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UN-Menschenrechtsrat

zwischenstaatliche Organisation
 

Der UN-Menschenrechtsrat (englisch United Nations Human Rights Council, kurz: UNHRC) löste im Rahmen der von UN-Generalsekretär Kofi Annan vorangetriebenen Reform der Vereinten Nationen im Juni 2006 die UN-Menschenrechtskommission ab. Der Rat kann, wie bereits die Menschenrechtskommission, mit absoluter Mehrheit die Entsendung von Beobachtern zur Überwachung der Menschenrechtssituation in einem Mitgliedstaat beschließen. Jedoch gehören ihm nur noch 47 Mitglieder an, seitdem einige institutionelle Änderungen vorgenommen wurden. Der Menschenrechtsrat ist ein Unterorgan der UN-Generalversammlung, wie sich aus der Resolution der Generalversammlung ergibt,[1] durch die der Rat errichtet wurde.

Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen
United Nations Human Rights Council
Conseil des droits de l’homme

Logo des Menschenrechtsrates
Organisationsart Nebenorgan der UN-Generalversammlung
Kürzel UNHRC
Leitung Joaquín Alexander Maza Martelli (Präsident der elften Periode (2017))
Status aktiv
Gegründet 15. März 2006 (löste die UN-Menschenrechtskommission ab)
Hauptsitz Genf
Oberorganisation Vereinte Nationen
Tochterorganisationen Beratender Ausschuss des HRC
Offizielle Webpräsenz (englisch)

Wegen seiner Zusammensetzung und seines Abstimmungsverhaltens, das teilweise als parteilich bewertet wird, ist er umstritten.

Inhaltsverzeichnis

GründungBearbeiten

Die UN-Generalversammlung verabschiedete in ihrer 72. Plenarsitzung am 15. März 2006 die Resolution 60/251[2] mit 170 Zustimmungen, vier Gegenstimmen und drei Enthaltungen für die Gründung des Menschenrechtsrats. Gegen die Einführung des Rates stimmten Israel, die Marshallinseln, Palau und die USA, weil die verhandelten Kriterien zur Aufnahme von Staaten in den Rat nicht hinreichend seien. Der Stimme enthielten sich der Iran, Venezuela und Weißrussland. Mit konstituierender Sitzung vom 19. Juni 2006 trat das neue UN-Gremium in Genf erstmals zusammen.

Kommentare zur GründungBearbeiten

Die damalige UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Louise Arbour, erklärte, dass der neue Menschenrechtsrat eine historische Chance biete, weltweit die Bürgerrechte zu schützen und zu fördern. Der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, John R. Bolton, lehnte das Projekt ab. Es gehe nach Meinung der USA nicht weit genug. Er sagte aber, dass sein Land mithelfen werde, das neue Gremium „so stark und wirksam wie möglich“ zu machen. Der kubanische UN-Botschafter Rodrigo Malmierca stellte vor der Abstimmung die Frage, ob der Menschenrechtsrat auch die Vereinigten Staaten für ihre Menschenrechtsverletzungen in Guantánamo auf Kuba, in Abu Ghuraib im Irak und in geheimen CIA-Gefangenenlagern in Europa zur Rechenschaft ziehen werde. Der ehemalige deutsche Menschenrechtsbeauftragte Günter Nooke meint, dass das Beste daraus gemacht werden musste, wenngleich auch „dieser Spatz in der Hand vielleicht schon halb tot ist, weil der prozentuale Anteil menschenrechtsfreundlicher Staaten noch weiter abgenommen hat“. Aufsehen erregte kurz vor Ende der Genfer Tagung die Forderung der kanadischen Regierung an Deutschland, den iranischen Generalstaatsanwalt Said Mortasawi bei seinem Rückflug aus Genf auf dem Flughafen Frankfurt festnehmen zu lassen, weil ihm direkte Verwicklungen in den Folter- und Mordfall der iranischstämmigen kanadischen Journalistin Zahra Kazemi vorgeworfen wird.[3] Kazemi war im Teheraner Evin-Gefängnis bei Verhören unter anderem mit Mortasawi zu Tode gekommen. Said Mortasawi war iranischer Vertreter bei dem in Genf tagenden UN-Menschenrechtsrat.

OrganisationBearbeiten

 
Hauptsitz des Menschenrechtsrates in Genf.
 
UN-Menschenrechtsrat.

Die frühere UN-Menschenrechtskommission geriet von einigen Seiten in die Kritik, nicht effektiv für den Schutz der Menschenrechte einstehen zu können, da es der Menschenrechtsverletzungen beschuldigten Staaten möglich war, sich gegenseitig in der Kommission zu schützen.

Der neue Rat mit selbem Sitz im schweizerischen Genf ist mit 47 Mitgliedern, anders als zuvor mit 53, etwas kleiner. Die Mitglieder werden in geheimer Wahl von der UN-Generalversammlung mit absoluter Mehrheit bestimmt. Der Rat soll häufiger zusammentreten als die bisherige UN-Menschenrechtskommission, nämlich zu mindestens drei Sitzungen pro Jahr mit einer Gesamtdauer von mindestens zehn Wochen. Nach dem bisherigen Entwurf gelten schärfere Aufnahmebedingungen, und Mitglieder dieses Rates können auch ausgeschlossen werden, wenn sie eklatant gegen die Menschenrechte verstoßen. Die 47 Sitze im neuen Rat werden anhand von regionalen Gruppen verteilt. 13 Sitze gehen an Afrika, 13 an Asien, sechs Sitze gehen an Osteuropa. Acht Sitze bekommen die Staaten Lateinamerikas und der Karibik sowie sieben Sitze Westeuropa und die anderen Staaten.

Der Menschenrechtsrat ist ein Nebenorgan der Generalversammlung. Damit ist er direkt allen Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen gegenüber rechenschaftspflichtig.

Die Mitgliedstaaten werden auf jeweils drei Jahre gewählt; für einen Staat sind höchstens zwei unmittelbar aufeinanderfolgende Amtszeiten erlaubt. Die Wahl der ersten Mitglieder erfolgte am 9. Mai 2006. Die sieben Sitze der westlichen Staaten erhielten Deutschland (154 Stimmen), Frankreich (150 Stimmen), das Vereinigte Königreich (148 Stimmen), die Schweiz, die Niederlande, Finnland und Kanada. Gewählt wurden auch in die Liste der 47 Länder China, Kuba, Russland und Saudi-Arabien. Ghana erhielt mit 183 Stimmen am meisten Stimmen aller Staaten. Die Vereinigten Staaten hatten sich nicht zur Wahl für den UN-Menschenrechtsrat gestellt.

Gegenüber der früheren Kommission, die für die Wahl des Sudan als ihren Vorsitz wegen des Darfur-Konflikts kritisiert wurde, werden den Mitgliedern die „höchsten Standards“ bei Menschenrechten abverlangt. Weiter müssen sie sich periodisch überprüfen lassen. Darüber hinaus ist vorgesehen, dass Staaten anlässlich ihrer Bewerbung für den Menschenrechtsrat freiwillige Versprechen und Zusagen abgeben.[4]

Durch eine Zweidrittelmehrheit der Versammlung kann ein Ratsmitglied abgewählt werden. Die Kommission war eine unabhängige Einrichtung; der Rat wird eine untergeordnete Einrichtung der Versammlung. Weiter ist die Ratsmitgliedschaft auf zwei direkt aufeinander folgende Amtsperioden beschränkt. Eine erneute Kandidatur ist nach einer Pause aber möglich.

Als Unterorgan des Menschenrechtsrats fungiert ein beratender Ausschuss (engl. Human Rights Council Advisory Committee), der aus unabhängigen Experten zusammengesetzt ist. Eine wesentliche Neuerung im Vergleich zur alten Menschenrechtskommission besteht in der „allgemeinen regelmäßigen Überprüfung“ (engl. Universal Periodic Review). Damit soll die Menschenrechtsbilanz aller Staaten regelmäßig genauer untersucht werden. Die unter der Menschenrechtskommission geschaffenen Sonderverfahren wurden vom Menschenrechtsrat übernommen. Damit ist es weiterhin möglich, unabhängige Experten (Sonderberichterstatter) zur Überprüfung der weltweiten Menschenrechtssituation einzusetzen.

Bisherige BesetzungenBearbeiten

Die folgende Tabelle zeigt, welche Staaten wann im Menschenrechtsrat vertreten waren. Dabei zeigen die farbig hinterlegten Felder an, welche Staaten aktuell im UN-Menschenrat vertreten sind:[5][6]

Amtszeit Afrika (13) Asien (13) Osteuropa (6) Lateinamerika
und Karibik (8)
Westeuropa und
restliche Staaten (7)
2017–2020 [7] Tunesien  Tunesien
Sudafrika  Südafrika
Ruanda  Ruanda
Agypten  Ägypten
China Volksrepublik  Volksrepublik China
Japan  Japan
Irak  Irak
Saudi-Arabien  Saudi-Arabien
Ungarn  Ungarn
Kroatien  Kroatien
Kuba  Kuba
Brasilien  Brasilien
Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten
Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich
2015–2018 [8] Burkina Faso  Burkina Faso
Elfenbeinküste  Elfenbeinküste
Athiopien  Äthiopien
Kenia  Kenia
Togo  Togo
Korea Sud  Südkorea
Kirgisistan  Kirgisistan
Mongolei  Mongolei
Philippinen  Philippinen
Vereinigte Arabische Emirate  Vereinigte Arabische Emirate
Georgien  Georgien
Slowenien  Slowenien
Ecuador  Ecuador
Panama  Panama
Venezuela  Venezuela
Belgien  Belgien
Deutschland  Deutschland
Schweiz  Schweiz
2014–2017 [9] Botswana  Botswana
Kongo Republik  Republik Kongo
Ghana  Ghana
Nigeria  Nigeria
Indien  Indien
Indonesien  Indonesien
Katar  Katar
Albanien  Albanien
Lettland  Lettland
Bolivien  Bolivien
El Salvador  El Salvador
Paraguay  Paraguay
Niederlande  Niederlande
Portugal  Portugal
2013–2016 Algerien  Algerien
Marokko  Marokko
Namibia  Namibia
Sudafrika  Südafrika
China Volksrepublik  Volksrepublik China
Malediven  Malediven
Saudi-Arabien  Saudi-Arabien
Vietnam  Vietnam
Mazedonien  Mazedonien
Russland  Russland
Kuba  Kuba
Mexiko  Mexiko
Frankreich  Frankreich
Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich
2012–2015 Athiopien  Äthiopien
Elfenbeinküste  Elfenbeinküste
Gabun  Gabun
Kenia  Kenia
Sierra Leone  Sierra Leone
Japan  Japan
Kasachstan  Kasachstan
Pakistan  Pakistan
Korea Sud  Südkorea
Vereinigte Arabische Emirate  Vereinigte Arabische Emirate
Estland  Estland
Montenegro  Montenegro
Argentinien  Argentinien
Brasilien  Brasilien
Venezuela  Venezuela
Deutschland  Deutschland
Irland  Irland
Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten
2011–2014 Benin  Benin
Botswana  Botswana
Burkina Faso  Burkina Faso
Kongo Republik  Republik Kongo
Indien  Indien
Indonesien  Indonesien
Kuwait  Kuwait
Philippinen  Philippinen
Rumänien  Rumänien
Tschechien  Tschechien
Chile  Chile
Costa Rica  Costa Rica
Peru  Peru
Italien  Italien
Osterreich  Österreich
2010–2013 Angola  Angola
Politisches System der Libysch-Arabischen Dschamahirija  Libyen
Mauretanien  Mauretanien
Uganda  Uganda
Katar  Katar
Malaysia  Malaysia
Malediven  Malediven
Thailand  Thailand
Moldawien  Moldawien
Polen  Polen
Ecuador  Ecuador
Guatemala  Guatemala
Schweiz  Schweiz
Spanien  Spanien
2009—12 Dschibuti  Dschibuti
Kamerun  Kamerun
Mauritius  Mauritius
Nigeria  Nigeria
Senegal  Senegal
Bangladesch  Bangladesch
China Volksrepublik  Volksrepublik China
Jordanien  Jordanien
Kirgisistan  Kirgisistan
Saudi-Arabien  Saudi-Arabien
Russland  Russland
Ungarn  Ungarn
Kuba  Kuba
Mexiko  Mexiko
Uruguay  Uruguay
Belgien  Belgien
Norwegen  Norwegen
Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten
2008—11 Burkina Faso  Burkina Faso
Gabun  Gabun
Ghana  Ghana
Sambia  Sambia
Bahrain  Bahrain
Japan  Japan
Pakistan  Pakistan
Korea Sud  Südkorea
Slowakei  Slowakei
Ukraine  Ukraine
Argentinien  Argentinien
Brasilien  Brasilien
Chile  Chile
Frankreich  Frankreich
Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich
2007—10 Agypten  Ägypten
Angola  Angola
Madagaskar  Madagaskar
Sudafrika  Südafrika
Indien  Indien
Indonesien  Indonesien
Katar  Katar
Philippinen  Philippinen
Bosnien und Herzegowina  Bosnien und Herzegowina
Slowenien  Slowenien
Bolivien  Bolivien
Nicaragua  Nicaragua
Niederlande  Niederlande
Italien  Italien
2006—09 Dschibuti  Dschibuti
Kamerun  Kamerun
Mauritius  Mauritius
Nigeria  Nigeria
Senegal  Senegal
Bangladesch  Bangladesch
China Volksrepublik  Volksrepublik China
Jordanien  Jordanien
Malaysia  Malaysia
Saudi-Arabien  Saudi-Arabien
Aserbaidschan  Aserbaidschan
Russland  Russland
Kuba  Kuba
Mexiko  Mexiko
Uruguay  Uruguay
Deutschland  Deutschland
Kanada  Kanada
Schweiz  Schweiz
2006—08 Gabun  Gabun
Ghana  Ghana
Mali  Mali
Sambia  Sambia
Japan  Japan
Pakistan  Pakistan
Sri Lanka  Sri Lanka
Korea Sud  Südkorea
Rumänien  Rumänien
Ukraine  Ukraine
Brasilien  Brasilien
Guatemala  Guatemala
Peru  Peru
Frankreich  Frankreich
Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich
2006/07 Algerien  Algerien
Marokko  Marokko
Sudafrika  Südafrika
Tunesien  Tunesien
Bahrain  Bahrain
Indien  Indien
Indonesien  Indonesien
Bangladesch  Bangladesch
Polen  Polen
Tschechien  Tschechien
Argentinien  Argentinien
Ecuador  Ecuador
Finnland  Finnland
Niederlande  Niederlande

PräsidentenBearbeiten

Nr Name Land Amtszeit
11. Joaquín Alexander Maza Martelli El Salvador  El Salvador 01.01.2017 – heute[10]
10. Kyonglim Choi Korea Sud  Südkorea 05.10.2015 – 31.12.2016[11]
9. Joachim Rücker Deutschland  Deutschland 2015–2016[12]
8. Baudelaire Ndong Ella Gabun  Gabun 16.06.2014 – 2015
7. Remigiusz Henczel Polen  Polen 01.01.2013 – 31.12.2013[13]
6. Laura Dupuy Lasserre Uruguay  Uruguay 19.06.2011 – 9.12.2012
5. Sihasak Phuangketkeow Thailand  Thailand 19.06.2010 – 18.06.2011[14]
4. Alex Van Meeuwen Belgien  Belgien 19.06.2009 – 18.06.2010[14]
3. Martin Ihoeghian Uhomoibhi Nigeria  Nigeria 19.06.2008 – 18.06.2009
2. Doru Romulus Costea Rumänien  Rumänien 19.06.2007 – 18.06.2008
1. Luis Alfonso de Alba Mexiko  Mexiko 19.06.2006 – 18.06.2007

Aufgaben und ZieleBearbeiten

 
Hohe Kommissarin für Menschenrechte Navi Pillay, die damalige UNHRC-Präsidentin Laura Dupuy Lasserre und Mitglieder des UNHRC / OHCHR-Sekretariats bei der Eröffnung der UNHRC-Sitzung zum Bürgerkrieg in Syrien 2012.

Der Menschenrechtsrat soll gemäß seiner Gründungsresolution als Hauptforum der Vereinten Nationen für den Dialog und die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Menschenrechte dienen. Sein Hauptaugenmerk liegt darauf, Mitgliedstaaten dabei zu unterstützen, ihre Menschenrechts-Verpflichtungen mittels Dialog, technischer Hilfe und des Aufbaus von Kapazitäten einzuhalten. Er gibt auch Empfehlungen zur Weiterentwicklung des Völkerrechts auf dem Gebiet der Menschenrechte an die Generalversammlung ab. Geleitet sein soll er von den Prinzipien Universalität, Unparteilichkeit, Objektivität und Nicht-Selektivität.

In der GA Resolution 60/251 (PDF; 879 kB) hat der Menschenrechtsrat folgende Hauptaufgaben und Ziele festgelegt:

  1. Schutz von Opfern von Menschenrechtsverletzungen
  2. Förderung des Schutzes und Umsetzung der Menschenrechte
  3. Entwicklung von neuen Konzepten und Politiken
  4. Ausarbeitung neuer Menschenrechtsstandards, sowohl auf internationaler als auch nationaler Ebene
  5. Verhütung und Vorbeugung von Menschenrechtsverletzungen
  6. Koordination der Menschenrechtsarbeit der UNO
  7. Weiterverfolgung und Umsetzung[15]

Dafür stehen ihm diese Instrumente zur Verfügung:

  • Universelle Periodische Überprüfung:
Dieses Instrument, das in der Menschenrechtskommission noch nicht existierte, ist die universelle Periodische Überprüfung aller Mitgliedsstaaten der UNO. Das Verfahren soll sicherstellen, dass regelmäßig überprüft wird, ob ein Staat seine menschenrechtlichen Verpflichtungen erfüllt. Dabei geht es nicht nur um Kontrolle, sondern auch um die Bereitstellung von Hilfe bei Problemen in der Umsetzung. In solchen Fällen können das Hochkommissariat für Menschenrechte und andere UNO-Agenturen ihre Unterstützung anbieten.
Das Verfahren ist die wichtigste Innovation des Menschenrechtsrats. Es dient allerdings nicht einem Ersatz der bestehenden, von Expertengremien geführten Staatenberichtsverfahren im Zusammenhang mit den diversen Menschenrechtsverträgen, sondern stellt ein System der Überprüfung von Staaten durch Staaten dar (sog. „peer review“). Der Vorgang basiert auf internationaler Zusammenarbeit und gemeinsamem Dialog.
  • Spezialverfahren:
Die von der Menschenrechtskommission entwickelten Spezialverfahren oder „Special Procedures“ befassen sich mit der Menschenrechtssituation in einem bestimmten Staat oder mit einem bestimmten, international virulenten Menschenrechtsthema. Die Mandate sind somit entweder länderspezifisch oder thematisch. Die Mandatsträger – das können Einzelpersonen (Sonderberichterstatter) oder Arbeitsgruppen sein – bestehen aus unabhängigen Experten, die über das notwendige Fachwissen verfügen und zugleich keine Eigeninteressen verfolgen dürfen. Alle Mandatsträger müssen den Menschenrechtsrat jährlich über ihre Arbeit informieren. Bei Anfrage der Generalversammlung müssen sie dieser ihre Untersuchungsergebnisse vorlegen.
  • Beratender Ausschuss des Menschenrechtsrates:
Der Beratende Ausschuss des Menschenrechtsrats ist ein Diskussions- und Fachgremium und wurde durch den Rat als dessen Unterorgan ins Leben gerufen. Es ersetzt die ehemalige einflussreiche „Unterkommission für die Förderung und den Schutz der Menschenrechte“.
  • Beschwerdeverfahren:
Das Beschwerdeverfahren ist die überarbeitete Version des in der Menschenrechtskommission existierenden „1503-Beschwerdeverfahrens“. Es dient der Identifizierung von Situationen schwerer und zuverlässig bestätigter Menschenrechtsverletzungen. Das Beschwerdeverfahren ist allerdings nicht zu verwechseln mit den Individualbeschwerdeverfahren, wie sie manchen Menschenrechtsabkommen als Fakulativprotokolle beigeordnet sind. Beim Menschenrechtsrat kann die Beschwerde zwar auch von Individuen eingereicht werden, diese sind jedoch nicht als Beschwerdeführer am Verfahren beteiligt.
Das Ziel des Beschwerdeverfahrens ist die Identifizierung und Eindämmung von Menschenrechtsverletzungen bei Anzeichen von regelmäßigen und systematischen Mustern von Verletzungen der Menschenrechte in einem Staat.[16]

KritikBearbeiten

Auch nach der Reform des Rates gelangten Menschenrechte verletzende Staaten wie China, Tunesien, Saudi-Arabien, Kuba und Nigeria in den Besitz einer Stimme im Menschenrechtsrat, da sich jedes UN-Mitgliedsland ohne Auswahlkriterien für den Rat bewerben kann und die Mitglieder durch eine einfache Mehrheit der UN-Vollversammlung gewählt werden, in welcher Demokratien mit Gewaltentrennung in einer Minderheit sind. Dies steht im Gegensatz zum Anspruch des Rates, ihre Mitglieder müssten höchsten Menschenrechtsstandards entsprechen. Die im Westen geltenden Werte – von der Pressefreiheit bis zum Recht auf körperliche Unversehrtheit – werden Berichten westlicher Ratsmitglieder zufolge offensiv in Frage gestellt.[17] So sprach auch der ehemalige UN-Sonderberichterstatter über Folter Manfred Nowak beispielsweise davon, dass im Menschenrechtsrat jene „Staaten, die die Menschenrechte am meisten verletzen, […] die Mehrheit“ hätten.[18][19]

Von Kritikern wird des Weiteren darauf hingewiesen, dass viele Entscheidungen des Rates politisch motiviert seien und nicht aus der Perspektive der Menschenrechte heraus getroffen würden. So würden die menschenrechtsverletzenden Staaten sich und ihre Verbündeten gegenseitig schützen.[20] Besonders die stimmstarke Organisation islamischer Staaten schmettert regelmäßig Vorwürfe bezüglich Menschenrechtsverletzungen etwa in Usbekistan oder dem Iran ab.[17] Auch im Darfur-Konflikt wurde auf Betreiben der afrikanischen und asiatischen Staaten, die im Menschenrechtsrat eine Mehrheit bilden, eine scharfe Verurteilung der schweren Menschenrechtsverletzungen mehrfach abgelehnt.[21][22]

In Sri Lanka wurde nach dem Ende des Bürgerkriegs gegen die Tamil Tigers verhindert, dass das Vorgehen der Armee bezüglich Menschenrechtsverletzungen untersucht wird. Beiden Seiten werden schwere Missachtung der Menschenrechte (Nutzung von Zivilpersonen als menschliche Schutzschilde, militärischer Angriff auf Spitäler, willkürliche Abführungen von des Terrorismus Verdächtigten) vorgeworfen. Eine von Sri Lanka selbst eingebrachte Resolution, die den Zugang zu den Kampfgebieten für Hilfsorganisationen erst dann erlauben soll, „wenn es angebracht sei“ (womit eine Untersuchung unterbunden wird), wurde (u. a. von Kuba, China, Ägypten) gegen die Stimmen unter anderem von Deutschland (und elf weiteren Staaten) angenommen.[23]

Delegierte jener Staaten, die der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) angehören, und die ein Drittel der Sitze im Rat innehaben, verhindern nach Ansicht der Kritiker regelmäßig Diskussionen über Menschenrechtsverletzungen in ihren Staaten. Sie berufen sich dabei darauf, dass das Rechtssystem der Scharia Bestandteil ihrer Religion ist und somit jeder Kritik enthoben sei.[24] Zudem versuchen diese Staaten Religionskritik als Rassismus abzustempeln, welcher in westlichen Industriestaaten strafbar ist. Am 26. März 2009 verabschiedete der Menschenrechtsrat eine Resolution zur Unterbindung jeglicher Religionskritik, wobei nur der Islam namentlich genannt wird. Mit 23 zu 11 Stimmen verabschiedete das Gremium eine Erklärung, die die UN-Mitgliedstaaten auffordert, ihre nationale Gesetzgebung im Sinne des Schutzes vor Diffamierung bzw. Beleidigung (defamation of religion) einer Religion zu modifizieren.[25] Über 200 Bürger- und Menschenrechtsorganisationen aus 46 Staaten, darunter auch muslimische, lehnten die völkerrechtlich nicht bindende Resolution in einer gemeinsamen Erklärung ab. Der Sprecher einer der Organisatoren der Erklärung bezeichnete die Resolution als „unnötig und gefährlich“.[26]

Verurteilungen des UN-Menschenrechtsrats nach Ländern, 2006–2015
Land Anzahl
Israel
  
61
Syrien
  
15
Myanmar
  
12
Nordkorea
  
8
Iran
  
4
Weißrussland
  
4
Eritrea
  
3
Sri Lanka
  
3
Sudan
  
2
Libyen
  
2
Honduras
  
1
Quelle: UN Watch[27]

Demgegenüber beschäftigte sich der Rat allein im Jahr 2007 auf Betreiben der islamischen Mitglieder 120 Mal mit dem Nahostkonflikt und verabschiedete zahlreiche Resolutionen gegen Israel, während der Antrag westlicher Staaten auf die Einbeziehung und Verurteilung möglicher palästinensischer Menschenrechtsverletzungen jeweils abgelehnt wurde.[28] Die Nichtregierungsorganisation UN Watch trug im Juni 2015 die Adressaten aller länderspezifischen Verurteilungen des Menschenrechtsrates zusammen und kritisierte abermals den Fokus auf Israel bei völliger Abstinenz derartiger Resolutionen gegen Staaten wie China, Afghanistan, Irak, USA oder Russland.[27] Die USA hatte im Juni 2008 angekündigt, ihren Beobachterstatus nur noch in besonders dringenden Fällen wahrzunehmen. Die damalige Außenministerin Condoleezza Rice sagte dazu, es bringe wenig, sich an einem Gremium zu beteiligen, welches nur Israel angreife.[24] Unter der Regierung von Präsident Obama ließen sich die Vereinigten Staaten als Kandidat für die Wahlen am 12. Mai 2009 aufstellen und sind in den Rat gewählt worden.[29]

Bei einer Abstimmung der Generalversammlung am 13. Mai 2010 wurden mit Angola, Ecuador, Guatemala, Katar, Libyen, Malaysia, den Malediven, Mauretanien, Moldawien, Polen, Spanien, der Schweiz, Thailand und Uganda 14 weitere Staaten für eine dreijährige Amtszeit in den Menschenrechtsrat gewählt.[30] Insbesondere die Wahl Libyens als eine der „langlebigsten und brutalsten Tyranneien“ stieß bei Menschenrechtsgruppen auf heftigen Protest.[31] Am 1. März 2011 entschied die UN-Generalversammlung durch Konsens den Ausschluss von Libyen aus dem UN-Menschenrechtsrat.[32]

Im Vorfeld der UN-Vollversammlung 2016 hatten 80 Menschenrechts- und Hilfsorganisationen dazu aufgerufen, die Wiederwahl Russlands aufgrund dessen Rolle im Syrischen Bürgerkrieg zu verhindern[33]. Überraschend scheiterte Russland bei der Wahl tatsächlich gegen Ungarn und Kroatien, wogegen Saudi-Arabien trotz schwerer Menschenrechtsverletzungen und des Krieges im Jemen wiedergewählt wurde.[34]

LiteraturBearbeiten

  • Daniela Karrenstein: Der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen. Mohr Siebeck, Tübingen 2011, ISBN 978-3-16-150909-4.
  • Gunnar Theissen: Mehr als nur ein Namenswechsel. Der neue Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen. In: Vereinte Nationen. 54, 2006, S. 138–146.
  • Norman Weiß: Der neugeschaffene Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen. In: MenschenRechtsMagazin. 2006, S. 80–86.
  • Eckart Klein, Marten Breuer: (Un-)Vollendete Reformschritte in den Vereinten Nationen: die Beispiele Sicherheitsrat und Menschenrechtsrat. In: Hans J. Münk (Hrsg.): Die Vereinten Nationen – sechs Jahrzehnte nach ihrer Gründung. Bilanz und Reformperspektiven. 2008, S. 75–116.
  • Maximilian Mertel: Die „Special Procedures“ des UNO-Menschenrechtsrates. VDM Verlag Dr. Müller, 2010, ISBN 978-3-639-25525-6, S. 46 und 54.

UN-DokumenteBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. 60/251, Nr. 1; PDF; 879 kB
  2. Resolutionen ohne Überweisung an einen Hauptausschuss: RESOLUTION 60/251. http://www.un.org/, 15. März 2006, abgerufen am 7. Mai 2017 (PDF).
  3. Internet-Zeitung 123recht.net: Deutschland zur Festnahme von Irans Generalstaatsanwalt aufgefordert – Kanada stellt Antrag wegen Tod einer Journalistin
  4. Tilman Dralle: Die Reformierbarkeit der Vereinten Nationen am Beispiel des Sicherheitsrates und der Menschenrechtskommission (PDF; 254 kB) August 2010, S. 7 f.
    Deutschlands Versprechen bei der Wahl 2006 (PDF; 340 kB)
  5. Election of the Human Rights Council auf der UN-Website.
  6. Aktuelle Mitglieder
  7. General Assembly, by Secret Ballot, Elects 14 Member States to Serve Three-year Terms on Human Rights Council, United Nations. 29. Oktober 2016. 
  8. PH reelected to UNHRC, The Manila Times. 29. Oktober 2015. 
  9. HRC > Current Membership of the Human Rights Council by regional groups. Retrieved 15/05/2015.
  10. Human Rights Council elects new President and Vice-Presidents for 2017 – Joaquín Alexander Maza Martelli of El Salvador Appointed as President-elect – See more at: http://www.ohchr.org/EN/NewsEvents/Pages/DisplayNews.aspx?NewsID=20989&LangID=E#sthash.myMXxrOD.dpuf. Abgerufen am 6. Mai 2017.
  11. President of the 10th Cycle
  12. Joachim Rücker, President of the Human Rights Council, Ninth Cycle (2015). Retrieved 22/05/2015.
  13. http://www.un.org/apps/news/story.asp?Cr=human+rights+council&NewsID=43731#.UP4PCSd9IVA
  14. a b Human Rights Council – Membership of the Human Rights Council. .ohchr.org. Abgerufen am 26/02/2011.
  15. GAR60/251 (PDF; 879 kB), 20. Dezember 2011.
  16. HumanRights.ch, 20. Dezember 2011.
  17. a b Demokraten in der Minderheit. In: Der Spiegel. Nr. 43, 2006, S. 80 (online).
  18. Manfred Nowak im Interview – „Menschenrechtsschutz der UNO in großer Krise“, Der Standard vom 22. Oktober 2010
  19. UNO-Sonderberichterstatter kritisiert Menschenrechtsrat, swissinfo.ch vom 10. März 2010
  20. UN-Menschenrechtsrat: Zwei zu eins für den Süden – dw-world.de vom 17. Juni 2008
  21. Sudan entgeht erneut Verurteilung im UN-Menschenrechtsrat. In: Deutsche Welle. 13. Dezember 2006, abgerufen am 2. Mai 2011.
  22. Religionsfreiheit vor Menschenrecht? In: Spiegel Online, 4. Juli 2008
  23. tagesschau.de (Memento vom 30. Mai 2009 im Internet Archive)
  24. a b Udo Wolter: Die Würde des Islam ist unantastbar. In: Jungle World. 7. August 2008, S. 3, abgerufen am 31. März 2009.
  25. http://www.humanrights.ch/de/Instrumente/Nachrichten/Diverse_Gremien/idart_6794-content.html
  26. NGO's weltweit gegen Resolution vom 26. März 2009
  27. a b UN Watch: [Report: In 9 Years Existence, UNHRC Condemned Israel More Times Than Rest of World Combined], UN Watch Briefing, Issue 539, 25. Juni 2015.
  28. Der UN-Menschenrechtsrat gehört abgeschafft. In: Die Welt
    tagesschau.de (Memento vom 25. September 2008 im Internet Archive)
  29. Wahlergebnis der UN-Generalversammlung (englisch)
  30. Louis Charbonneau: Libya, Thailand elected to U.N. Human Rights Council. 13. Mai 2010, abgerufen am 2. Mai 2011.
  31. tagesschau.de (Memento vom 16. Mai 2010 im Internet Archive)
  32. UN General Assembly press release GA/11050
  33. Russland fliegt aus Uno-Menschenrechtsrat, Spiegel Online, 28. Oktober 2016
  34. Russland verpasst Wiederwahl in UNO-Menschenrechtsrat, Watson (sda), 28. Oktober 2016