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Als neue Länder (auch östliche oder ostdeutsche Bundesländer) werden die fünf Länder der Bundesrepublik Deutschland bezeichnet, die aufgrund des Ländereinführungsgesetzes vom 22. Juli 1990 auf Beschluss der Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik aus den 14 DDR-Bezirken (ohne Ost-Berlin) gebildet wurden.[1] Der im Gesetz vorgesehene Termin des 14. Oktober 1990 wurde mit dem Einigungsvertrag auf den 3. Oktober vorgezogen, so dass die neuen Länder gleichzeitig mit der deutschen Einigung von 1990 entstanden.[2]

Zu unterscheiden sind die Begriffe ostdeutsche Länder (bzw. weiterhin neue Länder, obwohl dieser Begriff inzwischen durch Zeitverlauf überholt ist) und Beitrittsgebiet, letzteres schließt zwingend den Ostteil der Stadt Berlin ein, ebenso die 1993 an Niedersachsen gefallenen Gebiete von Mecklenburg-Vorpommern. Umgangssprachlich werden die neuen Bundesländer auch als „Ostdeutschland“ bezeichnet, worunter das gesamte Land Berlin oder teilweise nur das ehemalige Ost-Berlin fällt.

Inhaltsverzeichnis

Die fünf neuen BundesländerBearbeiten

Die neuen Länder sind

Sonderfall BerlinBearbeiten

Berlin war bereits vor 1990 ein Land (in Art. 23 GG a.F. und Art. 127 GG konkret als Groß-Berlin bezeichnet), das jedoch bis dahin nur aus West-Berlin bestand. Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung wurde dieses Land um Ost-Berlin und West-Staaken erweitert. Gemäß Vier-Mächte-Abkommen war Berlin (West) zwar kein integraler Bestandteil der Bundesrepublik Deutschland und durfte von ihr nicht regiert werden, es wurde jedoch von dieser als Bundesland betrachtet und mit einigen Einschränkungen (alliiertes Vorbehaltsrecht) auch so behandelt. Daher zählt Berlin nicht zu den neuen Bundesländern.

Bei Untersuchungen zur Entwicklung des Beitrittsgebietes nach der Wiedervereinigung wird das Gebiet des ehemaligen Ost-Berlins meist gesondert zu den fünf neuen Bundesländern betrachtet, insbesondere auch da sich aufgrund der spezifischen urbanen Struktur und der Wiedervereinigung innerhalb der Stadt andere Herausforderungen ergaben.

Grenzänderungen nach der WendeBearbeiten

Das östlich der Elbe gelegene damalige Amt Neuhaus sowie die Ortsteile Neu Bleckede, Neu Wendischthun und Stiepelse der Gemeinde Teldau im seit 1992 bestehenden Amt Boizenburg-Land (Landkreis Ludwigslust) wechselten am 30. Juni 1993 vom mecklenburg-vorpommerschen (bzw. bis 1990 Schweriner) Landkreis Hagenow zum niedersächsischen Landkreis Lüneburg und liegen somit heute in einem der alten Bundesländer. Neu Bleckede und Neu Wendischthun bilden heute den Ortsteil Bleckede-Wendischthun der Stadt Bleckede, die anderen Gemeinden schlossen sich am 1. Oktober 1993 zur Gemeinde Amt Neuhaus zusammen. Diese Grenzänderungen haben keine Auswirkungen auf den weiterhin verwendeten Begriff des Beitrittsgebiets, das demnach auch Gebiete in Niedersachsen umfasst.

Geschichte und GegenwartBearbeiten

→ Hauptartikel zur Geschichte der neuen Länder vor 1945: Geschichte Deutschlands, Mecklenburg, Brandenburg, Berlin, Geschichte Berlins, Preußen, Geschichte Thüringens und Geschichte Sachsens
→ Hauptartikel zur Geschichte nach 1945: Land (DDR), Sowjetische Besatzungszone (SBZ), Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik und Ost-Berlin

Bis 1990Bearbeiten

 
Die alten Länder in der SBZ und der frühen DDR (grau) im Vergleich zu den Bundesländern in ihren Grenzen (rot) bei deren Neugründung am 3. Oktober 1990

Die Länder waren auf Anordnung der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland in der DDR eingerichtet worden. Im Zuge der „weiteren Vervollkommnung des sozialistischen Verwaltungsaufbaus“, faktisch eine Abschaffung des Föderalismus und eine straffe Zentralisierung, wurde den Ländern am 23. Juli 1952 aufgetragen, ihre Aufgaben an 15 Bezirke und 217 Kreise abzugeben. Dabei wurden historisch gewachsene Strukturen zugunsten eines Zuschnitts der Bezirke nach ökonomischen und sicherheitspolitischen Gesichtspunkten beseitigt.

Mit dem Ländereinführungsgesetz wurden die Länder unmittelbar zur Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 rekonstituiert, allerdings weder in den Grenzen von 1952 noch in denen der Bezirke der DDR. Zum Zeitpunkt des Einigungsvertrages betrug die Bevölkerungszahl der neuen Länder zuzüglich Ost-Berlins etwa 17 Millionen Menschen. Durch die allgemeine demografische Entwicklung in Deutschland und durch Abwanderung von mehr als zwei Millionen Menschen in die alten Bundesländer ging diese Anzahl auf weniger als 15 Millionen zurück.

Entsprechend ihrer Anzahl wurde neben dem juristischen Terminus „Beitrittsgebiet“ auch die Bezeichnung fünf neue Länder 1990 eingeführt, um jenen medial zu vermeiden. In den Jahren nach der Wiedervereinigung oder Wende wurden diese Gebiete – zum Teil scherzhaft – mit folgenden Bezeichnungen versehen (bzw. bezeichneten sich auch selbst so): Neufünfland (eine Anspielung auf Neufundland), Fünfneuland, FNL, Beitrittsländer, Ossiland oder Anschlussgebiet. Die beiden letztgenannten Begriffe umfassen auch Ost-Berlin.

Wesentlich häufiger werden die fünf Länder zusammenfassend als Ostdeutschland bezeichnet, was durch gewandelten Sprachgebrauch einen annähernd neutralen Klang bekommen hat. Gelegentlich bezeichnet man mit Ostdeutschland – angelehnt an den inzwischen im rbb aufgegangenen Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (ORB) – nur den Nordosten, also das Gebiet der Länder Brandenburg, Berlin und zum Teil Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.

Auch der Begriff Mitteldeutschland erfährt derzeit einen auflebenden Gebrauch – vor allem durch den Wunsch der Politiker in Sachsen und Thüringen, sich vom wirtschaftlich schwächeren Nordosten abzugrenzen. Insbesondere der Mitteldeutsche Rundfunk benutzt diese Bezeichnung, um das Sendegebiet (Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) zusammenfassend zu bezeichnen. Der Begriff betont dabei meist einen (gedachten) Kulturraum und nicht die geographische Mitte Deutschlands.

Neuaufbau der Länder- und Kommunalverwaltungen nach 1990Bearbeiten

 
Die deutschen Länder seit 1993

Da die Länder mit der Vereinigung Deutschlands neu zu errichten waren, mussten ihre öffentliche Verwaltung von Grund auf neu aufgebaut und mit dem System der Bundesrepublik in Einklang gebracht werden. Nach Art. 15 Abs. 3 des Einigungsvertrages konnten bis zum 30. Juni 1991 die westdeutschen Länder und der Bund Aufgaben der neuen Länder bearbeiten, solange sie selbst dazu noch nicht in der Lage waren. Im Rahmen der „Länderprogramme zum Verwaltungsaufbau in den neuen Ländern“ schlossen die neuen Bundesländer sogenannte „Verwaltungshilfeverträge“ mit Bundesländern aus dem Westen. Diese sollten sie beim Aufbau der Verwaltung nach westdeutschem Muster begleiten und unterstützen, beispielsweise mit der Ausbildung oder auch Überlassung von Personal. Auch wurden Partnerschaften zwischen Städten der Vertragspartner abgeschlossen, um die Verwaltungsumstrukturierung auch auf der kommunalen Ebene besser umzusetzen.

Dabei ergaben sich die folgenden Verwaltungshilfe-Paarungen:

Neues Land Westdeutsche Verwaltungshilfepartner
Brandenburg Nordrhein-Westfalen
Mecklenburg-Vorpommern Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein
Sachsen Baden-Württemberg, Bayern
Sachsen-Anhalt Niedersachsen
Thüringen Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz

Grundlage dieser Verwaltungshilfe sollten vor allem Partnerschaften auf kommunaler Ebene über die inzwischen in den 1980er Jahren entstandenen Städtepartnerschaften spielen. In der Praxis übernahmen diese Rolle vor allem die westdeutschen Landesverwaltungen, da es hier vorrangig um die Kostenübernahme dieser Verwaltungshilfe ging. Verwaltungshilfevereinbarungen wurden von diesen vornherein mit den neu gebildeten ostdeutschen Ländern getroffen, die wenigen kommunalen Vereinbarungen betrafen daher nur einzelne Personen.

Vor allem in der Anfangszeit war das Engagement der westdeutschen Partner recht unterschiedlich. Während Hessen, Bayern, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg sich zügig um einen effizienten Verwaltungsaufbau in den südlichen Ländern Thüringen und Sachsen bemühten, zeigten Niedersachsen in Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein in Mecklenburg-Vorpommern – in der Hoffnung auf die Initiative der eigenen Kommunen – zunächst nur geringe Anstrengungen. In Thüringen kam es hingegen zu Koordinationsschwierigkeiten zwischen Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz. Dies war vor allem hinsichtlich des Kommunalaufbaus bedingt, da Bayern und Hessen z. B. ausgeprägt andere Kommunalverwaltungsmodelle verfolgten.[3]

Zwischen 1990 und 1995 wurden ca. 35.000 westdeutsche Beamte und Verwaltungsangestellte in den neuen Ländern zur Errichtung der dortigen Verwaltungen eingesetzt.[4]

Westdeutsche Politiker wie Kurt Biedenkopf und Bernhard Vogel waren in den 1990er/2000er Jahren in den ostdeutschen Bundesländern als Ministerpräsidenten gewählt worden und andere wie Lothar Späth waren in der Wirtschaft (Jenoptik AG) aktiv.

Parteien, OrganisationenBearbeiten

Die ostdeutschen Bundesländer haben – ausgenommen die Regionalkonferenz der Regierungschefs der ostdeutschen Länder (MPK-Ost)[5] – keine gemeinsame staatliche oder öffentliche Vertretung.

Obwohl sich die Partei Die Linke nicht nur als „Ostpartei“ versteht, sondern als gesamtdeutsche Partei, versucht sie sich trotzdem vorwiegend als politische Interessenvertretung der ostdeutschen Länder und Ostberlins zu profilieren. Sie verfügt in diesen über ein Wählerpotential von 13 bis 30 %.

Viele Organisationen der DDR wie die Pionierorganisation, AdW der DDR und die Gesellschaft für Sport und Technik sind seit 1990 ganz aufgelöst worden oder wurden Teil einer nunmehr bundesweiten Organisation, die ihre Grundlage in den westdeutschen Ländern hatte, wie zum Beispiel die DDR-Blockparteien CDU und DBD, beide in die Gesamt-CDU übergegangen, sowie die NDPD und die LDPD, die wiederum beide in der (gesamtdeutschen) FDP aufgegangen sind.

BevölkerungBearbeiten

Die Einwohnerzahl der neuen Länder ist seit 1990 um mehr als zweieinhalb Millionen Menschen zurückgegangen, da einerseits seit diesem Zeitraum etwa drei Millionen das Gebiet der ehemaligen DDR verlassen haben und etwa eine Million vorwiegend aus der Alt-Bundesrepublik zugewandert sind. Die Zahl der Zugewanderten aus Westdeutschland beinhaltet auch ostdeutsche Rückkehrer, die auf diese Weise nur vorübergehend in den alten Bundesländern gelebt haben. Diese Rückkehrer machen in einzelnen Regionen über 50 % der Menschen aus, die statistisch als Zuwanderer erfasst werden. Außerdem würden deutlich über 50 % der ostdeutschen Abwanderer in den Westen gern nach Ostdeutschland zurückkehren, wenn sie dort eine bessere Perspektive hätten.[6] Auffällig sei, dass Ostdeutsche überdurchschnittlich oft wieder Ostdeutsche heiraten oder mit ihnen zusammen leben würden.

Die demografische Situation wird in den neuen Bundesländern für viele Regionen als schlecht eingestuft. Faktoren sind dafür unter anderem die Abwanderung junger Menschen aus den ländlichen Regionen und die steigende Lebenserwartung, wodurch das Verhältnis der Altersgruppen sich weiter nach oben verschiebt. Im Jahr 2017 verzeichneten die ostdeutschen Bundesländer zum ersten Mal seit der Wiedervereinigung einen Zuwanderungsgewinn durch Binnenwanderung. Während 2001 noch mehr als 190.000 Menschen aus dem Osten Richtung alte Bundesländer gezogen waren, waren es im Jahr 2017 weniger als 90.000. Im gleichen Zeitraum siedelten rund 94.000 Menschen in die neuen Bundesländer über.[7]

Die zusammengefasste Geburtenziffer (oft auch als Geburtenrate bezeichnet) sank in den ostdeutschen Ländern zu Beginn der 1990er Jahre zunächst auf die Hälfte – dies vor allem durch die Verschiebung des Lebensalters einer Erstgebärenden –, so dass zahlreiche Schulen und Kindergärten geschlossen werden mussten. In den Jahren nach 2000 war die Ost-West-Angleichung erreicht, sowohl, was das Erstgebärenden-Lebensalter anbelangt, als auch, was die allgemeine Geburtenrate betrifft. Mittlerweile ist die zusammengefasste Geburtsrate in den neuen Ländern im Jahr 2017 mit 1,61 geringfügig höher als in den alten Bundesländern mit 1,58.[8] Dadurch stabilisiert sich die demografische Situation in einigen Regionen.

Besonders schlecht sei die demografische Situation in der Lausitz, in Ostbrandenburg, im Osten Mecklenburg-Vorpommerns und in der Mitte Sachsen-Anhalts (zwischen Magdeburg, Halle, Dessau-Roßlau und Halberstadt; die Bertelsmann-Studie prognostiziert zum Beispiel für Hoyerswerda bis 2020 einen Bevölkerungsrückgang von 48 %).[9] Andererseits gibt es einige Gebiete, die nur geringe Bevölkerungsverluste zu verzeichnen haben, dazu zählen Teile Thüringens und Sachsens sowie die westlichen Teile Mecklenburg-Vorpommerns (um Wismar und Schwerin). Einige Ballungsräume können in den letzten Jahren sogar wieder Bevölkerungszuwächse verzeichnen, dazu zählen zum Beispiel alle Gebiete rings um Berlin, insbesondere die Stadt Potsdam, die zu den am schnellsten wachsenden Großstädten Deutschlands gehört, außerdem wachsen noch die Ballungsräume um Leipzig, Dresden und Erfurt-Weimar-Jena. Stabilisiert haben sich auch die Regionen um Magdeburg und Rostock.

Größte StädteBearbeiten

Stadt Land Einwohner
31.12.1988 31.12.2000 31.12.2010 31.12.2017
Leipzig Sachsen 545.307 493.208 522.883 581.980
Dresden Sachsen 518.057 477.807 523.058 551.072
Chemnitz Sachsen 311.765 259.246 243.248 246.855
Halle (Saale)a Sachsen-Anhalt ~330.000 247.736 232.963 239.173
Magdeburg Sachsen-Anhalt 290.579 231.450 231.525 238.478
Erfurt Thüringen 220.016 200.564 204.994 212.988
Rostock Mecklenburg-Vorpommern 253.990 200.506 202.735 208.409
Potsdam Brandenburg 142.862 129.324 156.906 175.710
Jena Thüringen 108.010 99.893 105.129 111.099
Cottbus Brandenburg 128.639 108.491 102.091 101.036
Schwerin Mecklenburg-Vorpommern 130.685 101.267 95.220 95.797
Gera Thüringen 134.834 112.835 99.262 94.859
Zwickau Sachsen 121.749 103.008 93.750 90.192
Dessau-Roßlau Sachsen-Anhalt 103.867 83.153 86.906 82.111
Brandenburg an der Havel Brandenburg 94.872 77.516 71.778 71.886
Plauen Sachsen 77.593 71.543 66.098 65.148
Weimar Thüringen 63.412 62.425 65.479 64.426
Neubrandenburg Mecklenburg-Vorpommern 90.471 73.318 65.282 64.259
Stralsund Mecklenburg-Vorpommern 75.498 60.663 57.670 59.517
Frankfurt (Oder) Brandenburg 87.863 72.131 60.330 58.237
Greifswald Mecklenburg-Vorpommern 68.597 54.236 54.610 58.886
Görlitz Sachsen 77.609 61.599 55.596 56.391
a Inklusive Halle-Neustadt

WirtschaftBearbeiten

Die neuen Länder sollten mit umfassenden Fördermitteln aus dem Aufbau Ost, vor allem dem Fonds Deutsche Einheit und den Solidarpakten, in ihrer Wirtschaft unterstützt werden. Nach 1990 erhöhte sich die Arbeitslosigkeit in den neuen Ländern stark und war zeitweise im Durchschnitt etwa doppelt so hoch wie in Westdeutschland. Große Teile der Industrie wurden nach 1990 abgewickelt, also geschlossen oder privatisiert, teilweise saniert und verkauft, wozu die Treuhandanstalt beauftragt worden war. Auch in den Betrieben, die noch bestehen blieben, wurde die Zahl der Mitarbeiter zumeist erheblich gesenkt. Von 2005 bis 2018 hat sich die Arbeitslosenquote von 18,7 auf 6,5 Prozent reduziert und unterscheidet sich damit kaum noch vom gesamtdeutschen Niveau.

Nach dem Beitritt der DDR zum Bundesgebiet sank die Industrieproduktion der Neuen Länder innerhalb weniger Jahre drastisch, wächst aber seit dem Tiefpunkt Anfang der 1990er Jahre wieder stetig und mit zum Teil deutlich höheren Wachstumsraten als in den alten Bundesländern; gleichwohl liegt der Anteil der Wertschöpfung in der Industrie an der gesamten Wertschöpfung noch immer unter dem Niveau der alten Länder. Fast 100 % des ehemaligen Volkseigentums wurden privatisiert und 95 % davon gelangten in den Besitz von Eigentümern außerhalb der neuen Bundesländer. Das Bruttoinlandsprodukt der neuen Länder ist unter das der DDR von 1989/90 gesunken, das Bruttosozialprodukt der DDR betrug zuletzt 1990 354 Milliarden Mark (Stand: 2003). Das Leistungsbilanzdefizit der neuen Länder – das heißt der Importüberschuss gegenüber dem Export – beträgt 2003 rund 100 Milliarden Euro. Der durchschnittliche Gewinn, den die alten Länder seit dem Beitritt in den neuen Ländern erzielten („Vereinigungsgewinn“), beträgt nach Angaben des Statistischen Bundesamts rund 100 Milliarden Euro pro Jahr, also bis 2003 etwa 1.300 Milliarden Euro. Das Wirtschaftswachstum lag im Zeitraum zwischen 2001 und 2006 etwa 0,2 % über dem der alten Bundesländer.[10] Die neuen Länder sind zu führenden Erzeugern von erneuerbaren Energien aufgestiegen, mit dem Ergebnis, dass sich heute drei von ihnen unter den fünf größten Erzeugerländern für regenerativen Strom befinden.[11]

Die Preise für Wirtschafts- und Konsumgüter haben sich seit der Bildung der neuen Länder zumeist erhöht, teilweise sogar drastisch um das etwa fünf- bis zehnfache wie die Mieten, die Versicherungen, die öffentlichen Verkehrsmittel, für Restaurantbesuche und für Handwerker und Dienstleistungen. In den 1990er Jahren wurden fast alle Haushalte mit Telefonanschlüssen ausgestattet.

Im Jahr 2017 lag die Wirtschaftskraft (das BIP je Einwohner) 73,2 Prozent des westdeutschen Niveaus.[12] Im Jahr 1990 lag das BIP je Einwohner noch bei 38,7 % der westdeutschen Werte.[13]

Im Zukunftsatlas werden Demografie, Soziale Lage, der Arbeitsmarkt und Wettbewerbs- sowie Innovationsfähigkeit aller Deutschen Regionen bewertet. Viele ostdeutsche Regionen werden mit starken Zukunftsrisiken eingestuft. Jedoch haben sich seit Einführung des Rankings 61 von 76 Regionen des Ostens in der Bewertung verbessert. Regionen und Städte, welche sich laut Zukunftsatlas besonders verbessert haben sind u. a. Leipzig, Erfurt, der Landkreis Dahme-Spreewald, Chemnitz, Weimar, Gotha und Dresden.

In vielen Städten der neuen Länder standen nach Abwanderung viele Wohnungen leer – trotz Abriss und Rückbau. Dieser Trend kehrt sich aber in den großen Städten sowie vielen Universitätsstädten seit 2012 um. Städte wie Dresden und Leipzig in Sachsen, Jena und Erfurt in Thüringen und Magdeburg und Halle (Saale) in Sachsen-Anhalt wachsen durch Zuwanderung aus dem Umland und durch die natürliche Bevölkerungsbewegung wieder, welche einen Geburtenüberschuss bedeutet. Durch das Wachstum der Bevölkerung siedeln sich wieder vermehrt große Unternehmen in diesen Gegenden an, wodurch sich die Lage am Arbeitsmarkt deutlich entspannt.[14] Dadurch kommt es gerade in den großen Ballungsräumen nach jahrzehntelangem Leerstand und Rückbau von Wohnungen zu einer regelrechten Wohnungsnot und ein neuer Bauboom hat eingesetzt.

VerkehrBearbeiten

Die Verkehrsinfrastruktur der DDR befand sich in einem katastrophalen Zustand. Durch mangelnde Investitionen waren die Straßen und Gleisanlagen vielerorts verschlissen und auch in ihrem Umfang für den sich entwickelnden Transport- und Individualverkehr nicht mehr ausreichend. In den 1990er Jahren wurde daher viel Geld in den Ausbau der Verkehrswege zur Verbindung zwischen den alten und neuen Ländern investiert. So wurden im Rahmen der Verkehrsprojekte Deutsche Einheit verschiedene Hochgeschwindigkeitsbahntrassen gebaut und erneuert, um die Reisezeiten und den Güterverkehr zu verbessern.

Gleichzeitig wurde die Anzahl der in den neuen Ländern verkehrenden Bahn- und Busverbindungen zum Teil erheblich verringert, etliche Bahnlinien (insbesondere Nebenstrecken) und kleinere Bahnhöfe wurden geschlossen. Die Bus- und Bahnbenutzung ist stark zurückgegangen, im Gegenzug dazu stieg der Individualverkehr an. Der Kraftfahrzeugbestand je Haushalt ist in den Jahren nach der Wiedervereinigung durchgehend angestiegen. (1988: Bundesrepublik 61 %, DDR 55 %; 1998: alte Bundesländer 76 %, neue Bundesländer 71 %)[15]

In der DDR wurden nur wenige Neubauprojekte für Autobahnverbindungen realisiert. Es bestand bis 1989 größtenteils noch aus dem Netz der ehemaligen Reichsautobahnen. Seit 1990 wurden daher neue Autobahnen gebaut und bestehende ausgebaut. Bedeutende Bauprojekte waren unter anderem der Neubau der A 20 zwischen Lübeck und Stettin, der A 14 zwischen Magdeburg und Halle und der Vollendung der A 4 zwischen Bautzen und Görlitz als Transitstrecke nach Polen sowie der Ausbau der A 2.

PolitikBearbeiten

In den neuen Bundesländern gibt es ein anderes Wählerverhalten als in den alten, insbesondere erhielt hier Die Linke bei den Kommunal- und Landtagswahlen im Durchschnitt deutlich höhere Prozentzahlen als im Westen. CDU, SPD, Grüne und FDP erhielten hingegen zumeist etwas geringere Wahlergebnisse als in Westdeutschland. Bündnis 90/Die Grünen waren nur von 2011 bis 2016 in allen neuen Ländern in den Parlamenten vertreten. Insgesamt ist eine geringere traditionelle Parteibindung und damit verbundene höhere Bereitschaft zum Wechselwählen zu beobachten.

Nach einer Studie der Friedrich-Schiller-Universität Jena von 2003 stimmten 23 % der Bevölkerung in Thüringen für eine Rückkehr zum Sozialismus, 58 % beurteilten die DDR mehr positiv als negativ. In einer Umfrage von 2007 stimmten noch 18 % der Bevölkerung in den neuen Ländern für die Rückkehr.[16] Nach einer Umfrage aus dem Jahr 2009 sind 57 % der dortigen Bevölkerung der Meinung, die DDR habe mehr gute als schlechte Seiten gehabt; 8 % stimmen überdies der Aussage zu, dass man in der DDR „glücklicher“ gewesen sei als heute.[17]

Ostdeutschland ist in jüngerer Vergangenheit Ausgangsbasis für rechtspopulistische Protestbewegungen wie etwa PEGIDA in Dresden.[18] Die Alternative für Deutschland (AfD) konnte seit 2014 in alle ostdeutschen Landesparlamente und das Berliner Abgeordnetenhaus mit mehrheitlich zweistelligen Ergebnissen einziehen. Neben Stimmengewinnen von CDU, FDP, NPD sowie einer breiten Mobilisierung von Nichtwählern profitiert die AfD dabei auch von Wählerwanderungen aus dem Lager der politischen Linken.[19][20][21] Hochburgen der Partei liegen im südlichen Sachsen-Anhalt, östlichen Vorpommern und Ostsachsen. Im ländlichen Raum und in Kleinstädten erreicht die AfD überproportional hohe Wahlergebnisse.

WissenschaftBearbeiten

Viele Wissenschaftler der DDR und Mitglieder der aufgelösten Akademie der Wissenschaften der DDR organisierten sich nach Entstehung der neuen Bundesländer in der Leibniz-Sozietät. Einige nach der Wende weitergeführte Institute der DDR sind Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft; die meisten wurden jedoch von den Landesregierungen, von der Treuhand-Gesellschaft oder vom Bund geschlossen. Allerdings entstanden nach 1990 auch zahlreiche neue Forschungsinstitute, zum Beispiel der Fraunhofer- und der Max-Planck-Gesellschaft. Auch wurden neue Universitäten gegründet, beispielsweise die Brandenburgische Technische Universität Cottbus und die Universität Erfurt (siehe Liste der Hochschulen in Deutschland).

KulturBearbeiten

Aus Geldmangel und zur schnellen Schaffung von Wohnraum wurden in der DDR hauptsächlich Plattenbauten errichtet. Die alten Städte und Gebäude verwahrlosten. Anders als in Westdeutschland wurden sie aber nicht abgerissen, was Binz, Blankenburg (Harz), Erfurt, Görlitz, Greifswald, Güstrow, Halberstadt, Halle (Saale), Kühlungsborn, Ludwigslust, Meiningen, Meißen, Naumburg (Saale), Pirna, Potsdam, Quedlinburg, Schwerin, Stendal, Stralsund, Weimar, Wernigerode, Wismar, Zeitz und andere Städte heute zu Juwelen deutscher Städtearchitektur macht. Eine Vielzahl bedeutender Kulturstätten – u. a. Wörlitzer Park, Dornburger Schlösser, Fürst-Pückler-Park Bad Muskau – wurden seit 1990 restauriert, einige auch in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen. Weimar war 1999 Kulturhauptstadt Europas. Die angespannte Haushaltslage der Länder sorgt allerdings auch dafür, dass immer wieder Museen, Theater und Orchester in kleineren Städten geschlossen werden müssen.

UmweltschutzBearbeiten

Seit 1990 wurde der Umweltschutz in den neuen Ländern deutlich verbessert. Dies betrifft insbesondere die Renaturierung von Tagebauflächen (Braunkohle, Wismut) sowie die Verbesserung der Luft- und Wasserqualität durch Einsatz moderner Filtertechnologien.

MedienBearbeiten

Viele Verlage, Zeitungen und Zeitschriften der DDR sind in den neuen Ländern geschlossen bzw. eingestellt worden. Einige jedoch gibt es noch oder erneut wie den Aufbau-Verlag, die Zeitschriften Melodie und Rhythmus, FRÖSI oder Das Magazin (siehe dazu die Liste von Zeitungen und Zeitschriften in der DDR) sowie die Tageszeitung Neues Deutschland. Die meisten Bezirkszeitungen der DDR wurden teilweise unter anderem Namen von westdeutschen Verlagsketten wie der Funke Mediengruppe übernommen und weitergeführt. Sie decken heute meist das Feld der Regional- und Lokalpresse ab.

In den neuen Ländern haben die Fernsehsender des Mitteldeutschen Rundfunks und des aus dem Berliner SFB und Brandenburger ORB entstandenen Rundfunks Berlin-Brandenburg sowie diverse regionale und überregionale Radiosender wie Radio Brocken ihren Sitz. Als überregionale in den neuen Ländern gedruckte und auch überwiegend dort gekaufte Tageszeitungen sind die ehemaligen SED- bzw. FDJ-Organe Neues Deutschland und Junge Welt zu nennen, als Zeitschriften Superillu, Funkamateur, Eulenspiegel, Bummi, Mosaik, Guter Rat, Fliegerrevue, Auto Straßenverkehr (früher Der Deutsche Straßenverkehr), Die Weltbühne (heute Das Blättchen und Ossietzky), Die Sterne (heute mit Sterne und Weltraum vereinigt), der Troll, die Wochenpost (2002 eingestellt), Visier, Astronomische Nachrichten. Zeitschriftenneugründungen gab es nach der Wende kaum: Unsere Illustrierte (Bauer Verlag), Gute Idee, Spiesser.

GesundheitBearbeiten

Einige Polikliniken sowie verschiedene Krankenhäuser, vor allem in kleineren Städten, wurden bis Ende 1991 geschlossen. Die Zahl niedergelassener Ärzte nahm zu.

In jüngerer Zeit ist aber, wie in ganz Deutschland, wieder eine gegenläufige Tendenz mit Bildung von großen Gesundheits- und Medizinischen Versorgungszentren zu beobachten, was oft zu Lasten der wohnortnahen ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum geht (Landarztmangel).

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Verfassungsgesetz zur Bildung von Ländern in der Deutschen Demokratischen Republik – Ländereinführungsgesetz vom 22. Juli 1990 (GBl. DDR 1990 I S. 955).
  2. Art. 1 Abs. 1 i. V. m. Anlage II Kapitel II Abschnitt II EV; vgl. dazu Michael Richter: Die Bildung des Freistaates Sachsen. Friedliche Revolution, Föderalisierung, deutsche Einheit 1989/90, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2004, S. 737; Martin Heckel: Wo war das Volk? Zur Verfassunggebenden Gewalt des Volkes im Einigungsgeschehen, in: ders. (Hrsg.), Die innere Einheit Deutschlands inmitten der europäischen Einigung. Deutschlands Weg 50 Jahre nach dem Kriege, Mohr, Tübingen 1996, S. 13 ff.
  3. Oliver Scheytt: Rechts- und Verwaltungshilfe in den neuen Bundesländern am Beispiel der Kommunalverwaltung, in: Rainer Pitschas (Hrsg.): Verwaltungsintegration in den neuen Bundesländern. Vorträge und Diskussionsbeiträge der verwaltungswissenschaftlichen Arbeitstagung 1992 des Forschungsinstituts für öffentliche Verwaltung bei der Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer (= Schriftenreihe der Hochschule Speyer; Bd. 110). Berlin 1993, S. 80 ff.
  4. Deutsches historisches Institut – German History Docs: Verwaltungshilfe zwischen Rheinland-Pfalz und Thüringen.
  5. Regionalkonferenz der Regierungschefin und der Regierungschefs der ostdeutschen Länder (MPK-Ost), Webseite der Sächsischen Staatskanzlei (Ministerpräsident). Abgerufen am 18. April 2013.
  6. Grit Beck: Menschen für Ostdeutschland, Leipzig 2006 (PDF; 141 kB).
  7. Mehr Umzüge von West nach Ost. 30. Januar 2019, abgerufen am 31. Januar 2019.
  8. Fertilitätsrate in Deutschland bis 2017. Abgerufen am 30. Januar 2019.
  9. Bertelsmann Stiftung: Wegweiser Demografischer Wandel, 2018.
  10. Jahresbericht der Bundesregierung 2006 zur deutschen Einheit (Memento vom 4. Oktober 2006 im Internet Archive)
  11. Bundesländer-Übersicht zu Erneuerbaren Energien auf foederal-erneuerbar.de, Agentur für Erneuerbare Energien. Abgerufen am 9. September 2018.
  12. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Jahresbericht der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit 2018. Abgerufen am 22. November 2018.
  13. Vergleich von West- und Ostdeutschland vor der Wiedervereinigung im Jahr 1989. Abgerufen am 22. November 2018.
  14. Arbeitslosenquote in Deutschland nach Bundesländern (Stand: August 2018). In: Statista. Abgerufen am 12. Juni 2018.
  15. Wilhelm Hinrichs: Die Ostdeutschen in Bewegung: Formen und Ausmaß regionaler Mobilität in den neuen Bundesländern. In: Hinrichs/Priller (Hrsg.): Handeln im Wandel: Akteurskonstellationen in der Transformation. edition sigma, Berlin 2001, ISBN 3-89404-213-3, S. 251–281, urn:nbn:de:0168-ssoar-197795.
  16. Umfrage: Ostdeutsche lehnen Rückkehr zum Sozialismus ab (durch das Institut für Marktforschung Leipzig im Auftrag von „Super Illu“), sz-online, 9. September 2007. Abgerufen am 30. Mai 2016.
  17. DDR: 57 Prozent der Ostdeutschen werten DDR positiv (Emnid-Umfrage), Focus vom 26. Juni 2009. Abgerufen am 30. Mai 2016.
  18. Pegida – „Ein überwiegend ostdeutsches Phänomen“. Abgerufen am 1. Oktober 2016.
  19. Warum der AfD der wahre Erfolg in Ostdeutschland erst noch bevorsteht. In: The Huffington Post. Abgerufen am 1. Oktober 2016.
  20. Wahlanalyse: Wie die AfD in Mecklenburg-Vorpommern punktet. In: Spiegel Online. Abgerufen am 1. Oktober 2016.
  21. Paul Blickle, Tilman Steffen, Sascha Venohr: Wählerwanderung: Woher die Berliner AfD ihre Stimmen bekam. In: Die Zeit. 19. September 2016, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 1. Oktober 2016]).
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