Kanton (Schweiz)

Gliedstaaten der Schweizerischen Eidgenossenschaft

Die 26 Kantone (französisch cantons, italienisch cantoni, rätoromanisch chantuns, in der Deutschschweiz traditionell auch Stand, im Plural Stände, beziehungsweise in der Romandie auch état genannt) sind die Gliedstaaten der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Der Begriff Kanton wird erstmals 1475 in einer Freiburger Akte verwendet.[1]

Kanton WallisKanton ThurgauKanton Appenzell InnerrhodenKanton Appenzell AusserrhodenKanton SchaffhausenKanton ObwaldenKanton NidwaldenKanton Basel-StadtKanton Basel-LandschaftKanton SolothurnKanton ZugKanton ZürichKanton St. GallenKanton AargauKanton LuzernKanton GlarusKanton SchwyzKanton UriKanton TessinKanton JuraKanton GraubündenKanton NeuenburgKanton GenfKanton FreiburgKanton WaadtKanton WaadtKanton BernFrankreichLiechtensteinÖsterreichItalienDeutschlandDeutschland
Die 26 Schweizer Kantone

Politisches SystemBearbeiten

Jeder Kanton hat seine eigene Verfassung und eigene gesetzgebende, vollziehende und rechtsprechende Behörden. Alle Kantone besitzen ein Einkammer-Parlament (Grosser Rat, Kantonsrat, Landrat, Parlament; siehe auch: Kantonsparlament). Dieses hat je nach Kanton 49 bis 180 Parlamentssitze. Die Kantonsregierung (Regierungsrat, Regierung, Staatsrat, Standeskommission) besteht je nach Kanton aus fünf oder sieben Mitgliedern. In jedem Kanton existiert ein zweistufiges Gerichtssystem (erste Instanz: Bezirksgericht, Amtsgericht, Kantonsgericht, Kreisgericht, Landgericht, Regionalgericht, Strafgericht, Zivilgericht; zweite Instanz: Obergericht, Kantonsgericht, Appellationsgericht), dem eine Schlichtungsbehörde (Friedensrichteramt, Vermittleramt) vorangestellt ist.

Alle staatlichen Bereiche, die nicht von der schweizerischen Bundesverfassung dem Bund zugewiesen bzw. von einem Bundesgesetz geregelt werden, gehören in die Kompetenz der Kantone, beispielsweise kantonales Staats- und Verwaltungsorganisationsrecht, Schulwesen, Sozialhilfe, Baurecht, Polizeiwesen, Notariatswesen, kantonales und kommunales Steuerrecht, zu grossen Teilen auch Gesundheitswesen, Planungsrecht, Gerichtsverfassung und anderes. In vielen Bereichen verfügen sowohl der Bund als auch die Kantone über Kompetenzen. Kantone sind wie die deutschen Länder derivative Völkerrechtssubjekte und können innerhalb ihrer Kompetenzen Staatsverträge untereinander (sogenannte Konkordate) oder mit fremden Staaten schliessen.

Die Kantone ihrerseits gewähren ihren Gemeinden eine gewisse Autonomie. Diese ist in der östlichen Schweiz tendenziell grösser als in der westlichen.

In zwei Kantonen – Glarus und Appenzell Innerrhoden – erlässt das Volk die kantonalen Gesetze an einer Versammlung aller Bürger, der Landsgemeinde. Im Kanton Appenzell Innerrhoden werden an der Landsgemeinde überdies die Mitglieder der kantonalen Regierung und der kantonalen Gerichte gewählt. In allen anderen Kantonen finden Wahlen und Abstimmungen an der Urne statt.

GeschichteBearbeiten

Wortherkunft und weitere BezeichnungenBearbeiten

Die Bezeichnung «Kanton» für ein Glied der Eidgenossenschaft findet sich erstmals 1475[2] oder 1467[3] aus Freiburg belegt. Da cantone in Oberitalien seit dem 11. Jahrhundert für «Landesteil» steht, nimmt Walther von Wartburg an, das Wort sei von lombardischen Kaufleuten in die heutige Westschweiz gebracht worden, wo es dann als Kanton ins Deutsche und als canton ins Französische übernommen wurde. Italienisch cantone ist eine Vergrösserungsform von canto, was «Ecke, Rand, Winkel, Stück, Teil» bedeutet. Canto wiederum stammt von lateinisch canthus «eiserner Radreifen», das seinerseits ursprünglich vielleicht ein keltisches Wort war.[4]

Vor und neben dem Wort Kanton – dieses wurde in der Deutschschweiz ab dem 17. Jahrhundert immer populärer und 1798 offiziell – gab und gibt es mehrere weitere Bezeichnungen für die Glieder der Schweizerischen Eidgenossenschaft.[5]

  • Die früheste offizielle Bezeichnung war «Stett und Lender». Land hat sich bis heute in einigen Kantonen in «Landsgemeinde», «Landrat», «Landammann», «Land(es)statthalter», «Landschreiber», «Landgericht», «Landesarchiv» oder «Landesbibliothek» erhalten.
  • «Ort», ein zusammenfassender Begriff für die «Städte» und «Länder», findet sich erstmals 1426 in einem Zürcher Ratsbeschluss. Er lebt in den historischen Begriffen «achtörtige» und «dreizehnörtige Eidgenossenschaft» weiter.
  • «Stand»[6] (französisch État) kam als ebenfalls neutraler Begriff für «Stadt» und «Land» im 16. Jahrhundert auf und erreichte im 18. Jahrhundert den Höhepunkt seiner Verwendung. In der heutigen Zeit klingt das Wort archaisch, findet sich aber in Zusammensetzungen wie «Ständemehr» und «Ständerat» auf Bundesebene sowie in der «Standeskommission», der «Standeskanzlei», dem «Standespräsidenten» und dem «Standesweibel» in der amtlichen Sprache gewisser Kantone.
  • «Staat»[7] (französisch ebenfalls État) ist das lateinischstämmige Pendant zu Stand. Für die Kantone wurde es erst nach 1800 breiter angewendet und ist heute in zahlreichen Begriffen wie «Staatsanwalt», «Staatsarchiv», «Staatsbeitrag», «Staatskanzlei», «Staatspersonal», «Staatsrat», «Staatsschreiber», «Staatssteuer», «Staatsstrasse» oder «Staatsweibel» üblich.

Alte EidgenossenschaftBearbeiten

Die sogenannten Urkantone, welche mit dem Bundesbrief von 1291 die Eidgenossenschaft begründet haben sollen, sind die Waldstätte Uri, Schwyz und Unterwalden. In der Alten Eidgenossenschaft wurden die Kantone oft Orte genannt. Deshalb spricht man in Bezug auf die Ausweitungsphasen der Schweiz von den Acht Alten Orten und den Dreizehn Alten Orten (bzw. der achtörtigen und der dreizehnörtigen Eidgenossenschaft). Verbündete, welche nicht Vollmitglied der Eidgenossenschaft waren, wurden als zugewandte Orte bezeichnet. Die Vollmitglieder und erst recht die zugewandten Orte der Eidgenossenschaft waren noch eigenständige Staatengebilde.

HelvetikBearbeiten

Mit der Helvetischen Republik (1798–1803) bekam die Bezeichnung Kanton eine gewichtigere Verwendung. Im neu geschaffenen Einheitsstaat waren die Kantone jedoch blosse Verwaltungsbezirke ohne Autonomierechte. Die Grenzziehung wurde geändert, um annähernd gleich grosse Kantone zu schaffen und die alte Ordnung zu zerschlagen. Dabei entstanden auch die kurzlebigen Kantone Säntis, Linth, Waldstätte, Oberland, Baden, Lugano und Bellinzona, ab 1802 für ein Jahr auch noch der Kanton Fricktal.

Mediation, Restauration, RegenerationBearbeiten

Mit der Mediationsverfassung 1803 erhöhte sich die Zahl der Kantone auf 19 und mit dem Wiener Kongress 1815 auf 22. Zugewandte Orte wie zum Beispiel die Republik Gersau, das Gebiet der Abtei Engelberg und Weitere wurden teilweise gegen ihren Willen einzelnen Kantonen zugeschlagen. 1833 spaltete sich der Kanton Basel-Landschaft in einem bewaffneten Konflikt vom Kanton Basel-Stadt ab, in der gleichen Zeit auch der Kanton Ausserschwyz von Schwyzer Zentrum (was aber nicht Bestand hatte). Die bislang letzten Spuren der Gebietszuteilungen des Wiener Kongresses wurden 1979 mit der Gründung des Kantons Jura und 1994 mit dem Übertritt des bernischen Amtsbezirks Laufen zum Kanton Basel-Landschaft, beides Abspaltungen vom Kanton Bern, auf demokratischem Weg bereinigt; die Zukunft des Berner Juras könnte nochmal zu Veränderungen führen.

Bundesstaat 1848Bearbeiten

Als 1848 ein Bundesstaat gegründet wurde, wurde die Souveränität der Kantone eingeschränkt, und Bereiche wie Aussenpolitik, Zölle, Währung und Postwesen gingen an die Bundesgewalt über. Mit Industrialisierung und Wirtschaftswachstum wurde das staatliche Leben zunehmend komplexer, was weitere Zentralisierungen erforderlich machte und in Gebieten wie Zivilrecht, Strafrecht, Handels- und Wirtschaftsrecht zu einer Vereinheitlichung des materiellen Rechts führte. Heute sind die Bereiche, in denen die Kantone wirklich noch autonom legiferieren können, ziemlich begrenzt. Es wird zunehmend von «Vollzugsföderalismus» gesprochen.

GliederungBearbeiten

AnzahlBearbeiten

Heute wird die Zahl der Kantone mit 26, manchmal noch mit 23 angegeben. Der Grund ist, dass sechs Kantone (Obwalden, Nidwalden, Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden, Basel-Stadt und Basel-Landschaft) aus historischen Gründen gelegentlich noch als Halbkantone bezeichnet werden. Seit der Totalrevision der Bundesverfassung von 1999 gelten sie als Kantone mit halber Standesstimme.[8] Diese Unterscheidung ist lediglich bei der Besetzung des Ständerates und beim Ständemehr relevant und hat keinen Einfluss auf die innere Autonomie.

ReihenfolgeBearbeiten

Die offizielle Reihenfolge der Kantone (siehe untenstehende Liste), wie sie auch in Artikel 1 der Bundesverfassung vorkommt,[9] geht auf die Zeit vor der Gründung des Bundesstaates zurück. Genannt werden zunächst die drei Vororte der Zeit zwischen 1815 und 1848,[10] gefolgt von den weiteren Kantonen in der Reihenfolge ihres Beitritts.

Änderungen im Bestand und Gebiet der KantoneBearbeiten

Art. 53 Absatz 1 BV lautet: «Der Bund schützt Bestand und Gebiet der Kantone». Bestrebungen für Bestandes- und Gebietsänderungen müssen in verfassungsrechtlich geordneten Verfahren verlaufen.

Eine Änderung im Bestand der Kantone ist in verschiedenen Formen denkbar:[11]

  • Gründung eines neuen Kantons aus Teilen eines weiter bestehenden Kantons. Einziger Anwendungsfall seit 1848: Trennung der drei nordjurassischen Amtsbezirke vom Kanton Bern und Bildung eines neuen Kanton Jura per 1. Januar 1979.
  • Kantonsfusionen. Gescheitert sind zwei Versuche für eine Wiedervereinigung der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft in den Jahren 1969 und 2014; jeweils zwar angenommen in der kantonalen Volksabstimmung des Kanton Basel-Stadt, aber abgelehnt durch den Kanton Basel-Landschaft. In den Kantonen Waadt und Genf sind am 2. Juni 2002 kantonale Volksinitiativen für eine Fusion der beiden Kantone abgelehnt worden.
  • Aufnahme eines ausländischen Gebiets als Kanton. Am 11. Mai 1919 sprachen sich im österreichischen Vorarlberg in der Volksabstimmung zur Einleitung von Verhandlungen über den Beitritt des Landes zur Schweiz 81 Prozent der Stimmberechtigten für dieses Vorhaben aus. Diese Bestrebungen lösten in der Schweiz gemischte Reaktionen aus[12]; ein formelles Anschlussverfahren wurde nicht eingeleitet. Der am 10. September 1919 unterzeichnete Vertrag von Saint-Germain zwischen den Siegermächten des Ersten Weltkrieges und Österreich legte in Art. 27 Ziff. 1 als Grenze Österreichs gegenüber der Schweiz «die gegenwärtige Grenze» fest.
  • Ausscheiden eines Kantons aus dem Bund (kein Anwendungsfall).

Änderungen im Bestand der Kantone bedürfen gemäss Art. 53 Absatz 2 BV zuerst der Zustimmung der betroffenen Bevölkerung, also der Stimmberechtigten des Gebiets, das von der Bestandesänderung betroffen ist. Das Verfahren richtet sich nach kantonalem Recht (im Falle der Abtrennung des Jura vom Kanton Bern fanden Abstimmungen in den sieben jurassischen Amtsbezirken statt). Sobald diese Voraussetzung erfüllt ist, so müssen die betroffenen Kantone zustimmen. Ist dies geschehen, so unterbreitet die Bundesversammlung in Form eines dem obligatorischen Referendum unterstehenden Bundesbeschlusses die nötige Änderung der Bundesverfassung der Volksabstimmung; Volk und Stände müssen zustimmen.

Änderungen im Gebiet der Kantone sind der Wechsel einer Gemeinde oder eines Bezirks von einem Kanton zu einem anderen Kanton. Der Bezirk Laufen wechselte per 1. Januar 1994 vom Kanton Bern zum Kanton Basel-Landschaft[13], die Gemeinde Vellerat per 1. Juli 1996 vom Kanton Bern zum Kanton Jura[14] und die Gemeinde Clavaleyres wird voraussichtlich per 1. Januar 2022 vom Kanton Bern zum Kanton Freiburg wechseln.[15] Die Voraussetzungen für das Zustandekommen einer Gebietsänderung sind dieselben wie bei einer Bestandesänderung, mit dem Unterschied, dass seit Inkrafttreten der Bundesverfassung von 1999 die Bundesversammlung in der Form eines Bundesbeschlusses entscheidet, der nur dem fakultativen Referendum untersteht (Art. 53Abs. 3 BV). Vorher, also für die Kantonswechsel von Vellerat und des Bezirks Laufen, war auch in diesen Fällen eine obligatorische Volksabstimmung mit Zustimmung von Volk und Ständen erforderlich.

Grenzbereinigungen, d. h. Gebietsveränderungen technischer Art ohne politische Bedeutung, können die Kantone ohne Zustimmung des Bundes unter sich vertraglich vereinbaren (Art. 53 Abs. 4 BV).

Tabellen und ListenBearbeiten

Liste der Schweizer Kantone mit ihren EckdatenBearbeiten

Abk. Kanton Kantons-
nummer
Bei­tritt
Hauptort
Ein­wohner1 Fläche
(km²)
Mitglieder
Ständerat2
Ein­wohner-
dichte
3
Amtssprache
ZH Kanton Zürich  Zürich 01 1351   Zürich 1'520'968 1728.94 2 880 Deutsch
BE Kanton Bern  Bern 02 1353   Bern 1'034'977 5959.51 2 174 Deutsch, Französisch
LU Kanton Luzern  Luzern 03 1332   Luzern 409'557 1493.52 2 274 Deutsch
UR Kanton Uri  Uri 04 5 1291   Altdorf 36'433 1076.54 2 34 Deutsch
SZ Kanton Schwyz  Schwyz 05 5 1291   Schwyz 159'165 907.88 2 175 Deutsch
OW Kanton Obwalden  Obwalden 06 5 1291   Sarnen 37'841 490.58 1 77 Deutsch
NW Kanton Nidwalden  Nidwalden 07 5 1291   Stans 43'223 275.85 1 157 Deutsch
GL Kanton Glarus  Glarus 08 1352   Glarus 40'403 685.31 2 59 Deutsch
ZG Kanton Zug  Zug 09 1352   Zug 126'837 238.73 2 531 Deutsch
FR Kanton Freiburg  Freiburg 10 1481   Freiburg 318'714 1671.42 2 191 Französisch, Deutsch
SO Kanton Solothurn  Solothurn 11 1481   Solothurn 273'194 790.45 2 346 Deutsch
BS Kanton Basel-Stadt  Basel-Stadt 12 1501   Basel 194'766 36.95 1 5271 Deutsch
BL Kanton Basel-Landschaft  Basel-Landschaft 13 1501   Liestal 288'132 517.67 1 557 Deutsch
SH Kanton Schaffhausen  Schaffhausen 14 1501   Schaffhausen 81'991 298.42 2 275 Deutsch
AR Kanton Appenzell Ausserrhoden  Appenzell Ausserrhoden 15 1513   Herisau,   Trogen4 55'234 242.84 1 227 Deutsch
AI Kanton Appenzell Innerrhoden  Appenzell Innerrhoden 16 1513   Appenzell 16'145 172.48 1 94 Deutsch
SG Kanton St. Gallen  St. Gallen 17 1803   St. Gallen 507'697 2028.20 2 250 Deutsch
GR Kanton Graubünden  Graubünden 18 1803   Chur 198'379 7105.30 2 28 Deutsch, Rätoromanisch, Italienisch
AG Kanton Aargau  Aargau 19 1803   Aarau 685'424 1403.80 2 488 Deutsch
TG Kanton Thurgau  Thurgau 20 1803   Frauenfeld 276'472 994.33 2 278 Deutsch
TI Kanton Tessin  Tessin 21 1803   Bellinzona 353'343 2812.16 2 126 Italienisch
VD Kanton Waadt  Waadt 22 1803   Lausanne 799'145 3212.02 2 249 Französisch
VS Kanton Wallis  Wallis 23 1815   Sitten 343'955 5224.63 2 66 Französisch, Deutsch
NE Kanton Neuenburg  Neuenburg 24 1815   Neuenburg 176'850 802.16 2 220 Französisch
GE Kanton Genf  Genf 25 1815   Genf 499'480 282.49 2 1768 Französisch
JU Kanton Jura  Jura 26 1979   Delsberg 73'419 838.51 2 88 Französisch
CH   Schweizerische Eidgenossenschaft 5 1291   Bern
(Bundesstadt)
8'551'744 41'290,69 46 207 Deutsch (63,7 %),
Französisch (20,4 %),
Italienisch (6,5 %),
Rätoromanisch (0,5 %)
1 Einwohnerzahl mit verschiedenen Daten (zugrunde liegen Daten sowohl von den Kantonen als auch vom Bund)
2 Kantone mit nur einer Standesstimme werden Halbkantone genannt
3 Einwohner pro Quadratkilometer (Einwohnerdichte)
4 Die Kantonsverfassung definiert keinen Hauptort. Der Sitz der Regierung und des Parlaments des Kantons Appenzell Ausserrhoden befindet sich in Herisau; Sitz von Justiz und Polizei ist Trogen.
5 Beitritt der Urkantone im Jahr 1291, sofern der Bundesbrief von 1291 als Gründung der Schweiz angenommen wird.

Die zweibuchstabigen Kantonsabkürzungen (Siglen) sind verbreitet, sie sind unter anderem für die Fahrzeug-Kontrollschilder vorgeschrieben[16] und werden in der ISO 3166-2:CH verwendet (mit dem Präfix «CH-», zum Beispiel CH-SZ für den Kanton Schwyz).

Kantonsnamen in den Schweizer Amtssprachen und im DialektBearbeiten

Die Kantonsnamen werden in der Schreibweise und der offiziellen Reihenfolge wiedergegeben, wie sie in Artikel 1 der Bundesverfassung[9] zu finden sind. Hervorgehoben sind die Bezeichnungen in den jeweiligen Amtssprachen in der amtlichen Vollnamensform. Die Bezeichnungen im Schweizerdeutschen sind nicht bindend, da es für sie keine offizielle Rechtschreibung gibt. Im Folgenden wird für ganz oder teilweise deutschsprachige Kantone diejenige Dialektlautung angegeben, die in der jeweiligen Regionalmundart gilt.

ISO Kantons-
nummer
Deutsch Französisch Italienisch Rätoromanisch Schweizerdeutsch
ZH 1 Kanton Zürich Zurich Zurigo Turitg Züri
BE 2 Kanton Bern Canton de Berne Berna Berna Bärn
LU 3 Kanton Luzern Lucerne Lucerna Lucerna Lozäärn
UR 4 Kanton Uri Uri Uri Uri Üüri, Ürnerland
SZ 5 Kanton Schwyz Schwyz (Schwytz*)) Svitto Sviz Schwyz
OW 6 Kanton Obwalden Obwald Obvaldo Sursilvania Obwaldä
NW 7 Kanton Nidwalden Nidwald Nidvaldo Sutsilvania Nidwaldä, Nidwaudä
GL 8 Kanton Glarus Glaris Glarona Glaruna Glaris, Glarnerland
ZG 9 Kanton Zug Zoug Zugo Zug Zùùg
FR 10 Staat Freiburg État de Fribourg Friburgo Friburg Frybùrg
SO 11 Kanton Solothurn Soleure Soletta Soloturn Soledùùrn
BS 12 Kanton Basel-Stadt Bâle-Ville Basilea Città Basilea-Citad Baaselstadt
BL 13 Kanton Basel-Landschaft Bâle-Campagne Basilea Campagna Basilea-Champagna Baaselbiet
SH 14 Kanton Schaffhausen Schaffhouse Sciaffusa Schaffusa Schafuuse
AR 15 Kanton Appenzell Ausserrhoden Appenzell Rhodes-Extérieures Appenzello Esterno Appenzell Dadora Appezäll Osserode
AI 16 Kanton Appenzell Innerrhoden Appenzell Rhodes-Intérieures Appenzello Interno Appenzell Dadens Appezöll Innerode
SG 17 Kanton St. Gallen Saint-Gall San Gallo Son Gagl Sanggale
GR 18 Kanton Graubünden Grisons Cantone dei Grigioni Chantun Grischun Graubünda, Bündnerland
AG 19 Kanton Aargau Argovie Argovia Argovia Aargou, Aargau, Aargöi
TG 20 Kanton Thurgau Thurgovie Turgovia Turgovia Tùùrgi, Tùùrgau
TI 21 Kanton Tessin Tessin Repubblica e Cantone Ticino Tessin Tessin
VD 22 Kanton Waadt Canton de Vaud Vaud Vad Wadt
VS 23 Kanton Wallis État du Valais Vallese Vallais Wallis
NE 24 Kanton Neuenburg République et Canton de Neuchâtel Neuchâtel Neuchâtel Nöieburg, Nüüeburg
GE 25 Kanton Genf République et Canton de Genève Ginevra Genevra Gämf, Gänf
JU 26 Kanton Jura République et Canton du Jura Giura Giura Jura
*) Die Schreibweise mit tz wird vom Guide du Typographe romand verwendet und ist dementsprechend häufig anzutreffen (damit das «z» nicht als stimmhaftes s ohne anlautendes t ausgesprochen wird, wie es nach französischen Ausspracheregeln ohne t sein müsste).

Ehemalige KantoneBearbeiten

1798–1803Bearbeiten

1831–1833Bearbeiten

Umgangssprachliche VerwendungBearbeiten

Als Binnenkantone werden die Kantone bezeichnet, die nicht ans Ausland grenzen. Die Schweiz hat elf Binnenkantone: Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden, Bern (seit dem Wechsel des bernischen Amtsbezirks Laufen zum Kanton Basel-Landschaft im Jahre 1994), Freiburg, Glarus, Luzern, Nidwalden, Obwalden, Schwyz, Uri und Zug. Nid- und Obwalden werden ausschliesslich von Binnenkantonen umgeben.

Scherzhaft wird «Kanton» für weitere Länder und Organisationen verwendet.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Andreas Auer: Staatsrecht der schweizerischen Kantone. Stämpfli-Verlag, Bern 2016. ISBN 978-3-7272-3217-6.
  • Andreas Kley: Kantone. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Kurt Müller (Hrsg.): Bausteine der Schweiz. Porträts der 26 Kantone. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 1987. ISBN 3-85823-178-9.
  • Stefan Rieder, Thomas Widmer: Kantone im Wandel. Reformaktivitäten der Schweizer Kantone zwischen 1990 und 1999: Ursachen, Ausgestaltung und Konsequenzen (aus der Reihe: Public Management). Haupt Verlag, Bern 2007. ISBN 978-3-258-07249-4.
  • Adrian Vatter: Kantonale Demokratien im Vergleich. Entstehungsgründe, Interaktionen und Wirkungen politischer Institutionen in den Schweizer KantonenReihe Forschung Politikwissenschaft. Band 159). Leske + Budrich, Opladen 2002, ISBN 3-8100-3431-2.
  • (Diverse Autoren:) Die Schweizer Kantone unter der Lupe. Behörden, Personal, Finanzen. Haupt Verlag, Bern 2005. ISBN 978-3-258-06887-9.
  • Die Schweiz und ihre 26 Kantone. Eine (differenzierte) Landeskunde in Regionen, Traditionen und Wappen. Verlag Bär, Niederuzwil 2007, ISBN 978-3-9523212-0-1 (Studienbuch) bzw. ISBN 978-3-9523212-1-8 (Taschenbuch).

WeblinksBearbeiten

Wiktionary: Kanton – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Wilhelm Oechsli: Die Bezeichnungen der alten Eidgenossenschaft und ihrer Glieder. In: Jahrbuch für schweizerische Geschichte 41, 1916, S. 51–230 (Digitalisat), hier S. 78; danach Andreas Kley: Kantone. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  2. Wilhelm Oechsli: Die Bezeichnungen der alten Eidgenossenschaft und ihrer Glieder. In: Jahrbuch für schweizerische Geschichte 41, 1916, S. 51–230 (Digitalisat), hier S. 78.
  3. Dictionnaire Suisse romand. Particularités lexicales du français contemporain, redigiert von André Thibault, Carouge 1997, S. 197.
  4. Walther von Wartburg: Französisches Etymologisches Wörterbuch, 2. Band. Leipzig/Berlin 1940, S. 227–234; Manlio Cortelazzo, Paolo Zolli: Dizionario Etimologico della Lingua Italiana. Bologna 1999, S. 288; Christoph Landolt: Kanton. Wortgeschichte vom 22. August 2019, hrsg. von der Redaktion des Schweizerischen Idiotikons.
  5. Das Folgende nach Wilhelm Oechsli: Die Bezeichnungen der alten Eidgenossenschaft und ihrer Glieder. In: Jahrbuch für schweizerische Geschichte 41, 1916, S. 51–230 (Digitalisat); Christoph Landolt: Kanton. Wortgeschichte vom 22. August 2019, hrsg. von der Redaktion des Schweizerischen Idiotikons.
  6. Zur Bedeutung von Stand im Sinne von ‚eidgenössischer Ort; Kanton‘ siehe Schweizerisches Idiotikon, Band XI, Spalte 956 ff. Lemma, Stand bzw. direkt Sp. 965 Mitte Bedeutung 2cβ2.
  7. Zur Bedeutung von Staat im Sinne von ‚Kanton‘ siehe Schweizerisches Idiotikon, Band XI, Spalte 1661 ff. Lemma, Stāt II bzw. direkt Sp. 1672 unten Bedeutung 2.
  8. Bundeskanzlei: Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft – Art. 142 Erforderliche Mehrheiten, Abs. 4. SR 101. In: Systematische Rechtssammlung SR. Bundesversammlung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, 18. April 1999, abgerufen am 26. März 2019 (Stand am 23. September 2018).
  9. a b Bundeskanzlei: Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft – Art. 1 Schweizerische Eidgenossenschaft. SR 101. In: Systematische Rechtssammlung SR. Bundesversammlung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, 18. April 1999, abgerufen am 26. März 2019 (Stand am 23. September 2018).
  10. Martin Körner: Vorort. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  11. Giovanni Biaggini: BV Kommentar. 2. Auflage. Orell Füssli Verlag, Zürich 2017, ISBN 978-3-280-07320-9, S. 576.
  12. Wortprotokoll der Sitzung des Ständerates vom 21. November 1919 (Interpellation Winiger). Stellungnahme von Bundesrat Calonder. In: Sammlung von Amtsdruckschriften des Bundesarchivs. Abgerufen am 19. Dezember 2020.
  13. Bundeskanzlei: Volksabstimmung vom 26.09.1993. In: Chronologie Volksabstimmungen. Abgerufen am 20. Dezember 2020.
  14. Bundeskanzlei: Volksabstimmung vom 10.03.1996. In: Chronologie Volksabstimmungen. Abgerufen am 20. Dezember 2020.
  15. Parlamentsdienste: 20.072 Kantonswechsel der bernischen Gemeinde Clavaleyres. In: Geschäftsdatenbank Curiavista (mit Links auf Botschaft des Bundesrates, Ratsverhandlungen und weitere Parlamentsunterlagen). Abgerufen am 20. Dezember 2020.
  16. Bundeskanzlei: Verordnung über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr (Verkehrszulassungsverordnung VZV) – Art. 84 Nummerierungssystem. SR 741.51. In: Systematische Rechtssammlung SR. Bundesversammlung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, 27. Oktober 1976, abgerufen am 26. März 2019 (Stand am 1. Februar 2019).
  17. www.20minuten.ch, 20 Minuten, 20 Min, www.20min.ch: Der grosse Kanton ist gar nicht soooo gross. In: 20 Minuten. (20min.ch [abgerufen am 26. Juni 2018]).
  18. Schweizerisches Idiotikon, Band III, Spalte 374, Lemma Kanton.
  19. Der 27. Kanton der Schweiz. In: Tages-Anzeiger. 29. April 2014 (tagesanzeiger.ch [abgerufen am 26. Juni 2018]).
  20. Der 27. Kanton der Schweiz | Schweizer Fahrende – Geschichte und Gegenwart. Abgerufen am 26. Juni 2018.
  21. Der 27. Kanton der Schweiz – nirgends sind wir so präsent wie im Kosovo. In: Aargauer Zeitung. (aargauerzeitung.ch [abgerufen am 26. Juni 2018]).
  22. Enver Robelli: Kanton Kosovo. In: Der Bund. 28. Mai 2018, ISSN 0774-6156 (derbund.ch [abgerufen am 26. Juni 2018]).
  23. «Manche sagen, Kosovo sei der 27. Kanton der Schweiz». SRF, abgerufen am 26. Juni 2018.