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Schinznach-Bad
Wappen von Schinznach-Bad
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Brugg
BFS-Nr.: 4114i1f3f4
Postleitzahl: 5116
Koordinaten: 655046 / 255708Koordinaten: 47° 26′ 59″ N, 8° 10′ 7″ O; CH1903: 655046 / 255708
Höhe: 364 m ü. M.
Fläche: 1,90 km²
Einwohner: 1354 (31. Dezember 2018)[1]
Einwohnerdichte: 713 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
30,8 % (31. Dezember 2018)[2]
Website: www.schinznach-bad.ch
Karte
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Schinznach-Bad (schweizerdeutsch: ˈʃɪntsˌnɑχ pɑd)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Schweizer Kanton Aargau. Die Gemeinde, die bis 1938 Birrenlauf hiess, gehört zum Bezirk Brugg und hat aufgrund der schwefelhaltigen Thermalquelle eine grosse touristische Bedeutung.

Manchmal wird der Gemeindename auch ohne Bindestrich geschrieben (so zum Beispiel im Amtlichen Gemeindeverzeichnis der Schweiz von 1986). Seit 2003 gilt die Version mit Bindestrich als offiziell korrekte Schreibweise.

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Das Dorf liegt am rechten Ufer der Aare, auf halbem Weg zwischen Lenzburg und Brugg. Die Aare bildet die westliche Gemeindegrenze. Beim Stauwehr des Wasserkraftwerks nordwestlich des Dorfzentrums teilt sich die Aare in den Altlauf und den Oberwasserkanal. Dazwischen liegt die rund vier Kilometer lange und durchschnittlich 150 Meter breite Schacheninsel, die bis nach Brugg reicht. Schinznach-Bad selbst hat keinen Anteil an dieser durch angeschwemmtes Geschiebe entstandenen Insel. Die östliche Gemeindegrenze wird durch die steilen Abhänge von Scherzberg und Eihalden gebildet. Auf der Geländeterrasse über dem durch Flussauen geprägten Uferstreifen erstreckt sich das Dorf auf einer Länge von rund zwei Kilometern.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 190 Hektaren, davon sind 72 Hektaren mit Wald bedeckt und 90 Hektaren überbaut.[5] Der höchste Punkt liegt auf dem Scherzberg auf 508 Metern, der tiefste auf 340 Metern an der Aare. Nachbargemeinden sind Villnachern im Norden, Brugg im Nordosten, Habsburg und Lupfig im Osten, Holderbank im Süden sowie Schinznach im Westen.

GeschichteBearbeiten

 
Ansicht vom Schintznachter Bad aus dem March-Buch von Samuel Bodmer (1710)
 
Bäder von Schinznach (1838)

Die erste urkundliche Erwähnung von Birrenlauf, wie die Gemeinde früher hiess, geht auf das Jahr 1064 zurück. Damals überschrieben die Habsburger die Höfe in Biralophon dem Kloster Muri, das nun die geistliche Hoheit ausübte. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen (ze) bircholoufeon und bedeutet «bei den Birken-Wasserfällen».[3] Das Dorf gehörte zum Eigenamt, dem ältesten Besitz der Habsburger, deren Stammsitz nur wenige Kilometer entfernt auf dem Wülpelsberg steht. 1397 übertrugen sie die Grund- und Gerichtsherrschaft an das Kloster Königsfelden in Windisch. 1415 eroberten die Stadt Bern den westlichen Aargau und fügte das Eigenamt ihren Untertanengebieten im Berner Aargau zu. Nach Einführung der Reformation im Jahr 1528 wurde das Kloster Königsfelden säkularisiert, woraufhin Bern das Eigenamt in die Landvogtei Königsfelden umwandelte und nun sämtliche Rechte ausübte.

1654 entdeckte man auf dem Gemeindegebiet von Schinznach eine schwefelhaltige Quelle, die allerdings 1670 durch eine Überschwemmung verschüttet wurde. Die Schinznacher Quelle wurde 1691 wiederentdeckt, diesmal aber auf der rechten Aareseite bei Birrenlauf. In der Folge entstanden zahlreiche Gebäude für den Kurbetrieb, das neue Heilbad wurde trotzdem nach Schinznach benannt. Das Kurbad war 1761 Gründungsort der Helvetischen Gesellschaft, die eine radikale Änderung der bestehenden Herrschaftsstrukturen anstrebte. 1798 war es dann soweit: Die von Frankreich unterstützte Helvetische Revolution beendete die Herrschaft der «Gnädigen Herren» von Bern. Seither gehört die Gemeinde zum Kanton Aargau.

Die politischen Wirren hatten jedoch kaum Einfluss auf den Kurbetrieb, der weiterhin florierte. Viele Gäste, die nach «Schinznach Bad» kamen, waren sich der Tatsache nicht bewusst, dass sie sich eigentlich in der Gemeinde Birrenlauf aufhielten. Als die Schweizerische Nordostbahn am 15. Mai 1858 einen Bahnhof namens Schinznach-Bad eröffnete und die Post später diesem Beispiel folgte, führte dies oft zu Verwechslungen. Aus diesem Grund benannte sich die Gemeinde 1938 offiziell in Schinznach-Bad um, während das ursprüngliche Schinznach den Zusatz «Dorf» erhielt. 1952 entstand am südlichen Ende der Schacheninsel ein Wasserkraftwerk. Während des 20. Jahrhunderts hat sich die Bevölkerung fast verzehnfacht.

Am 5. April 2009 stimmten die Stimmberechtigten von Schinznach-Bad einer Fusion mit den Nachbargemeinden Oberflachs, Schinznach-Dorf und Villnachern zur neuen Gemeinde Schenkenberg zu. Sie kam dennoch nicht zustande, weil Veltheim sie ablehnte.[6] Das daraufhin initiierte Fusionsprojekt ohne Veltheim scheiterte bei einer Urnenabstimmung am 25. Oktober 2009 ebenfalls, als die Stimmbürger von Villnachern das Projekt ablehnten.[7] Am 4. März 2018 stimmten die Stimmberechtigten von Schinznach-Bad einer geplanten Fusion mit Brugg knapp zu. Auch das Brugger Stimmvolk hat der Fusion per 1. Januar 2020 zugestimmt.[8]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Decke der Kurkapelle
 
Kurkapelle im Kurpark
 
Auenwald im Norden von Schinznach-Bad

In der Thermalbadanlage sind teilweise Gebäude aus den Anfangsjahren des Kurbetriebs erhalten geblieben. Der damalige Quellenbesitzer und Münsterbaumeister Samuel Jenner liess 1696 ein Gästehaus errichten, 1703/04 kam ein parallel verlaufendes Gegenstück dazu. Beide Gebäude wurden 1706/08 durch einen Querflügel miteinander verbunden. 1824/27 fügte der Architekt Hans Conrad Stadler einen halbkreisförmigen Rundbau im klassizistischen Stil an. Zum Park gehört die 1881 errichtete Kurkapelle, die mit Spenden von Kurgästen ausgebaut wurde und deren Inneres in surrealem Barock gehalten ist. Der Kurpark wurde von Evariste Mertens gestaltet.

WappenBearbeiten

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Blau über drei weissen Wellen steigender gelber Halbmond, beseitet von zwei fünfstrahligen gelben Sternen.» Die Gemeinde Birrenlauf, wie Schinznach-Bad früher hiess, führte seit 1872 auf dem Gemeindesiegel ein Wappen, das einen Fährmann auf einem Stechruderkahn zeigte, begleitet von zwei Birnen. Da das Motiv aus heraldischer Sicht fragwürdig war und mit dem neuen Namen der Gemeinde ohnehin nicht mehr übereinstimmte, wurde 1952 ein neues Wappen eingeführt. Die Wellen symbolisieren die Aare, während der Halbmond und die Sterne die volksetymologische Ortsnamensdeutung «schint z’Nacht» (scheint in der Nacht) ergeben.[9]

BevölkerungBearbeiten

Die Einwohnerzahlen entwickelten sich wie folgt:[10]

Jahr 1764 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 90 210 149 325 450 711 1041 972 1214 1258 1216

Am 31. Dezember 2018 lebten 1354 Menschen in Schinznach-Bad, der Ausländeranteil betrug 30,8 %. Bei der Volkszählung 2015 bezeichneten sich 28,2 % als reformiert und 23,6 % als römisch-katholisch; 48,2 % waren konfessionslos oder gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[11] 80,8 % gaben bei der Volkszählung 2000 Deutsch als ihre Hauptsprache an, 5,6 % Serbokroatisch, 2,5 % Albanisch, je 2,0 % Italienisch und Türkisch, 1,8 % Spanisch sowie 1,1 % Französisch.[12]

Politik und RechtBearbeiten

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Er wird im Majorzverfahren vom Volk gewählt, seine Amtsdauer beträgt vier Jahre. Der Gemeinderat führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm vom Kanton zugeteilt wurden. Für Rechtsstreitigkeiten ist in erster Instanz das Bezirksgericht Brugg zuständig. Schinznach-Bad gehört zum Friedensrichterkreis VIII (Brugg).[13]

WirtschaftBearbeiten

In Schinznach-Bad gibt es gemäss der im Jahr 2015 erhobenen Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT) rund 1400 Arbeitsplätze, davon 12 % in der Industrie und 88 % im Dienstleistungssektor.[14] Das wirtschaftliche Geschehen wird vor allem durch das Thermalbad geprägt, das sich rund einen Kilometer nördlich des Dorfzentrums befindet. Dazu gehören die Privatklinik «Im Park», die Rehabilitationsklinik «aarReha», ein Kurhotel, das ursprüngliche Thermalbad, das moderne Freizeitbad Aquarena, eine weitläufige Parkanlage sowie ein 9-Loch-Golfplatz. Ein weiterer wichtiger Arbeitgeber ist AMAG, der grösste Autoimporteur der Schweiz (sämtliche Marken der Volkswagen-Gruppe).

VerkehrBearbeiten

Die stark befahrene Hauptstrasse 5, die direkte Verbindung zwischen Brugg im Norden und Aarau im Südwesten (rund 10'000 bis 15'000 Fahrzeuge pro Tag), durchquert das Dorf in Nord-Süd Richtung. Von dieser zweigt die Kantonsstrasse 399 nach Lupfig ab. Die Autobahn A3 überquert etwa zwei Kilometer nördlich des Dorfes die Aare. Durch Schinznach-Bad verläuft eine der Ost-West-Hauptlinien der SBB. Am Bahnhof halten Regionalzüge, die nach Aarau, Brugg und Baden verkehren. Hinzu kommt eine Postautolinie vom Kurzentrum zum Bahnhof Brugg. An Wochenenden verkehrt ein Nachtbus von Brugg über Schinznach-Bad und Schinznach nach Thalheim.

BildungBearbeiten

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und eine Primarschule. Die Realschule und die Sekundarschule können in Veltheim besucht werden, die Bezirksschule ebenfalls in Schinznach-Dorf. Die nächstgelegenen Gymnasien sind die Kantonsschule Baden und die Kantonsschule Wettingen. Auf dem Thermalbadgelände befindet sich seit 1991 eine Ausbildungsstätte für Physiotherapie.

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Schinznach-Bad – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bevölkerungsbestand nach Gemeinde, Nationalität und Geschlecht, per 31. Dezember 2018. (XLS, 233 kB) Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2019, abgerufen am 27. März 2019.
  2. Bevölkerungsbestand nach Gemeinde, Nationalität und Geschlecht, per 31. Dezember 2018. (XLS, 233 kB) Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2019, abgerufen am 27. März 2019.
  3. a b Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100. Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 375–377.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1069 und 1070, Swisstopo.
  5. Arealstatistik Standard – Gemeinden nach 4 Hauptbereichen. Bundesamt für Statistik, 26. November 2018, abgerufen am 10. Juni 2019.
  6. Fünferfusion gescheitert. Aargauer Zeitung, 5. April 2009, abgerufen am 28. Januar 2010.
  7. Villnachern entscheidet sich klar gegen Schinznach. Aargauer Zeitung, 25. Oktober 2009, abgerufen am 10. August 2010.
  8. Brugg und Schinznach-Bad sagen Ja zur Fusion. Aargauer Zeitung, 5. März 2018, abgerufen am 4. März 2018.
  9. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 266.
  10. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. (Excel) In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistik Aargau, 2001, archiviert vom Original am 8. Oktober 2018; abgerufen am 10. Juni 2019.
  11. Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit, 2015. (Excel) In: Bevölkerung und Haushalte, Gemeindetabellen 2015. Statistik Aargau, abgerufen am 10. Juni 2019.
  12. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. (Excel) Statistik Aargau, archiviert vom Original am 10. August 2018; abgerufen am 10. Juni 2019.
  13. Friedensrichterkreise. Kanton Aargau, abgerufen am 18. Juni 2019.
  14. Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT). (Excel, 157 kB) Statistik Aargau, 2016, abgerufen am 10. Juni 2019.