Aare

Fluss in der Schweiz
Aare
Verlauf der Aare mit ihrem Einzugsgebiet.

Verlauf der Aare mit ihrem Einzugsgebiet.

Daten
Gewässerkennzahl CH: 37, DE: 22
Lage Berner Alpen
Urner Alpen[1]
Voralpen
Mittelland
Jura[2]

Schweiz

Flusssystem Rhein
Abfluss über Rhein → Nordsee
Ursprung am Unteraargletscher im Grimselgebiet
46° 33′ 58″ N, 8° 14′ 33″ O
Quellhöhe 1977 m ü. M. (Unteraargletscher)
Mündung bei Koblenz in den RheinKoordinaten: 47° 36′ 21″ N, 8° 13′ 25″ O; CH1903: 659023 / 273089
47° 36′ 21″ N, 8° 13′ 25″ O
Mündungshöhe 312 m ü. M.[3]
Höhenunterschied 1665 m
Sohlgefälle 5,7 ‰
Länge 291,5 km[4]
Einzugsgebiet 17.709 km²[5]
Abfluss am Pegel Bern, Schönau[6]
AEo: 2941 km²
NNQ (1944)
MNQ 1935–2016
MQ 1935–2016
Mq 1935–2016
MHQ 1935–2016
HHQ (1999)
28,9 m³/s
90,4 m³/s
122 m³/s
41,5 l/(s km²)
157 m³/s
613 m³/s
Abfluss am Pegel Brugg[7]
AEo: 11.681 km²
Lage: 18,9 km oberhalb der Mündung
NNQ (1969)
MNQ 1935–2016
MQ 1935–2016
Mq 1935–2016
MHQ 1935–2016
HHQ (2007)
93,4 m³/s
190 m³/s
314 m³/s
26,9 l/(s km²)
407 m³/s
1387 m³/s
Abfluss am Pegel Untersiggenthal, Stilli[8]
AEo: 17.553 km²
Lage: 12,5 km oberhalb der Mündung
NNQ (1963)
MNQ 1935–2016
MQ 1935–2016
Mq 1935–2016
MHQ 1935–2016
HHQ (2007)
138 m³/s
351 m³/s
558 m³/s
31,8 l/(s km²)
735 m³/s
2656 m³/s
Linke Nebenflüsse Lütschine (Brienzersee), Kander (Thunersee), Gürbe, Saane, Zihl (Bielersee), Suze (Bielersee), Dünnern
Rechte Nebenflüsse Gadmerwasser, Zulg, Emme, Murg, Wigger, Suhre, Aabach, Reuss, Limmat, Surb
Durchflossene Seen Brienzersee, Thunersee, Bielersee
Durchflossene Stauseen Oberaarsee, Grimselsee, Räterichsbodensee, Wohlensee, Niederried Stausee, Klingnauer Stausee
Großstädte Bern
Mittelstädte Thun, Biel/Bienne, Aarau
Kleinstädte Interlaken, Münsingen, Solothurn, Olten, Brugg
Schiffbar Nidau – Solothurn
Die Aare in Bern mit Berner Münster und Nydeggbrücke

Die Aare in Bern mit Berner Münster und Nydeggbrücke

Die Aare (frz. Aar/Arole; lat. Arula/Arola/Araris[9]) ist der längste gänzlich innerhalb der Schweiz verlaufende Fluss. Ihre Gesamtlänge beträgt 288 km, das Gefälle 1665 m, ihr Einzugsgebiet 17'709 km² und der mittlere Abfluss 560 m³/s. Die Aare ist der wasserreichste Nebenfluss des Rheins, noch vor der Maas, und sie führt mehr Wasser als Mosel und Main zusammen.

Die Aare entspringt in den beiden Aargletschern in den östlichen Berner Alpen am Finsteraarhorn, westlich des Grimselpasses im zentralen Süden der Schweiz. Ihr Lauf führt durch die Kantone Bern, Solothurn und Aargau. Zuerst passiert sie die in einen hohen Felsriegel eingeschnittene Aareschlucht und erreicht danach die Ebene zwischen Meiringen und dem glazialen Brienzersee. Kurz vor dem Eintritt in den Thunersee bei Interlaken ist sie kanalisiert und verlässt diesen nordwestlich in das breite Aaretal. Auf dem Gebiet von Bern umfliesst sie den mittelalterlichen Stadtkern und erreicht in westlicher Richtung den Wohlensee. Bei Aarberg wird sie über den Hagneckkanal in den Bielersee geleitet und folgt nach dem Austritt nordostwärts dem Verlauf des Juragebirges. Unterhalb von Brugg nimmt sie die Reuss und die Limmat auf, bevor sie bei Koblenz (CH) in den Rhein mündet.

Die Aare war im Laufe der geologischen Entwicklung nacheinander der Oberlauf der Donau, der Rhone und des Rheins.

GeographieBearbeiten

VerlaufBearbeiten

 
Renaturierte Alte Aare

Die Aare entströmt den beiden Aargletschern (Oberaar‑ und Unteraargletscher) im Grimselgebiet einige Kilometer südlich von Guttannen im Haslital und fliesst in nördlicher Richtung durch das lange, teilweise steile Tal bis nach Innertkirchen. Dann passiert sie die in einen hohen Felsriegel eingeschnittene Aareschlucht und erreicht danach die Ebene zwischen Meiringen und dem Brienzersee.

Bei Brienz mündet die Aare in den Brienzersee. An dessen Westende durchquert sie dann das sogenannte Bödeli, die weite Schwemmebene der Lütschine bei Interlaken, bevor sie an der Ortschaft Unterseen vorbei zum Thunersee fliesst. In den See fliesst seit der Flusskorrektion im 18. Jahrhundert die Kander, seither wirken sich auch deren Abflussschwankungen nicht mehr unmittelbar auf den Mittellauf der Aare aus.

Den Thunersee verlässt die Aare bei der Stadt Thun und fliesst durch das breite Aaretal zwischen Münsingen und dem Belpberg nach Bern. Bei Unteraar kommt die Giesse (auch „Giessen“) als kleiner Bach aus den Hügeln links der Aare und fließt dann etwa zehn Kilometer lang parallel neben ihr, da das Bett der Aare durch Sedimente aus dem Hochgebirge etwas höher liegt. Die Giesse nimmt das Wasser der Aare-Aue auf und mündet im Norden des Belpmooses in die vom Alpenrand kommende Gürbe, die ausreichend Gefälle hat, um in die Aare zu münden.

Auf dem Gebiet der Stadt Bern verläuft die Aare in einem tief eingeschnittenen Tal um die im Mittelalter auf einem Geländesporn errichtete Altstadt. Mit einer seit Jahrhunderten bestehenden Staustufe, der Schwelle, wird ein kurzer Gewerbekanal, der Tych, abgeleitet. Wenig flussabwärts umfliesst die Aare in einer weiteren Talschlaufe die Engehalbinsel, bevor sie in westlicher Richtung den Wohlensee erreicht. Dieser See entstand als Stausee mit dem Bau der Staumauer des Wasserkraftwerks Mühleberg.

Nach der Einmündung der Saane bei Oltigen südlich von Aarberg fliesst die Aare durch den während der ersten Juragewässerkorrektion gebauten Hagneck-Kanal und bei Hagneck in den Bielersee. Bei Nidau verlässt sie den Bielersee und fliesst durch den Nidau-Büren-Kanal. Kurz vor Büren erreicht sie wieder ihr altes Flussbett. Die Strecke des ursprünglichen Flusslaufs zwischen Aarberg und Büren an der Aare, die sogenannte Alte Aare, bildet ein weites naturbelassenes Gebiet, das nördlich des Kanals um den weiten, bei der Flusskorrektion abgeschnittenen Altlauf im so genannten Häftli ergänzt wird.

 
Zusammenfluss von Aare (von rechts) und Hochrhein (von rechts hinten nach links hinten) zwischen Waldshut (hinten links) und Bahnhof Koblenz (rechts)

Von Büren an der Aare an fliesst die Aare in einer weiten Ebene, die durch Verlandung des so genannten Solothurner Sees am Ende der letzten Kaltzeit entstand, dem Jurasüdfuss entlang in nordöstlicher Richtung durch Solothurn nach Luterbach, wo die Emme mündet. Sie fliesst an Wangen an der Aare, Bannwil, Aarwangen, Wolfwil, Murgenthal, Aarburg, Olten und Aarau vorbei und in einer klammartigen Klus durch Brugg. Dann nimmt sie kurz nacheinander Reuss und Limmat auf. Diese Gegend wird Wasserschloss der Schweiz genannt, da sich dort drei der wasserreichsten Flüsse der Schweiz vereinigen. Die Landschaft rechts der Aare zwischen Thun und Aarwangen gehörte seit dem Mittelalter zur Landgrafschaft Burgund. 60 Gemeinden in den Agglomerationen Aarau, Olten und Zofingen bildeten um 2005 eine regionale Partnerschaft unter der Bezeichnung Aareland rund um die Netzstadt Aarau/Olten/Zofingen.

Von Brugg an fliesst die Aare bei Stilli durch eine breite Klus im Jura nach Norden. Zwischen dem Ortsteil Felsenau der Gemeinde Leuggern und Koblenz (CH) gegenüber von Waldshut (DE) mündet sie bei Rhein-km 102,200 in den Rhein.

Die Aare ist mit 560 m³/s der wasserreichere Fluss (Rhein: 439 m³/s); aus hydrologischer Sicht ist also der Rhein ein Nebenfluss der Aare, nicht umgekehrt. Für die Strecke von Biel nach Koblenz benötigt die Aare eine Fliesszeit von rund zwei Tagen bei mittlerem Wasserstand.[10]

Die Wassertemperatur in Bern zeigt einen typischen Tagesgang. Sie steigt im Laufe des Tages um ein Grad. Darin spiegelt sich die Erwärmung auf der Strecke vom Thunersee bis nach Bern wider. Selten werden Temperatursprünge von mehr als 5 °C während weniger Stunden beobachtet. Vermutlich hängen sie von den Windverhältnissen am Thunersee ab, wodurch Tiefenwasser aus dem See zum Ausfluss transportiert wird.

Quelle
Mündung
Quelle- und Mündungsort der Aare

FlusssystemBearbeiten

Die Aare und ihre Zuflüsse haben verglichen mit dem übrigen Flusssystem des Rheins zwei Besonderheiten:

  • Sie durchfliessen zahlreiche natürliche Seen.
  • Mehrere der Gewässer entspringen nicht aus einer Quelle, sondern beginnen mit einem Ursprungsgletscher.

FlusshistorieBearbeiten

Die Aare zeichnet in ihrem gestreckt nordöstlich gerichteten unteren Laufabschnitt die seit rund 30 Millionen Jahren nachweisbare Entwässerungslinie der Vorlandsenke im Norden der sich heraushebenden Alpen nach. Nach der wechselvollen Auffüllung und schliesslichen Anhebung des einstigen schmalen Helvetmeeres entwässerte das Gebiet wechselnd west- oder ostwärts, bis sich im Pliozän vor 3 bis 4 Millionen Jahren das obere Flusssystem der Urdonau herausbildete. Eine Zeitlang war sein Hauptquellfluss sogar die obere Rhone. Im jüngeren Pliozän brach diese Aare-Donau zur Burgundischen Pforte hin aus und bildete als Aare-Sundgaustrom den Hauptstrang der Ur-Rhone. Am Ende des Pliozäns war die Talwasserscheide quer zum heutigen Oberrheingraben nahe dem einstigen Kaiserstuhl-Vulkan so weit abgesunken, dass der Strom erneut ausbrach und zum Hauptstrang des sich rasch ausweitenden Rhein-Systems wurde. Erst vor rund 800.000 Jahren wurde der Alpenrhein, damals Hauptstrang der verbliebenen Donau, nach Westen zum heutigen Hochrheintal hin abgelenkt, wohl unter Mitwirkung der ersten grossen pleistozänen Vergletscherungen des Alpenvorlandes, aber auch tektonischer Veränderungen: Heute liegt das Mittelwasser der Donau in Neu-Ulm 466,68 m ü. NHN[11], das des Bodensees bei 395,3 m ü. NHN[12].

Damit war die Aare im Laufe ihrer Geschichte der oberste hydrologische Hauptstrang aller drei nordalpinen Stromsysteme.

GliederungBearbeiten

Der Verlauf der Aare besteht im Wesentlichen aus drei Teilen:

  • Zunächst ist sie ein Alpenfluss, der in zwei Fjordseen ausläuft. Der ursprünglich zusammenhängende See wurde durch Sedimente des seitlichen Zuflusses Lütschine geteilt. Der Einzugsbereich dieses alpinen Abschnitts der Aare entspricht grossenteils dem Berner Oberland.
  • Dann fliesst sie nordwestwärts vom Alpenrand zum Fuss des Juragebirges.
  • Dort folgt sie wie schon ihr von Westen einmündender Nebenfluss, die überwiegend aus dem Neuenburgersee bestehende Zihl, dem Jurasüdfuss. Östlich von Brugg wendet sie sich nach Norden und fliesst durch eine weite Juraklus dem Rhein zu.
 
Einzugsgebiet der Aare

Den Weg aus den Alpen ins Schweizer Mittelland nehmen in ähnlicher Weise ihr linker Zufluss Saane und dann die beiden grossen rechten Zuflüsse Reuss (Fluss) und Limmat, die nahe beieinander am Jurafuss die Aare erreichen, 15 bzw. 14 km vor deren Mündung in den Rhein. Das Einzugsgebiet der Aare oberhalb der Reussmündung ist mit 11.709 km² etwa so groß wie das des Bodensees (11.487 km², Ausfluss 78,4 km oberhalb der Aaremündung). Unterhalb der Mündung der Limmat ist der mittlere Abfluss der Aare größer als derjenige des Rheins vor der Aaremündung.

Von den im Mittelland entstehenden Aare-Nebenflüssen sammeln sich die südwestlichen in der Zihl. Die übrigen fliessen annähernd parallel zueinander und münden zwischen dem Bielersee und der Reuss in die Aare.

Die bedeutenden Zuflüsse aus dem Jura sind von den Besonderheiten dieses Kalkgebirges geprägt: Die Orbe fliesst zwischen ihrem Oberlauf in einem beidseits vom Einzugsgebiet der Rhone begrenzten Tal und dem Unterlauf durch eine Doline. Die Areuse erhält durch zwei seitliche Karstquellen Wasser aus Hochtälern ohne oberirdischen Abfluss. Die Schüss entspringt in einem Karstgebiet, das nördlich des Passübergangs der Vue des Alpes liegt, und durchquert auf ihrem Lauf verschiedene Juraklusen. Die Dünnern schneidet etwa in der Mitte ihres Laufs eine Klus in das Juragestein und erreicht bei Oensingen das Mittelland.

FlusssystemtafelBearbeiten

Hauptartikel: Flusssystemtafel zur Aare

ZuflüsseBearbeiten

DiagrammeBearbeiten

Nebenflüsse mit einem mittleren Abfluss grösser 40 m³/s

 


Nebenflüsse mit einem Einzugsgebiet grösser 500 km²

 

Nebenflüsse mit einer Länge grösser 40 km

 

Direkte ZuflüsseBearbeiten

Im Folgenden werden die Zuflüsse der Aare mit einem Einzugsgebiet grösser 50 km² in der Reihenfolge von der Quelle zur Mündung genannt. Angegeben ist der Name, die Gewässerkennzahl[Z 1] (GKZ), die orographische Lage der Mündung, die Länge in km, die Grösse des Einzugsgebietes in km², der mittlere Abfluss (MQ) in m³/s, die Höhenlage der Mündung und der Mündungsort. Die Kenngrössen erfolgen nach dem GIS des Bundesamts für Landestopografie (Swisstopo).

Zuflüsse der Aare > 50 km²
Name GKZ Lage Länge
in km
EZG
in km²
MQ
in m³/s
Mündungs­ort Mündungs­höhe
in m
Bemerkungen


Urbachwasser 58 links0 018,7000 0068,4200 0004,9900 bei Innertkirchen 63000000
Gadmerwasser über Steiwasser[Z 2] 569 rechts 021,6000 0168,8500 0011,5700 bei Innertkirchen 62000000 Das Gadmerwasser[Z 3] ist 17,6 km lang
Rychenbach 1874 links0 012,0000 0052,5900 0002,8300 bei Meiringen 59700000
Lütschine[Z 4]
(mit Schwarzer Lütschine)
500 links0 029,3000 0386,3800 0019,7200 bei Interlaken 56400000 mündet in den Brienzersee
Kander 430 links0 060,7000 1094,1900 0042,6000 bei Thun 55800000 mündet in den Thunersee
Zulg 548 rechts 023,3000 0088,1500 0002,4000 nordwestlich von Thun 55000000
Glütschbach 8890 links0 026,0000 0054,9900 0001,5400 bei Uttigen 54400000
Chise 548 rechts 021,0000 0071,1800 0002,1000 westlich der Kiesen 53500000
Gürbe 471 links0 029,6000 0143,0000 0003,0800 kurz vor Wabern bei Bern 50500000
Worble 544 rechts 014,9000 0069,8000 0001,7000 bei Worblaufen 48900000
Saane 227 links0 125,9000 1892,8600 0053,3000 westlich von Bern 46100000
Zihl[Z 5] 207 links0 119,6000 2728,0000 0053,5000 bei Neuveville 43100000 mündet als Zihlkanal in den Bielersee
Schüss 274 links0 043,4000 0216,2700 0006,1500 in Brügg 42900000 mündet in den Bielersee
Emme 468 rechts 082,0000 0975,8900 0019,1000 bei Luterbach 42600000
Ösch 1354 rechts 028,0000 0084,5000 0002,1000 nordöstlich von Burgdorf 41700000
Önz 524 rechts 024,8000 0087,3600 0001,6400 bei Graben 41700000
Murg[Z 6]
(mit Langete)
497 rechts 034,0000 0184,8200 0003,4700 bei Murgenthal 40000000
Wigger 507 rechts 041,0000 0380,2900 0007,3500 zwischen Rothrist und Aarburg 39200000
Dünnern 436 links0 036,0000 0234,0000 0004,2800 bei Olten 38900000
Suhre 495 rechts 034,0000 0368,2900 0006,4500 östlich von Aarau 36000000
Aabach[Z 7]
(mit Ron)
680 rechts 039,0000 0302,7000 0005,2100 in Wildegg 34800000
Reuss 38 rechts 164,0000 3425,9700 0140,0000 bei Windisch 32900000
Limmat[Z 8]
(mit Linth)
294 rechts 141,2000 2412,3800 0101,0000 bei Gebenstorf 32800000 Die Limmat allein ist 36 km lang
Surb 696 rechts 020,0000 0066,8000 0000,8700 in Döttingen 32000000
Aare[Z 9] 37 291,5000 17.709,0000 0558,0000 bei Koblenz AG 31200000 mündet in den Rhein

Anmerkungen zur Tabelle

  1. In der Schweiz die GEWISS-Nummer
  2. Die Längeangabe bezieht sich auf den Strang Gadamerwasser-Steiwasser
  3. Namensstrang
  4. Gesamtlänge mit der Schwarzen Lütschine, die Lütschine selbst ist 8,6 km lang
  5. Länge: Orbe 63,5 km + Zihl 9,0 km + Neuenburgersee 38,3 km + Zihlkanal 8,8 km = 119,6 km
  6. Gesamtlänge mit der Langete, die Murg selbst ist 2,4 km lang
  7. Gesamtlänge mit der Ron
  8. Gesamtlänge mit Linth und Zürichsee, die Limmat selbst ist 36 km lang
  9. Die Daten der Aare zum Vergleich

HochwasserBearbeiten

 
Hochwasser Juni 2005, hier in Olten mit älteren Hochwassermarken

HochwasserwahrscheinlichkeitBearbeiten

Das mittlere Jahreshochwasser der Aare beträgt an der Messstelle Untersiggenthal bei Stilli 1574 m³/s, womit sie 23,59 % des gesamten MHQ des Rheins (6670 m³/s) beisteuert.

Die höchste bisher gemessene Jahresspitze wurde beim Jahrhunderthochwasser 2007 erreicht und betrug 2656 m³/s[13].

Die Tabelle der Hochwasser-Wahrscheinlichkeit:

Eintrittswahrscheinlichkeit von Jahreshochwasserwerten (HQn)
Messperiode 1935–2012 [14]
Messstelle: Aare – Untersiggenthal, Stilli – 2205
Jährlichkeit (Jahre) 2 5 20 30 50 100
Abfluss (m³/s) 1530 1839 2027 2291 2406 2554
Anmerkung zu HQn: die Zahl entspricht dem Hochwasserdurchfluss (HQ = Hochwasserquantität) in m³/s, der sich – im Mittel – mit der angegebenen Jährlichkeit (n = Anzahl der Jahre) wiederholt.

Historische Hochwasser der AareBearbeiten

Das schwerste überlieferte Hochwasser im Flussgebiet der Aare im ereignete sich 1480 im Rahmen des Magdalenenhochwassers von 1480, das auch andere Teile des Rheingebiets betraf, aber nicht so ausgedehnte Regionen wie das Magdalenenhochwasser von 1342. Nach regenreichem Mai und Juni hatte eine Hitzewelle die Schneeschmelze in den Alpen beschleunigt. Dann fielen tagelang schwere Niederschlägen in den Voralpen. Die Schäden in den Städten entlang der Aare sind in den spätmittelalterlichen Chroniken gut dokumentiert. In Solothurn wurde ein Teil der Stadt und die Aarebrücke überflutet.[15]

Weitere ausserordentliche Hochwasser führte die Aare in den Jahren 1651, 1852, 1876 und 1999.

Nutzungs- und KulturgeschichteBearbeiten

Frühe NutzungBearbeiten

Im Mittelalter war die Aare ein wichtiger Grenzfluss: Sie trennte z. B. die Stammesherzogtümer Burgund und Alemannien, war Grenzabschnitt der karolingischen Reichsteilungen und trennte auch eine Weile Hochburgund vom römisch-deutschen Reich. Mit der Gründung der Stadt Bern am Ende vom 12. zum 13. Jahrhundert änderte sich der Charakter der Aare, denn spätestens ab Mitte des 13. Jahrhunderts gab es Brücken über den Fluss und entwickelten sich zusammenhängende Herrschaftsgebiete auf beiden Seiten der Aare.

Die kurzen Grenzabschnitte, die heute an verschiedenen Stellen vom Aarebett abweichen, sind auf die früheren natürlichen Mäander zurückzuführen, die seinerzeit noch die Grenzziehung vorgegeben hatten und heute trocken gefallen sind.

Lange Zeit war die Aare für die Holzflösserei wichtig. Holz aus dem Emmental wurde zum Rhein und bis zu dessen Mündung in die Nordsee transportiert. Zur Erinnerung an diese Tradition besteht zwischen Stilli und Laufenburg der kulturhistorische Flösserweg.

Die Aarestrecke von Nidau bis Solothurn ist ebenso wie der Bielersee schiffbar. Seit der Antike diente die Aare dem Schiffsverkehr, wie einer Steininschrift der römischen Schiffleute in Avenches zu entnehmen ist.[16] Der Fernverkehr auf dem Fluss kam erst seit dem Ende des 19. Jahrhunderts nach dem Bau der Eisenbahnlinien und der ersten Flusskraftwerke zum Erliegen.

Heutige NutzungBearbeiten

KraftwerkeBearbeiten

WasserkraftBearbeiten

Von den Hochdruckkraftwerken im Grimselgebiet mit den Stauseen Oberaarsee und Grimselsee im Quellgebiet an und bis zur Mündung dient das Wasser der Aare dank des grossen Gefälles in zahlreichen weiteren Wasserkraftwerken für die Elektrizitätsproduktion.

Liste der Wasserkraftwerke der Aare:

Name Lage erste Inbetrieb-
nahme
Durchfluss-
menge m³/s
Höhendif m Turbine Leistung MW Energie pro Jahr GWh/a
Theoretische Obergrenze 560 724[17] 4000 35'000
Kraftwerk Grimsel 1

(Kraftwerke Oberhasli)

Innertkirchen
Kraftwerk Grimsel 2

(Kraftwerke Oberhasli)

Innertkirchen
Kraftwerk Handeck 1

(Kraftwerke Oberhasli)

Innertkirchen
Kraftwerk Handeck 2

(Kraftwerke Oberhasli)

Innertkirchen
Kraftwerk Handeck 3

(Kraftwerke Oberhasli)

Innertkirchen
Kraftwerk Fuhren

(Kraftwerke Oberhasli)

Innertkirchen
Kraftwerk Hopflauenen

(Kraftwerke Oberhasli)

Innertkirchen
Kraftwerk Innertkirchen 1

(Kraftwerke Oberhasli)

Innertkirchen
Kraftwerk Innertkirchen 2

(Kraftwerke Oberhasli)

Innertkirchen
Kraftwerk am Schifffahrtskanal (IBI) Interlaken 1897 30 3,6 3 Kaplan
Thun Thun 9 38
Matte Bern 1891 40 2–3 Kaplan-S 1.15 7
Kraftwerk Felsenau
Wasserkraftwerk Mühleberg 588266 / 202028 1919 300 20 1× Kaplan, 6× Francis 45 160
Niederried-Radelfingen
Kraftwerk Aarberg
Kraftwerk Kallnach
Hagneck
Kraftwerk Brügg
Flumenthal Flumenthal 1970 395 6–8.5 25 146
Kraftwerk Bannwil
Kraftwerk Wynau
Ruppoldingen neues Werk bei Boningen, älteres Werk bei Olten 2000 (älteres Werk 1896) 475 4–6.5 21.1 115
Gösgen Niedergösgen 1917 380 13–17.4 48.5 300
Kraftwerk Aarau
Kraftwerk Aarau-Rüchlig Aarau
Kraftwerk Rupperswil-Auenstein
Wildegg-Brugg
Beznau
Kraftwerk Klingnau
KernkraftwerkeBearbeiten

Am Flusslauf befinden sich die Schweizer Kernkraftwerke Mühleberg, Gösgen und Beznau, deren Kühlsysteme Wasser aus der Aare verwenden.

VerkehrBearbeiten

KanalisationBearbeiten
 
Alte Aare und Führung der Aare durch den Bielersee seit 1878

Auf mehreren Abschnitten wurde der Flussverlauf durch grosse Baumassnahmen verändert. Seit dem 18. Jahrhundert versuchten die Kantone Bern und Solothurn, die durch Erosion gefährdeten Ufer an zahlreichen Stellen zu sichern und zogen dazu den Bündner Spezialisten Richard La Nicca bei. Mit der ersten Juragewässerkorrektion, einem der grössten Flussbauprojekte der Schweiz im 19. Jahrhundert, sanierten Bund und Kantone das versumpfte und von häufigen Überschwemmungen bedrohte Berner Seeland, indem die Aare und ihr Geschiebe in den Bielersee umgeleitet wurden. Seit 1939 steuert das Regulierwehr Port den Wasserhaushalt der Seen und der Aare im Abschnitt am Jurasüdfuss. In der Pegelstation bei Murgenthal wird der für die Regulierung massgebliche Wasserstand der Aare gemessen, weil sich dort auch die von der Emme zugeführte Wassermenge auswirkt.[18]

Die zweite Juragewässerkorrektion verbesserte um 1960 die Wirkung der Wasserstandregulierung.

Die 1964 gegründete Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Aare setzte sich gegen den Ausbau der Flussstrasse durch den geplanten Transhelvetischen Kanal ein.

SchifffahrtBearbeiten

Heute betreibt die 1966 aus einer Vorgängergesellschaft hervorgegangene Bielersee-Schifffahrts-Gesellschaft AG mit Sitz in Biel die Kurse auf dem Bielersee und der Aare.

BrückenBearbeiten

Über die Aare führen zahlreiche Brücken. In der Stadt Bern alleine 18 an der Zahl. (→ Liste der Aarebrücken)

Freizeit und ErholungBearbeiten

 
Wassertemperatur der Aare bei Bern im Juli/August 2013

Auf vielen Abschnitten hat die Aare einen hohen Wert für sportliche Aktivitäten. Fast der ganze Flusslauf unterhalb von Meiringen kann mit Booten befahren werden.[19][20] Das Flussufer ist wenig zerklüftet und vielerorts gut zugänglich, sodass man trotz der stellenweise recht hohen Strömung gefahrlos in der Aare baden kann. Strandbäder mit direktem Zugang in den Fluss bestehen bei Thun, Münsingen, Muri, Bern, Solothurn, Wangen, Brugg und Olten.

Die Flusslandschaft entlang der Aare ist ein wichtiges Naherholungsgebiet und verfügt über gut markierte Wander- und Velowege. Der Verein AareLand unterstützt verschiedene Projekte zur Koordination der Freizeitaktivitäten und zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung der Region.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

 Wiktionary: Aare – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Aare – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikisource: Aare – Artikel der 4. Auflage von Meyers Konversations-Lexikon

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Grenzfluss zwischen Berner- und Urner Alpen
  2. Geografische Namen der Landesvermessung (Bundesamt für Landestopografie swisstopo)
  3. Geoserver der Schweizer Bundesverwaltung (Hinweise)
  4. Hydrologischer Atlas der Schweiz: Objektinformation des untersten Gewässerlaufabschnitts der Aare
  5. Topographische Einzugsgebiete der Schweizer Gewässer: Gebietsauslässe. Abgerufen am 30. Mai 2019.
  6. Messstation Bern, Schönau 2016 (PDF), Bundesamt für Umwelt BAFU
  7. Messstation Brugg 2016 (PDF), Bundesamt für Umwelt BAFU
  8. Messstation Untersiggenthal, Stilli 2016 (PDF), Bundesamt für Umwelt BAFU
  9. Andres Kristol: Aarau AG (Aarau) in: Dictionnaire toponymique des communes suisses – Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen – Dizionario toponomastico dei comuni svizzeri (DTS|LSG). Centre de dialectologie, Université de Neuchâtel, Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5 und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3, p. 73.
  10. Broschüre der Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Aare
  11. Hochwassernachrichtendienst Bayern: Pegel Neu-Ulm
  12. WSV: Pegel Konstanz
  13. Hochwasserwahrscheinlichkeiten (Jahreshochwasser), Aare – Untersiggenthal, Stilli. (PDF) Bundesamt für Umwelt BAFU, Abteilung Hydrologie, abgerufen am 29. Januar 2014.
  14. Messstelle: Aare – Untersiggenthal, Stilli (2205) , auf BAFU Hydrodaten
  15. Christian Pfister und Oliver Wetter über das Hochwasser von 1480
  16. CIL XIII 5096
  17. Höhendifferenz bis Untersiggenthal (PDF; 79 kB)
  18. Dokumentation über die Regulierung (Memento des Originals vom 18. Mai 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bve.be.ch
  19. Eberle, Iwona. Gummibootführer Schweiz. Thun: Werd Verlag, 2015. ISBN 978-3-85932-742-9
  20. Ramajzl, Hans. DKV Auslandsführer 01: Österreich/Schweiz (Kanuführer für die Gewässer des Alpenraumes). Duisburg: DKV, 2009. ISBN 978-3-937743-19-6