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Kanton Aargau

Kanton der Schweiz
Kanton Aargau
Wappen
Wappen
Kanton der Schweizerischen Eidgenossenschaft
Kürzel/Kontrollschild: AG
Amtssprache: Deutsch
Hauptort: Aarau
Beitritt zum Bund: 1803
Fläche: 1.403,81 km²
Website: www.ag.ch
Bevölkerung
Einwohner: 670'988 (31. Dezember 2017)[1]
Einwohnerdichte: 478 Einwohner pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne Bürgerrecht)
24,2 % (31. Dezember 2015)[2]
Arbeitslosenquote: 3,4 % (31. Dezember 2015)[3]
Lage des Kantons in der Schweiz
Lage des Kantons in der Schweiz
Karte des Kantons
Karte des Kantons
Einwohnergemeinden des Kantons
Einwohnergemeinden des Kantons

Koordinaten: 47° 25′ N, 8° 7′ O; CH1903: 650664 / 252127 Der Kanton Aargau (Kürzel AG; schweizerdeutsch älter Aargöi, jünger Aargau, Aargou; französisch Argovie; italienisch Argovia; rätoromanisch Audio-Datei / Hörbeispiel Argovia?/i) ist ein Kanton im Norden der Deutschschweiz. Er grenzt an Deutschland im Norden, an die Kantone Basel-Landschaft, Solothurn und Bern im Westen, an den Kanton Luzern im Süden und an die Kantone Zug und Zürich im Osten. Der Aargau nimmt den nordöstlichen Teil des Schweizer Mittellandes mit dem Unterlauf der Aare ein, von der er seinen Namen hat.

1415 eroberten die Eidgenossen die Region von den Habsburgern, deren Stammburg sich in der Nähe des heutigen Hauptortes Aarau befand. Der südwestliche Teil wurde Untertanengebiet der Republik Bern. Mit der Gründung der Helvetischen Republik wurde 1798 aus dem Berner Aargau der Kanton Aargau geschaffen, das restliche Gebiet bildete den Kanton Baden. Diese beiden sowie das vorderösterreichische Fricktal verschmolzen 1803 zum Kanton Aargau in seiner heutigen Form.

Der Aargau ist eine der fruchtbarsten Regionen der Schweiz. In der landwirtschaftlichen Produktion dominieren die Milchwirtschaft sowie der Obst- und Getreideanbau. Historisch war die Strohflechterei von Bedeutung. In der Industrie sind die Branchen Maschinen- und Elektroindustrie, Lebensmittelverarbeitung, Elektronik und Präzisionsinstrumente sowie die Zementproduktion vertreten. Der Aargau ist für die Schweiz ein wichtiger Energieproduzent und Standort mehrerer Nuklearanlagen.

Für Touristen bietet der Kanton zahlreiche Burgen und Schlösser, ein reichhaltiges Angebot an Museen sowie Thermalquellen in Bad Zurzach, Baden und Schinznach-Bad. Die Bevölkerung spricht grösstenteils deutsch, der Kanton ist traditionell paritätisch, wobei heute eine knappe Mehrheit römisch-katholisch ist. Insgesamt leben etwa 663.500 Einwohner (Stand 2017) auf einer Fläche von 1403,81 km².

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Der Aargau liegt im Norden der Schweiz, im Mittelland und in den östlichen Ausläufern des Juras. Seinen Namen hat der Kanton vom Fluss Aare. Er grenzt im Norden an den Rhein und damit an Baden-Württemberg (Deutschland), im Osten an den Kanton Zürich, im Süden an die Kantone Luzern und Zug, und im Westen an die Kantone Bern, Solothurn und Basel-Landschaft.

Der Aargau weist eine starke naturräumliche Gliederung auf. Der nördliche Kantonsteil wurde durch die Gebirgsbildung des Juras geprägt, der im Mittelland gelegene südliche Teil durch die Gletscherbewegungen der Eiszeiten geformt. Die Riss-Eiszeit, die vor rund 140'000 Jahren ihren Höhepunkt erreichte, bedeckte fast das gesamte Gebiet des heutigen Kantons, mit Ausnahme des westlichen Fricktals um Rheinfelden sowie einiger Juragipfel, die aus dem Eismeer ragten.

Während der Würm-Eiszeit war die Vergletscherung zwar weitaus geringer (nur der südöstliche Teil des Kantonsgebiets war von Eis bedeckt), doch sie prägte die Landschaft nachhaltig. Der Reussgletscher und der Linthgletscher, die vor rund 20'000 Jahren ihre grösste Mächtigkeit erreicht hatten, hinterliessen zahlreiche Findlinge, die aus dem Alpenraum in die Ebene verschoben wurden. Die einstige Ausdehnung dieser Gletscher ist heute noch gut erkennbar an den Endmoränen bei Killwangen, Mellingen, Othmarsingen, Seon, Staffelbach, Würenlos und Zetzwil. Die bei der Moräne von Seon zurückgelassenen Gesteinsmassen stauten den Hallwilersee, der am Ende der Eiszeit etwa doppelt so gross war wie heute und innerhalb von einigen tausend Jahren durch Auffüllung des ehemaligen Seebeckens mit Sedimenten auf die heutige Grösse zurückschrumpfte. Die Flüsse lagerten in den Tälern im Vorfeld der Gletscher ausgedehnte Schotterfelder ab, die wichtige Grundwasserleiter darstellen.

Der höchste Punkt des Kantons liegt auf dem Geissflue-Grat auf 908 m ü. M.

BodennutzungBearbeiten

Bodennutzung im Kanton Aargau (2006)[4]
Typus Anteil an
Gesamtfläche (%)
Landwirtschaftsflächen 44,1
Siedlungsflächen 17,0
bestockte Flächen 36,4
unproduktive Flächen 2,6

GewässersystemBearbeiten

Ein besonderes Kennzeichen des Kantons Aargau ist die Vereinigung derjenigen grossen Schweizer Flüsse, die über den Rhein in die Nordsee entwässern. Der Rhein bildet die Nordgrenze des Kantons und gleichzeitig die Staatsgrenze zu Deutschland. Bei Koblenz fliesst die Aare in den Rhein, nur zwölf Kilometer nach der Vereinigung der grössten Flüsse des Schweizer Mittellandes im Wasserschloss. Kurz nacheinander münden im Gebenstorfer Ortsteil Vogelsang Reuss und Limmat in die Aare. Die Limmat kommt dabei von Südosten her und bringt das Wasser von Reppisch und vom Egelsee mit, die Reuss kommt von Süden. Die Aare, die zwischen Murgenthal und Aarburg die Kantonsgrenze zum Kanton Solothurn bildet, nimmt die Wigger, die Suhre und den Aabach auf, bevor sie kurz hinter Brugg das Wasserschloss erreicht. Mit den Flüssen Limmat, Reuss, Aare und Rhein fliessen Wasser von 24 Kantonen durch den Aargau (Ausnahmen: Kantone Genf und Basel-Stadt).

Im Einzelnen präsentiert sich das Gewässersystem des Aargau folgendermassen:

BevölkerungBearbeiten

 
Bevölkerungsentwicklung von 1972 bis 2016. Die schwarze Linie gibt die absolute Zahl an, die blaue den Anteil der ausländischen Bevölkerung

Der Kanton zählte am 31. Dezember 2014 645'300 Einwohner.

SprachenBearbeiten

Mundarten

Die deutschen Dialekte im Kanton Aargau gehören zum Hochalemannischen. Aufgrund der zentralen Lage des Kantons und bedingt durch die jahrhundertelange politische und wirtschaftliche Orientierung nach verschiedenen Zentren sowie das Fehlen eines starken Zentrums gehört der Aargau dialektal verschiedenen Gruppen des Schweizerdeutschen an.

Zwischen Ost und West halbiert ist der Kanton mit Bezug auf die Pluralendung des Verbs: Die Westhälfte kennt den zweiförmigen Plural etwa des Berndeutschen und des Solothurner Dialekts (mir mache, ir mached, si mache «wir machen, ihr macht, sie machen»), die Osthälfte den einförmigen Plural etwa des Zürichdeutschen und Luzerndeutschen (mir mached, ir mached, si mached).[5][6]

Im Surbtal, wo in Endingen und Lengnau jahrhundertelang eine bedeutende jüdische Bevölkerung lebte, die im 19. und 20. Jahrhundert grösstenteils in den Kanton Zürich auswanderte, wurde bis ins 20. Jahrhundert ein westjiddischer Dialekt gesprochen.

Muttersprachen nach Anzahl Sprecher

Im Einzelnen waren die Sprachverhältnisse am 5. Dezember 2000 die Folgenden:

NationalitätenBearbeiten

Nationalitäten im Kanton Aargau (Angaben in Prozent)
Nationalität[7][8] 1980 1990 2000 2010
Schweiz  Schweiz 85,86 85,19 81,49 78,62
Deutschland  Deutschland 1,64 1,37 1,86 4,26
Italien  Italien 7,13 5,76 4,60 3,91
Jugoslawien Sozialistische Föderative Republik  Jugoslawien 1,24 2,83
Serbien  Serbien
Montenegro  Montenegro
3,74 2,66
Turkei  Türkei 1,11 1,53 1,89 1,67
Portugal  Portugal 0,13 0,49 0,70 1,00
Osterreich  Österreich 0,67 0,52 0,47 0,47
Spanien  Spanien 0,78 0,78 0,52 0,39

Religionen – KonfessionenBearbeiten

 
Religionszugehörigkeit der Aargauer Bevölkerung

Da der Kanton Aargau erst im Jahre 1803 aus verschiedenen älteren Territorien geschaffen worden ist, gehört er zu den paritätischen Kantonen.

Traditionell reformiert (protestantisch) ist der ehemalige Berner Aargau mit den heutigen Bezirken Aarau, Brugg, Kulm, Lenzburg und Zofingen. Traditionell römisch-katholisch sind die ehemaligen Gemeinen Herrschaften mit den heutigen Bezirken Baden, Bremgarten, Muri und Zurzach, wobei es in Baden und Zurzach traditionell eine reformierte und eine jüdische Minderheit gibt, sowie das bis 1802 österreichische Fricktal mit den heutigen Bezirken Laufenburg und Rheinfelden. Im letztgenannten Bezirk ist auch die christkatholische (altkatholische) Kirche vertreten.

In den letzten Jahrzehnten haben sich die einst starren Konfessionsgrenzen stark verwischt. Durch Zuwanderung ausländischer Bevölkerungsgruppen haben im Kanton Aargau inzwischen auch andere Religionen (Islam, Buddhismus, Hinduismus) Einzug gehalten.

Im Einzelnen waren am 5. Dezember 2000 die Verhältnisse die Folgenden:

VerfassungBearbeiten

Die gegenwärtige Kantonsverfassung[9] datiert von 1980 (mit späteren Änderungen).

LegislativeBearbeiten

Wähleranteil des Aargauer Grossen Rates vom 23. Oktober 2016
Wahlbeteiligung: 32,81 %
 %
40
30
20
10
0
31,94
18,92
16,00
12,10
7,05
5,26
4,05
2,71
1,97
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2012
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
-0,06
+3,72
+0,64
-1,16
-0,32
-0,24
+0,15
-1,65
-1,08

Gesetzgebende Behörde ist der Grosse Rat, dem 140 (bis 2005 noch 200) vom Volk für eine feste Amtsdauer von vier Jahren im Proporzverfahren (Verhältniswahlrecht) gewählte Mitglieder angehören.

Seit 2005 verteilen sich die Mandate wie folgt auf die Bezirke: Aarau (16), Baden (30), Bremgarten (16), Brugg (11), Kulm (9), Laufenburg (6), Lenzburg (12), Muri (7), Rheinfelden (10), Zofingen (15), Zurzach (8). 2009 wurde auch im Aargau erstmals das Wahlverfahren des «Doppeltproportionalen Zuteilungsverfahrens» verwendet, wovon erwartungsgemäss die kleineren Parteien profitieren konnten.

Darüber hinaus ist das Volk direkt an der Gesetzgebung beteiligt: Verfassungsänderungen sowie Gesetze, die vom Grossen Rat nicht mit absoluter Mehrheit angenommen worden sind, unterliegen zwingend der Volksabstimmung (obligatorisches Referendum); andere Gesetze sind auf Antrag von 3000 Stimmberechtigten der Volksabstimmung zu unterwerfen (fakultatives Referendum). 3000 Stimmberechtigte können zudem eine Verfassungs- oder Gesetzesänderung oder ein Gesetz überhaupt vorschlagen (Volksinitiative).

Der Kanton Aargau gilt heute (in deutlichem Gegensatz zum 19. Jahrhundert) als konservativster der grösseren Kantone, was ausser am Verhalten bei eidgenössischen Volksabstimmungen auch an der sehr starken Vertretung der SVP und der verhältnismässig schwachen Präsenz der Sozialdemokraten deutlich wird.

ExekutiveBearbeiten

 
Regierungsratsfoto 2018[10] (v.l.n.r: Staatsschreiberin Vincenza Trivigno, Regierungsrat Markus Dieth, Landstatthalter Urs Hofmann, Landammann Alex Hürzeler, Regierungsrat Stephan Attiger und Regierungsrätin Franziska Roth)

Die leitende und oberste vollziehende Behörde (Exekutive) des Kantons Aargau ist der Regierungsrat, dem fünf vom Volk im Majorzverfahren auf eine feste Amtsdauer von vier Jahren gewählte Mitglieder angehören. Der Landammann hat als Primus inter pares den Vorsitz im Regierungsrat inne und wird vom Grossen Rat für jeweils ein Jahr aus den Mitgliedern des Regierungsrates gewählt; nach den gleichen Bestimmungen wird auch sein Stellvertreter, der Landstatthalter, bestimmt.

Mitglieder des Regierungsrates (Amtszeit 2017–2020)[11]
Regierungsrat Amtsbezeichnung Partei Departement
Alex Hürzeler Landammann SVP Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS)
Urs Hofmann Landstatthalter SP Departement Volkswirtschaft und Inneres (DVI)
Stephan Attiger Regierungsrat FDP Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU)
Markus Dieth Regierungsrat CVP Departement Finanzen und Ressourcen (DFR)
Franziska Roth Regierungsrätin SVP Departement Gesundheit und Soziales (DGS)

Das Amt der Staatsschreiberin hat Vincenza Trivigno inne; sie steht somit der Staatskanzlei Aargau (SK) vor.

Wahlen 2016

Roland Brogli (CVP) und Susanne Hochuli (GPS) gaben im Laufe des Jahres ihren Verzicht auf eine erneute Kandidatur für den Regierungsrat bekannt.[12][13] Im ersten Wahlgang am 23. Oktober 2016 wurde neben den bisherigen Urs Hofmann (SP), Alex Hürzeler (SVP) und Stephan Attiger (FDP) neu Markus Dieth (CVP) in den Regierungsrat gewählt.[14] Franziska Roth (SVP) wurde im zweiten Wahlgang am 27. November 2016 als fünftes Mitglied in den Regierungsrat gewählt.[15] In der Legislatur 2017–2020 ist die Schweizerische Volkspartei (SVP) mit zwei Sitzen in der Exekutive vertreten, die SP, FDP und CVP je mit einem Sitz. Die Grüne Kanton Aargau (GPS) haben kein Exekutivmitglied mehr.

Wahlen 2012

Am 21. Oktober 2012 fanden die Neuwahlen in den Regierungsrat statt, erstmals zeitgleich mit der Grossratswahl. Alle fünf Sitze konnten in diesem ersten Wahlgang bereits besetzt werden. Wieder gewählt wurden hierbei von den bisherigen Roland Brogli (CVP), Urs Hofmann (SP), Alex Hürzeler (SVP) und Susanne Hochuli (GPS). Neu gewählt und damit für seine Partei ist Stephan Attiger (FDP),[16] der sein Amt am 1. April 2013 antrat.

JudikativeBearbeiten

Oberstes kantonales Gericht ist das Obergericht mit Sitz in Aarau. Erstinstanzliche Gerichte mit regionaler Reichweite sind die Bezirks- und Jugendgerichte. Kommunale Reichweite haben die Friedensrichter, die hauptsächlich vermittelnde Funktion haben. Daneben bestehen Spezialgerichte.

Die Verwaltungsgerichtsbarkeit wird im Wesentlichen durch das Verwaltungs- und das Versicherungsgericht ausgeübt.

ParteiensystemBearbeiten

Das Parteiensystem des Kantons deckt sich mit dem Schweizerischen. Die kantonalen Sektionen der vier Bundesregierungsparteien SP, CVP, FDP und SVP haben das Zepter in der Hand. Die bürgerlichen Mitteparteien sind tendenziell rechter als ihre Schweizerischen Mutterparteien.

WirtschaftBearbeiten

BranchenBearbeiten

Die Aargauer Wirtschaft insgesamt zeichnet sich durch einen ausgewogenen Branchenmix aus und profitiert in schwierigeren Zeiten vom grossen Anteil kleiner und mittelgrosser Unternehmungen, die langsam aber stetig wachsen. Der Aargau ist der grösste Industriekanton der Schweiz. 34 Prozent der Beschäftigten arbeiten in der Industrie (Schweiz: 24 Prozent). Insgesamt bietet der Kanton 250'000 Personen Arbeit in 30'500 Betrieben. Der Aargauer verdient durchschnittlich 49'209 Franken im Jahr, somit liegt der Kanton Aargau in der Rangliste der reichsten Kantone im Mittelfeld auf Platz 13.

Diese Wachstumsbranchen sind im Aargau prominent vertreten:

  • chemische Industrie
  • Elektronik und Präzisionsinstrumente
  • Kunststoff- und Materialtechnologie
  • Maschinen- und Elektroindustrie
  • Pharma-, Bio- und Medizinaltechnologie (Life Sciences)

Die Aargauer Industrie ist stark auslandorientiert. Rund 25 Prozent der Exporte gehen an Deutschland, mit sieben respektive fünf Prozent gehören die Vereinigten Staaten und Grossbritannien zu den weiteren Abnehmern. Führende Exportbranchen sind die Maschinenindustrie, Elektroindustrie sowie Life Sciences. Bekannte Firmen im Aargau sind zum Beispiel ABB, Novartis, General Electric, Roche, Johnson & Johnson, Rockwell Automation und Franke.

TourismusBearbeiten

Entgegen dem Bild eines Industrie-, Autobahn- und Kernkraftwerk-Kantons (der Kanton Zürich hat allerdings mehr Autobahnkilometer) gibt es auch einige touristische Sehenswürdigkeiten.

Zahlreiche Burgen und Schlösser können besichtigt werden, wie zum Beispiel Schloss Lenzburg, Schloss Hallwyl, Schloss Wildegg oder die Habsburg. Ein weiterer Anziehungspunkt ist das Kloster Muri.

Ein beliebtes Ziel für Tagesausflüge ist der Hallwilersee: Es gibt mehrere Badeplätze, Feuerstellen am See sowie Spazier- und Wanderwege. Während der Sommersaison gibt es einen Schifffahrtsbetrieb.

Es besteht im ganzen Kanton ein grosses Angebot an gut beschilderten Wander- und Fahrradwegen.

Im Birrfeld (in der Nähe von Brugg) und in Buttwil (bei Muri) existieren zwei Regional-Flugplätze.

Im Kanton gibt es zahlreiche Thermalquellen, die in Bad Zurzach, Rheinfelden AG, und Schinznach-Bad für öffentliche Thermalbäder genutzt werden. Das neue Thermalbad in Baden ist ein Projekt, welches zur Wiederbelebung der Bäderstadt beitragen soll.[17]

BildungBearbeiten

Die obligatorische Schulzeit beträgt elf Jahre und beginnt mit dem Eintritt in den Kindergarten im Alter von rund fünf Jahren. Der Besuch eines Kindergartens ist seit dem Schuljahr 2013/2014 obligatorisch. Beim Eintritt kommt ein Schüler entweder in die reguläre erste Klasse oder in die Einführungsklasse, welche zwei Jahre dauert. Die Primarschule dauert in der Regel sechs Jahre (erste bis sechste Klasse). Manchmal wird auch zwischen Unterstufe (erste bis dritte Klasse) und Mittelstufe (dritte bis sechste Klasse) unterschieden.[18]

Danach erfolgt der Übertritt in die Oberstufe (Real-, Sekundar- oder Bezirksschule). Diese dauert normalerweise drei Jahre (siebte bis neunte Klasse) und vollendet die Schulpflicht, wobei die Chancen auf eine anschliessende Berufsausbildung für Sekundar- und Bezirksschüler wegen der höheren Leistungsstufe in der Regel besser sind als für Realschüler. Wechsel innerhalb zwei dieser drei Stufen erfolgen über Aufnahmeprüfungen oder ausserordentlich gute schulische Leistungen (nach oben) beziehungsweise freiwillige Relegation oder Zwangsrelegation (nach unten). Zu einer anschliessenden Berufslehre gehört immer auch der Besuch einer Berufsfachschule.

Nur von der Bezirksschule aus ist der Übertritt an die kantonalen Maturitätschulen, die Kantonsschulen, möglich. Dazu muss die Bezirksschulabschlussprüfung mit einer Mindestnote von 4,7 bestanden werden (wobei sechs die beste und eins die schlechteste Note ist). Die praktischen Prüfungsfächer sind Deutsch, Französisch (schriftlich und mündlich) sowie Mathematik. Aus dem Jahreszeugnis kommen Englisch, Geschichte, Biologie, Chemie, Musik und Zeichnen, sowie wahlweise Latein hinzu. Mit einer Mindestnote von 4,4 ist man zum Übertritt an die Diplommittelschule, oder an eine Berufsmaturitätsschule berechtigt. Die letztgenannte findet berufsbegleitend statt.

An der Kantonsschule, die rund vier Jahre dauert (zehntes bis dreizehntes Schuljahr), kann ein eidgenössisch anerkannter Maturitätsausweis erlangt werden. Neben obligatorischen Grundlagenfächern können die Schüler ihr Akzentfach (erstes/zweites Jahr, drei Wochenstunden), ihr Schwerpunktfach (drittes/viertes Jahr, sechs Wochenstunden), ihr Ergänzungsfach (viertes Jahr, vier Wochenstunden), sowie verschiedene Freifächer selbst wählen.

Der Kanton Aargau verfügt über keine Universität. Die Fachhochschulen aber ermöglichen Absolventen der Berufsmaturitätsschulen verschiedene Studienrichtungen. Der Aargau gehört neu zur Fachhochschulregion Nordwestschweiz.

Für Erwachsene gibt es eine Erwachsenenmaturitätsschule. Für die Volksbildung sorgen Kurse der Volkshochschule, sowie verschiedene Bibliotheken in Gemeinden und die Kantonsbibliothek in Aarau. Es existieren auch diverse spezielle Schulen, wie beispielsweise die Heilpädagogischen Sonderschulen.

GeschichteBearbeiten

Das Gebiet des heutigen Kantons Aargau wurde bereits im 5. Jahrhundert von den Alemannen besiedelt. Im 6. Jahrhundert gehörte es zum Frankenreich, der Name Aargau wurde 763 zum ersten Mal erwähnt. Im 14. Jahrhundert fiel der Ober-Aargau an Bern.

Der Unter-Aargau, das Gebiet des heutigen Kantons Aargau, gehörte im Mittelalter nacheinander den Grafen von Lenzburg, den Grafen von Kyburg und den Grafen von Habsburg. Er wurde 1415 von den Eidgenossen erobert; politischer Hintergrund waren die Spannungen zwischen König Sigismund und Herzog Friedrich IV. von Österreich, welche zum Bann des letztern führten und auf Grund dessen ersterer die umgebenden Mächte aufforderte, des Herzogs Ländereien, zu denen auch der Aargau gehörte, zu besetzen. Der im Westen gelegene Unteraargau wurde alleiniges Untertanengebiet von Bern (der sogenannte Berner Aargau). Im Osten entstanden das von Zürich allein verwaltete Kelleramt sowie die Freien Ämter und die Grafschaft Baden, welche gemeine Herrschaften (gemeinsam verwaltete Gebiete) der Eidgenossenschaft waren.

 
Der Aargau während der Zeit der Helvetischen Republik (1798–1803)

1798 wurde der Aargau von den Franzosen erobert; Aarau war sogar während eines halben Jahres die Hauptstadt der Helvetischen Republik (und damit erste Hauptstadt der Schweiz). Es entstanden drei Kantone:

  • Kanton Aargau (heutige Bezirke Aarau, Brugg, Kulm, Lenzburg und Zofingen)
  • Kanton Baden (heutige Bezirke Baden, Bremgarten, Muri und Zurzach)
  • Kanton Fricktal (heutige Bezirke Laufenburg und Rheinfelden; gehörten vorher zu Vorderösterreich)

Der heutige Kanton wurde 1803 durch die Mediationsakte von Napoleon Bonaparte aus den drei Kantonen Aargau, Baden und Fricktal gebildet. Teile des zürcherischen Untertanengebiets im Limmattal blieben hingegen bei Zürich, das Amt Hitzkirch bei Luzern. Dafür wurden das bernische Amt Aarburg und das luzernische Amt Merenschwand dem neuen Kanton angefügt. Diese verschiedenen Gebiete unterscheiden sich auch heute noch in Wirtschaftsstruktur, Konfession und politischer Ausrichtung stark.

Mit der Restauration 1815 blieb der junge Kanton erhalten, erhielt aber unter dem dominierenden Einfluss von Amtsbürgermeister (Regierungsratspräsident) Johann Herzog zunehmend aristokratische Züge. Der «Freiämtersturm», ein Zug der katholischen Opposition in die Hauptstadt Aarau, beendete im Dezember 1830 diese Phase und ermöglichte die Schaffung einer Verfassung mit erweiterten Volksrechten. Nach 1831 gehörte der Kanton Aargau zu den liberalen Kantonen; viele demokratische Flüchtlinge aus Deutschland fanden hier Aufnahme. Der Aargauer Klosterstreit 1841/43, als der Kanton zuerst alle Klöster aufhob, dann aber die Frauenklöster (zum Beispiel Kloster Fahr) wieder zuliess, war eine der Ursachen für den Sonderbundskrieg von 1847, der in die Errichtung des modernen schweizerischen Bundesstaates mündete.

VerwaltungsgliederungBearbeiten

 
Städte des Kantons Aargau

Der Kanton Aargau ist von Kleinstädten geprägt. Die Zwillingsstädte Wettingen und Baden bilden einen wichtigen Schwerpunkt.

Politische GemeindenBearbeiten

Nachfolgend aufgelistet sind politische Gemeinden mit mehr als 10'000 Einwohnern per 31. Dezember 2017:[19]

Politische Gemeinde Einwohner Ausländeranteil
in Prozent
Aarau, Hauptort 21'191 20,9
Wettingen 20'717 27,5
Baden 19'168 27,0
Wohlen 16'004 38,3
Oftringen 13'599 35,5
Rheinfelden 13'360 31,7
Zofingen 11'543 19,6
Brugg 11'092 28,6
Spreitenbach 11'795 50,3
Möhlin 11'006 25,3

OrtschaftenBearbeiten

Im Aargau befinden sich viele historisch bedeutsame Orte:

Weitere Städte mit altem Stadtrecht:

BezirkeBearbeiten

 
Bezirke des Kantons Aargau

Der Kanton Aargau ist in elf Bezirke unterteilt:

Siehe auchBearbeiten

  Portal: Aargau – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Aargau

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach Kanton, definitive Jahresergebnisse, 2017. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2018, abgerufen am 13. November 2018 (definitive Jahresergebnisse).
  2. Struktur der ständigen Wohnbevölkerung nach Kantonen. Bundesamt für Statistik (BFS), 26. August 2016, abgerufen am 31. Mai 2017.
  3. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt im Dezember 2015. Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), 8. Januar 2016, S. 9, abgerufen am 13. Januar 2016 (PDF; 807 kB).
  4. Raumbeobachtung 2013 – Aktuelle Daten zur Raumentwicklung – Juli 2014. 23. Juli 2014, S. 30, archiviert vom Original am 8. August 2014; abgerufen am 30. Juli 2014 (PDF).   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ag.ch
  5. Sprachatlas der deutschen Schweiz, Bände I–VIII, Bern/Basel 1962–1997.
  6. Rudolf Hotzenköcherle: Zur Sprachgeographie des Aargaus. In: Die Sprachlandschaften der deutschen Schweiz. Hrsg. von Niklaus Bigler und Robert Schläpfer unter Mitarbeit von Rolf Börlin. Sauerländer, Aarau/Frankfurt am Main/Salzburg 1984 (Reihe Sprachlandschaft 1), S. 79–90.
  7. Kanton Aargau: Entwicklung der Gesamtbevölkerung. Statistik Aargau, abgerufen am 30. Juli 2014 (XLS; 35 kB).
  8. Ständige ausl. Wohnbevölkerung: Kt. Aargau – nach Ausländergruppe und Bewilligung (am Monatsende). Statistik Aargau, archiviert vom Original am 8. August 2014; abgerufen am 30. Juli 2014 (XLS; 35 kB).   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ag.ch
  9. Verfassung des Kantons Aargau. Die Bundesbehörden der Schweizerischen Eidgenossenschaft (admin.ch), abgerufen am 30. Juli 2014.
  10. Alex Hürzeler ist Landammann 2018. In: www.ag.ch. Abgerufen am 21. Februar 2018.
  11. Gesamtregierungsrat. Staatskanzlei Aargau, abgerufen am 16. Januar 2016.
  12. Regierungsrat Roland Brogli stellt sich im Herbst nicht mehr zur Wiederwahl. In: www.ag.ch. Abgerufen am 10. Januar 2017.
  13. Robert Obrist: ein starkes Ja zur Grünen Wirtschaft! – Grüne Kanton Aargau. In: grueneaargau.ch. Abgerufen am 10. Januar 2017.
  14. Gesamterneuerungswahl des Regierungsrats vom 23. Oktober 2016. In: www.ag.ch. Abgerufen am 10. Januar 2017.
  15. Gesamterneuerungswahl des Regierungsrats vom 27. November 2016 (2. Wahlgang). In: www.ag.ch. Abgerufen am 10. Januar 2017.
  16. Ergebnis der Regierungsratswahlen auf der Website des Kantons Aargau (Memento des Originals vom 25. Oktober 2012 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ag.ch, abgerufen am 21. Oktober 2012
  17. Thermalbäder und Wellness im Kanton Aargau. swisstherme.ch, abgerufen am 7. Juli 2012.
  18. Schulgesetz des Kanton Aargau vom 1. August 2014
  19. Bevölkerungsentwicklung zweites Halbjahr 2017. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2018, abgerufen am 8. März 2018 (PDF, 1,7 MB).