Nationalrat (Schweiz)

Parlamentskammer der Eidgenossenschaft

Der Nationalrat (abgekürzt NR; französisch Conseil national, CN; italienisch Consiglio nazionale; rätoromanisch Audio-Datei / Hörbeispiel Cussegl naziunal?/i) ist die grosse Kammer des Parlaments der Schweizerischen Eidgenossenschaft mit 200 Mitgliedern. Präsidiert wird er durch Isabelle Moret (FDP).

Nationalrat
Logo der Bundesversammlung Bundeshaus
Logo Bundeshaus
Basisdaten
Sitz: Bundeshaus in Bern
Legislaturperiode: vier Jahre
Abgeordnete: 200
Aktuelle Legislaturperiode
Letzte Wahl: 20. Oktober 2019
Nächste Wahl: 22. Oktober 2023
Vorsitz: Isabelle Moret (FDP)
            
Sitzverteilung:
  • SVP 53
  • SP 39
  • FDP 29
  • GPS 28
  • CVP 25
  • glp 16
  • BDP 3
  • EVP 3
  • Lega 1
  • EDU 1
  • Sol 1
  • PdA 1
  • Website
    Nationalrat auf parlament.ch

    Der Ständerat (kleine Kammer) ist die Vertretung der Kantone mit 46 Mitgliedern.

    Beide Parlamentskammern bilden zusammen die Bundesversammlung mit ihrem Sitz im Berner Bundeshaus.

    OrganisationBearbeiten

     
    Nationalratssaal (Wintersession 2006)

    Mit 200 Mitgliedern bildet der Nationalrat die grosse Kammer des Parlamentssystems.

    Bei der Gründung des Bundesstaates 1848 war diese Anzahl noch nicht festgelegt, sondern ergab sich aus der Einwohnerzahl der einzelnen Kantone. Gemäss den Vorgaben der damaligen Bundesverfassung sollte ein Nationalratsmitglied 20'000 Einwohner repräsentieren. Daher verfügte der erste Nationalrat, der 1848 zusammentrat, über 111 Mitglieder.[1][2]

    1963 schliesslich wurde die Zahl der Nationalratsmitglieder auf 200 festgelegt. Die Aufteilung auf die einzelnen Kantone erfolgt seither aufgrund der jeweiligen Volkszählungsergebnisse (inklusive Ausländer) nach dem Hare-Niemeyer-Verfahren. Eine Änderung in der Verteilung erfolgte im Jahre 2003 nach den Ergebnissen der eidgenössischen Volkszählung aus dem Jahre 2000. Auch danach erfolgten von Zeit zu Zeit Änderungen der Sitzzuteilung. Jeder Kanton hat Anspruch auf mindestens einen Nationalrat. Eine detaillierte Tabelle zur Entwicklung der Sitzzahlen pro Kanton ist weiter unten zu finden.

    Kanton National-
    räte
    Kanton Zürich  Zürich 35
    Kanton Bern  Bern 25
    Kanton Waadt  Waadt 18
    Kanton Aargau  Aargau 16
    Kanton St. Gallen  St. Gallen 12
    Kanton Genf  Genf 11
    Kanton Luzern  Luzern 10
    Kanton Tessin  Tessin 8
    Kanton Wallis  Wallis 8
    Kanton Basel-Landschaft  Basel-Landschaft 7
    Kanton Freiburg  Freiburg 7
    Kanton Solothurn  Solothurn 6
    Kanton Thurgau  Thurgau 6
    Kanton National-
    räte
    Kanton Basel-Stadt  Basel-Stadt 5
    Kanton Graubünden  Graubünden 5
    Kanton Neuenburg  Neuenburg 4
    Kanton Schwyz  Schwyz 4
    Kanton Zug  Zug 3
    Kanton Schaffhausen  Schaffhausen 2
    Kanton Jura  Jura 2
    Kanton Uri  Uri 1
    Kanton Obwalden  Obwalden 1
    Kanton Nidwalden  Nidwalden 1
    Kanton Glarus  Glarus 1
    Kanton Appenzell Ausserrhoden  Appenzell Ausserrhoden 1
    Kanton Appenzell Innerrhoden  Appenzell Innerrhoden 1

    WahlverfahrenBearbeiten

    Die Nationalräte werden alle vier Jahre für eine Legislaturperiode von vier Jahren vom Volk gewählt, die letzte Wahl fand am Sonntag, den 20. Oktober 2019, statt.

    Wähleranteil (Parteistärke) Nationalratswahl vom 20. Okt. 2019[3]
    Wahlbeteiligung: 45,1 %
     %
    30
    20
    10
    0
    25,6
    16,8
    15,1
    13,2
    11,4
    7,8
    2,4
    2,1
    5,5
    Gewinne und Verluste
    im Vergleich zu 2015
     %p
       8
       6
       4
       2
       0
      -2
      -4
    -3,8
    -2,0
    -1,3
    +6,1
    -0,2
    +3,3
    -1,7
    +0,2
    -0,6

    Die Wahl erfolgt seit 1919 nach der Annahme einer entsprechenden Volksinitiative mittels Proporzwahl, wobei jeder Kanton einen Wahlkreis bildet. Jeder Wahlkreis bildet ein in sich geschlossenes Wahlgebiet. Eine Sperrklausel, wie die beispielsweise in Deutschland übliche sogenannte Fünf-Prozent-Hürde, gibt es nicht, da in der Schweiz möglichst klare Fraktionsstärken zugunsten von Regierungsbildungen nicht elementar sind. Seit 1971 können Frauen bei Nationalratswahlen wählen und gewählt werden. Wahltag ist jeweils alle vier Jahre am zweitletzten Sonntag im Oktober.

    Seit der Modernisierung der Volkszählung und der Verwendung der Verwaltungsdaten zur Erhebung der Bevölkerungszahlen (2007) basiert die Verteilung der Sitzzahlen auf die Kantone auf dem Stand der ständigen Wohnbevölkerung (inklusive nicht Stimmberechtigter) im auf die letzten Gesamterneuerungswahlen folgenden Jahr.[4] Es gilt dabei der Grundsatz, dass jeder Kanton Anspruch auf mindestens einen Sitz hat. Die Sitze innerhalb der Kantone mit Anspruch auf mehr als einen Sitz werden nach Hare-Niemeyer verteilt. Kantone, die nur einen Vertreter in den Nationalrat entsenden können, wählen mittels Majorzwahl, wobei das relative Mehr entscheidet.

    Bei den Wahlen stellen die Parteien in den Kantonen Listen mit Kandidaten auf. Jede Liste enthält maximal so viele Kandidaten, wie dem Kanton Nationalratssitze zustehen. Jeder Stimmbürger kann somit so viele Personen wählen, wie seinem Kanton Nationalräte zustehen: ein Bewohner des Kantons Zürich also 35, ein Bewohner des Kantons Uri nur eine.

    Es ist möglich, einen oder mehrere Kandidaten doppelt aufzuführen. Ausserdem kann jede Partei mit mehreren Listen pro Kanton antreten (beispielsweise Männer- und Frauen-, Jugend- und Senioren-, in grösseren Kantonen auch Stadt- und Landlisten). Ebenfalls möglich ist eine Listenverbindung zwischen mehreren verschiedenen Parteien. Die Stimmbürger haben die Möglichkeit, die Listen unverändert abzugeben oder sie durch Kumulieren bzw. Panaschieren zu verändern. Einerseits kann der Wähler einem einzigen Kandidaten die Stimme geben und die restlichen seiner Partei überlassen. Andererseits ist es möglich, dass der Wähler die ihm zustehenden Stimmen auf Kandidaten von mehreren Parteien verteilt.

    Arbeiten des NationalratsBearbeiten

     
    Das Vorzimmer des Nationalratsaals
     
    Nationalratssaal während einer Session

    Die Arbeiten und Kompetenzen des Nationalrates regelt das Bundesgesetz über die Bundesversammlung (Parlamentsgesetz) sowie der fünfte Titel der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Der Nationalrat bildet mit dem Ständerat die Bundesversammlung; diese übt unter Vorbehalt der Rechte von Volk und Ständen die oberste Gewalt in der Schweiz aus.[5] Beide Kammern werden als Räte bezeichnet. Der Nationalrat und der Ständerat tagen nicht ständig, sondern versammeln sich regelmässig zu Sessionen.[6] In einem Jahr finden vier ordentliche Sessionen zu je drei Wochen statt, mit vier bis fünf Sitzungstagen pro Woche: die Frühjahrssession (Februar/März), die Sommersession (Juni), die Herbstsession (September/Oktober) und die Wintersession (November/Dezember).[7] Wenn diese Sessionen zum Abbau der Geschäftslast nicht ausreichen, kann jeder Rat für sich eine Sondersession einberufen.[8] Ein Viertel der Mitglieder eines Rates oder der Bundesrat können die Einberufung der Räte oder der Vereinigten Bundesversammlung zu einer ausserordentlichen Session verlangen. Liste der ausserordentlichen Sessionen: siehe Session (Schweiz).

    SitzverteilungBearbeiten

    Nach ParteienBearbeiten

    2011[9] 2015[10]
    Partei Sitze Wähleranteil
    in Prozent
    Sitze Wähleranteil
    in Prozent
    SVP 54 26,6 65 29,4
    SP 46 18,7 43 18,8
    FDP 30 15,1 33 16,4
    CVP 28 12,3 27 11,6
    GPS 15 8,4 11 7,1
    GLP 12 5,4 7 4,6
    BDP 9 5,4 7 4,1
    EVP 2 2,0 2 1,9
    Lega 2 0,8 2 1,0
    PdA/Sol 0,9 1 0,8
    CSP OW 1 0,4 1 0,4
    MCR 1 0,4 1 0,3

    In den Wahlkreisen erfolgt die Sitzzuteilung wiederum nach dem Hagenbach-Bischoff-Verfahren. Zunächst werden nicht die Stimmenanzahlen der einzelnen Listen, sondern die der Listenverbindungen berücksichtigt. Erst nach stimmenproportionaler Verteilung aller im Wahlkreis zu vergebenden Sitze auf die einzelnen Listenverbindungen werden die errungenen Sitze innerhalb der Listenverbindungen auf die einzelnen Listen wiederum nach Hagenbach-Bischoff unterverteilt.

    Gewählt sind auf den Parteilisten die Kandidaten gemäss den erhaltenen Stimmenzahlen. Nachträgliche Umreihungen durch die Parteizentralen, um als wichtig erachteten Kandidaten doch den Einzug in den Nationalrat zu sichern, sind nicht möglich. Eine Abwahl oder ein Ausschluss eines Mitglieds des Nationalrats ist nicht möglich. Auch die vorzeitige Auflösung des Nationalrates ist in der Verfassung nicht vorgesehen. Nur im Falle einer vom Volk beschlossenen Totalrevision der Bundesverfassung wird die gesamte Bundesversammlung (National- und Ständerat) aufgelöst und neu gewählt.

    1995 setzte nach einer längeren Phase der parteipolitischen Stabilität die Polarisierung im schweizerischen Parteiensystem ein. Sie brachte vor allem der SVP Stimmengewinne. Gleichzeitig verschwanden mit der Freiheitspartei oder dem Landesring verschiedene Parteien auf nationaler Ebene. Da die Parteien an den Polen gestärkt wurden, spricht man häufig auch von Polarisierung oder Bipolarisierung.

     
    Historischer Verlauf des Wähleranteils der einzelnen Parteien[11]

    Nach KantonenBearbeiten

    Entwicklung der Sitzzahlen
    Die nachfolgende Tabelle zeigt, wie viele Sitze den Kantonen im Verlaufe der Jahre zustanden. Bis einschliesslich 2011 waren die Ergebnisse der alle zehn Jahre stattfindenden Volkszählungen massgeblich, ab 2015 werden zur Verteilung die Einwohnerregister herangezogen.[12][13]

    Kanton 1848 1851–
    1860
    1863–
    1869
    1872–
    1878
    1881–
    1887
    1890–
    1899
    1902–
    1908
    1911–
    1919
    1922–
    1928
    1931–
    1939
    1943–
    1947
    1951–
    1959
    1963–
    1967
    1971–
    1979
    1983–
    1987
    1991–
    1999
    2003–
    2011
    2015 2019[14][15]
    Kanton Aargau  Aargau 9 10 10 10 10 10 10 12 12 12 12 13 13 14 14 15 15 16 16
    Kanton Appenzell Ausserrhoden  Appenzell Ausserrhoden 2 2 2 2 3 3 3 3 3 2 2 2 2 2 2 2 1 1 1
    Kanton Appenzell Innerrhoden  Appenzell Innerrhoden 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1
    Kanton Basel-Landschaft  Basel-Landschaft 2 2 3 3 3 3 3 4 4 4 4 4 5 7 7 7 7 7 7
    Kanton Basel-Stadt  Basel-Stadt 1 1 2 2 3 4 6 7 7 7 8 8 8 7 6 6 5 5 5
    Kanton Bern  Bern 20 23 23 25 27 27 29 32 34 31 33 33 33 31a 29 27 26 25 24
    Kanton Freiburg  Freiburg 5 5 5 6 6 6 6 7 7 7 7 7 6 6 6 6 7 7 7
    Kanton Genf  Genf 3 3 4 4 5 5 7 8 9 8 8 8 10 11 11 11 11 11 12
    Kanton Glarus  Glarus 1 2 2 2 2 2 2 2 2 2 2 2 2 1 1 1 1 1 1
    Kanton Graubünden  Graubünden 4 4 5 5 5 5 5 6 6 6 6 6 5 5 5 5 5 5 5
    Kanton Jura  Jura 2b 2 2 2 2 2
    Kanton Luzern  Luzern 6 7 7 7 7 7 7 8 9 9 9 9 9 9 9 10 10 10 9
    Kanton Neuenburg  Neuenburg 3 4 4 5 5 5 6 7 7 6 5 5 5 5 5 5 5 4 4
    Kanton Nidwalden  Nidwalden 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1
    Kanton Obwalden  Obwalden 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1
    Kanton Schaffhausen  Schaffhausen 2 2 2 2 2 2 2 2 3 2 2 2 2 2 2 2 2 2 2
    Kanton Schwyz  Schwyz 2 2 2 2 3 3 3 3 3 3 3 3 3 3 3 3 4 4 4
    Kanton Solothurn  Solothurn 3 3 3 4 4 4 5 6 7 7 7 7 7 7 7 7 7 6 6
    Kanton St. Gallen  St. Gallen 8 8 9 10 10 11 13 15 15 13 13 13 13 12 12 12 12 12 12
    Kanton Tessin  Tessin 6 6 6 6 7 6 7 8 8 7 7 7 7 8 8 8 8 8 8
    Kanton Thurgau  Thurgau 4 4 5 5 5 5 6 7 7 6 6 6 6 6 6 6 6 6 6
    Kanton Uri  Uri 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1
    Kanton Waadt  Waadt 9 10 11 11 12 12 14 16 16 15 16 16 16 16 17 17 18 18 19
    Kanton Wallis  Wallis 4 4 5 5 5 5 6 6 6 6 7 7 7 7 7 7 7 8 8
    Kanton Zug  Zug 1 1 1 1 1 1 1 1 2 2 2 2 2 2 2 3 3 3 3
    Kanton Zürich  Zürich 12 13 13 14 16 17 22 25 27 28 31 32 35 35 35 34 34 35 35
    Schweiz 111 120 128 135 145 147 167 189 198 187 194 196 200 200 200 200 200 200 200

    a 1979 gingen zwei Sitze vom Kanton Bern an den neu gegründeten Kanton Jura
    b der Kanton Jura erhielt 1979 zwei Sitze vom Kanton Bern

    Durch einen Sitz vertretene Bevölkerung
    Durch den Verteilungsschlüssel nach ständiger Wohnbevölkerung repräsentiert ein Nationalrat im Durchschnitt 0,5 % der Wohnbevölkerung der Schweiz. Im für die Wahlen von 2015 massgeblichen Jahr 2012 betrug dieser Wert 40'195 (ständige Wohnbevölkerung 8'039'060 Personen per 31. Dezember 2012). Durch die diskrete Verteilung auf Kantone und die Klausel, dass jedem Kanton mindestens ein Sitz zusteht, variiert diese Zahl aber von Kanton zu Kanton, zwischen 15'717 (Appenzell Innerrhoden) und 53'438 (Appenzell Ausserrhoden). Mit Ausnahme der extremen Werte in Appenzell liegt die vertretene Bevölkerung pro Sitz zwischen 35'471 und 43'638 Einwohnern, d. h. von −11,8 % unter bis +8,6 % über dem Durchschnitt. Die Zahl der Wahlberechtigten pro Nationalratssitz (bei 5'124'034 Personen bei der Wahl von 2011 im Schnitt 25'620) lag bei den Wahlen 2011 (mit Ausnahme der Appenzell) zwischen 21'830 (Genf mit überdurchschnittlich hohem Ausländeranteil) und 27'459 (Bern) Personen, oder –14,8 % bis +7,2 % Abweichung vom Durchschnitt.

    Kanton 2011 Wahlen (Wohnbevölkerung Ende 2009) 2015 Wahlen (Wohnbevölkerung Ende 2012)
    Sitze Wohnbevölkerung Bevölkerung
    pro Sitz
    Wahlberechtigte[16] Wahlberechtigte
    pro Sitz
    Sitze Wohnbevölkerung[17] Bevölkerung
    pro Sitz
    Kanton Zürich  Zürich 34   1 406 083 41 355 877 817 25 818 35   1 408 575 40 245
    Kanton Bern  Bern 26   985 046 37 886 713 938 27 459 25   992 617 39 705
    Kanton Luzern  Luzern 10   381 966 38 197 260 101 26 010 10   386 082 38 608
    Kanton Uri  Uri 1   35 382 35 382 26 110 26 110 1   35 693 35 693
    Kanton Schwyz  Schwyz 4   147 904 36 976 98 193 24 548 4   149 830 37 458
    Kanton Obwalden  Obwalden 1   35 878 35 878 25 221 25 221 1   36 115 36 115
    Kanton Nidwalden  Nidwalden 1   41 311 41 311 30 363 30 363 1   41 584 41 584
    Kanton Glarus  Glarus 1   39 217 39 217 26 078 26 078 1   39 369 39 369
    Kanton Zug  Zug 3   113 597 37 866 71 845 23 948 3   116 575 38 858
    Kanton Freiburg  Freiburg 7   284 668 40 667 185 485 26 498 7   291 395 41 628
    Kanton Solothurn  Solothurn 7   259 836 37 119 173 356 24 765 6   259 283 43 214
    Kanton Basel-Stadt  Basel-Stadt 5   194 090 38 818 114 064 22 813 5   187 425 37 485
    Kanton Basel-Landschaft  Basel-Landschaft 7   277 973 39 710 186 806 26 687 7   276 537 39 505
    Kanton Schaffhausen  Schaffhausen 2   77 139 38 570 49 783 24 892 2   77 955 38 978
    Kanton Appenzell Ausserrhoden  Appenzell Ausserrhoden 1   53 313 53 313 37 678 37 678 1   53 438 53 438
    Kanton Appenzell Innerrhoden  Appenzell Innerrhoden 1   15 789 15 789 11 358 11 358 1   15 717 15 717
    Kanton St. Gallen  St. Gallen 12   483 101 40 258 311 495 25 958 12   487 060 40 588
    Kanton Graubünden  Graubünden 5   193 388 38 678 135 141 27 028 5   193 920 38 784
    Kanton Aargau  Aargau 15   624 681 41 645 399 092 26 606 16   627 340 39 209
    Kanton Thurgau  Thurgau 6   254 528 42 421 160 453 26 742 6   256 213 42 702
    Kanton Tessin  Tessin 8   336 943 42 118 212 103 26 513 8   341 652 42 707
    Kanton Waadt  Waadt 18   725 944 40 330 410 956 22 831 18   734 356 40 798
    Kanton Wallis  Wallis 7   317 022 45 289 205 917 25 739 8   321 732 40 217
    Kanton Neuenburg  Neuenburg 5   173 183 34 637 109 926 21 985 4   174 554 43 638
    Kanton Genf  Genf 11   472 530 42 957 240 126 21 830 11   463 101 42 100
    Kanton Jura  Jura 2   70 542 35 271 50 629 25 315 2   70 942 35 471

    KompetenzenBearbeiten

    Die beiden Kammern Nationalrat und Ständerat sind staatsrechtlich gesehen völlig gleichberechtigt – ein Beschluss ist nur gültig, wenn er von beiden Kammern in derselben Fassung verabschiedet wird. Alle Geschäfte werden nacheinander von beiden Räten behandelt. Die Ratsvorsitzenden legen gemeinsam fest, welcher Rat ein Geschäft zuerst behandelt («Erstrat»).

    Können sich National- und Ständerat nach der ersten Behandlung nicht auf einen gemeinsamen Text einigen, so findet ein Differenzbereinigungsverfahren statt, wobei das Geschäft zwischen beiden Räten hin- und herpendelt. Nach drei erfolglosen Durchgängen muss die Einigungskonferenz auf den Plan treten. Weitere Erläuterungen zu diesem Prozedere: Gesetzgebungsverfahren (Schweiz).

    Jeweils für ein Jahr wählt der Nationalrat den Nationalratspräsidenten, der die Sitzungen des Nationalrats und der Vereinigten Bundesversammlung leitet. Weil die Bundesversammlung «die oberste Gewalt im Bund» (Art. 148 Abs. 1 BV) ausübt, gilt er als "höchster Schweizer". Bei Anlässen im Rahmen der internationalen Beziehungen (z. B. Staatsbesuchen) nimmt aber der Bundespräsident den protokollarisch ersten Rang ein, weil gemäss Bundesverfassung der Bundesrat die Schweiz nach aussen vertritt (Art. 184 Abs. 1 BV): Protokollarische Rangordnung in der Schweiz.

    KommissionenBearbeiten

    Einkommen und EntschädigungenBearbeiten

    MitgliederBearbeiten

    SitzungsprotokolleBearbeiten

     
    Arbeitsplätze zur Protokollierung der Reden in National- und Ständerat; wegen der Bundeshausrenovation wurden die Arbeitsplätze vom Parlamentsgebäude ins Bundeshaus Ost verlegt.
     
    Deckblatt einer gedruckten Ausgabe des Bulletins

    Die Wortprotokolle des Nationalrates werden im Amtlichen Bulletin der Bundesversammlung veröffentlicht. Ab 1891 wurden Plenardebatten über referendumsfähige Erlasse als «Amtliches stenographisches Bülletin» auf Papier niedergeschrieben und veröffentlicht. Ab 1960 wurden die Ratsverhandlungen auf Tonbänder aufgenommen, und Stenographen wurden durch Redaktoren ersetzt. 1963 wurden die Wortprotokolle in «Amtliches Bulletin» umbenannt. Ab den 1990er-Jahren wurden vermehrt elektronische Hilfsmittel eingesetzt. Seit 1995 werden die Protokolle im Internet und seit 1997 auf CD-ROM publiziert.

    Das Jahresabonnement der gedruckten Version des Amtlichen Bulletins mit den vier Ratssessionen wird vom Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung für 95 Schweizer Franken verkauft.

    ArbeitssprachenBearbeiten

    Die Debatten im Nationalrat werden in deutsch, französisch und italienisch simultanübersetzt. Die Nationalräte können sich an ihren Plätzen bei Bedarf das Gesagte über Kopfhörer in der Übersetzung anhören. Die Dolmetscher im Nationalrat gehören zum sogenannten Sprachdienst der Parlamentsdienste der Bundesversammlung. Im Ständerat gibt es dagegen keine Übersetzung.[18][19][20][21]

    NationalratssaalBearbeiten

    Der Nationalratssaal dient neben der Versammlung des Nationalrats auch der Versammlung der Vereinigten Bundesversammlung. Die Ständeräte nehmen dabei ihre Plätze ein, die sich unter ihren Kantonswappen an der Rückwand des Saales befinden. Ausserhalb der Sessionen des Parlaments finden im Nationalratssaal seit 1991 auch die jährlichen Versammlungen der Eidgenössischen Jugendsession statt. Die Verwaltungsdelegation ist verantwortlich für die Nutzung des Parlamentsgebäudes, das für Veranstaltungen «von nationaler oder internationaler Bedeutung» zur Verfügung gestellt werden kann. Organisationen mit Parlamentscharakter kann erlaubt werden, eine ausserordentliche Tagung in einem Ratssaal des Bundeshauses durchzuführen. Nichtpolitischen Organisationen darf keine «prestigeträchtige» Plattform gegeben werden.[22] 2019 fand im Saal ein Podiumsgespräch von Gesellschaftsfragen im Rahmen des Frauentages statt.[23]

    SitzordnungBearbeiten

    Nachdem die Parlamentarier des Nationalrats zunächst nach Sprachen gruppiert gesessen hatten, hatte in den 1960er-Jahren Leo Schürmann eine neue Sitzordnung vorgeschlagen; er wünschte zur besseren Zusammenarbeit in den Fraktionen eine andere Sitzordnung, die erst 1974 neu «nach Fraktionszugehörigkeit und Sprache» sowie «wenn möglich, nach den persönlichen Wünschen» reglementiert wurde. Erst 1995 wurde die Sitzordnung nur noch unter Berücksichtigung der Fraktion erstellt.[24]

    TriviaBearbeiten

    Während der Jubiläumssession im Jahr 1991 wurde das Theaterstück Herkules und der Stall des Augias von Friedrich Dürrenmatt im Nationalratssaal aufgeführt.[25]

    WeblinksBearbeiten

    Commons: Nationalrat (Schweiz) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

    EinzelnachweiseBearbeiten

    1. Der erste Schweizerische Nationalrat 1849/50
    2. Der erste Schweizerische Nationalrat 1849, 1850/51
    3. Bundesamt für Statistik: Nationalrat Entwicklung Parteistärken. Abgerufen am 21. Oktober 2019.
    4. Bundesgesetz über die politischen Rechte (SR 161.1), Art. 161 «Verteilung der Sitze auf die Kantone», in Kraft seit dem 1. Januar 2008.
    5. Art. 148 BV
    6. Art. 151 BV
    7. Parlamentsdienste: Faktenbericht Sessionen. Abgerufen am 24. September 2020.
    8. Art. 2 ParlG
    9. Schweizer Parlamentswahlen 2011
    10. Schweizer Parlamentswahlen 2015
    11. Bundesamt für Statistik: Parteistärken
    12. verschiedene Ausgaben des Bundesblattes
    13. Erich Gruner: Die Wahlen in den Schweizerischen Nationalrat 1848–1919. Band 3. Francke Verlag, Bern 1978, ISBN 3-7720-1445-3.
    14. Medienmitteilung der Bundeskanzlei zur "Änderungen bei der Sitzverteilung auf die Kantone für die Nationalratswahlen 2019"
    15. Lukas Leuzinger: Bevölkerungsentwicklung: Wie sich die Gewichte im Nationalrat mittelfristig verschieben dürften In: Neue Zürcher Zeitung vom 30. August 2017
    16. Nationalratswahlen 2011: Wahlberechtigte, Wählende, Wahlbeteiligung (bfs.admin.ch) (Memento vom 16. November 2012 im Internet Archive)
    17. Bundesamt für Statistik: Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton und Bevölkerungstyp. Abgerufen am 19. Oktober 2015.
    18. Aufgaben der Parlamentsdienste – Sprachdienst (Memento vom 23. September 2010 im Internet Archive), parlament.ch, abgerufen: 24. September 2010
    19. Schweiz-Facts – Eine kleine Staats- und Landeskunde (Memento vom 21. September 2010 im Internet Archive), bundeshaus-radio.ch, abgerufen: 24. September 2010
    20. Sprachen in der Schweiz, swissinfo.ch, 12. April 2010
    21. Über den Köpfen der Parlamentarier, swissinfo.ch, 26. September 2003
    22. Zulassung von Sitzungen nicht eidgenössisch-parlamentarischer Organisationen im Bundeshaus, Büro des Nationalrats 21. Februar 2001
    23. EINLADUNG ZUM ÖFFENTLICHENPODIUMSGESPRÄCH IM NATIONALRATSSAAL : «BERUFE: FRAUEN KÖNNEN ALLES» Die Bundesversammlung
    24. Der Bund, das Parlament und die Stühle, Schweizerisches Bundesarchiv, abgerufen am 26. März 2020
    25. RÜCKBLICK AUF DIE 43. LEGISLATURPERIODE DER EIDGENÖSSISCHEN RÄTE, Dokumentationszentrale der Bundesversammlung