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Bahnhof Seddin

Rangierbahnhof in Ostdeutschland

Der Bahnhof Seddin ist ein Bahnhof in Neuseddin, einem Ortsteil der brandenburgischen Gemeinde Seddiner See. Er ist einer der wichtigsten Rangierbahnhöfe der DB Netz AG in Ostdeutschland und gehört zu den neun großen Zugbildungsanlagen der DB Cargo AG in Deutschland.[1]

Seddin
Blick von Süden auf den Bahnhof
Blick von Süden auf den Bahnhof
Daten
Lage im Netz Trennungsbahnhof
Bauform Durchgangsbahnhof
Bahnsteiggleise 2
Abkürzung BSE
IBNR 8013492
Kategorie 5
Eröffnung 2. Februar 1914
Profil auf Bahnhof.de Seddin
Lage
Stadt/Gemeinde Seddiner See
Ort/Ortsteil Neuseddin
Land Brandenburg
Staat Deutschland
Koordinaten 52° 17′ 45″ N, 12° 59′ 44″ OKoordinaten: 52° 17′ 45″ N, 12° 59′ 44″ O
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Brandenburg

Zur Anlage gehört auch ein Personenbahnhof an der Bahnstrecke Berlin–Blankenheim.

GeschichteBearbeiten

 
Das Zentralstellwerk ist ein Wahrzeichen des Bahnhofs

Anfang des 20. Jahrhunderts reichten die Kapazitäten der Berliner Bahnhöfe für den wachsenden Güter- und Militärverkehr bei weitem nicht aus. Im Süden und Westen Berlins wurde Anfang des 20. Jahrhunderts die Umgehungsbahn gebaut, die für Entlastung sorgen sollte. Im Zusammenhang mit dem Bau dieser Strecke entstand im Westen Berlins der Verschiebebahnhof Wustermark. Auch im Südwesten Berlins wurde zwischen 1912 und 1919 an der Bahnstrecke Berlin–Blankenheim in der Nähe der Kreuzung mit der Umgehungsbahn ein Rangierbahnhof errichtet. Bereits zu Beginn der Bauzeit wurde der Personenhaltepunkt Seddin am 2. Februar 1914 eröffnet. Die Eröffnung des Rangierbahnhofs verzögert sich infolge des Ersten Weltkriegs bis in die 1920er Jahre. Vom 21. September bis 5. Oktober 1924 fand hier die von der Deutschen Reichsbahn organisierte Internationale Eisenbahntechnische Ausstellung statt, in deren Rahmen der Rangierbahnhof den Namen Seddin erhielt und offiziell in Betrieb ging.[2]

Im Zuge des Ausbaus des Bahnhofs entstand östlich des Bahnhofs die Eisenbahnersiedlung Neuseddin. Im Laufe der 1920er Jahre ging ein weiterer Streckenabschnitt der Umgehungsbahn in Betrieb, der den Rangierbahnhof mit der Anhalter Bahn bei Großbeeren verbindet.

Zur Erweiterung des Bahnhofs sollte neben dem Nordsystem ein zweites Bahnhofssystem entstehen. Im Jahre 1939 wurden die Arbeiten eingestellt[2] und stattdessen von 1939 bis 1941 parallel zum Rangierbahnhof ein Militärbahnhof für die Wehrmacht gebaut.[3] Am 7. Juli 1943 fand im Bahnhof die sogenannte Kriegslokparade von Seddin statt. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Bahnhof am 20. April 1945 bei einem Bombardement schwer getroffen. Nach Kriegsende gab es im Juni des gleichen Jahres weitere Zerstörungen infolge einer Explosionsserie während der Munitionsbergung, wobei unter anderem die große Umladehalle und das Dienstgebäude des Bahnhofs zerstört wurden.[2] Der Bahnhof wurde wieder aufgebaut.

Der einstige Militärbahnhof wurde 1958/59 zum Transitbahnhof ausgebaut, in dem die Güterzüge abgefertigt wurden, die das Gebiet der DDR durchquerten.[3] Seit 1967 wurden die Anlagen des Bahnhofs umfassend modernisiert und der Ablaufbetrieb teilautomatisiert.[4] Im Juli 1980 ging das Zentralstellwerk Sed in Betrieb.[3] Der Bahnhof hatte neben seiner Rolle für den Durchgangsgüterverkehr auch Bedeutung für den lokalen Güterverkehr zu den Industriegebieten in Potsdam/Rehbrücke und Teltow.[4]

Nach der politischen Wende in der DDR und der deutschen Wiedervereinigung war der Transitbahnhof überflüssig geworden und diente seit 1993 dem Güterverkehr im Nahbereich.[3]

Im Jahr 2004 ging in Michendorf ein elektronisches Stellwerk in Betrieb, das auch durchgehenden Hauptgleise des Bahnhofs Seddin steuert.[3]

Bis Ende 2014[veraltet] erfolgt eine Erneuerung der Gleisbremstechnik im Rangierbahnhof. Hierfür werden 47 Millionen Euro investiert.[5] Weiterhin werden die Fördereinrichtungen, die Gleisfeldbeleuchtung und zahlreiche Weichen erneuert.[1]

AnlagenBearbeiten

Rangierbahnhof und BahnbetriebswerkBearbeiten

 
Der denkmalgeschützte Wasserturm wurde 2004 abgerissen. An ihn erinnert ein Wandgemälde an einem Haus in Neuseddin

Der Rangierbahnhof erstreckt sich insgesamt über rund fünf Kilometer und ist 300 Meter breit.[1] Er umfasst 28 + 15 Richtungsgleise[6] mit etwa 100 km Gleislänge und drei Ablaufbergen.[4] Die Einfahrgruppe umfasst zehn Gleise und die Ausfahrgruppe sechs Gleise.[1] Ursprünglich war der Bahnhof als zweiseitiger Rangierbahnhof mit dem heutigen Nordsystem konzipiert. Im Jahr 1958 wurde das Südsystem ursprünglich für den Transitverkehr und den Verkehr nach West-Berlin eröffnet. Seitdem besteht der Bahnhof aus zwei getrennten Bahnhofssystemen ohne Eckverkehr. Das Südsystem verfügt über eine Einfahrgruppe, eine kombinierte Richtungs- und Ausfahrgruppe sowie zu DDR-Zeiten über eine besondere Kontrollgruppe. Das Nordsystem besteht aus Einfahrgruppe, Richtungsgruppe und Ausfahrgruppe.[2] Bis zu 1800 Wagen pro Tag können im Rangierbahnhof behandelt werden, derzeit liegt die durchschnittliche tägliche Bergleistung bei 1500 Wagen.[1]

Das Zentralstellwerk besteht aus einem neunstöckigen Gebäude. Hier ist ein Gleisbildstellwerk der Bauform GS III Sp 68 untergebracht, von dem aus auch die benachbarten Bahnhöfe in Michendorf und Beelitz-Heilstätten ferngesteuert wurden.[3] Planungen beim Bau sahen vor, von dort auch die Bahnhöfe Caputh-Geltow und Ferch-Lienewitz zu bedienen. Nach Inbetriebnahme des Zentralstellwerks waren außerdem noch die drei Rangierstellwerke Ost (im Gebäude des Zentralstellwerks), West und Süd in Betrieb.[7]

Auf dem Gelände des Bahnhofs, im südlichen Bereich, befindet sich auch das 1925 gegründete Bahnbetriebswerk Seddin. Hier werden derzeit bis zu 20 Triebfahrzeuge und 60 Wagen pro Tag instandgesetzt.[1] Eine Kohleverladebrücke im Bahnbetriebswerk steht unter Denkmalschutz.[8]

Ebenfalls unter Denkmalschutz stand seit 1993 ein 51 Meter hoher achteckiger Wasserturm im Bahnhofsbereich. Im Kopf des Turms befanden sich zwei Behälter mit je 600 Kubikmetern Fassungsvermögen, die von sechs zwischen 80 und 110 Meter tiefen Brunnen aus versorgt wurden. Der 1975 sanierte Turm wurde Ende 2004 wegen fehlender Standfestigkeit abgerissen. Zwar wären Bundesfördermittel für die Sanierung des Turms möglich gewesen, jedoch war keine sinnvolle Nutzung des zwischen Bahngleisen stehenden Gebäudes absehbar.[9][10] An den Turm erinnert der Straßenname Weg zum Wasserturm.

PersonenbahnhofBearbeiten

 
Bahnhofszugang und Straßentunnel

Zum Bahnhof gehört ein Personenhalt mit zwei Außenbahnsteigen an der Bahnstrecke Berlin–Blankenheim. Ursprünglich gab es daneben einen weiteren Bahnsteig,[11] der von den bis Anfang der 1970er Jahre fahrenden Zügen nach Beelitz Stadt genutzt wurde. Beim Umbau der Bahnanlagen wurde der Bahnsteig entfernt, die Züge von Michendorf nach Beelitz Stadt fahren nun durch den südöstlichen Bahnhofsteil und halten nicht in Seddin.

Ab 2021 ist ein barrierefreier Umbau vorgesehen, hierbei soll jeder Bahnsteig einen Aufzug erhalten. Das Vorgebäude soll abgerissen werden. Die Gemeinde Seddiner See plant parallel dazu, ab 2020 den Bahnhofsvorplatz umzugestalten. Es entstehen neue Bushaltestellen und Fahrradabstellplätze, die Zahl der Parkplätze soll sich von 19 auf rund 100 erhöhen.[12]

VerkehrsanbindungBearbeiten

 
Bahnsteig des Personenbahnhofs mit RE 7

Im Fahrplanjahr 2018 halten folgende SPNV-Linien im Bahnhof Seddin:

Linie Linienverlauf EVU
RE 7 DessauRoßlauWiesenburg (Mark)Bad BelzigBeelitz-HeilstättenSeddinMichendorf – Potsdam Medienstadt Babelsberg – Berlin-WannseeBerlin HbfBerlin-Schönefeld FlughafenRangsdorfZossenWünsdorf-Waldstadt DB Regio Nordost
RB 23 Potsdam HbfPotsdam Pirschheide – Ferch-Lienewitz – SeddinMichendorf DB Regio Nordost

Die Linie RE 7 verkehrt stündlich, am Wochenende zwischen Bad Belzig und Dessau nur alle zwei Stunden. Die Linie RB 23 verkehrt wochentags stündlich, am Wochenende alle zwei Stunden.

Die Linie RB 33 Berlin-Wannsee – Jüterbog fährt durch den östlichen Teil des Bahnhofs Seddin, infrastrukturbedingt ohne Möglichkeit zum Fahrgastwechsel.

LiteraturBearbeiten

  • Dieter Bölke: Der Bahnhof Seddin. In: Eisenbahn-Jahrbuch 1977. Transpress-Verlag. Nachgedruckt in: Schienenverkehr in der DDR, Band III. Transpress 2002, ISBN 3-613-71186-9, S. 155–166

WeblinksBearbeiten

  Commons: Bahnhof Seddin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f Herzlich willkommen zur „Langen Nacht des viv“ bei DB Schenker Rail am Standort Seddin. (PDF; 2,2 MB) DB Schenker Rail AG, 13. Juni 2013, abgerufen am 19. Juli 2013.
  2. a b c d Dieter Bölke: Der Bahnhof Seddin. In: Eisenbahn-Jahrbuch 1977. Transpress-Verlag. Nachgedruckt in: Schienenverkehr in der DDR, Band III. Transpress 2002, ISBN 3-613-71186-9, S. 155.
  3. a b c d e f Bernd Kuhlmann: Bahnknoten Berlin, Die Entwicklung des Berliner Eisenbahnnetzes seit 1838, Verlag GVE, Berlin 2006, ISBN 3-89218-099-7, S. 154–155.
  4. a b c Dieter Bölke: Der Bahnhof Seddin. In: Eisenbahn-Jahrbuch 1977. Transpress-Verlag. Nachgedruckt in: Schienenverkehr in der DDR, Band III. Transpress 2002, ISBN 3-613-71186-9, S. 156.
  5. Bahngipfel in Cottbus stellt Weichen für Zukunft. Deutsche Bahn AG, 6. Mai 2013, archiviert vom Original am 29. Juni 2013; abgerufen am 18. Mai 2013.
  6. Gleisplan Bahnhof Seddin (PDF; 366 kB) bei DB Netze
  7. Dieter Bölke: Der Bahnhof Seddin. In: Eisenbahn-Jahrbuch 1977. Transpress-Verlag. Nachgedruckt in: Schienenverkehr in der DDR, Band III. Transpress 2002, ISBN 3-613-71186-9, S. 165.
  8. Denkmalliste des Landes Brandenburg Stand: 31. Dezember 2011, Landkreis Potsdam-Mittelmark
  9. Ein Wahrzeichen fällt, in: Potsdamer Neueste Nachrichten, 15. November 2004
  10. Wahrzeichen verschwindet. Neuseddiner Wasserturm wird nach 80 Jahren abgerissen.@1@2Vorlage:Toter Link/www.maerkischeallgemeine.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. in: Märkische Allgemeine Zeitung, 15. November 2004.
  11. Reichsbahndirektion Berlin, Gleisplan Seddin 1967, online auf spoorenplan.nl
  12. Bahnhöfe in Berlin und Brandenburg. In: Bahn-Report. Nr. 3, 2019, S. 42.