Maggia (Fluss)

Fluss in der Schweiz

Die Maggia ist ein rund 60 Kilometer langer Fluss im Schweizer Kanton Tessin. Sie durchfliesst das Val Sambuco, das Val Lavizzara sowie das Valle Maggia und mündet bei Locarno in einem Delta[5] in den Lago Maggiore. Dabei entwässert sie einen grossen Teil der Tessiner Alpen.

Maggia
Maggiadelta bei Locarno

Maggiadelta bei Locarno

Daten
Gewässerkennzahl CH: 53
Lage Schweiz
Flusssystem Po
Abfluss über Lago Maggiore → Tessin → Po → Mittelmeer
Quelle oberhalb des Lago del Corbo an der Cristallina
46° 28′ 1″ N, 8° 32′ 56″ O
Quellhöhe ca. 2480 m ü. M.[1]
Mündung bei Locarno in den Lago MaggioreKoordinaten: 46° 9′ 8″ N, 8° 48′ 7″ O; CH1903: 705332 / 112100
46° 9′ 8″ N, 8° 48′ 7″ O
Mündungshöhe 193 m ü. M.[1]
Höhenunterschied ca. 2287 m
Sohlgefälle ca. 39 ‰
Länge 59 km[2]
Einzugsgebiet 927,99 km²[3]
Abfluss am Pegel Locarno Solduno[4]
AEo: 927 km²
Lage: 2,52 km oberhalb der Mündung
NNQ (November 1995)
MNQ 1985–2016
MQ 1985–2016
Mq 1985–2016
MHQ 1985–2016
HHQ (August 1992)
690 l/s
6,41 m³/s
22,8 m³/s
24,6 l/(s km²)
51,4 m³/s
3084 m³/s
Linke Nebenflüsse Ri della Valle di Prato
Rechte Nebenflüsse Peccia, Bavona, Rovana, Melezza
Mittelstädte Locarno
Gemeinden Ascona, Losone, Lavizzara, Cevio, Maggia TI, Avegno-Gordevio
Einwohner im Einzugsgebiet 39918 (Stand 31.12.2008)
Schiffbar mit dem Kajak im Unterlauf
Maggia (Fluss) (Schweiz)
Quelle
Quelle
Mündung
Mündung
Quelle- und Mündungsort der Maggia

Die Maggia Kraftwerke verwenden die Wasserkraft der Maggia an 5 Stauseen zur Erzeugung elektrischer Energie. Im Jahresmittel werden mit dem Wasser der Maggia 144 MW erzeugt.

VerlaufBearbeiten

Die Maggia entspringt auf etwa 2480 m ü. M. in Hangschutt am Osthang der Cristallina. Sichtbar wird der Bachlauf jedoch erst in seiner Mulde im Gebiet Sasso del Corbo. Sie fliesst anfangs nach Nordosten und durchquert den Lago del Corbo sowie den Stausee Lago del Narèt. Sie wendet sich in einem Bogen nach Südosten und erreicht das Val Sambuco, wo sie zum Lago del Sambuco gestaut wird. Bei Fusio verlässt sie den Stausee und durchfliesst nun das Val Lavizzara gegen Südwesten. Die Maggia passiert Mogno und überwindet bei Corgello (auch Corsgell’) eine Talstufe. Bei Peccia mündet von rechts die Peccia aus dem Valle di Peccia. Es folgen die Dörfer Prato-Sornico, Broglio, Menzonio und Brontallo.

Zwischen Cavergno und Bignasco vereinigt sich das Val Lavizzara mit dem Bavonatal zum Maggiatal. Sie nimmt von rechts zuerst die Bavona und kurz darauf bei Cevio die Rovana auf. Sie passiert Someo, Maggia und Gordevio, wo das Tal enger wird. Nach Avegno verlässt sie das Tal durch eine enge Schlucht und erreicht bei Ponte Brolla die Terre di Pedemonte. Die Maggia nimmt von rechts die Melezza auf und mündet schliesslich nach der Durchquerung von Locarno auf 193 m ü. M. in den Lago Maggiore.

BesonderesBearbeiten

Eine Besonderheit der Maggia ist der Wasserfall, der sich aus der Maggia kurz vor Ponte Brolla einige hundert Meter nach dem Ortsausgang von Avegno in die Granitschlucht unter einer Fussgängerbrücke ergiesst. Bei niedrigem Wasserstand stürzt das Wasser aus einer Höhe von ca. vier Meter in einen Topf von gut fünf Meter Durchmesser und vier Meter Tiefe, bevor es durch die erwähnte Schlucht bis zu einer Art See von etwa 15 Meter Tiefe fliesst.

Zu Normalzeiten führt die Maggia bei Ponte Brolla rund 2 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Bei Hochwasser sind es jedoch 5000 Kubikmeter; so viel wie der Rhein bei Basel führt.[6]

SportBearbeiten

Jährlich werden internationale High Diving-Wettkämpfe ausgetragen, bei welchen die Teilnehmer von einer Plattform über 20 Meter in die Tiefe springen.

Unterhalb von Ponte Brolla gibt es einen Tauchplatz, der sich zum Flusstauchen eignet. Die Maggia ist dort zwischen fünf und zehn Meter tief und weist unter der Wasseroberfläche eine spektakuläre Felsenlandschaft auf. Das kristallklare Wasser bietet meist grössere Sichtweiten als tropische Gewässer.[7]

GefahrenBearbeiten

Das Betreten des teilweise trockenen Flussbettes der Maggia kann gefährlich sein. Je nach Wetterlage oder durch plötzliches Wasserablassen an den Stauseen im Quellgebiet der Maggia kann der Wasserstand innerhalb kurzer Zeit extrem schnell ansteigen und die Maggia dadurch zu einem reissenden Fluss werden. Es gab schon einige tödliche Unfälle durch Ertrinken.

Auch wenn nach Schneeschmelze oder nach heftigen Gewittern in höheren Lagen der Wasserpegel plötzlich anschwillt, kann eine gefährliche Situation eintreten: Springer, die beim Wasserfall nicht in Ausflussrichtung des Topfes eintauchen, werden durch die Kraft des Wassers an den Fels gedrückt und ertrinken. Trotz Warnungen kommt es immer wieder zu Todesfällen.

BildergalerieBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Martino Signorelli: Storia della Valmaggia. Tipografia Stazione SA, Locarno 1972, S. 7, 102, 108, 171, 174, 180, 190, 231, 242, 250, 254, 255–256, 258, 410.
  • Daniela Pauli Falconi: Maggia (Fluss). In: Historisches Lexikon der Schweiz.

WeblinksBearbeiten

Commons: Maggia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Geoserver der Schweizer Bundesverwaltung (Hinweise)
  2. Auswertungen zum Gewässernetz. (XLSX) (Nicht mehr online verfügbar.) BAFU, Dezember 2013, archiviert vom Original am 13. Juni 2018; abgerufen am 9. August 2017 (Auflistung Fliessgewässer der Schweiz >30km).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bafu.admin.ch
  3. Modellierter mittlerer jährlicher Abfluss. In: Topographische Einzugsgebiete der Schweizer Gewässer: Teileinzugsgebiete 2 km². Abgerufen am 12. August 2017.
  4. Messstation Locarno Solduno 1985–2016 (PDF) Bundesamt für Umwelt BAFU
  5. Delta della Maggia auf ethorama.library.ethz.ch/de/node
  6. Dörfer auf dem Weg in den Abgrund Neue Zürcher Zeitung, 18. August 2002
  7. Teil II: Valle Maggia - Fluss Maggia, 200bar.de, zugegriffen: 12. Juni 2011