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Nikki Haley (2017)

Nimrata „Nikki“ Haley (* 20. Januar 1972 in Bamberg, South Carolina, als Nimrata Randhawa) ist eine US-amerikanische Politikerin der Republikanischen Partei. Von 2011 bis 2017 war sie als erste Frau Gouverneurin South Carolinas und die zweite Gouverneurin in den USA mit indischem Migrationshintergrund. Ab Januar 2017 war sie unter Präsident Donald Trump US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen. Am 9. Oktober 2018 kündigte sie ihren Rücktritt zum Ende des Jahres an.

Inhaltsverzeichnis

PersönlichesBearbeiten

Haley wurde als Kind indischer Einwanderer geboren. Ihre Eltern Ajit Singh Randhawa und Raj Kaur Randhawa gehören der Glaubensgemeinschaft der Sikhs an. Sie stammen aus dem indischen Distrikt Amritsar und emigrierten 1969 zunächst nach Kanada, wo der Vater in Vancouver eine Professur für Biologie an der University of British Columbia erhielt. Später wanderten sie in die USA aus und waren die ersten indischen Einwanderer in ihrem neuen Heimatort Bamberg. Der Vater nahm dort eine Professorenstelle am Voorhees College in Denmark, South Carolina, an. Ihre Mutter gründete 1976 das Bekleidungsgeschäft Exotica International Gift Shop.

Sie half ihrer Mutter in deren Geschäft; mit 13 Jahren begann sie, sich um die Buchhaltung zu kümmern. Nach dem College an den Orangeburg Preparatory Schools studierte sie Buchhaltung an der Clemson University und arbeitete danach in einem Unternehmen in North Carolina, bevor sie in das Geschäft ihrer Mutter zurückkehrte und dort den Finanzvorstand übernahm. Sie baute mit ihrer Mutter das Geschäft zu einem Unternehmen mit Millionenumsätzen aus.

Im September 1996 heiratete sie Michael Haley, einen Offizier der Army National Guard, nach dem Ritus der Sikhs und der Methodisten.[1] Haley ist heute Mitglied der Mt. Horeb United Methodist Church.[2][3] Sie hat zwei Kinder.[4][5]

Politische LaufbahnBearbeiten

 
Haley wird durch US-Vizepräsident Pence als UNO-Botschafterin vereidigt, 25. Januar 2017

Haley wurde 2004 in das Repräsentantenhaus von South Carolina gewählt. Hierbei setzte sie sich gegen den ebenfalls der Republikanischen Partei angehörenden Larry Koon durch. 2006 wurde sie wiedergewählt.

Vor der Gouverneurswahl 2010 setzte sie sich in der parteiinternen Vorwahl 2009 gegen drei prominente Republikaner durch. Sie war eine der Kandidatinnen, die Sarah Palin unterstützte; Haley wurde zu den Mama Grizzlys gerechnet und stand der Tea-Party-Bewegung nahe.[6]

Im Wahlkampf hatte sie mit der Behauptung zu kämpfen, dass sie keine richtige Christin sei, da sie im Glauben der Sikhs erzogen worden sei. 2010 wurde sie vom Republikaner John M. „Jake“ Knotts, Jr., damals Abgeordneter im Repräsentantenhaus von South Carolina, als Raghead beschimpft. Dieser Ausdruck ist eine rassistisch denotierte, abwertende Bezeichnung für Menschen, die traditionelle Kopfbedeckungen wie Turban oder Kufiya tragen.[7] Diese Äußerung wurde von Haleys Wahlkampfmanager und auch von Mitgliedern der Republikanischen Partei scharf kritisiert. Haley gewann die Hauptwahl gegen den Demokraten Vincent Shaheen, der bisher Staatssenator gewesen war, mit 51,4 zu 46,9 Prozent.[8][9]

Am 4. November 2014 wurde Haley in eine zweite Amtszeit als Gouverneurin gewählt.

In der Vorwahl zur Präsidentschaftswahl 2016 sprach sich Haley für Marco Rubio aus.[10] Als Rubio sich aus dem Rennen um die Nominierung zurückzog, sprach sie sich für Ted Cruz aus.[11] Sie war im Gespräch für verschiedene Ämter im Kabinett Trump, das der gewählte US-Präsident Donald Trump im November 2016 zusammenstellte, darunter als mögliche Außenministerin.[12]

Der gewählte Präsident Trump nominierte Haley im November 2016 zur Botschafterin der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen; ihre Vorgängerin war Samantha Power.[13] Der Senat bestätigte die Ernennung am 24. Januar 2017.[14] Danach reichte sie ihren Rücktritt als Gouverneurin ein. Die Nachfolge trat Vizegouverneur Henry McMaster an.

Als UN-Botschafterin der USA nahm Haley eine herausragende Rolle in der Außenpolitik der Regierung Trump ein. Die Zeitung Politico hielt sie während des ersten Jahres für präsenter als den Außenminister Rex Tillerson und bezeichnete sie als De-facto-Außenministerin nach dessen Entlassung im März 2018, bevor dessen designierter Nachfolger Mike Pompeo vom Senat bestätigt wurde. Dabei formulierte sie eigenständige Positionen, die im Weißen Haus zuweilen auf Widerstand trafen, etwa, als sie Anfang 2017 die russische Einflussnahme auf den US-Wahlkampf 2016 als kriegerischen Akt bezeichnete oder als sie im Herbst 2017 im Zuge der #MeToo-Debatte forderte, die Frauen, die Präsident Trump sexueller Übergriffe bezichtigten, sollten gehört werden. Im April 2018 vertrat sie eine harte Linie bei Sanktionen gegenüber Russland, die Trump später zurücknahm und erklären ließ, Haley habe etwas missverstanden. Sie wehrte sich als erstes Kabinettsmitglied öffentlich gegen eine derartige Charakterisierung, was Politico als „rote Linie“ bezeichnete, die Haley dem Präsidenten gesetzt habe, der immer wieder Mitarbeiter öffentlich bloßstellt.[15] Am 9. Oktober 2018 kündigte sie überraschend ihren Rücktritt zum Ende des Jahres an.[16][17]

Politische PositionenBearbeiten

 
Haley bei einer Rede auf der Conservative Political Action Conference in National Harbor
am 15. März 2013

Haley hat sich gegen Schwangerschaftsabbrüche, die gleichgeschlechtliche Ehe und die von der Regierung Obama durchgeführte Krankenversicherungsreform Obamacare ausgesprochen. Sie tritt für eine weite Auslegung des 2. Zusatzartikels zur Verfassung ein, der es der US-Regierung verbietet, das Recht auf Besitz und Tragen von Waffen einzuschränken.[18]

Nach dem Anschlag in Charleston, South Carolina am 17. Juni 2015, bei dem der 21-jährige Dylann Roof neun schwarze Mitglieder der Emanuel African Methodist Episcopal Church erschoss, sprach sich Haley dagegen aus, die Flagge der Konföderierten Staaten von Amerika – die heute als Symbol der früher Sklaverei befürwortenden Südstaaten umstritten ist – auf staatlichem Gelände zu verwenden.[19]

Anfang Februar 2017 trat Haley erstmals im UN-Sicherheitsrat auf. Sie kritisierte die russische Vorgehensweise in der Ukraine als „aggressiv“;[20] zur Annexion der Krim sagte sie, die US-Sanktionen gegen Russland würden bestehen bleiben, „bis Russland die Kontrolle über die Halbinsel an die Ukraine zurückgegeben hat“.[21]

Einige Tage nach ihrer Rücktrittsankündigung äußerte sie Thesen, die als deutliche Distanzierung von Trump interpretiert wurden. Trump hatte zuvor im Wahlkampf vor den Halbzeitwahlen 2018 Demokraten unterstellt, sie seien 'evil', 'crime-loving' und 'unwilling to defend the nation'.[22]

Laufbahn in der freien WirtschaftBearbeiten

Haley wurde als Direktorin für den Verwaltungsrat von Boeing nominiert. Am 29. April 2019 werden die Aktionäre darüber abstimmen.[23]

WeblinksBearbeiten

  Commons: Nikki Haley – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Shaila Dewan, Robbie Brown: All Her Life, Nikki Haley Was the Different One. In: The New York Times. 13. Juni 2010, abgerufen am 25. Dezember 2017.
  2. Q & A: Nikki Haley on Faith, the 'War on Women,' and Why She Would Say No to VP. In: ChristianityToday.com. Abgerufen am 25. Dezember 2017.
  3. Meet Nikki Haley. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Nikkihaley.com. Archiviert vom Original am 24. Oktober 2012; abgerufen am 23. November 2016.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/governor.sc.gov
  4. Home. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Governor.sc.gov. Archiviert vom Original am 21. Juli 2011; abgerufen am 25. Juli 2011.
  5. Republicans tap Haley for gov, make history. (Nicht mehr online verfügbar.) In: The State. 22. Juni 2010, archiviert vom Original am 26. Juni 2010; abgerufen am 25. Juli 2011.
  6. Dietmar Ostermann: Pitbull mit Lippenstift. In: Frankfurter Rundschau. 26. Oktober 2010, abgerufen am 27. Oktober 2010.
  7. John O’Connor: Knotts’ slur stirs the Haley storm. In: The State, 3. Juni 2010 (englisch).
  8. Nikki Haley bests Vincent Sheheen for South Carolina governor. In: Los Angeles Times, 2. November 2010 (englisch).
  9. Haley, Nikki. In: Our Campaigns. (englisch)
  10. Alex Isenstadt, Mike Zapler: South Carolina Gov. Nikki Haley endorses Marco Rubio. In: The Washington Examiner. 17. Februar 2016, abgerufen am 25. Dezember 2017 (englisch).
  11. Patrick Svitek: Cruz Wins Support of Former Rubio Backers in Texas. In: Texas Tribune, 16. März 2016 (englisch).
  12. South Carolina Gov. Nikki Haley Under Consideration for Secretary of State, Other Positions in Donald Trump Cabinet. In: KTLA.com, 16. November 2016 (englisch).
  13. Veit Medick: Ein Hoffnungsschimmer. In: Spiegel Online, 23. November 2016.
  14. Michael K. Lavers: Senate committee approves Nikki Haley nomination. In: Washington Blade, 24. Januar 2017 (englisch).
  15. Eliana Johnson, Burgess Everett: Haley sets a red line for Trump. In: Politico, 18. April 2018 (englisch).
  16. Marc Pitzke: Trump verliert seine beste Frau. In: Spiegel Online, 9. Oktober 2018.
  17. Maggie Haberman, Mark Landler, Edward Wong: Nikki Haley Resigns as U.S. Ambassador to the United Nations. In: The New York Times, 9. Oktober 2018 (englisch).
  18. Nikki Haley. In: On the Issues (englisch).
  19. Gouverneurin will Konföderiertenflagge verbannen. In: Spiegel Online, 22. Juni 2015.
  20. USA verurteilen aggressives Vorgehen Russlands. In: Spiegel Online, 3. Februar 2017.
  21. Sanktionen gegen Russland – Trump fordert Rückgabe der Krim an die Ukraine. In: Spiegel Online, 14. Februar 2017.
  22. politico.com 19. Oktober 2018: Haley breaks with Trump: 'In America, our political opponents are not evil'
  23. Haley geht wohl zu Boeing. Luftfahrtkonzern statt Vereinte Nationen. tagesschau.de, 26. Februar 2019