Ergolz

Schweizer Hauptfluss im Kanton Basel-Landschaft
Ergolz
Verlauf der Ergolz (interaktive Karte)

Verlauf der Ergolz (interaktive Karte)

Daten
Gewässerkennzahl CH: 2
Lage Jura

Schweiz

Flusssystem Rhein
Abfluss über Rhein → Nordsee
Quelle Schafmatt, Geissflue
47° 25′ 26″ N, 7° 57′ 34″ O
Quellhöhe 830 m ü. M.[1]
Mündung zwischen Augst und Kaiseraugst in den RheinKoordinaten: 47° 32′ 17″ N, 7° 42′ 50″ O; CH1903: 620724 / 265296
47° 32′ 17″ N, 7° 42′ 50″ O
Mündungshöhe 260 m ü. M.[1]
Höhenunterschied 570 m
Sohlgefälle 19 ‰
Länge 30 km[2]
Einzugsgebiet 301 km²[3]
Abfluss[3]
AEo: 301 km²
an der Mündung
MQ
Mq
4,51 m³/s
15 l/(s km²)
Abfluss am Pegel Liestal[4]
AEo: 261 km²
NNQ (1947)
MNQ 1934–2016
MQ 1934–2016
Mq 1934–2016
MHQ 1934–2016
HHQ (1994)
100 l/s
1,59 m³/s
3,73 m³/s
14,3 l/(s km²)
6,7 m³/s
152 m³/s
Kleinstädte Sissach, Liestal
Gemeinden Gelterkinden
Die Ergolz bei Sissach

Die Ergolz bei Sissach

Die Ergolz in Oltingen

Die Ergolz in Oltingen

Ergolz (Schweiz)
Quelle
Quelle
Mündung
Mündung
Quelle- und Mündungsort der Ergolz

Die Ergolz ist der 30 Kilometer lange Hauptfluss des Baselbiets. Ihr ganzer Lauf liegt im Schweizer Kanton Basel-Landschaft. Sie entspringt im Faltenjura an der Geissflue im oberen Baselbiet und mündet bei Augst in den Rhein.

GeographieBearbeiten

VerlaufBearbeiten

Die Ergolz entwässert den gesamten östlichen Teil des Kantons Baselland; das westliche davon liegende Birstal liegt an der Birs, die etwa neun Kilometer unterhalb der Ergolz in den Rhein mündet.

Das Einzugsgebiet der Ergolz entspricht den Bezirken Liestal, Sissach und Waldenburg. Der Fluss entspringt auf ungefähr 830 m ü. M. auf der Kantonsgrenze von Baselland (Oltingen) und Solothurn (Kienberg) und weniger als einen Kilometer entfernt vom nächsten Punkt des Kantons Aargau. Die Quellbäche liegen in den Bergweiden des Weilers Bärenacker und sammeln sich bei Wägenstett, von wo aus der Bergbach durch ein schmales bewaldetes Tal, teilweise unter der Verbindungsstrasse eingedolt, gegen Nordwesten nach Oltingen fliesst. In diesem Dorf ist die junge Ergolz abschnittsweise bei mehreren Häusern in einen unterirdischen Kanal gelegt.

Der Bach durchquert die vom Tafeljura geprägte Landschaft in einem zunehmend tieferen Tal und überwindet auf dem Gebiet der Gemeinde Anwil eine niedrige Geländestufe in einem Wasserfall, so wie es auch bei mehreren kleinen Seitenbächen der Fall ist. Unterhalb des Dorfes sind im engen Tal der Obere und der Untere Talweiher angelegt. Talauswärts erreicht die Ergolz die Mühlematt von Rothenfluh und kurz danach mündet in diesem Dorf von rechts der Dübach ein. Nordwestlich von Rothenfluh weitet sich das Tal zu einer Mulde von einem Kilometer Breite. Am Weiler Säge vorbei, wo ihr von rechts das Lähnenbächli zufliesst, erreicht die Ergolz die Sagimatt und das Dorf Ormalingen, das sie auf der südlichen Talseite unter dem Kirchhügel und am Bergfuss der Flue umfliesst. In weiten Schlingen passiert sie das Gewerbequartier zwischen Ormalingen und Gelterkinden und fliesst, unter der Kantonsstrasse eingedolt, unter dem grossen Bahnviadukt der Hauensteinlinie in dieses Dorf.

In Gelterkinden, einem Regionalzentrum des Oberbaselbiets, fliessen ihr von links der Eibach, der von Zeglingen kommt und einen fast gleich langen Bachlauf wie der Oberlauf der Ergolz hat, sowie von links das Rickenbächli zu. Auf der Südseite um die Ortschaft Böckten und erneut die Kantonsstrasse und den Bahndamm und kurz danach die Sissacher Umfahrungsstrasse unterquerend erreicht die Ergolz in westlicher Richtung fliessend die grosse Siedlung von Sissach, dem zweiten regionalen Zentrum. Am Ortsrand nimmt sie von links den Homburgerbach auf, der an der Nordrampe des Unteren Hauensteinpasses entspringt, und im Dorfzentrum den ebenfalls von Süden kommenden Diegterbach, der unterhalb von Eptingen aus vier grösseren Quellbächen entsteht. Die Quelle des am weitesten im Süden liegenden Leisibach liegt wenig unterhalb der Belchenfluh. Bei Gelterkinden überqueren elf Brücken und Stege die Ergolz.

Das inzwischen zum kleinen Fluss gewordene Gewässer fliesst am Rande des Gemeindegebiets von Sissach unter dem Autobahnviadukt der A 2 hindurch und wird von da an über mehrere Kilometer von der Talautobahn A 22 begleitet. Die Ergolz fliesst durch die dicht zusammenhängenden Siedlungsgebiete von Itingen und Lausen nach Liestal, der Hauptort des Kantons. Bei Itingen münden das Talbächli und bei Lausen drei kleinere Seitenbäche ein. In Liestal erreichen die Frenke, deren südlichster Quellbach am Helfenberg im südlichsten Bereich des gesamten Einzugsgebiets der Ergolz entspringt, der Orisbach sowie der Röserenbach den Hauptfluss. Im Talboden bei Liestal zweigen von alters her Gewerbekanäle vom Flusslauf ab, den hier 14 Brücken und Stege überqueren.

Der Unterlauf der Ergolz liegt auf einer fast geraden Linie in nahezu nördlicher Richtung zwischen Frenkendorf und Pratteln auf der linken Seite und Füllinsdorf auf der rechten Seite. Nördlich von Frenkendorf mündet der vom Adlerhof kommende Hülftenbach, an dessen rechter Seite die Hülftenschanz liegt, in den Fluss. Der Abschnitt kurz vor der Mündung in den Rhein liegt in Augst und unterhalb des ehemaligen Siedlungsgebiets von Augusta Raurica. Kurz bevor die Ergolz den Rhein erreicht, fliesst ihr von rechts noch der Violenbach zu. Ab diesem Punkt bildet die Ergolz auf einer Länge von etwa vierhundert Metern die Kantonsgrenze des Baselbiet und des Kantons Aargau zwischen den Ortschaften Augst und Kaiseraugst.

Der Mündungsabschnitt der Ergolz am linken Ufer des Hochrheins befindet sich im Staubereich des unmittelbar westlich davon liegenden Kraftwerks Augst-Wyhlen. Links der Einmündung liegt vor der oberen Einfahrt in die Schiffsschleuse des Kraftwerks die Anlegestelle Augst. Bei der Mündung in den Rhein überquert die Kraftwerkstrasse die Ergolz.

EinzugsgebietBearbeiten

Das Einzugsgebiet der Ergolz ist 301,25 km² groß und besteht zu 43,6 % aus Bestockter Fläche, zu 45,1 % aus Landwirtschaftsfläche, zu 11,1 % aus Siedlungsfläche, zu 0,2 % aus Gewässerfläche und zu 0,1 % aus unproduktiven Flächen.

Die mittlere Höhe des Einzugsgebietes beträgt 562 m ü. M., die minimale Höhe liegt bei 260 m ü. M. und die maximale Höhe bei 1163 m ü. M.[5]

ZuflüsseBearbeiten

In die Ergolz münden die grösseren Zuflüsse Eibach, Homburgerbach, Diegterbach, Frenke, Orisbach, Röserenbach und Violenbach.

Zuflüsse der Ergolz von der Quelle zur Mündung mit Name, orographische Richtung, Länge in km[6], Einzugsgebiet in km²[1] und Mittlerer Abfluss (MQ) in m³/s[1]

  • Oltschürbächli (links), 0,6 km
  • Mühlibächli(links), 0,2 km
  • Weiermattbächli (links), 0,2 km
  • Bruggacherbächli (rechts), 0,8 km
  • Bilisingenbächli (rechts), 0,6 km
  • Hinteres Almetbächli (rechts), 0,1 km
  • Vorderes Almetbächli (rechts), 0,1 km
  • Dalcherbächli (links), 0,1 km
  • Löracherbächli (rechts), 0,1 km
  • Lochmattbächli (links), 0,3 km
  • Wolflochbächli (links), 0,5 km
  • Hintermattbächli (rechts), 0,9 km, 1,41 km²
  • Oltwegbächli (rechts), 0,7 km
  • Chörberbächli (links), 0,5 km
  • Dübach (rechts), 3,4 km, 5,24 km²
  • Isletenbächli (links), 0,8 km
  • Lähnenbächli (rechts), 2,1 km, 2,6 km²
  • Weiherbächli (links), 2,1 km, 1,75 km²
  • Hemmikerbach (rechts),2,8 km (mit Seebächli 3,5 km), 4,69 km²
  • Chilchmattbächli (links), 0,4 km
  • Händschenmattbächli (rechts), 1,7 km, 1,56 km²
  • Hintergrabenbächli (rechts), 0,7 km,
  • Tschuppisbächli (rechts), 0,3 km
  • Marenbächli (rechts), 0,5 km
  • Eibach (links), 12,5 km, 28,8 km², 0,44 m³/s
  • Rickenbächli (Cholmattbächli[7]) (rechts), 2,9 km (mit Cholmattbächli 3,4 km), 4,97 km²
  • Rorbächli (links), 0,8 km
  • Ischlagbächli (links), 0,2 km
  • Lambergbächli (links), 0,1 km
  • Eibächli (rechts), 0,9 km
  • Hinterdorfbächli (rechts), 0,9 km
  • Rebacherbächli (rechts), 0,2 km
 
Homburgerbach
 
Frenke
  • Homburgerbach (links), 12,0 km, 30,4 km², 0,47 m³/s
  • Isletenbächli (rechts), 1,6 km
  • Diegterbach (links), 13,0 km, 30,8 km², 0,46 m³/s
  • Böschmattbächli (rechts), 0,2 km
  • Brunnmattbächli (Grimstenbächli[7]) (rechts), 1,2 km (mit Grimstenbächli 2,0 km), 2,43 km²
  • Weiermattbächli (rechts), 0,2 km
  • Lichsbächli (links), 0,5 km
  • Talbächli (Wolfgrabenbächli[7]) (links), 2,4 km (mit Wolfgrabenbächli 2,8 km), 1,81 km²
  • Atlistenbächli (rechts), 1,3 km
  • Edletenbächli (rechts), 1,2 km
  • Buechholdenbächli (links), 2,6 km
  • Furlenbächli (links), 2,2 km
  • Chirchbergbächli (rechts), 0,2 km
  • Windentalbächli (rechts), 1,2 km
  • Frenke (links), 18,7 km, 88,4 km², 1,31 m³/s
  • Vogelsangbächli (rechts), 0,4 km
  • Orisbach (links), 9,0 km, 20,8 km², 0,32 m³/s
 
Violenbach
  • Weidelibächli (rechts), 0,5 km
  • Röserenbach (links), 5,2 km, 7,47 km², 0,11 m³/s
  • Elbisbächli (rechts), 1,6 km
  • Röschgrabenbächli (rechts), 1,1 km
  • Hölftenbächli (Weiherbächli[7]) (links), 1,9 km, 2,6 km²
  • Ruschenbächli (rechts), 2,3 km, 1,57 km²
  • Violenbach (rechts), 8,0 km, 16,4 km², 0,26 m³/s

MessdatenBearbeiten

Seit 1934 wird in Liestal der Pegelstand und die Abflussmenge der Ergolz gemessen. In diesen mehr als 70 Jahren flossen dort durchschnittlich 3,73 m³/s in Richtung Rhein. Im Jahre 2006 führte der Fluss durchschnittlich 5,63 m³/s. Die Extremwerte, welche die Messstation seit Beginn der Messungen ermitteln konnte, sind 0,1 m³/s (1947), respektive 155 m³/s (1999).

GeschichteBearbeiten

Der Fluss diente der römischen Stadt Augusta Raurica zur Trinkwasserversorgung. Dazu wurde ein gemauerter unterirdischer Aquädukt mit der Wasserfassung oberhalb von Liestal gebaut. Der Kanal ist noch heute stellenweise zu besichtigen und begehbar (im Heidenloch in Liestal sowie nordöstlich der Kläranlage in Füllinsdorf).

Seit dem Mittelalter lagen in mehreren Ortschaften Wasserwerke am Fluss beziehungsweise an abgeleiteten Gewerbekanälen. Bis im 19. Jahrhundert oder im frühen 20. Jahrhundert bestanden die historischen Mühlen und Sägewerke. Bei Liestal entwickelte sich am Kanal unterhalb der Stadt das Gewerbequartier Gestadeck. Die noch heute in Betrieb stehende Sagi von Oltingen wurde 1826 an der Stelle einer älteren Mühle errichtet. Die um 1700 erbaute Säge von Rothenfluh besass im 19. Jahrhundert auch eine Schleife, Öle und Gipsmühle. Die Obere Mühle von Gelterkinden ist bereits im Jahr 1372 erwähnt, die Mühle von Sissach 1323. Im Jahr 1571 entstand eine Papiermühle bei Lausen.[8]

Der im 20. Jahrhundert zunehmenden Wasserverschmutzung der Ergolz wurde ab 1960 mit dem Bau mehrerer Kläranlagen entgegengewirkt.

BrückenBearbeiten

Auf ihrem Weg wird die Ergolz von über 100 Brücken überspannt.

Drei historische Steinbogenbrücken aus dem 19. Jahrhundert befinden sich in Rothenfluh (Ergolzbrücke Im Weier «Römerbrücke») und Sissach (Rheinfelder-Brücke «Zollbrücke» und Allmend-Brücke). Drei gedeckte Holzbrücken überqueren den Fluss, zwei in Sissach und eine in Augst.

Zwischen Ormalingen und Böckten wird der Fluss von der Hauptstrasse 309 sechsmal überquert. Zwischen Böckten und Liestal wird der Fluss von der Hochleistungsstrasse A22 achtmal überquert.

Drei Eisenbahnbrücken überspannen den Fluss, d. h. die Hauensteinstrecke in Gelterkinden und Böckten sowie die Bözbergstrecke in Kaiseraugst – Augst.

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Geoserver der Schweizer Bundesverwaltung (Hinweise)
  2. Auswertungen zum Gewässernetz. (XLSX) BAFU, Dezember 2013, abgerufen am 10. August 2017 (Auflistung Fliessgewässer der Schweiz >30km).
  3. a b Modellierter mittlerer jährlicher Abfluss. In: Topographische Einzugsgebiete der Schweizer Gewässer: Gebietsauslässe. Abgerufen am 30. Mai 2019.
  4. Messstation Liestal 1934–2016 (PDF) Bundesamt für Umwelt BAFU
  5. Topographische Einzugsgebiete der Schweizer Gewässer: Ergolz
  6. Geoview Kanton Basel Land
  7. a b c d Bezeichnung für den Oberlauf
  8. Berthold Moog: Es war einmal  … Mahl- und Gewerbemühlen im Kanton Basel-Landschaft. In: Mühlenbrief, 20, 2012.

WeblinksBearbeiten

Commons: Ergolz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien