Kernkraftwerk Beznau

Kernkraftwerk in der Schweiz
Kernkraftwerk Beznau
Kernkraftwerk Beznau
Kernkraftwerk Beznau
Lage
Kernkraftwerk Beznau (Kanton Aargau)
Kernkraftwerk Beznau
Koordinaten 659402 / 267132Koordinaten: 47° 33′ 8″ N, 8° 13′ 40″ O; CH1903: 659402 / 267132
Land: Schweiz
Daten
Eigentümer: Axpo AG
Betreiber: Axpo AG
Projektbeginn: 1965
Kommerzieller Betrieb: 1. Sept. 1969

Aktive Reaktoren (Brutto):

2  (760 MW)
Eingespeiste Energie im Jahr 2009: 5'825,801 GWh
Eingespeiste Energie seit Inbetriebnahme: 207'860,875 GWh
Stand: 31. Dezember 2009
Die Datenquelle der jeweiligen Einträge findet sich in der Dokumentation.

Das Kernkraftwerk Beznau, kurz KKB, befindet sich auf dem Gebiet der Gemeinde Döttingen (Kanton Aargau, Schweiz) auf der künstlichen Aare-Insel Beznau.

Das KKB besteht aus zwei identischen Blöcken (Beznau 1 und 2) mit Druckwasserreaktoren von Westinghouse mit je 365 MW elektrischer Leistung. Gekühlt wird mit Wasser aus der Aare. Das Kernkraftwerk erzeugt rund 5 Milliarden kWh Elektrizität pro Jahr und versorgt – mit einem Teil der Abwärme – über die Refuna (Regionale Fernwärme Unteres Aaretal)[1] acht umliegende Gemeinden mit rund 170 Millionen kWh Fernwärme pro Jahr. Beide Kernreaktoren zählen zu den dienstältesten der Welt.[2]

Eigentümer und Betreiber des KKB ist die Axpo AG (bis zur Umbenennung 2009 Nordostschweizerische Kraftwerke NOK).

GeschichteBearbeiten

Die NOK begannen 1957 mit der Planung für ein Grosskraftwerk und entschieden sich 1964 für die Option Kernenergie. 1969 nahm Beznau 1 nach vier Jahren Bauzeit den Betrieb auf. 1971 ging der baugleiche Block Beznau 2 ans Netz. Der technische Stab befand sich im Schloss Böttstein auf der gegenüberliegenden Seite der Aare. Beznau 1 war das erste Kernkraftwerk der Schweiz. Seit der Abschaltung der Kernkraftanlage Oldbury in England am 29. Februar 2012[3] gilt es als das älteste in Betrieb stehende Kernkraftwerk der Welt.[2][4]

Beide Blöcke des Kernkraftwerks haben eine unbefristete Betriebsbewilligung. Voraussetzung für den Betrieb bleibt die laufende Erfüllung der gesetzlichen, behördlichen und betriebseigenen Anforderungen an die Sicherheit.[5] Die tatsächliche Betriebsdauer ist abhängig von der laufenden Überprüfung von Sicherheit und Wirtschaftlichkeit der Blöcke.

Im Oktober 2015 wurde bekannt, dass bei einer Überprüfung des Reaktordruckbehälters des im März 2015 für Wartungsarbeiten heruntergefahrenen Reaktorblocks 1 etwa 1000 Schwachstellen entdeckt wurden.

SicherheitsmassnahmenBearbeiten

Seit der Inbetriebnahme der beiden Anlagen führte man zur Steigerung der Sicherheit Nachrüstungen und Erneuerungen aus.[6]

  • Im Block 1 wurden 1993, im Block 2 1999 jeweils beide Dampferzeuger getauscht.[7]
  • Die Kommandoräume wurden angepasst, eine neue Turbinensteuerung wurde installiert. Die Leittechnik des Reaktorschutzsystems wurde durch neue Elektronik ersetzt.[8]
  • Für jeden Block wurde ein eigenes Notstandsgebäude erstellt. Es enthält weitere Sicherheitssysteme zur Kernnotkühlung und Bespeisung der Dampferzeuger sowie einen weiteren 50-kV-Notstromstrang und einen zusätzlichen Dieselgenerator. Die Sicherheitssysteme in den Notstandsgebäuden sind darauf ausgelegt, das Kraftwerk ohne Bedienmannschaft kaltzufahren und abzustellen. Die Gebäude sind besonders stark gegen äussere Einwirkungen, wie beispielsweise Flugzeugabstürze[9], Erdbeben und Fremdeinwirkungen, geschützt.
  • In den letzten Jahren wurde die Notstromversorgung umgebaut: vier gebunkerte Dieselgeneratoren sollen die Notstromversorgung gewährleisten und so das hydraulische Kraftwerk Beznau ablösen.[10] Seit Dezember 2015 ist diese Modernisierung in Betrieb.
  • Die Brennelementelager (auch Nasslager) von Beznau I und II wurden von ursprünglich 163 Lagerplätzen für Brennelemente (ausreichend für eine Kernausladung bei Notfällen sowie eine Jahresladung) zunächst zu einem Kompaktlager umgebaut. Hierbei wurde mittels des Einbaus von Absorbermaterial in die Lagergestelle die Kapazität auf 340 Lagerstellen erweitert.[11]

BetriebsstörungenBearbeiten

Meldepflichtige VorkommnisseBearbeiten

Die folgende Tabelle fasst die nuklearen Betriebsstörungen gemäss der Internationalen Eregnisskala INES zusammen. Die Stufe 0 wird als Abweichung, die Stufen 1 bis 3 werden als Störungen und Störfälle, die Stufen 4 bis 7 als Unfälle klassifiziert. Seit Inbetriebnahme des Kraftwerkes gab es ein Ereignis der Stufe 2, sowie vier Ereignisse der Stufe 1.

Jahr Internationale Eregnisskala INES Gesamt
0 1 2 3 4 5 6 7
2014 5 5
2013 7 7
2012 13 1 14
2009 10 1 11
2008 4 4
2007 7 1 8
2006 2 2
2005 2 2
2004 2 2
2003 4 4
2002 2 2
2001 5 5
2000 4 4
1999 5 5
1998 2 2
1997 6 1 7
1996 3 1 4
1995 3 3
Gesamt 86 4 1 86
Quellen: 2014[12] 2013[13] 2012[14]

Stufe 2Bearbeiten

Bei der Jahresrevision 2009 im Block 2 wurden zwei Mitarbeiter verstrahlt. Die bei den Mitarbeitern gemessenen Werte lagen mit 37,8 bzw. 25,4 Millisievert über der zugelassenen Strahlendosis von 20 Millisievert. Eine gesundheitliche Gefährdung habe nicht bestanden.[15][16]

Stufe 1Bearbeiten

Am 21. August 2007, während der Jahresrevision von Block 2, kam es zu einem Zwischenfall. Die blockgemeinsame Reservenetz-Einspeisung war für Wartungsarbeiten abgeschaltet. Zur Kompensation wurde der Notstands-Dieselgenerator des auf Volllast laufenden Blocks 1 im Leerlauf zugeschaltet. Nach Reetablierung des Reservenetzes wurde bemerkt, dass dieser Dieselgenerator störungsbedingt seine Notstrom-Funktion nicht erfüllt hätte. Gemäss HSK hätte theoretisch noch eine Querverbindung zum Notstands-Diesel des abgeschalteten Blocks 2 bestanden, dieser Generator sei aber ebenfalls in Wartung gewesen.[17]

Am 10. Mai 2012 kam es bei einem Probelauf zu einer Störung an einem Notstrom-Dieselgenerator an Block 2.[18] Aufgrund dieses Störfalls erteilte die Atomaufsichtsbehörde im Aufsichtsbericht 2012 dem Reaktorblock 2 nur die Note 'Ausreichend'.[19]

Weitere EreignisseBearbeiten

 
Der Reaktor­schnell­abschaltungs­knopf eines Reaktors

Am 31. Januar 2008 morgens um sechs Uhr kam es im Reaktorblock 2 zu einer unvorhergesehenen Schnellabschaltung. Zuvor war die Stromversorgung mehrerer Anzeigeinstrumente im Haupt-Kommandoraum des KKW ausgefallen. Dadurch fielen auch zur Regelung der Reaktorleistung benötigte Signale aus. Das wiederum führte zu einer automatischen Reduktion der Reaktorleistung. Das zuständige Personal reduzierte deshalb auch die Turbinenleistung. Weil ihm die dazu notwendigen Anzeigeinformationen fehlten, konnte es nicht verhindern, dass auch ein automatisches Abblasen von Frischdampf ausgelöst wurde. Um 6:19 Uhr löste das Betriebspersonal aus Sicherheitsgründen schliesslich manuell eine Schnellabschaltung des Reaktors aus und die Anlage wurde stabilisiert. Der defekte Anlagenteil wurde lokalisiert und ersetzt. Im Laufe des Nachmittags konnte Reaktor 2 den Betrieb wieder aufnehmen.[20][21]

Am Abend des 10. April 2008 wurde eine Turbinengeneratorgruppe im Block 2 des Kernkraftwerks Beznau abgeschaltet, nachdem im nicht-nuklearen Teil rund 50 Liter Öl ausgelaufen waren. Nach der Abschaltung der Turbinengeneratorgruppe wurde die Reaktorleistung auf die Hälfte reduziert. Die Ölleckage war auf eine Undichtheit an der Verbindungsstelle einer Ölleitung zurückzuführen. Die Reparatur bei abgeschalteter Gruppe dauerte rund zwölf Stunden. Die Turbinengeneratorgruppe wurde am 12. April 2008 um 23:30 Uhr wieder in Betrieb genommen.[22][23]

Am 9. Januar 2009 wurde am Abluftkamin erhöhte Radioaktivität gemessen, darauf wurden Teile des Containments abgedichtet, um Radioaktivität zurückzuhalten. Laut Aussage des Betreibers sei keine Strahlung ausgesetzt worden, es sei lediglich eine Messeinrichtung defekt gewesen.[24]

Am 1. Mai 2009 trat aufgrund eines undichten Ventils eines Überwachungssystems Strahlung aus dem Atomkraftwerk aus. Dabei wurden Proben radioaktiver Abgase über den Abluftkamin in die Umwelt freigesetzt anstatt in das System zurückgeleitet zu werden. Die Strahlung habe laut Auskunft des Betreibers knapp über der Nachweisgrenze gelegen, aber das zulässige Abgabelimit deutlich unterschritten.[25][26]

Am 23. März 2012 gab es ein Leck in einer Pumpe des Primärkreislaufs von Block 2, der daraufhin abgeschaltet wurde.[27][28][29]

Am 18. Juni 2012 wurde bekannt, dass eine Beschädigung an einer Schweissnaht im Inneren des Reaktordeckels entdeckt wurde. Der Betreiber wies daraufhin eine Nachbesserung an.[30]

Am 21. November 2012 kam es zu einer Schnellabschaltung des Blocks 2 durch einen defekten Dampferzeuger im nichtnuklearen Kreislauf.[31][32]

Am 16. Juni 2014 wurde in Reaktorblock 1 ein Riss an einer Schweissnaht entdeckt, durch den Kühlwasser entweichen konnte.[33]

In Block 1 wurden im Juli 2015 Unregelmässigkeiten im Material des Reaktordruckbehälters festgestellt.[34] Im Oktober 2015 wurde bekannt, dass bei einer Überprüfung des Reaktordruckbehälters dieses Blocks mit neuer, bis dahin nicht zur Verfügung stehender Messtechnik, etwa 1000 Anzeigen entdeckt wurden. Dabei handele es sich um Einschlüsse von bis zu einem halben Zentimeter Länge, diese seien innerhalb der bis zu 17 Zentimeter dicken Stahlwände des Reaktorbehälters eingeschlossen. Jede einzelne Anzeige wurde dreidimensional vermessen und bewertet, die Ergebnisse wurden dem ENSI und seinen hinzugezogenen internationalen Experten vorgelegt. Die Bildung solcher Einschlüsse ist bei Schmiedeteilen dieser Grösse unvermeidlich, ihre Existenz ist mit den üblichen Sicherheitsmargen (ohne die für Nuklearanlagen zusätzlichen Faktoren) abgedeckt. Durch eine vollständige Katalogisierung soll auch in Zukunft der Nachweis erbracht werden können, dass es sich um fertigungsbedingte Anzeigen handelt, die sich durch den Betrieb des Reaktors nicht verändern.[35] Ähnliche Umstände haben in Belgien in den Reaktoren Doel 3 und Tihange 2 ebenfalls zu langen Stillständen geführt, diese wurden aber wieder zum Betrieb zugelassen. Für den Fall eines politischen Entscheides des Bundesrates, beide Reaktoren vom Netz zu nehmen, drohte Expo mit einer Schadensersatzklage in Höhe von bis zu zwei Milliarden Schweizer Franken.[36]

Am 6. März 2018 teilte das ENSI mit, dass Axpo die nötigen Nachweise zur Sicherheit des Reaktorbehälters von Block 1 erbracht habe.[37][38] Auch die eingesetzte internationale Fachkommission mit weltweit anerkannten Experten sei zum selben Schluss gekommen. Damit bekam die Axpo die Erlaubnis, den Reaktor nach drei Jahren Stillstand wieder zu betreiben. Am 20. März 2018 nahm der Block 1 den Betrieb wieder auf.[39]

Nichtnukleare EreignisseBearbeiten

Am 17. Juli 1992 starben in Beznau zwei Arbeiter externer Firmen, welche Revisionsarbeiten in Beznau erledigten. Die beiden Arbeiter begaben sich in den „Reaktorsumpf“, ein Auffangbecken unter dem Reaktor, das im Notfall auslaufendes radioaktives Wasser auffangen müsste. Dort hatte sich jedoch das geruchlose Edelgas Argon angesammelt. Das Gas ist schwerer als Luft und verdrängt die Atemluft, weshalb die Arbeiter erstickten. Andere Arbeiter berichteten, dass die Pumpe, die das Gas aus dem Reaktorsumpf hätte pumpen sollen, entfernt und anderswo eingesetzt wurde. Die beiden Unfallopfer hätten dies nicht wissen können. Die HSK (Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen) stufte den tödlichen Unfall als "nicht-nuklearen" Unfall ein, der nicht in ihren Zuständigkeitsbereich falle.[40]

Am 9. August 2007 verhinderten Starkregen und Hochwasser die Notstromversorgung des Kernkraftwerks durch das Wasserkraftwerk Beznau für rund zwölf Stunden (NOK-Pressemeldung). Im Kraftwerk sind mehrere zusätzliche Notstromstränge vorhanden. Für den Fall eines Zusammenbruchs der externen Stromversorgung stehen gebunkerte, überflutungssichere Dieselgeneratoren zur Verfügung. Trotzdem muss das Kernkraftwerk Beznau nach Sicherheitsvorschrift bei einem Ausfall des Notstromstranges des Wasserkraftwerkes nach maximal 24 Stunden heruntergefahren werden. Bei dem genannten Hochwasserereignis war das Wasserkraftwerk vor Ablauf dieser Frist wieder im Normalbetrieb.[41]

2009 entdeckte die Atomaufsichtsbehörde rostige Stellen an der Reaktorschutzhülle. Der Umfang ist unklar; ein Bericht wurde für 2016 in Aussicht gestellt.[42]

Am Morgen des 5. März 2014 drangen rund 100 Aktivisten von Greenpeace auf das Gelände der Anlage ein und befestigten am Reaktorgebäude von Block 1 ein Transparent mit der Aufschrift 'The End'. Ziel der Aktion war es, auf das hohe Alter der Anlage und die daraus resultierende potentielle Gefahr aufmerksam zu machen.[43]

Im Mai 2015 wurde bekannt, dass ein zuvor für Reaktorblock 1 bestellter, 52 Tonnen schwerer und 50 Millionen Franken teurer neuer Deckel für den Reaktordruckbehälter nicht auf den Reaktor passt.[44]

Ende Juni 2015 wurde der Betreiber von Seiten der Atomaufsichtsbehörde aufgefordert, die Anlage zum Schutz vor einem Überflutungsrisiko nachzurüsten.[45]

Wegen hoher Temperatur der Aare, musste die Leistung des Kraftwerks in den Jahren 2003, 2015, 2018 und 2019 gedrosselt werden.[46][47]

KritikBearbeiten

Im September 2010 deckte der Umweltaktivist Stefan Fuglister auf, dass der Betreiberkonzern Axpo für Beznau Kernbrennstoff aus der kerntechnischen Anlage Majak erhält. Die Sowjetunion nutzte die Anlage, die bis heute militärisches Sperrgebiet ist, zur Herstellung von Atomwaffen. Trotz mehrmaliger Anfrage hatte Axpo nie Zutritt zur Anlage erhalten.[48] Aufgrund der mangelnden Transparenz durch den russischen Handelspartner stellte Axpo ab 2011 den Bezug von Uran aus Majak ein.[49]

Im August 2015 beklagten Anwohner und Umweltorganisationen eine mangelnde Erdbebensicherheit der Anlage. Die Atomaufsichtsbehörde sei in ihren Berechnungen von falschen Strahlenschutzwerten ausgegangen.[50][51]

Die Wiederinbetriebnahme des Reaktorblockes 1 nach rund dreijährigem Stillstand rief Ende März 2018 Kritik hervor. Die Sozialdemokratische Partei der Schweiz bezeichnete das Hochfahren der Anlage als «verantwortungslos». Die Partei reichte wegen angeblichem Nichteinhalten der Strahlengrenzwerte eine Aufsichtsbeschwerde gegen das Departement von Energieministerin Doris Leuthard ein und forderte den Bundesrat auf, den Betreibern die Betriebsbewilligung für beide Blöcke zu entziehen.[39] «Das ENSI gebe grünes Licht für ein waghalsiges Experiment, das die Gesundheit und die Heimat von Hunderttausenden von Menschen in der Schweiz und im benachbarten Ausland gefährde», kritisierten die Grünen Aargau.[52] Die Grüne Partei der Schweiz kritisierte die Wiederinbetriebnahme als «höchst unverantwortlich». Der Umweltminister des Landes Baden-Württemberg (Kabinett Kretschmann II), Franz Untersteller (Bündnis 90/Die Grünen), bemängelte die Sicherheit des Kraftwerks und verwies auf ein Gutachten des Freiburger Öko-Instituts, das erhebliche Mängel im Atomkraftwerk Beznau aufzeigt.[53][54] Der stellvertretende Direktor des ENSI befand die kritische Beurteilung als nicht gerechtfertigt.[55] Der Trinationale Atomschutzverband (TRAS), in dem Umweltschutzorganisationen aus der Schweiz, Deutschland und Frankreich zusammengeschlossen sind, verurteilte die Wiederinbetriebnahme ebenfalls. Die Atomaufsicht (ENSI) habe veraltete Sicherheitskriterien angewandt und sich nicht an die Bestimmungen der aktuellen Gesetzgebung gehalten.[56]

Neubau Beznau IIIBearbeiten

Am 4. Dezember 2008 wurde für den Bau eines dritten Kernkraftwerkblocks ein Rahmenbewilligungsgesuch eingereicht. Zeitgleich wurde ein Rahmenbewilligungsgesuch für den Standort Mühleberg eingereicht. Als Reaktortyp war an beiden Standorten ein baugleicher Leichtwasserreaktor mit einer Leistungsgrösse zwischen 1.200 und 1.600 MWel vorgesehen.[57] Die partei- und verbandsübergreifende Allianz Stopp Atom kündigte unmittelbar nach Bekanntgabe der Einreichung ein fakultatives Referendum gegen die geplanten Bauten an.[58]

Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima im März 2011 sistierte Bundesrätin Doris Leuthard alle Rahmenbewilligungsgesuche für neue Kernkraftwerke und ordnete eine vorzeitige Sicherheitsprüfung bei allen bereits bestehenden Kraftwerken an. Dabei stünden die Erdbebensicherheit und die Reaktorkühlung im Vordergrund. Laut Leuthard können alle Schweizer Kernkraftwerke einem Erdbeben der Stärke 7 widerstehen. Ein solches Beben gelte für die Schweiz als Jahrtausendereignis.[59]

Daten der ReaktorblöckeBearbeiten

Das Kernkraftwerk Beznau hat insgesamt zwei Blöcke:

Reaktorblock[60] Reaktortyp Netto-
leistung
Brutto-
leistung
Baubeginn Netzsyn-
chronisation
Kommerzieller
Betrieb
Betriebsbewilligung
Beznau-1 Druckwasserreaktor 365 MW 380 MW 01.09.1965 17.07.1969 01.09.1969 Unbefristet
Beznau-2 Druckwasserreaktor 365 MW 380 MW 01.01.1968 23.10.1971 01.12.1971 Unbefristet

Revision des Termins der InbetriebnahmeBearbeiten

Im Vorfeld der Atomausstiegsinitiative revidierte das ENSI den Termin der Inbetriebnahme von Beznau I. Die AKW-Betreiber hätten den Begriff der Inbetriebnahme nicht «einheitlich» verwendet. So sei Beznau I am 6. September 1969 nur für ein Versuchsprogramm ans Netz gegangen. Eine Vereinheitlichung aller Schweizer AKW führe nun zu einer tatsächlichen Inbetriebnahme von Beznau I am 9. Dezember 1969. Damit rutschte Beznau I auf der Liste der ältesten Atomreaktoren hinter Tarapur 1 und 2, Oyster Creek (2018 stillgelegt) und Nine Mile Point 1 auf den fünften Rang.[2]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Kernkraftwerk Beznau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Home. Regionale Fernwärme Unteres Aaretal (REFUNA), abgerufen am 16. August 2015.
  2. a b c Aargauer Zeitung: Beznau ist nicht mehr das älteste AKW der Welt – wie ist das plötzlich möglich?, 14. Oktober 2017, abgerufen am 18. November 2017.
  3. Oldbury nuclear power station stops electricity generation, The Independent, abgerufen am 29. Februar 2012 (englisch)
  4. badische-zeitung.de, Lokales, Aargau, 23. Februar 2012, bz: Bald läuft das älteste AKW der Welt in der Schweiz (26. Februar 2012)
  5. Medienmitteilung des UVEK (vom 3. Dezember 2004)
  6. Verfahren zur Betriebsbewilligung KKW Beznau Block II, Aufzählung aller Nachrüstungen ab Seite 40. Archiviert vom Original am 26. September 2011.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www8.umweltbundesamt.at Abgerufen am 20. Dezember 2008.
  7. Dampferzeugerwechsel beim KKB-2 | Nuklearforum Schweiz. Abgerufen am 14. Februar 2017.
  8. News - Premiumpresse.de.
  9. Stellungnahme der HSK zu vorsätzlichen Flugzeugabstürzen auf Kernkraftwerke.
  10. http://www.mtu-online.com/fileadmin/fm-dam/mtu-global/pdf/mtureport/mtu-ereport-2011-03d.pdf
  11. nux.ch, nux-nummer 4, September 1978: Die Sache mit den Brennelementen im Bassin (Memento vom 21. Januar 2005 im Internet Archive) (18. Mai 2011)
  12. 2014 ENSI Oversight Report – ENSI-AN-9252. ENSI, 24. Juni 2015, abgerufen am 19. Januar 2020.
  13. 2013 ENSI Oversight Report – ENSI-AN-8800. ENSI, 30. Juni 2014, abgerufen am 19. Januar 2020.
  14. ENSI Aufsichtsbericht 2012. ENSI, 24. Juni 2013, abgerufen am 19. Januar 2020.}
  15. Verstrahlung wegen «ungenügender Koordination» - NZZ. 4. August 2009.
  16. https://www.ensi.ch/de/2009/08/03/kkb-block-2-ueberschreitung-der-zulaessigen-strahlendosis-bei-zwei-mitarbeitern-stand-11-5-2011/
  17. http://static.ensi.ch/1314021789/vorkommnis_kkb1_2007-08-21_stand_2008-01-14.pdf
  18. (Memento des Originals vom 5. März 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.news.admin.ch
  19. ENSI Aufsichtsbericht 2012. S. 37, https://www.ensi.ch/de/wp-content/uploads/sites/2/2013/06/ensi_aufsichtsbericht_2012.pdf.
  20. HSK Klassierte Vorkommnisse in Schweizerischen Kernkraftwerken, abgerufen am 11. Februar 2008
  21. Felix Maise, Tagesanzeiger Rekordzahl von Pannen im AKW Beznau, abgerufen am 11. Februar 2008
  22. NZZ online (sda) Störung im Kernkraftwerk Beznau, abgerufen am 15. April 2008
  23. Basler Zeitung (ap&baz) Turbine im Kernkraftwerk Beznau wieder in Betrieb@1@2Vorlage:Toter Link/www.baz.ch (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. , abgerufen am 15. April 2008
  24. https://www.ensi.ch/de/2009/01/09/kkb-1-ausloesung-containment-teilisolation-durch-fehlerhaftes-ansprechen-eines-kaminaktivitaetsmonitors-stand-26-3-2009/
  25. AKW Beznau: Strahlung ausgetreten.
  26. https://www.ensi.ch/de/2009/05/01/kkb-1-ausloesung-containment-teilisolation-durch-erhoehte-kaminabluftaktivitaet-stand-18-6-2009/
  27. cis: Zwischenfall im Kühlsystem, Schweizer müssen uralten Reaktor abschalten, Spiegel Online, Datum: 24. März 2012, Abgerufen: 24. März 2012
  28. Reaktorschnellabschaltung im Kernkraftwerk Beznau 2 » ENSI. 23. März 2012.
  29. (Memento des Originals vom 27. März 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.axpo.ch
  30. AKW Beznau: Unregelmässigkeit im Reaktordeckel entdeckt.
  31. Störung in AKW Beznau. 21. November 2012.
  32. Reaktorschnellabschaltung im Kernkraftwerk Beznau 2 » ENSI. 21. November 2012.
  33. Leck im AKW Beznau: Aufsichtsbehörde fordert weitere Analysen.
  34. Jetzt muss auch Beznau 2 vom Netz. 13. August 2015.
  35. Stefan HäneRedaktor Inland@stefan_haene: 1000 Schwachstellen im Herzen von Beznau 1. 10. August 2015.
  36. www.20minuten.ch, 20 Minuten, 20 Min, www.20min.ch: Axpo droht Bund mit Milliardenklage.
  37. ENSI.ch: Beznau 1: Aluminiumoxid-Einschlüsse haben keinen negativen Einfluss auf die Sicherheit des Reaktordruckbehälters
  38. Beznau 1 darf wieder ans Netz | NZZ. In: Neue Zürcher Zeitung. 6. März 2018, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 6. März 2018]).
  39. a b AKW Beznau I ist wieder am Netz - NZZ. 20. März 2018.
  40. Susan Boos, Strahlende Schweiz. Handbuch zur Atomwirtschaft, Rotpunktverlag, 1999, S. 56
  41. http://www.axpo.ch/axpo/de/netze_multi/medien/medienmitteilungen/2007/august_2007/aare-hochwasser_entspanntelagebeimkernkraftwerkbeznau.html@1@2Vorlage:Toter Link/www.axpo.ch (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  42. Wieso braucht Atom-Aufsicht 7 Jahre für Rost-Bericht über AKW Beznau?.
  43. Activists break into Swiss nuclear plant.
  44. www.20minuten.ch, 20 Minuten, 20 Min, www.20min.ch: Der neue Deckel passt nicht auf den Reaktor.
  45. AKW Beznau muss wegen Überflutungs-Gefahr nachrüsten.
  46. Temperaturüberwachung von Flüssen: Fiebermessen an Schweizer Flüssen. Bundesamt für Umwelt, 24. August 2016, abgerufen am 17. Januar 2020.
  47. Mathias Küng: Wegen der Hitze: AKW Beznau drosselt seine Leistung auf 50 Prozent. In: aargauerzeitung.ch. 25. Juli 2019, abgerufen am 25. Juli 2019.
  48. Uran-Herkunft von Axpo: Geheimer als der Appenzeller Käse, Aargauer Zeitung, 8. September 2015
  49. Kein Uran mehr aus Majak | NZZ. In: Neue Zürcher Zeitung. 27. Januar 2014, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 6. März 2018]).
  50. AKW Beznau soll wegen mangelnder Erdbebensicherheit vom Netz. 20. August 2015.
  51. Valentin Schmidt: Bundesrat will Strahlenrisiko um Faktor 100 erhöhen. In: Energie & Umwelt : das Magazin der Schweizerischen Energie-Stiftung SES. Band 2018, Nr. 1 (e-periodica.ch [abgerufen am 1. Februar 2020]).
  52. Badische Zeitung: Block I des AKW Beznau wieder am Netz - Aargau - Badische Zeitung.
  53. Ultraschallbefunde des Kernkraftwerks Beznau (pdf, März 2016)
  54. zeit.de: AKW nahe deutscher Grenze geht wieder in Betrieb
  55. ENSI widerspricht der Beznau-Kritik des Umweltministers von Baden-Württemberg. In: ensi.ch. 23. Mai 2018, abgerufen am 6. Januar 2020.
  56. Ralf Streck": Maroder Schweizer Uraltmeiler Beznau wieder am Netz. Abgerufen am 22. März 2018.
  57. admin: resun.ch - und andere Domains günstig und einfach online kaufen auf top-domains.ch. 4. Oktober 2016.
  58. Gesuche für neue AKW reissen alte Gräben auf - NZZ. 4. Dezember 2008.
  59. Rahmenbewilligungsgesuche für Ersatz-AKW sistiert, NZZ, 14. März 2011
  60. Power Reactor Information System der IAEA: „Switzerland (Swiss Confederation): Nuclear Power Reactors“ (englisch)