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Jamhuuriyadda Federaalka Soomaaliya (Somali)
جمهورية الصومال الفدرالية
Ǧumhūriyyat aṣ-Ṣūmāl al-Fidirāliyya (arab.)
Bundesrepublik Somalia
Flagge Somalias
Wappen Somalias
Flagge Wappen
Amtssprache Somali. Sekundärsprache ist Arabisch.[1]
Hauptstadt Mogadischu
Staatsform parlamentarische Bundesrepublik
Regierungssystem parlamentarisches System
Staatsoberhaupt Präsident
Mohamed Abdullahi Mohamed
Regierungschef Premierminister
Hassan Ali Khaire
Fläche 637.657 km²
Einwohnerzahl 12,3 Millionen (2017)(*)
Bevölkerungsdichte 19 Einwohner pro km²
Währung Somalia-Schilling (SOS)
Gründung
  • 1. Juli 1960 Republik Somalia
    Vereinigung des bis dahin Italienischen Treuhandgebietes mit dem ehemaligen Britisch-Somaliland
  • 21. Oktober 1969
    Demokratische Republik Somalia
  • ab Januar 1991 in Auflösung
    (siehe Übergangsregierung Somalias)
  • 25. August 2012
    Bundesrepublik Somalia
  • Unabhängigkeit 1. Juli 1960 (der Süden von Italien)
    26. Juni 1960 (der Norden vom Vereinigten Königreich als State of Somaliland).
    Nationalhymne Qolobaa Calankeed
    Zeitzone UTC+3
    Kfz-Kennzeichen SO
    ISO 3166 SO, SOM, 706
    Internet-TLD .so
    Telefonvorwahl +252
    ÄgyptenTunesienLibyenAlgerienMarokkoMauretanienSenegalGambiaGuinea-BissauGuineaSierra LeoneLiberiaElfenbeinküsteGhanaTogoBeninNigeriaÄquatorialguineaKamerunGabunRepublik KongoAngolaDemokratische Republik KongoNamibiaSüdafrikaLesothoSwasilandMosambikTansaniaKeniaSomaliaDschibutiEritreaSudanRuandaUgandaBurundiSambiaMalawiSimbabweBotswanaÄthiopienSüdsudanZentralafrikanische RepublikTschadNigerMaliBurkina FasoJemenOmanVereinigte Arabische EmirateSaudi-ArabienIrakIranKuwaitKatarBahrainIsraelSyrienLibanonJordanienZypernTürkeiAfghanistanTurkmenistanPakistanGriechenlandItalienMaltaFrankreichPortugalMadeiraSpanienKanarenKap VerdeMauritiusRéunionMayotteKomorenSeychellenÎles ÉparsesMadagaskarSão Tomé und PríncipeSri LankaIndienIndonesienBangladeschVolksrepublik ChinaNepalBhutanMyanmarAntarktikaSüdgeorgien (Vereinigtes Königreich)ParaguayUruguayArgentinienBolivienBrasilienFrankreich (Französisch-Guayana)SurinameGuyanaKolumbienKanadaDänemark (Grönland)IslandMongoleiNorwegenSchwedenFinnlandIrlandVereinigtes KönigreichNiederlandeBarbadosBelgienDänemarkSchweizÖsterreichDeutschlandSlowenienKroatienTschechische RepublikSlowakeiUngarnPolenRusslandLitauenLettlandEstlandWeißrusslandMoldawienUkraineMazedonienAlbanienMontenegroBosnien und HerzegowinaSerbienBulgarienRumänienGeorgienAserbaidschanArmenienKasachstanUsbekistanTadschikistanKirgisistanRusslandSomalia on the globe (Africa centered).svg
    Über dieses Bild

    Somalia (Somali Soomaaliya; arabisch الصومال, DMG aṣ-Ṣūmāl) oder Bundesrepublik Somalia bezeichnet einen föderalen Staat im äußersten Osten Afrikas am Horn von Afrika. Der Name ist vom Volk der Somali abgeleitet, das die Bevölkerungsmehrheit bildet und auch in den Nachbarländern ansässig ist.

    Somalia entstand aus dem Zusammenschluss der Kolonialgebiete Britisch- und Italienisch-Somaliland, die 1960 („Afrikanisches Jahr“) gemeinsam unabhängig wurden. Das Staatsgebiet grenzt an den Indischen Ozean im Osten, den Golf von Aden im Norden, Dschibuti und Äthiopien im Westen und Kenia im Süden. Nach dem Sturz der autoritären Regierung unter Siad Barre 1991 existierte aufgrund des noch andauernden Bürgerkrieges mehr als 20 Jahre lang keine funktionierende Zentralregierung mehr. Die ab dem Jahr 2000 unter dem Schutz der internationalen Staatengemeinschaft gebildeten Übergangsregierungen blieben weitgehend erfolglos; sie vermochten zeitweise kaum die Hauptstadt unter ihrer Kontrolle zu halten. Weite Teile des Landes fielen in die Hände lokaler Clans, Warlords, radikal-islamistischer Gruppen oder Piraten.

    Auf dem Staatsgebiet haben sich verschiedene De-facto-Regimes gebildet. Von diesen strebt jedoch nur Somaliland im Nordwesten seit 1991 nach internationaler Anerkennung als eigenständige Nation. Die übrigen, darunter Puntland, Galmudug und Azania, beanspruchten zwar Autonomie als selbstverwaltete Teilstaaten, haben die Idee des gemeinsamen somalischen Staates aber nicht aufgegeben. Mit Inkrafttreten der neuen Verfassung am 1. August 2012 sind diese autonomen Teilstaaten nun Mitglieder der neuen Bundesrepublik Somalia (zuvor Republik Somalia). Erfolge gegen die radikal-islamistischen Milizen im Jahr 2012 ermöglichten es, im August 2012 erstmals auch wieder eine gemeinsame somalische Regierung zu wählen und mit der Reorganisation staatlicher Strukturen zu beauftragen, die zunehmend von anderen Staaten und internationalen Organisationen als Vertretung Somalias anerkannt wird.

    Inhaltsverzeichnis

    GeographieBearbeiten

    Hauptartikel: Geographie Somalias
     
    Hügel in Nordsomalia/Somaliland

    Somalia liegt im Osten des afrikanischen Kontinents, am Horn von Afrika auf der Somali-Halbinsel. Der nördliche Teil des Landes ist größtenteils bergig und liegt im Somali-Hochland durchschnittlich 900 bis 2100 m über dem Meeresspiegel; der höchste Berg ist der Shimbiris (2460 m). Nach Süden hin erstreckt sich ein Flachland mit einer durchschnittlichen Höhe von 180 m. Die Flüsse Jubba und Shabeelle entspringen in Äthiopien und fließen durch den Süden Somalias und damit durch die Somali-Wüste in den Indischen Ozean.

    Somalia wird durch Monsunwinde, ein ganzjähriges heißes Klima, unregelmäßige Regenfälle und stetig wiederkehrende Trockenperioden beeinflusst. Außer in den Berg- und Küstenregionen liegt die durchschnittliche Maximaltemperatur am Tag zwischen 30 und 40 °C. Der südwestliche Monsun sorgt in der Gegend um Mogadischu in den Monaten von Mai bis Oktober für ein relativ mildes Klima. Zwischen Dezember und Februar bringt der nordöstliche Monsun ein ähnliches mildes Klima. In der sogenannten Tangambili-Periode zwischen den beiden Monsunen (Oktober bis November und März bis Mai) ist es heiß und feucht.

    UmweltBearbeiten

    Erosion und die Ausbreitung der Wüste sind die wesentlichen Umweltprobleme Somalias. Ursachen sind Überweidung und die Abholzung der verbleibenden Wälder, da Holz die Hauptenergiequelle des Landes ist und seit Ausbruch des Bürgerkrieges in größerem Umfang Holzkohle in die Staaten der Arabischen Halbinsel exportiert wird.

    Die Mangrovengebiete zwischen Kismaayo und der kenianischen Grenze im Süden des Landes und die Korallenriffe am Golf von Aden und nahe Kenia sind ebenfalls von Bodendegradation und Schädigung betroffen.

    In Abwesenheit einer wirksamen Küstenwache wird vor der Küste des Landes illegale Atommüll- und Giftmüllentsorgung (Verklappung) betrieben,[2] und ausländische Fangflotten überfischen unkontrolliert die Gewässer.[3]

    BevölkerungBearbeiten

     
    Bevölkerungsentwicklung in Millionen Einwohnern [4]
     
    Alterspyramide in 1000 Einwohnern [4]
     
    Somalische Kinder

    Die Einwohner Somalias heißen Somalier. Gelegentlich wird auch unpräzise die Bezeichnung Somali verwendet, die jedoch nur die ethnischen Somali einschließt, also die Nicht-Somali-Minderheiten im Land nicht umfasst.

    Die letzte Volkszählung, deren Ergebnisse veröffentlicht wurden, gab es 1975. Die UNFPA hat im Jahr 2014 eine Studie veröffentlicht, in der mit Hilfe von Umfragen und Satellitenaufnahmen eine Gesamtbevölkerung von über 12,3 Millionen ermittelt wurde[5].

    Heute leben ca. 25 Prozent aller Somalier teilweise oder vollständig als Nomaden. 22 Prozent der Menschen leben als Bauern, die sich in der fruchtbarsten Region des Landes zwischen den Flüssen Shabeelle und Jubba niedergelassen haben. Der größte Teil der Bevölkerung (42 Prozent) lebt in städtischen Gebieten. Es sind immer noch über eine Million Menschen (9 Prozent der Gesamtbevölkerung) in Somalia auf der Flucht und leben überwiegend in 107 Flüchtlingscamps.

    EthnienBearbeiten

    Somalia galt lange als eines der ethnisch homogensten Länder und als „einziger Nationalstaat“ Afrikas, da die große Mehrheit der Bevölkerung zum Volk der Somali gehört. Dieses Bild hat sich gewandelt, seit im Bürgerkrieg die Differenzen zwischen den verschiedenen Clans der Somali sowie zwischen Somali und ethnischen Minderheiten vor allem in Südsomalia deutlicher wurden.[6]

    Somali-ClansBearbeiten

     
    Karte der Somali-Clans

    Die anteilmäßig bei weitem bedeutendste Ethnie sind die Somali, deren Siedlungsgebiet sich auch auf Ost-Äthiopien (Somali-Region), Dschibuti und Nordost-Kenia erstreckt und die nach heutiger Kenntnis von kuschitisch-afrikanischer und teilweise arabisch-persischer Abstammung sind.

    Von großer Bedeutung für Gesellschaft und Politik Somalias ist das Clansystem der Somali, das wahrscheinlich von der Stammesgesellschaft der Araber beeinflusst wurde. Jeder Somali gehört über seine väterliche Abstammungslinie einem Stamm oder Clan an. Die fünf großen Clanfamilien (qaabiil) sind:

    Dabei gelten die traditionell nomadisch lebenden Dir, Darod, Isaaq und Hawiye als „echte Somali“ oder Samaal, während die sesshaft-bäuerlichen Rahanweyn als „unechte Somali“ oder als Sab bezeichnet werden. Sie gelten, ebenso wie diverse ethnische Minderheiten, aus Sicht eines Teils der Samaal als nicht gleichberechtigt und unterliegen traditionell einer gesellschaftlichen Benachteiligung.

    Jede dieser Clanfamilien zerfällt in eine große Zahl Subclans und „Geschlechter“ (Somali: reer, was „Leute aus“, „Nachkommen von“ bedeutet). Diese umfassen jeweils einige Hundert bis Tausend Männer, die das für Verbrechen fällige Blutgeld (diya, mag) gemeinsam bezahlen bzw. erhalten. Dieses System verschafft dem einzelnen Somali traditionell Schutz für Leben und Eigentum, führt jedoch auch zu Blutfehden, die sich nicht nur auf einzelne Verbrechen beziehen, sondern auch Auseinandersetzungen um Wasser- und Weiderechte und um die politische Macht umfassen.

    MinderheitenBearbeiten

     
    Bantu-Bäuerinnen bei Kismaayo, 1993

    Nicht-Somali-Minderheiten machen etwa 15 % der Bevölkerung aus. Zu diesen gehören verschiedene schwarzafrikanische Volksgruppen in Südsomalia, die von den Somali zusammenfassend als Jarer („harthaarig“ oder „kraushaarig“) bezeichnet werden. Ein Teil von diesen stammt von Sklaven ab, die im 19. Jahrhundert durch den ostafrikanischen Sklavenhandel aus Tansania, Malawi, Mosambik und Kenia nach Somalia gebracht wurden und sich nach ihrer Flucht oder Freilassung größtenteils im Tal des Jubba niederließen. Sie sind seit den 1990er Jahren als Somalische Bantu bekannt. Für andere Jarer-Gruppen wie etwa die Shidle gilt die Herkunft bis heute als ungeklärt; möglicherweise stammen sie von einer Bevölkerung vor den Somali ab.

    Weitere Minderheiten sind Angehörige der Swahili-Gesellschaft und Gruppen von gemischter Herkunft an der Küste (z. B. Bajuni, Brawanesen, Benadiri/Reer Hamar), im ganzen Land verbreitete Gruppen wie die Yibir und Midgan, die auf bestimmte Berufe beschränkt sind, sowie einige Tausend Araber und einige Hundert Inder und Pakistaner.

    SprachenBearbeiten

    Hauptsprache Somalias ist das Somali (Eigenbezeichnung Af-ka Soomaali-ga) – eine ostkuschitische Sprache aus dem Sprachzweig der kuschitischen Sprachen und damit Teil der afroasiatischen Sprachfamilie –, das heute von etwa 12 Millionen Menschen in Somalia und angrenzenden Gebieten gesprochen wird. Die Sprache des Somali-Volkes wird in Somalia auch von allen Minderheiten verwendet.

     
    Gedicht von Mohammed Abdullah Hassan in im lateinischen Alphabet geschriebenem Somali

    Als Handels- und Bildungssprachen werden auch Arabisch und – als Erbe der Kolonialzeit – Italienisch und Englisch genutzt. Ein kleiner Teil der somalischen Bantu hat die Bantusprache Zigula beibehalten. An der Küste sprechen kleine Minderheiten (die Bajuni in und um Kismaayo und die Brawanesen in Baraawe) Dialekte des Swahili.

    Als einziger afrikanischer Staat neben Tansania entwickelte sich Somalia nach seiner Unabhängigkeit weg vom Gebrauch der europäischen Kolonialsprachen. Somalische Nationalisten strebten nach einer Standardisierung und Verschriftung des Somali. Diese wurde 1972 unter Siad Barre verwirklicht und zur Amtssprache gemacht. Somali setzte sich daraufhin rasch in Verwaltung, Bildungswesen und Medien durch, während Italienisch, Englisch und Arabisch entsprechend an Bedeutung verloren.[7] Als Basis für das Standard-Somali diente die vor allem im Norden gesprochene Variante Maha Tiri (Maxaa Tiri); die andere Hauptvariante ist das im Süden verbreitete Maay, daneben gibt es weitere Dialekte.

    Die somalische Übergangsverfassung von 2004 legt als offizielle Sprachen Somali (Maay und Maha Tiri) und Arabisch fest. Italienisch und Englisch haben einen Status als Sekundärsprachen.[1]

    ReligionBearbeiten

     
    Mond und Minarett in Merka

    Die Bevölkerung Somalias gehört zu fast 100 % dem sunnitischen Zweig des Islam an. Davon sind etwa 80 % Schafiiten und 20 % Hanafiten. Die einzigen Nicht-Muslime in Somalia sind einige hundert Christen, die fast sämtlich ausländischer Herkunft sind. Die wenigen christlichen Somalier gehören der äthiopisch-orthodoxen Tewahedo-Kirche an. Einzelne Missionierungsversuche und der Bau einer Kathedrale mit angeschlossenem katholischem Kloster in Mogadischu in der Kolonialzeit blieben ohne größere Wirkung. Beide wurden während des Bürgerkriegs zerstört. Damit löste sich auch das römisch-katholische Bistum Mogadischu faktisch auf. Der letzte Bischof war bereits 1989 in der Kathedrale erschossen worden.

    Die traditionelle Ausübung des Islam in Somalia ist in den Dörfern und unter Nomaden eher gemäßigt und vermischt mit dem Gewohnheitsrecht der Clans. Dort sind die durch missionierende Scheichs verschiedener Sufi-Orden im 19. Jahrhundert verbreiteten Glaubenschulen im Alltag präsent. Die älteste und größte dieser Bruderschaften ist die Qadiriyya, gefolgt von der Salihiyya im Norden. Kleinere Gruppen sind die Dandarawiyya, der Ende des 19. Jahrhunderts von Muhammad ibn Ahmad al-Dandarawi gegründete, am weitesten verbreitete Zweig der Idrisiyya, und die Rifaiyya, ein Ableger der Qadiriyya, der unter arabischen Einwanderern in Mogadischu populär ist. Seit den 1970er Jahren gibt es vor allem in den Städten radikale wahhabitische Strömungen, die während des Bürgerkriegs ebenso wie die Religion insgesamt an Bedeutung gewonnen haben.

    Seit Ausbruch des Bürgerkrieges gehören islamische Einrichtungen zu den wenigen Institutionen, die Bildung, medizinische Versorgung oder auch Rechtsprechung anbieten. Auf die Lage der Frauen wirkt sich der wachsende Einfluss des Islam unterschiedlich aus: Das islamische Recht bringt ihnen gegenüber dem Gewohnheitsrecht gewisse erbrechtliche Verbesserungen, und einige Geistliche sprechen sich heute auch gegen die weit verbreitete Mädchenbeschneidung aus; andererseits werden Frauen zunehmend gedrängt, sich stärker zu verhüllen oder ganz aus dem öffentlichen Raum zurückzuziehen.[8] Al-Shabaab setzt in Süd- und Zentralsomalia eine strenge Auslegung der Schari’a durch. Sie hat auch Verbindungen zu al-Qaida und hat Dschihadisten aus dem Ausland in ihren Reihen.

    Die Verfassung der Übergangsregierung bestimmt den Islam als offizielle Religion der Republik Somalia und legt fest, dass die Gesetzgebung auf der Schari’a basieren soll.[1] Auch die Verfassung des einseitig für unabhängig erklärten Somaliland erklärt den Islam zur Religion der Nation und verbietet das „Propagieren“ – darunter fällt bereits die öffentliche Ausübung – anderer Religionen in Somaliland.[9] Der Abfall vom Islam wird mit drakonischen Strafen, u. a. durch Auspeitschung bestraft.[10]

    Soziale LageBearbeiten

    BildungBearbeiten

    Hauptartikel: Bildungssystem in Somalia
     
    Klassenzimmer in Hargeysa

    Schätzungsweise 13 % der Jungen und 7 % der Mädchen besuchen eine Schule. Unterricht findet heute in Abwesenheit eines offiziellen Bildungssystems hauptsächlich in Koranschulen und privaten Einrichtungen statt. Im faktisch autonomen Somaliland wurde das Bildungswesen seit der Unabhängigkeitserklärung ausgebaut.

    GesundheitBearbeiten

    Mangelernährung und Infektionskrankheiten sind verbreitet. 70 % der Bevölkerung haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und medizinischer Versorgung. Die Kinderzahl pro Frau liegt bei durchschnittlich 6,1.[11] Die Müttersterblichkeit liegt bei 12 von 1000 Geburten. Die Kindersterblichkeit ist hoch: Vor dem 1. Geburtstag sterben 108 und vor dem 5. Geburtstag 180 von 1000 lebend geborenen Kindern.[12] Die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt wird mit 50,7 bis 51,2 Jahren angegeben.[13][14]

    Der Anteil von HIV-Infizierten wird auf 0,5 %[11] geschätzt und ist damit im afrikanischen Vergleich sehr niedrig. Begründet wird dies mit der islamischen Religion und damit, dass seit Kriegsausbruch verhältnismäßig wenige Menschen von außen in das Land kamen. Das Wissen um Übertragungswege und Prävention von HIV/Aids ist kaum verbreitet.

    2008 vermeldete die Weltgesundheitsorganisation, dass durch großangelegte Impfkampagnen das Kinderlähmung verursachende Poliovirus in Somalia ausgerottet worden sei. Das Land war bereits 2002 poliofrei geworden, doch war das Virus zwischenzeitlich aus Nigeria wieder eingeschleppt worden.[15]

    Auf der anderen Seite gibt es auch Berichte über einen starken Anstieg von Fehl- und Missbildungen bei Neugeborenen und kleinen Kindern. Bei der Suche nach Ursachen wird ein Zusammenhang mit der illegalen Verklappung von Atom- und Giftmüll vor der Küste angenommen.[2] Aber die diagnostischen Möglichkeiten der Krankenhäuser reichen zu einer Ermittlung der Ursachen nicht aus, und die weiterhin politisch unsichere Lage, vor allem in von islamistischen al-Shabaab-Milizen kontrollierten Küstengebieten, erlaubt keine nähere Untersuchung bereits angespülter Fässer auf einen radioaktiven oder giftigen Inhalt.

    FlüchtlingeBearbeiten

    Somalia ist eines der Länder mit der weltweit größten Bevölkerung an Flüchtlingen und intern Vertriebenen. 2016 gibt es ungefähr 977.000 somalische Flüchtlinge, die sich bei der UNHCR registriert haben. 414.000 von ihnen sind nach Kenia geflohen: 327.000 davon sind in Dadaab, dem weltweit größten Flüchtlingslager, 54.000 im Lager Kakuma und 32.000 leben in der Hauptstadt Nairobi.[16] 215.000 somalische Flüchtlinge sind nach Äthiopien geflohen und leben dort in fünf Lagern in der Dollo-Ado-Region.[17] 235.000 somalische Flüchtlinge gibt es auch in Jemen und sie sind dort in den Lagern Al-Kharaz and Al-Mazrak untergebracht, aber auch in Städten wie Aden, 'Amran, Al Mukalla and Sana'a. In Jemen ist die Situation ähnlich der in Somalia, da das Land sich ebenfalls im Bürgerkrieg befindet: 10 % der Bevölkerung von Jemen verloren ihr Haus und sind intern vertrieben und 80 % sind auf humanitäre Hilfe angewiesen.[18] 37.000 Somalier sind nach Uganda geflüchtet.

    Zusätzlich zu den außer Landes geflüchteten gibt es 2016 noch 1,1 Millionen intern vertriebene (IDPs) Somalis innerhalb Somalias.[19] Die Mehrheit von ihnen lebt in Zentral- und Südsomalia (893.000), in Puntland (129.000) und in Somaliland (84.000). Es wird angenommen, dass zwischen 70 und 80 % dieser Haushalte von Frauen geführt werden und dass 60 % der intern Vertriebenen Kinder sind.[20] Intern vertriebene Frauen werden häufig Opfer sexueller Gewalt oder sind sogar darauf angewiesen, sich Hilfe durch Sex zu erkaufen; Kinder werden eventuell von Milizen zwangsrekrutiert, ethnische Minderheiten werden stark diskriminiert und ihnen wird häufig jegliche Unterstützung verweigert. Auch gelangen internationale Hilfslieferungen häufig nicht zu denen, die sie benötigen, und verschwinden stattdessen in dunklen Kanälen.[21]

    Trotz allem ist Somalia aber auch ein Land, das selbst Flüchtlinge aufnimmt: viele Äthiopier, die vor Dürre und Verfolgung flohen, und viele Flüchtlinge aus Jemen. Häufig zeigt sich, dass diese in Somalia unerwünscht sind. So ist es Somaliern verboten, ihnen Wohnraum anzubieten. Deshalb befinden sich viele von ihnen in den Lagern für die intern vertriebenen Somalis; einige haben aber auch Fuß gefasst und Geschäfte eröffnet.[22]

    GeschichteBearbeiten

    Hauptartikel: Geschichte Somalias
     
    Teil der Höhlenmalereien in Laas Geel

    Die ältesten bekannten Spuren von Menschen im heutigen Somalia wurden in Buur Heybe in Südsomalia gefunden. Es handelt sich um Skelette, die mit der Radiokohlenstoffdatierung auf bis zu 6.000 v. Chr. datiert wurden. Höhlenmalereien in Laas Geel bei Hargeysa stammen aus der Zeit von 4.000 bis 3.000 v. Chr.

    Die Vorfahren der Somali wanderten um 500 v. Chr. bis 100 n. Chr. aus dem südlichen äthiopischen Hochland ein und vermischten sich – insbesondere in den Handelsstädten an der Küste, wie Zeila, Hobyo und Mogadischu – mit arabischen und persischen Einwanderern, welche ab dem 7. Jahrhundert auch den Islam einführten. Es entstanden muslimische Sultanate und Stadtstaaten. Im 16. Jahrhundert gerieten die Städte an der Nordküste unter türkische bzw. ägyptische Herrschaft, jene an der südlichen Benadirküste kamen im 17. Jahrhundert unter die Oberhoheit Omans bzw. im 19. Jahrhundert Sansibars.

    Ende des 19. Jahrhunderts erfuhr das von Somali bewohnte Gebiet seine bis heute nachwirkende Aufteilung. Der Norden des heutigen Somalia wurde von Großbritannien als Britisch-Somaliland, der Süden und Osten als Italienisch-Somaliland von Italien kolonialisiert. Am 1. Juli 1960 wurden die beiden Kolonien gemeinsam als Somalia unabhängig. Erster Präsident des Landes wurde Aden Abdullah Osman Daar, ihm folgte 1967 Abdirashid Ali Shermarke.

    Das Verhältnis zu den Nachbarstaaten war wegen der von Somalia gestellten Gebietsansprüche (siehe Groß-Somalia), insbesondere auf die heute äthiopische Region Ogaden, gespannt. Auch innenpolitische Spannungen zwischen dem Norden und dem Süden und Osten, zwischen Clans und Parteien bestanden weiter. 1969 wurde Präsident Shermarke von einem Leibwächter getötet, woraufhin pro-sowjetische Militärs unter Siad Barre die Macht übernahmen.

    Barre lehnte sich zunächst an die Sowjetunion an, versuchte einen „wissenschaftlichen Sozialismus“ einzuführen und den traditionellen Einfluss der Clans einzuschränken. 1977/78 führte er den Ogadenkrieg gegen Äthiopien, den Somalia verlor. Weil die Sowjetunion in diesem Krieg das gegnerische, kommunistische Derg-Regime Äthiopiens unterstützte, wandte sich Siad Barre wirtschaftlich und politisch von der Sowjetunion ab und den USA zu. Im Inneren regierte er zusehends diktatorisch, verschiedene Clans waren Repressionen ausgesetzt. Mehrere Rebellengruppen begannen einen bewaffneten Kampf gegen die Barre-Regierung, was 1991 zu deren Sturz führte.

    BürgerkriegBearbeiten

    Hauptartikel: Somalischer Bürgerkrieg

    Die siegreichen Rebellengruppen konnten sich jedoch nicht auf eine Nachfolgeregierung einigen. Der am Sturz Barres führend beteiligte Vereinte Somalische Kongress zerbrach infolge des Machtkampfes seiner Führer Mohammed Farah Aidid und Ali Mahdi Mohammed. Somalia zerfiel in umkämpfte Machtbereiche von Clans und Warlords. Der Norden des Landes erklärte sich als Somaliland einseitig für unabhängig, ohne hierfür internationale Anerkennung zu erreichen.

     
    Bewaffnete auf einem Technical in Mogadischu

    Für die Bevölkerung hatten die Kämpfe und Plünderungen eine Verschlechterung der Versorgungs- und Sicherheitslage bis hin zur Hungersnot im Süden des Landes zur Folge. Ab 1992 sollte deshalb die UN-Mission UNOSOM unter US-amerikanischer Führung die Lieferung von Nahrungsmittelhilfe sichern und den Frieden wiederherstellen. Nach den Ereignissen der „Schlacht von Mogadischu“ im Oktober 1993 zogen die USA jedoch ihre Truppen wieder aus dem Land ab. 1995 musste sich auch die UNOSOM II ohne Erfolg zurückziehen. Die Kampfhandlungen gingen weiter, wenn auch weniger intensiv. Im praktisch autonomen Somaliland blieb es seit 1996 weitgehend friedlich. Nach diesem Vorbild gründete der Harti-Darod-Clan in Nordostsomalia die autonome Region Puntland. Die Rahanweyn versuchten in Südwestsomalia ebenfalls, eine Regionalregierung zu etablieren, scheiterten jedoch, weil Südwestsomalia wie auch Jubaland umkämpft blieb. In der Hauptstadt Mogadischu bekämpften sich verschiedene Kriegsherren und Milizen der Hawiye.[23]

    2000 wurde nach Friedensverhandlungen in Dschibuti eine nationale Übergangsregierung (engl.: Transitional Federal Government, abgekürzt TFG) unter Präsident Abdiqasim Salad Hassan gebildet. Sie war den moderaten Islamisten in Somalia gegenüber freundlich gesinnt, wurde aber von den mächtigen Warlords im Land abgelehnt. Die nationale Übergangsregierung konnte keine Macht in Somalia gewinnen und zerfiel 2003. Auf einer Friedenskonferenz in Kenia wurde 2004 eine neue föderale Übergangsregierung unter Präsident Abdullahi Yusuf Ahmed etabliert. Sie hatte nicht die Unterstützung der Islamisten und der meisten Hawiye, die Mogadischu kontrollierten. Diese neue Übergangsregierung ließ sich daraufhin in Baidoa nordwestlich von Mogadischu nieder. Mitte 2006 eroberte die Union islamischer Gerichte Mogadischu und weite Landesteile von den bis dahin dort herrschenden Kriegsherren, setzte ein gewisses Maß an — unterschiedlich streng gehandhabter — Ordnung nach der Scharia durch und kämpfte an den Grenzen der beiden Machtbereiche gegen die Übergangsregierung.

    Das benachbarte Äthiopien fühlte sich von der Union bedroht, da es eine islamistische Vereinnahmung seiner eigenen muslimischen Bevölkerung fürchtete und Teile der Union zum Dschihad zur Eroberung des heute äthiopischen, mehrheitlich von Somali bewohnten Gebietes Ogaden aufgerufen hatten. Am 24. Dezember 2006 erklärte Äthiopien der Union offiziell den Krieg, marschierte in Somalia ein und konnte in wenigen Tagen die Union verdrängen. Die Übergangsregierung versuchte sich mit militärischer Unterstützung Äthiopiens in Mogadischu und im übrigen Land zu etablieren,[24] stieß jedoch auf erheblichen Widerstand von Islamisten, verschiedenen Clans und weiten Teilen der Bevölkerung, die die äthiopische Militärpräsenz ablehnten.[25]

    2007 und 2008 lieferten sich regierungstreue Truppen und deren diverse Gegner vor allem in Mogadischu heftige Kämpfe, die Hunderttausende in die Flucht trieben.[26] Tausende Zivilisten wurden getötet, und über eine Million mussten zeitweise aus ihren Häusern vor allem in Mogadischu fliehen. Anfang 2009 zogen die äthiopischen Truppen wieder aus Somalia ab. Die militanten Islamisten waren nicht besiegt worden, sondern waren im Gegenteil deutlich stärker geworden. Im Kampf gegen die brutale äthiopische Besatzung hatten sie in den Augen vieler Somalier (auch in der Diaspora) an Legitimität gewonnen.[27] Der gemäßigte Islamist Sheikh Sharif Sheikh Ahmed wurde neuer Präsident der Übergangsregierung, die jedoch weiterhin von der radikaleren al-Shabaab bekämpft wird. 2009 verloren die Regierungstruppen fast überall im Land an Einfluss. Vor allem in Südsomalia übernahmen die islamistischen Gruppierungen al-Shabaab und Hizbul Islam die Macht und bekämpften sich auch gegenseitig.[28]

    Die USA unterstützen die somalische Übergangsregierung politisch, durch finanzielle Hilfen und mit Waffen. Sie stufen die radikalislamische Miliz al-Shabaab als Terrororganisation ein, die mit al-Qaida zusammenarbeitet. Die USA haben auch mehrmals gezielte Luftangriffe auf Einrichtungen der Islamisten durchgeführt. Die Europäische Union unterstützt finanziell die Übergangsregierung und die Friedenstruppe der Afrikanischen Union (AMISOM) zu ihrem Schutz.

    Die Kampfhandlungen waren auch 2009 und 2010 vornehmlich auf Mogadischu konzentriert. Hier starben weiter tausende Menschen oder wurden zu Flüchtlingen. Die militanten Islamisten, besonders al-Shabaab, kontrollierten bis Ende 2010 den Großteil Süd- und Zentralsomalias. Die Übergangsregierung unter Sheikh Sharif Sheikh Ahmed musste sich in Teilen Mogadischus verschanzen und wurde täglich von mehreren tausend AMISOM-Soldaten beschützt. Al-Shabaab unterwarf die Bevölkerung strikten Regeln, denen eine extreme Interpretation des Islam zu Grunde lag. Jede Zuwiderhandlung sowie der bloße Verdacht, mit dem Feind zusammenzuarbeiten, wurden hart bestraft. Es gab aber durchaus auch Somalier, die al-Shabaab zugutehielten, dass sie Ruhe und Ordnung herstellte und die Kriminalität wirksam bekämpfte.

    Mitte August 2010, zu Beginn des Fastenmonats Ramadan, starteten al-Shabaab und Hizbul Islam eine gemeinsame, großangelegte Militäroffensive, um TFG und AMISOM endgültig zu besiegen. Zusammen hatten die Islamisten ungefähr 8000 Kämpfer. AMISOM hatte inzwischen fast die Sollstärke von 8000 Mann erreicht. Auch das TFG hatte 2010 ungefähr 3000 eigene Soldaten zur Verfügung, dank Militärhilfe der USA und Training (auch durch private Militärunternehmen), das vornehmlich mit Geldern von EU-Ländern bezahlt wurde. Die Offensive geriet rasch ins Stocken. Die Gründe waren die militärische Stärke des Gegners und Spannungen innerhalb des islamistischen Lagers. Hizbul Islam zerfiel zusehends. Viele ihrer Truppen desertierten, einige liefen zum TFG über. Im Dezember 2010 wurden die Reste von Hizbul Islam offiziell in al-Shabaab integriert. Dies sorgte innerhalb von al-Shabaab für Unruhe.

    Der UNO-Sicherheitsrat gewährte im Dezember 2010 die Erhöhung der maximalen Truppenstärke von AMISOM um 4000 auf 12.000 Soldaten. Ab Februar 2011 gingen das TFG und AMISOM, unterstützt von ASWJ-Einheiten und Teilen der äthiopischen und kenianischen Armee, gegen al-Shabaab vor. Die Hauptkampfplätze waren Mogadischu, die Region Gedo in Westsomalia und Teile Zentralsomalias. Al-Shabaab war angeschlagen und verlor zunehmend an Rückhalt in der Bevölkerung. Ein Grund dafür war die unbefriedigende Reaktion der al-Shabaab-Führung um Emir Ahmed Abdi Godane auf die sich seit Monaten zuspitzende Dürre in Somalia. Als der Hunger begann, weigerte sich al-Shabaab, internationale Hilfe zuzulassen. Die Hungersnot wurde vom Sprecher der Gruppe im Juli 2011 als westliche Propaganda dargestellt. Im August 2011 mussten sich al-Shabaab aus Mogadischu zurückziehen. Auch in anderen Teilen Süd- und Zentralsomalia geriet al-Shabaab in Bedrängnis. Es gelang dem TFG und seinen Unterstützern bis Mitte 2011 jedoch nicht, al-Shabaab entscheidend zu schlagen.

    Intervention KeniasBearbeiten

    Zwei Bataillone der kenianischen Streitkräfte (Kenya Defence Forces; KDF) mit rund 2.400 Soldaten marschierten in der Operation Linda Nchi (deutsch: Verteidigt die Nation) am 16. Oktober 2011 in Somalia ein, um Al Shabaab zu bekämpfen. Die kenianischen Truppen rückten auf Afmadow und die für al-Shabaab wirtschaftlich und finanziell wichtige Hafenstadt Kismayu im Süden Somalias zu. Auch die kenianische Luftwaffe flog Einsätze gegen Stellungen der al-Shabaab, u. a. gegen ein Ausbildungslager in Jilib. Auslöser für die Militäraktion waren Entführungen von Ausländern in Kenia. Bis Februar 2012 konnte die kenianische Armee rund 110 km tief nach Somalia vordringen und kontrolliert nach eigenen Angaben eine Fläche von 95.000 km².

    FöderalisierungBearbeiten

    Am 1. August 2012 nahm das Parlament Somalias eine neue provisorische Verfassung an. Mit ihr wurde die Übergangsregierung Somalias abgelöst und erstmals wieder eine normalisierte Staatsordnung hergestellt. Somalia wurde in eine Bundesrepublik umgewandelt, wobei zunächst noch keine Teilstaaten gebildet wurden. Laut Verfassung sollten die Abgeordneten bestimmen, über wie viele Teilstaaten Somalia verfügen werde. Allerdings könnten sich zwei oder mehr Regionen von sich aus zu Bundesstaaten zusammenschließen.

    Als erster Bundesstaat wurde im August 2013 Jubaland im Rahmen eines Versöhnungsabkommens von der Bundesregierung anerkannt. Es besteht aus den Regionen Gedo, Jubbada Hoose und Jubbada Dhexe. Ein Jahr später wurde ein zweiter Bundesstaat in Zentralsomalia geschaffen, der die Regionen Mudug und Galguduud umfassen soll. Die vor Ort existierenden De-facto-Regimes der Ahlu Sunna Waljama'a-Miliz, Galmudug und Himan & Heeb sollen gemeinsam neue Strukturen etablieren.

    PolitikBearbeiten

     
    Flagge Somalias seit 1960, heute nur von der Bundesregierung verwendet
     
    Karte der politischen Lage in Somalia
    (Dezember 2016)
    Hauptartikel: Politik Somalias

    Somalia wird oft als „gescheiterter Staat“ bezeichnet. Seit 1991 hat es keine im gesamten Land anerkannte nationale Regierung mehr. Im Norden streben Teile des Landes ganz offen nach Unabhängigkeit (Somaliland) oder haben sich zu autonomen Teilstaaten Somalias erklärt (Puntland und Galmudug). In weiten Teilen im Süden und Zentrum von Somalia herrschten zumindest bis vor kurzem lokale Clans, Warlords, islamistische Gruppen oder unklare Verhältnisse. In der Region Himan & Heeb bildet der ehemalige IT-Berater Mohamed Aden eine Art informelle Regierung.[29]

    Die Bundes-Übergangsregierung war international anerkannt und repräsentierte das Land in den Vereinten Nationen, der Arabischen Liga und anderen internationalen Organisationen. Seit ihrem Bestehen 2000 hatte sie sich im Land selbst aber nicht durch die Schaffung von Ruhe und Ordnung und die Bereitstellung von Dienstleistungen ausgezeichnet. Im Gegenteil, die Übergangsregierung war intern seit Jahren zerstritten, und ihren Anführern wurde immer wieder vorgeworfen, korrupt zu sein und sich auf Kosten der eigenen Bevölkerung an ausländischer Hilfe zu bereichern. Seit Anfang 2011 sah es zum ersten Mal so aus, als ob die Übergangsregierung die Macht in Mogadischu und Teilen Südsomalias übernehmen könnte – bisher aber nur mit massiver militärischer Hilfe von AMISOM, Kenia und Äthiopien. Ob der mögliche militärische Sieg über Dschihadisten-Miliz al-Shabaab schon eine wirkliche Wende für Somalia nach über zwanzig Jahren Staatslosigkeit und Bürgerkrieg bedeutet, ist fraglich. Anfang 2012 tauchte erstmals die Idee auf, Somalia in eine Bundesrepublik zu verwandeln. Im August wurde dann die Übergangsregierung aufgelöst und durch eine international anerkannte föderale Regierung ersetzt. Seitdem verfügt Somalia über ein Bundesparlament.

    Auf dem Korruptionswahrnehmungsindex 2010 von Transparency International liegt Somalia auf dem letzten Platz;[30] gemäß Mo Ibrahim Foundation ist es das am schlechtesten regierte Land Afrikas.[31] In der Rangliste der Pressefreiheit 2017 von Reporter ohne Grenzen rangiert Somalia auf Platz 167 von 180 Ländern.[32] Im Jahr 2017 sind drei Journalisten in Somalia getötet worden. Laut dem Bericht von Reporter ohne Grenzen steht der Tod der Opfer in direktem Zusammenhang mit deren journalistischer Tätigkeit.[33] In Somalia sitzt ein Journalist in Haft.[34]

    Innere SicherheitBearbeiten

    Die Sicherheitslage in Somalia ist aufgrund des anhaltenden Bürgerkrieges und der Piratenüberfälle vor der Küste schlecht. Die Sicherheitskräfte sind nicht in der Lage, die Kriminalität nachhaltig zu bekämpfen. Das deutsche Auswärtige Amt (AA) hat für Somalia eine Reisewarnung ausgegeben und seine Botschaft geschlossen (Stand: Mai 2016). Ausländer werden immer wieder Opfer von Mordanschlägen und Entführungen, in medizinischen oder kriminalitätsbedingten Notfällen ist keine ausreichende Infrastruktur zur Versorgung vorhanden.[35]

    Hungerkrisen ab 2011Bearbeiten

    Die internationale Staatengemeinschaft hatte sich in kurzzeitige Interventionsmaßnahmen – gegen die Terroristen und die Piraten – verrannt und interveniert nun gegen den Hunger, ohne ein wirkliches Konzept zu haben.[36] Mitte 2011 waren mehr als drei Millionen Menschen und damit mindestens ein Drittel der Bevölkerung Somalias auf humanitäre Hilfe angewiesen. Die Notlage betrifft allerdings nur Südsomalia. Hier fielen der Krieg zwischen den islamistischen al-Shabaab-Milizen einerseits und der Übergangsregierung und den Truppen der AMISOM andererseits ab Anfang 2011 mit dem Höhepunkt einer Dürre zusammen. Viele internationale Hilfsorganisationen hatten Somalia aufgrund der anhaltenden Unsicherheit schon länger verlassen. Andere waren, wie das Welternährungsprogramm (WFP), von den Islamisten aus den von ihnen kontrollierten Gebieten hinausgedrängt worden. Al-Shabaab warf dem WFP vor, die Umsätze der somalischen Bauern zu drücken und Hilfe an Forderungen westlicher Politik zu binden. Tatsächlich leisteten die USA ab 2009 ihre Beiträge für Hilfsorganisationen nur noch, wenn sichergestellt war, dass Leistungen nicht den „Terroristen“ zugutekommen. Krieg, Fanatismus und ausbleibender Regen führten zu einer Hungerkatastrophe, die viele Somalis das Leben kostete oder zu Flüchtlingen im benachbarten Kenia machte. Die Lage im weitgehend friedlichen Nordsomalia, wo mit Somaliland und Puntland zwei de facto autonome Staatsgebilde bestehen, ist weit weniger dramatisch.

    Einem Bericht der FAO zufolge starben zwischen Oktober 2010 und April 2012 258.000 Menschen an den Folgen der Nahrungsmittelknappheit im Land.[37]

    Eine weitere schwere Hungersnot folgte im Zuge der Dürrekatastrophe im südlichen Afrika und in Ostafrika ab 2015. Im Mai 2017 kam es zur London Somalia Conference von Vertretern zahlreicher Staaten und Organisationen in London, um die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen.[38] Dabei wurde auch die Sicherheitslage in Somalia diskutiert und Schritte zu einer Stärkung der nationalen Sicherheitskräfte initiiert.[39]

    MenschenrechteBearbeiten

    Mitarbeiter von humanitären Organisationen, Journalisten und Menschenrechtsverteidiger nehmen bei ihrer Arbeit in Somalia große Risiken auf sich und laufen unter anderem Gefahr, entführt oder ermordet zu werden. Auch 2009 wurden gravierende Menschenrechtsverstöße, einschließlich Kriegsverbrechen, nicht bestraft.
    Der UN-Generalsekretär, der unabhängige UN-Experte für die Menschenrechtssituation in Somalia und der Beauftragte des UN-Generalsekretärs für die Menschenrechte Binnenvertriebener sprachen in ihren Berichten von Menschenrechtsverstößen, einschließlich der Rekrutierung von Kindern für den bewaffneten Kampf. Appelle aus dem Ausland und von Kräften in Somalia, Verbrechen im Sinne des Völkerrechts endlich strafrechtlich zu ahnden, blieben wirkungslos.
    Alle am laufenden somalischen Bürgerkrieg beteiligten Parteien haben in den letzten Jahren schwerste Menschen- und Kriegsrechtsverbrechen begangen. Äthiopische Truppen, die Armee der Übergangsregierung, AMISOM und die islamistischen Milizen al-Schabaab und Hizbul islam haben ihre Waffen unterschiedslos im dicht besiedelten Gebiet (in Mogadischu) eingesetzt. Zudem wurden die Feinde der jeweiligen Seite oft erbarmungslos verfolgt und Verdächtige ohne rechtliches Verfahren eliminiert. Alle Kriegsparteien haben schwerste Übergriffe auf die Zivilbevölkerung Südsomalias begangen. Frauen wurden massenweise vergewaltigt und Männer, Jugendliche und sogar Kinder von allen Parteien im Krieg zwangsrekrutiert.[40][41] Al-Shabaab-Milizen sind zusätzlich für die Tötungen und Bestrafungen von Menschen verantwortlich, die sich ihrer Auslegung des islamischen Rechts nicht beugten. In den von ihnen kontrollierten Landesteilen war ein dramatischer Anstieg öffentlicher Hinrichtungen, darunter auch Steinigungen, zu verzeichnen. Gleiches galt für die Zwangsamputation von Gliedmaßen und Auspeitschungen. Al-Shabaab-Milizen schändeten auch Gräber führender Geistlicher der islamischen Sufi-Gemeinschaft. Außerdem mussten sich Frauen nach bestimmten Regeln kleiden und durften sich nicht frei bewegen.[42][43] Auch die Situation vieler Kinder bereitet Sorgen. Dadurch, dass das Bildungssystem marode ist, haben die Kinder kaum die Möglichkeit, in die Schule zu gehen. Die Hälfte aller Kinder zwischen fünf und 14 Jahren müssen arbeiten.[44][45] Schätzungen zufolge gibt es ca. 70.000 Kindersoldaten, die von verschiedenen Milizen unter Waffen gehalten werden.[46] In einer Erklärung der UNICEF wurde bekannt gegeben, dass in Somalia der Einsatz von Kindern ansteigt. Kinder ab neun Jahren werden mittlerweile rekrutiert. Die Kindersoldaten werden oft geschlagen oder gar exekutiert, wenn sie von der gegnerischen Seite gefangen genommen werden.[47] Nicht zuletzt ist auch die Lage der Menschenrechte von Homosexuellen in Somalia extrem schlecht. Nach Angaben der International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association (ILGA) wird die Todesstrafe für gleichgeschlechtliche Beziehungen bzw. homosexuelle Handlungen verhängt.[48] Somalia weist weltweit die höchste Rate von weiblicher Genitalverstümmelung auf.[49] Etwa 98 % der Mädchen und Frauen zwischen 15 und 49 Jahren sind genitalverstümmelt.[50][51] Sehr häufig wird eine Infibulation des weiblichen Genitals vorgenommen. Diese Praktik war unter der Regierung Siad Barres gesetzlich verboten worden, blieb jedoch weitverbreitet. Im faktisch autonomen Puntland beschloss das Regionalparlament 1999 ein Verbot.[52] Am 8. März 2004 begann eine landesweite Kampagne, in deren Rahmen der damalige Präsident der Übergangsregierung, Abdikassim Salat Hassan, von einem Verbrechen gegen die Religion und gegen die Menschlichkeit sprach. Am 26. Oktober 2005 veröffentlichten islamische Geistliche in Mogadischu eine Fatwa, die sich gegen die Mädchenbeschneidung richtet. Darin wird diese in Afrika weit verbreitete traditionelle Praxis als „unislamisch“ verurteilt.[53] Nach den Angaben des Somalia 2015 Human Rights Report, welcher jährlich vom Außenministerium der Vereinigten Staaten herausgegeben wird, befinden sich die betriebenen Gefängnisse in einem sehr schlechten Zustand. 2013 teilte der damalige Premierminister von Somalia, Abdi Farah Shirdon, in einem Bericht mit, dass die Zustände im Zentralgefängnis von Mogadischu erbärmlich seien. Er bat die internationale Gemeinschaft um Rat, damit nachhaltige Verbesserungen erreicht werden können. Auch das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) teilte mehrfach mit, dass die Zustände im Zentralgefängnis unhaltbar seien. Nach Angaben der UNODC seien im Zentralgefängnis etwa 1.200 Gefangene untergebracht.[54]

    VerwaltungsgliederungBearbeiten

    Das Land ist offiziell in 18 Regionen eingeteilt. Diese Einteilung hat seit dem Zerfall des Staates jedoch nur beschränkte praktische Bedeutung:

    WirtschaftBearbeiten

    Hauptartikel: Wirtschaft Somalias
     
    Bauer in Gabiley, Nordwest-Somalia/Somaliland
     
    Somali mit Ziegenherde nahe Beledweyne (Belet Uen), Dezember 1993

    Somalia gehört zu den ärmsten und am wenigsten entwickelten Ländern der Welt, wobei die politische Lage die Erhebung genauer Wirtschaftsdaten schwierig macht. Schätzungsweise rund 70 % der Bevölkerung leben von der Landwirtschaft. Ein Großteil davon lebt als Nomaden oder Halbnomaden mit Kamelen, Schafen und Ziegen, in fruchtbareren Gebieten auch mit Rindern. Ackerbau wird vor allem an den Flüssen Jubba und Shabelle und zwischen diesen beiden Flüssen in Südwestsomalia betrieben, daneben auch in kleineren Gebieten Nordsomalias. Vieh und Bananen sind wichtige Exportgüter.

    Des Weiteren werden Fisch, Mais, Hirse und Zucker für den inländischen Bedarf angebaut oder hergestellt. Der kleine industrielle Sektor, der hauptsächlich landwirtschaftliche Nutzgüter produziert, beträgt nur 10 % des BIP. Viele Fabriken wurden wegen des Bürgerkriegs geschlossen.[55] Ein Großteil der somalischen Bevölkerung ist auf Geldüberweisungen von Verwandten im Ausland angewiesen, sodass im Dienstleistungssektor Geldüberweisungsinstitute – die meist nach dem informellen Hawala-System funktionieren – mit stetiger Nachfrage rechnen können.

    2008 war auch Somalia infolge von hoher Inflation, Trockenheit, verschlechterter Sicherheitslage sowie globalen Faktoren von steigenden Nahrungsmittelpreisen betroffen.[56] Die Vereinten Nationen gingen im Juni 2008 davon aus, dass in den Folgemonaten bis zu 3,5 Mio. Menschen von Nahrungsmittelhilfe abhängen könnten. Damit wurde die Situation als noch dramatischer eingeschätzt als in Darfur.

    Teile der Wirtschaft profitieren von dem Zustand ohne funktionierende Regierung und damit ohne staatliche Steuern und Regulierungen. So gilt das Telekommunikationssystem mit Mobiltelefonnetzbetreibern wie NationLink Telecom als günstiger und zuverlässiger als in den Nachbarstaaten. Da keinerlei staatliche Regulierung vorhanden ist, können aber auch Aktivitäten wie Geldfälschung, die Piraterie vor der somalischen Küste oder der ökologisch problematische Holzkohleexport weitgehend ungestört stattfinden.

    EntwicklungszusammenarbeitBearbeiten

    Die unsichere politische Lage erschwert vor allem in Süd- und Zentralsomalia die Tätigkeit internationaler Hilfsorganisationen, die hier vorwiegend in der humanitären Hilfe tätig sind. UN-Organisationen wie UNICEF und das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen liefern humanitäre Hilfe.[57] Im stabileren Norden (Somaliland und Puntland) wird auch (Wieder-)Aufbau betrieben, dies vor allem mithilfe der Geldüberweisungen von Auslands-Somaliern, aber auch durch internationale Organisationen. Wegen des sichereren Umfeldes fließt die internationale Hilfe für Somalia vermehrt in diese nördlichen Gebiete.

    Einheimische Organisationen engagieren sich in diversen Bereichen.

    Mitte 2008 töteten radikale Islamisten mehrere ausländische und einheimische Helfer, die sie der „Spionage“ verdächtigten.[58]

    PiraterieBearbeiten

    Somalia liegt in unmittelbarer Nähe wichtiger internationaler Schifffahrtswege. Zugleich besteht seit Anfang der 1990er Jahre keine wirksame Küstenwache. Unter diesen Umständen hat sich die Piraterie vor der Küste Somalias zu einem profitablen Geschäft und einer Gefahr für die internationale Schifffahrt entwickelt. Somalische Fischer, Bürgerkriegskämpfer und Geschäftsleute nehmen ausländische Schiffsbesatzungen in Geiselhaft, um Lösegeld zu erpressen oder rauben sie aus. Als Ursache für diese Piraterie gilt auch das illegale Eindringen europäischer und asiatischer Fangflotten in somalische Gewässer, wodurch einheimische Fischer ihre Lebensgrundlage verloren und zum Teil auf Piraterie umstiegen. Die Zahl der Piratenangriffe vor der Küste Somalias ist in den letzten Jahren zurückgegangen, die Situation bleibt jedoch weiterhin angespannt und unsicher.[59]

    So stellt die Regierung der teilautonomen Region Puntland laut einem Artikel von IRIN[60] fest, dass die illegale Fischerei durch fremde Fangflotten seit der Präsenz von ausländischen Kriegsschiffen an somalischen Küsten noch zugenommen hat, und fordert, dass die Kriegsschiffe auch ausländische Fischer kontrollieren.

    StaatshaushaltBearbeiten

    Weil der Staat Somalia faktisch nicht existent ist, gibt es derzeit auch keinen Haushalt für den Gesamtstaat. Die Staatsverschuldung betrug 1993 1,9 Mrd. US-Dollar oder 189 % des BIP.[61] Die Staatsverschuldung wurde 2013 auf ca. 2,2 Mrd. USD (IWF)[62] bzw. 3,2 Mrd. USD beziffert.[63] Die Schulden sollen im Rahmen der HIPC-Initiative erlassen werden.

    KulturBearbeiten

    Die Kultur Somalias ist vom Nomadentum, dem Islam und (mündlich überlieferter) Dichtung geprägt.

    KücheBearbeiten

     
    Typisches somalisches Canjeero

    Die somalische Küche variiert von Region zu Region, insbesondere vom Norden des Landes zum Süden, und enthält Einflüsse von den traditionellen Küchen der Somali, Äthiopier, und mit Abstrichen der Jemeniten, Perser, Türken, Inder und Italiener.

    Zum Frühstück gibt es meist Tee und pfannkuchenartiges Brot, welches Canjeero genannt wird. Als Mittagessen wird oft ein gekochtes Hauptgericht auf Reisbasis gekocht, welches häufig mit Kreuzkümmel, Kardamom, Gewürznelken oder Salbei verfeinert wird. Eine abgewandelte Form der italienischen Pasta wird ebenfalls häufig gegessen. Als Getränk dazu gibt es häufig Fruchtsäfte oder Limonaden. Das Abendessen gibt es meist erst gegen 21 Uhr, in der Zeit des Ramadan sogar erst gegen 23 Uhr. Die beliebteste Abendspeise der Somali nennt sich Cambuulo und besteht hauptsächlich aus gekochten Adzukibohnen, Butter und Zucker. Die Kochzeit der Bohnen kann bis zu fünf Stunden betragen. Als Getränk wird abends vor allem mit Kardamom gewürzte Milch getrunken. Zwischendurch werden neben vielen Früchten und Süßwarenspezialitäten wie Halva vor allem spezielle somalische Samosa gereicht.[64]

    MusikBearbeiten

     
    K’naan, der wohl bekannteste Künstler des Landes

    Musikalisch zeichnet sich das Land vor allem durch die traditionelle somalische Folklore aus. Beim ersten Hören weist die somalische Musik durchaus Ähnlichkeiten mit derer umliegender Gebiete wie Äthiopien, dem Sudan oder Arabien auf, aber beim genaueren Zuhören erkennt man die speziellen somalischen Melodiestile. Eine bekannte somalische Sängerin war Magool (1948–2004). Neben Maryam Mursal (* 1950) ist Magools Neffe K’naan (* 1978), der mit Wavin’ Flag in zahlreichen internationalen Charts Platz 1 erreichte, der wohl bekannteste lebende somalische Musiker.

    LiteraturBearbeiten

    Im Land gab es seit langem viele Märchen und Volksgeschichten, welche oft von Generation zu Generation weitergegeben wurden und häufig eine Verbindung zum Islam besaßen. In den 1960er Jahren förderten die beiden Periodika Sahan (dt. etwa „Aufklärung“) und Horseed (dt. etwa „Vorhut, Avantgarde“) die Niederschrift der reichen, bis dahin jedoch ausschließlich mündlichen traditionellen Literatur. Die moderne Literatur entwickelte sich erst nach der Verschriftung der somalischen Sprache. Von da an veröffentlichten verschiedene somalische Autoren Romane, welche zum Teil weltweit erschienen, so auch der somalische Romancier Nuruddin Farah, der mit Werken wie Maps (1986) zu einem der bedeutendsten afrikanischen Schriftsteller der Gegenwart wurde. Ein weiterer populärer somalischer Autor war Farah Mohamed Jama Awl, der vor allem durch sein Buch Ignorance is the enemy of love (1974/1982 englisch) berühmt wurde.[65]

    Siehe auchBearbeiten

      Portal: Somalia – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Somalia

    LiteraturBearbeiten

    • Somalia. Aufstehen oder untergehen in Ruinen… Inamo, Herbst 2012
    • Hatem Elliesie: Statehood and Constitution Building in Somalia: Islamic Responses to a Failed State. In: Rainer Grote / Tilmann J. Roeder (Eds.), Constitutionalism in Islamic Countries: Between Upheaval and Continuity, Oxford University Press, Oxford 2012, S. 537–565. ISBN 978-0-199759-88-0.
    • Ioan M. Lewis: Understanding Somalia and Somaliland: Culture, History and Society, 2008, ISBN 978-1-85065-898-6 (englisch).
    • Ali Jimale Ahmed (Hrsg.): The Invention of Somalia, Red Sea Press 1995, ISBN 978-0-932415-99-8.
    • Jutta Bakonyi: Land ohne Staat – Wirtschaft und Gesellschaft im Krieg am Beispiel Somalias, Campus Verlag, Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-593-39528-9.
    • Dieter H. Kollmer, Andreas Mückusch (Hrsg.): Wegweiser zur Geschichte: Horn von Afrika. Schöningh, Paderborn 2007, ISBN 978-3-506-76397-6.
    • Abdirizak Sheikh, Mathias Weber: Kein Frieden für Somalia? 2. Aufl., M.-W.-Verlag, Frankfurt 2010, ISBN 978-3-934517-11-0.
    • Michael Birnbaum: Krisenherd Somalia. Heyne Verlag, München 2002, ISBN 978-3-453-86109-1.
    • Said Sheikh Samatar: Somalia – Nation in Search of a State. Westview Press, Boulder (Colorado) 1987, ISBN 978-0-86531-555-6.
    • Jasmin Touati: Politik und Gesellschaft in Somalia (1890–1991), Hamburg 1997, ISBN 3-928049-45-3
    • Markus Virgil Höhne und Virginia Luling (Hrsg.): Milk and peace, drought and war: Somali culture, society and politics (Essays in honour of I.M. Lewis). London 2010, ISBN 1-84904-045-1.
    • Markus Virgil Höhne: Somalia zwischen Krieg und Frieden. Strategien der friedlichen Konfliktaustragung auf internationaler und lokaler Ebene IAK, Hamburg 2002, ISBN 3-928049-84-4.
    • Maria Brons: Society, Security, Sovereignty and the State in Somalia. From Statelessness to Statelessness? International Books, Utrecht 2001, ISBN 978-90-5727-038-3

    WeblinksBearbeiten

      Wiktionary: Somalia – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
      Commons: Somalia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
      Wikinews: Portal:Somalia – in den Nachrichten
      Wikivoyage: Somalia – Reiseführer
      Wikimedia-Atlas: Somalia – geographische und historische Karten

    EinzelnachweiseBearbeiten

    1. a b c The Federal Republic of Somalia. Provisional Constitution, 1. August 2012
    2. a b Paul Moreira: Somalia - Chaos am Horn von Afrika. Somalia und die Giftmüllmafia. In: Dokumentarfilm. arte.TV, 24. Mai 2011; abgerufen am 12. Februar 2014.
    3. UNEP: After the Tsunami – Rapid Environmental Assessment (PDF; 781 kB), Somalia
    4. a b World Population Prospects – Population Division – United Nations. Abgerufen am 17. Oktober 2017.
    5. population estimation survey 2014 (UNFPA) Tabelle A3
    6. Catherine Besteman: Unraveling Somalia – Race, Violence, and the Legacy of Slavery, University of Pennsylvania Press 1999, ISBN 978-0-8122-1688-2
    7. David D. Laitin: Politics, Language, and Thought: The Somali Experience, University of Chicago Press 1977, ISBN 978-0-226-46791-7
    8. derStandard.at: Hintergrund: Verwaltung, Steuern, Schulen, Müll-Entsorgung: Keine
    9. The Constitution of the Republic of Somaliland/Chapter One
    10. Somali Convert from Islam Whipped in Public
    11. a b UNICEF Somalia: Statistics, abgerufen am 7. November 2013.
    12. http://apps.who.int/ghodata/?vid=18300&theme=country
    13. http://apps.who.int/ghodata/?vid=61530
    14. http://hdrstats.undp.org/en/countries/profiles/SOM.html
    15. WHO: Somalia is again polio-free
    16. http://data.unhcr.org/horn-of-africa/country.php?id=110
    17. http://data.unhcr.org/horn-of-africa/region.php?id=7&country=65
    18. http://reporting.unhcr.org/node/12780
    19. http://data.unhcr.org/horn-of-africa/country.php?id=197
    20. http://www.internal-displacement.org/sub-saharan-africa/somalia/figures-analysis
    21. http://www.internal-displacement.org/sub-saharan-africa/somalia/2015/somalia-over-a-million-idps-need-support-for-local-solutions/
    22. http://www.aljazeera.com/indepth/features/2015/02/plight-ethiopian-migrants-somalia-150226102614265.html
    23. Markus Virgil Höhne: Somalia zwischen Krieg und Frieden. Strategien der friedlichen Konfliktaustragung auf internationaler und lokaler Ebene, Institut für Afrika-Kunde 2002, ISBN 3-928049-84-4
    24. BBC News: Somali government seeks control
    25. [1]
    26. BBC News: Living in Somalia’s danger zone
    27. PDF bei webarchive.ssrc.org
    28. Sheikh/Weber: „Kein Frieden für Somalia?“ Frankfurt 2010, S.135–139
    29. Der gefährlichste Auftrag der Welt, in: Die Zeit, 28. Februar 2011
    30. http://www.transparency.org/policy_research/surveys_indices/cpi/2010/results
    31. Mo Ibrahim Foundation: Ibrahim Index of African Governance
    32. Reporter ohne Grenzen e.V.: Somalia. Abgerufen am 11. Dezember 2017.
    33. Reporter ohne Grenzen e.V.: Journalisten getötet. Abgerufen am 11. Dezember 2017.
    34. Reporter ohne Grenzen e.V.: Journalisten in Haft. Abgerufen am 14. Dezember 2017.
    35. Somalia: Reisewarnung. Auswärtiges Amt (Zugriff am 3. Mai 2016)
    36. Markus Virgil Höhne: Somalia zwischen Bürgerkrieg und Hungerkatastrophe, Blätter für deutsche und internationale Politik 09/2011, S. 18–22
    37. Spiegel Online: Uno-Bericht zu Somalia: 258.000 Menschen sterben bei Hungerkatastrophe vom 2. Mai 2013.
    38. A life-or-death search for water in drought-parched Somalia – in pictures. The Guardian vom 10. Mai 2017 (englisch), abgerufen am 12. Mai 2017
    39. Communiqué (englisch; PDF), abgerufen am 12. mai 2017
    40. [2] Human Rights Watch
    41. [3] Human Rights Watch
    42. Jahresbericht 2010 Amnesty International
    43. http://www.amnesty.org/en/for-media/press-releases/somalia-girl-stoned-was-child-13-20081031
    44. http://www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de/welt/afrika/somalia
    45. U.S: Department of labor (PDF; 7,9 MB) Report 2007
    46. Gesellschaft für bedrohte Völker Kindersoldaten in Somalia stehen zwischen allen Fronten
    47. UN verurteilen Einsatz von Kindersoldaten
    48. Entwicklungszusammenarbeit zur Stärkung der Menschenrechte von Homo- und Transsexuellen Anfrage von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN an den deutschen Bundestag (PDF; 66 kB) Entwicklungszusammenarbeit zur Stärkung der Menschenrechte von Homo- und Transsexuellen vom 12. Oktober 2010
    49. Menschenrechtsverletzung: Genitalverstümmelung ein Ende setzen. LandesPressePortal, 4. Februar 2017; abgerufen am 4. Februar 2017.
    50. UNICEF Schweiz Weibliche Genitalverstümmelung in der Schweiz
    51. Genitalverstümmelung in Afrika - Somalia. Terre des Femmes; abgerufen am 4. Februar 2017 (englisch).
    52. U.S. Department of State: I. Laws/Enforcement in Countries where FGM is Commonly Practiced (2001)
    53. dpa-Meldung, in: Ärzte Zeitung, 2. November 2005
    54. Somalia 2015 Human Rights Report. U.S. State Department; abgerufen am 4. Februar 2017 (englisch).
    55. CIA World Fact Book zu Somalia
    56. IRIN News: Somalia: Harder times ahead as dry conditions, insecurity persist
    57. Karten zur Präsenz internationaler Organisationen in Somalia
    58. taz.de: Helfer im Visier von Islamisten
    59. http://www.nzz.ch/newsticker/piratenangriffe-vor-somalia-auf-tiefstem-stand-seit-jahren-1.18409570
    60. Somalia: Livelihoods - and lives - at risk in Puntland, in: IRIN News, 24. August 2009
    61. Atlapedia
    62. Recognition of Somali government opens way to debt negotiations. In: Jubilee Debt Campaign. 1. Mai 2013, abgerufen am 26. August 2013.
    63. Richard Lough, Louise Heavens: IMF help puts Somalia on road to debt relief. In: reuters.com. Reuters, 24. Juni 2013, abgerufen am 7. November 2013.
    64. Ali, Barlin: Somali Cuisine, AuthorHouse 2007. ISBN 1-4259-7706-5.
    65. http://www.marabout.de/chronik/laender/somalia.htm

    Koordinaten: 8° N, 47° O