Kanton Jura

Kanton der Schweiz

Der Kanton Jura, französisch Jura [ʒyˈʁaː] (Kürzel JU, italienisch Giura, rätoromanisch Audio-Datei / Hörbeispiel Giura?/i), amtlich französisch République et Canton du Jura (Republik und Kanton Jura), ist der 26. und mit Abstand jüngste Kanton der Schweiz und liegt in der gleichnamigen Gebirgskette. Bis 1979 gehörte das Gebiet des Kantons Jura zum Kanton Bern. Der Hauptort und zugleich grösste Ort ist Delsberg (französisch Delémont). Amts- und Umgangssprache ist französisch. Die Einwohner des Kantons werden «Jurassier» (französisch: jurassiens) genannt.

Republik und Kanton Jura
République et Canton du Jura
Wappen
Wappen
Kanton der Schweizerischen Eidgenossenschaft
Kürzel/Kontrollschild: JU
Amtssprache: Französisch
Hauptort: Delsberg
Beitritt zum Bund: 1979 (1815)
Kantonshymne: La Nouvelle Rauracienne
Fläche: 838,51 km²
Höhenbereich: 364–1293 m ü. M.
Website: www.ju.ch
Bevölkerung
Einwohner: 73'709 (31. Dezember 2020)[1]
Einwohnerdichte: 88 Einwohner pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne Bürgerrecht)
14,7 % (31. Dezember 2019)[2]
Arbeitslosenquote: 4,7 % (30. Juni 2021)[3]
Lage des Kantons in der Schweiz
Lage des Kantons in der Schweiz
Karte des Kantons
Karte des Kantons
Munizipalgemeinden des Kantons
Munizipalgemeinden des Kantons
Das Logo für Öffentlichkeitsarbeit des Kantons Jura

GeographieBearbeiten

Der Kanton Jura liegt im Nordwesten der Schweiz. Er bildet im Westen und Norden einen Teil der schweizerischen Staatsgrenze zu Frankreich, wobei er in seinem äussersten Westen bei Les Bois auch an den Kanton Neuenburg grenzt. Im Süden grenzt der Kanton Bern an den Kanton Jura, im Osten die Kantone Solothurn und Basel-Landschaft.

Der Fläche nach belegt der Kanton Platz 14 von 26, aufgrund der geringen Einwohnerdichte liegt er nach der Einwohnerzahl auf Platz 20.

Der Kanton Jura umfasst die geografischen Regionen Delsberger Becken, Ajoie (deutsch Elsgau), Clos du Doubs, Freiberge und das Bergland von Movelier.

BevölkerungBearbeiten

Per 31. Dezember 2020 betrug die Einwohnerzahl des Kantons Jura 73'709.[4] Die Bevölkerungsdichte liegt mit 88 Einwohnern pro Quadratkilometer unter dem Schweizer Durchschnitt (208 Einwohner pro Quadratkilometer). Der Ausländeranteil (gemeldete Einwohner ohne Schweizer Bürgerrecht) bezifferte sich am 31. Dezember 2019 auf 14,7 Prozent, während landesweit 25,3 Prozent Ausländer registriert waren.[5] Per 30. Juni 2021 betrug die Arbeitslosenquote 4,7 Prozent gegenüber 2,8 Prozent auf eidgenössischer Ebene.[6]

SprachenBearbeiten

Die Amtssprache des Kantons ist Französisch. Die einzige deutschsprachige Gemeinde ist Ederswiler. 2012 wurde Französisch von 91,8 Prozent der Bevölkerung als Hauptsprache verwendet, Deutsch von 7,2 Prozent und Italienisch von 2,9 Prozent.[7]

Viele Orte sind aufgrund ihrer Nähe zur deutsch-französischen Sprachgrenze und früher wechselnden Zugehörigkeit (erst zum Fürstbistum Basel und dann zum Kanton Bern) nicht nur unter ihren französischen, sondern auch unter deutschen Namen bekannt, etwa Delémont/Delsberg oder Porrentruy/Pruntrut.

Religionen – KonfessionenBearbeiten

Im Kanton Jura ist eine deutliche Mehrheit der Bewohner römisch-katholisch (69,6 Prozent).[7] Zur evangelisch-reformierten Kirche bekennen sich 10,1 Prozent, während 12,1 Prozent konfessionslos sind.

VerfassungBearbeiten

Die gegenwärtige Kantonsverfassung[8] datiert von 1977.

Legislative – ParlamentBearbeiten

Gesetzgebendes Organ (Legislative) des Kantons Jura ist das Parlament (französisch Parlement), das aus 60 Volksvertretern besteht. Es wurde am 18. Oktober 2020 zum letzten Mal gewählt.

Zudem ist das Volk direkt an der Gesetzgebung beteiligt, da Verfassungsänderungen obligatorisch und Gesetzesänderungen auf Antrag von mindestens 2000 Stimmberechtigten oder acht Gemeinden der Volksabstimmung (Referendum) unterworfen sind. Mindestens 2000 Stimmberechtigte oder acht Gemeinden können überdies eine Gesetzes- oder Verfassungsänderung beantragen. Ausländer sind seit der Kantonsgründung 1979 stimm- und wahlberechtigt; ausgeschlossen davon ist die Wahlbefähigung zu kantonalen Ämtern.

Partei Sitze Sitzverteilung Wähleranteil in Prozent
Christlichdemokratische Volkspartei (CVP) 15
2
7
13
6
2
15
8
7
13 15 
Insgesamt 60 Sitze
Wahl zum Jurassischen Parlament vom 18. Oktober 2020
Wahlbeteiligung: 43,85 %
 %
30
20
10
0
24,41
20,20
13,50
11,48
10,94
10,30
4,50
3,65
1,00
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2015
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
−2,37
+0,15
−1,93
+3,78
−1,94
−1,83
+4,50
+0,42
−0,80
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
e Liste inkl. EDU-Kandidaten
h Gemeinsame Liste Combat socialiste und PdA
Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SP) 13
FDP.Die Liberalen (FDP) 08
Schweizerische Volkspartei (SVP) 07
Grüne Partei der Schweiz (GPS) 07
Christlich-soziale Partei (CSP) 06
Grünliberale Partei (glp) 02
Partei der Arbeit der Schweiz (PdA) 02

Exekutive – RegierungBearbeiten

Ausführendes Organ (Exekutive) ist die Regierung (französisch Gouvernement). Diese besteht aus fünf Ministern (Ministre).

Mitglieder der jurassischen Regierung (Amtszeit 2021–2025)[9]
Minister Funktion Partei Departement
Martial Courtet Ministre
Minister
CVP Département de la formation, de la culture et des sports (DFCS)
Departement für Bildung, Kultur und Sport
Nathalie Barthoulot Présidente du Gouvernement en 2021
Regierungspräsidentin 2021
SP Département de l’intérieur (DIN)
Departement des Innern
David Eray Vice-président du Gouvernement en 2021
Regierungsvizepräsident 2021
CSP Département de l’environnement (DEN)
Departement für Umwelt
Jacques Gerber Ministre
Minister
FDP Département de l’économie et de la santé (DES)
Departement für Wirtschaft und Gesundheit
Rosalie Beuret Siess Ministre
Ministerin
SP Département des finances (DFI)
Departement für Finanzen

Judikative – RechtsprechungBearbeiten

Rechtsprechendes Organ (Judikative) sind die richterlichen Behörden. Hierzu zählen insbesondere die drei Bezirksgerichte (Tribunal du District) sowie das Kantons- (Tribunal cantonal) und das Verfassungsgericht (Cour constitutionnelle).

Vertretung auf eidgenössischer EbeneBearbeiten

Auf Bundesebene entsendet der Kanton Jura je zwei Vertreter in den Ständerat und in den Nationalrat.

WirtschaftBearbeiten

Wirtschaftlich ist der Kanton Jura einer der schwächsten Kantone der Schweiz. Die Finanzkraft liegt nur bei 30 Prozent des gesamtschweizerischen Wertes. So lag 2011 das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Einwohner bei 62'316 Schweizer Franken.[7] Sichtbar wird dieser Umstand auch an vielen leerstehenden (und verfallenden) teilweise historisch wertvollen Häusern. Die Arbeitslosenquote liegt über dem Schweizer Durchschnitt mit 4,7 Prozent gegenüber 2,8 Prozent auf eidgenössischer Ebene (30. Juni 2021).[6]

Im Jahr 2020 wurde 20,6 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche des Kantons durch 189 Betriebe biologisch bewirtschaftet.[10]

PferdezuchtBearbeiten

Eine heute Freiberger genannte Pferderasse war früher auch als „Jura-Pferd“ bekannt. Insgesamt bildet der Jura einen Schwerpunkt der Pferdezucht innerhalb der Schweiz.

VerkehrBearbeiten

Die Jurabahnen (Chemins de fer du Jura, kurz CJ) betreiben mehrere Eisenbahn- und Autobuslinien. Auch der Schweizerische Postautodienst ist Konzessionär für mehrere Buslinien. Die Schweizerischen Bundesbahnen betreiben eine Hauptachse, auf der die Schnellzüge in Delsberg eine Spitzkehre machen. Eine weitere Eisenbahnlinie führt von Delsberg nach Boncourt mit einer Fortsetzung über Delle nach Belfort. Diese Route tangiert das Tal des Doubs mit dem Clos du Doubs.

Bedeutendste Autoverbindung ist die A16, die den Kanton von Südost nach Nordwest durchquert. Insgesamt sind manche Strassen, bedingt durch die teilweise spektakulär gebirgige Landschaft, eng und kurvenreich. Manche in den Fels gehauene Durchfahrten sind nicht mehr als 3,1 bis 3,5 Meter hoch. Dies erklärt auch die zögerliche wirtschaftliche Entwicklung des Gebietes.

Im Jahr 2020 lag der Motorisierungsgrad (Personenkraftwagen pro 1000 Einwohner) bei 599.[11]

GeschichteBearbeiten

 
Das Fürstbistum Basel im 18. Jahrhundert

Der Kanton Jura ist der jüngste Kanton in der Schweiz. Er entstand aufgrund von kulturell-politischen Spannungen. Nach mehreren lokalen Plebisziten und der eidgenössischen Volksabstimmung vom 24. September 1978 wurde am 1. Januar 1979 der nördliche Teil des Juras durch Abspaltung vom Kanton Bern getrennt – nach rund 165-jähriger Zugehörigkeit.

MittelalterBearbeiten

Im Mittelalter gehörte das Gebiet des heutigen Kantons Jura zum Hochstift Basel, einem bischöflich regierten Territorialstaat.[12] Während die Gebiete des heutigen bernischen Juras durch den Einfluss der Stadt Bern im 16. Jahrhundert zur Reformation übertraten, blieb der nördliche Teil katholisch oder wurde in der Gegenreformation rekatholisiert. Seit der Reformation residierten die Fürstbischöfe nicht mehr in Basel, sondern im nordjurassischen Pruntrut in der Ajoie. Das Hochstift war zwischen 1579 und 1717 mit den katholischen Orten der Eidgenossenschaft verbündet. Der Südjura galt aber als Teil der Eidgenossenschaft, weil die Städte Neuenstadt und Biel/Bienne sowie die Propstei Moutier-Grandval mit Bern im Burgrecht standen. Der Bischof von Basel galt damals weltlich als ein Fürst des deutschen Reiches; deshalb durfte ein deutscher Heerführer während des Dreißigjährigen Krieges 1639 seine Truppen ins Hochstift legen, ohne dass die Eidgenossenschaft dies als Grenzverletzung in ihrem zugewandten Ort ahnden konnte.[13]

RepublikBearbeiten

1792 wurde im nördlichen Teil des Hochstift als Folge der Besetzung durch französische Revolutionstruppen kurzzeitig die Raurakische Republik ausgerufen. Schon im folgenden Jahr wurde der gesamte Jura allerdings Teil der Französischen Republik.

Wiener KongressBearbeiten

Am Wiener Kongress 1815 wurden die Gebiete des ehemaligen Hochstifts Basel den Kantonen Bern und Basel zugesprochen. Mit der Unterzeichnung der Vereinigungsurkunden ging das Birseck an Basel, und die Gebiete des heutigen Juras und das Laufental gingen an Bern. Eine Kompensation für den Verlust des Aargaus und der Waadt 1803 war zweitrangig.[14]

In den katholischen Teilen des Jura kam es bereits im 19. Jahrhundert während des Kulturkampfes zu massiven Spannungen zwischen den Behörden des Kantons Bern und der Bevölkerung. Diese Spannungen dauerten auch nach dem Kulturkampf bis ins 20. Jahrhundert hinein an, etwas abgemildert und später wieder intensiver.

20. JahrhundertBearbeiten

Ein Höhepunkt der Jurafrage war die sogenannte Moeckli-Affäre. 1947 verweigerten deutschsprachige Berner Politiker einem bern-jurassischen Politiker die Führung des Baudepartements, weil es «zu wichtig» sei, um dieses an einen welschen Politiker zu übergeben.

Der Kanton Bern ist grösstenteils reformiert und deutschsprachig. Die Bewohner des 1815 erworbenen Gebietes dagegen sind heute mehrheitlich französischsprachig und – im Nordteil – katholisch. Dass der Konflikt, der letzten Endes zur Abtrennung des Juras von Bern führte, ursprünglich weniger sprachlicher, sondern konfessioneller Art war, zeigt sich daran, dass bei den Volksabstimmungen über die Kantonsgründung der zwar ebenfalls französischsprachige, aber protestantische Südteil des Juras, die Amtsbezirke La Neuveville, Moutier und Courtelary, stets für den Verbleib bei Bern stimmte.

Der Kantonsgründung voran gingen in den 1960er und 1970er Jahren teils gewalttätige Ausschreitungen. 1984 verübte die Jugendorganisation «Béliers» Sprengstoffanschläge, denen u. a. auch das Soldatendenkmal des Ersten Weltkriegs in Les Rangiers zum Opfer fiel. Führender Kopf der Sezessions-Bewegung war Roland Béguelin vom Rassemblement jurassien.

Die in der Berner Kantonsverfassung und der Bundesverfassung vorgesehenen Verfahren mit Volksabstimmungen auf verschiedenen Staatsebenen verhinderten letztendlich eine bürgerkriegsähnliche Eskalation.

Volksabstimmungen, 1979 und danachBearbeiten

An der zweiten Volksabstimmung zur Jurafrage vom 1. März 1970 hatte das Berner Stimmvolk mit einem Zusatz zur Staatsverfassung den sieben jurassischen Bezirken das Recht eingeräumt, selbst über ihre politische Zukunft zu entscheiden und der Amtsbezirk Laufen erhielt das Recht, sich einem anderen benachbarten Kanton anzuschliessen.[15] Die einzelnen Bezirke als auch Gemeinden an den Bezirksgrenzen konnten über den Verbleib beim Kanton Bern abstimmen.

1975 entschieden sich die drei Amtsbezirke Moutier, Courtelary und La Neuveville beim Kanton Bern zu bleiben, während die drei nordjurassischen Bezirke Porrentruy, Freiberge und Delémont dem neuen Kanton Jura beitreten wollten. Der Grenzbezirk Laufen stimmte vorerst für den Verbleib beim Kanton Bern.

 
3. Februar 1977, bei der Zeremonie der Annahme der Verfassung des Kantons Jura durch den Verfassungsrat. Roland Béguelin, François Lachat, Joseph Boinay (von links)

Das eidgenössische Parlament hiess im September 1977 die jurassische Verfassung gut, mit Ausnahme des Artikels 138, der die Möglichkeit vorsah, den ganzen oder einen Teil des bernisch gebliebenen Juras – unter dem Vorbehalt einer gesetzeskonformen Ablösung – dem neuen Kanton anzugliedern. Am 24. September 1978 ratifizierten das Schweizer Volk (82,3 Prozent Ja) und alle Stände die Schaffung des Kantons Jura, indem sie einer diesbezüglichen Änderung der Bundesverfassung zustimmten,[16] und ermöglichten damit dessen Schritt in die Souveränität am 1. Januar 1979.

Am 10. März 1996 ermöglichten 91,7 Prozent der Stimmenden der Schweiz und sämtliche Kantone den Wechsel der kleinen bernischen Gemeinde Vellerat den Übertritt zum Kanton Jura, weil es ihnen gemäss Meinungsumfragen primär um das Recht auf Selbstbestimmung auf Gemeindeebene ging. Der deutschsprachige Bezirk Laufen ist zwar katholisch, die Sprache führte aber damals zum Entscheid, bei Bern zu verbleiben. Vom verbleibenden Berner Kantonsgebiet territorial getrennt, wechselte der Amtsbezirk Laufen aber 1994 zum Halbkanton Basel-Landschaft.

Der Kanton Jura und sezessionistische Kräfte im Südjura agitierten weiterhin für eine Wiedervereinigung. Seit 1994 arbeitet die Interjurassische Versammlung (französisch Assemblée interjurassienne) – eine von der Schweizerischen Eidgenossenschaft bestellte Kommission mit allen interessierten Kreisen – an der Lösung der Jurafrage. Im September 2004 hat sie ein Projekt begonnen, das einen völlig neuen Kanton anvisiert, in dem Nordjura (heute Kanton Jura) und der Südjura (Jura bernois) nach den Vorstellungen der Nordjurassier vereinigt werden sollen. Damit wurde ein weiterer Anlauf unternommen, den Südjura von Bern zu lösen und damit die vom Kanton Jura und separatistischen Kräften des Berner Juras gewünschte «Einheit des jurassischen Volkes» herzustellen.

2013 wurde im Kanton Jura und im zum Kanton Bern gehörenden Berner Jura abgestimmt, ob der Berner Jura beim Kanton Bern bleiben oder dem Kanton Jura angegliedert werden soll.[17][18] Bei der Abstimmung sprach sich eine Mehrheit für einen Verbleib beim Kanton Bern aus. Einzig die Gemeinde Moutier hatte sich für einen Wechsel in den Kanton Jura ausgesprochen. Am 18. Juni 2017 entschied die Stimmbevölkerung Moutiers für einen Kantonswechsel.[19] Auch die Gemeinden Belprahon und Sorvilier stimmten am 17. September 2017 über einen Wechsel in den Kanton Jura ab, entschieden sich jedoch gegen einen Kantonswechsel.[20] Die Berner Regierung kassierte die Abstimmung von Moutier 2018 ein. Begründet wurde dies mit Unregelmäßigkeiten.[21] Am 28. März 2021 votierte Moutier mit fast 55 Prozent für den Kantonswechsel.[22]

Geschichte der ArbeiterbewegungBearbeiten

Eine besondere Bedeutung besitzt die Region auch für die Geschichte der Arbeiterbewegung. 1871 schlossen sich mehrere örtliche, in der Ersten Internationale organisierte Sektionen – vor allem Uhrenarbeiter – zur Juraföderation zusammen. Als Vertreter eines regionalistisch-kollektivistischen Anarchismus wurde diese 1872 aus der Internationale ausgeschlossen. Die anschliessende Gründung der kurzlebigen Antiautoritären Internationale auf einem Gegenkongress in Saint-Imier machte die Region für einige Jahre zum europäischen Zentrum der anarchistischen Bewegung in Europa. Bezeichnenderweise stammte die Idee zum Schweizer Frauenstreik von 1991 von einigen Uhrenarbeiterinnen aus dem Vallée de Joux, die damit auf ihre mageren Löhne aufmerksam machen wollten.[23]

VerwaltungsgliederungBearbeiten

Politische GemeindenBearbeiten

 
Städte und Orte des Kantons Jura

Der Kanton Jura ist sehr stark ländlich geprägt. Der Kanton zählt 57 politische Gemeinden. Nach statistischen Kriterien gibt es nur eine Stadt: den Hauptort Delsberg mit 12'618 Einwohnern.

Nachfolgend aufgelistet sind die bevölkerungsreichsten politischen Gemeinden mit mehr als 2'000 Einwohnern per 31. Dezember 2020:[24]

Politische Gemeinde Einwohner
Delsberg, Hauptort 12'618
Haute-Sorne 07167
Pruntrut 06434
Courroux 03313
Courrendlin 03631
Val Terbi 03190
Courtételle 02644
Saignelégier 02615
Courgenay 02400

BezirkeBearbeiten

 
Bezirke des Kantons Jura

Der Kanton Jura ist in drei Bezirke aufgeteilt:

LiteraturBearbeiten

  • Christian Koller: Vor 40 Jahren: Ein neuer Kanton entsteht. In: Sozialarchiv Info 1 (2019), S. 7–22.
  • Kurt Müller: Schwierige Selbstbestimmung im Jura. NZZ-Schriften 30, 1974.
  • Gilbert Ganguillet: Le conflit jurassien. Un cas de mobilisation ethno-régionale en Suisse. Zürich 1986.
  • Hans-Joachim Harder: Der Kanton Jura. Ursachen und Schritte zur Lösung eines Schweizer Minderheitenproblems. Frankfurt am Main 1978.
  • Claude Hauser: Aux origines intellectuelles de la Question jurassienne. Culture et politique entre la France et la Suisse romande (1910–1950). Diss. Fribourg 1997.
  • Hans Peter Henecka: Die jurassischen Separatisten. Eine Studie zur Soziologie des ethnischen Konflikts und der sozialen Bewegung. Meisenheim am Glan 1972.
  • John R.G. Jenkins: Jura Separatism in Switzerland. Oxford 1986.
  • Christian Ruch: Struktur und Strukturwandel des jurassischen Separatismus zwischen 1974 und 1994. Bern 2001.
  • Marcel Schwander: Jura. Konfliktstoff für Jahrzehnte. Zürich/Köln 1977.
  • Burkard Steppacher: Die Jurafrage in der Schweiz. München 1985.
  • Margit Wagner: Jura zwischen Rhein und Rhone. München 1987.

WeblinksBearbeiten

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EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Struktur der ständigen Wohnbevölkerung nach Kanton, 1999-2020. In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 1. September 2021, abgerufen am 17. November 2021.
  2. Struktur der ständigen Wohnbevölkerung nach Kanton, 1999–2019. In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 27. August 2020, abgerufen am 28. Februar 2021.
  3. Arbeitslosenzahlen. In: seco.admin.ch. Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), 8. Juli 2021, abgerufen am 12. Juli 2021 (siehe Publikation «Die Lage auf dem Arbeitsmarkt im Juni 2021» vom 8. Juli 2021).
  4. Struktur der ständigen Wohnbevölkerung nach Kanton, 1999-2020. In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 1. September 2021, abgerufen am 17. November 2021.
  5. Struktur der ständigen Wohnbevölkerung nach Kanton, 1999–2019. In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 27. August 2020, abgerufen am 28. Februar 2021.
  6. a b Arbeitslosenzahlen. In: seco.admin.ch. Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), 8. Juli 2021, abgerufen am 12. Juli 2021 (siehe Publikation «Die Lage auf dem Arbeitsmarkt im Juni 2021» vom 8. Juli 2021).
  7. a b c Kennzahlen. Jura. Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 23. Juni 2015.
  8. Verfassung der Republik und des Kantons Jura. Schweizerische Bundeskanzlei (BK), abgerufen am 23. Juni 2015.
  9. Le Gouvernement jurassien. Législature 2021–2025. Service de l’information et de la communication de la République et Canton du Jura (Chancellerie d’Etat), abgerufen am 3. Juli 2020.
  10. Biologische Landwirtschaft, 2020. In: atlas.bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik, abgerufen am 11. Mai 2021.
  11. Bundesamt für Statistik: Strassenfahrzeuge – Bestand, Motorisierungsgrad. In: www.bfs.admin.ch.
  12. Schwarz, Dietrich W.H.: Die Städte der Schweiz im 15. Jahrhundert. In: Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich. 1993, abgerufen am 29. April 2021.
  13. Louis Jäggi: Solothurner Land, 1972
  14. Arlesheim und der Untergang des Fürstbistums Basel, Vortrag von Marco Jorio, 19. April 1989.
  15. DIJU - Lexikon des Jura – Laufental, Kantonswechsel. In: www.diju.ch.
  16. Bundeskanzlei BK: Volksabstimmung vom 24.09.1978. Abgerufen am 16. November 2019.
  17. Andrea Kucera: Jura-Frage: Charmeoffensive der jurassischen Regierung. Neue Zürcher Zeitung (NZZ), 5. Juni 2013, abgerufen am 22. August 2013.
  18. Simon Thönen: Jura-Abstimmung: Perrenoud warnt vor taktischen Ja-Stimmen. Der Bund, 9. Juli 2013, abgerufen am 22. August 2013.
  19. Moutier est ville jurassienne! (Nicht mehr online verfügbar.) In: jura.ch. Republik und Kanton Jura, 18. Juni 2017, ehemals im Original; abgerufen am 22. Juni 2017 (französisch).@1@2Vorlage:Toter Link/www.jura.ch (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)
  20. Belprahon und Sorvilier bleiben beim Kanton Bern. In: Tages-Anzeiger. 19. September 2017.
  21. Isabel Pfaff: Schweiz: Soll Moutier zum Kanton Jura oder zu Bern gehören? Abgerufen am 28. März 2021.
  22. Isabel Pfaff: Schweiz: Moutier stimmt für Wechsel zum Kanton Jura. Abgerufen am 28. März 2021.
  23. Vor 25 Jahren: Der Frauenstreiktag vom 14. Juni 1991. In: www.sozialarchiv.ch.
  24. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde, definitive Jahresergebnisse, 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. November 2021

Koordinaten: 47° 23′ N, 7° 11′ O; CH1903: 580922 / 247716