Hauptmenü öffnen

Treibhaus Erde

Klimawissenschaftlicher Begriff
Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung. Näheres ist auf der Diskussion angegeben. Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung.

Die Begriffe Treibhaus Erde (englisch Hothouse Earth) und Heißzeit bezeichnen in der Klimaforschung (insbesondere der Forschung zum Thema Resilienz) einen Zustand des Klimasystems der Erde jenseits einer planetarischen Schwelle von etwa 2 °C gegenüber der vorindustriellen Durchschnittstemperatur, ab der das System im Wesentlichen von intrinsischen biogeophysikalischen Rückkopplungen angetrieben wird.[1] Die Folge wären langfristig enorme und in den vergangenen Jahrmillionen nie dagewesene Temperaturanstiege im zweistelligen Bereich und ein Meeresspiegelanstieg bis zu 60 Metern, d. h. für Menschen und viele weitere Arten lebensfeindliche Bedingungen.[1] Es handelt sich hierbei um eines der möglichen Szenarien für eine langanhaltende globale Erwärmung im Rahmen des Klimawandels und den Gegenbegriff zu Schneeball Erde (englisch Icehouse Earth).[2]

Inhaltsverzeichnis

KipppunktBearbeiten

Es herrscht in der Klimaforschung weitgehend Einigkeit darüber, dass es Kippelemente im Erdsystem gibt, durch die eine irreversible Trajektorie eingeschlagen wird, die zum Treibhaus Erde, d. h. einer für den Menschen lebensfeindlichen Heißzeit, führen würde. Unterschiedliche Klimamodelle kommen jedoch zu unterschiedlichen Ergebnissen, bei welcher Temperatur genau diese Schwelle liegt. Eine vielbeachtete Metaanalyse (Steffen et al., 2018) kommt zu dem Ergebnis, dass bereits das im Übereinkommen von Paris festgelegte 2-Grad-Ziel nicht ausreichen könnte, um derartige irreversible Rückkopplungen zu verhindern.[1] Das Übereinkommen von Paris selbst geht davon aus, dass negative Emissionen nötig sind, um die Klimaziele zu erreichen.

EinflussfaktorenBearbeiten

Es gibt eine Reihe von Rückkopplungseffekten, die zu einem Treibhaus Erde führen können.[3] Diese Effekte werden zum Teil auch als „Domino-Effekte“ bezeichnet.[4] Durch einen Anstieg der globalen Temperaturen kommt es zu einem Auftauen der Permafrostböden in Russland, Kanada und Nordeuropa. Dadurch wird das in den Böden gespeicherte Treibhausgas Methan freigesetzt. Durch diese Freisetzung wird der Treibhauseffekt wiederum beschleunigt, d. h. die Temperaturen steigen noch schneller an. Vorkommen von Methanhydrat lassen sich auch unter den Eiskappen an Nord- und Südpol sowie auf dem Grund der Weltmeere finden. Durch ansteigende Temperaturen kommt es zu einer Eisschmelze in der Antarktis. Dadurch werden Prozesse in Gang gesetzt, die wiederum zu einem noch schnelleren Temperaturanstieg führen können. Durch einen Temperaturanstieg sterben Teile des Regenwaldes ab. Dadurch wird wiederum Kohlenstoffdioxid freigesetzt. Es kommt auch hier zu einer Beschleunigung des Temperaturanstiegs.

GegenmaßnahmenBearbeiten

Kollektives menschliches Handeln ist erforderlich, um das Klimasystem der Erde von einer potenziellen Schwelle wegzusteuern und es in einem bewohnbaren interglazialen Zustand zu stabilisieren; ein solches Handeln beinhaltet die Verantwortung für alle Elemente des Erdsystems (Biosphäre, Klima, Gesellschaft) und könnte die Dekarbonisierung der Weltwirtschaft, die Verbesserung von Kohlenstoffsenken der Biosphäre, Verhaltensänderungen, technologische Innovationen, neue regulatorische Maßnahmen und veränderte soziale Wertvorstellungen umfassen.[1]

BegriffsgeschichteBearbeiten

Der Treibhauseffekt wurde von Jean Baptiste Joseph Fourier 1824 beschrieben. John Tyndall formulierte 1862 die Möglichkeit einer menschengemachten Erderwärmung. Der Begriff „Treibhaus Erde“ spielte bereits in den 1970er-Jahren in der aufkeimenden Klimawissenschaft eine Rolle. Er wurde insbesondere von Wilcox (1975) popularisiert.[5]

WeblinksBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Fred Pearce. Treibhaus Erde. Die Gefahren der weltweiten Klimaveränderungen. Georg Westermann Verlag GmbH, 1990. ISBN 307509238X.
  • Will Steffen, Johan Rockström, Katherine Richardson, Timothy M. Lenton, Carl Folke, Diana Liverman, Colin P. Summerhayes, Anthony D. Barnosky, Sarah E. Cornell, Michel Crucifix, Jonathan F. Donges, Ingo Fetzer, Steven J. Lade, Marten Scheffer, Ricarda Winkelmann & Hans Joachim Schellnhuber (2018). Trajectories of the Earth System in the Anthropocene. Proceedings of the National Academy of Sciences. https://doi.org/10.1073/pnas.1810141115

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Will Steffen, Johan Rockström, Katherine Richardson, Timothy M. Lenton, Carl Folke, Diana Liverman, Colin P. Summerhayes, Anthony D. Barnosky, Sarah E. Cornell, Michel Crucifix, Jonathan F. Donges, Ingo Fetzer, Steven J. Lade, Marten Scheffer, Ricarda Winkelmann & Hans Joachim Schellnhuber (2018). Trajectories of the Earth System in the Anthropocene. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. August 6, 2018 https://doi.org/10.1073/pnas.1810141115
  2. Hoffman, P. F., & Schrag, D. P. (2000). Snowball Earth. Scientific American, 282(1), 68-75.
  3. http://www.pnas.org/content/pnas/suppl/2018/07/31/1810141115.DCSupplemental/pnas.1810141115.sapp.pdf
  4. tagesschau.de: Klimastudie: Zusteuern auf eine "Heißzeit".
  5. Wilcox, H.A. (1975). Hothouse Earth. U.S. Dept. of Defense, Navy's Ocean Farm Project.