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Leuggern
Wappen von Leuggern
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Zurzachw
BFS-Nr.: 4313i1f3f4
Postleitzahl: 5316
UN/LOCODE: CH LGE
Koordinaten: 658593 / 270118Koordinaten: 47° 34′ 45″ N, 8° 13′ 3″ O; CH1903: 658593 / 270118
Höhe: 331 m ü. M.
Fläche: 13,76 km²
Einwohner: 2157 (31. Dezember 2018)[1]
Einwohnerdichte: 157 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
20,2 % (31. Dezember 2018)[2]
Website: www.leuggern.ch
Pfarrkirche und ehemalige Johanniterkommende

Pfarrkirche und ehemalige Johanniterkommende

Karte
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Leuggern (schweizerdeutsch: Lüggere, ˈlykərə)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Schweizer Kanton Aargau. Sie gehört zum Bezirk Zurzach, liegt nahe der Mündung der Aare in den Rhein und teilweise an der Grenze zu Deutschland.

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Die Gemeinde liegt westlich der Aare und umfasst mehrere Dörfer und Weiler. Der nördliche Teil des rund sechs Kilometer langen und bis zu drei Kilometer breiten Gemeindegebiets liegt in der fruchtbaren Flussebene der Aare. Am südwestlichen Rand dieser Ebene, ungefähr in der Mitte der Gemeinde, befindet sich der Hauptort Leuggern (332 m ü. M.). Rund einen Kilometer nördlich davon, getrennt durch den bewaldeten Herdlenhügel, liegt am westlichen Ufer des Klingnauer Stausees die Ortschaft Gippingen (320 m ü. M.). Nochmals zwei Kilometer weiter nördlich liegt an der Aaremündung die ehemalige Arbeitersiedlung Felsenau (318 m ü. M.). Der westliche und südliche Teil der Gemeinde wird durch die Ausläufer des Tafeljuras geprägt. Südlich von Leuggern liegen auf einer erhöht liegenden Ebene die Weiler Fehrental (396 m ü. M.) und Schlatt (436 m ü. M.), im Südwesten die Weiler Hettenschwil (369 m ü. M.), Etzwil (415 m ü. M.) und Hagenfirst (478 m ü. M.).[4]

Die Fläche der Gemeinde beträgt 1376 Hektaren, davon sind 514 Hektaren bewaldet und 131 Hektaren überbaut.[5] Der höchste Punkt liegt auf 547 Metern südwestlich von Hagenfirst, der tiefste auf 312 Metern bei Felsenau am Ufer des Rheins. Nachbargemeinden sind Full-Reuenthal im Nordnordwesten, Waldshut-Tiengen im Norden, Koblenz im Nordosten, Klingnau im Osten, Böttstein im Südosten, Mandach im Süden, Mettauertal im Westen und Leibstadt im Nordwesten.

GeschichteBearbeiten

Früheste Siedlungsspuren stammen aus der Jungsteinzeit. Während der Bronzezeit existierten bei Leuggern und Gippingen zwei Dörfer. Um 500 v. Chr. nahmen die Helvetier, ein Keltenstamm, das Gebiet in Besitz. Ab etwa 15 v. Chr. festigten die Römer ihre Herrschaft und errichteten mehrere Gutshöfe, um das bei Windisch gelegene Legionslager Vindonissa mit Lebensmitteln zu versorgen. Zwischen 259 und 277 hielten die Alamannen das Gebiet um Leuggern besetzt, bevor sie von den Römern zurückgedrängt wurden. Der Rhein bildete die Nordgrenze des Römischen Reichs, bei Felsenau bestand ein Wachtturm. Zu Beginn des 5. Jahrhunderts zogen sich die Römer endgültig über die Alpen zurück. Die Alamannen besiedelten die Region und verdrängten assimilierten die romanisierten Kelten.

 
Die Johanniterkommende nach Matthäus Merian 1654

Gippingen entstand wahrscheinlich im 7. Jahrhundert, Leuggern im 8. Jahrhundert. Im Mittelalter entwickelte sich Leuggern zum Zentrum eines kleinen Herrschaftsgebiets. Die erste urkundliche Erwähnung der Kirche von Lutgern erfolgte 1231, als die Freien von Bernau ihren Grundbesitz dem Johanniterorden vermachten. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen Liutgeresrein und bedeutet «leichter Abhang des Liutger».[3] Die Johanniter teilten ihren neu erworbenen Besitz zunächst der Kommende Bubikon im Zürcher Oberland zu. 1250 erfolgte die Gründung der Kommende Leuggern. Sie entwickelte sich zum religiösen und politischen Zentrum des Kirchspiels Leuggern, das die heutigen Gemeinden Leuggern, Böttstein, Full-Reuenthal und Leibstadt umfasste. Im Jahr 1284 schenkten Graf Ludwig von Frohburg-Homberg und dessen Gemahlin, Gräfin Elisabeth von Rapperswil, der Kommende das Dorf Dogern.[6]

1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau und lösten die Habsburger als Landesherren ab. Das Kirchspiel war nun ein Teil der Grafschaft Baden, einer Gemeinen Herrschaft. Es grenzte an Vorderösterreich, das bei den Habsburgern verblieben war, ab 1460 auch an den Berner Aargau. Während des Schwabenkrieges von 1499 erlitten die Dörfer des Kirchspiels schwere Verwüstungen und Plünderungen. Von 1529 bis 1531 hielten Truppen der reformierten Stadt Bern das Kirchspiel besetzt, die Bevölkerung blieb jedoch katholisch.

 
Luftansicht (1949)

Im März 1798 nahmen die Franzosen die Schweiz ein und das Kirchspiel gelangte zum kurzlebigen Kanton Baden der Helvetischen Republik. Es entstanden die Munizipalitäten Böttstein und Leuggern. Während des Zweiten Koalitionskrieges im Jahr 1799 verlief die Frontlinie zwischen Franzosen und Österreichern mitten durch das Aaretal. Am Zusammenfluss von Aare und Rhein hatten die Franzosen ein Lager errichtet. Durch Requirierungen und Zwangseinquartierungen litt die Bevölkerung grosse Not.

Nachdem 1803 durch die Mediationsakte von Napoleon Bonaparte der Kanton Baden aufgelöst und im Kanton Aargau aufgegangen war, wurden die Dörfer des Kirchspiels in einer einzigen Gemeinde wiedervereinigt. Mit einer Fläche von über 30 Quadratkilometern war sie die grösste des Kantons. 1816 beschloss der Grosse Rat die Teilung der Grossgemeinde in die Gemeinden Böttstein, Leuggern und Oberleibstadt. Er war der Meinung, eine derart grosse Gemeinde ohne eigentliches Zentrum sei wirtschaftlich nicht überlebensfähig. Die Kantonsregierung wandelte die Kommende zunächst in eine Staatsdomäne um und löste sie schliesslich 1819 auf. Nach mehreren Besitzerwechseln wurden die Gebäude der Kommende in ein Spital umfunktioniert.

Die Bevölkerung Leuggerns lebte bis ins frühe 20. Jahrhundert weitgehend von der Landwirtschaft, die Industrialisierung hielt nur langsam Einzug. Im Zuge des Eisenbahnbooms in den 1870er Jahren gab es zahlreiche nie verwirklichte Bahnprojekte. Die Aargauische Südbahn scheiterte mit ihrem Vorhaben, eine Bahnlinie von Brugg über Leuggern nach Waldshut zu bauen. Am 1. August 1892 erfolge die Eröffnung der Bahnstrecke Koblenz–Stein-Säckingen. Sie berührte die Gemeinde jedoch nur am nördlichen Rand bei Felsenau und wurde am 28. Mai 1994 auf dem Abschnitt Laufenburg–Koblenz für den Personenverkehr geschlossen.

Bis Ende des 19. Jahrhunderts mäandrierte die Aare bei Gippingen sehr stark. Um die Jahrhundertwende wurde der Flusslauf begradigt. Zwischen 1931 und 1935 entstand durch den Bau des Kraftwerks Klingnau der Klingnauer Stausee, der heute ein wichtiger Rastplatz für Zugvögel ist und unter Naturschutz steht. Das Naturparadies war ab 1950 durch Pläne für einen Flusshafen bedroht. Dieser war Teil eines Projekts für eine Schifffahrtsverbindung vom Rhein zum Genfersee (siehe Transhelvetischer Kanal). Es formierte sich heftiger Widerstand, der Ende der 1980er Jahre zum endgültigen Scheitern des überdimensionierten und wirtschaftlich fragwürdigen Projekts führte.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

WappenBearbeiten

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Rot weisses Malteserkreuz auf weissem Ring.» Das Malteserkreuz wurde 1926 in Erinnerung an den Johanniter- bzw. Malteserorden als Gemeindewappen eingeführt. Der unterlegte Ring kam 1973 hinzu, nachdem sich der Malteserorden wegen der unveränderten Übernahme des Ordenswappens beschwert hatte.[9]

BevölkerungBearbeiten

Die Einwohnerzahlen entwickelten sich wie folgt:[10]

Jahr 1798 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 698 1193 1013 1211 1374 1421 1589 1665 2001 2192 2123

Am 31. Dezember 2018 lebten 2157 Menschen in Leuggern, der Ausländeranteil betrug 20,2 %. Bei der Volkszählung 2015 bezeichneten sich 53,7 % als römisch-katholisch und 16,3 % als reformiert; 30,0 % waren konfessionslos oder gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[11] 93,6 % gaben bei der Volkszählung 2000 Deutsch als ihre Hauptsprache an, 1,8 % Italienisch, 1,6 % Serbokroatisch und 0,8 % Französisch.[12]

Politik und RechtBearbeiten

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Er wird im Majorzverfahren vom Volk gewählt, seine Amtsdauer beträgt vier Jahre. Der Gemeinderat führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm vom Kanton zugeteilt wurden. Für Rechtsstreitigkeiten ist in erster Instanz das Bezirksgericht Zurzach zuständig. Leuggern gehört zum Friedensrichterkreis XVII (Zurzach).[13]

WirtschaftBearbeiten

In Leuggern gibt es gemäss der im Jahr 2015 erhobenen Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT) rund 1100 Arbeitsplätze, davon 11 % in der Landwirtschaft, 23 % in der Industrie und 66 % im Dienstleistungssektor.[14] Die Industrie- und Dienstleistungsbetriebe sind hauptsächlich in Leuggern, Felsenau und Gippingen konzentriert, während die kleinen Weiler landwirtschaftlich geprägt sind. Wichtigster Arbeitgeber ist das Regionalspital Leuggern in den Gebäuden der ehemaligen Kommende. Rund drei Viertel der Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in den umliegenden Gemeinden des unteren Aaretals oder in der Region Baden/Brugg.

Ab 1880 wurde bei Felsenau Gips im Tagebau abgebaut, 1910 entstand ein kleines Bergwerk. Den Gips verarbeitete man gleich an Ort an Stelle in einer Fabrik der Schweizerischen Gips-Union. Rund um die Fabrik entstand eine kleine Arbeitersiedlung. 1928 waren die Gipsvorkommen erschöpft und die Fabrik stellte danach Zement her, bis sie 1990 endgültig ihre Tore schloss.

VerkehrBearbeiten

 
Aarebrücke nach Koblenz

Leuggern liegt am Schnittpunkt mehrerer Strassen, die wichtigste davon ist die Hauptstrasse 17 von Leibstadt über Döttingen in Richtung Zürich. Drei Postautolinien sorgen für einen Anschluss an das Netz des öffentlichen Verkehrs: von Döttingen zum Bahnhof Laufenburg, von Döttingen nach Mandach und vom Bahnhof Koblenz nach Leibstadt.

BildungBearbeiten

Die Gemeinde besitzt zwei Kindergärten in Gippingen und Hettenschwil, zwei Primarschulen in Gippingen und Leuggern sowie eine Bezirksschule in Leuggern. Die Realschule und die Sekundarschule können entweder in Leibstadt oder Kleindöttingen (Gemeinde Böttstein) besucht werden. Die nächstgelegenen Gymnasien sind die Kantonsschule Baden und die Kantonsschule Wettingen.

SportveranstaltungenBearbeiten

Der Ortsteil Gippingen gilt als eine der Radsport-Hochburgen der Schweiz. Der 1919 gegründete VC Gippingen organisiert seit 1926 Radrennen. Der seit 1964 durchgeführte Grosse Preis des Kantons Aargau zählt zur UCI Europe Tour und hat sich als wichtigstes Profi-Eintagesrennen der Schweiz etabliert.[15] Gippingen war zweimal Etappenort der Tour de Suisse (1974 und 2013) sowie Austragungsort der Drei-Länder-Meisterschaft 2019. Seit 1979 führt der VC Gippingen jeweils am 31. Dezember den Gippinger Stauseelauf durch, ein Leichtathletik-Volkssportanlass mit mehr als 1'000 Teilnehmern. Seit 1982, jeweils an Auffahrt, wird der Johanniterlauf in und um Leuggern durchgeführt.[16]

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Leuggern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bevölkerungsbestand nach Gemeinde, Nationalität und Geschlecht, per 31. Dezember 2018. (XLS, 233 kB) Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2019, abgerufen am 27. März 2019.
  2. Bevölkerungsbestand nach Gemeinde, Nationalität und Geschlecht, per 31. Dezember 2018. (XLS, 233 kB) Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2019, abgerufen am 27. März 2019.
  3. a b Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100. Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 250–253.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1050, Swisstopo.
  5. Arealstatistik Standard – Gemeinden nach 4 Hauptbereichen. Bundesamt für Statistik, 26. November 2018, abgerufen am 13. Juni 2019.
  6. Aegidius Tschudi: Chronicon Helveticum, Band I., S. 191.
  7. Jürg Andrea Bossardt, Urs N. Kaufmann: Die röm.-kath. Pfarrkirche St. Peter und Paul Leuggern. (Schweizerische Kunstführer, Nr. 917, Serie 92). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 2012, ISBN 978-3-03797-072-0.
  8. Lourdesgrotte Leuggern. Aargau Tourismus, abgerufen am 13. Juni 2019.
  9. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 202.
  10. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. (Excel) In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistik Aargau, 2001, archiviert vom Original am 8. Oktober 2018; abgerufen am 13. Juni 2019.
  11. Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit, 2015. (Excel) In: Bevölkerung und Haushalte, Gemeindetabellen 2015. Statistik Aargau, abgerufen am 13. Juni 2019.
  12. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. (Excel) Statistik Aargau, archiviert vom Original am 12. August 2018; abgerufen am 13. Juni 2019.
  13. Friedensrichterkreise. Kanton Aargau, abgerufen am 14. Juni 2019.
  14. Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT). (Excel, 157 kB) Statistik Aargau, 2016, abgerufen am 13. Juni 2019.
  15. Radsport in Gippingen
  16. Johanniterlauf des SV Leuggern