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Bevölkerungsdichte

Begriff der Humangeografie
Bevölkerungsdichte (1994)
Bevölkerungsdichte nach Staaten (2006)

Die Bevölkerungsdichte, auch Einwohnerdichte genannt, ist die mittlere Anzahl der Einwohner pro Fläche für ein bestimmtes Gebiet (Staat, Region oder Ähnliches), in der Regel angegeben in Einwohner pro km². Man errechnet sie, indem man die Einwohnerzahl des Gebietes durch die Fläche des Gebietes teilt. Das Pendant in der Tierwelt ist die Populationsdichte.

Ein etwas abgewandelter Begriff der Bevölkerungsdichte ist die Siedlungsdichte. Sie beschreibt die Einwohnerzahl je Quadratkilometer Siedlungs- und Verkehrsfläche.

Manchmal wird der Kehrwert, die Arealitätsziffer angegeben. Diese bezeichnet dann die „durchschnittliche Fläche pro Einwohner“.

Inhaltsverzeichnis

Bevölkerungsdichten in geographischen EinheitenBearbeiten

LänderBearbeiten

Das Land mit der

  • höchsten Bevölkerungsdichte (Stadtstaat): Monaco 18.229 Einwohner/km² (31. Dezember 2013)
  • höchsten Bevölkerungsdichte (Flächenstaat): Malta 1.346 Einwohner/km² (1. Januar 2014)
  • niedrigsten Bevölkerungsdichte (Region): Nunavut 0,02 Einwohner/km² (Oktober 2014)
  • niedrigsten Bevölkerungsdichte (Flächenstaat): Mongolei 1,9 Einwohner/km² (Juli 2014, Schätzung)

Zum Vergleich: Deutschland 226 Einwohner/km² (30. Juni 2014), Österreich 101 Einwohner/km² (1. Januar 2015), Schweiz 199 Einwohner/km² (30. September 2014), Belgien 364 Einwohner/km² (1. Januar 2013). Der am dünnsten besiedelte Kontinent ist Antarktika mit 0,0001 bis 0,0003 Einwohner/km².[1]

StädteBearbeiten

 
Kowloon Walled City, Hong Kong (1989)

Innerhalb der Fläche eines Landes ist die Bevölkerungsdichte höchst unterschiedlich. Die höchsten Bevölkerungsdichten findet man in Städten, und oftmals kann man nochmals um ein Vielfaches höhere Bevölkerungsdichten in einzelnen Stadtteilen finden. Beispielsweise hat Macau (heute Volksrepublik China) bereits eine sehr hohe Dichte von 20.997 Einwohner/km² (31. Dezember 2014, Schätzung). Der Distrikt Freguesia de Santo Antonio innerhalb von Macau hat jedoch noch eine viel höhere: hier kommen fast 121.500 Einwohner auf einen Quadratkilometer.[2]

Die vermutlich höchste jemals erreichte Bevölkerungsdichte der Welt wies die Kowloon Walled City auf der Halbinsel Kowloon auf, ein Stadtteil in Hongkong, der 1993 abgerissen wurde. Hier lebten 33.000 Bewohner auf nur 0,026 km², was einer Weltrekord-Bevölkerungsdichte von 1.300.000 Einwohner/km² entspricht.[3]

In Europa besitzt Paris mit 21.289 Einwohnern/km² (1. Januar 2012) eine sehr hohe Bevölkerungsdichte; das 11. Arrondissement (Popincourt) hat die höchste Dichte von Paris mit 42.236 Einwohnern/km² (1. Januar 2012). Der dichtestbesiedelte Stadtteil Europas befindet sich in der spanischen Stadt L’Hospitalet de Llobregat, wo im Stadtteil Florida etwa 77.000 Menschen auf einem Quadratkilometer leben.

Die am dichtesten bevölkerte Stadt in Nordamerika ist Guttenberg im US-Bundesstaat New Jersey mit 22.352 Einwohnern/km² (2010). Das Stadtgebiet am Hudson River gegenüber von Manhattan umfasst nur einen schmalen Uferstreifen, auf dem etwa 11.000 Einwohner leben.[4]

Generell sind die Angaben zur Bevölkerungsdichte von Städten und Gemeinden wenig aussagekräftig, was die tatsächliche Siedlungsdichte betrifft, d. h. wie eng die Menschen zusammenleben. Statistisch interessant wird die Bevölkerungsdichte erst auf der Ebene der Landkreise. Auch außerhalb von städtischen Ballungsgebieten gibt es etwa Städte, die aus historischen Gründen eine relativ kleine Gemarkung (mit wenig landwirtschaftlicher Fläche) haben und daraus folgend eine höhere statistische Bevölkerungsdichte aufweisen – und andere mit großen Ländereien und Wäldern mit entsprechend geringerer Bevölkerungsdichte. Auch die Wohnungsbelegung, das heißt die Anzahl der Personen je Wohnungseinheit, hat einen Einfluss auf die Bevölkerungsdichte. Städte mit vielen Singlehaushalten haben eine tendenziell geringere Einwohnerdichte. Dicht bebaute Wohngebiete ohne größere unbewohnte Gebiete mit eng gefassten Grenzen erreichen leicht Werte von über 10.000 Einwohnern pro km².

Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland, Österreich und der Schweiz dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.

DeutschlandBearbeiten

 
Die Karte des IÖR-Monitor zeigt für das Jahr 2011 die relativ ungleichmäßige Bevölkerungsdichte in Deutschland.

Die statistisch am dichtesten besiedelte Großstadt in Deutschland ist München mit 4.730 Einwohnern je Quadratkilometer vor Berlin mit 4.009 Einwohnern pro km², Herne im Ruhrgebiet mit 3.049 Einwohnern pro km² und Stuttgart mit 3.029 Einwohnern pro km². Hamburg als zweitgrößte Stadt Deutschlands beherbergt dagegen nur 2.397 Einwohner je km², hat jedoch im Stadtgebiet große Wasser-, Gewerbe- und Hafenflächen und landwirtschaftlich geprägte Stadtteile.

München verdankt seinen Spitzenplatz der recht eng gewählten Stadtgrenze; Hamburg hat durch den Hafen und größere ländliche Gebiete große Flächen, auf denen nur sehr wenige Menschen wohnen, was den Durchschnitt der Bevölkerungsdichte senkt.

Der Münchner Stadtbezirk Schwabing-West hat eine Bevölkerungsdichte von 15.908, der Berliner Ortsteil Friedenau 16.753, der Stadtteil Friedrichstadt in Düsseldorf kommt auf 19.984 (Stand Dezember 2016)[5] und der Hamburger Stadtteil Eimsbüttel kommt auf 17.830 Einwohner/km². Der wohl mit Abstand am dichtesten besiedelte Stadtteil in Deutschland ist das Westend in Wiesbaden, in dem pro Quadratkilometer – rein rechnerisch – mehr als 27.000 Einwohner leben.[6] Real leben dort auf 0,67 km² Fläche nur 18.172 Einwohner.

Der am dichtesten besiedelte Landkreis Deutschlands ist mit 1.190 Einwohnern/km² der Kreis Mettmann östlich von Düsseldorf, gefolgt vom hessischen Main-Taunus-Kreis zwischen Wiesbaden und Frankfurt am Main mit 1.060 Einwohnern/km². Auf Platz drei folgt der ebenfalls hessische Landkreis Offenbach mit 982 Einwohnern/km². Die am dünnsten besiedelten Landkreise Deutschlands sind die Landkreise Prignitz (36 Einwohnern/km²), der Altmarkkreis Salzwedel (37 Einwohnern/km²) sowie die Kreise Ostprignitz-Ruppin und Uckermark mit je 39 Einwohnern/km².

Die am dünnsten besiedelte Gemeinde in Deutschland ist Wiedenborstel in Schleswig-Holstein, in der 10 Einwohner auf 4,52 km² kommen. Die Einwohnerdichte beträgt also 2,22 Einwohner/km².

Das am dichtesten besiedelte Flächenland in Deutschland ist Nordrhein-Westfalen (524 Einwohner/km²)[7] vor dem Saarland (387 Einwohner/km²)[8] Das am dünnsten besiedelte ist Mecklenburg-Vorpommern (69 Einwohner/km²).[9]

Die vom Monitor der Siedlungs- und Freiraumentwicklung (IÖR-Monitor) veröffentlichte rasterbasierte Darstellung zur Bevölkerungsdichte zeigt wie die Karte zur Einwohnerdichte auf Kreisbasis ein deutliches West-Ost-Gefälle hinsichtlich der Besiedlungsstruktur. Dieses Gefälle resultiert vor allem aus der stärkeren Besiedelung Westdeutschlands nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Abwanderung aus den ostdeutschen Bundesländern nach der Wiedervereinigung. Während die Karte zur Einwohnerdichte nur bis auf die Kreisebene verdichtet werden kann, lässt die Rasterkarte auf Basis des Zensus 2011 (Destatis) eine genauere Verortung von Bevölkerungskonzentrationen und ein Erkennen weiterer räumlicher Muster zu. Eine Darstellung des neuen „Speckgürtels“ rund um Berlin ist zum Beispiel über die Rasterdarstellung wesentlich detaillierter möglich.[10]

ÖsterreichBearbeiten

 
Bevölkerungsdichte in Österreich nach Bundesländern

Die fünf österreichischen Großstädte (mehr als 100.000 Einwohner) sind nach der Bevölkerungsdichte (Personen/km²) wie folgt gereiht, dabei wurden die Nebenwohnsitze miteinbezogen:

  1. Wien: 4235 Einw./km² (1.757.000 Einw. ÷ 414,87 km²)
  2. Salzburg: 2224 Einw./km² (146.000 Einw. ÷ 65,64 km²)
  3. Graz: 2056 Einw./km² (266.000 Einw. ÷ 127,56 km²)
  4. Linz: 2000 Einw./km² (192.000 Einw. ÷ 95,99 km²)
  5. Innsbruck: 1162 Einw./km² (122.000 Einw. ÷ 105 km²)

Der am dichtesten besiedelte Wiener Gemeindebezirk ist Margareten, wo auf 2,03 Quadratkilometern 53.101 Personen wohnen – das sind 26.158 pro km². An zweiter Stelle folgt die Josefstadt, die mit 22.181 Einwohner pro Quadratkilometer ebenfalls noch einen Wert über 20.000 erreicht.

SchweizBearbeiten

 
Bevölkerungsdichte in der Schweiz nach Kantonen

Die sechs Schweizer Großstädte sind nach der Bevölkerungsdichte wie folgt gereiht:

  1. Genf: 11.721 Einw./km²
  2. Basel: 7301 Einw./km²
  3. Zürich: 4046 Einw./km²
  4. Lausanne: 2846 Einw./km²
  5. Bern: 2484 Einw./km²
  6. Winterthur: 1470 Einw./km²

Das Quartier Matthäus in Basel hat mit 27.510 Einwohnern pro Quadratkilometer die größte Bevölkerungsdichte der Stadt. Der Stadtkreis in Zürich mit der größten Bevölkerungsdichte ist Aussersihl (Kreis 4) mit 9519 Einwohnern pro Quadratkilometer.

InselnBearbeiten

Die nur ca. 1,2 Hektar große kolumbianische Insel Santa Cruz del Islote weist rechnerisch eine Bevölkerungsdichte von etwa 100.000 Einwohnern pro Quadratkilometer auf. Unter den großen Inseln der Erde hat das indonesische Java mit über 1000 Einwohnern je km² die höchste Bevölkerungsdichte.

Weltkarte und AussagekraftBearbeiten

Bevölkerungsdichte auf der Erde 2005
Kopie dieser Karte „frei verschiebbar“ im Großformat (1,1 MB) mit gleichzeitig sichtbarer Legende

Die Aussagekraft des Bevölkerungsdichte-Wertes wird oft als gering betrachtet, da sie eine Durchschnittszahl für eine willkürlich festgelegte Fläche darstellt. Sie gibt keinen Aufschluss über die unterschiedliche Bevölkerungsdichte aufgrund geographischer Besonderheiten, wie z. B. unbewohnbare Gebiete. Für Länder mit einem hohen Anteil an Wüsten oder Gebirgen, wie zum Beispiel Ägypten, Saudi-Arabien oder die Volksrepublik China und die Mongolei kann die Zahl daher im Vergleich mit anderen Ländern irreführend sein. Genauer wäre in diesem Fall die Besiedlungsdichte, bei der man sich nur auf die theoretisch besiedelbare oder tatsächlich besiedelte Fläche bezieht.

Diese Einschränkung gilt ebenso für Städte: Die auf die Gemarkungsfläche bezogene Bevölkerungsdichte einer Stadt oder Gemeinde hängt sehr davon ab, wie groß der Anteil der nicht besiedelten Flächen ist: Große Wald- und Ackerflächen im Bereich der Gemarkung reduzieren die durchschnittliche Bevölkerungsdichte; dabei können die Bewohner der Stadtteile durchaus dicht gedrängt leben.

Ein Extrembeispiel bildet etwa die schwedische Gemeinde Kiruna (siehe Punkt auf der Weltkarte). Hier leben 23.129 Einwohner auf 19.371 km². Das entspricht 1,2 Einwohnern je km². Allerdings leben davon im gleichnamigen Hauptort der Gemeinde 18.154 Einwohner bei nur 15,92 km² Fläche (1.140 Einwohner je km²). 78,5 % der Einwohner konzentrieren sich also auf nur 0,08 % der Fläche. Demnach liegt die durchschnittliche Bevölkerungsdichte auf der Fläche außerhalb der Stadt bei nur 0,26 Einwohnern je km².

Die meisten Weltkarten zur Bevölkerungsdichte basieren auf statistischen Angaben für länderspezifische Flächeneinheiten. Das können recht kleine Flächen sein wie die Kreise und Städte Deutschlands oder aber sehr große wie ganze Staaten (siehe Karte in der Einleitung). Je größer diese Einheiten sind und je unterschiedlicher die Größe im Vergleich zu anderen Ländern, desto stärker wird das Kartenbild verfälscht. Obgleich die abgebildete Karte – die auf Daten des „Center for International Earth Science Information Network“ (CIESIN) der Columbia University New York basiert – für viele Länder engmaschige Werte relativ kleiner Flächen darstellt, gibt es daneben aufgrund fehlender detaillierterer Daten große Flächen, die nur mit einem Durchschnittswert abgebildet werden (beispielsweise Serbien).

Eine Möglichkeit zur besseren Vergleichbarkeit ist die kleinräumige Betrachtung der Bevölkerungszahl in Gitterzellen eines standardisierten Rasters, beispielsweise nach der INSPIRE-Spezifikation. Hierbei spielen administrative Grenzen keine Rolle mehr.

Siehe auchBearbeiten

  Portal: Geographie – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Geographie

WeblinksBearbeiten

  Commons: Karten zur Bevölkerungsdichte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wiktionary: Bevölkerungsdichte – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Deutschland:

Österreich:

  • Paul Hasenöhrl: Karte Bevölkerungsdichte in Österreich. PS Thematische Kartographie 4. Programm (unet.univie.ac.at PDF) – mit einer Diskussion der Aussagekraft einer farblichen Visualisierung

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Alle Zahlen des Abschnitts „Länder“ stammen aus den verlinkten Wikipedia-Artikeln, abgerufen 18. März 2015
  2. Berechnung auf Grund der Bevölkerungszahl in: Government of Macao Special Administrative Region Statistics and Census Service: Population estimate 31. Dezember 2014: 133.700, und der Flächenangaben in Macau Cartography and Cadastre Bureau, Area of parishes 2014, Santo Antonio: 1.1 km², abgerufen 16. März 2015
  3. Charles Goddard: The Clearance. In: City of Darkness: Life in Kowloon Walled City, S. 208–211.
  4. Alle Zahlen ohne eigenen Einzelnachweis entstammen den verlinkten Wikipedia-Artikeln, abgerufen 18. März 2015
  5. duesseldorf.de Statistik auf Duesseldorf.de-Stadtteil Friedrichstadt
  6. muenchen.de
  7. Geographische Angaben zum Land Nordrhein-Westfalen Zentraler Statistischer Auskunftsdienst NRW. Abgerufen am 14. September 2016; Bevölkerung in NRW Zentraler Statistischer Auskunftsdienst NRW. Abgerufen am 14. September 2016.
  8. Einwohnerdichte im Saarland Website des Landes Saarland. Abgerufen am 14. September 2016.
  9. Karte des IÖR-Monitor zur Einwohnerdichte (Memento des Originals vom 6. Oktober 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ioer-monitor.de IÖR Monitor. Abgerufen am 14. September 2016.
  10. Karte des IÖR-Monitor zur Einwohnerdichte (Memento des Originals vom 6. Oktober 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ioer-monitor.de IÖR Monitor. Abgerufen am 14. September 2016.