Seon

Gemeinde in der Schweiz
Seon
Wappen von Seon
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Lenzburgw
BFS-Nr.: 4209i1f3f4
Postleitzahl: 5703
Koordinaten: 654462 / 244155Koordinaten: 47° 20′ 46″ N, 8° 9′ 34″ O; CH1903: 654462 / 244155
Höhe: 445 m ü. M.
Fläche: 9,62 km²
Einwohner: 5279 (31. Dezember 2018)[1]
Einwohnerdichte: 549 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
25,2 % (31. Dezember 2018)[2]
Website: www.seon.ch
Karte
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Seon (im lokalen schweizerdeutschen Dialekt: Seen [seːn][3]) ist eine Einwohnergemeinde im Schweizer Kanton Aargau. Sie gehört zum Bezirk Lenzburg und liegt vier Kilometer südlich des Bezirkshauptorts im Seetal. Der Weiler Retterswil wurde 1899 eingemeindet.

GeographieBearbeiten

Das Gelände rund um das grösste Dorf des Seetals wird von einer Endmoräne geprägt, die während der Würmeiszeit beim Rückzug des Reussgletschers entstand. Die Moräne beschreibt einen Viertelkreis über das gesamte Tal hinweg und flankiert die Bebauung auf der westlichen und der nördlichen Seite. Der Aabach fliesst von der Mitte des Tals auf dessen westliche Seite und nach Verlassen des Dorfes auf die östliche Talseite; dort zwängt er sich durch einen schmalen Durchlass zwischen der Moräne und den Ausläufern des Rietenbergs. Westlich des Dorfes erhebt sich ein bewaldeter Hügelzug. Dieser bildet die Grenze zum Wynental und ist durch mehrere kurze Seitentäler stark gegliedert. Am nördlichsten liegt der Schürberg (549 m ü. M.), danach folgen der Breitenberg (551 m ü. M.), der Seenerberg (581 m ü. M.), der Surberg (600 m ü. M.) und ganz im Süden der Bampf (607 m ü. M.). Etwa anderthalb Kilometer südlich des Dorfzentrums liegt der Weiler Retterswil.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 962 Hektaren, davon sind 285 Hektaren bewaldet und 210 Hektaren überbaut.[5] Der höchste Punkt befindet sich auf 607 Metern auf dem Gipfel des Bampfs, der tiefste auf 415 Metern am Aabach. Den südwestlichsten Grenzpunkt bildet der Siebenzwingstein. Nachbargemeinden sind Schafisheim im Nordwesten, Staufen im Norden, Lenzburg im Nordosten, Egliswil im Osten, Seengen im Südosten, Hallwil und Dürrenäsch im Süden, Teufenthal im Südosten sowie Gränichen im Westen.

GeschichteBearbeiten

Funde aus der Jungsteinzeit und ein 1931 entdeckter Grabhügel aus der Hallstattzeit weisen auf eine frühe Besiedlung hin. 1945 kam bei Grabungen nahe der Grenze zu Schafisheim ein kleiner römischer Bauernhof zum Vorschein. Die Keramikfunde deuten darauf hin, dass er von Beginn des 2. bis Mitte des 3. Jahrhunderts bewohnt war.[6] Auf der Weinhalde lag ein Gräberfeld der Alamannen.

Die erste urkundliche Erwähnung von Sewa erfolgte im Jahr 893 in einem Zinsrodel des Fraumünsters in Zürich. Der Ortsname stammt von althochdeutsch ze sēwun, was «bei den Seestellen, bei den Ufer-, Landestellen» bedeutet (sēwun ist der Dativ Plural von ahd. sēo «See»). Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass der vier Kilometer entfernte Hallwilersee einst bis hierhin reichte, kann sich aber auch auf ein früheres, sich zwischen See und Ort erstreckendes Feuchtgebiet beziehen.[3] Im Mittelalter lag das Dorf im Herrschaftsbereich der Grafen von Lenzburg, ab 1173 in jenem der Grafen von Kyburg. Nachdem diese ausgestorben waren, übernahmen die Habsburger im Jahr 1273 die Landesherrschaft und die Blutgerichtsbarkeit. Die niedere Gerichtsbarkeit war zu zwei Dritteln im Besitz der jeweiligen Landesherren, zu einem Drittel im Besitz der Freien von Gösgen.

 
Luftansicht (1964)

1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau. Seon gehörte nun zum Untertanengebiet der Stadt Bern, dem so genannten Berner Aargau. Das Dorf bildete einen eigenen Gerichtsbezirk im Amt Lenzburg. Seit 1479 ist eine Offnung überliefert. 1528 führten die Berner die Reformation ein. Neben Ackerbau und Viehwirtschaft kam ab dem 17. Jahrhundert etwas Weinbau hinzu. Im 18. Jahrhundert war die Heimarbeit für Textilverleger weit verbreitet. Im März 1798 nahmen die Franzosen die Schweiz ein, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Seon gehört seither zum Kanton Aargau.

Der Weiler Retterswil war im 15. Jahrhundert noch ein Teil der Herrschaft Trostburg der Herren von Hallwyl und erhielt dann den Status eines autonomen Steckhofs. Bern hob 1751 fast alle Steckhöfe auf und so kam Retterswil zu Seon. Nach 1805 war der Weiler eine selbständige Gemeinde, wurde dann aber 1899 wieder mit Seon vereinigt.[7]

Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein blieb Seon ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf. Dann siedelten sich zahlreiche kleinere Industriebetriebe an, welche die Wasserkraft des Aabachs nutzten. Aus einer kleinen Baumwollweberei entwickelte sich eine Fabrik mit zeitweise Hunderten von Arbeitern. 1875 kaufte Seon von den Besitzern des Schlosses Liebegg ein grosses Waldstück im benachbarten Wynental. Am 15. Oktober 1883 erhielt die Gemeinde einen Anschluss ans Eisenbahnnetz, als der Abschnitt Lenzburg–Beinwil am See der Seetalbahn eröffnet wurde. Eine bis 1947 bestehende Konservenfabrik wurde durch eine Papierfabrik abgelöst. Der Wegzug bzw. die Schliessung der Papierfabrik und der Buntweberei führte nach 2000 vorübergehend zu einem spürbaren Bevölkerungsrückgang.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Reformierte Kirche

Die erste Erwähnung der Seoner Pfarrkirche erfolgte 1408 in einer Aarauer Urkunde. 1708 wurde das Gebäude komplett umgebaut und erhielt seine heutige Form. Der Kirchturm, der 1821 leicht erhöht worden war, wurde 1856 abgebrochen und durch einen noch höheren ersetzt; 1899 erhielt der Turm einen Spitzhelm anstatt des bisherigen Zwiebelhelms. Das Kirchenschiff ist an der Ostseite leicht abgeschrägt.

Am Aabach stehen zahlreiche Zeugen der Industriekultur. Dazu zählen die 1823 erbaute Spinnerei und die 1834 errichtete Baumwollweberei. Die Mühle im Unterdorf entstand bereits 1600 im spätgotischen Stil. Nach einem Umbau zu Beginn des 18. Jahrhunderts war die Mühle bis 1963 in Betrieb.[8] Mehr siehe Industriekultur am Aabach.

BilderBearbeiten

WappenBearbeiten

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Weiss drei rote Sturmhüte.» Die Gemeinde führt das Wappen des erloschenen Ministerialengeschlechts der Herren von Seon, das in dieser Form seit 1344 bekannt ist. Aufgrund eines Missverständnisses waren ab dem 19. Jahrhundert auf dem Gemeindewappen drei Eichelfrüchte zu sehen. 1923 erfolgte die Wiedereinführung der historisch korrekten Version.[9]

BevölkerungBearbeiten

Einwohnerzahlen[10]
Jahr 1764 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010 2016
Einwohner 722 1609 1873 2291 2653 3006 3628 3826 4538 4815 4745 5129

Am 31. Dezember 2018 lebten 5279 Menschen in Seon, der Ausländeranteil betrug 25,2 %. Bei der Volkszählung 2015 bezeichneten sich 39,3 % als reformiert und 20,7 % als römisch-katholisch; 40,0 % waren konfessionslos oder gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[11] 85,2 % gaben bei der Volkszählung 2000 Deutsch als ihre Hauptsprache an, 3,7 % Türkisch, 3,0 % Italienisch, 1,8 % Serbokroatisch, 1,7 % Albanisch, 0,9 % Portugiesisch und 0,7 % Spanisch.[12]

Politik und RechtBearbeiten

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Er wird im Majorzverfahren vom Volk gewählt, seine Amtsdauer beträgt vier Jahre. Der Gemeinderat führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm vom Kanton zugeteilt wurden. Für Rechtsstreitigkeiten ist in erster Instanz das Bezirksgericht Lenzburg zuständig. Seon ist Sitz des Friedensrichterkreises XII, der den südlichen Teil des Bezirks umfasst.[13]

WirtschaftBearbeiten

In Seon gibt es gemäss der im Jahr 2015 erhobenen Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT) rund 2700 Arbeitsplätze, davon 3 % in der Landwirtschaft, 26 % in der Industrie und 71 % im Dienstleistungsbereich.[14] In den Fabrikationsbetrieben werden unter anderem Wellpappe, Maschinen, Werkzeuge und Möbel hergestellt. Das bekannteste Unternehmen mit Sitz in Seon ist der Sportausrüstungshersteller Mammut Sports Group. Daneben gibt es zahlreiche Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe. Viele Erwerbstätige sind Wegpendler und arbeiten in der näheren Umgebung, hauptsächlich in Lenzburg.

VerkehrBearbeiten

 
Schulanlage Hertimatt

Durch das Dorf verläuft die Hauptstrasse 26 von Lenzburg durch das Seetal nach Luzern. Der sechs Kilometer entfernte Autobahnanschluss Aarau-West der A1 ist über die Kantonsstrasse 288 via Schafisheim erreichbar. Nebenstrassen führen nach Egliswil und nach Gränichen im Wynental. Seon besitzt einen Bahnhof an der Seetalbahn der SBB; geplant ist eine weitere Haltestelle im nördlichen Teil des Dorfes. Vom Bahnhof Lenzburg aus führen zwei Buslinien der Gesellschaft Regionalbus Lenzburg über Seon nach Bettwil bzw. Teufenthal. An Wochenenden verkehrt ein Nachtbus von Lenzburg über Seon nach Sarmenstorf.

BildungBearbeiten

Die Gemeinde verfügt über sechs Kindergärten und drei Schulhäuser, in denen sämtliche Stufen der obligatorischen Volksschule unterrichtet werden (Primarschule, Realschule, Sekundarschule und Bezirksschule). Die nächstgelegenen Gymnasien sind die Alte Kantonsschule und die Neue Kantonsschule, beide in Aarau.

BrauchtumBearbeiten

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Seon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bevölkerungsbestand nach Gemeinde, Nationalität und Geschlecht, per 31. Dezember 2018. (XLS, 233 kB) Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2019, abgerufen am 27. März 2019.
  2. Bevölkerungsbestand nach Gemeinde, Nationalität und Geschlecht, per 31. Dezember 2018. (XLS, 233 kB) Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2019, abgerufen am 27. März 2019.
  3. a b Vgl. Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. Historische Quellen und sprachwissenschaftliche Deutungen. Verlag Sauerländer, Aarau 1991, S. 395f.; Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Huber, Frauenfeld / Payot, Lausanne 2005, S. 828.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1089 und 1090, Swisstopo.
  5. Arealstatistik Standard – Gemeinden nach 4 Hauptbereichen. Bundesamt für Statistik, 26. November 2018, abgerufen am 21. Mai 2019.
  6. Martin Hartmann, Hans Weber: Die Römer im Aargau. Verlag Sauerländer, Aarau 1985, ISBN 3-7941-2539-8, S. 200.
  7. Felix Müller: Retterswil. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  8. Industriekultur am Aabach. (PDF; 1,6 MB) Stadt Lenzburg, Verein Industriekultur am Aabach, abgerufen am 4. Januar 2010.
  9. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 275.
  10. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. (Excel) In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistik Aargau, 2001, archiviert vom Original am 8. Oktober 2018; abgerufen am 21. Mai 2019.
  11. Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit, 2015. (Excel) In: Bevölkerung und Haushalte, Gemeindetabellen 2015. Statistik Aargau, abgerufen am 21. Mai 2019.
  12. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. (Excel) Statistik Aargau, archiviert vom Original am 10. August 2018; abgerufen am 21. Mai 2019.
  13. Friedensrichterkreise. Kanton Aargau, abgerufen am 21. Juni 2019.
  14. Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT). (Excel, 157 kB) Statistik Aargau, 2016, abgerufen am 21. Mai 2019.