (wo bereits 75.000 Soldaten versammelt seien) insgesamt 50 Bataillone mit je 1000 Soldaten unweit der russisch-ukrainischen Grenze und auf der Krim bereit. Dazu kämen 50.000 weitere Soldaten, die dorthin verlegt würden. Insgesamt nennt das US-Papier 175.000 russische Soldaten in der Nähe der Ukraine. Im Dezember 2021 erklärte US-Präsident Joe Biden, dass US-Geheimdienste Kenntnisse hätten, wonach Russland eine Invasion in die Ukraine plane.[39] Bei einem Treffen der G7 schloss sich Japan den Androhungen von Sanktionen an.[40] Als Reaktion auf den Truppenaufbau lieferten einige NATO-Staaten, vor allem die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich, mehr Waffen in die Ukraine.[41]

    Russische Forderungen und westliche Bemühungen um DeeskalationBearbeiten

    Trotz des massiven Militäraufmarschs russischer Streitkräfte bestritt Wladimir Putin Planungen für einen Überfall auf das Nachbarland und verlangte Sicherheitsgarantien seitens der NATO, wie den Verzicht auf eine Osterweiterung der NATO und den Abzug aller Truppen und schweren Waffen aus denjenigen Staaten, die zuvor dem Warschauer Pakt angehört hatten.[42] Die USA und die NATO nannten die russischen Forderungen inakzeptabel, auch mit Verweis auf das Selbstbestimmungsrecht der betreffenden Staaten.[42] Der russische Militärexperte Leonid Iwaschow schrieb, Außenminister Lawrow hätte dem Westen ein unerfüllbares Ultimatum in einem Tonfall gestellt, wie zuvor nur Adolf Hitler es getan habe.[43]

    In Vorbereitung des Treffens des NATO-Russland-Rates hatten sich am 7. Januar 2022 die NATO-Außenminister über die dort zu vertretende Position der Mitgliedsländer des Bündnisses in der Nato-Ukraine-Krise abgestimmt. Nach dem Treffen bewertete NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg das Lagebild des russischen Aufmarschs an der Grenze zwischen Russland und der Ukraine so: Russland ziehe Schritt für Schritt mehr Kräfte mit vielen verschiedenen militärischen Fähigkeiten an der russisch-ukrainischen Grenze zusammen. Man sehe dort gepanzerte Einheiten, Artillerie und Ausrüstung zur elektronischen Kriegsführung. In der NATO wurde die Zahl der in Grenznähe operierenden taktischen Bataillone auf ungefähr sechzig geschätzt.[44] Als Mitte Januar 2022 Unterhändler der USA und Russlands verhandelten, waren laut der New York Times (NYT) nach wie vor etwas mehr als 100.000 russische Soldaten nahe der ukrainisch-russischen Grenze stationiert; außerdem seien Kampfflugzeuge, Transporthubschrauber und andere Helikopter der russischen Streitkräfte in die im Südwesten Russlands gelegenen Militärbasen verlegt worden.[45] Russland forderte bereits vor dem Treffen des NATO-Russland-Rates am 12. Januar von der NATO „Sicherheitsgarantien“; die NATO solle keine weiteren Mitglieder aufnehmen und ihre Truppen aus Osteuropa abziehen.[46] Bei dem Treffen selbst kam es zu keinen substantiellen Vereinbarungen. Der russische OSZE-Botschafter Alexander Lukaschewitsch warnte, Russland sei ein friedliebendes Land, „aber wir brauchen keinen Frieden um jeden Preis“.[47] Nach Erkenntnissen der NATO setzte Russland seine Truppenbewegungen an der Grenze zur Ukraine unverändert fort.[48] Mit der Entsendung russischer Soldaten, Panzer, Artilleriegeschütze und Militärfahrzeuge nach Belarus ab 18. Januar – offiziell sollten im Februar gemeinsame Manöver stattfinden[49] – verschärfte Russland die Situation weiter.[49] Nach Angaben von US-Botschafterin Linda Thomas-Greenfield im UN-Sicherheitsrat beabsichtigte Russland bis Anfang Februar die Präsenz von russischen Truppen in Belarus auf mehr als 30.000 Soldaten auszuweiten.[50]

    Die Vereinigten Staaten und die NATO übergaben am 26. Januar ihre Antworten auf die ultimativ von Russland geforderten Sicherheitsgarantien. Einen Verzicht auf eine künftige Aufnahme der Ukraine in die NATO wiesen die Vereinigten Staaten darin unter Verweis auf das Selbstbestimmungsrecht zurück.[51] Die NATO schlug in ihrer Antwort vor, die Vertretungen in Moskau und Brüssel wieder zu öffnen, die seit einem Spionagestreit geschlossen waren. Außerdem wolle das Bündnis die bestehenden militärischen Kommunikationskanäle in vollem Umfang nutzen, um die Transparenz zu fördern und Risiken zu verringern. In einem ersten Schritt zur Deeskalation, solle man sich gegenseitig über Manöver und Atompolitik im NATO-Russland-Rat verständigen.[52] Russland sagte, es wolle die Vorschläge prüfen.[51] Am 31. Januar 2022 trat in New York gegen den Willen Russlands der UN-Sicherheitsrat zusammen, um auf einer öffentlichen Sitzung über die von Russland herbeigeführte Krise zu beraten. Die Vereinigten Staaten hatten das Treffen beantragt, weil von einem Einmarsch russischer Truppen in der Ukraine ausgegangen wurde. Russland insistierte, dass keine Invasion geplant sei.[50]

    Der Präsident der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, warf gleichzeitig in Kiew ausländischen Journalisten „Panikmache“ vor. Die Lage sei zwar ernst, doch seiner Einschätzung zufolge gebe es keine größere Eskalation als noch ein Jahr zuvor. Die Unsicherheit vor einer militärischen Verschärfung des Konflikts mache hingegen der Wirtschaft der Ukraine mit dem Abzug von bereits mehr als elf Milliarden Euro Investitionen und dem gefallenen Kurs der Landeswährung Hrywnja schwer zu schaffen.[53] Dennoch hielt die Hälfte der Bevölkerung einen russischen Einmarsch laut Umfragen für möglich. Entsprechend bereiteten sich viele auf den Ernstfall vor oder ließen sich als Reservisten eintragen,[54] darunter auch Wladimir Klitschko.[55]

    Im Dezember 2021 und Januar 2022 soll die Omikron-Welle zu steigenden Covid-19-Zahlen in der russischen Armee geführt haben.[56] Vom 4. bis 20. Februar 2022 fanden die Olympischen Winterspiele in Peking statt, an deren Eröffnungsfeier Wladimir Putin teilnahm. Vertreter der US-Regierung erklärten, China habe Russland gebeten, den Krieg nicht vor dem Ende der Spiele zu beginnen.[57] In den beiden Wochen vor dem Überfall lagen die Temperaturen in Kiew deutlich über den historischen Durchschnittswerten für Februar – oft 7 bis 10 Grad wärmer, und auch die Nächte waren überwiegend frostfrei.[58]

    Eskalation der russischen Aggression 2022Bearbeiten

    Ende Januar trafen sich Unterhändler der Ukraine und Russlands im Normandie-Format. Sie tauschten Positionen und Forderungen aus und bekannten sich zu einer 2020 vereinbarten Waffenruhe.[59] Ebenfalls Ende Januar veröffentlichte der Vorsitzende der Allrussischen Offiziersversammlung, Generaloberst a. D. Leonid Iwaschow, einen offenen Brief mit einem Appell an Putin, keinen Krieg zu beginnen: Es könne niemand mit Drohungen und Gewalt dazu gezwungen werden, Russland und die russische Regierung zu lieben. Iwaschow warnte, dass sich Russland durch eine Invasion zum Pariastaat machen würde. Die Anwendung von Gewalt gegen die Ukraine würde „die Existenz Russlands selbst als Staat in Frage stellen“.[60]

    Ein weiteres Treffen am 10. Februar im Normandie-Format endete ergebnislos.[61] Ebenfalls am 10. Februar startete ein gemeinsames Manöver Russlands und Belarus’ im Grenzgebiet zur Ukraine;[62] es sollte planmäßig am 20. Februar enden.[63] Am 11. Februar warf das ukrainische Außenministerium Russland vor, eine Seeblockade im Schwarzen Meer errichtet zu haben.[64] Am 13. Februar kündigte Russland einen teilweisen Truppenrückzug an, verstärkte jedoch im Gegenteil seine militärische Präsenz.[62] In der ersten Februarhälfte riefen die Regierungen mehrerer Staaten (Japan,[65] Niederlande,[65] Vereinigtes Königreich,[65] USA,[66] Deutschland,[67] Australien, Neuseeland, Italien und Spanien) ihre Bürger zum Verlassen der Ukraine auf.[68] Gleichzeitig erhöhten die NATO-Mitgliedsstaaten – insbesondere die USA – ihre Truppenstärke in Osteuropa. Nach Polen entsandten die USA zusätzlich zu dem bereits stationierten Kontingent der amerikanischen Armee 4700 weitere Soldaten. In den baltischen Staaten wurde die Zahl ausländischer NATO-Soldaten bis zum 11. Februar auf knapp 4000 erhöht. In Rumänien wurden bis dahin 2000 Soldaten aus anderen NATO-Staaten stationiert.[69]

    Am 11. Februar teilten der US-amerikanische Auslandsgeheimdienst CIA und das US-Militär der deutschen Bundesregierung und anderen NATO-Verbündeten mit, sie befürchteten einen Angriff Russlands auf die Ukraine bereits in den kommenden Tagen. Daraufhin erklärte der ukrainische Präsident den für den russischen Einmarsch vorausgesagten 16. Februar per Dekret zum Nationalfeiertag „Tag der Einheit“.[70][71] Bei dieser Veröffentlichung von Geheimdiensterkenntnissen mit dem Ziel, die russische Invasion wenn möglich noch abzuwenden, handelte es sich nach der Einschätzung des Direktors des Schweizerischen Geheimdienstes NDB, Christian Dussey, um einen „Paradigmenwechsel“.[72] Am 14. Februar gab US-Außenminister Blinken bekannt, dass die USA als Vorsichtsmaßnahme ihre Botschaft von Kiew nach Lwiw verlegt hätten.[73] Am 17. Februar kam es zu den meisten Waffen­still­stands­verletzungen seit 2020, jedoch weniger als in den Jahren davor.[74] Am Tag darauf begannen prorussische Separatisten laut eigenen Angaben mit einer Massenevakuierung ziviler Einwohner aus dem Separatistengebiet Volksrepublik Donezk in Richtung Russland.[75] Laut den Metadaten eines Videos, in dem die Separatistenführer aufgrund angeblich „überraschender“ Ereignisse zur Ausreise aufriefen, wurde jenes bereits zwei Tage zuvor aufgenommen. Die vorgefertigten Videos stützten die Darstellungen, wonach sowohl Evakuierungen als auch Warnungen aus den besetzten Donbass-Gebieten als Vorwand orchestriert waren, um einen Krieg vorzubereiten.[76] Am 18. Februar weiteten sich die Waffenstillstandsverletzungen in der Ostukraine massiv aus. So zählte die OSZE allein an jenem Tag aus dem Separatistengebiet Volksrepublik Lugansk 975 Verstöße (davon 860 Explosionen) gegen das Waffenstillstandsabkommen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verlangte am selben Tag einen sofortigen Waffenstillstand und erklärte sich zu Friedensgesprächen unter Aufsicht der OSZE („trilaterale Kontaktgruppe“) bereit.[77] Am 19. Februar rief der prorussische Separatistenführer Denis Puschilin zur Generalmobilmachung aller Männer in der von prorussischen Separatisten ausgerufenen „Volksrepublik Donezk“ auf. Auch in der ebenfalls von prorussischen Separatisten kontrollierten „Volksrepublik Lugansk“ wurde allen Männern im Alter von 18 bis 55 Jahren verboten, das Gebiet zu verlassen. Am selben Tag führten die russischen Streitkräfte ein Manöver und Waffentests von ballistischen Raketen und nuklear bestückbaren Marschflugkörpern durch.[78][79]

    Vom 18. bis 20. Februar fand die 58. Münchner Sicherheitskonferenz statt. Von russischer Seite nahm erstmals kein Regierungsvertreter an der Konferenz teil.[80][81] Teilnehmer der Konferenz forderten Russland auf, vom Einmarsch in die Ukraine abzusehen; anderenfalls würden schwere Wirtschaftssanktionen die Folge sein. Der amerikanische Außenminister Antony Blinken erneuerte aber zugleich auch sein Verhandlungsangebot. Er werde sich mit dem russischen Außenminister Sergei Lawrow am Mittwoch, dem 23. Februar in Europa treffen, sofern Russland nicht vorher mit dem Krieg beginne.[82] Der chinesische Außenminister Wang Yi betonte die Souveränität der Ukraine, sprach sich gleichzeitig aber gegen eine Osterweiterung der NATO aus.[83] Der ukrainische Präsident Selenskyj warf dem Westen Sprach- und Tatenlosigkeit sowie Indifferenz vor; er erwarte sich mehr echte Unterstützung statt „leerer Worte“.[84][85] Insbesondere forderte er von den NATO-Staaten, die Ukraine entweder zeitnah in das Bündnis aufzunehmen oder aber eine klare Ablehnung auszusprechen. Außerdem stellte er am 19. Februar 2022 einen Ausstieg seines Landes aus dem Budapester Memorandum in den Raum.[86] Ein solcher Schritt würde bedeuten, dass die Ukraine wieder Atomwaffen besitzen könnte.

    Am 19. Februar begann die Generalmobilmachung in den selbsternannten Volksrepubliken. Männer jeden Alters auch ohne jegliche militärische Ausbildung wurden nach wenigen Tagen an die Front gebracht.[87] Am 21. Februar forderten die Anführer der prorussischen Separatisten und das russische Parlament die Anerkennung der „Volksrepubliken“ Donezk und Lugansk.[88] Dieser Aufforderung kam der russische Präsident Wladimir Putin durch Unterzeichnung eines entsprechenden Dekrets (Ukas) noch am selben Tag nach. In einer einstündigen Fernsehansprache[89] sprach Putin der Ukraine die Staatlichkeit ab und bezeichnete die Ostukraine als „historisch russisches Gebiet“; die Existenz der Ukraine sei ein „Betrug an Russland“.[90] Unmittelbar danach gab Putin, unter Berufung auf am selben Tag abgeschlossene „Freundschafts- und Hilfsabkommen“ mit den Separatistenregionen, der russischen Armee den Befehl, nach Donezk und Lugansk – und damit auf ukrainisches Territorium – vorzurücken.[91][92] Spitzenpolitiker der EU und ihrer Mitgliedsstaaten sowie die Regierung der USA verurteilten das Vorgehen Russlands als eklatanten Verstoß gegen das Völkerrecht, gegen das Abkommen von Minsk und gegen die territoriale Integrität der Ukraine und kündigten in Reaktion darauf die Verhängung von Wirtschaftssanktionen gegen Russland an.[93][94]

    Video von Wladimir Putins Rede an die Nation am 21. Februar 2022 (Videolänge: 55:56 Min.; englische, aber (noch) keine deutschen Untertitel verfügbar)

    Am Abend des 21. Februar hielt Putin eine aggressive, von russischem Nationalismus geprägte 56-minütige Ansprache im Fernsehen voller „Opfermythen“ und „Pseudohistorismus“, so eine journalistische Einschätzung. Putin beschrieb darin die Staatlichkeit der Ukraine als Werk Lenins, der ukrainischen Nationalisten entgegengekommen sei. Das Land sei nicht lebensfähig, sondern eine Kolonie mit korruptem Marionetten-Regime. Die NATO habe Russland umzingelt, während die Ukraine Atomwaffen entwickeln wolle. Als Rechtfertigung für seinen wenig später folgenden Marschbefehl behauptete er einen von der Ukraine verübten Völkermord an „Russen“ im ukrainischen Donbass.[95]

    Am 19. Februar wurden im Zuge der Spannungen zwei ukrainische Soldaten getötet und vier durch anhaltende Gefechte verletzt. Die ukrainische Armee warf den Separatisten rund 70 Verstöße gegen den Waffenstillstand seit Mitternacht vor.[96] Am 21. Februar starben während der eskalierenden Spannungen erneut zwei ukrainische Soldaten in Zaitseve nördlich von Donezk sowie ein Zivilist durch russischen Beschuss.[97] Die Zahl der Waffen­still­stands­verletzungen nahm am 23. Februar wie schon am Tag zuvor erneut zu.[98] Am 23. Februar beschloss das ukrainische Parlament, ab 24. Februar einen landesweiten 30-tägigen Ausnahmezustand zu verhängen.[99][100] Flughäfen wurden geschlossen, da sie als erstes angegriffen würden.

    VerlaufBearbeiten

    MilitärischBearbeiten

    Um die Regierung der Ukraine zu stürzen, versuchten die russischen Streitkräfte am 24. Februar 2022 eine Luftlandeoperation auf dem Flughafen Kiew-Hostomel – die aber scheiterte. Bodentruppen rückten aus mehreren Stoßrichtungen rasch von Belarus aus nach, doch geriet der Vormarsch schon nach wenigen Tagen ca. 30 km vor Kiew ins Stocken. Nach wochenlanger Umklammerung der Stadt von Norden, Westen und Osten musste Russland den Versuch der Eroberung Kiews Ende März aufgeben. Beim Abzug der russischen Truppen aus allen zuvor eroberten Gebieten nördlich von Kiew und Charkiw offenbarten sich Plünderungen und andere Kriegsverbrechen. Der Ort Butscha erlangte weltweite Bekanntheit durch die dort begangenen Gräueltaten durch russische Truppen.

    Im Osten der Ukraine konnten die ukrainischen Truppen ihre Stellungen vor Donezk entlang der seit 2014 bestehenden Kontaktlinie den ganzen März und April durchgehend halten, ebenso die nahe der russischen Grenze liegende Großstadt Charkiw, die in der um sie geführten Schlacht erheblich zerstört wurde, bis eine ukrainische Gegenoffensive Anfang Mai die Angreifer hier zurückdrängen konnte. Zwischen Donezk/Luhansk und Charkiw liegende Gebiete wurden von Russland besetzt, dessen Truppen im April und Mai kleinere Geländegewinne, aber keinen Durchbruch erzielten. Noch weitaus stärker als Charkiw wurde die am Asowschen Meer liegende Hafenstadt Mariupol zerstört, wo sich die Verteidiger Mitte Mai nach langer Belagerung ergaben. Bis auf den Südwesten der Ukraine (Oblast Odessa und Oblast Mykolajiw) wurden alle Gebiete im Süden der Ukraine, wo seit 2014 die Einnahme einer Landbrücke von Russland zur Krim befürchtet worden war, besetzt. Dazu gehörte auch die Stadt Cherson, die bereits Anfang Märzeingenommen worden war. Der russische Vorstoß von Cherson in Richtung Odessa war Anfang März bei Mykolajiw gescheitert. Eine amphibische Landung wurde nach der Versenkung des Flaggschiffs Moskwa Mitte April unwahrscheinlicher, und mit dem Rückzug von der Schlangeninsel vor Odessa ausgeschlossen. Gleichwohl wurde weiterhin von Landverbindungen nach Transnistrien gesprochen; insbesondere das russische Militär war mit den politischen Beschränkungen der Ziele auf den Donbass unzufrieden und forderte im Gegenteil ehrgeizigere Ziele und eine Generalmobilmachung in Russland.[101][102] Eine Bürgerplattform in Belarus hatte für die ersten 70 Tage des Krieges 631 Raketenstarts in die Ukraine von Belarus aus ermittelt.[103] om/2022/05/17/explainer-is-russia-running-low-on-missiles-a77704 Explainer: Is Russia Running Low on Missiles?] The Moscow Times, 17. Mai 2022, abgerufen am 21. Mai 2022.</ref> Anfang Juli 2022 wurde Lyssytschansk, die letzte größere Bastion der Ukraine im Gebiet Luhansk, von russischen Truppen erobert.[104] Den ganzen Juli und August hindurch bewegten sich die Frontlinien danach nur geringfügig.[105]

    Ende August begannen die ukrainischen Streitkräfte, zunächst in der Region Cherson und dann ab Anfang September überraschend auch in Charkiw, mit Gegenoffensiven. Ab dem 8. September brach die russische Front in der Oblast Charkiw zusammen, nachdem bei Balaklija ein Durchbruch gelungen war; ukrainische Kräfte konnten anschließend in zwei Tagen über 60 km hinter die Front bis zu dem Eisenbahnknotenpunkt Kupjansk vorstoßen und bedrohten damit auch die weiter südlich gelegenen russischen Truppenkonzentrationen bei Isjum mit Einkesselung. Russische Truppen flohen daraufhin unter großem Materialverlust aus ihren Stellungen, um der Einkreisung zu entgehen. Insgesamt wurden bis zum Abend des 10. September über 3000 km² durch die Ukraine zurückgewonnen,[106] bis zum 14. September konnte der Umfang der ukrainischen Geländegewinne ungefähr verdoppelt werden. Damit verlor das russische Militär nach Einschätzung des Royal United Services Institute innerhalb einer Woche mehr Gelände, als es in den vorhergehenden vier Monaten eingenommen hatte.[107] Die russische Seite wollte entlang des Oskil eine Verteidigungslinie aufbauen,[108] die aber von ukrainischen Truppen schon am 19. September überschritten wurde. Am 28. September 2022 bildeten die ukrainischen Streitkräfte fünf Brückenköpfe am Ostufer des Oskil, und Einheiten stießen entlang des Oskil auf Gebiete nördlich des Eisenbahnknotenpunktes Lyman vor. Am 1. Oktober meldete das russische Verteidigungsministerium, dass die russischen Streitkräfte Lyman wegen drohender Einkesselung geräumt hätten.[109]

    Das russische Verteidigungsministerium räumte am 3. Oktober im Süden der Ukraine einen Durchbruch überlegener ukrainischer Panzertruppen bei Solota Balka ein?[110] Mitte Oktober wurde entlang der Frontlinie schwer gekämpft, insbesondere am westlichen Ende, wo russische Truppen den Flankenschutz durch den Fluss Inhulez verloren hatten.[111] Aufgrund russischer Propagandameldungen über angebliche ukrainische Pläne wurde befürchtet, dass Russland nach seiner Vertreibung aus Cherson den Damm des Kachowkaer Stausees sprengen könnte – unter Schuldzuweisung an die Ukraine als Falsche Flagge.[112] In einer offenbar inszenierten Sitzung empfahl General Sergei Surowikin dem russischen Verteidigungsminister Sergei Schoigu am 9. November den Rückzug aller westlich des Dnepr im Raum Cherson befindlichen russischen Einheiten. Am 11. November zogen erste ukrainische Einheiten in die Stadt Cherson ein, wenig später wurde bestätigt, dass das gesamte rechte Ufer des Dnepr von den Russen geräumt worden war; die Brücken über den Fluss waren zerstört. Beide Kriegsparteien verlegten anschließend eine erhebliche Zahl an Truppen in den Osten.

    Bereits seit Ende Oktober hatte Russland derweil versucht, den Konflikt einzufrieren.[113]

    AnnexionenBearbeiten

     
    Karte mit den südostukrainischen Oblasten in Gelb und dem rot gestrichelten Frontverlauf, der die Grenze der von Russland Ende September 2022 kontrollierten Gebiete markiert

    Die russische Regierung hatte zu Beginn der Invasion beteuert, keine Eroberung ukrainischen Territoriums zu beabsichtigen. Am 20. September – vor dem Hintergrund des militärischen Misserfolgs Russlands – wurden in den selbsternannten Volksrepubliken Lugansk und Donezk und in den russisch besetzten Gebieten der Oblaste Cherson und Saporischschja jedoch „Referenden“ über den Beitritt zur Russischen Föderation angekündigt, nachdem solche nur Tage zuvor ein weiteres Mal in die Zukunft verschoben worden waren,[114][115] Im direkten Zusammenhang mit den vortags angekündigten Pseudoreferenden erklärte der russische Präsident Wladimir Putin am 21. September 2022 die Mobilmachung Russlands.[116] Die „Referenden“ fanden vom 23. bis 27. September statt[117] und am 28. September wurden die längst zuvor erwarteten „Ergebnisse“ veröffentlicht.[118] Am 29. September unterzeichnete Präsident Putin Dekrete, nach denen die Russische Föderation die ukrainischen Regionen Cherson und Saporischschja als „unabhängige Territorien“ anerkennt,[119] und noch am selben Tag kündigte die russische Regierung für den Folgetag (30. September) den „Anschluss“ der ukrainischen Regionen an das russische Staatsgebiet an.[120] Die russische Annexion der Süd- und Ostukraine wurde am selben Tag erklärt, an dem ukrainische Streitkräfte die Stadt Lyman einkesselten.[121] Am 3. Oktober 2022 stimmte die Duma für die Annexion von Cherson, Donezk, Luhansk und Saporischschja.[122] Am Folgetag beschloss auch der Föderationsrat als russisches Oberhaus einstimmig die Gebiete zu annektieren.[123] Am Mittwoch, dem 5. Oktober 2022 fertigte Präsident Putin die Annexionsbeschlüsse aus.[124]

    Am 19. Oktober rief Putin in den annektierten Gebieten das Kriegsrecht aus. Unter dem Kriegsrecht können die Bewohner zum Rüstungsdienst gezwungen und an Reisen gehindert werden.[125]

    VerhandlungenBearbeiten

    Möglicherweise gab es, vor oder kurz nach Ausbruch des Krieges, einen Vertragsentwurf, der zur Abwendung bzw. Beendigung des Krieges einen Verzicht der Ukraine auf eine Mitgliedschaft in der NATO vorsah. Diese unter Beteiligung von Dmitri Kosak ausgehandelte mögliche Vereinbarung mit der ukrainischen Regierung sei laut Reuters von Putin abgelehnt worden.[126] Mykhailo Podolyak, ukrainischer Teilnehmer an den Verhandlungen mit Russland, sagte, die Russische Föderation habe mit den Verhandlungen die Vorbereitung der Invasion vertuscht. Podolyak antwortete nicht auf Fragen von Reuters zum Inhalt der Gespräche und bestätigte nicht, dass ein vorläufiges Friedensabkommen erzielt worden war. „Heute [Oktober 2022] verstehen wir klar, dass die russische Seite nie an einer friedlichen Lösung interessiert war“, so Podoljak.[127]

    Ein Waffenstillstandsentwurf der Ukraine vom 29. März umfasste erstens einen Waffenstillstand, zweitens einen Abzug aller russischen Invasionstruppen, sodann eine völkerrechtlich verbindliche Neutralitätserklärung der Ukraine und den Verzicht auf einen Beitritt zur Nato wie auch ein Verbot ausländischer Militärstützpunkte auf ukrainischem Territorium. Zudem sollten völkerrechtlich verbindliche Sicherheits- und Beistandsgarantien für die Ukraine durch eine Reihe anderer Staaten wie die USA, Großbritannien oder Deutschland erklärt werden. Der Entwurf hätte das Einfrieren des damaligen Status der von Russland 2014 völkerrechtswidrig annektierten Krim für fünfzehn Jahre erlaubt, um in dieser Zeit eine Vereinbarung über den künftigen Status der Halbinsel auszuhandeln. Als letzter Punkt hätte der Waffenstillstand direkte Verhandlungen zwischen Präsident Selenskyj und Präsident Putin über einen Sonderstatus für die beiden umstrittenen „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk im Donbas beinhaltet. Laut Beobachtern hätte dieser Vorschlag Putin einen gesichtswahrenden Ausstieg aus dem Krieg erlaubt.[128]

    Ende April 2022 will der Kreml Vereinbarungsvorschläge an Kiew übergeben haben; die ukrainischen Behörden bestritten jedoch, von den Russen irgendein Dokument erhalten zu haben, das eine inhaltliche Antwort verlangte. In der Folgezeit wurden Dokumente vorbereitet, die bei einer Einigung der Regierungschefs hätten unterzeichnet werden können; bis zum Sommer waren die Kontakte kaum mehr vorhanden, nachdem nach der Versenkung der Moskwa die Gespräche seitens Russlands im Sande zu verlaufen begannen. Noch im Juni wollte Präsident Selenskyj direkte Verhandlungen mit Präsident Putin führen.[129] Der frühere ukrainische Präsident Leonid Kutschma, der jahrelang an den Verhandlungen mit Russland beteiligt war, äußerte Anfang August 2022, dass sich nichts in Russland, und damit auch nichts an den russischen Kriegszielen ändern werde, solange Russland nicht im Feld besiegt werde.[130] Anfang Oktober wurden Gespräche mit der Person Putin seitens der Ukraine aufgrund der inszenierten „Annexionen“ ausgeschlossen, was Präsident Selenskyj schon im August angekündigt hatte.[131]

    Kriegsziele RusslandsBearbeiten

    Ideologische Grundlage der „putinistischen“ Politik Russlands ist das Ziel einer „Wiederherstellung“ der Russischen Welt.[132] Als Gegner werden dabei die USA betrachtet, die die NATO und die EU vollständig kontrollieren und als Herrschaftsinstrument benutzen würden. Putin hat bereits den Russisch-Ukrainischen Krieg – den er 2014 begonnen hatte – damit begründet, die NATO-Osterweiterung seit 1997 habe „russische Sicherheitsinteressen“ missachtet.[133] Am 1. Dezember 2021 forderte er die NATO erneut auf, sich nicht mehr nach Osten zu erweitern.[134] In konkreten, verbindlichen Vereinbarungen müsse sie „die Stationierung von bedrohlichen Waffensystemen in unmittelbarer Nähe des Gebiets der Russischen Föderation ausschließen“. Seiner Meinung nach habe die NATO sich nicht an frühere, mündliche Versprechen gehalten, dass die NATO sich nicht in Richtung Russland ausdehnt.[135] Mittelfristig müsse die NATO-Erweiterung östlich der Oder rückgängig gemacht werden, da sie eine Bedrohung für Russland darstelle.

    Putin hatte schon 2021 ein Existenzrecht der Ukraine bestritten, vielmehr seien Ukrainer und Russen ein einziges Volk. Gemäß der russischen Propaganda sollen neben der Krim und dem Donbass weite Teile der Ostukraine künftig in der russischen Einflusssphäre bleiben, die „Westukraine könne in Teilen an Polen, Ungarn und Rumänien abgetreten werden.“[136] Am 22. Februar 2022 forderte Putin in einer Pressekonferenz von der Ukraine, sie müsse die Krim als russisches Staatsgebiet anerkennen, dürfe niemals der NATO beitreten und die Waffen, die ihr der Westen geliefert habe, nicht einsetzen. Dabei gehe es um die „Demilitarisierung“ der Ukraine. Das Minsker Abkommen sei hinfällig. Umstrittene Fragen müsse die Ukraine vielmehr mit der Führung der „Volksrepubliken“ lösen. Putin behauptete nochmals, er werde russische Truppen „im Moment nicht“ in die Ukraine entsenden. Kurz zuvor hatte Russland die Unabhängigkeit der Separatisten-Regionen anerkannt; die Ukraine lehnte Verhandlungen mit ihnen ab. Denis Puschilin, der Chef der „Volksrepublik Donezk“, erklärte, er wolle die genauen Grenzen erst später klären.[137] In einer Fernsehansprache am Morgen des 24. Februar, während einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates,[138] verkündete Putin, nachdem er noch tags zuvor alle Angriffspläne geleugnet hatte, den Beginn einer „militärischen Spezialoperation“ und bezog sich zur Rechtfertigung der Invasion unter anderem auf die NATO-Osterweiterung seit 1997, den Angriffskrieg gegen den Irak (2003) sowie auf den Überfall auf die Sowjetunion durch Nazideutschland im Jahr 1941:[139]

    „Die USA sind immer noch ein großes Land, eine systembildende Macht. Ihre Trabanten fügen sich nicht nur demütig und gehorsam, singen bei jeder Gelegenheit mit, sondern sie kopieren auch ihr Verhalten und akzeptieren begeistert die von ihnen vorgeschlagenen Regeln. […] Der weitere Ausbau der Infrastruktur des Nordatlantischen Bündnisses, die begonnene militärische Erschließung des ukrainischen Territoriums, ist für uns inakzeptabel. Das Problem liegt natürlich nicht bei der NATO-Organisation selbst – sie ist nur ein Instrument der amerikanischen Außenpolitik.“

    „Uns wurde einfach keine andere Möglichkeit als die, zu der wir heute gezwungen sind, gelassen. Wir müssen Russland und unser Volk verteidigen. Die Umstände verlangen von uns, dass wir entschlossen und sofort handeln. Die Volksrepubliken des Donbass haben Russland um Hilfe gebeten. In diesem Zusammenhang habe ich gemäß Teil 7 Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen mit Zustimmung des russischen Föderationsrates und in Umsetzung der von der Föderalen Versammlung am 22. Februar dieses Jahres ratifizierten Verträge über Freundschaft und gegenseitigen Beistand mit der Volksrepublik Donezk und der Volksrepublik Lugansk den Beschluss gefasst, eine besondere militärische Operation durchzuführen. […] Gleichzeitig sehen unsere Pläne nicht vor, ukrainische Gebiete zu besetzen. Wir haben nicht die Absicht, jemandem etwas mit Gewalt aufzuzwingen. […]“

    Zentrales anfängliches Kriegsziel Russlands war die Einnahme Kiews innerhalb weniger Tage zum Sturz der dortigen Regierung; als Vorbild diente vermutlich der Einmarsch in der Tschechoslowakei 1968. Man rechnete offenbar nicht mit ernsthaftem Widerstand der Ukraine; westliche Medien meldeten, russischen Soldaten sei gesagt worden, sie seien nach ein paar Tagen wieder zuhause.[140] Im März stellte das ukrainische Militär Unterlagen der russischen Schwarzmeerflotte sicher, die darauf hindeuten, dass Russland innerhalb von höchstens zwölf Tagen seine militärischen Ziele erreicht haben wollte.[141] Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj behauptete in einem Interview mit russischen Journalisten, dass in den ersten besiegten russischen Militärkonvois Paradeuniformen gefunden wurden, was laut Selenskyj darauf hindeute, dass die russische Armee glaubte, dass die ersten bzw. vordersten russischen Einheiten ein Ende des Krieges erleben würden und eine Parade in der ukrainischen Hauptstadt Kiew abhalten könnten.[142]

    Der russische Generalmajor Rustam Minnekajew erklärte am 22. April, dass Russland in der zweiten Phase des Krieges den Donbass im Osten sowie den kompletten Süden der Ukraine bis nach Transnistrien in der Republik Moldau einnehmen wolle. Damit wäre die Ukraine komplett vom Schwarzen Meer getrennt.[143] Minnekajew erklärte zudem, dass nicht nur in der Ukraine, sondern auch in der Republik Moldau die russischsprachige Bevölkerung unterdrückt werde.[144] Nachdem in Transnistrien zwei Radiomasten gesprengt wurden, die russische Radiosender übertragen hatten,[145] warnte das russische Außenministerium am 26. April 2022 vor einem Szenario, in dem Russland intervenieren müsse. Im Juli 2022 bekräftigte der russische Außenminister Lawrow, dass die gewählte ukrainische Regierung gestürzt werden und weitere Gebiete außerhalb des Donbass erobert werden sollten.[146]

    Meinungsbeiträge in russischen StaatsmedienBearbeiten

    „Der Angriff Russlands und der neuen Welt“Bearbeiten

    Am 27. Februar 2022 veröffentlichten die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti und das Propaganda-Portal Sputnik versehentlich einen Kommentar, der offensichtlich von einem Erfolg der Pläne Wladimir Putins als Szenario ausging und eigentlich erst nach dem erwarteten raschen „Sieg über die Ukraine“ veröffentlicht werden sollte. Der Kommentar war mit „Наступление России и нового мира“ betitelt, was sowohl mit „Der Aufbruch Russlands und der neuen Welt“ als auch mit „Der Angriff Russlands und der neuen Welt“ übersetzt werden kann. Demnach sollten nach dem „endgültigen und schnellen Sieg“ Russlands die drei Staaten Russland, Belarus und die Ukraine geopolitisch fortan als Union handeln. Durch den „Sieg“ habe Russland seine historischen Grenzen in Europa zurückerlangt, und der hilflose Westen könne sich nur lautstark darüber ärgern. Russland sei dabei, seine Einheit wiederherzustellen, und die „Tragödie von 1991“ (der Zerfall der Sowjetunion) sei überwunden.[147]

    „Was Russland mit der Ukraine tun sollte“Bearbeiten

    Am 3. April 2022 erklärte der Autor Timofei Sergeizew in einem Beitrag für RIA Novosti die „Vernichtung der Ukraine als Staat“ als Kriegsziel. Er fordert dazu auf, zum Zweck der „Entnazifizierung“ der Ukraine „solche zehntausenden Menschen zu bestrafen und zu töten, die sich an der Verteidigung der Ukraine während des Kriegs beteiligen.“ Sergeizew schreibt weiter: „Die Entnazifizierung ist notwendig, wenn ein bedeutender Teil des Volkes – höchstwahrscheinlich die Mehrheit – von der nationalsozialistischen Politik beherrscht und in sie hineingezogen wurde. Das heißt, wenn die Hypothese ‚das Volk ist gut – die Regierung ist schlecht‘ nicht funktioniert. Die Anerkennung dieser Tatsache ist die Grundlage der Entnazifizierungspolitik, aller ihrer Maßnahmen, und die Tatsache selbst ist ihr Gegenstand.“ Die „Entnazifizierung“ der Überlebenden „besteht in der Umerziehung, die durch ideologische Repression (Unterdrückung) der nationalsozialistischen Gesinnung und strenge Zensur erreicht wird: nicht nur im politischen Bereich, sondern notwendigerweise auch im Bereich der Kultur und der Erziehung.“[148] In dem Text wird der ukrainischen Regierung und der Mehrheit der Menschen in der Ukraine unterstellt, vom Gedankengut des ukrainischen Ultranationalisten Stepan Bandera stark beeinflusst zu sein.[149]

    Der Philosoph Moritz Rudolph setzt sich kritisch mit der Idee auseinander, die Ukrainer seien „der kleine Bruder“ Russlands, und der „große Bruder“ sei verpflichtet, „im Interesse der Familie“ (der „ganzen Rus“, vgl. den Titel des orthodoxen „Patriarchen von Moskau und der ganzen Rus“) den „kleinen Bruder“ auf den „Pfad der Tugend“ zurückzuführen, ihn umzuerziehen, notfalls sogar zu töten. Seit der Französischen Revolution habe das Ideal der „Brüderlichkeit“ immer wieder zu Versuchen geführt, Menschen mit Gewalt zum Teil einer homogenen, autoritär regierten Masse zu machen.[150]

    FaktenchecksBearbeiten

    Das als Ziel des Krieges formulierte Argument des „Schutzes der seit acht Jahren im Donbass getötet werdenden Menschen“ war insofern irreführend, als sich 90 Prozent aller Todesfälle in den Jahren 2014/2015 ereigneten, als der Kreml Söldner und eigene Militärverbände in die Region entsandt hatte.[151][152] Obwohl das Völkerrecht offenkundig keine Relevanz im Handeln der russischen Regierung habe, werde die Sprache des Völkerrechts genutzt, um sich zu rechtfertigen: So müssten in Putins Argumentation russische Landsleute im Donbass vor Gräuel und Völkermord geschützt werden. Das Konzept sei Bestandteil der russischen Militärdoktrin und basiere daher nicht auf Responsibility to Protect, sondern der russischen Verfassung. Der militärische Einsatz basiere auf Kooperationsvereinbarungen mit den zuvor durch Russland anerkannten Volksrepubliken, erfolge also im Einklang mit den dortigen Behörden. Weiter sei kollektive Selbstverteidigung der Volksrepubliken gegen einen Angriff durch die Ukraine erforderlich. Zudem werde Russland durch den Westen angeblich existentiell bedroht, vor allem durch die NATO-Osterweiterung. Daher gebe es ein Recht zur Selbstverteidigung. Diese Argumentation sei sachlich falsch und interpretiere ein Selbstverteidigungsrecht viel weitreichender als das Völkerrecht.[153]

    Während Putins Kritik an unterschiedlichen Bewertungsmaßstäben für völkerrechtsverletzende Handlungen der UN-Vetomächte grundsätzlich berechtigt erscheine, könne dies keinesfalls als Verharmlosung oder gar Legitimation des Angriffs dienen.[154] Die von ihm als „grundlos“ bezeichneten NATO-Interventionen während der Jugoslawienkriege verwendet Putin als angebliche Rechtfertigung für den russischen Überfall auf die Ukraine: Dies sei eine Manipulation der Geschichte, so der Tages-Anzeiger.[155] Auch russische Truppen waren während der Jugoslawienkriege auf dem Balkan präsent.[156] Putins Aussage zur „Ausdehnung des NATO-Blocks nach Osten, die Annäherung seiner militärischen Infrastruktur an die Grenze Russlands“ wurde (wie weitere) von der Deutschen Welle einem Faktencheck unterzogen, mit dem Ergebnis, sie sei „irreführend“. Zwar habe die NATO seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 14 osteuropäische Staaten aufgenommen und als Reaktion auf die Annexion der Krim 2014 logistische Vorbereitungen für eine Truppenverstärkung vorgenommen. Die zusätzlich in die Region entsandten NATO-Truppen (5000 Soldaten) seien aber viel zu schwach, um Russland (850.000 Soldaten) zu bedrohen.[157]

    Ferner sei die Behauptung Putins falsch, der Überfall sei ein Verteidigungsfall im Sinne der Charta der Vereinten Nationen (Kapitel VII, Artikel 51). Es sei kein Angriff durch die Ukraine zu erkennen. Im Gegenteil habe die Ukraine in den Wochen vor dem 24. Februar 2022 alles getan, um Russland keinen Vorwand für eine Selbstverteidigung zu liefern, so Pia Fuhrhop (Stiftung Wissenschaft und Politik). Auch gebe es keinerlei Hinweise für einen Genozid in der Ukraine, den Putin behauptet hatte.[154][158] Es sei nur ein „Propaganda-Narrativ“ Putins, dass er die Ukraine „entnazifizieren“ müsse. Bei den Präsidentschaftswahlen habe ein jüdischer Kandidat gewonnen, und bei den letzten Parlamentswahlen 2019 habe die Einheitsfront der rechtsradikalen Parteien nur 2,15 Prozent erhalten. Ulrich Schmid, Professor für Kultur und Gesellschaft Russlands, nannte Putins Aussage „eine perfide Unterstellung“.[157]

    Nichtanerkennung der Staatlichkeit der Ukraine durch PutinBearbeiten

    Im Budapester Memorandum hatte Russland 1994 die Staatlichkeit und territoriale Integrität der Ukraine völkerrechtlich bindend anerkannt; im Gegenzug gab die Ukraine ihre aus Sowjetzeiten stammenden Nuklearwaffen ab. Im Juli 2021 erschien jedoch der Aufsatz Putins Zur historischen Einheit von Russen und Ukrainern, demzufolge Russen und Ukrainer ein einziges Volk seien.[159] Dies wurde als Hinweis darauf gedeutet, dass Putin die Staatlichkeit der Ukraine nicht (mehr) anerkenne. In diese Richtung ging auch die Behauptung Putins, dass das ukrainische Staatsgebiet großteils aus „Schenkungen“ Russlands bestünde. Im russischen Staatsfernsehen erschien dazu eine Karte, auf der die entsprechenden Schenkungen der einzelnen russischen Herrscher eingezeichnet waren. Nur ein kleines Gebiet in der Mitte sähen Putin und der Kreml als Ukraine an, so fasste es Stern.de zusammen.[160]

    Putins Aussage, die Ukraine sei „voll und ganz und ohne jede Einschränkung von Russland geschaffen“ worden,[161] wurde vom Faktencheck der Deutschen Welle bestritten. Putin hatte es außerdem als einen Fehler eingeschätzt, dass Lenin den ukrainischen Gebieten den Status einer Sowjetrepublik eingeräumt hatte, was von dem Historiker Karl Schlögel als eine der „einfach lächerlichen“ Aussagen bezeichnet wurde.[162] Putins Aussage, die Ukraine habe „im Grunde nie eine gefestigte Tradition einer eigenen authentischen Staatlichkeit“ gehabt,[161] nennt die Deutsche Welle „irreführend“. Dass der eigenständige ukrainische Nationalstaat von 1917 nicht lange existierte, lag am Einmarsch Sowjetrusslands. Laut dem Historiker Guido Hausmann ist es richtig, dass das Gebiet der heutigen Ukraine früher oft zu anderen Staaten gehört habe. Dies gelte aber ähnlich auch für andere Staaten. Im Referendum über die Unabhängigkeit der Ukraine am 1. Dezember 1991 stimmten über 92 Prozent der Ukrainer für die Unabhängigkeit.[163] Der Historiker Joachim von Puttkamer verweist auf die „lange ukrainische Nationalbewegung“ und nennt die Behauptung, dass die Ukraine ein „Kunstprodukt der Bolschewiki“ sei, „absurd“.[163]

    Reaktionen auf das Narrativ der „Entnazifizierung“Bearbeiten

    OrganisationenBearbeiten

    Als „zynische und tückische Lüge“ würden Holocaust-Überlebende die Kriegsbegründungen Putins bezeichnen und die verwendeten Begriffe „Völkermord“ und „Entnazifizierung“ lösten wie der Putinsche Überfall auf die Ukraine „Abscheu und Entsetzen aus“, so Christoph Heubner vom Internationalen Auschwitz Komitee.[164] Putins Worte missbrauchten die Überlebenden des Holocaust und die Menschen, die als sowjetische Kriegsgefangene in deutschen Konzentrationslagern litten oder als Soldaten der Roten Armee Auschwitz und andere Lager befreiten.[165]

    David Harris, Geschäftsführer des American Jewish Committee, sagte, er sei zuversichtlich, dass Putins Nazi-Narrativ „nicht funktionieren wird“.[166] Der Rabbiner Yaakov Dov Bleich, der als Oberrabbiner der Ukraine gilt, kommentierte die Behauptung des russischen Präsidenten, man werde mit der Militäraktion die Ukraine „entnazifizieren“, mit den Worten: „Der Nazi, der entnazifiziert werden müsste, trägt den Namen Wladimir Putin.“[167] Das United States Holocaust Memorial Museum verurteilte Putins Legitimierung des Überfalls mit Verweis auf eine angeblich erforderliche „Entnazifizierung“.[168] „Das Museum steht an der Seite des ukrainischen Volkes, einschließlich der Tausenden von Holocaust-Überlebenden, die noch im Lande leben“, so der Vorsitzende des Museums, Stuart E. Eizenstat.[166]

    RezeptionBearbeiten

    Leider, so Philipp Ther, Professor für Geschichte Ostmitteleuropas, habe das seit 2013 von Russland gepflanzte Narrativ damals einen erstaunlichen, für ihn gar „bestürzende[n] Erfolg“ gehabt.[169] Es sei zwar richtig, dass in der ukrainischen Nationalgarde das in früheren Jahren von Rechtsextremen dominierte Regiment Asow integriert ist, es gebe aber keine Beweise für eine weitreichende Unterstützung neonazistischer Ideen in der ukrainischen Regierung oder Bevölkerung;[166] der ukrainische Präsident Selenskyj ist selbst Jude und hat drei Großonkel im Holocaust verloren.[170] Bei der Parlamentswahl 2019 konnte das Wahlbündnis rechtsextremistischer Parteien mit 2,4 Prozent der Stimmen nicht einmal die Hälfte der notwendigen Zustimmung für die Fünf-Prozent-Hürde erreichen und nur in einem von 186 Wahlkreisen ein Direktmandat erringen; es stellt damit nur einen von 450 Abgeordneten des ukrainischen Parlaments.[171] Von den Präsidentschaftskandidaten der Ultranationalisten habe seit 2010 keiner mehr als 2 Prozent der Wählerstimmen erhalten.[172] Das österreichische Momentum Institut bestreitet nicht, dass es in der Ukraine Ultranationalisten gibt. Es sei aber unsinnig, zu unterstellen, alle Institutionen des Staates seien nationalsozialistisch durchsetzt. Zudem gebe es in Russland mindestens genauso viele Ultranationalisten wie in der Ukraine. Gegen diese habe Putin bisher nichts unternommen. Indem er selbst Nazimethoden anwende, verkehre er das Täter-Opfer-Verhältnis.[173] Auch der deutsche Politikwissenschaftler Andreas Umland vertrat schon 2020 die Ansicht, dass zwar trotz notorisch schlechter Wahlergebnisse der Einfluss Rechtsextremer auf die ukrainische Gesellschaft nicht unterschätzt werden solle, es aber dennoch im Vergleich zu anderen postkommunistischen Staaten im Osten Europas überraschend wenige Antidemokraten gebe.[174] Yohanan Petrovksy-Shtern, ein gebürtiger Ukrainer und Professor für jüdische Geschichte an der Northwestern University, sagte, Putins Behauptung über die „Entnazifizierung widerspricht der elementaren Wahrheit“.[166] Auf prorussischer Seite kämpfen gleichfalls organisierte Rechtsextreme, ihre militärische Bedeutung für den Konflikt im Donbass im Jahr 2014 wurde als deutlich stärker als die analoge Verwendung auf ukrainischer Seite eingeschätzt.[175]

    Von Putin behauptete Parallelen zum Zweiten WeltkriegBearbeiten

    Das Präsidialamt des französischen Staatspräsidenten Macron teilte am 3. März 2022 mit, dass Putin in einem Telefonat mit diesem sein Kriegsziel formuliert habe: die totale Unterwerfung der Ukraine. Es gebe keinerlei Anlass zur Hoffnung mehr, dass er etwas anderes als die vollständige Eroberung des ukrainischen Staatsgebietes zum Ziel habe. Putin sei in einem paranoiden Narrativ der „Entnazifizierung“ der Ukraine gefangen. Er habe geleugnet, dass die russische Armee zivile Ziele angreife. Er werde sich in jedem Fall holen, was er sich vorgenommen habe. Macron habe ihn offen mit seinen „Lügen“ konfrontiert und mit dem „hohen Preis“ gedroht, den Putin für den Angriffskrieg zahlen werde. Darauf habe Putin nicht reagiert.[176]

    Die Bezeichnung „Entnazifizierung“ ist mit der Geschichte des Zweiten Weltkrieges und insbesondere mit Deutschland in den Nachkriegsjahren verknüpft.[177][178] Der Begriff „Entnazifizierung“, der weltweit für die Wiederherstellung von Gerechtigkeit steht, diene Putin als Vorwand, um den ukrainischen Staat und das ukrainische Nationalbewusstsein zu zerstören.[179] Im Narrativ von der Verteidigung „gegen blutige Verbrechen an Zivilisten, einschließlich Bürger der Russischen Föderation“ werden die vom Westen unterstützte Ukraine und die angeblich vertragsbrüchige NATO mit Nazi-Deutschland verglichen.[180]

    EinordnungenBearbeiten

    VölkerrechtBearbeiten

    Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte verpflichtete die Russische Föderation, militärische Angriffe gegen die Zivilbevölkerung und zivile Einrichtungen zu unterlassen.[181] Der Internationale Gerichtshof sprach auf Antrag der Ukraine gegen Russland die einstweilige Anordnung aus, die militärischen Operationen gegen die Ukraine sofort zu beenden.[182] Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs eröffnete auf Antrag von 39 Mitgliedsländern des Römischen Statuts ein Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit möglichen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder Völkermord auf dem Gebiet der Ukraine, betreffend den Zeitraum ab dem 21. November 2013.[183] Am 2. März 2022 verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen mit der überwältigenden Mehrheit von 141 Stimmen[184] (73 % der stimmberechtigten Nationen, 78 % der abgegebenen Stimmen) die Resolution ES-11/1, die den Einmarsch in die Ukraine als Aggression auf das Schärfste missbilligt[185] und Russland unter anderem zum sofortigen Rückzug seiner Truppen auffordert.

    • Charta der Vereinten Nationen: Bereits die Annexion der Krim 2014 und ihre Aufnahme in die Russische Föderation verstießen gegen das Völkerrecht. Das wurde in der Resolution 68/262 der UN-Generalversammlung vom 27. März 2014 bestätigt. Weder das gegen demokratische Prinzipien verstoßende Aufnahme-Referendum noch die anschließende Unabhängigkeitserklärung waren völkerrechtlich legitimiert.[186] Die Anerkennung der separatistischen „Volksrepubliken“ in Donezk und Luhansk durch Russland hat die territoriale Integrität und die Souveränität der Ukraine verletzt.[187] Der russische Einmarsch in die Ukraine verletzt die Souveränität der Ukraine und das Gewaltverbot nach Art. 2, Nr. 4 der Charta der Vereinten Nationen (UN-Charta).[188] Die Ukraine hat das Recht zur Selbstverteidigung nach Art. 51 der UN-Charta. Andere Staaten dürfen ihr gegen den Angriff auch ohne UN-Mandat Beistand leisten.[189]
    • Internationaler Gerichtshof: Am 26. Februar 2022 hat die Ukraine vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag Klage gegen Russland eingereicht. Die Klagepunkte beziehen sich auf die Auslegung, Anwendung und Erfüllung der Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes.[190][191] Russland betreibe Völkermord in der Ukraine und rechtfertige seine Invasion der Ukraine missbräuchlich mit einem Vorwurf des Völkermords.[192] Am 16. März 2022 hat der IGH vorläufig, aber völkerrechtlich bindend, angeordnet, dass Russland die militärische Gewalt sofort beenden müsse. Er hat allerdings keine Mittel, Russland dazu zu zwingen.[193] Die Entscheidung erging mit 13 zu 2 Stimmen; dagegen stimmten nur der russische Richter und die chinesische Richterin.[194] Das Urteil macht im Punkt 2 klar, dass dies neben den regulären russischen Truppen explizit auch für andere Streitkräfte „unter seiner Kontrolle oder unterstützt von Moskau“ gilt, deren Einstellung der Feindseligkeiten Russland ebenfalls sicherzustellen habe.[195]

    SicherheitspolitikBearbeiten

    UN-Generalsekretär António Guterres nannte den Krieg „eine der größten Herausforderungen für die internationale Ordnung und die globale Friedensarchitektur“ seit dem Zweiten Weltkrieg.[205] Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sah ein Scheitern im bisherigen „Ansatz, Russland in eine gemeinsame Sicherheitsarchitektur einzubinden“.[206] Insbesondere europäische Länder revidierten teils jahrzehntelange sicherheitspolitische Überzeugungen. Die Europäische Union griff das Konzept der EU-Eingreiftruppe wieder auf, Deutschland priorisierte im Rahmen der NATO-Mitgliedschaft Rüstungsausgaben[207] und neutrale Staaten stellten ihren Status infrage.[208] Auch Länder außerhalb Europas wie Japan oder Australien forderten gemeinsame Anstrengungen und zeigten Bereitschaft, sich daran zu beteiligen.[209] Johannes Plagemann vom German Institute for Global and Area Studies weist allerdings darauf hin, dass „die große Mehrzahl der Staaten […] in Asien, Afrika und Lateinamerika“ den Konflikt als „europäisches Problem“ einschätzen, in den sie vor allem nicht involviert werden wollen.[210]

    Historiker und PolitikwissenschaftlerBearbeiten

    Der deutsche Politikwissenschaftler Herfried Münkler stellte fest, der Westen habe die Wirkung von Sanktionsdrohungen überschätzt. Wirtschaftliche Macht entfalte ihre Wirkung langsam, während militärische Macht in kürzester Zeit zerstören könne, was über Jahre aufgebaut wurde. Putins Kalkül sei offensichtlich gewesen, in einem raschen militärischen Schlag Fakten zu schaffen, um danach die Sanktionen des Westens auszusitzen; „nach einer kurzen Zeit missmutigen Grollens“ würde der Westen die geschaffenen Fakten akzeptieren. Die ukrainische Bevölkerung habe die russischen Truppen jedoch nicht als Befreier begrüßt.[211] Auch der russische Journalist Alexei Wenediktow bestätigte die Erwartung der Verantwortlichen dieser Invasion, „mit Blumen begrüßt zu werden“.[212] Die russische Journalistin Julija Leonidowna Latynina beschrieb, genau aufgrund Putins Sicht auf die Welt sei die „Sonderoperation“ geplant worden, die laute: Es gibt in der Ukraine ein Russland brüderlich liebendes Volk und es gibt Nazis, die mit Hilfe der Amerikaner die Macht ergriffen haben. Aufgrund dieser „Fakten“ sei der Einmarsch geplant worden, in der Erwartung, dass die Brüder die Befreier mit Blumen erwarteten. Der ganze Plan sei an zwei „unvorhergesehenen Hindernissen“ gescheitert, von denen eines das ukrainische Volk und das andere die ukrainische Armee sei.[213] Der Schweizer Historiker und Politikwissenschaftler Jeronim Perović meinte, Putin habe sich während der COVID-19-Pandemie isoliert und „zusehends radikalisiert“,[214] was auch der deutsche Politikwissenschaftler Dieter Ruloff so einschätzte: „Während dieser Krise sass er einsam im Kreml, umgeben einzig von ein paar Jasagern.“[215] Es sei tatsächlich „Putins Krieg“, weil davon auszugehen sei, dass kaum jemand anderer auf diese Entscheidung einen Einfluss hatte, so der Politikwissenschaftler Michael Staack.[216] Gegenüber der BBC hatte Andrej Kortunow, Generaldirektor des „Russischen Rates für Internationale Angelegenheiten“ (RIAC), der sich für Internationale Zusammenarbeit einsetzt, angegeben, dass der russische Plan offenbar von einer zweiwöchigen Operation ausgegangen sei.[217] Der Krieg sei als Blitzkrieg geplant gewesen und diese Strategie gescheitert, so der Historiker Jörg Baberowski am 6. März 2022. Putin habe aus Gründen seines eigenen Machterhalts gar keine Alternative, als so lange weiter zu eskalieren, bis er Bedingungen stellen könne.[218][219]

    Philipp Ther nannte es besorgniserregend, dass der Krieg mit unrealistischen Zielen begonnen wurde; „wie kommt man dann aus diesem Krieg wieder raus?“[169] Laut dem Historiker Andreas Rödder zerstört Putin diese „regelbasierte internationale Ordnung, die auf der Herrschaft des Rechts statt auf dem Recht des Stärkeren beruht“.[220] Der Journalist und Politikwissenschaftler Nikolas Busse hatte schon Ende 2021 in FAZ.net daran gezweifelt, dass Putin selbst an den Erfolg seiner wenig realistischen Forderung glaubte. „Die NATO-Staaten würden ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzen, wenn sie einem Dritten, noch dazu einem potentiellen Gegner, ein Vetorecht über den Beitritt zur Allianz und ihr militärisches Dispositiv zugestehen würden.“[221] Einen Tag vor dem Angriff erklärte der russische Historiker Nikita Petrow, dass es Putin nur um Machterhalt und die Manipulation des (eigenen) Volkes gehe.[222] Putin sei durch die schwache Haltung des Westens schon im Kaukasuskrieg 2008 ermutigt worden. Der Unwille zum Krieg sei im Westen so tief verankert, dass man in dieselbe Falle wie 1938 getappt sei, als die europäischen Mächte Adolf Hitler die Sudetengebiete überließen.[223] Münkler nannte den Angriff eine Zeitenwende: Vertrauen in eine regelgebundene und wertegestützte Weltordnung könnte fast nur mit der sehr unwahrscheinlichen Aburteilung Putins vor dem Internationalen Strafgerichtshof wegen des Führens eines Angriffskrieges wiederhergestellt werden.[211] Olivier Roy erklärte, dass Putin durch den Angriff auf die Ukraine seine gesamte über 20 Jahre aufgebaute Soft Power verloren habe, die bis dahin für seine Rolle in der Weltpolitik entscheidend gewesen sei.[224]

    Der rumänische Historiker Armand Gosu erklärte im Mai 2022 in einem Interview, dass Russland sich „schon seit langem im Kriegszustand mit dem Westen“ befinde, nur dass dieser mit dem Überfall auf die Ukraine die Form eines konventionellen Kriegs angenommen habe.[225]

    Der Politologe Wladimir Pastuchow sah in einer der letzten Ausgaben der Nowaja gaseta, die am 23. März 2022 erschien,[226] in Russland eine „totalitäre Matrix“ am Werk. Das russische Volk lebe innerhalb dieser Matrix, die sich von Epoche zu Epoche reproduziere und von den in Russland kursierenden Ideen erzeugt werde. Ein „Gebräu […] aus Kommunismus, Orthodoxie, Nationalismus, Imperialismus, Mystizismus“ bilde die Grundlage von Putins Herrschaft. Pastuchow vermutet, „dass die erdrückende Mehrheit der Umgebung des Präsidenten tatsächlich“ mit dem „Virus“ des Hypernationalismus „infiziert ist und das, was wir beobachten, keine Verstellung, kein Zynismus ist, sondern eine Art kollektive Ekstase der Mitglieder eines semireligiösen Ordens“. Pastuchows sieht seine einzige Hoffnung darin, dass der entstandene „emotionale Flächenbrand“ des Kriegs in der Ukraine „nicht ewig andauern“ könne.[227] Das Risiko, dass der Überfall auf die Ukraine in einen Atomkrieg einmünden könnte, schätzte Pastuchow mit den Worten ein: „Könnte natürlich auch sein, dass da jemand kollektiven Selbstmord begehen will, dann kann man ihn schlecht davon abhalten, aber Selbstmörder bauen keine Paläste.“

    Der Historiker und Spezialist für russische Geschichte Orlando Figes kennt kaum ein Land, „in dem Geschichte und Mythos so ineinander übergehen“. Im Spiegel-Gespräch zieht er Parallelen zwischen Putin und Zar Nikolaus I. Dieser habe zur Abwehr der seinerzeitigen revolutionären Freiheitsbewegungen in Russland wie im europäischen Ausland einen Dreiklang aus Autokratie, Orthodoxie und Nationalismus entwickelt, eine starke Zensur angeordnet und harte Strafen gegen die Dekabristen wie gegen alle Regimegegner verhängt. Die womöglich deutlichste Parallele: Dieser Zar zog im Krimkrieg „gegen fast ganz Europa in den Krieg, um russische Prinzipien zu verteidigen“. Als Nationalstaat im westlichen Sinne habe Russland nie bestanden, sei vielmehr immer ein Imperium gewesen, seit in der Mitte des 16. Jahrhunderts das Wort vom „Sammeln der russischen Erde“ aufkam. Für Figes handelt es sich beim russischen Krieg in der Ukraine vor allem um Landraub: „Russland will eine Landbrücke zur Krim.“ In der langen gemeinsamen Geschichte von Russen und Ukrainern seien die Ukrainer, wie Geschichtsbücher aus dem 19. Jahrhundert zeigten, als minderwertig angesehen worden, als die „kleinen Russen“ (für die es auch mancherlei Schimpfwörter gibt) im Gegensatz zu den „großen Russen“ Russlands. Putin habe in seinem Aufsatz Zur historischen Einheit von Russen und Ukrainern diesem Verhältnis noch einen „neuen Dreh“ gegeben, indem er ausführte, dass die „kleinen Russen“ jedes Mal, wenn sie sich aus der Umarmung der „großen Russen“ hätten lösen wollen, feindlichen Mächten in die Hände gefallen seien: den Polen und Schweden im 17. Jahrhundert, den Österreichern im 19. Jahrhundert, den Deutschen im Ersten und im Zweiten Weltkrieg, zuletzt eben der NATO. Dieser Lesart nach könne Putin die Ukraine nicht gehen lassen, weil der Westen sie gegen Russland instrumentalisieren werde.[228]

    Agnieszka Graff und Elżbieta Korolczuk betonen die Rolle der traditionellen Geschlechter- und Sexualitätsnormen sowie die Angst vor westlichen Werten, wie einem liberalen Umgang mit Homosexualität und Transgender, die in der russischen Bevölkerung erfolgreich durch staatliche und kirchliche Anti-Gender-Rhetorik verbreitet worden sei. Die Invasion sei schließlich auch als Abwehr gegen eine angebliche „kulturelle Kolonisierung“ inszeniert worden, der der Osten durch die westlichen Werte ausgesetzt sei, was die Akzeptanz in der Bevölkerung für den Angriffskrieg erhöht habe.[229]

    Humanitäre LageBearbeiten

    Die Nichtbeachtung des humanitären Völkerrechts verursachte humanitäre Katastrophen und löste die größte Fluchtbewegung in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg aus.[230][154][231] Mit Stand 20. März 2022 waren rund 10 Millionen Menschen vor dem Krieg geflohen, davon ein Drittel ins Ausland.[232] Stand Oktober 2022 leben mindestens 14,5 Millionen Menschen als Geflüchtete an einem anderen Ort, mehr als die Hälfte davon im Ausland.

     
    Vor Bomben Schutz suchende Zivilisten in einer U-Bahn-Station der Kiewer Metro vor dem 27. Februar 2022

    In der UkraineBearbeiten

    Amnesty International beklagt, dass die russischen Truppen Streumunition gegen Zivilisten einsetzten. Am 25. Februar 2022 wurde die Stadt Ochtyrka mit Streumunition beschossen. Dabei wurden ein Krankenhaus und ein Kindergarten getroffen, wobei drei Zivilisten getötet wurden, darunter ein Kind.[233] Russland und die Ukraine sind dem Übereinkommen über Streumunition nicht beigetreten. Die USA warfen dem russischen Militär, im Widerspruch zu dessen bisherigen Behauptungen, im März zudem den Einsatz von ungelenkten Bomben vor.[234]

    Am 2. März brach im belagerten Mariupol, nachdem die Stadt beschossen worden war, die Versorgung mit Wasser, Heizung und Strom zusammen.[235] Vier Tage später war die Lage laut Ärzte ohne Grenzen für die Zivilbevölkerung in Mariupol katastrophal.[236][237][238] Ärzte ohne Grenzen gab am 13. März an, dass erstmals Tote aufgrund Medikamentenmangels zu beklagen seien.[239] Seit Beginn der russischen Invasion sind in Mariupol mit Stand zum 13. März nach Angaben des dortigen Stadtrats 2187 Einwohner ums Leben gekommen.[240]

    Am 3. März einigten sich Russland und die Ukraine bei den Verhandlungen in Belarus nach Auskunft von Myhailo Podoliak, dem Chef des ukrainischen Präsidialamts, auf die Schaffung humanitärer Korridore für eingeschlossene Städte.[241] Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) nahm am 3. März Ermittlungen zu möglichen Kriegsverbrechen in der Ukraine auf.[235] Die russischen Truppen griffen nach Angaben des britischen Militärgeheimdienstes besiedelte Gebiete in Charkiw, Tschernihiw und Mariupol an. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte, es habe mehrere Angriffe auf Gesundheitszentren in der Ukraine gegeben.[236][237] Mit Stand 13. März sind seit Beginn der russischen Invasion nach Angaben des ukrainischen Gesundheitsministers Wiktor Ljaschko sieben Krankenhäuser zerstört und 100 weitere Gesundheitseinrichtungen beschädigt worden.[242] Am 13. Mai waren nach ukrainischen Angaben 570 Gesundheitseinrichtungen im Land durch russische Angriffe zerstört, darunter 101 Krankenhäuser.[243]

    Ärzte berichteten, dass sie infolge des Krieges Verletzungen behandeln, auf die sie sowohl mental als auch handwerklich kaum vorbereitet sind.[244]

    Humanitäre Lage in den sogenannten „Volksrepubliken“

    Kurz vor Beginn der russischen Invasion wurde ukrainischen Männern in den als russischen „Volksrepubliken“ proklamierten östlichen Gebieten der Ukraine, Donezk und Luhansk, die Ausreise untersagt; viele wurden zwangsrekrutiert und nach einer militärischen Kurzeinführung ohne Verpflegung an die Front gegen ihre eigenen Landsleute geschickt.[245][246][247]

    In kleinen Dörfern im besetzten Süden der Ukraine wurden den Menschen die Mobiltelefone weggenommen, damit sie keine Fotos machen konnten; außerdem wurden sie für Zwangsarbeit eingesetzt.[248] Unter großem Aufwand versuchen Ukrainer ihre Landsleute aus den besetzten Gebieten herauszuholen.[249]

    Es werden Deportationen aus den besetzten Gebieten durchgeführt, die Russland als Evakuierungen bezeichnet. Am 18. Juni 2022 teilte ein Vertreter des russischen Verteidigungsministeriums mit, Russland habe 1,936 Millionen Menschen aus der Ukraine deportiert, darunter 307.000 Kinder.[250]

    Flucht vor der russischen InvasionBearbeiten

    Der Überfall führte zu einer großen Fluchtbewegung innerhalb der Ukraine. Die Menschen flüchteten zu den Grenzen und ins Ausland; schon Tausende hätten bis zum 25. Februar das Land verlassen. Laut UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) waren bis dahin bereits mehr als 100.000 Menschen betroffen. Sollte sich die Situation im Land weiter verschlechtern, könnten bis zu vier Millionen Ukrainer betroffen sein. Verschiedene Nachbarstaaten und weitere Staaten kündigten an, Flüchtlinge aufzunehmen.[251] Aus den Separatistengebieten im Osten seien bereits 110.000 Personen nach Russland geflohen, gab Außenminister Lawrow am 25. Februar an.[252]

    Das UNHCR sprach am 27. Februar 2022 davon, dass 368.000 Menschen auf der Flucht seien.[253] Bis zum 28. Februar war die Anzahl der externen Flüchtlinge laut UNHCR auf 500.000 Menschen angewachsen.[254] Am 3. März waren es nach Schätzungen der UN über eine Million[255] und am 8. März wurde die Marke von zwei Millionen Menschen überschritten.[256] Drei Tage später, am 11. März 2022, waren es mehr als 2,5 Millionen.[257] Hatte das UNHRC noch am 15. März von 1,85 Millionen Binnenvertriebenen berichtet[258], gab es laut UNHCR am 18. März bereits 6,5 Millionen inländische Flüchtlinge in der Ukraine.[259]

    UNICEF schätzte am 11. April 2022, dass mehr als 4,5 Millionen Menschen seit Beginn des Kriegs ins Ausland geflohen sind, davon rund 90 Prozent Frauen und Kinder. Weitere rund sieben Millionen Menschen sind Binnenflüchtlinge. Fast zwei Drittel aller 7,5 Millionen Kinder bis 18 Jahren sind geflohen, davon rund zwei Millionen ins Ausland und rund 2,8 Millionen innerhalb der Ukraine.[260]

    Laut UNHCR-Schätzung vom 22. November 2022 haben seit dem 24. Februar rund 7,9 Millionen Menschen aus der Ukraine im Ausland Schutz gesucht, davon mehr als 1,5 Millionen in Polen, rund 119.000 in Frankreich, rund 173.000 in Italien und rund 154.000 in Spanien. Laut Bundesinnenministerium sind 1.027.789 (13 %) dieser Menschen in Deutschland registriert.[261]

    Spenden und PrivataufnahmeBearbeiten

    In den Kriegstagen wurden in der Ukraine zehntausende Airbnb-Buchungen aus aller Welt registriert, durch die Geld an Ukrainer gespendet wurde.[262] Zielführende Hilfe ist auch im deutschsprachigen Raum[263][264] und insbesondere zu Gunsten von Frauen möglich.[265]

    Die Deutsche Bahn richtete Annahmestellen für Großspenden zum Transport in die Ukraine ein.[266] Spenden aus Deutschland wurden dazu in zentralen Sammelstellen in Container verladen und dann per Schiene in die Ukraine transportiert. Ein erster Zug mit 15 Containern und 350 t Hilfsgütern verließ in der Nacht vom 11. auf den 12. März 2022 den Bahnhof Seddin in Richtung Kiew.[267] Eine ähnliche Aktion organisierte Gepard Express in Tschechien unter der Bezeichnung Železnice promáhá (Eisenbahn hilft): Über ein Netz von Sammelstellen wurden die Hilfsgüter zu Bahn-Verladestellen gebracht und dann mit den Zügen ab dem 26. Februar über die Slowakei nach Tschop gebracht. Später verkehrten die Züge zum polnischen Grenzbahnhof Przemyśl und weiter nach Mostyska. Dafür wurde von der ukrainischen Eisenbahn (UZ) und Gepard Express eigens der normalspurige Streckenabschnitt zwischen den Bahnhöfen Mostys’ka 2 und Mostys’ka 1 wieder befahrbar hergestellt (die UZ fährt überwiegend auf russischer Breitspur) sowie eine provisorische Einstiegsstelle und Passkontrolle eingerichtet.[268] Aus der Schweiz wurde ein Zug aus 19 Güterwagen mit Hilfsgütern für die Ukraine zusammengestellt, der am 7. März 2022 in Dietikon nach Sławków in Polen abfuhr, wo er am 9. März ankam. Hier endet die Linia Hutnicza Szerokotorowa (LHS), eine aus der Ukraine kommende Bahnstrecke, die in russischer Breitspur gebaut ist. Hier wurden die Hilfsgüter auf Breitspur-Fahrzeuge umgeladen.[269] Im März 2022 wurde mit der Ukraine Air Rescue eine spendenfinanzierte Luftbrücke geschaffen, an der sich über 100 Piloten beteiligen.[270]

    Staatliche HilfslieferungenBearbeiten

    Um über eine „Schienenbrücke“ eine permanente Logistik von Containerzügen mit Hilfsgütern (die von Produzenten und Großhändlern eingesammelt werden) für die Zivilbevölkerung in der Ukraine zu gewährleisten, verständigten sich die Bahnverkehrsbetriebe mehrerer europäischer Staaten auf eine Zusammenarbeit.[266][237]

    NachrichtenversorgungBearbeiten

    Um die Versorgung mit Rundfunkmeldungen sicherzustellen, betreibt die Ukraine mehrere über das Land verteilte, teils nach dem russischen Einmarsch reaktivierte Mittelwellensender.[271][272] Mehrere ukrainische Rundfunkveranstalter haben sich zu einem Gemeinschaftsprogramm zusammengeschlossen, in dem sie jeweils einige Stunden Sendestrecke beitragen; es bietet Nachrichten und Informationen zum Überleben unter Kriegsbedingungen. Neben dem Satelliten- und terrestrischen Rundfunk werden auch Internet-Verbreitungswege, insbesondere Telegram, genutzt. Der Chef des Ukrainischen Rundfunks appellierte an die westlichen Kollegen, das ukrainische Radiosignal auf AM-Frequenzen aus ihren Ländern in die Ukraine zu senden.[273] Die britische BBC sendet ein englischsprachiges Kurzwellenprogramm gezielt in die Ukraine.[272] Der Polnische Rundfunk sendet auf Ukrainisch über Langwelle 225 kHz.[274][275] Auch der österreichische Auslandsrundfunk hat sein Programm ergänzt und sendet dreimal täglich deutschsprachige Nachrichten mit einer speziellen Kurzwellen-Richtantenne aus der Nähe von Wien in die Ukraine.[276][274] Der Anbieter Starlink spendete Satelliten-Internet-Zugangsausrüstung in die Ukraine.[277]

    Kultur-RevisionismusBearbeiten

    Russland wurde vorgeworfen, gezielt ukrainische Kultureinrichtungen zu zerstören.[278][279] In den russisch besetzten Gebieten wurden in den Schulen alle ukrainischen Lehrmittel entfernt und die geschichtsrevisionistischen Materialien Russlands eingeführt, Lehrer wurden „umgeschult“ oder aus der russischen Föderation dorthin zum Unterricht gebracht. In Cherson wurden Kindern, die in die „bewachten“ Schulen gingen, „Belohnungen“ von 10.000 Rubel versprochen. Eltern, die sich weigerten, die Kinder in solche Schulen zu schicken, wurde angedroht, dass das Sorgerecht für ihre Kinder entzogen würde.[280]

    KriegsführungBearbeiten

    Russische KriegsführungBearbeiten

    Laut Militäranalytikern wie Michael Kofman oder Pawel Luzin erwartete Russland zunächst geringen Widerstand der Ukraine, so dass militärische Kräfte teilweise „irrational“ eingesetzt, teilweise gar nicht eingesetzt wurden. Wegen durchaus bekannter Probleme war der Generalstab der russischen Streitkräfte gegen den Krieg gewesen; dies hätte das Militär „mit allen verfügbaren Mitteln“ durch die Medien „geschrien“, so Pawel Luzin. Laut Luzin handelte es sich um eine Planung der Geheimdienste, während die Armee zum Aufbau der benötigten Drohkulisse zuständig sein sollte, um die Ukrainer, welche angeblich „in ihrem Herzen zur Mutter Russland zurückkehren“ wollten, einknicken zu lassen. Man brauche nur einige Nationalisten zu beseitigen, sei die Meinung der Geheimdienstleute gewesen.[281] Diese erste Phase scheiterte aufgrund der falschen Annahmen, so dass nach etwa fünf Tagen die Strategie geändert wurde.[282] In der Neuen Zürcher Zeitung analysierte Georg Häsler (Oberst bei den Schweizer Streitkräften), dass Russland zu Beginn der Invasion entgegen seiner üblichen Vorgehensweise und Militärdoktrin auf Artillerievorbereitung weitgehend verzichtete und statt der üblichen „Feuerwalze“ auf einzelne, gezielte Schläge gegen militärische Ziele gesetzt hatte.[283] Damit seien laut The Guardian Fehler früherer Militäreinsätze wiederholt worden, und es sei auf ähnliche Art darauf reagiert worden: Nackte Gewalt durch wahllosen Artilleriebeschuss sollte die Verteidiger nun in die Knie zwingen.[284]

    Anfang März erkannte Daniel Gerlach im Vorgehen Russlands dasselbe „sowjetische Modell der Aufstandsbekämpfung“, das Russland in Syrien dem Diktator Baschar Al-Assad empfohlen hatte und ab 2015 auch selbst durchführte: „Dazu gehört die gezielte Bombardierung ziviler Infrastruktur, etwa von Spitälern, Wasserwerken oder Bäckereien.“ Damit solle die Unterstützung der kämpfenden Truppen entzogen werden, respektive diese zur Übernahme solcher Aufgaben gezwungen werden.[285][286] Der Gegner solle erniedrigt werden, indem der Eindruck erweckt werde, er könne als Verteidiger seine Schutzbefohlenen nicht schützen. In Syrien habe Russland sogar versucht, über das Rote Kreuz die genauen Standorte der Spitäler zu erfahren.[287]

    In den von ihr eingenommenen Großstädten (Mariupol, Cherson) begann die russische Besatzungsmacht systematisch ehemalige ukrainische Militärangehörige, Polizisten, Politiker, Journalisten und weitere Bürger mithilfe von Listen zu suchen.[288][289][290] Bei Abholung durch russische Truppen blieben viele der Gesuchten verschwunden oder wurden tot geborgen.[290] In den Schulen in Cherson sollten nach einer einmonatigen Pause im Mai nur noch Lehrer unterrichten dürfen, die sich der Besatzung unterstellten. Zudem sollten sie auf der Krim umgeschult werden, alle anderen müssten das Gebiet verlassen.[248] Laut Gustav Gressel vom European Council on Foreign Relations (ECFR) will Russland die Ukraine auch als kulturelle Identität auslöschen; wo eine Besatzung gelinge, erfolge dies über die Auslöschung der kulturellen, journalistischen und intellektuellen Eliten des Landes, so wie es auch in den seit 2014 besetzten Gebieten geschehen sei.[291]

    Russland verzichtete auf Angriffe auf die Pipelines, die russisches Gas durch die Ukraine nach Mitteleuropa transportieren. Es wurde im März vermutet, dass Russland es sich nicht leisten könne, auf die Einnahmen aus dem Gasexport zu verzichten.[292] Auch im September, als die Pipeline Nord Stream mit viel Inszenierung für das westliche Publikum abgestellt wurde, floss weiter russisches Gas durch die Ukraine.[293]

    Teilweise ließen russische Militäreinheiten in von ihnen aufgesuchten bzw. besetzten ukrainischen Gebieten Sprengkörper (bspw. Landminen, in Gebäuden von geflüchteten Zivilisten auch Sprengfallen) zurück. In der Folge entstandene Personenschäden sind dokumentiert.[294][295][296] Russland hat das im Jahr 1999 in Kraft getretene Ottawa-Abkommen, das Einsatz, Lagerung, Herstellung und Weitergabe von Antipersonenminen verbietet, nicht unterzeichnet. Schon in den ersten Kriegstagen war gemeldet worden, dass Russische Saboteure in ukrainischen Uniformen unterwegs waren.[297]

    Um den ukrainischen Munitionsnachschub zu unterbrechen, zerstörten die russischen Streitkräfte mehrmals Munitionslager und griffen Schienen-Nachschubwege an.[298][299]

    Der ukrainischen Regierung zufolge beschlagnahmen die russischen Streitkräfte in den von ihnen besetzten Regionen Saporischschja, Cherson, Donezk und Luhansk das geerntete Getreide. Insgesamt seien mehrere Hunderttausend Tonnen Getreide abtransportiert worden.[300] Bis Juni 2022 verlor die Ukraine nach Auskunft des Landwirtschaftsministeriums neben 25 % der Agrarfläche[301] etwa 25 Millionen der 85 Millionen Tonnen Lagerkapazitäten für Getreide, weil Silos zerstört wurden oder in von Russland besetzten Gebieten lagen.[302] Ein ukrainischer Landmaschinenhändler aus Melitopol gab an, dass sein gesamtes Warensortiment abtransportiert worden sei. Durch GPS-Tracking konnten einige der gestohlenen Maschinen später in Tschetschenien verortet werden.[303] Durch die Zerstörung von Getreidespeichern, Bauernhöfen und Dörfern sowie die Blockade der Seewege gefährdete Russland vorsätzlich die weltweite Ernährungssicherung (die Ukraine ist – Stand 2021 – eines der weltgrößten Weizenexportländer[304]).[305][306][307][308]

    In der Ukraine gefangen genommene russische Soldaten berichteten, ihre Vorgesetzten hätten versichert, es handele sich beim Aufmarsch am 24. Februar lediglich um eine Militärübung.[309][310] Andere hätten nach ihrer Gefangennahme angegeben, geglaubt zu haben, dass sie als Friedenstruppen eingesetzt würden.[311] Ein russischer Soldat veröffentlichte ein Kriegstagebuch und gab gegenüber Medien an, dass seine Einheit über keine Mobiltelefone verfügte, sondern ausschließlich über eine militärische Verbindung von Dienststellen Informationen bekam, die ihn und seine Einheit in den ersten Kriegswochen glauben ließen, dass sich Russland „fast mit der ganzen Welt im Krieg“ befinde und auf russischem Territorium ebenfalls gekämpft werde.[312][313][314]

    Am 9. und 17. März wurden insgesamt neun Generäle entlassen.[315][316] Außerdem verkündete das ukrainische Militär am 19. März den Tod des sechsten von schätzungsweise zwanzig in der Ukraine eingesetzten russischen Generälen.[317] Laut Pentagon ist der Tod von Führungskräften ein Schlag für die Kampfmoral der russischen Truppen. Es wurde darauf hingewiesen, dass es russische Militärtradition sei, die Angriffe von der Front aus zu führen; dies könne aber auch ein Anzeichen für politischen Druck sein, Ergebnisse zu erbringen.[318][319]

    Die meisten russischen Einheiten kämpfen in taktischen Bataillonsgruppen (BTGs), mit jeweils 400 bis 900 Mann, die Infanterie, Artillerie, Flugabwehr und Panzer vereinen.[320] Wurden nach einer Schätzung des britischen Verteidigungsministeriums 120 russische (teilweise unvollständige) BTGs eingesetzt, von denen (Stand Mai 2022) mehr als ein Viertel nicht mehr einsetzbar waren, sind nach einer Schätzung des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums 93 BTGs eingesetzt worden. Aus diesen Zahlenangaben geht allerdings nicht hervor, ob damit die Gesamtheit aller eingesetzten BTGs oder die Anzahl der gleichzeitig eingesetzten BTGs gemeint ist. Denn es ist gesichert, dass BTGs auch ausgewechselt wurden bzw. dass BTGs lediglich zeitweise eingesetzt wurden.[321]

    Versorgungslage, MängelBearbeiten

    Von Beginn an wurden Plünderungen durch russische Kräfte bekannt. Pawel Luzin schrieb dazu, sie operierten dort wie im 16.–17. Jahrhundert: „Wir bewaffnen den Soldaten und schicken ihn los. Wenn er überlebt, wird er sich schon irgendwie ernähren. […]“. Auch die Kleidung ersetzten die Russen oft durch erbeutete; im Gegensatz zu den im Beschaffungswettbewerb anderer Staaten immer weiter entwickelten Uniformen anderer Länder würden die russischen Uniformen in Gefängnissen hergestellt und seien von minderer Qualität.[281] Marcus Matthias Keupp beobachtete Logistikfehler und Korruption nebst nicht funktionierenden Befehlsketten.[322]

    Ein weiteres Problem in den Streitkräften Russlands und in den Kampfverbänden der „Volksrepubliken“ Luhansk und Donezk sind mangelhafte bzw. veraltete oder ganz fehlende Ausrüstung sowohl von Infanterie (keine winterfeste Bekleidung, veraltete Schutzausrüstung, wie bspw. sowjetische SSh-60/SSh-68-Helme aus den 1960er Jahren,[323] oder veraltete Waffen[324]) als auch von mechanisierten Einheiten (veraltete Fahrzeuge, wie sowjetische MT-LB[325] und T-62[326]). Ein russischer Fallschirmjäger berichtete, dass seine Einheit wegen der Korruption in Russland mit Technik ausgestattet war, die bereits im russischen Militäreinsatz in Afghanistan (1979–1989) als veraltet galt.[312][313] Andere Angehörige der russischen Streitkräfte berichteten, dass sie sich fehlende Ausrüstung von eigenem Geld kaufen mussten.[327]

    Laut Pentagon-Angaben sabotierten russische Soldaten schon zu Beginn des Krieges eigene Ausrüstung, um nicht an der Front eingesetzt zu werden.[328] Wiederum andere begannen sich selbst zu verwunden, um den eigenen Kriegseinsatz zu beenden.[313][329] Gleichzeitig gab es viele Vertragssoldaten, die ihren Dienst quittieren wollten; da kein Kriegsrecht in Russland gilt, war dies rein juristisch möglich, wurde aber oft von den Vorgesetzten der Soldaten verhindert, teils wurden die unwilligen Soldaten gezwungen, an der Front zu bleiben.[330][245][331] Nach der Mobilmachung vom September war eine Auflösung der Verträge nicht mehr möglich.

    Eingesetzte MilitärangehörigeBearbeiten

    Die russische Armee setzt bevorzugt und überproportional Soldaten aus den nichtrussischen Ethnien der Russischen Föderation ein. Deshalb sind auch die Verluste unter den nichtrussischen Soldaten besonders hoch. Die BBC ließ die Herkunft der 1351 Gefallenen untersuchen, deren Tod die russische Armeeführung am 25. März 2022 eingeräumt hatte. Bei 1083 von ihnen ließ sich die Herkunft ermitteln.[332] Nicht einer von ihnen kam aus Moskau,[333] hingegen 93 aus Dagestan und 52 aus Burjatien (die zusammen weniger als halb so viele Einwohner haben wie Moskau). Die höchste Todesrate findet sich unter den Soldaten aus Nordossetien.[333] Die Todesraten korrelieren noch stärker mit der ethnischen Zugehörigkeit als mit dem Armutsgefälle innerhalb der Russischen Föderation. Die russischen Soldaten werden vergleichsweise „geschont“.[333] Dem entspricht auch die Herkunft der in Butscha eingesetzten Soldaten. Sie stammen zum großen Teil aus den südlichsten und östlichsten Teilen der Militärbezirke Zentral (Generalmajor Rustam Minnekajew) und Ost, aus ländlichen, teils weit abgelegenen Regionen im Süden Russlands und entlang der Transsibirischen Eisenbahn bis in den Fernen Osten. Viele von ihnen kommen aus ärmlichen Landesteilen, beispielsweise Dagestan, teils Tausende Kilometer von der Ukraine entfernt und kaum aus urbanen Zentren wie Sankt Petersburg oder Moskau.[334] Laut dem ukrainischen Geheimdienst war in Butscha bis zum 31. März vor allem die 64. motorisierte Schützenbrigade aus Chabarowsk im Einsatz.[335] Sowohl im Frühjahr als auch im Herbst 2022 wurde berichtet, dass russische Soldaten die Leichen gefallener Kameraden beim Rückzug zurückließen.[336][337]

    Nachdem die Beteiligung von Wehrpflichtigen an den Kriegshandlungen bekannt geworden war, ließ der Kreml verlauten, dass die dafür verantwortlichen Beamten bestraft würden, weil Präsident Putin vor dem Einmarsch die Anweisung erteilt habe, deren Beteiligung auszuschließen.[338] Ausgelöst wurde der Rückruf aller Wehrpflichtigen aus der Ukraine durch bekanntgewordene Gefangennahmen.[339] Vor der Invasion wurden Wehrpflichtige offenbar genötigt, Verträge zu unterschreiben, laut denen sie in ein Kampfgebiet geschickt werden können – was sonst nur für Berufssoldaten gilt.[309][310] Im Mai 2022 erklärte ein russischer Militärstaatsanwalt, dass etwa 600 Wehrpflichtige in der Ukraine eingesetzt wurden und deswegen zwölf Offiziere bestraft worden sind.[340]

    Nach Angaben von russischen Kriegsgefangenen sind mehrere verletzte russische Soldaten von eigenen Vorgesetzten erschossen worden.[341] Andererseits ist ein russischer Kommandeur laut einem Bericht im Zuge eines Putsches von Soldaten schwer verletzt worden und in der Folge seinen Verletzungen erlegen.[310]

    Der Geheimdienst des ukrainischen Verteidigungsministeriums (GUR) meldete, dass es zwischen Einheiten der russischen Streitkräfte zu Schusswechseln mit Beteiligung von mehr als 100 Soldaten kam. Dem GUR zufolge habe es sich dabei zum einen um Verteilungskämpfe um geplünderte Kriegsbeute zwischen Kadyrowzy und burjatischen Soldaten gehandelt. Ein weiterer Grund für die Schusswechsel zwischen den zwei ethnisch verschiedenen Einheiten sei eine empfundene Ungleichbehandlung gewesen. So seien Kadyrowzy im Gegensatz zu burjatischen Soldaten nicht an der Front eingesetzt und außerdem dafür verantwortlich, die Frontsoldaten (notfalls mit Waffengewalt) von einem Rückzug bzw. von einer Frontflucht abzuhalten.[342][343][344]

    Zugleich hatte die Militärverwaltung der russischen Streitkräfte Schwierigkeiten, neue Zeit- und Berufssoldaten zu gewinnen und bestehende Verträge zu verlängern.[321] Um mehr Kämpfer anwerben zu können, hob das Parlament in einem Schnellverfahren außerdem die Altersbegrenzung für Vertragssoldaten auf das 66. Lebensjahr auf. Da die Rekrutierungsbüros Einstellungsquoten erfüllen müssen, versenden sie Vorladungen an die Reservisten (von denen es etwa zwei Millionen in Russland gibt), ohne dabei deutlich zu machen, dass die Vorladung kein Einberufungsbefehl ist. Außerdem wurden bzw. werden den regulären Soldaten neben ihrem Sold eine Zulage von etwa 160.000 Rubel (etwa 2.200 Euro) im Monat versprochen und den Familien im Todesfall eine Zahlung von zwölf Millionen Rubel (etwa 190.000 Euro). In der Ukraine eingesetzte Soldaten, die sich nicht länger am Krieg beteiligen wollen, werden von ihren Vorgesetzten sowie FSB-Beamten unter Druck gesetzt.[345][346]

    Um eine Generalmobilisierung der Bevölkerung zu vermeiden, wurden bis zur Mobilmachung im September in einigen Landesteilen Russlands für den Krieg in der Ukraine sogenannte „Freiwilligen“-Bataillone, die nicht den regulären russischen Truppen angehören sollen, aufgestellt. Die hierfür angeworbenen Kriegsteilnehmer erhielten jedoch laut Beschwerden weniger Sold, Verpflegung, Waffen, Munition, Bekleidung und Zigaretten als zugesagt. Auch andere Versprechungen, wie die Organisation von Beerdigungen für Gefallene oder die Rückführung in die Heimat nach einem Einsatz, seien nicht eingehalten worden. Beschwerden ergingen auch darüber, dass einige Freiwillige über keinerlei militärische Grundkenntnisse verfügten.[347][348] „Freiwillige“, die in Russland Verträge unterschrieben, seien nur begrenzt tauglich. Es gebe keine medizinische Untersuchung, viele seien über 45 Jahre alt, und nach einem militärischen Crashkurs von ein paar Tagen seien die Männer an die Front geschickt worden.[349] Auch für die Freiwilligen galt, dass die eingegangenen Verträge nach der Mobilmachung keine beschränkte Dauer mehr hatten.

    Laut Meduza arbeiten private Sicherheits- und Militärunternehmen aus Russland, darunter die Söldnergruppe Wagner und Redut-Antiterror, eng mit dem russischen Verteidigungsministerium zusammen.[350] Mithilfe des FSB und russischer Gefängnisbehörden rekrutierte die Gruppe Wagner ab Ende Juni 2022 verurteilte Straftäter (laut Menschenrechtsorganisationen innerhalb von weniger als drei Monaten zwischen 1000 und 3000 Sträflinge aus mindestens 17 Strafkolonien) mit dem Versprechen eines monatlichen Soldes von 100.000 Rubel sowie einer ebenso hohen Einmalprämie – und für den Fall, dass sie einen sechsmonatigen Einsatz in der Ukraine überleben, eine Amnestie. Im Falle eines Todes an der Front würden Angehörige laut dem Versprechen der Gruppe Wagner eine Entschädigung von fünf Millionen Rubel erhalten.[350][351] Bei einer Rekrutierung wies der Chef der Gruppe Wagner, Jewgeni Prigoschin, die Gefangenen darauf hin, dass ihre Entscheidung für einen Einsatz endgültig sei, da sie sie nicht mehr rückgängig machen könnten. Wer sich an der Front umentscheide und nicht kämpfen wolle, würde als Deserteur eingestuft und erschossen.[352][353] Aus Strafkolonien würden laut einer russischen Menschenrechtsorganisation (Gulagu.net) jedoch nicht nur Kämpfer rekrutiert, sondern auch Bauarbeiter (für Befestigungsanlagen an der Front oder den Wiederaufbau von zerstörten Städten) und Sprengstoffspezialisten.[350][351]

    Neben Angehörigen der Russischen Streitkräfte wurden auch solche der Nationalgarde eingesetzt.

    Starke Verluste verzeichneten die oft zwangsrekrutierten und ohne ausreichende Ausbildung an die Front geschickten Soldaten der „Volksrepubliken“ DNR und LNR, so der russische Militärexperte Pavel Luzin gegenüber Nowaja gaseta. Europa.[354][355] Bis Mitte Juli 2022 gab es nach unbestätigten Angaben der ukrainischen Armeeführung über 37.000 gefallene russische Soldaten.[356] CIA-Direktor William Burns gab Mitte Juli 2022 die Zahl der russischen Gefallenen mit etwa 15.000 und die Zahl der Verwundeten mit etwa 45.000 an.[357]

    „Kanonenfutter“Bearbeiten

    Schon im Frühjahr hatten ukrainische Einheiten über selbstzerstörerische Eigenheiten der russischen Streitkräfte berichtet; die Russen griffen an „wie 1941“ – geradeaus, ohne zu manövrieren, sie hätten aber „viele Leute“.[358] Das Magazin Republik kommentierte, Putins Traum sei die Wiederkehr von Stalins Roter Armee und nun sei er wahr geworden – „dieselbe alles zerstörende Artillerie- und Panzerwalze, dieselbe diktatorische Kommandostruktur, dieselbe Gleichgültigkeit gegenüber Verlusten, egal ob an Menschen oder Material, dieselbe Grausamkeit, egal ob gegen Zivilisten oder die eigenen Soldaten“. Die eigenen Soldaten seien kaum mehr wert als „ein Sack Fleisch“.[359] Alexander Sytin, ein kremltreuer Politikwissenschaftler, sagte gleichzeitig, der kollektive Westen und die Ukraine „verstehen es absolut nicht, dass es für Russland keine nicht hinnehmbaren Verluste gibt. Es gibt sie einfach nicht! Deswegen kann der Krieg beliebig lange fortgeführt werden.“[360]

    Während des Sommers wurden einige Proteste von Zwangsmobilisierten aus den Regionen der Proxy-Republiken publik, von denen seit dem Frühling bekannt war, dass sie ohne Ausbildung direkt an die Front gebracht worden waren. Auch die im Zuge der Mobilmachung in Russland im September rekrutierten Menschen wurden ohne Ausbildungszeit in die Ukraine gebracht, vor allem auch ohne Ausrüstung und Versorgung.[361] Anfang November wurden Proteste und Berichte von Angehörigen bekannt, wonach möglicherweise hunderte von kaum ausgebildeten Mobilisierten bei Swatowe in einem Wald zu Tode kamen, in welchem kurz zuvor schon eine andere Einheit aufgerieben worden war. Zur selben Zeit erlitt bei Pawliwka (Wolnowacha) eine Elite-Einheit laut einem Protest an den Gouverneur der Region hohe Verluste, nachdem sie einen „wirren“ Angriff ausgeführt hatte. Solches geschehe nur um der Berichte der Vorgesetzten willen, welche die Verluste grundsätzlich nie korrekt darstellten. Diese Kommandanten würden selbst die Soldaten als Kanonenfutter (russisch: ‚Fleisch‘) bezeichnen.[337][362][363][364][365] Nicht einmal Schaufeln habe es an der Front gegeben; die in diesen Fällen beschriebenen Mängel an der Ausrüstung waren schon zuvor gemeldet worden; so hätten Soldaten in Löchern gelebt, die sie ohne Schaufeln gegraben hätten.[366]

    Dem britischen Militärnachrichtendienst zufolge gab der russische Bildungsminister Sergei Krastow im November 2022 bekannt, ab September 2023 militärische Lehrstunden an russischen Schulen einzuführen. Dem Nachrichtendienst zufolge bestand bereits bis zum Jahr 1993, während der Zeit der Sowjetunion, ein militärisches Programm an russischen Schulen. Laut dem britischen Militärgeheimdienst bestand jenes sowjetische Programm aus Unterrichtsstunden zur Handhabung von Kalaschnikows, zur Erste-Hilfe-Leistung und zum Verhalten bei Angriffen/Einsatz von ABC-Waffen. Bereits im Jahr 2014 sei laut dem Nachrichtendienst ein Versuch in Russland unternommen worden, das militärische Schulprogramm wieder aufzunehmen.[367]

    RaketenkriegBearbeiten

    Am ersten Tag des Angriffs, dem 24. Februar 2022, feuerte Russland etwa 160 Raketen auf das Nachbarland ab, am Folgetag weitere 90 Raketen. Zu diesem frühen Kriegszeitpunkt war die Ukraine noch kaum in der Lage, ihrerseits Raketen abzuschießen. Eine fast vergleichbare Menge von Raketenangriffen gab es nur noch einmal am letzten Juniwochenende. Im Oktober änderte Russland seine Kriegsdoktrin und begann mit dem massiven Beschuss ziviler Infrastruktur; dies wurde auch in der eigenen Propaganda als „Vergeltung“ dargestellt,[368] wie sie Präsident Putin bei verschiedenen Gelegenheiten selbst angekündigt hatte[369] und wie auch bei den Angriffen Ende Juni von Vergeltung die Rede war[370].

    Nach US-Angaben feuerte Russland in den ersten zwei Wochen im Schnitt täglich 60[371] und im ersten Kriegsmonat rund 1100 Raketen auf ukrainische Ziele ab.[372] Nach Aussagen von US-Regierungsvertretern würden russische Hightech-Waffensysteme wie präzisionsgelenkte Raketen Ausfallquoten von bis zu 60 Prozent aufweisen,[373] inklusive Defekten beim Start oder Explosionen während des Fluges.[374]

    Am 9. Mai schoss Russland erstmals mit sowjetischen X-22-Anti-Schiffs-Raketen auf Ziele in der Ukraine, in Odessa wurde damit ein Einkaufszentrum getroffen. Mit dem Angriff auf Krementschuk eineinhalb Monate später wurde die Ungenauigkeit der Waffe durch den Tod von weiteren Zivilisten in einem Einkaufszentrum allgemein bekannt.[375] Auch im Oktober kam die Waffe im Siedlungsgebiet zum Einsatz und traf ein Wohnhaus in Saporischschja.[368]

    Viele der gut 4000 Raketen, die Russland bis September 2022 auf die Ukraine abfeuerte, waren Cruise-Missiles des Typs Kalibr, welche von Schiffen und U-Booten im Schwarzen Meer abgeschossen wurden.[376] Bis August hatte Russland geschätzt 60 % seiner gelenkten Raketen verbraucht, Anfang September hatte es laut dem ukrainischen Geheimdienst nur noch 200 Iskander übrig.[368] Trotzdem setzte Russland viele Raketen ohne wirklichen militärischen Nutzen ein – wohl eher zur Beruhigung der Nationalisten in Russland, so die NZZ, welche auch eine Tendenz hin zu älteren und ungenaueren Waffen beschrieb.[371] Auch der Chefredaktor der Nowaja gaseta. Europa erklärte die aus militärischer Sicht sinnlosen Raketenangriffe mit Innenpolitik; so offensichtlich sei der terroristische Charakter des Krieges, dessen Zweck nun offiziell darin bestehe, „alle einzuschüchtern“ und „alles vom Erdboden zu tilgen“, von der Propaganda zuvor nicht erklärt worden.[377] Die Raketenangriffe und die zivilen ukrainischen Todesopfer seien sowohl eine Folge der Ernennung des neuen Kommendeurs Surowikin als auch „die ersten Militärschläge im innerrussischen Kampf um den Thron“, schrieb Julija Latynina.[378]

    Iranische Einweg-DrohnenBearbeiten

    Im Oktober setzte Russland anstelle teurer Raketen vom Iran gelieferte Einweg-Drohnen ein, welche für militärische Ziele gänzlich ungeeignet seien, so eine Einschätzung aus dem ETH Center for Security Studies, gleichzeitig aber von dieser wie auch von anderen Quellen eindeutig als Terrorwaffen gegen Zivilisten benannt wurden.[379][380]

    Verbrauch und Verlust von Munition und FahrzeugenBearbeiten

    Ein verbreitetes Problem der Kampfeinheiten der russischen Streitkräfte ist die mangelnde Versorgung mit Treibstoff und Nahrungsmitteln. Neben einer Verschlechterung der Kampfmoral führte dies auch zu einer Abnahme der Kampffähigkeit, da Kampffahrzeuge (neben Treibstoffmangel auch aufgrund unwegsamen Geländes[381][382]) liegen blieben und aufgegeben wurden bzw. zurückgelassen werden mussten.[383][384] All dies begründete unter anderem den Misserfolg bei der Offensive auf Kiew. Bis Mai 2022 hatte das russische Militär durch den Krieg 15 bis 20 Prozent seiner Panzer und schweren gepanzerten Kampffahrzeuge verloren.[320]

    Der Munitionsverbrauch, für den zu 90 Prozent Russland verantwortlich zeichnete, war im Juni laut Patrick Sanders derart hoch, dass die kombinierten Munitionsbestände mehrerer NATO-Mitgliedstaaten innerhalb weniger Tage aufgebraucht würden, wenn sie sich mit derselben Intensität am Krieg beteiligten.[385]

    Bei ihrem fluchtartigen Rückzug aus der Oblast Charkiw ließen russische Truppen (u. a. durch die Evakuierung von Waffenlagern) viele funktionsfähige Handwaffen, Munition und Fahrzeuge (darunter Panzer) zurück, die von ukrainischen Streitkräften erbeutet wurden.[386][387][388][389] Nachdem die Munitionsbestände der Ukraine, insbesondere die von Artilleriegeschossen, vor der Gegenoffensive im September 2022 beinahe erschöpft waren, sind ihre Munitionslager durch Unmengen an Munition, die die russischen Streitkräfte beim Vorrücken der ukrainischen Truppen zurückgelassen hatten, wieder aufgefüllt worden.[387]

    Waffenkäufe im AuslandBearbeiten

    Laut Informationen US-amerikanischer Geheimdienste bestellte Russland[390] im Sommer 2022 bei Nordkorea mindestens eine Million 152-mm-Artilleriemunition und Grad-Raketen[391] und bezog Kampfdrohnen aus dem Iran.[392][393] Nach US-amerikanischer Einschätzung hat China bis zu diesem Zeitpunkt keine militärischen Güter geliefert.[391]

    Angebliche Maßnahmen zur Vorbeugung eines MilitärputschesBearbeiten

    Vor dem Hintergrund militärischer Misserfolge in der Ukraine hat Putin im Oktober 2022 laut einer russischen Whistleblowerin mehrere Maßnahmen ergriffen, um einem Putsch vorzubeugen. So seien Kadyrowzy nach Moskau beordert worden. Schlüsselfiguren, die zur Machtabsicherung mit mehr Verantwortung betraut worden sein sollen, sind demnach Sergej Surowikin, Ramsan Kadyrow und Jewgeni Prigoschin. Es würden alle finanziellen Mittel in Kadyrowzy und in die Gruppe Wagner gesteckt. Die russische Armee erhalte dagegen kaum mehr finanzielle Mittel. Nach der Mobilmachung neu rekrutierten Soldaten würden Waffen bis zur Ankunft in der Ukraine vorenthalten. So sollen Protest- und Sabotageaktionen und ein Armeeputsch verhindert werden.[394]

    Ukrainische KriegsführungBearbeiten

     
    Ukrainische Zivilisten bzw. Angehörige der Selbstverteidigungseinheiten beim Präparieren von Molotowcocktails

    Die ukrainische Regierung warb zu Beginn des Krieges mit Straffreiheit und umgerechnet 40.000 Euro für jeden russischen Soldaten, der sich ergibt.[395] Gleichzeitig begann das ukrainische Verkehrsministerium, Wegweiser bzw. Orts- und Verkehrsschilder zu entfernen, um russischen Truppen die Navigation zu erschweren.[396]

    Das ukrainische Verteidigungsministerium rief die Bevölkerung zu Beginn des Krieges im Februar 2022 auf, Molotowcocktails zum Kampf vorzubereiten.[397] Der aus kampfbereiten Zivilisten überall in der Ukraine gebildete bürgerliche Widerstand begann daraufhin mit der Produktion von Molotowcocktails aus gewöhnlichen Glasflaschen.[398][399] Auch Kinder produzierten die Brandsätze,[400] die in der Ukraine auch „Bandera-Smoothies“ genannt werden.[399] Das ukrainische Verteidigungsministerium veröffentlichte auf Facebook eine detaillierte Anleitung mit Bildern russischer Militärfahrzeuge, die zeigen, an welchen Stellen sie durch Molotowcocktails besonders verwundbar sind.[399] Zu Kampfhandlungen[401] und Verlusten des bürgerlichen Widerstands kam es unter anderem bei der Verteidigung von Kiew im Frühjahr 2022 in den Vorstädten am Grenzgebiet zur Hauptstadt Kiew.

    Neben Waffenlieferungen und finanzieller Unterstützung durch andere Staaten erhalten die ukrainischen Streitkräfte und Geheimdienste auch Informationen (darunter minutengenaue Informationen über Feindbewegungen) sowohl von westlichen Geheimdiensten[402][403] als auch von Zivilisten (die nach Beginn der Invasion im Februar 2022 Bürgerwehren bildeten) und Partisanen („ehemalige“ Zivilisten, die nach Beginn des Krieges im Jahr 2014 vom ukrainischen Geheimdienst und ukrainischen Spezialeinheiten ausgebildet wurden).[404][290][405] In der von russischen Truppen besetzten Großstadt Cherson begingen Partisanen spätestens ab Juni 2022 auch Sprengstoffanschläge. Ukrainische Widerstandsgruppen organisieren sich unter anderem über Instant Messenger. Die Informationsweitergabe an staatliche Stellen erfolgt neben Kontaktpersonen außerdem elektronisch über E-Governance-Apps in Verbindung mit dem Messenger Telegram.[290]

    Ukrainische Soldaten griffen sowohl zur Aufklärung als auch zur Bekämpfung von russischen Stellungen vermehrt auf handelsübliche Drohnen zurück, die umgenutzt wurden, um mit ihnen Handgranaten und leichte Mörsergranaten abzuwerfen.[406][407][408] Um den russischen Munitionsnachschub zu unterbrechen, zerstörten ukrainische Streitkräfte, ukrainische Partisanen sowie proukrainische Belarussen mehrmals Munitionslager und sabotierten Nachschubwege (Brücken[409][410] und Schienen[411][412][413]).[290][414] Auch in russischen Grenzgebieten wurden Partisanen aktiv mit Brandanschlägen auf Rekrutierungsbüros und einzelnen Störungen des Eisenbahnverkehrs.[415]

    Um die finanziellen Kosten des Krieges zu kompensieren, stellte die ukrainische Regierung Anfang Mai 2022 mit der Website u24.gov.ua eine Plattform auf, laut der zweckgebunden für die Bereiche „Verteidigung und Entminung“, „medizinische Hilfe“ und „Wiederaufbau“ gespendet werden kann. Die Spenden gehen auf bei der Nationalbank der Ukraine eingerichtete Spendenkonten für das Verteidigungsministerium, das Gesundheitsministerium und das Infrastrukturministerium ein.[416][417] Informell mit den ukrainischen Streitkräften in Verbindung stehende gemeinnützige zivile Organisationen stellten zur Finanzierung von Ausrüstungsgegenständen, Nahrungsmitteln, Medikamenten etc. die Websites signmyrocket.com und revengefor.com auf, auf denen man gegen Bezahlung Botschaften und Bilder einreichen kann, die dann von ukrainischen Soldaten wahlweise auf Granaten, Raketen, Artilleriegeschosse, Artilleriegeschütze und Su-24-Kampfflugzeuge geschrieben bzw. gemalt werden.[418]

    Laut einem Bericht von Amnesty International nutzten ukrainische Truppen für ihren Aufenthalt wiederholt Räume von zivil genutzten Gebäuden (darunter Schulen und Krankenhäuser), die dann vom russischen Militär beschossen wurden.[419]

    Bei der im September 2022 begonnenen ukrainischen Gegenoffensive fahren ukrainische Truppen laut einem ukrainischen Militärexperten mit leichter motorisierter Infanterie an kaum verteidigten Frontabschnitten in die Besatzungszone, um so hinter feindliche Stellungen zu gelangen und diese unter hoher Mobilität von dort aus zu attackieren.[420]

    Korruption bzw. die Veruntreuung von umgerechnet etwa 7 Millionen Euro führte dazu, dass ukrainische Truppen nicht über Schutzwesten verfügten, die von dem Geld angeschafft werden sollten.[421]

    Im Herbst 2022 veröffentlichte die ukrainische Armee Videoaufnahmen, die zeigen, wie sie zu Sprengbooten umfunktionierte unbemannte Wasserfahrzeuge gegen russische Kriegsschiffe einsetzt.[422] Laut BBC setzte die ukrainische Armee Überwasserdrohnen möglicherweise auch zur Zerstörung der Krim-Brücke ein.[423]

    KriegsverbrechenBearbeiten

     
    Zehn in Butscha exhumierte Leichen aus Massengrab

    Im Russisch-Ukrainischen Krieg ab 2014 wurden vielfach Kriegsverbrechen begangen, insbesondere von russischer Seite nach dem Stocken des russischen Überfalls vom 24. Februar 2022.

    GegenmaßnahmenBearbeiten

    Insbesondere westliche Länder reagierten mit Unterstützungsmaßnahmen für die Ukraine und parallel mit Maßnahmen, die die Ausbreitung des Konflikts verhindern sollen.[424][425][426]

    MilitärischBearbeiten

    Deutschlands Bundeskanzler Scholz schloss ein unmittelbares militärisches Eingreifen der NATO in der Ukraine Anfang März 2022 aus,[427] insbesondere die von Präsident Selenskyj geforderte Errichtung einer Flugverbotszone.[428]

    WaffenlieferungenBearbeiten

    Versorgung mit GeheimdienstinformationenBearbeiten

    Die Ukraine erhält von der NATO bzw. deren Mitgliedstaaten Geheimdienstinformationen zum Kriegsgeschehen.[402][403][429]

    Aus- und Fortbildung ukrainischer SoldatenBearbeiten

    Die US-Armee setzte die Schulungen ukrainischer Soldaten, die sie vor Beginn der Invasion in der Ukraine vorgenommen hatte,[430] außerhalb der Ukraine in mehreren Staaten fort.[431] Auch die deutsche Bundeswehr begann im Mai 2022 mit der Weiterbildung ukrainischer Soldaten.[432] Im Juli 2022 begann Großbritannien auf vier eigenen Militärstützpunkten mit einer dreimonatigen Ausbildung von ukrainischen Soldaten. Das Programm hat das Ziel, vierteljährlich 10.000 Ukrainer an der Waffe auszubilden.[433][434][435]

    Verstärkung der NATO-OstflankeBearbeiten

     
    Verlegung eines Regiments des 173rd Airborne Brigade Combat Team von Italien nach Lettland am 24. Februar 2022[436]

    An der NATO Enhanced Forward Presence Battlegroup teilnehmende Staaten verstärkten im Februar 2022 ihre Kontingente.[437][438][439] US-Präsident Biden kündigte am 24. Februar an, dass weitere Luft- und Bodentruppen zur Ostflanke der NATO geschickt werden. Er wiederholte, dass US-Truppen sich nicht direkt am Konflikt in der Ukraine beteiligen werden. Sie seien in Osteuropa, um die NATO-Verbündeten zu verteidigen.[440] Am selben Tag wurden von der NATO aus Sorge vor einer Ausbreitung des Konflikts auf Bündnispartner vorhandene Verteidigungspläne für Osteuropa aktiviert und demgemäß Truppenteile in Bereitschaft versetzt.[441][442] Am 25. Februar wurde die NATO Response Force durch den Supreme Allied Commander Europe Tod D. Wolters zum ersten Mal in ihrer Geschichte aktiviert. Die aus Land-, Luft- und Seeeinheiten bestehende Truppe soll die Ostflanke des NATO-Bündnisgebiets schützen und verstärken. Den Beschluss dazu hatten die Regierungschefs der NATO-Mitgliedstaaten am Morgen gefasst.[443]

    Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine verlegten die USA bis zum 7. März ca. 7000 weitere Soldaten nach Europa und verstärkten damit die US-Truppen in Europa auf rund 100.000 Soldaten.[444] In der zweiten Märzwoche verlegten die USA auf Bitten Polens zwei Patriot-Flugabwehrraketensysteme nach Polen.[439] Am 10. März 2022 begann in Norwegen die lange vor Kriegsbeginn geplante NATO-Übung Cold Response, an der 30.000 Soldaten teilnehmen. Das Angebot der NATO an Russland, einen Beobachter zu der Übung zu schicken, lehnte Russland dankend ab.[445] Mitte März verlegte Deutschland mindestens ein Patriot-Raketenabwehrsystem in die Slowakei,[446] während das Vereinigte Königreich sich zur Verlegung eines Luftverteidigungssystems des Typs Sky Sabre nach Polen entschloss.[447] Auf einem NATO-Gipfel am 24. März verständigten sich die NATO-Mitglieder auf die Entsendung und Stationierung vier zusätzlicher „Battlegroups“ in die Slowakei, nach Ungarn, Bulgarien und Rumänien.[448] Aus Sorge vor dem Einsatz von Massenvernichtungswaffen durch Russland wurden zudem ABC-Abwehrmaßnahmen aktiviert.[449] Am 19. Mai waren unter dem Kommando der NATO in Europa 42.000 Soldaten, 120 Kampfflugzeuge und mehr als 20 Schiffe in ständiger Alarmbereitschaft.[450]

    SanktionenBearbeiten

    Am 22. Februar 2022 beschloss die Europäische Union erste Sanktionen.[451][452][453] Die EU-Außenminister beschlossen außerdem umgehende Sanktionen für russische Personen, Organisationen und Banken sowie gegen alle 351 Mitglieder der Duma, die dem Antrag zur völkerrechtlichen Anerkennung der abtrünnigen Gebiete zugestimmt hatten. Nach den angeordneten Einreiseverboten, Kontensperrungen und Zugangsbeschränkungen zu europäischen Handels- und Finanzmärkten[454][455] verhängte die EU-Kommission auch Handelsverbote mit russischen Staatsanleihen, mit denen Russland sonst den Konflikt finanzieren könnte.

    Die Europäische Union kündigte am 24. Februar ein „scharfes Sanktionspaket“ gegen Russland an. Man werde russische Vermögen in der EU einfrieren. Russische Banken sollten keinen Zugang mehr zu den Finanzmärkten haben.[456] Flugzeugteile, Halbleiter und Güter für die Energiewirtschaft werden nicht mehr nach Russland verkauft.[457] In der Folge wurden mehrere russische Banken aus dem Zahlungssystem SWIFT ausgeschlossen.[458] Russische Energielieferungen sind davon aus Gründen der Energiesicherheit und befürchteter wirtschaftlich-gesellschaftlicher Auswirkungen zunächst nicht betroffen,[459] werden aber zumindest perspektivisch gefordert.[460] Außerdem gaben die USA die Gründung einer transatlantischen Arbeitsgruppe, die die Vermögenswerte der sanktionierten russischen Unternehmen und Oligarchen aufspüren und einfrieren soll, bekannt.[461] Des Weiteren sollen zusätzlich Sanktionen gegen die russische Zentralbank erfolgen.[462] Am 25. und 26. Februar sperrten mehrere europäische Staaten, darunter das Vereinigte Königreich, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Rumänien und Bulgarien, ihren Luftraum für russische Flugzeuge.[463] Ab der Nacht zum 28. Februar war der Luftraum EU-weit für russische Luftfahrzeuge gesperrt. Die Sanktionen treffen nicht nur die in den Sanktionen genannten Warengruppen. Weltweit nahmen mehrere Transporteure keine Buchungen mehr nach Russland an und stornierten bestehende Buchungen.[464] Bei Maersk werden nur noch Lebensmittel, medizinische und humanitäre Lieferungen transportiert.[465]

    Nach den Sanktionen vom 25. bis 28. Februar wurden am 2. März, 15. März, 24. März, 6. April und 8. April 2022 von EU und USA weitere Sanktionspakete verkündet. Mehr als zwei Drittel der EU-Bürger befürworten einer im September 2022 veröffentlichten Umfrage der EU-Kommission zufolge sowohl die gegen Russland verhängten Sanktionen als auch die Waffen- und humanitären Hilfslieferungen an die Ukraine.[466][467]

    WeitereBearbeiten

    Die Washington Post berichtete, dass ukrainische Beamte mit Hilfe von Gesichtserkennungssoftware des US-Technologieunternehmens Clearview AI über 8.600 getötete russische Soldaten per Gesichtserkennung untersucht haben. Die Scans dienten teilweise der Identifizierung von Leichen und der Kontaktaufnahme mit Familienangehörigen in Russland. Bis Mitte April 2022 konnten die Familien von 582 Russen informiert werden. Ziele der Maßnahme sind, innerhalb Russlands aufzuklären, Soldaten zu entmutigen und ein Ende des Kriegs zu beschleunigen.[468]

    CyberkriegBearbeiten

    Schon vor dem militärischen Einmarsch begann Russland 2021 mit Cyberangriffen, welche auch nach dem 24. Februar 2022 als Teil des Hybridkriegs fortgeführt wurden.

    Politische ReaktionenBearbeiten

    Ehemalige SowjetrepublikenBearbeiten

    UkraineBearbeiten

     
    Wolodymyr Selenskyj am 2. Februar 2022

    Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj gilt als ein „Hauptziel für russische Aggressionen“.[469] Ein Angebot der USA, den Präsidenten aus Kiew in Sicherheit zu bringen, lehnte dieser ab.[470] Für seinen Satz „Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit“ erhielt er im März den Axel Springer Award.[471]

    Am 28. Februar unterzeichnete Selenskyj einen Beitrittsantrag seines Landes zur Europäischen Union.[472] Am 1. März hielten Selenskyj und der Präsident der Werchowna Rada, Ruslan Stefantschuk, eine per Video übertragene Rede von Kiew aus an das Europäische Parlament, in der sie weitere Unterstützung forderten.[473]

    In der ersten Kriegswoche bat der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba seinen chinesischen Amtskollegen Wang Yi um diplomatische Vermittlung im Konflikt. Die Volksrepublik China signalisierte daraufhin eine grundsätzliche Bereitschaft.[474]

    KasachstanBearbeiten

    Kasachstan hatte schon vor dem Beginn des Überfalls am 24. Februar 2022 die Anerkennung der Souveränität der Volksrepubliken Lugansk und Donezk abgelehnt. Die kasachische Regierung verweigerte am 25. Februar Russland die Entsendung eigener Soldaten in die Ukraine, obwohl russische Truppen im Rahmen der OVKS im Januar dabei geholfen hatten, Proteste in Kasachstan zu bekämpfen.[475]

    Der kasachische Staatspräsident Qassym-Schomart Toqajew verweigerte jegliche verbale Unterstützung für Moskau, vielmehr bekräftigte er wiederholt: „Die territoriale Integrität eines Staates muss unveräußerlich sein.“ Auch sprach er entgegen der Sprachregelung des Kremls von einem „großen Krieg“. Nach der von Putin im September 2022 verkündeten Teilmobilmachung sicherte Tokajew allen nach Kasachstan geflohenen russischen Staatsbürgern Schutz zu.[476]

    Westliche StaatenBearbeiten

    DeutschlandBearbeiten

     
    Das Brandenburger Tor am 24. Februar 2022, angestrahlt in den Nationalfarben der Ukraine
     
    Kundgebung in Frankfurt am Main, 26. Februar 2022
     
    Gedenkkerzen in Hof für die Opfer des Überfalls
     
    Polnische und ukrainische Fahnen an der Botschaft der Republik Polen in Sarajevo

    Bundesaußenministerin Annalena Baerbock meinte am 23. Februar 2022, Putin habe das Gegenteil von dem gesagt, was er eine Woche zuvor behauptet hatte. Er habe das Minsker Abkommen einseitig „zertrümmert“. Russland solle nun seine Eskalationsschritte zurücknehmen.[477] Nach dem Einmarsch warf sie Putin „vollkommen entgrenztes Agieren“ vor. Nach den Treffen mit Putin und Lawrow in Moskau müsse nun gesagt werden: „Wir wurden eiskalt belogen. Der Kanzler wurde belogen, ich vom russischen Außenminister, die gesamte internationale Gemeinschaft.“[478] Bei einer Sondersitzung des Bundestages am 27. Februar erklärte Bundeskanzler Olaf Scholz: „Wir erleben eine Zeitenwende. Und das bedeutet: Die Welt danach ist nicht mehr dieselbe wie die Welt davor.“[479]

    Bis zur Invasion hatte Deutschland eine nach dem Zweiten Weltkrieg eingeführte Politik verfolgt, an kriegführende Staaten keine todbringende Militärtechnik zu liefern. Als Reaktion auf die Invasion beendete Deutschland diese Politik – es lieferte Waffen an die Ukraine und erlaubte Drittstaaten, deutsche Waffen dorthin zu liefern. Der russische Überfall auf die Ukraine führte zu weiteren bedeutenden Positionswechseln, die zuvor lange von anderen Staaten gefordert worden waren, ohne dass Deutschland darauf einging: So stoppte Deutschland das Projekt Nord Stream 2 und gab bekannt, seine Militärausgaben auf mehr als zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen. Mit der Erhöhung des Verteidigungshaushalts kündigte Bundeskanzler Olaf Scholz die Schaffung eines Sondervermögens für die Bundeswehr in Höhe von etwa 100 Milliarden Euro an.[480][481] Der bisherige außenpolitische Ansatz der Wirtschaftskooperation, zivilgesellschaftlicher Beziehungen sowie des politischen Dialogs mit Russland galt nun als gescheitert, so dass eine Neuausrichtung der Außen- und Sicherheitspolitik erfolgte.[482]

    Weitere westliche StaatenBearbeiten

    Die G7 zeigten sich geschlossen und verurteilten die russische Invasion als „eine schwerwiegende Verletzung des Völkerrechts und einen schweren Verstoß gegen die Charta der Vereinten Nationen“. Alle Mitglieder erklärten Wirtschafts- und Finanzsanktionen zu verhängen.[483]

    US-Präsident Biden nannte Russlands Vorgehen einen „unprovozierten und ungerechtfertigten Angriff durch die russischen Streitkräfte […] Die Welt wird Russland zur Rechenschaft ziehen.“ Er versprach der Ukraine Unterstützung. In der Folge des Geschehens in der Ukraine wiesen die USA am 28. Februar zwölf Diplomaten der russischen Botschaft aus. Die als Gefahr für die Sicherheit der Vereinigten Staaten bezeichneten Botschaftsmitarbeiter mussten das Land binnen einer Woche verlassen.[484]

    Auch NATO-Staaten, die engere Beziehungen mit Russland pflegten, verurteilten die russische Anerkennung der ostukrainischen „Volksrepubliken“ und den russischen Überfall, darunter die Türkei und Ungarn.[485][486] Der für seine Russlandnähe bekannte tschechische Präsident Miloš Zeman verurteilte die „unprovozierte Aggression“ Russlands gegen die Ukraine, sprach sich für Sanktionen anstatt nur Worte aus und fügte mit Blick auf Wladimir Putin an: „Der Verrückte muss isoliert werden“.[487]

    Eine Reihe westeuropäischer Spitzenpolitiker fuhren zu Solidaritätsbesuchen nach Kiew. Wegen der russischen Luftüberlegenheit in der Ukraine nutzten sie dazu in der Regel die Ukrainische Eisenbahn, die dafür einen Sonderzug mit Salon- und Schlafwagen zur Verfügung stellte. Den Beginn machten am 15. März 2022 die Ministerpräsidenten von Polen (Mateusz Morawiecki), Slowenien (Janez Janša) und Tschechien (Petr Fiala), die von Przemyśl aus in die Ukraine fuhren.[488] Es folgten am 7. April die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zusammen mit dem Ministerpräsidenten der Slowakei, Eduard Heger, und am 9. April 2022 der britische Premierminister Boris Johnson.[268]

    Finnland

    Auf Weisung des finnischen Verkehrsministers hat die finnische Eisenbahn (VR) den Personenverkehr nach Russland am 28. März 2022 komplett eingestellt. Der Güterverkehr soll stufenweise heruntergefahren werden. Bereits ab dem 27. März 2022 hat die VR Güterzüge aus Russland einige Tage lang nicht mehr angenommen.[268]

    Schweiz

    Die Schweiz verurteilte die russische Aggression nicht nur diplomatisch, sondern zusätzlich mit einer Erklärung beider Parlamentskammern.[489] In einem in diesem Umfang einmaligen Schritt schloss sie sich den EU-Sanktionen an, der Bundespräsident erklärte: «Einem Aggressor in die Hände zu spielen, ist nicht neutral.»[490] Die Auf­nahme von Ver­letzten aus der Ukraine wurde wegen der Neutralität der Schweiz abgelehnt.[491] Im September 2022 suspendierte der Schweizer Bundesrat, wie kurz zuvor die Europäische Union, das Visumerleichterungsabkommen mit Russland.[492]

    TürkeiBearbeiten

    Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan nannte die Anerkennung der beiden Volksrepubliken Donezk und Luhansk „inakzeptabel“. Das Außenministerium wertete sie als „klare Verletzung der politischen Einheit und territorialen Integrität der Ukraine“.[493]

    Nach einem Treffen mit Putin am Rande einer Konferenz im usbekischen Samarkand sagte Erdoğan im September 2022 dem US-Fernsehsender PBS, Voraussetzung für einen Frieden in der Ukraine sei, dass Russland alle eroberten Gebiete räume, einschließlich der seit 2014 besetzten Krim. Er fügte hinzu: „Das wird erwartet. Das wird gewünscht.“[494]

    VR ChinaBearbeiten

    China erklärte zunächst Verständnis für Russland und dessen „Sicherheitsbedenken“. Laut Tagesschau befürchtet China, dass Sanktionen gegen Russland zu steigenden Rohstoffpreisen führen. Außerdem sei die Ukraine ein Transitland für Chinas neue Seidenstraße, ein System von Landwegen in Richtung Westen.[495] Am 26. Februar sagte der chinesische UNO-Botschafter Zhang im Sicherheitsrat, der Konflikt sei an einem Punkt angelangt, den man nicht sehen wolle. Die Souveränität und territoriale Integrität aller Staaten müssten respektiert werden.[496] Diese allgemeine Formulierung geht allerdings – laut Angela Stanzel absichtlich – nicht auf den Einzelfall der Ukraine ein.[497] Am 7. März erklärte der chinesische Außenminister Wang Yi, dass China und Russland „ihre strategische Entschlossenheit aufrechterhalten und die umfassende kooperative Partnerschaft in der neuen Ära vorantreiben“.[498] China bezeichnete seine Position auch als „neutral“ und unterstützte Friedensaufrufe.[499][500] Außerdem verwahrte sich China gegenüber Druck von außen und bewertete die eigene Position als eigenständig, objektiv und fair.[501] Nach Angela Stanzel orientierte sich die chinesische Rhetorik allerdings an russischen Narrativen; eine Verurteilung des Krieges erfolgte nur äußerst zurückhaltend.[497] Zudem werden in den sozialen Medien Kommentare, die sich mit den ukrainischen Positionen solidarisieren, zensiert, während russlandfreundliche Kommentare von den Zensoren unbehelligt bleiben.[502]

    Russlands Ukraine-Krieg hat mit zunehmender Dauer immer stärkere globale Folgen – darunter Hunger und Destabilisierung in Weltteilen, in denen China wirtschaftliche Expansion sucht oder geopolitische Projekte verfolgt.[503]

    Die chinesische Wirtschaft hielt sich in ihren Grundlinien an einige der westlichen Sanktionen; der russische Markt ist für sie wirtschaftlich unvergleichlich weniger wichtig als der Westen.[504]

    Präsident Xi Jinping sagte bei einem Treffen mit Putin am 17. September, dass Peking „Bedenken“ im Zusammenhang mit dem Krieg habe.[505]

    IndienBearbeiten

    Indiens Regierung hielt sich bedeckt. Premierminister Narendra Modi erklärte direkt nach Kriegsbeginn nur: „Die Welt erlebt derzeit eine Zeit des Aufruhrs, und Indien muss in solchen Zeiten nicht nur für sich selbst, sondern für die gesamte Menschheit stärker sein.“ Indien bezieht einen Großteil seiner Waffen aus Russland.[506]

    Laut einer Meldung von Reuters vom 18. Juni 2022 hat Indien in der Zeit vom 27. Mai bis zum 16. Juni 2022 seine Einfuhr von Kohle und Öl aus Russland gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum beträchtlich gesteigert: Kohle um mehr als das 6-Fache auf 331,17 Millionen US-Dollar und Öl um mehr als das 31-Fache auf 2,22 Milliarden US-Dollar. Russische Lieferanten gewähren indischen Abnehmern einen Rabatt von bis zu 30 Prozent. Berichten zufolge seien die russischen Händler bei den Zahlungsmodalitäten sehr großzügig und akzeptierten Zahlungen in indischen Rupien oder Dirham (Vereinigte Arabische Emirate).[507] Diese Volumina sind im Vergleich zu den Gesamtausfuhren Russlands unbedeutend.

    Indiens Premierminister Narendra Modi sagte dem russischen Präsidenten am 17. September 2022: „Die heutige Zeit ist keine Zeit für Krieg.“[508]

    IranBearbeiten

    Siehe auch: Iranisch-russische Beziehungen

    Der Iran werde Russland, wie der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Biden, Jake Sullivan, am 11. Juli 2022 mitteilte, „Hunderte“ Drohnen für den Angriffskrieg gegen die Ukraine liefern, darunter auch waffenfähige Drohnen. Es sei im Juli 2022 unklar gewesen, ob schon Lieferungen erfolgt seien.[509] Irans Außenminister Hussein Amirabdollahian dementierte dies wenige Tage später,[510] bestätigte es dennoch im November 2022 mit der Behauptung, Drohnen seien „vor dem Krieg“ geliefert worden.

    Im Oktober 2022 waren iranische Drohnenspezialisten auf der Krim tätig.[511][512] Nach Angaben der US-Regierung waren die ersten iranischen Drohnen im August in Russland eingetroffen.[513] Die britische Regierung verhängte daraufhin am 20. Oktober Sanktionen gegen den Iran.[514] Auch die USA und die Europäische Union sowie die Schweiz bereiteten wegen der Drohnenangriffe auf die Ukraine zusätzliche Sanktionen gegen den Iran vor. Nach einem Bericht der Washington Post steht die Lieferung iranischer Raketen mit einer Reichweite von bis zu 700 km an Russland bevor,[513] laut Reuters wurde die Vereinbarung dazu am 6. Oktober abgeschlossen.[515]

    SerbienBearbeiten

    Serbiens Präsident Aleksandar Vučić erklärte, dass Serbien die territoriale Integrität der Ukraine unterstütze, sich westlichen Sanktionen gegen Russland aber nicht anschließen werde.[516][517][518]

    NordkoreaBearbeiten

    Die Vereinigten Staaten waren der Meinung, dass Nordkorea „heimlich“ Artilleriegranaten an Russland liefere, um sie in der Ukraine einzusetzen. Offen hatte Nordkorea hingegen Russland gegenüber „Freiwillige“ zum Kampf in der Ukraine angeboten.[519]

    Weitere StaatenBearbeiten

    Kuba warb für eine diplomatische Lösung des Konflikts. Es behauptete, an der Invasion seien eindeutig der Westen und die NATO schuld; sie würden Russlands Sicherheit gefährden. Bei der Abstimmung in der UN-Vollversammlung zur Verurteilung der Invasion enthielt Kuba sich der Stimme.[520] Tage zuvor hatte Russland die Stundung von Kubas Auslandsschulden angekündigt.[521]

    Japan – als G7-Mitglied – setzte wie angekündigt Sanktionen um. Für Halbleiter wurde eine Ausfuhrbeschränkung eingeführt, russische Vermögen wurden eingefroren und bestimmte russische Bürger erhalten kein Visum mehr.

    Südkorea schloss sich den Sanktionen an.[522]

    Pakistans Premierminister Imran Khan drückte bei seinem Treffen mit Putin am 24. Februar sein „Bedauern“ darüber aus, dass ein militärischer Konflikt nicht abgewendet werden konnte.[523][524]

    Indonesien und Singapur verurteilten die russische Gewalt,[525] ebenso Brasilien,[526] Kenia, Ghana und Gabun.[527]

    Der Premierminister von Georgien – der als enger Verbündeter der Ukraine gilt – verurteilte den Angriff, verhängte aber keine Sanktionen gegen Russland,[528] woraufhin tausende Georgier für seinen Rücktritt demonstrierten.[529][530]

    Naledi Pandor, die Außenministerin Südafrikas, eines Mitglieds der BRICS-Staatengruppe, rief die Konfliktparteien dazu auf, ihre Verpflichtungen nach Maßgaben des Völkerrechts und des humanitären Völkerrechts zu erfüllen, also die Menschenrechte einzuhalten und diese zu schützen. Sie erklärte am 24. Februar 2022: „Südafrika fordert Russland auf, seine Streitkräfte unverzüglich aus der Ukraine abzuziehen, im Einklang mit der Charta der Vereinten Nationen, die alle Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet, ihre internationalen Streitigkeiten mit friedlichen Mitteln so beizulegen, dass der internationale Frieden und die Sicherheit sowie die Gerechtigkeit nicht gefährdet werden.“[531][532] Einen Tag später äußerte Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa: „Jetzt müssen sich die Parteien zusammensetzen, damit wir diesen Konflikt, der sich zu einem gewalttätigen entwickelt, beenden können.“ Er hoffe auf eine Vermittlung durch den UN-Sicherheitsrat.[533]

    Afrika droht durch den Konflikt eine Steigerung der Treibstoff- und Getreidepreise. Kenia fürchtet um seine Tee-Exporte nach Russland.[527] Die Regierung Nigerias erklärte, dass ihre Bürger in der Ukraine selbst für ihre Sicherheit verantwortlich seien. Über 4000 Nigerianer studieren derzeit in der Ukraine und bilden damit die fünftgrößte Gruppe von Ausländern in dem Staat. Der nigerianische Botschafter in der Ukraine war zu dem Zeitpunkt bereits aus dem Land geflohen.[534] In der Ukraine leben außerdem 8000 Studenten aus Marokko, 3500 aus Ägypten und über 1000 aus Ghana.[527]

    Israel hatte im Vorfeld gute Beziehungen sowohl zur Ukraine als auch zu Russland; Israels Regierungschef Bennett versuchte zunächst zu vermitteln.[535] Beim Werben um stärkere Parteinahme und zur Lieferung von Raketenabwehr vor dem israelischen Parlament verglich Selenskyj Israels Bedrohung durch seine Nachbarn mit der Lage der Ukraine.[536] Eine Anlehnung des ukrainischen Präsidenten an den Zweiten Weltkrieg[537] – er hatte auf das erklärte Ziel Russlands der Vernichtung der Ukraine hingewiesen und darauf, dass in Russland dieselben Formulierungen zur Auslöschung gebraucht würden, wie sie von den Nazis verwendet worden waren – stieß teils auf Kritik.[538][539] Israel beteiligt sich bislang nicht an den Wirtschaftssanktionen gegen Russland.[540]

    Internationale OrganisationenBearbeiten

    Vereinte NationenBearbeiten

    Im UN-Sicherheitsrat scheiterte am 25. Februar 2022 eine Resolution, in der der russische Einmarsch in die Ukraine kritisiert wurde, am Veto Russlands. China, Indien und die Vereinigten Arabischen Emirate enthielten sich, während die anderen elf Mitglieder dafür stimmten.[541] Die Resolution war zuvor abgeschwächt worden, um noch mehr Gegenstimmen vorzubeugen. So wurde beispielsweise das Wort „verurteilen“ durch „bedauern“ ersetzt.[542][543]

    Abstimmungen im UN-Sicherheitsrat am 25. und 27. Februar 2022
    Dafür Dagegen Enthaltung
    Albanien  Albanien
    Brasilien  Brasilien
    Frankreich  Frankreich
    Gabun  Gabun
    Ghana  Ghana
    Irland  Irland
    Kenia  Kenia
    Mexiko  Mexiko
    Norwegen  Norwegen
    Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich
    Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten
    Russland  Russland (Vorsitz) China Volksrepublik  Volksrepublik China
    Indien  Indien
    Vereinigte Arabische Emirate  Vereinigte Arabische Emirate

    Am Sonntag, den 27. Februar 2022, trat der UN-Sicherheitsrat erneut zusammen, um über eine Verweisung des Themas an die UN-Generalversammlung abzustimmen. In der Abstimmung votierten elf Staaten mit „Ja“, drei (Indien, VR China, Vereinigte Arabische Emirate) enthielten sich und Russland votierte dagegen. Nötig war eine Mehrheit von neun Stimmen. Es wurde erwartet, dass die am 28. Februar 2022 beginnende Dringlichkeitssitzung der Generalversammlung, erst die elfte seit Bestehen der UNO, mehrere Tage lang beraten wird.[544] Am 28. Februar 2022 brachten mehr als 90 Staaten, darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz, einen Entwurf zur Beschlussfassung in die Vollversammlung der Vereinten Nationen ein. In dem Entwurf wurde die russische Invasion der Ukraine verurteilt und festgestellt, dass eventuelle territoriale Änderungen infolge der Invasion nicht anerkannt würden. Ebenso wurden die Angriffe der russischen Streitkräfte auf zivile Ziele in der Ukraine und die erhöhte Einsatzbereitschaft der russischen Nuklearstreitkräfte verurteilt.[545] In der Abstimmung am 2. März 2022 stimmten 141 Mitglieder der UNO für den Resolutionsentwurf ES-11/1. 35 Staaten enthielten sich, 5 stimmten gegen die Resolution: Russland, Belarus, Syrien, Eritrea und Nordkorea. 12 Staaten, die meisten davon aus Afrika, nahmen nicht an der Abstimmung teil.[546] Die nicht völkerrechtlich bindende Resolution, für deren Annahme eine Zweidrittelmehrheit der abgegebenen Stimmen notwendig war, „fordert, dass die Russische Föderation unverzüglich ihre Gewaltanwendung gegen die Ukraine einstellt und von jeder weiteren rechtswidrigen Androhung oder Anwendung von Gewalt gegen einen Mitgliedstaat absieht“.[547][548]

     
    Abstimmungsverhalten in der UN-Generalversammlung am 2. März zur Verurteilung der Invasion in die Ukraine
  • Dafür
  • Dagegen
  • Enthaltung
  • Abwesend
  • Kein Mitglied
  • Weil Russlands Außenminister Lawrow aufgrund der EU-Luftraumsperren für russische Flugzeuge am 1. März 2022 nicht persönlich vor dem UN-Menschenrechtsrat in Genf sprechen konnte, wurde seine Ansprache per Video übertragen. Mehr als 140 Diplomaten boykottierten diese Rede durch das Verlassen des Sitzungssaals.[549] Nur Vertreter einiger weniger Staaten, darunter Jemen, Syrien, Venezuela und Tunesien, blieben im Saal.[550]

    Russland wurde damit wie nie zuvor in der UNO global isoliert.[154] Gleichwohl wurde Deutschland bei diplomatischen Vorbereitungen der Generalversammlung mitunter Doppelmoral beispielsweise im Hinblick auf andere Militärinterventionen vorgehalten.[551]

    Am 7. April 2022 entschieden die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen (Generalversammlung), Russlands Mitgliedschaft im UN-Menschenrechtsrat zu suspendieren. 93 Mitglieder stimmten dafür, 24 dagegen, 58 enthielten sich.[552]

    Am 12. Oktober 2022 verurteilten 143/195 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen (Generalversammlung) die Annexion der ukrainischen Oblaste Cherson, Saporischschja, Donezk und Luhansk durch die Russische Föderation. Es gab fünf Gegenstimmen aus Belarus, Nicaragua, Nordkorea, Russland und Syrien. Unter 35 Enthaltungen waren auch die Voten aus Brasilien, China, Indien und mehreren Staaten Afrikas und des Mittleren Ostens.[553] In der Aussprache wurde nicht nur die besondere Verantwortung der Russischen Föderation – als ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrats und Atommacht – für den Frieden in der Welt, sondern auch die Verbindlichkeit der Charta der Vereinten Nationen hervorgehoben. Neben der nach Möglichkeit umfassenden Abrüstung im Nuklearbereich wurde die vollständige Ächtung und Vernichtung biologischer und chemischer Waffen sowie aller Landminen, Streumunition und unbemannter Waffensysteme gefordert. Eine strukturelle Veränderung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen und multilaterales Handeln gelten in vielen Ländern als friedensfördernd. Die Integrität des eigenen Territoriums und die Unverletzlichkeit der Grenzen wurden durchgängig betont, die Förderung von Bildung, Gesundheit und nachhaltiger Entwicklung praktisch einvernehmlich gefordert, das Veto Russlands bei der 10. Überprüfungskonferenz für den Atomwaffensperrvertrag im August 2022 fast von allen verurteilt. Als latente Konfliktherde wurden in der Aussprache Israel, Palästina und der Iran, Nord- und Südkorea, China und Taiwan, Ruanda und Kongo, Indien und Pakistan sowie weitere Staaten und Gegenden, deren Bevölkerung aus verschiedenen Ethnien besteht, deutlich.[554]

    EuroparatBearbeiten

    Der Europarat – in dem Russland seit 1996 Mitglied war – setzte die russische Vertretung im Ministerrat und in der Parlamentarischen Versammlung am 25. Februar 2022 aus. Der von Russland entsandte Richter am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte bleibt hingegen im Amt.[555][556] Am 15. März erklärte Russland seinen Austritt aus dem Europarat, am Folgetag schloss das Ministerkomitee des Europarats Russland endgültig aus.[557]

    Europäische UnionBearbeiten

    Bereits am 16. Dezember 2021 hatte das EU-Parlament u. a. den großangelegten Aufmarsch russischer Streitkräfte an der Grenze zur Ukraine verurteilt und sämtliche diesbezüglichen Rechtfertigungen Russlands zurückgewiesen.[558]

    In seiner Entschließung vom 1. März 2022 zu Russlands Aggression gegen die Ukraine[559] verurteilte das Europäische Parlament den völkerrechtswidrigen Einmarsch Russlands in die Ukraine auf das Schärfste und forderte die Organe der EU auf, darauf hinzuwirken, dass die Ukraine den Status eines EU-Bewerberlandes erhält. Weiterhin begrüßten die Abgeordneten, dass die EU rasch Sanktionen ergriffen hatte, und befanden darüber hinaus, dass einige davon auch für Belarus gelten sollten. Befürwortet wurden u. a. auch eine schnellere Lieferung von Verteidigungswaffen an die Ukraine und eine engere nachrichtendienstliche Zusammenarbeit der EU mit der Ukraine.[560] Für die Entschließung stimmten 637 und dagegen 13 Abgeordnete, darunter die aus der Republik Lettland entsandte Tatjana Ždanoka (Die Grünen/Europäische Freie Allianz).[561]

    Auf eine Staatenbeschwerde der Ukraine forderte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) am 1. März 2022 die russische Regierung auf, militärische Angriffe auf Zivilisten und zivile Objekte wie Schulen und Krankenhäuser sowie medizinisches Hilfspersonal zu unterlassen.[562][563]

    Am 3. März 2022 beschloss der Rat für Justiz und Inneres den „Fall eines Massenzustroms von Vertriebenen“ nach Art. 5 der Richtlinie 2001/55/EG (Massenzustrom-Richtlinie) vom 20. Juli 2001,[564] die nun erstmals zur Anwendung kommt.[565][566] Die ukrainischen Flüchtlinge genießen danach vorübergehenden Schutz in den Mitgliedstaaten durch Gewährung eines entsprechenden Aufenthaltstitels.[567] Am 28. Februar 2022 hatte das Europäische Parlament in einem Entschließungsantrag die Mitgliedstaaten dazu aufgefordert, diesen Vorschlag zu billigen.[568]

    Bank für Internationalen ZahlungsausgleichBearbeiten

    Nach Beginn des Angriffskrieges schloss die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich die Zentralbank der Russischen Föderation am 10. März 2022 von allen Treffen und Dienstleistungen aus.[569]

    Gesellschaftliche ReaktionenBearbeiten

    Proteste in der ZivilbevölkerungBearbeiten

     
    Protestkundgebung am 24. Februar in Moskau, russische Plakataufschrift: „Nein zum Krieg! Putin verschwinde!“

    Ab dem Tag des Überfalls gab es in zahlreichen Städten Russlands Protestkundgebungen, bei denen allein am ersten Tag mehr als 1700 Personen festgenommen wurden (davon 957 in Moskau).[570] Auch außerhalb Russlands fanden in zahlreichen Städten Großkundgebungen gegen die russische Invasion statt.

    Der Protest in Russland wurde brutal unterdrückt und es wurden ab Anfang März willkürlich anwendbare und wohl verfassungswidrige[571] Gesetze erlassen. Am 8. Juli wurde dadurch ein lokaler Parlamentsabgeordneter Moskaus, Alexej Gorinow, wegen angeblicher Kritik an den russischen Streitkräften zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt, weil er in einer Sitzung über Kinderfeste Zurückhaltung üben wollte und darauf hingewiesen hatte, dass in der Ukraine Kinder stürben.[572] Die Gesetze unterbinden so nicht nur Demonstrationen, sondern jegliche angeblich kritischen Äußerungen durch die Androhung von Höchststrafen. Neun Ermittler hätten einige wenige Sätze wie unter dem Mikroskop untersucht, um seine „geheimen Gedanken“ zu entschlüsseln, mokierte sich Gorinow in seinem Schlusswort vor Gericht. Die NZZ nannte es das glasklar politische Verdikt einer Diktatur. Michail Fischman nannte das Urteil „stalinistisch“.[573]

    Der Protest in Russland wurde leise und subtil; „die Menschen protestierten im Flüsterton“, schrieb die Nowaja gaseta.[574]

    Auswanderung aus RusslandBearbeiten

    Infolge des Angriffskriegs wanderten laut einem am 10. März veröffentlichten Bericht des US-amerikanischen Senders NPR zwischen 100.000 und 200.000 Russen aus, darunter Wissenschaftler, Gründer und IT-Fachkräfte.[575] Allein nach Georgien sind nach Angaben des dortigen Innenministers im März 30.000 Russen ausgewandert bzw. geflohen.[576] Nach Armenien sind nach einer Schätzung des armenischen Wirtschaftsministers etwa 43.000 Russen ausgewandert.[577] Um diesen Brain Drain zu stoppen, verfügte Russland höhere Löhne, und es wurde die Wehrpflicht für IT-Fachkräfte zeitweise ausgesetzt. Allgemein will der Kreml von April bis Juni 134.500 Männer zwischen 18 und 27 Jahren einberufen.[578][579] Im März 2022 erhielten 553.000 Menschen in Russland einen Reisepass, das waren 36 % mehr als im Februar.[580]

    Im Verlauf des Jahres 2022 verabschiedete die russische Regierung mehrere Gesetze, die faktisch jede aktive Tätigkeit russischer Bürger im Ausland kriminalisieren. Dies umfasst auch Kontakte zu lokalen und internationalen Organisationen, die bei einer Auswanderung unvermeidlich sind. Da Urteile auch in Abwesenheit der Angeklagten ausgesprochen werden, bedeutet dies unter Umständen eine sofortige Verhaftung bei der Rückkehr nach Russland.[581]

    Nachdem Russland im September 2022 eine Teilmobilisierung ausgerufen hatte, verschärften Russlands Nachbarländer Estland, Lettland, Litauen und Polen zum 19. September 2022 die Einreisebestimmungen für Russen: Einfache Schengen-Visa sollen nicht mehr für die Einreise ausreichen.[582] Auch Finnland kündigte Verschärfungen an.[583] Asylanträge wegen drohender Einberufung werden in der EU restriktiv behandelt. Nach der Teilmobilisierung erklärte ein Sprecher der deutschen Bundesregierung, man strebe auf europäischer Ebene an, „in den nächsten Wochen“ eine gemeinsame Linie zum Umgang mit russischen Kriegsdienstverweigerern zu erreichen.[584]

    Nachdem Russland im September hohe Strafen für Fahnenflüchtige in Kraft setzte, kündigte Selenskyj an, dass russische Soldaten, die sich freiwillig in Kriegsgefangenschaft begeben, zivilisiert behandelt würden und dass auch Wege gefunden würden, sie nicht gegen ihren Willen in einen Gefangenenaustausch einzubeziehen.[585]

    Unterstützung für Putin bzw. den russischen EinmarschBearbeiten

    Außerhalb RusslandsBearbeiten

    Anders als die weltweiten Proteste, die sich gegen den russischen Einmarsch richteten, bekundeten etwa zehntausend Menschen in Serbiens Hauptstadt Belgrad am 4. März ihre Unterstützung für den russischen Einmarsch in die Ukraine.[586] Auch aus der Querdenker-Szene und der Community der Russlanddeutschen gibt es teilweise Zustimmung.[587][588][589][590] Antiamerikanisch eingestellte Internetnutzer aus dem chinesischen und auch arabischen Raum verlautbarten ebenfalls prorussische Statements.[591][592]

    In Deutschland ist die Unterstützung des russischen Einmarsches als Billigung eines Angriffskrieges nach § 140 Nr. 2 StGB i. V. mit § 138 Abs. 1 Nr. 5 StGB und § 13 VStGB strafbar. Die Strafbarkeit könnte schon dann vorliegen, wenn man ein „Z“ auf sein Auto klebt.[593]

    Siehe auch: Pro-russische Proteste zum russischen Überfall auf die Ukraine 2022

    In RusslandBearbeiten

    Laut einer in Russland durchgeführten und am 1. April 2022 veröffentlichten repräsentativen Umfrage des Lewada-Zentrums, des laut Spiegel „einzigen unabhängigen Meinungsforschungsinstituts in Russland“, sprachen sich 81 Prozent der Befragten „definitiv“ oder „eher“ für das „Vorgehen“ der russischen Streitkräfte in der Ukraine aus. 14 Prozent lehnten eine Unterstützung ab, die übrigen 6 Prozent blieben unentschieden. Gaben 51 Prozent der Befragten „Stolz“ als dominierendes Gefühl in Bezug auf die „militärische Operation“ an, beschrieben es 12 Prozent für sich persönlich als „Schock“. In der Altersgruppe zwischen 18 und 24 Jahren lehnten 20 Prozent der Befragten das militärische Vorgehen Russlands ab, 71 Prozent stimmten ihm zu. In der höchsten Altersgruppe ab 55 Jahren befürworteten insgesamt 86 Prozent die „militärische Operation“. 42 Prozent aller Befragten glaubten, Russland habe seine „Sonderoperation“ gestartet, um die „russischsprachige Bevölkerung“ und „Zivilisten“ in der Ostukraine zu schützen. 25 Prozent der Befragten glaubten außerdem, so solle ein „Angriff auf Russland verhindert werden“.[594][595]

    Durch den russischen Überfall auf die Ukraine erlebte Russland einen „Denunziationsrekord“. Im ersten Halbjahr 2022 verzeichnete eine russische Behörde insgesamt 145.000 Denunziationen. Damit stieg die Zahl solcher Beschuldigungen in Russland um 25 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum an.[596][597]

    In der UkraineBearbeiten

    Nachdem sich in einem digitalen Abstimmungsprozess eine Mehrheit von 6,5 Millionen Ukrainern für die Umbenennung von Straßen, deren Namen an russische und sowjetische Persönlichkeiten sowie an kommunistische Vordenker erinnern, aussprach, hat der Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko, die Umbenennung von 95 solcher Kiewer Straßen und Plätze bekanntgegeben. Unter den entfernten Straßennamen sind auch solche mit Bezügen zu russischen Städten.[598]

    Positionen von ReligionsgemeinschaftenBearbeiten

    Frieden, Dialog zwischen den Religionen und Einigkeit in der Welt standen im Mittelpunkt des 7. Kongresses der Führer der Weltreligionen und der traditionellen Religionen, der vom 13. bis 15. September 2022 in Nur-Sultan in Kasachstan stattfand. Der Kongress endete mit der Aufforderung an alle Staats- und Regierungschefs, jede aggressive und destruktive Rhetorik, die zur Destabilisierung der Welt führt, aufzugeben und Konflikte und Blutvergießen in allen Teilen der Welt schnellstmöglich zu beenden.[599] In ihrer gemeinsamen Schlusserklärung betonen die Religionsführer: “We believe that extremism, radicalism, terrorism and all other forms of violence and wars, whatever their motivations and goals, have nothing to do with authentic religion and must be rejected in the strongest possible terms.”[600]

    Römisch-katholische KircheBearbeiten

    Papst Franziskus, Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, besuchte die russische Botschaft in Rom, um persönlich seine Besorgnis über die Lage in der Ukraine zum Ausdruck zu bringen,[601] was laut Dietman Winkler für den Botschafter „fast beschämend war“.[602] Anfang April kritisierte der Papst implizit Präsident Putin für die Invasion in der Ukraine. „Wir waren im Glauben, dass Invasionen anderer Länder, Straßenkämpfe und atomare Drohungen düstere Erinnerungen an eine ferne Vergangenheit seien.“[603] Der Papst nahm als Oberhaupt der katholischen Kirche am 7. Kongress der Führer der Weltreligionen und der traditionellen Religionen in Kasachstan teil und unterstützte dessen Abschlusserklärung.[604] Auch beim interreligiösen Friedenstreffen von San Egidio, das vom 23. bis 25. Oktober 2022 in Rom stattfand und an dem der Papst ebenfalls als Gast teilnahm, hob Papst Franziskus mit Blick auf die Ukraine die Bedeutung des Friedens hervor, der in vielen Teilen der Welt durch Hass und Gewalt bedroht ist.[605]

    Ukrainische Griechisch-katholische KircheBearbeiten

    Swjatoslaw Schewtschuk, Großerzbischof von Kiew-Halytsch und Oberhaupt der mit der römisch-katholischen Kirche unierten Ukrainischen Griechisch-katholischen Kirche, erklärte am 22. Februar 2022, einen Tag nachdem Putin die „Volksrepubliken“ Donezk und Lugansk anerkannt hatte, dieser Schritt habe „grundlegende Prinzipien für einen langfristigen Prozess der Wiederherstellung des Friedens in der Ukraine zerstört, den Weg für eine neue Welle der militärischen Aggression gegen unseren Staat bereitet und die Türen für eine großangelegte Militäroperation gegen das ukrainische Volk geöffnet. […] Die Verteidigung unseres Vaterlandes ist unser natürliches Recht und unsere Bürgerpflicht. […] Jetzt ist die Zeit gekommen, unsere Anstrengungen zu vereinen, um die Unabhängigkeit, die territoriale Integrität und die Souveränität des ukrainischen Staates zu verteidigen.“[606]

    Russisch-orthodoxe KircheBearbeiten

    Der Patriarch Kyrill der russisch-orthodoxen Kirche (ROK) – während der Sowjetzeit aktiver KGB-Offizier in der Kirche – äußerte am 23. Februar, einen Tag vor dem Überfall, dass er im Kriegsdienst eine Bekundung von „Nächstenliebe nach dem Evangelium“ erblicke und ein Beispiel der Treue zu den hohen sittlichen Idealen des Wahren und Guten. Er wünschte dem Präsidenten Seelenfrieden und Gottes Hilfe bei seinem „hohen Dienst am russischen Volk“. Einen Tag später (nach dem Beginn des Überfalls) sagte Kyrill in einer Ansprache, er habe „tiefes Mitgefühl“ mit all jenen, die vom Unglück getroffen wurden.[607] Laut Informationen der Nowaja gaseta wusste Kyrill bei seiner Äußerung vom 23. Februar vermutlich schon vom geplanten Überfall.[608] Am Sonntag, dem 6. März, rechtfertigte Kyrill in seiner Predigt die Invasion damit, dass dadurch die gläubigen Ukrainer vor Gay-Pride-Paraden geschützt werden sollten, die ein „Verstoß gegen die Gesetze Gottes“ seien.[609]

    In einem Telefonat mit Papst Franziskus rechtfertigte Kyrill in einem 20-minütigen, vorgelesenen Monolog nochmals den Krieg und sprach beispielsweise über Flugzeiten von Raketen. Nachdem der Papst diese Episode in einem Interview erwähnte, war die ROK erbost, bestätigte damit aber „auf brillanteste Weise“ selbst den Sachverhalt, so ein Kommentar auf fontanka.ru. Dieser führte weiter aus, dass die ROK (in der Ukraine) nur dort überleben würde, wohin russische Panzer sie trügen.[610] Papst Franziskus seinerseits hatte gesagt „Ich habe ihm zugehört und dann gesagt: ‚Ich verstehe das alles nicht. Bruder, wir sind keine Beamten, wir sollen nicht die Sprache der Politik sprechen, sondern die Sprache Jesu.‘“[611] Darauf folgte eine Bemerkung in dem Sinne, er sei doch nicht Putins Ministrant.[610]

    Russisch-Orthodoxe Altritualistische Kirche

    Die Russisch-Orthodoxe Altritualistische Kirche unterstützte die Invasion voll und ganz.[608]

    Ukrainisch-Orthodoxe Kirche Moskauer PatriarchatsBearbeiten

    Der Metropolit von Kiew und der Ukraine, Onufrij, forderte, den Bruderkrieg zwischen dem ukrainischen und dem russischen Volk unverzüglich zu beenden. Der Krieg zwischen beiden wiederhole die Sünde von Kain, der aus Neid seinen eigenen Bruder umbrachte. Dieser Krieg sei weder vor Gott noch vor den Menschen zu rechtfertigen. Seine Kirche verteidige die Souveränität und territoriale Unversehrtheit der Ukraine.[612] Damit stellte er sich gegen die Position des Moskauer Patriarchats, dem er kirchenrechtlich unterstellt ist.

    Orthodoxe Kirche der UkraineBearbeiten

    Die Orthodoxe Kirche der Ukraine verurteilte die „unprovozierte russische Aggression“ und stellte Kirchenräume für Schutzbedürftige zur Verfügung. Metropolit Epiphanius erinnerte im Speziellen auch die Russisch-Orthodoxe Kirche daran, dass die Ukraine das Rote Kreuz um Hilfe gebeten hatte bei der Überführung der Leichen russischer Soldaten zu ihren Familien, Russland jedoch keine Antwort gegeben habe.[613]

    Deutsche Evangelisch-Lutherische Kirche in der UkraineBearbeiten

    Die Deutsche Evangelisch-Lutherische Kirche in der Ukraine bittet ihre Gemeindemitglieder, „[…] nicht [nur] für den Frieden zu beten, sondern für den gerechten Frieden, der als Ziel nicht nur die Vertreibung des Aggressors aus unsrem Land hat, sondern auch die gerechte Strafe für sein Verbrechen. Solange es aber nicht der Fall ist, fordern wir alle zum militärischen Dienst fähigen Menschen auf, sich an der Verteidigung unseres Landes zu beteiligen und alle anderen Ihnen und Menschen in Not zu helfen.“[614]

    Geistliche Verwaltung der Muslime der Ukraine „Umma“Bearbeiten

    Der Mufti der Geistlichen Verwaltung der Muslime der Ukraine „Umma“ (DUMU „Umma“), Scheich Said Ismagilov, appellierte in einer Fatwa an die ukrainischen Muslime, den bewaffneten Kampf gegen den russischen Angriff zu unterstützen.[615]

    SportBearbeiten

    Ökonomische AuswirkungenBearbeiten

    Durch den Überfall stiegen zunächst weltweit die Preise für Lebensmittel[616][617][618] und Energie[619][620]. Die hohen Energiepreise trieben die Lebensmittelpreise noch weiter in die Höhe.[621] Es kam daher zu Wirtschaftskrisen in verschiedenen Ländern weltweit, darunter Deutschland.[622][623][624] Die Wirtschaft der Ukraine wurde besonders hart getroffen, aber auch die Wirtschaft Russlands erleidet derzeit eine schwere Krise,[625] ihre schwerste seit der Russlandkrise 1998.[626][627]

    Bis August 2022 verlor die russische Wirtschaft das Wachstum der letzten 10 Jahre.[628]

    Energie

    Das für Europa maßgebliche Referenzöl Brent und das für den US-Markt relevante WTI erreichten eineinhalb Wochen nach Kriegsbeginn Preise wie zuletzt 2008.[629][630]

    Der für europäische Erdgaspreise bedeutende Dutch TTF Natural Gas Futures stand nach über 200 Euro pro MWh in der Woche nach dem Überfall mit über 100 Euro/MWh Anfang April 2022 noch deutlich über den Preisen von 80 Euro/MWh zu Jahresbeginn 2022.[631]

    Laut dem in Finnland ansässigen Centre for Research on Energy and Clean Air überstiegen Russlands Einnahmen aus fossilen Energieexporten in den ersten sechs Monaten des Ukraine-Krieges die Kosten der Invasion deutlich.[632]

    Weizen

    Der Krieg Russlands gegen die Ukraine führte aufgrund der Tatsache, dass die beiden Länder der acht- bzw. der drittgrößte Weizenproduzent (Stand 2020[633])[634] waren, zu einem Versorgungsrisiko nicht nur für die Ukraine selbst, sondern – da es um einen riesigen Agrarexporteur geht – auch für Drittstaaten.[635]

    Die großen Importregionen der Welt im Mittleren Osten, Nordafrika und Südostasien fürchten bei einem Stillstand des Getreidehandels in der Schwarzmeerregion um ihre Versorgung.[634]

    In den Tagen nach dem Angriff stiegen die Weltmarktpreise um über 50 Prozent, Anfang April 2022 bewegten sie sich auf einem um 20 Prozent (USA) bzw. 40 Prozent (Europa) höheren Niveau als vor dem Krieg.[636] Der Getreideexport aus der Ukraine und Russland kam weitgehend zum Erliegen.[637] Dadurch können viele afrikanische Länder nicht ausreichend importieren, was zu einer Verschärfung der globalen Hungerkrise führt.[638]

    Angesichts der Blockade ihrer Seehäfen bemühte die Ukraine sich im Sommer 2022 darum, einen Teil ihres Getreides auf anderen Wegen auszuführen, so insbesondere über ihre Donauhäfen – zum Teil donauaufwärts zum weiter südlich gelegenen rumänischen Seehafen Constanța, der über den Donau-Schwarzmeer-Kanal mit der Donau verbunden ist, zum Teil auch donauabwärts zur Mündung des nördlichen Mündungsarms der Donau, der an die Ukraine grenzt, mit der Abkürzung durch den ganz auf ukrainischem Gebiet liegenden Bystre-Kanal zum Schwarzen Meer, das in diesem Gebiet seit der Befreiung der Schlangeninsel Ende Juni wieder unter ukrainischer Kontrolle steht.[639][640] Zudem wurde unter Vermittlung der Türkei und der Vereinten Nationen am 22. Juli 2022 das Getreideabkommen geschlossen, das den sicheren Export von Getreide und weiterer Lebensmittel aus den drei ukrainischen Häfen in Odessa, Tschornomorsk und Juschne gewährleisten soll.[641] Das Abkommen wurde am 17. November um weitere vier Monate verlängert.[642][643]

    Unternehmen
    Kriegsgewinnler

    Die größten Öl- und Gasfirmen, darunter Shell,[644] ExxonMobil,[645] Chevron, Phillips 66, BP und Sinopec,[646] sowie die größten Waffenhersteller, z. B. Raytheon, Lockheed Martin und BAE Systems,[647][648] verzeichneten Anstiege in Umsatz und Gewinn.[649][650][651][652]

    „ABCD“, also die vier Firmen, die den Welthandel für landwirtschaftliche Produkte dominieren, nämlich ADM, Bunge, Cargill und Louis Dreyfus, konnten durch steigende Lebensmittelpreise starke Gewinne verzeichnen.[653][654]

    Auswirkungen auf Umwelt und KlimaBearbeiten

     
    Waldbrand in der Region Nikolaew, durch den Beschuss russischer Einheiten verursacht (August 2022)
     
    Emissionen nach dem Angriff auf eine Chemiefabrik in Sewerodonezk (Mai 2022)

    Kampfbedingte Explosionen und Schüsse verursachen neben direktem physischem Schaden auch indirekten toxischen Schaden für den Menschen, da giftige Substanzen und Karzinogene wie Quecksilber, Blei oder abgereichertes Uran freigesetzt werden. Einmal im menschlichen Körper, führen Sprengstoffe wie TNT, DNT oder RDX so auch ohne Explosion zu ernsthaften Störungen aller Organe.

    Im Kampfgebiet gibt es eine hohe Dichte an Firmen der Schwerindustrie. Dies führt regelmäßig zu chemischen Unfällen durch Lecks. Giftmüll und Treibstoff können so weit austreiben und haben daher negative Auswirkungen auch auf weiter entfernt liegende Gebiete in Europa und Russland. Zerstörte Gebäude geben jahrzehntelang krebserregenden Staub ab. Schwermetalle und Chemikalien sickern ins Grundwasser und vergiften Trinkwasserquellen, wodurch Flüsse und Stauseen unbrauchbar werden. Aufgrund der Zerstörung der zivilen Infrastruktur wurde schon mehr als vier Millionen Menschen in der Ukraine der Zugang zu sauberem Trinkwasser verwehrt.[655] Böden in Kriegsgebieten werden für die Landwirtschaft ungeeignet, da sich Schadstoffe in Pflanzen anreichern und über diese in menschliche und tierische Organismen gelangen.

    Der Krieg erhöht auch das Risiko von Nuklearkatastrophen. Kämpfe in der Nähe von Atomkraftwerken und Atommülllagern können zu Katastrophen führen, die mit denen in Tschernobyl oder Fukushima vergleichbar sind.

    Mehr als 12.406,6 km² Naturschutzgebiet liegen (Stand 1. März 2022) im Kriegsgebiet. Viele Populationen endemischer Pflanzen- und Tierarten haben erhebliche Verluste erlitten, Wandervogelarten wurden ihrer gewohnten Routen und Nistplätze beraubt und die Erfolge langjähriger Renaturierungsprojekte wurden zerstört.

    Um den gesamten verursachten Schaden zu bewerten, ist eine vollständige Einstellung der Feindseligkeiten erforderlich. Ein Teil der angerichteten Schäden kann nur durch jahrelange Arbeit wiedergutgemacht werden, ein Teil ist irreversibel.

    Neben dem Schaden für die natürliche Umwelt und ihre Biodiversität trägt der Überfall auch zur derzeitigen globalen Erwärmung bei. Die kriegsbedingten Emissionen von CO₂ betragen mehrere hundert Millionen Tonnen und gefährden so die Ziele des Klimaabkommens von Paris 2015.[656][657] Mehrere der wichtigsten planetaren Grenzen werden durch den russischen Überfall also weiter überschritten.

    Propaganda und DesinformationBearbeiten

     
    Beschossener Wohnkomplex am 14. März 2022 in Kiew (Bohatyrska-Straße). Staatliche Medien in Russland spielen die Zerstörungen herunter, bezeichnen Berichte über russische Angriffe auf Zivilisten als „gefälscht“ oder behaupten, die Zerstörungen seien von ukrainischen Streitkräften verübt worden.[658]

    RusslandBearbeiten

    Bereits im März 2014 beschrieb Andreas Umland die minutenlangen Hass-Salven der russischen Propaganda;[659] das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte schrieb im April, die Propaganda im Fernsehen Russlands hätte auch völkerrechtlich verbotene Hasspropaganda umfasst:

    “Media monitors indicated a significant raise of propaganda on the television of the Russian Federation, which was building up in parallel to developments in and around Crimea. Cases of hate propaganda were also reported.”

    „Medienmonitore ließen einen bedeutenden Anstieg von Propaganda im Fernsehen der Russischen Föderation erkennen, was sich parallel zu Entwicklungen in der und um die Krim aufbaute. Auch über Fälle von Hasspropaganda wurde berichtet.“[660]

    Im Juni 2014 wurde vom UNHCHR nochmals und explizit auf das auch von Russland unterschriebene völkerrechtliche Verbot von Hass- und Kriegspropaganda hingewiesen.[661][662]

    Die teils inszenierte[659] und Jahre anhaltende, vor dem Überfall der Ukraine nochmals intensivierte Kriegspropaganda diente auch zur Schürung von Hass innerhalb Russlands gegenüber oppositionell gesinnten Russen.[663] Stefan Meister sah darin auch eine „Rechtfertigungsgrundlage für militärische Gräueltaten“ auch gegen die Bevölkerung.[664] Desinformation wird von Russland auch eingesetzt, um Belege russischer Kriegsverbrechen zu untergraben.[665]

    Russland bezeichnete den Überfall vom Februar 2022 auf die Ukraine als „militärische Spezialoperation“, auch abgekürzt SWO (spezialnaja wojennaja operazija).[666][667][668] Den russischen Medien wurde die Verwendung des Wortes „Krieg“ und ähnlicher Bezeichnungen schon vor dem umfassenden Zensurgesetz vom 4. März durch die Medienaufsichtsbehörde Roskomnadsor verboten. Die einzige verbliebene kritische Zeitschrift Russlands, die Nowaja gaseta (Ende März eingestellt),[669] untersuchte folglich den Begriff „militärische Spezialoperation“ und kam zum Schluss, dass der Begriff eine Aktion definiere, die nicht länger als zwei Wochen dauere.[670] Am 10. März beteuerte Lawrow in der russischen Propaganda, es habe keinen Angriff auf die Ukraine gegeben.[671]

    Russland versuchte das propagandistische Narrativ der Denazifizierung der Ukraine auch durch eine seiner Auslandsvertretungen im Internet zu verbreiten.[672] Für die Narrative der Propaganda wurde der Begriff des Raschismus verwendet, um die faschistischen Methoden des angeblichen russischen Antifaschismus zu erklären.[673] An russische Schulen wurden Unterrichtsmaterialien geliefert, die ab dem 1. März 2022 für spezielle „Sozialkunde-Lektionen“ zum Thema Krieg eingesetzt werden. Ein besonderes Augenmerk liegt in den vorgegebenen Lehrertexten auch auf der Betonung der Verwerflichkeit von Antikriegs-Aktionen. Die Lehrer sollen den höheren Klassen die Argumente Putins vermitteln; es werden auch Antwortvorschläge für Schülerfragen gemacht: So soll die Frage, ob der Krieg nicht hätte vermieden werden können, dahingehend beantwortet werden, dass es kein Krieg sei, sondern eine Friedensmission zur Abschreckung von Unterdrückern.[674][675] Im Bildungssystem in Russland herrschen nach einer relativ liberalen Phase zu Beginn der nachsowjetischen Ära schon seit Mitte der 2010er-Jahre wieder politische Kontrolle und Einschüchterung. Für die auf Listen geführten nicht linientreuen Schul- oder Studienabgänger sind zumindest Anstellungen beim Staat kaum möglich.

    Russland behauptete, die Ukraine betreibe ein Netz von 30 Laboren, die „sehr gefährliche biologische Experimente“ mit dem Ziel durchführen würden, „virale Krankheitserreger“ von Fledermäusen auf den Menschen zu übertragen. Dabei gehe es unter anderem um Pest, Cholera und Milzbrand. Die Anschuldigungen wurden von westlichen Ländern als Desinformation und mögliche Vorbereitung einer Falsche-Flagge-Operation scharf verurteilt. Auch das Büro der Vereinten Nationen für Abrüstungsfragen berichtete, dass keine Hinweise auf Biowaffenprogramme in der Ukraine vorlägen.[676][677] Laut Foreign Policy handelte es sich bei diesem Vorwurf um eine Verschwörungstheorie, die wenige Stunden nach Beginn der Invasion von einem Twitter-Konto aus dem QAnon-Umfeld aus verbreitet wurde und von russischen und chinesischen Staatsmedien übernommen wurde.[678] China greife das Thema gerne als Ablenkung auf, um nicht über den Krieg selbst sprechen zu müssen.[679] Gesichert ist, dass die Weltgesundheitsorganisation der Ukraine empfahl, hochpathogene Krankheitserreger in ihren Laboren zu vernichten, um mögliche Ausbreitungen nach Angriffen zu verhindern,[680] und die USA eigener Aussage zufolge daran arbeiteten, zu verhindern, „dass diese Forschungsmaterialien in die Hände der russischen Streitkräfte fallen“.[681] Dennoch wurde in Russland faktenfrei berichtet, dass es sich um ethnische Waffen handle, die nur Russen töten würden. Meduza kommentierte, dass das russische Militär offensichtlich in Biologie in der Schule einen Fensterplatz gehabt habe, aber auch „leidenschaftlich an rassistischen Theorien interessiert“ sei.[682]

    Der Buchstabe „Z“ des lateinischen Alphabets (dessen Entsprechung im kyrillischen Alphabet anders aussieht) ist eines von mehreren Zeichen auf Militärfahrzeugen der Streitkräfte Russlands, die an dem russischen Überfall auf die Ukraine beteiligt sind. Das ursprünglich militärische Zeichen wird als Symbol der Unterstützung und zur Staatspropaganda für den Angriffskrieg auf das Nachbarland verwendet. Das Zeichen ist in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens Russlands „allgegenwärtig geworden“.[683][684][685]

    Die staatliche Propaganda Russlands verwendete unter anderem Ausschnitte aus einem Spielfilm als angeblichen „Beweis“ dafür, dass das Massaker von Butscha eine „Inszenierung“ gewesen sei.[686]

    Von Februar bis September habe das russische Verteidigungsministerium mit voller Unterstützung staatstreuer Journalisten und den Freiwilligen der Informationskriegsführung verbreitet, dass Russland nur militärische Ziele treffen würde und keinesfalls die zivile Infrastruktur. Danach, so Meduza, berichtete es „unter dem Jubel der gleichen Akteure“ über zerstörte Kraftwerke.[687]

    Russische SchauprozesseBearbeiten

    Die Briten Sean Pinner und Aiden Aslin sowie der Marokkaner Saadoun Brahim wurden im Juni in Donezk in einem Schauprozess wegen angeblichen „Söldnertums“ zum Tode verurteilt. Alle drei hatten jedoch schon seit Jahren in der Ukraine gelebt und bereits vor dem russischen Überfall in den ukrainischen Streitkräften gedient. Nach ukrainischer Darstellung ist eine Vollstreckung der Todesurteile daher ein Verstoß gegen die Genfer Konventionen.[688][689] Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte EGMR wies Russland an, die Vollstreckung zu verhindern.[690]

    UkraineBearbeiten

    Nach Ivo Mijnssen von der NZZ würden beide Seiten bei der Nutzung sozialer Netzwerke Propaganda betreiben. Auffällig sei jedoch, dass sich die ukrainischen Medien hierbei im Gegensatz zu den russischen an ein deutlich breiteres, ausländisches Publikum richten würden.[691]

     
    Im April 2022 in der Ukraine erschienene Sonderbriefmarke Russisches Kriegsschiff, f*** dich …!

    Im April stellte die ukrainische Post eine neue Briefmarke vor. Darauf zu sehen ist ein ukrainischer Soldat, der auf gelbem Untergrund stehend auf das in der perspektivischen Abbildung darüber liegende blaue Meer blickt und dem dort befindlichen russischen Kriegsschiff Moskwa den „Stinkefinger“ zeigt.[692] Die Briefmarke zeigt damit einen Vorfall auf der Schlangeninsel, der sich zu Beginn des russischen Überfalls zugetragen hat.[693] Bereits in den Tagen nach dem Vorfall wurde dieser national und international, unter anderem in Form von Memes, auf Demonstrationsschildern, auf Werbeplakaten oder als Drohnenshow rezipiert.

    In der Ukraine werden die russischen Truppen bzw. Soldaten unter anderem als Orks sowie als (übersetzt) Raschisten (aus den Wörtern Russia (englisch für „Russland“) und Faschist gebildeter Neologismus) bezeichnet.[694]

    Social-Media-KampagnenBearbeiten

    Die gekonnte Inszenierung des ukrainischen Präsidenten Selenskyj auf den sozialen Medien hilft bei der Motivation zur Verteidigung und bei der Rekrutierung internationaler Unterstützung. Weltweites Aufsehen erregte auch der Aufruf der ukrainischen Band Antytila auf ihrem TikTok-Kanal, seit der britische Singer-Songwriter Ed Sheeran auf ihre Anfrage geantwortet hatte. Die drei Musiker, inzwischen als Soldaten im Einsatz, wollten von der Front aus per Videoschaltung am „Concert for Ukraine“ am 29. März in Birmingham teilnehmen und baten deshalb den britischen Superstar um Unterstützung. Die Organisatoren des Benefizkonzertes erteilten der Anfrage zwar eine Absage. Doch Sheeran meldete sich auf TikTok und dankte Antytila für ihre Nachricht.[695]

    Die Europäische Kommission und die kanadische Regierung riefen am 26. März gemeinsam mit der NGO Global Citizen die breit angelegte Social-Media-Kampagne „Stand Up for Ukraine“ ins Leben. Die Kampagne geht auf den Hilfeaufruf des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vom selben Tag zurück. Viele internationale Topstars aus den Bereichen Kultur, Unterhaltung oder Sport nahmen am 8. April, dem Vortag der internationalen Geberkonferenz für die Ukraine-Flüchtlinge in Warschau, an der globalen Social-Media-Kampagne teil.[696]

    InformationBearbeiten

    Die Informationen zur Kriegslage können nicht immer unabhängig überprüft werden. Die meisten Informationen kommen aus dem Hauptquartier der ukrainischen Streitkräfte und gelten in der Regel als glaubwürdiger als jene, die das russische Militär herausgibt. Die amerikanische und die britische Regierung geben ebenfalls Informationen zur militärischen Lage heraus. Eine Reihe von Institutionen bereiten offen verfügbare Informationen vor allem aus den sozialen Medien auf. Zu nennen sind v. a. Bellingcat, Oryx, JominiWest (JominiW) sowie die sicherheitspolitischen Thinktanks Royal United Services Institute, International Institute for Strategic Studies, Atlantic Council und Institute for the Study of War (ISW). Beispielsweise bietet Oryx seit Kriegsbeginn eine ständig aktualisierte Verlustliste von schweren Ausrüstungsgegenständen der Kriegsparteien. Open Source Intelligence (OSINT) ist in diesem Krieg zu einer wichtigen Informationsquelle für die Lageanalyse geworden.[697]

    Russische Internetnutzer bereiten sich auf eine eventuelle Sperrung der russischsprachigen Wikipedia vor, indem sie Offline-Kopien der Online-Enzyklopädie herunterladen. Die Download-Zahlen schnellten in die Höhe, nachdem eine behördliche Anordnung Anfang März von Wikipedia verlangte, den Artikel „Invasion/Einmarsch Russlands in die Ukraine (2022)“ (Вторжение России на Украину (2022)) entsprechend den amtlichen Vorgaben zu ändern, und mit einer Sperrung drohte (s. o.).[698]

    Eine interaktive Online-Karte der britischen Nichtregierungsorganisation Centre for Information Resilience (CIR oder Cen4infoRes) erfasst mithilfe investigativer Journalisten und der Netz-Community signifikante Vorfälle wie zivile Opfer, Bombardierungen, Truppenbewegungen, militärische Verluste sowie die Schäden an der Infrastruktur und an zivilen Einrichtungen.[699]

    Die Internet-Kommunikation in der Ukraine durch Soldaten, Zivilisten und Influencer hilft nicht nur bei der Kampfmoral, sie ist auch die Basis für die Anwendung von Open Source Intelligence, durch die alle verfügbaren Informationen ausgewertet werden, um an kriegswichtige Erkenntnisse zu gelangen. Das ukrainische Digitalministerium richtete zudem einen Telegram-Chatbot namens eVororog oder eBopor ein (in etwa: e-Feind), mit dem Nutzer helfen können, die Bewegungen der russischen Truppen zu erfassen.[700] Umgekehrt ist es durch ein neues Gesetz untersagt, Informationen zu veröffentlichen, die die Standorte der ukrainischen Armee offenlegen könnten – nachdem möglicherweise ein Blogger auf TikTok einen russischen Angriff auf ein Shopping-Center mit acht getöteten Zivilisten, Tage nach der Anwesenheit von Militärfahrzeugen, auslöste.[701]

    Das ukrainische Militär stellte die Website russoldat.info auf, auf der es Bilder und Videos von gefallenen und gefangen genommenen russischen Soldaten und zerstörtem russischem Kriegsgerät veröffentlicht. Dort sind auch Hotlines angegeben, über die Verwandte und Angehörige von russischen Soldaten Auskunft erhalten, sofern den ukrainischen Streitkräften Informationen zu gesuchten Personen vorliegen. Auf der Website veröffentlicht das ukrainische Militär außerdem aktuelle Zahlen zu angeblichen Personen- und Materialverlusten der russischen Streitkräfte.[702]

    Als Reaktion auf die Mobilmachung in Russland im September 2022 richtete die ukrainische Regierung eine 24-stündige Hotline namens (übersetzt) Ich will leben für zum Kriegsdienst herangezogene russische Soldaten, die sich in der Ukraine ergeben wollen, ein.[703][704]

    Über den Telegram-Kanal Batman DNR werden unter anonymer Administration Informationen zu Missständen (darunter Entführungen und Zwangsrekrutierungen von Zivilisten) in den proklamierten Volksrepubliken Donezk (DNR) und Lugansk (LNR) geteilt.[245]

    Wolodymyr Selenskyjs Berater Mychajlo Podoljak postete am 3. April unzensierte Bilder aus Butscha auf Twitter, die in ihrer Eindringlichkeit darüber hinausgingen, was in anderen Medien wie z. B. in der englischsprachigen Internetzeitung The Kyiv Independent gezeigt wurde.[705]

    Das US-amerikanische Unternehmen Cloudflare berichtete Anfang April, dass Nachrichtenseiten außerhalb Russlands mit dem Beginn des Ukrainekriegs zunächst ein „exponentielles Wachstum“ verzeichneten: „Dieser Anstieg wurde jedoch innerhalb weniger Tage durch Maßnahmen zur Blockierung des Datenverkehrs zu diesen Websites ausgeglichen.“ Mit Einführung dieser Maßnahmen wechselten jedoch viele russische Bürger auf andere Wege. Die in Russland im März am meisten heruntergeladene App sei jene für einen DNS-Dienst von Cloudflare gewesen, mit der sich eine VPN-Verbindung zu dem Cloudflare-Netzwerk aufbauen lässt, das nicht von Russland gefiltert wird.[706] Die Nutzung bestimmter VPN-Dienste ist in Russland seit dem November 2017 verboten, und bereits 2019 bis 2021 waren 15 VPN-Anbieter, die ihre Daten der russischen Regierung nicht zur Verfügung gestellt hatten, mit einem Verbot belegt worden.[707]

    DesinformationBearbeiten

    Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) meldete am 2. März, dass die Kommentarseiten der SRF-Medien seit Anerkennung der selbsternannten Republiken eine starke Zunahme von Troll-Kommentaren aufwiesen; täglich würden von tausenden gesichteten Kommentaren solche gelöscht, richtiggestellt oder eingeordnet. In Deutschland sei das Problem noch viel größer.[708]

    Mehrere Influencer in Russland machten über die App TikTok wortgleiche Statements, in denen sie den russischen Angriff auf die Ukraine als Befreiungsaktion bezeichneten und rechtfertigten. Eine Recherche ergab, dass dies eine orchestrierte Propaganda war, die über einen Telegram-Kanal organisiert wurde.[709]

    Russischen Hackern gelang es am 16. März, die Website des ukrainischen Nachrichtensenders Ukraine 24 zu hacken und ein Deepfake anstatt der Startseite zu platzieren: Ein gefälschter Selenskyj ruft zum Niederlegen der Waffen auf. Später wurde dieses Video wie auch ein Deepfake mit einer Siegesansprache Putins über soziale Medien verbreitet. Der Facebook-Konzern Meta Platforms hat das gefälschte Selenskyj-Video bereits am selben Tag identifiziert und entfernt.[710]

    Der ukrainische Inlandsgeheimdienst hob Ende März mehrere Bot-Farmen aus. In Charkiw, Tscherkassy, Ternopil und der Region Oblast Transkarpatien entdeckte der SBU (Sluschba bespeky Ukrajiny – Sicherheitsdienst der Ukraine) Bot-Farmen, die mit über 100.000 gefälschten Benutzerkonten in sozialen Medien russische Propaganda verbreiteten. Gezielte Falschinformationen sollten Teile der Ukraine in Panik versetzen und destabilisieren, um den Einmarsch russischer Truppen zu erleichtern. Es wurden über 10.000 SIM-Karten, diverse Laptops, Mobiltelefone und USB-Speicher sichergestellt. Die Daten auf den Laptops und Telefonen würden eine Beteiligung russischer Sicherheitsdienste beweisen.[711]

    Auf Twitter sind russische Regierungskonten massiv an der Verbreitung prorussischer Desinformation beteiligt, unter anderem das russische Außenministerium und die russische Botschaft in den USA. Drei Viertel der Beiträge beschäftigten sich mit dem Ukraine-Krieg – und verbreiten Fake News, mit denen der Angriffskrieg gerechtfertigt werden soll. Unter anderem wird die Behauptung aufgestellt, dass die Ukraine kein souveräner Staat sei und die Regierung von Neonazis unterwandert worden sei. Die Postings werden aufgrund einer Twitter-Sonderregelung für Regierungskonten nicht gelöscht, die schon Donald Trump erlaubte, während seiner Amtszeit als US-Präsident über das offizielle Benutzerkonto zu twittern, während Beiträge auf seinem privaten Konto häufig als Desinformation markiert wurden.[712]

    Laut dem Unternehmen NewsGuard, das Nachrichtenportale nach Desinformation und Vertrauenswürdigkeit bewertet, liefert das Videoportal TikTok den Benutzern „falsche und irreführende Inhalte über den Krieg in der Ukraine, unabhängig davon, ob sie eine Suche auf der Plattform durchführen“. Unter diesen Behauptungen seien „sowohl pro-russische als auch pro-ukrainische Unwahrheiten“.[713]

    Am 9. April 2022 blockierte YouTube den Kanal der russischen Duma wegen eines Verstoßes gegen die Nutzungsbedingungen. Der Duma-Vorsitzende Wolodin und die Sprecherin des Außenministeriums Sacharowa kündigten Vergeltungsmaßnahmen an. YouTube und eventuell dem Mutterkonzern Google droht damit ein Verbot in Russland. „Duma-TV“ hat nach Angaben Moskaus mehr als 145.000 Abonnenten und sendet Ausschnitte aus Parlamentsdebatten und Interviews mit russischen Abgeordneten.[714]

    Nach Angaben der East StratCom Task Force ergab die Analyse des Inhalts von Zehntausenden von Überarbeitungen ausgesuchter Wikipedia-Artikel, dass russische Desinformationskanäle in zahlreichen Artikeln als Bezugspunkte verwendet wurden und werden. Die meisten Artikel, die sich auf kremlnahe Desinformationsdienste beziehen, erscheinen in fünf Sprachversionen von Wikipedia: Russisch (136 Artikel), Arabisch (70), Spanisch (52), Portugiesisch (45) und Vietnamesisch (32).[715]

    Am 25. April 2022 warf Russlands Präsident Putin dem Westen vor, sein Land „von innen heraus“ zerstören zu wollen, und behauptete, der russische Geheimdienst FSB habe einen Mordversuch „einer terroristischen Gruppe“ auf den Fernsehjournalisten Wladimir Solowjow vereitelt.[716] Ein wenige Tage später durch RIA Novosti veröffentlichtes Video einer angeblichen Razzia bei der angeblichen neonazistischen Terrorgruppe lässt aufgrund von Ungereimtheiten vermuten, dass offenbar alles eine Inszenierung war.[717]

    Einer Recherche von T-Online zufolge wurden im Sommer 2022 Websites aufgestellt, die sich als Nachrichtenseiten deutscher, englischer, französischer und italienischer Medien (darunter FAZ, Tagesspiegel, Neues Deutschland, Bild, t-online, Spiegel, Daily Mail, Ansa und 20 Minutes) ausgeben und dabei Falschinformationen verbreiten. Die Websites wurden von abertausenden Kommentaren unter anderem verbreitet auf Websites etablierter Medien (unter anderem betroffen: Tagesspiegel.de, taz.de, BR24.de), auf Parteiwebsites (u. a. betroffen: AfD Berlin), Unternehmens- und Markenwebsites (u. a. betroffen: Mercedes, Vodafone, Nordsee, Weight Watchers, Playboy), auf Internetauftritten von staatlichen Organen (u. a. betroffen: Bundesregierung.de, us-embassy.gov) und Einrichtungen wie Krankenhäusern (u. a. betroffen: Charité), auf Websites von Vereinen (u. a. betroffen: Bund der Steuerzahler) und in sozialen Netzwerken (u. a. betroffen: Facebook und Twitter). Zum Inhalt haben die Fake-Nachrichtenseiten Meldungen zu Themen mit direktem oder indirektem Bezug zum Russisch-Ukrainischen Krieg (u. a. zu Sanktionen gegen Russland, zur Inflation infolge des Krieges, zu steigenden Energiepreisen). Die durch die Kommentare verlinkten Fake-Nachrichten sind auf Meinungsmache gegen die deutsche Bundesregierung, gegen die Ukraine und Ukrainer sowie gegen die Russland-Sanktionen ausgerichtet. Teilweise sind die Kommentare durch Werbung finanziert und vermitteln dadurch umso mehr den Eindruck, offizielle Nachrichtenmeldungen zu sein. Laut dem Institute for Strategic Dialogue (ISD) ist die Desinformationskampagne allein in Deutschland von einem beispiellosen Ausmaß. So wurde eine der tausenden Fake-Anzeigen zwischen 500.000- und 600.000-mal gesehen. T-Online zufolge ist offensichtlich, dass die Desinformationskampagne von einer Troll-Armee aus Russland stammt.[718]

    Ab dem 23. Oktober 2022 begannen die russische Regierung und russische Diplomaten das Narrativ zu verbreiten, dass die ukrainische Regierung mit dem Bau einer „schmutzigen Bombe“ begonnen habe und dass die ukrainische Regierung diese auf eigenem Gebiet unter falscher Flagge einsetzen wolle, um den Einsatz mit radioaktivem Material Russland anzulasten. Die ukrainische Regierung verwies darauf, dass die Ukraine dem Atomwaffensperrvertrag angehöre und dass Russen „oft andere für etwas [beschuldigen], das sie selbst planen“. Eine gemeinsame Erklärung Frankreichs, Großbritanniens und der USA lautete, Russland wolle einen Vorwand für eine weitere Eskalation schaffen.[719][720] Wenige Tage später forderte der russische Präsident Wladimir Putin eine Mission der Internationalen Atomenergie-Organisation in der Ukraine, wegen der angeblichen – von ihm behaupteten – Vorbereitung einer schmutzigen Bombe durch die Ukraine.[721]

    Unterdrückung der Informations-, Meinungs- und MedienfreiheitBearbeiten

    RusslandBearbeiten

    Vor und nach Kriegsbeginn erlassene russische Gesetze verbieten sowohl Kritik als auch die Verbreitung von Informationen, die nicht der offiziellen Darstellung des russischen Staates entsprechen.[722][723] Angewendet wird dabei sowohl ein im Jahr 2019 verabschiedetes Gesetz zur Unterbindung angeblicher Desinformation als auch ein Anfang März 2022 beschlossenes Gesetz, das bei Verstößen bis zu 15 Jahre Haft vorsieht.[724][725]

    Die Website der Studentenzeitschrift DOXA wurde am 28. Februar gesperrt, nachdem auf ihr ein „Handbuch für Antikriegsstreitigkeiten in der Familie und am Arbeitsplatz“ erschienen war mit Argumenten gegen 17 Hauptthesen, die die Intervention in der Ukraine rechtfertigen sollen. Auch die Website Taygi.info. wurde gesperrt,[675][726] wie auch die Seiten Present Time, New Times, Krym.Realii und die russischsprachige Version von Interfax-Ukraine nebst weiteren ukrainischen Publikationen wie der Ukrajinska Prawda. Zuvor hatte die Medienaufsicht verlangt, dass Nowaja gaseta, Doschd, Mediazona und andere Medien Berichte entfernen, in denen die „militärische Spezialoperation“ als Krieg bezeichnet worden war.[723] Dabei handelte es sich um die Einführung einer Kriegszensur ohne Erklärung eines Kriegszustandes oder die Verhängung eines Ausnahmezustandes, so die Senatorin Ljudmila Narussowa.[727]

    Am 1. März 2022 wurde der liberale Radiosender Echo Moskwy vom Netz genommen. Die Generalstaatsanwaltschaft wies die Medienaufsicht an, den Zugang von Doschd zu blockieren.[728][729] Die gesamte Auflage der Lokalzeitung Глобус (Globus), die in Serow mit einem Antikriegscover erscheinen sollte, wurde von der Polizei beschlagnahmt. Die Amtshandlung sollte angefochten werden, um ihre Verfassungswidrigkeit festzustellen.[730]

    Am 4. März schränkte die russische Medienaufsichtsbehörde Roskomnadsor die Informations- und Pressefreiheit in Russland weiter ein. Sie beschränkte den Zugriff auf Websites westlicher Medien (darunter die Deutsche Welle und Radio Swoboda) und russischer Medien, wie Meduza, die ins Exil gezwungen worden waren.[731] Aus Vorsichtsgründen stellten CNN, BBC und CBC ihren Betrieb in Russland temporär ein.[732] ARD und ZDF setzten vom 5. bis 11. März ihre Berichterstattung aus Russland aufgrund des Gesetzes vorläufig aus.[733][734] Die New York Times zog am 8. März eigene Mitarbeiter aus Russland ab.[735] Russland blockierte seinerseits YouTube, Facebook und Twitter für russische Internetnutzer.[736][737] Die Benutzung des Tor-Browsers, mit dem Sperrungen von Websites umgangen werden können, wurde durch die russischen Behörden erschwert, indem sie den einfachen Zugriff auf das Tor-Netzwerk blockierten.[738] Twitter gab hingegen am 8. März im Zuge der Zensurmaßnahmen seinen Dienst im Tor-Netzwerk frei.[739] Am 12. März wurde auch Instagram in Russland blockiert. Instagram war in Russland auch ein beliebter Marktplatz und hatte fünfmal so viele Benutzer wie Facebook.[740] Zuvor hatte das Unternehmen Meta Platforms bekanntgegeben, Hassrede bzw. Aufrufe zur Gewalt gegen russische Soldaten auf Instagram und Facebook für Nutzer in der Ukraine, Russland, Polen, Lettland, Litauen, Estland und Ungarn zu erlauben.[741] Am 21. März kam es zum Verbot von Facebook und Instagram durch die russische Justiz.[742]

    Die Nowaja gaseta, bis zur Einstellung am 28. März eines der letzten verbliebenen freien Medien, kündigte an, Informationen zu Russlands Militäraktionen in der Ukraine von ihrer Website zu entfernen, jedoch über die Folgen der jüngsten Entwicklungen für Russland, wie die sich verschärfende Wirtschaftskrise und die Verfolgung von Dissidenten, zu berichten.[736][737] Eine journalistische Berichterstattung zu jeglichen Aspekten der Streitkräfte sei laut Nowaja gaseta unter dem Gesetz vom 4. März nicht möglich, da jegliche Äußerung, wie ein Aufruf zum Frieden, indirekt als Verstoß gegen das Verbot, den Konflikt als Krieg zu bezeichnen, sowie als Wehrkraftzersetzung ausgelegt werden könnte.[743]

    Am 16. März sperrte die russische Medienaufsichtsbehörde Roskomnadsor 30 Websites von mindestens 13 russischen und ausländischen Medien (darunter Nowyje Iswestija, Permdaily, BBC, bellingcat).[744][745]

    Zwei Tage später wurde bekannt, dass TikTok ausländische Inhalte für russische Benutzer sperrte. Dadurch seien 95 Prozent der Inhalte für russische Benutzer verschwunden. Tiktok in Russland wurde dadurch zu einem Ort durch kremltreue Influencer sowie durch staatliche Stellen hochgeladener russischer Propaganda.[746]

    In der vorletzten Märzwoche trat ein von der Duma beschlossenes Gesetz in Kraft, das für die Veröffentlichung von angeblichen Falschinformationen über Auslandsaktionen des russischen Staates ebenfalls Haftstrafen von bis zu 15 Jahren vorsieht.[747]

    Bereits das Setzen des Wortes Sonderoperation in Anführungszeichen wurde von einem russischen Gericht als „Diskreditierung der Streitkräfte“ gewertet und folglich mit einer Geldstrafe belegt.[748]

    Zensur der WikipediaBearbeiten

    Aufgrund des Artikels über den russischen Überfall auf die Ukraine drohte die Medienaufsicht Roskomnadsor am 1. März 2022 mit der Sperrung der Wikipedia, falls ihrer Ansicht nach fehlerhafte Informationen über die Opfer russischer Soldaten und militärische Gewalt gegen Zivilisten nicht gelöscht würden. Die Wikimedia Foundation wies die Forderung umgehend zurück: Die Wikipedia sei eine wichtige Quelle für zuverlässige, faktisch richtige Informationen, gerade in Krisensituationen. Insofern könne man solchen Einschüchterungsversuchen auf keinen Fall nachgeben.[749][750][751] Am 2. März wurde die in Russland beheimatete Seite Wikimapia geschlossen;[752] am 11. März wurde der Blogger und Wikipedianer Mark Bernstein in Belarus verhaftet, weil er „gefälschtes antirussisches Material“ vertreibe.[753] Maggie Dennis, eine Vize-Präsidentin der Wikimedia Foundation, erklärte in einer Stellungnahme vom 11. März, dass es Versuche gebe, Wikipedia-Autoren zu identifizieren, deren Aktivitäten der russischen Darstellung des Krieges widersprechen. Die Stiftung wende sich entschieden gegen alle Bemühungen, die Weitergabe nachprüfbarer Informationen zu behindern. Dennis empfiehlt Wikipedia-Autoren dennoch, sich selbst und einander online zu schützen und darauf zu achten, „welche Informationen sie über sich selbst auf Wikimedia-Plattformen teilen und wie ihre Wikimedia-Aktivitäten mit ihrer persönlichen Identität in Verbindung gebracht werden können“.[754]

    Festnahme von DemonstrantenBearbeiten

    Nach Angaben der deutschen Tagesschau vom 13. März 2022 wurden russlandweit mindestens 14.000 Menschen bei Demonstrationen gegen den Krieg festgenommen.[755][756] Unter den Verhafteten war mit Jelena Ossipowa eine Überlebende der Leningrader Blockade.[757]

    UkraineBearbeiten

    Am 15. März weitete das für Medien zuständige ukrainische Staatskomitee das Importverbot für Druckerzeugnisse aus Russland auf alle Produkte aus Russland aus, um deren Einfluss auf die ukrainische Bevölkerung zu unterbinden. Filme mit positiver Darstellung russischer und sowjetischer Staatsorgane, darunter auch Hollywood-Filme,[758] und Bücher russischer Nationalisten wie Dugin oder Limonow waren schon seit 2015 verboten.[759]

    Ab 26. Februar sendeten die vier größten Medienunternehmen 1+1 media, StarLightMedia, Media Group Ukraine und Inter Media Group vereinigt unter dem Titel United News. Alle übrigen sollten für die Dauer des Kriegsrechts mittels eines Dekrets vom 19. März 2022 folgen.[760][761]

    LiteraturBearbeiten

    WeblinksBearbeiten

    Commons: Russischer Überfall auf die Ukraine 2022 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
    Wikisource: Order of 16 March 2022 – Quellen und Volltexte (englisch)

    EinzelnachweiseBearbeiten

    1. Amanda Coakley: Lukashenko Is Letting Putin Use Belarus to Attack Ukraine. Foreign Policy, 24. Februar 2022 (englisch).
    2. Warum die mehrfach von Russland geforderte und von der Ukraine als unmittelbar bevorstehend erwartete militärische Einmischung von Belarus ausblieb, ist umstritten. Nach Siarhei Bohdan: Belarusische Armee: „Schrödingers Katze“ des russisch-ukrainischen Krieges. In „Belarus-Analysen“ 59 (22. März 2022) lag es an Lukaschenkas hinhaltendem Taktieren, der seine marode Armee nicht gefährden wollte, nach Patrick Dieckmann: Plan ging schief. Belarus verpasst Wladimir Putin eine doppelte Ohrfeige. In T-online-Nachrichten vom 4. April 2022 waren zahlreiche aktive Verweigerungen in der belarussischen Armee, sich an dem in Belarus sehr unpopulären Krieg zu beteiligen, der Grund, dass der geplante Einsatzbefehl letztlich nicht erteilt wurde. Jedenfalls gab die nicht aktive militärische Beteiligung von Belarus den letzten Ausschlag, dass sich die erfolglose russische Armee um Kiew, Tschernihiw und Sumy zurückzog.
    3. Maximilian Hess: Restive Caucasus Sees Signs of Discontent with Putin’s War. Foreign Policy, 25. Mai 2022, abgerufen am 4. Juni 2022.
    4. Julian E. Barnes: Russia Positioning Helicopters, in Possible Sign of Ukraine Plans. In: The New York Times. 10. Januar 2022, abgerufen am 25. Februar 2022 (englisch).
    5. Shashank Bengali: The U.S. says Russia’s troop buildup could be as high as 190,000 in and near Ukraine. In: The New York Times. 18. Februar 2022, abgerufen am 25. Februar 2022 (englisch).
    6. Russia deploys up to 20,000 mercenaries in battle for Ukraine’s Donbas region. 19. April 2022, abgerufen am 30. April 2022 (englisch).
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    44. Thomas Gutschker: Ukraine-Krise: Russland setzt Truppenaufmarsch fort. In: FAZ. 10. Januar 2022, abgerufen am 18. Januar 2022: „Langsam, aber stetig zieht Moskau immer mehr Truppen nahe der Ukraine zusammen. Die NATO dämpft Erwartungen an die Gespräche in dieser Woche.“
    45. Russland-Ukraine-News: Uno-Vollversammlung offenbar vor Einberufung einer Notfall-Sondersitzung. In: Der Spiegel. 26. Februar 2022 (spiegel.de [abgerufen am 27. Februar 2022]).
    46. Blinken und Lawrow wollen diplomatische Bemühungen fortsetzen. MDR, 21. Januar 2022.
    47. Die Stimmlage der Russen wird immer schriller, Tages-Anzeiger, 14. Januar 2022, S. 7
    48. Nato: Russland zieht laut Nato weiter Truppen zusammen. In: Zeit.de. Abgerufen am 20. Januar 2022.
    49. a b Gemeinsames Militärmanöver: Russische Truppen in Belarus eingetroffen. In: Tagesschau.de. 18. Januar 2022, abgerufen am 19. Januar 2022.
    50. a b Ukraine-Krise im UN-Sicherhetsrat: USA und Russland geraten aneinander. In: tagesschau.de. 31. Januar 2022, abgerufen am 31. Januar 2022: „Bis zuletzt hatte Moskau versucht, die Beratungen im UN-Sicherheitsrat über den Ukraine-Konflikt zu verhindern – erfolglos. Anschließend kam es zum heftigen Schlagabtausch zwischen Russland und den USA.“
    51. a b Grenze zur Ukraine: Russland setzt laut Geheimdiensten Aufmarsch in hohem Tempo fort. In: Die Welt. 27. Januar 2022, abgerufen am 28. Januar 2022: „Westliche Geheimdienste gehen davon aus, dass sich mittlerweile 112.000 bis 120.000 russische Soldaten an der Grenze zur Ukraine befinden.“
    52. Russische Forderungen nach Sicherheitsgarantien: Kreml reagiert verhalten auf Antworten von Nato und USA. In: Spiegel Online. 27. Januar 2022, abgerufen am 31. Januar 2022: „Die Nato-Staaten haben Russland Vorschläge für eine Verbesserung der Beziehungen übermittelt. In einem wichtigen Punkt gebe es keine positive Aussage, hieß es in Moskau.“
    53. A. Stein, H. Wagner, C. Jacke: Ukraine irritiert USA: „Fahren bei uns etwa Panzer herum?“ – „Müssen heute die Wirtschaft unseres Landes stabilisieren“. In: t-online-Website »Politik«. Ströer Digital Publishing GmbH, 1. Februar 2022, abgerufen am 6. Februar 2022: „Während die Nato immer wieder vor einem russischen Einmarsch warnt, gibt sich ausgerechnet der ukrainische Präsident plötzlich gelassen. Vor allem in den USA sorgt das für Verwunderung. Was will Selenskyj?“
    54. Ukraine: Zwischen Gelassenheit und Nervosität. In: Weltspiegel. ARD, 6. Februar 2022, abgerufen am 7. Februar 2022.
    55. Cindy Boden: Ukraine: Wladimir Klitschko meldet sich als Reservist – und fürchtet im Kriegsfall gigantische Folgen. In: Merkur.de. 4. Februar 2022, abgerufen am 7. Februar 2022.
    56. Kristina Thomas im Tagesspiegel, 1. November 2022, S. 3, mit Bezug auf die Ärztin Maria Dmitrieva
    57. China Asked Russia to Delay War Until After Olympics, U.S. Officials Say. The New York Times, 2. März 2022.
    58. 2022, Wetterverlauf in Kiew
    59. »Normandie-Format« zu Donbass-Konflikt: Russland fordert Ukraine zum Dialog mit Separatisten auf. In: Der Spiegel. 27. Januar 2022 (spiegel.de [abgerufen am 27. Januar 2022]).
    60. «Попытки через угрозы заставить „полюбить“ РФ и ее руководство крайне опасны». Глава «Общероссийского офицерского собрания» обвинил Путина в провоцировании войны с Украиной. Meduza, 6. Februar 2022.
    61. Normandie-Gespräche enden ohne Ergebnis. RND, 11. Februar 2022.
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    63. Grenzgebiet zur Ukraine: Russland beginnt Militärmanöver mit Belarus. In: Der Spiegel. 10. Februar 2022 (spiegel.de [abgerufen am 11. Februar 2022]).
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    65. a b c Großbritannien rät Staatsangehörigen zum Verlassen der Ukraine. In: Der Spiegel. 11. Februar 2022 (spiegel.de [abgerufen am 11. Februar 2022]).
    66. Sorge vor russischer Invasion: US-Präsident Biden fordert Amerikaner zum sofortigen Verlassen der Ukraine auf. In: Der Spiegel. 11. Februar 2022 (spiegel.de [abgerufen am 11. Februar 2022]).
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    68. Ukraine-Update: Russlands Außenminister Lawrow wirft USA eine »Propagandakampagne« vor. In: Spiegel Online, 12. Februar 2022, abgerufen am 12. Februar 2022.
    69. Alexander Sarovic, Max Heber: Sicherheitskrise in Europa: Wo die Nato-Partner ihre Truppen verstärken. In: Der Spiegel. 16. Februar 2022 (spiegel.de [abgerufen am 18. Februar 2022]).
    70. Maik Baumgärtner, Matthias Gebauer, Martin Knobbe, Fidelius Schmid: Ukraine-Konflikt: CIA rechnet mit russischem Angriff kommende Woche. In: spiegel.de. 11. Februar 2022, abgerufen am 7. März 2022.
    71. Ukraine erklärt kommenden Mittwoch zum Nationalfeiertag – nach Warnung der USA vor einem Angriff. In: spiegel.de. 14. Februar 2022, abgerufen am 15. Februar 2022.
    72. Thomas Knellwolf, Lise Bailat: «In der Schweiz sind Dutzende russische Offiziere aktiv». Interview mit dem Schweizer Geheimdienstchef Christian Dussey. Tages-Anzeiger, 27. Juni 2022.
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    74. Alexander Hug: Der Krieg hat nie aufgehört. Tages-Anzeiger, 21. Februar 2022, S. 6.
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    80. Patrick Diekmann: Münchner Sicherheitskonferenz: Ein fatales Signal. In: T-Online.de. 19. Februar 2022, abgerufen am 20. Februar 2022.
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    82. Ukraine-News am Samstag: Deutsche sollen Ukraine »dringend« verlassen. In: Der Spiegel. 19. Februar 2022 (spiegel.de [abgerufen am 19. Februar 2022]).
    83. China betont Souveränität der Ukraine. In: tagesschau.de. 19. Februar 2022, abgerufen am 19. Februar 2022.
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    85. „Einer von uns lügt“ – Die Rede des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj auf der Münchner Sicherheitskonferenz im Wortlaut. In: Berliner Zeitung. 20. Februar 2022, abgerufen am 14. September 2022.
    86. Geopolitik: Selenskyj sagt zwischen den Zeilen allen anderen: „F… you!“ In: Berliner Zeitung, Online-Ausgabe, 21. Februar 2022, abgerufen am 26. März 2022.
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    113. Darum haben Putins Truppen Cherson verloren. Blick, 10. November 2022: „Der russische Militärexperte Jan Matwjejew glaubt, dass Putin versuchen werde, «die Front überall einzufrieren», um dann Verhandlungen zu führen und einen Waffenstillstand zu erreichen.“
    114. Luhansk und Donezk setzen „Referenden“ an. In: tagesschau.de. 20. September 2022, abgerufen am 20. September 2022.
    115. Cherson und »Volksrepubliken« im Donbass wollen Referenden zu Beitritt zu Russland inszenieren. In: Der Spiegel. 20. September 2022 (spiegel.de [abgerufen am 20. September 2022]).
    116. „Dies ist kein Bluff“: Putins Rede an die russische Bevölkerung im Wortlaut. In: Der Tagesspiegel Online. (tagesspiegel.de [abgerufen am 21. September 2022]).
    117. Oliver Scheel: Ukraine: Darum sind die geplanten „Referenden“ illegal. In: WDR. 21. September 2022, abgerufen am 21. September 2022.
    118. „Referenden“ beendet: Alle Regionen sollen für Anschluss gestimmt haben. In: tagesschau.de. 28. September 2022, abgerufen am 28. September 2022.
    119. Selenskyj fordert Russen dazu auf, Putin zu stoppen. In: Der Spiegel. 29. September 2022 (spiegel.de [abgerufen am 29. September 2022]).
    120. Kreml kündigt Annexion am Freitag an. In: tagesschau.de. 29. September 2022, abgerufen am 29. September 2022.
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    127. Reuters: в начале войны Дмитрий Козак договорился с Украиной, что она не вступит в НАТО. Путин отказался от этого соглашения и продолжил войну. Meduza, 13. Oktober 2022.
    128. Von Diplomatie ist nicht mal mehr die Rede. WOZ, 9. Juni 2022.
    129. Елизавета Фохт, Святослав Хоменко: «Мира не может быть вообще». Чем и почему закончились переговоры России и Украины („Frieden kann überhaupt nicht sein.“ Wie und warum die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine endeten). BBC News, Русская Служба, 15. August 2022.
    130. Оксана Тороп: Леонид Кучма: "Путин хотел уничтожить Украину, а получит наше второе рождение". (Leonid Kutschma: „Putin wollte die Ukraine zerstören, aber er wird unsere Wiedergeburt bekommen“). BBC News, Русская Служба, 4. August 2022.
    131. Selenskyj: Verhandlungen mit Putin unmöglich. ZDF, 4. Oktober 2022.
    132. „Da wusste ich, dass er einen großen Krieg beginnen wird“. Interview des Spiegel mit Michel Eltchaninoff. Ausgabe 15/2022, 9. April 2022, S. 116–119 (online auf Spiegel Kultur, 8. April 2022, abgerufen am 14. April 2022).
    133. Migurl Sanches: Putins Ziele: Warum Russland die Ukarine angegriffen hat. 2. März 2022.
    134. Russland-Ukraine-Konflikt: Warum wirft Putin der NATO vor, Absprachen gebrochen zu haben? Deutschlandfunk, 22. Februar 2022.
    135. Ukraine-Konflikt: Putin stellt Forderungen an die Nato. In: RND. 1. Dezember 2021, abgerufen am 26. Februar 2022.
    136. Peter Jungblut: „Geschichtsstunde“: So wollen russische Medien Ukraine aufteilen. Bayerischer Rundfunk, 2. März 2022.
    137. Maria Kotsev: Putin fordert „Demilitarisierung“ der Ukraine – und ein Ende der Diplomatie. In: Tagesspiegel Online. 22. Februar 2022, abgerufen am 26. Februar 2022.
    138. Ursula Schröder: Zeitenwende, ipg-journal, 15. März 2022
    139. Rudi Schmidt: Putins Rechtfertigungsrede vom 24. Februar für seinen Krieg gegen die Ukraine – Kommentar. In: PROKLA – Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft. Band 52, Nr. 3, 3. März 2022, ISSN 2700-0311, doi:10.32387/prokla.OF1 (prokla.de [abgerufen am 13. März 2022]).
      Kriegserklärung. Die Ansprache des russländischen Präsidenten am Morgen des 24.2.2022. In: Osteuropa (zeitschrift-osteuropa.de). 24. Februar 2022, abgerufen am 8. April 2022: „Es gibt historische Dokumente, die nur in wissenschaftlichen Quelleneditionen erscheinen dürfen. Sie sind von solch demagogischem Charakter, dass jedes Wort einer wissenschaftlichen Einordnung bedarf. Die Ansprache, die Russlands Präsident Vladimir Putin am frühen Morgen des 24. Februar 2022 zur Begründung des Überfalls auf die Ukraine gehalten hat, gehört in diese Kategorie.“
    140. Russian troops held me captive at gunpoint for two weeks in Ukraine. Here’s what I learned. breakingdefense.com, 4. Mai 2022.
    141. Dmitri Alperovitch: The Dangers of Putin’s Paranoia. Why Isolation Encourages Escalation. In: Foreign Affairs. 18. März 2022, abgerufen am 14. Mai 2022 (englisch).
    142. Selenskyj-Interview: „Haben Paradeuniformen in russischen Konvois gefunden“ – Russland stoppt Veröffentlichung. In: rnd.de. RedaktionsNetzwerk Deutschland, 27. März 2022, abgerufen am 2. September 2022.
    143. Russland will volle Kontrolle über Donbass und Süd-Ukraine. In: zeit.de. 22. April 2022 (zeit.de [abgerufen am 23. April 2022]).
    144. „Toilette stehlen und sterben“. Selenskyj witzelt beißend über russischen Lebenstraum. In: n-tv.de. 23. April 2022, abgerufen am 24. April 2022.
    145. Neues Ziel für Putin? Sorge um Eskalation in Moldau: Parallelen zur Ukraine sind erschreckend. In: focus.de. 26. April 2022, abgerufen am 27. April 2022.
    146. Lawrow: Kriegsziele gehen weit über den Donbass hinaus. DPA, 25. Juli 2022.
    147. Maria Kotsev: Panne bei russischen Staatsmedien offenbart Kalkulationen des Kremls. tagesspiegel.de, 28. Februar 2022, abgerufen am 8. April 2022 (Der Kommentar wurde noch am 27. Februar 2022 wieder aus dem Internet genommen, ist aber im Internet-Archiv noch auf Russisch und Englisch abrufbar.).
    148. „Ria Novosti“ ruft zur Vernichtung der Ukraine auf. tagesspiegel.de, 7. April 2022, abgerufen am 8. April 2022.
    149. Grzegorz Rossoliński-Liebe: Stepan Bandera und die gespaltene Erinnerung an die Gewalt in der Ukraine. Gerda Henkel Stiftung, 19. Februar 2022, abgerufen am 11. April 2022.
    150. Moritz Rudolph: Der Bruder als trojanisches Pferd? In: Philosophie Magazin. 16. Mai 2022, abgerufen am 21. Mai 2022.
    151. Julia Monn: Es herrscht bereits Krieg – fünf Grafiken zum stillen Leid in der Ukraine. NZZ, 19. Februar 2022.
    152. Где мы были 8 лет. Как отвечать на пропаганду Кремля о войне. (Wo wir seit 8 Jahren sind. Wie man auf die Kriegspropaganda des Kremls reagiert.) The Insider, 21. März 2022.
    153. Christian Schaller: Russischer Angriff auf die Ukraine: Zeitenwende für die euro-atlantische Sicherheit. Russlands völkerrechtliche Argumentation. Stiftung Wissenschaft und Politik, 28. Februar 2022, abgerufen am 8. März 2022.
    154. a b c d Andreas Zumach: Putins Krieg, Russlands Krise. In: Le Monde diplomatique. 10. März 2022, abgerufen am 14. März 2022.
    155. Enver Robelli: Wie Putin die Balkan-Geschichte manipuliert. Tages-Anzeiger, 1. März 2022.
    156. vgl. Hans-Joachim Hoppe: Russland und der Jugoslawienkonflikt. Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien, Bericht Nr. 14/1997.
    157. a b Joscha Weber, Andrea Grunau, Matthias von Hein, Eugen Theise: Putins Kriegsgründe im Faktencheck. In: dw.com. 25. Februar 2022, abgerufen am 25. Februar 2022.
    158. Martin Schulze Wessel: Ein historischer Autodidakt, der die Freiheit fürchtet. Gastbeitrag. In: zeit.de. 26. Februar 2022, abgerufen am 14. März 2022.
    159. Vom Euromaidan bis zum Putin-Beben: Wie sich der Konflikt zwischen Moskau und Kiew zuspitzte. In: Redaktionsnetzwerk Deutschland. 23. Februar 2022, abgerufen am 25. Februar 2022.
    160. Ellen Ivits: „Geschenke der russischen Zaren“: Karte aus russischem TV könnte Putins Plan entlarven. In: Stern.de. 24. Februar 2022, abgerufen am 25. Februar 2022.
    161. a b Vladimir Putin: Rede an die Nation vom 21.2.2022. (Nicht mehr online verfügbar.) Osteuropa (Zeitschrift), 21. Februar 2022, archiviert vom Original am 24. Februar 2022; abgerufen am 20. März 2022 (Rede vom 21. Februar 2022, wiederholt in seiner Rede vom 24. Februar.).
    162. Putin stemmt sich gegen den Lauf der Geschichte. Tages-Anzeiger, 17. März, S. 2–3, Karl Schlögel: „Das meiste, was er sagt, ist einfach lächerlich, wie zum Beispiel die Erfindung der Ukraine durch Lenin.“
    163. a b Ines Eisele: Faktencheck: Putins Blick auf die Geschichte der Ukraine. In: dw.com. 24. Februar 2022, abgerufen am 25. Februar 2022.
    164. Zentralrat der Juden in Deutschland K.d.ö.R.: »Zynische und tückische Lüge«. In: juedische-allgemeine.de. 4. März 2022, abgerufen am 6. März 2022.
    165. Internationales Auschwitz Komitee: Putins zynische und tückische Lüge zur Begründung seiner Invasion der Ukraine : Internationales Auschwitz Komitee : Erinnern an gestern, Verantwortung für morgen. In: auschwitz.info. 26. Januar 2015, abgerufen am 6. März 2022 (s. a. juedische-allgemeine.de, 4. März 2022, „Zynische und tückische Lüge“).
    166. a b c d Putin using false ‘Nazi’ narrative to justify Russia’s attack on Ukraine, experts say. In: nbcnews.com. 24. Februar 2022, abgerufen am 2. März 2022 (englisch).
    167. Zentralrat der Juden in Deutschland K.d.ö.R.: Oberrabbiner stellt sich gegen Putins Krieg. In: juedische-allgemeine.de. 3. März 2022, abgerufen am 3. März 2022.
    168. Museum Condemns Russia’s Invasion of Ukraine. In: ushmm.org. 24. Februar 2022, abgerufen am 28. Februar 2022.
    169. a b Osteuropa-Historiker Philipp Ther über den Krieg in der Ukraine. ndr.de, 1. März 2022.
    170. Michael Thaidigsmann: Selenskyj an Juden weltweit: „Schweigt nicht länger!“ In: juedische-allgemeine.de. 2. März 2022, abgerufen am 2. März 2022.
    171. Andreas Stein: Offizielle Ergebnisse der vorgezogenen Parlamentswahlen 2019 – Politik – Ukraine-Nachrichten. In: ukraine-nachrichten.de. 26. Juli 2019, abgerufen am 6. März 2022.
    172. Andreas Umland: Analyse: Der ambivalente Aufstieg einer ukrainischen „unzivilen Gesellschaft“ nach dem Euromaidan. Bundeszentrale für politische Bildung, 6. Januar 2020, abgerufen am 8. April 2022.
    173. Natascha Strobl: Warum spricht Putin von „Entnazifizierung“? Momentum Institut, 16. März 2022, abgerufen am 8. April 2022.
    174. Andreas Umland: Analyse: Der ambivalente Aufstieg einer ukrainischen „unzivilen Gesellschaft“ nach dem Euromaidan. Bundeszentrale für politische Bildung, 6. Januar 2020, abgerufen am 8. April 2022.
    175. Vyacheslav Likhachev: The Far Right in the Conflict between Russia and Ukraine. In: Russie.Nei.Visions, No. 95. Institut français des relations internationales (Ifri), Juli 2016, abgerufen am 19. April 2022 (englisch).
    176. Michaela Wiegel: „Wladimir, Du erzählst Lügen“. Frankfurter Allgemeine, FAZ.NET, 3. März 2022, abgerufen am 4. März 2022.
    177. Thielko Grieß: Russische Desinformation: Warum spricht Putin von „Nazis“ und „Genozid“? Deutschlandfunk, 26. Februar 2022.
    178. Amy Walker: Putin zur Ukraine: „Entnazifizierung“ und „Entmilitarisierung“ – Was will Russland im Krieg erreichen? Südwest Presse, 28. Februar 2022.
    179. Juliane Fürst: Die Ukraine, Putin und die Rhetorik des Krieges – Geschichte der Gegenwart. In: Geschichte der Gegenwart. 13. März 2022, abgerufen am 18. März 2022 (Übersetzung Svenja Goltermann und Philipp Sarasin. Der Beitrag erschien zuerst am 26. Februar 2022 auf dem New Fascism Syllabus und wurde von der Autorin für die deutsche Publikation überarbeitet.): „Putins Verwendung des Begriffs „Entnazifizierung“ lässt erahnen, was für eine Ukraine er sich nach seinem Krieg vorstellt. Unter dem Deckmantel eines Begriffs, der in der ganzen Welt als Zeichen für die Wiederherstellung von Gerechtigkeit verstanden wird, plant Putin für die Ukrainer:innen nicht nur, die physische Realität eines Lebens im eigenen Staat zu zerstören, sondern auch ihr Selbstverständnis als Volk zu vernichten. Ihr Selbstverständnis als eine unabhängige Nation ist in seiner Wahrnehmung per se unmoralisch und deshalb den Verbrechen der Nazis gleichzusetzen.“
    180. Putins Nazi-Erzählung über die Ukraine. ORF, 27. Februar 2022.
    181. Decision of the Court on requests for interim measures in individual applications concerning Russian military operations on Ukrainian territory. In: hudoc.echr.coe.int. 4. März 2022, abgerufen am 19. März 2022 (englisch).
    182. International Court orders Russia to ‘immediately suspend’ military operations in Ukraine. In: news.un.org. 16. März 2022, abgerufen am 19. März 2022 (englisch).
    183. Statement of ICC Prosecutor, Karim A.A. Khan QC, on the Situation in Ukraine: Receipt of Referrals from 39 States Parties and the Opening of an Investigation. In: icc-cpi.int. 2. März 2022, abgerufen am 19. März 2022 (englisch).
    184. Aggression against Ukraine : resolution / adopted by the General Assembly. Abstimmungsergebnis. Abgerufen am 11. Juni 2022.
    185. A/RES/ES-11/1 Resolution der Generalversammlung, verabschiedet am 2. März 2022. (PDF; 163 kB) Abgerufen am 11. Juni 2022.
    186. Yannik Sprecher, Denise Brühl-Moser: Der Ukraine-Konflikt und das Völkerrecht. Uni Nova, Universität Basel, 2015, S. 32–33.
    187. Simon Gauseweg: Russland-Ukraine-Konflikt: „Die Ukraine hatte nie eine ständige Tradition eigener Staatlichkeit.“ Legal Tribune Online, 23. Februar 2022.
    188. Sarah Leclercq, Felix W. Zimmermann: Internationale Gerichte und Ukraine-Krieg: Können Russland und Putin verurteilt werden? Legal Tribune Online, 2. März 2022.
    189. Optionen des Westens im Ukraine-Krieg: „Militärischer Beistand auch ohne UN-Resolution möglich.“ Legal Tribune Online, 1. März 2022.
    190. IGH zur Klage gegen Russland: Prozess zum Ukrainekrieg startet kommende Woche. In: Legal Tribune Online. 2. März 2022, abgerufen am 7. März 2022.
    191. Allegations of Genocide under the Convention on the Prevention and Punishment of the Crime of Genocide (Ukraine v. Russian Federation). In: icj-cij.org. Abgerufen am 7. März 2022 (englisch, französisch, Pressemitteilungen des Internationalen Gerichtshofes zum anhängigen Fall).
    192. Samuel Kirsch: Klage der Ukraine – Russland muss sich in Den Haag verantworten. In: zdf.de. 7. März 2022, abgerufen am 7. März 2022.
    193. Russland muss Krieg in der Ukraine stoppen. In: spiegel.de. 16. März 2022, abgerufen am 16. März 2022.
    194. IGH erlässt vorläufige Maßnahmen zum Ukraine-Krieg: Russland muss Militärgewalt sofort einstellen. In: LTO.de. 16. März 2022, abgerufen am 16. März 2022.
      Allegations of Genocide under the Convention on the Prevention and Punishment of the Crime of Genocide (Ukraine v. Russian Federation) – The Court indicates provisional measures. Internationaler Gerichtshof. Pressemitteilung Nr. 2022/11 vom 16. März 2022. Abgerufen am 16. März 2022.
    195. Einundzwanzigster Tag der Feindseligkeiten in der Ukraine. Die Hauptsachen. Nowaja gaseta, 16. März 2022.
    196. a b Statement of ICC Prosecutor, Karim A.A. Khan QC, on the Situation in Ukraine: “I have decided to proceed with opening an investigation.” In: icc-cpi.int. Internationaler Strafgerichtshof, 28. Februar 2022, abgerufen am 2. März 2022 (englisch).
    197. №61219/35-673-984. Schreiben. Botschaft der Ukraïne, Den Haag 9. April 2014 (icc-cpi.int [PDF; 689 kB; abgerufen am 21. November 2022]).
    198. Pavlo Klimkin: Dear Mr. von Hebel. Schreiben. Außenministerium der Ukraïne, Kiew 8. September 2015 (icc-cpi.int [PDF; 2,3 MB; abgerufen am 21. November 2022]).
    199. Internationaler Strafgerichtshof: Ermittlungen zu möglichen Kriegsverbrechen in der Ukraine aufgenommen. In: Die Zeit. 3. März 2022, abgerufen am 3. März 2022.
    200. Sarah Leclercq, Felix W. Zimmermann: Internationale Gerichte und Ukraine-Krieg: Können Russland und Putin verurteilt werden? In: LTO. 2. März 2022, abgerufen am 3. März 2022.
    201. Andrée-Marie Dussault: Carla Del Ponte: «Poutine est un criminel de guerre». Le Temps, 2. April 2022, abgerufen am 2. April 2022.
    202. Ukraine-Krise: Bundesanwaltschaft ermittelt zu möglichen Kriegsverbrechen. Passauer Neue Presse, 8. März 2022.
    203. Gregor Schwung: Wie Karlsruhe Putin Kriegsverbrechen nachweisen will. In: Die Welt. 17. März 2022, abgerufen am 18. März 2022.
    204. vgl. Christian Ritscher: Aktuelle Entwicklung in der Strafverfolgung des Generalbundesanwalts auf dem Gebiet des Völkerstrafrechts. ZIS 2019, S. 599–601.
    205. UN-Chef: Ukraine-Krieg eine der größten Bedrohungen für Weltfrieden. In: handelsblatt.com. 5. April 2022, abgerufen am 5. April 2022.
    206. Robert Roßmann: Steinmeier gesteht Fehler in Russland-Politik ein. In: sueddeutsche.de. Süddeutsche.de, 4. April 2022, abgerufen am 5. April 2022.
    207. Mark C. Fischer, Peter Walkenhorst: Germany’s 180° Turn on Foreign and Security Policy in the Wake of Russia’s War Against Ukraine – European and Transatlantic Implications. In: globaleurope.eu. Bertelsmann Stiftung, abgerufen am 2. April 2022 (englisch).
    208. Suzanne Lynch, Jacopo Barigazzi: The end of neutrality. In: politico.eu. 24. März 2022, abgerufen am 2. April 2022 (englisch).
    209. Jackie Enzmann: The Ukraine crisis as seen from Europe and Asia. In: spf.org. The Sasakawa Peace Foundation, 18. März 2022, abgerufen am 2. April 2022 (englisch).
    210. Johannes Plagemann: Westmächte im Ukraine-Krieg: Wir sind nicht alle. In: Zeit Online. 28. März 2022, abgerufen am 2. April 2022.
    211. a b Putin hat sich verrechnet. Doch der Westen ebenso. Die Welt steht vor einer Zeitenwende. NZZ, 2. März 2022.
    212. Ганапольское. Итоги без Евгения Кислева. Echo Moskwy, 27. Februar 2022.
    213. Sie lügen nicht. Sie denken so. Nowaja gaseta, 28. Februar 2022.
    214. Ich rechne mit heftigem Widerstand der Ukraine. Tages-Anzeiger, 25. Februar 2022, S. 10.
    215. «Putin unterschätzt den Widerstand»: Kriegs-Experte rechnet mit langem Kampf. Watson, 26. Februar 2022: „Angesichts der letzten beiden Ansprachen, wo er teilweise die Fassung verlor, fragt man sich schon: Ist er verrückt geworden?“
    216. Prof. Dr. Michael Staack: „Es wird für sehr viele Jahre keine gemeinsame Sicherheit mit Russland geben“. Interview-Video, Hamburg1, 24. Februar 2022, Minute 2:43.
    217. Putin popularity could plummet – Russian policy expert. BBC News, 26. Februar 2022.
    218. „Putin ist nicht mehr Herr der Lage“. Interview mit Jörg Baberowski. Wiener Zeitung, 6. März 2022 (aktualisiert am 7. März), abgerufen am 19. März 2022.
    219. Michael Schilliger: Wieso wir Kriege führen. Interview mit Richard Ned Lebow. In: Neue Zürcher Zeitung. 19. März 2022 (nzz.ch): „Kriegsherren stellen sich zu Beginn selten eine grosse Eskalation vor. […] Das Problem jetzt ist, dass für ihn das Überleben als politischer Führer auf dem Spiel steht. Eine lange Pattsituation kann er sich auch nicht leisten. […] Er glaubt also, dass er schnell gewinnen muss. Um das zu erreichen, eskaliert er und wendet jede Art von Gewalt an, die er für geeignet hält.“
    220. Historiker Andreas Rödder: „Das ist eine tiefere Zäsur als der 11. September 2001“. Interview, Redaktionsnetzwerk Deutschland, 28. Februar 2022.
    221. Putins Forderungen sind unrealistisch. In: FAZ.NET. 12. Dezember 2021, abgerufen am 26. Februar 2022.
    222. Ellen Ivits: Pervertiert und entstellt: Wie Putin die Geschichte manipuliert und wer diese Taktik schon mal verwendet hat. stern.de, 23. Februar 2022.
    223. Ellen Ivits: „Putin hat den Rubikon überschritten“: Was der Welt droht, wenn er jetzt nicht gestoppt wird. stern.de, 24. Februar 2022.
    224. Ukraine and the Clash of Civilisation theory. Interview mit Olivier Roy. Nach einem französischsprachigen Artikel in Le Nouvel Observateur. In: eui.eu. 10. März 2022, abgerufen am 19. April 2022 (englisch).
    225. Russlands Krieg gegen die Ukraine: Moskaus Feind ist der Westen. In: dw.com. 19. Mai 2022, abgerufen am 21. Mai 2022.
    226. Владимир Пастухов: Операция «Русская хромосома». Что делать после (Die Operation „Russisches Chromosom“. Was ist danach zu tun? – Kommentar) Nowaja gaseta, 23. März 2022, abgerufen am 29. Mai 2022.
    227. Wladimir Pastuchow: Gastkommentar: Die Blumen des postsowjetischen Bösen – Putins Herrschaft beruht auf den ideologischen Zersetzungsprodukten der wilden neunziger Jahre. Russland braucht einen Exorzismus. nzz.ch, 10. April 2022, abgerufen am 29. Mai 2022.
    228. „Der Zar ist alles.“ Orlando Figes im Gespräch mit Tobias Rapp. In: Der Spiegel, 19. November 2022, S. 118–120.
    229. Agnieszka Graff, Elżbieta Korolczuk: Kultu­reller Krieg und tatsäch­li­cher Krieg. Russ­lands Feldzug gegen „Gender“ und den „dekadenten Westen“. In: Geschichte der Gegenwart. 11. September 2022, abgerufen am 19. November 2022.
    230. Russischer Angriffskrieg – UNO: Bislang mehr als 2,8 Millionen Menschen aus Ukraine geflüchtet – Größte Fluchtbewegung in Europa seit Zweitem Weltkrieg. In: deutschlandfunk.de. Deutschlandfunk, 14. März 2022, abgerufen am 19. März 2022.
    231. Ukraine has fastest-growing refugee crisis since second world war, says UN. In: The Guardian. 6. März 2022, abgerufen am 11. März 2022 (englisch).
    232. 10 mn Ukrainians fled homes after Russian invasion: UNHCR chief. In: thedailystar.net. 20. März 2022, abgerufen am 20. März 2022 (englisch).
    233. Ukraine: Cluster munitions kill child and two other civilians taking shelter at a preschool. In: Amnesty International. 27. Februar 2022, abgerufen am 28. Februar 2022.
    234. Russia May Be Using Unguided ‘Dumb’ Bombs in Ukraine War -U.S. Official. In: usnews.com, 9. März 2022, abgerufen am 10. März 2022.
    235. a b News zum Ukraine-Krieg: Internationaler Strafgerichtshof ermittelt zu Kriegsverbrechen in Ukraine. In: Der Spiegel. 3. März 2022 (spiegel.de [abgerufen am 3. März 2022]).
    236. a b Russland-Ukraine-News am Sonntag: Mariupol startet laut Stadtverwaltung neuen Evakuierungsversuch. In: Der Spiegel. 6. März 2022 (spiegel.de [abgerufen am 6. März 2022]).
    237. a b c Liveblog: ++ Mariupol startet neuen Evakuierungsversuch ++. In: tagesschau.de. 6. März 2022, abgerufen am 6. März 2022.
    238. Russlands Krieg in der Ukraine: Neue Kämpfe, neue Vermittlungsversuche – das geschah in der Nacht. In: Der Spiegel. 6. März 2022 (spiegel.de [abgerufen am 6. März 2022]).
    239. Ukraine-Liveblog: + Selenskyj: Russland ist zu einem Dialog bereit +. In: tagesschau.de. 13. März 2022, abgerufen am 13. März 2022.
    240. Ukraine-Liveblog: ++ Vorsichtiger Optimismus vor Verhandlungen ++. In: tagesschau.de. 13. März 2022, abgerufen am 13. März 2022.
    241. Russia, Ukraine agree to organize humanitarian corridors for civilians, in: cgtn.com vom 4. März 2022, abgerufen am 4. März 2022.
    242. Russland-Ukraine-News: Russland kann Milliarden-Reserven nicht nutzen. In: Der Spiegel. 13. März 2022, abgerufen am 13. März 2022.
    243. Asowstal in Mariupol: Verhandlungen über Evakuierung von Soldaten. In: tagesschau.de. 13. Mai 2022, abgerufen am 16. Mai 2022.
    244. Markus Preiß: Krankenhaus in Tschernihiw: „Verletzungen, die wir vor dem Krieg nicht kannten“. In: tagesschau.de. 5. Mai 2022, abgerufen am 5. Mai 2022.
    245. a b c Lina Verschwele: Zwangsmobilisierung im Donbass: Von Russland unterstützte Separatisten zwingen Männer zum Kämpfen. In: Der Spiegel. 5. Mai 2022 (spiegel.de [abgerufen am 5. Mai 2022]).
    246. Ekaterina Glikman: «Нас взяли в рабство в XXI веке и делают с нами, что хотят» („Wir wurden im 21. Jahrhundert versklavt und sie machen mit uns, was sie wollen“). Nowaja gaseta, 12. März 2022.
    247. «Всех мужчин пускают на пушечное мясо». Многие жители ДНР уже 50 дней прячутся от принудительной мобилизации на войну. Вот рассказ одного из них. („Alle Männer dürfen Kanonenfutter sein“. Viele Bewohner der DVR verstecken sich schon seit 50 Tagen vor der Zwangsmobilmachung für den Krieg. Hier ist die Geschichte von einem von ihnen). Meduza, 12. April 2022.
    248. a b Вражеский тлен. Nowajagaseta.eu, 29. April 2022.
    249. Andrea Beer: Ukraine: Unterwegs im Feindesland. In: tagesschau.de. 13. Mai 2022, abgerufen am 20. Mai 2022.
    250. Ukraine-Liveblog, Meldung von Frederic Zauels um 21:50 Uhr, Frankfurter Allgemeine – FAZ.NET, 18. Juni 2022.
    251. Mehr als 100.000 Menschen auf der Flucht. In: tagesschau.de. 25. Februar 2022, abgerufen am 25. Februar 2022.
    252. UNO-Prognose: Vier Millionen Ukrainer könnten fliehen. In: orf.at, 25. Februar 2022, abgerufen am 25. Februar 2022.
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    421. Ukrainische Behörden ermitteln: Beamte sollen 7 Millionen Euro für Militärwesten veruntreut haben. In: Der Spiegel. 3. November 2022 (spiegel.de [abgerufen am 3. November 2022]).
    422. Jörg Römer: Sprengbootangriffe: »Die Russen müssen sich darauf einstellen, dass sie Schiffe verlieren könnten«. In: Der Spiegel. 6. November 2022, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 15. November 2022]).
    423. Crimean bridge: Who – or what – caused the explosion? In: BBC News. 9. Oktober 2022 (bbc.com [abgerufen am 15. November 2022]).
    424. Kati Krause: „Putin braucht Anreize, diesen Krieg zu beenden“. Janice Stein zum Ukraine-Krieg. In: Zeit Online. 19. März 2022, abgerufen am 20. März 2022: „Das ist die falsche Fragestellung, denn Sie nehmen damit an, dass es nur eine moralische Herausforderung gibt. Es gibt aber mindestens zwei. Die eine ist: Wie hilft man den Opfern eines unverschuldeten, brutalen Angriffskriegs, also den Ukrainern? Das ist ein moralisches Gebot. Es gibt aber noch ein zweites moralisches Gebot, nämlich den Krieg zu begrenzen und den Tod von Hunderttausenden in Russland und Europa zu verhindern. Gäbe es nur eine moralische Frage, wüssten wir sofort, was zu tun ist. Wir müssen aber verschiedene moralische Pflichten abwägen und den Weg finden, der am wenigsten Schaden anrichtet. Und genau das tun Regierungen und die Nato gerade. […] Wenn aber die Heizkosten durch die Decke gehen, riskieren die Nato-Staaten den öffentlichen Rückhalt für diesen Krieg.“
    425. Die NATO und der Ukraine-Krieg – Stoltenberg: „Eine Eskalation verhindern und zugleich Unterstützung gewähren“. Jens Stoltenberg im Gespräch mit Stephan Detjen. In: deutschlandfunk.de. Deutschlandfunk, 18. März 2022, abgerufen am 20. März 2022.
    426. Sanktionen gegen Russland: Habeck warnt vor Wirtschaftskrise bei Sofortstopp von russischem Gas. In: Zeit Online. 10. März 2022, abgerufen am 20. März 2022: „‚Wir können nur Maßnahmen beschließen, von denen ich weiß, dass sie nicht zu schweren wirtschaftlichen Schäden in Deutschland führen, und das wäre der Fall, wenn wir jetzt sofort Öl, Kohle und Gas nicht mehr in dieses Land lassen würden‘, sagte der Grünenpolitiker. Es gehe darum, wirtschaftliche Schäden abzuwehren, die Deutschland dann über Jahre binden und auch politisch lähmen würden.“
    427. Scholz schließt militärisches Eingreifen der Nato in Ukraine aus. Der Standard, 2. März 2022.
    428. Krieg in der Ukraine: Was hinter den Forderungen nach einer Flugverbotszone steckt (Memento vom 5. März 2022 im Internet Archive). Deutschlandfunk, 5. März 2022.
    429. BND liefert der Ukraine regelmäßig Geheimdiensterkenntnisse. In: Der Spiegel. 28. September 2022, abgerufen am 30. September 2022.
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    431. Krieg in der Ukraine: USA bilden ukrainische Soldaten in Deutschland aus. RedaktionsNetzwerk Deutschland, 30. April 2022, abgerufen am 12. Mai 2022.
    432. Panzerhaubitze 2000: Ukrainische Soldaten zur Ausbildung eingetroffen. RedaktionsNetzwerk Deutschland, 11. Mai 2022, abgerufen am 12. Mai 2022.
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    526. Brasilien verurteilt Angriff Russlands. tagesschau.de, 24. Februar 2022, abgerufen am 25. Februar 2022.
    527. a b c Ukraine crisis and Africa: The effects on oil, students and bread. BBC, 24. Februar 2022, abgerufen am 25. Februar 2022.
    528. Garibashvili Under Fire over Ukraine Remarks. civil.ge, 25. Februar 2022, abgerufen am 25. Februar 2022.
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    536. Full text: Ukraine President Zelensky’s speech to Israeli lawmakers
    537. Israeli lawmakers tear into Zelensky for Holocaust comparisons in Knesset speech. Timesofisrael, 20. März 2022.
    538. In scathing speech, Zelensky pleads with Israel to prevent Russia’s ‘final solution’. Timesofisrael, 20. März 2022.
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    551. Stephan Klingebiel: Putins Krieg und die Sünden des Westens. IP Online exklusive. In: internationalepolitik.de. 16. März 2022, abgerufen am 20. März 2022.
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    554. Military Aggression by Permanent Security Council Member Constrains Arms Control, Threatens to Upend Disarmament Structures, Speakers Warn in First Committee. United Nations, Meetings Coverage and Press Releases (Pressemitteilung über die Aussprache vor und nach der Abstimmung), 11. Oktober 2022.
    555. Council of Europe suspends Russia’s rights of representation. In: Coe.int. Europarat, 25. Februar 2022, abgerufen am 25. Februar 2022 (englisch).
    556. Claudia Kornmeier: Russland und der Europarat: Bereit zum Kompromiss? Nein. In: LTO. 1. März 2022, abgerufen am 3. März 2022.
    557. Matthias Reiche: Wegen Ukraine-Krieg: Russland endgültig aus Europarat ausgeschlossen. In: tagesschau.de. 16. März 2022, abgerufen am 16. März 2022: „Russland ist endgültig aus dem Europarat ausgeschlossen. Nachdem der Kreml am Dienstag formell seinen Austritt aus dem Gremium erklärt hatte, beendete nun das Ministerkomitee des Europarats Russlands Mitgliedschaft endgültig.“
    558. Entschließung des Europäischen Parlaments vom 16. Dezember 2021 zu der Lage an der ukrainischen Grenze und in den von Russland besetzten Gebieten der Ukraine auf europarl.europa.eu.
    559. Entschließung des Europäischen Parlaments vom 1. März 2022 zu Russlands Aggression gegen die Ukraine auf europarl.europa.eu.
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    573. Sieben Jahre Straflager für ein verbotenes Wort – in Moskau wird ein drakonisches Urteil gefällt wegen angeblicher «Diskreditierung der Armee». NZZ, 8. Juli 2022.
    574. «Сажайте цветы и тиранов». Nowaja gaseta. Europa, 2. Juli 2022.
    575. Mathias Brüggmann, Jürgen Klöckner, Mareike Müller: „Unter Putin gibt es keine Zukunft für mich“ – Immer mehr Russinnen und Russen verlassen ihr Land. Handelsblatt, 16. März 2022, abgerufen am 20. April 2022.
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    578. Russland setzt Wehrpflicht für IT-Fachkräfte aus. www.golem.de, 8. April 2022, abgerufen am 20. April 2022.
    579. So leidet die russische Wirtschaft unter dem Ukraine-Krieg. Watson, 3. Mai 2022.
    580. В России с января по июнь выдали почти 2,5 миллиона заграничных паспортов. Это максимум за последние три года (In Russland wurden von Januar bis Juni fast 2,5 Millionen Auslandspässe ausgestellt. Das ist das Maximum in den letzten drei Jahren). Meduza, 11. August 2022.
    581. Fjodor Krascheninnikow: Nach dem Krieg in der Ukraine: Wenn Putin stürzt. In: taz.de. 20. August 2022, abgerufen am 2. September 2022.
    582. Flucht aus Russland: Was wir aktuell sagen können. In: proasyl.de. Pro Asyl, 23. September 2022, abgerufen am 24. September 2022.
    583. Doppelt so viele Grenzübertritte: Finnland verschärft Einreiseregeln für Russen. In: n-tv.de. 24. September 2022, abgerufen am 24. September 2022.
    584. Teilmobilmachung in Russland EU will Umgang mit Deserteuren klären. In: tagesschau.de. 23. September 2022, abgerufen am 25. September 2022.
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    586. Russlands Krieg in der Ukraine: Wladimir Putin wird in Belgrad gefeiert. In: Der Spiegel. 5. März 2022 (spiegel.de [abgerufen am 5. März 2022]).
    587. Carla Reveland, Volker Siefert: „Querdenker“ für Putin. In: tagesschau.de, 4. März 2022, abgerufen am 5. März 2022.
    588. Lars Grimpe: Zwischen Entsetzen und Putin-Verehrung: die gespaltene Community der Russlanddeutschen. RedaktionsNetzwerk Deutschland, 4. März 2022, abgerufen am 8. März 2022.
    589. Hubert Gude: Russlands Krieg gegen die Ukraine: Halten die Russlanddeutschen zu Wladimir Putin? In: Der Spiegel. 4. März 2022 (spiegel.de [abgerufen am 5. März 2022]).
    590. Die neue prorussische Protestfront: Putins willige Helfer. In: Der Spiegel. 17. Mai 2022 (spiegel.de [abgerufen am 17. Mai 2022]).
    591. Li Yuan: Why the Chinese Internet Is Cheering Russia’s Invasion. In: The New York Times. 27. Februar 2022 (nytimes.com [abgerufen am 6. März 2022]).
    592. Monika Bolliger: Arabische Sicht auf den Ukrainekrieg: »Die Doppelmoral ist verblüffend«. In: Der Spiegel. 5. März 2022 (spiegel.de [abgerufen am 5. März 2022]).
    593. Ulrich Stein: Billigung der Ukraine-Invasion? Wann das „Z“ als Symbol jetzt strafbar ist. In: LTO.de. 16. März 2022, abgerufen am 16. März 2022.
    594. Marc Röhlig, Christina Hebel: 81 Prozent der Russen befürworten den Angriffskrieg auf die Ukraine. In: Der Spiegel. 1. April 2022, abgerufen am 26. Oktober 2022.
    595. Конфликт с Украиной. In: levada.ru. Lewada-Zentr, 31. März 2022, abgerufen am 1. April 2022 (russisch).
    596. Denunziations-Rekord in Russland: „Schlimmer als im Mittelalter“. In: br.de. 25. August 2022, abgerufen am 27. August 2022.
    597. Ivan Ruslyannikov: Denunziationen in Russland: Ein Boom des Verrats. In: Der Spiegel. 11. Juli 2022, abgerufen am 26. Oktober 2022.
    598. Kiew streicht russische Persönlichkeiten aus Straßennamen. Liveblog 21:05 Uhr. In: tagesschau.de. 25. August 2022, abgerufen am 25. August 2022.
    599. Erklärung der geistlichen Führer der Weltreligionen
    600. Schlusserklärung des 7. Kongresses der Führer der Weltreligionen und der traditionellen Religionen.
    601. Papst Franziskus geht persönlich in die russische Botschaft. Tagesspiegel, 25. Februar 2022, abgerufen am 26. Februar 2022.
    602. Orthodoxie-Expertin: Russische Kirche hat Mitschuld an Ukrainekrieg. Kath.ch, 3. März 2022.
    603. Ukrainian children used as ‘human shields’ near Kyiv, say witness reports. The Guardian, 3. April 2022.
    604. Abschlusserklärung des Papstes beim 7. Kongress der Führer der Religionen in der Welt.
    605. Wort des Papstes zum Friedensgebet am Kolosseum.
    606. Appeal of His Beatitude Sviatoslav to the Sons and Daughters of the Ukrainian People in Ukraine and Abroad, and to all People of Good Will. Catholic news, Ukrainische Griechisch-katholische Kirche, 23. Februar 2022.
    607. Mitgefühl mit Opfern − Flüchtlingen helfen. In: kathpress.at. 24. Februar 2022, abgerufen am 2. März 2022.
    608. a b Александр Солдатов: «Град» божий. Прямая поддержка операции по «защите Донбасса» иерархами РПЦ ведет к ее блокаде в христианском мире (Die direkte Unterstützung der Operation zum „Schutz des Donbass“ durch die Hierarchen der Russisch-Orthodoxen Kirche führt zu ihrer Blockade in der christlichen Welt). Nowaja gaseta, 8. März 2022, abgerufen am 9. März 2022.
    609. Sandra Kathe: Ukraine-Krieg: Kirchenoberhaupt in Moskau rechtfertigt Angriff mit Homophobie. Frankfurter Rundschau (FR Politik), 6. März 2022, abgerufen am 7. März 2022.
    610. a b «Это старая добрая шутка Господа Бога». Андрей Кураев про диалог Ватикана и РПЦ („Das ist ein guter alter Witz des Herrn Gott.“ Andrey Kuraev über den Dialog des Vatikans und der ROK). Fontanka, 4. Mai 2022.
    611. РПЦ по-своему пересказала беседу патриарха Кирилла с папой римским. Он говорил о подлетном времени до Петербурга и Москвы (Die ROK hat das Gespräch zwischen Patriarch Kyrill und dem römischen Papst auf ihre eigene Art wiedergegeben. Er sprach über die Flugzeit nach St. Petersburg und Moskau). Fontanka, 4. Mai 2022.
    612. Kerstin Holm: Brudermord aus Neid. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. Februar 2022.
    613. Epiphanius bittet Kyrill, die Leichen russischer Soldaten überführen zu lassen. pravda.ua, 27. Februar 2022.
    614. Es ist an der Zeit für einen gerechten Frieden zu beten. Deutsche Evangelisch-Lutherische Kirche in der Ukraine, 24. Februar 2022.
    615. Ukrainian Muslims received a fatwa to go to war. Front News Ukraine, 24. Februar 2022.
    616. Megan Durisin, Elizabeth Elkin, Pratik Parija: The World’s Next Food Emergency Is Here as War Compounds Hunger Crisis. Bloomberg, 8. März 2022, abgerufen am 30. September 2022.
    617. Food prices jump 20.7% yr/yr to hit record high Feb, U.N. agency says. Reuters, 5. März 2022, abgerufen am 30. September 2022.
    618. Food Price Index hit record high in February, UN agency reports. United Nations, 4. März 2022, abgerufen am 30. September 2022.
    619. Oil Market and Russian Supply. IEA, abgerufen am 30. September 2022.
    620. US stocks rebound after sell-off in Europe following Ukraine invasion. Financial Times, abgerufen am 30. September 2022.
    621. Peter Levi, Gergely Molnar: How the energy crisis is exacerbating the food crisis. IEA, 14. Juni 2022, abgerufen am 30. September 2022.
    622. Marc Beise: Zeit für Schulden. Süddeutsche Zeitung, 28. September 2022, abgerufen am 30. September 2022.
    623. Nadine Schimroszik, Teresa Stiens: „Wer Kapital aufnehmen muss, hat es schwer“: Gründerszene ist besorgt wegen Wirtschaftskrise. Handelsblatt, 29. September 2022, abgerufen am 30. September 2022.
    624. Kaufverhalten ändert sich wegen der Inflation deutlich. MDR Aktuell, 29. September 2022, abgerufen am 30. September 2022.
    625. Mark Thompson, Anna Chernova, Vasco Cotovio: Russia faces financial meltdown as sanctions slam its economy. CNN Business, 28. Februar 2022, abgerufen am 30. September 2022.
    626. Недельная инфляция в РФ разогналась до 2,2 %, став максимальной с 1998 года. Interfax, 9. März 2022, abgerufen am 30. September 2022.
    627. Farah Elbahrawy: Russia Keeps Stock Market Closed in Longest Pause Since 1998. Bloomberg, 2. März 2022, abgerufen am 30. September 2022.
    628. После начала войны эксперты говорили, что санкции обрушат российскую экономику. Но этого не случилось. Почему? (Nach Kriegsbeginn sagten Experten, dass Sanktionen die russische Wirtschaft zusammenbrechen lassen würden. Aber das ist nicht passiert. Warum?). Meduza, 5. September 2022.
    629. Super Benzin | Super Benzinpreis | Preisentwicklung | Chart. Abgerufen am 7. März 2022.
    630. Christian Siedenbiedel: Folgen des Ukraine-Kriegs: Benzinpreisrekord – Zeit für eine Steuersenkung? In: FAZ.NET. 3. März 2022 (faz.net [abgerufen am 6. März 2022]).
    631. Dutch TTF gas futures at the beginning of each week from January 4, 2021 to April 4, 2022. In: statista.com. 5. April 2022, abgerufen am 10. April 2022 (englisch).
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    634. a b „Kurse gehen durch die Decke“: Steigen jetzt die Preise für Getreide, Futtermittel, Betriebsmittel und Dünger? In: Hannoversche Allgemeine Zeitung. 26. Februar 2022, abgerufen am 28. Februar 2022.
    635. Anna Hörter, Bettina Rudloff: Der Ukraine-Krieg und Ernährungssicherheit in Afrika: „Die akuten Bedarfe zu befriedigen heißt nicht, das Problem grundsätzlich zu lösen.“ Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), 16. Mai 2022, abgerufen am 17. Mai 2022.
    636. Weizenpreis. In: finanzen.net. Abgerufen am 8. April 2022.
    637. Marc Goergen: 28 Millionen Menschen von schwerem Hunger bedroht. Erst Corona, dann Dürren, jetzt Lieferausfälle: „In Ostafrika braut sich ein perfekter Sturm zusammen“. In: stern.de. 24. Mai 2022, abgerufen am 27. Mai 2022.