Glarus

Gemeinde und Hauptort des Kantons Glarus in der Schweiz

Die Stadt Glarus (örtlich schweizerdeutsch Glaris [glɑrɪs],[6] französisch Glaris, italienisch Glarona, rätoromanisch Glaruna?/i) ist eine politische Gemeinde (bis 2010 Ortsgemeinde, heute Einheitsgemeinde) und der Hauptort des gleichnamigen Schweizer Kantons Glarus.

Glarus
Wappen von Glarus
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Glarus Glarus (GL)
Bezirk: Keine Bezirkseinteilung
BFS-Nr.: 1632i1f3f4
Postleitzahl: 8750 Glarus
8750 Klöntal
8750 Riedern
8754 Netstal
8755 Ennenda
UN/LOCODE: CH GLA
Koordinaten: 723766 / 211267Koordinaten: 47° 2′ 27″ N, 9° 4′ 2″ O; CH1903: 723766 / 211267
Höhe: 474 m ü. M.
Höhenbereich: 444–2914 m ü. M.[1]
Fläche: 103,67 km²[2]
Einwohner: i12'539 (31. Dezember 2020)[3]
Einwohnerdichte: 121 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Schweizer Bürgerrecht)
27,7 % (31. Dezember 2020)[4]
Gemeindepräsident: Peter Aebli (FDP)
Website: www.glarus.ch
Blick auf Glarus

Blick auf Glarus

Lage der Gemeinde
GarichtistauseeKlöntalerseeLimmerenseeMuttseeObersee (Glarus)OberblegiseeSpaneggseeWägitalerseeWalenseeZürichseeKanton GraubündenKanton St. GallenKanton SchwyzKanton UriKanton ZürichGlarusGlarus NordGlarus SüdKarte von Glarus
Über dieses Bild
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Wappen der bis 31. Dezember 2010 existierenden Ortsgemeinde

Im Rahmen der Glarner Gemeindereform fusionierte Glarus auf den 1. Januar 2011 mit den Gemeinden Ennenda, Netstal und Riedern zur neuen politischen Gemeinde Glarus.

GeographieBearbeiten

 
Historisches Luftbild aus 1000 m von Walter Mittelholzer von 1923

Glarus liegt in der geografischen Mitte des gleichnamigen Kantons an der Linth und am Fusse des rund 2300 m hohen Vorderglärnisch. Der höchste Punkt des Gemeindegebiets ist der 2914 m hohe Bächistock, der zum Massiv des Glärnisch gehört. Nachbargemeinden sind die Gemeinden Glarus Nord, Glarus Süd sowie Muotathal und Innerthal (beide Kanton Schwyz).

KlimaBearbeiten

Für die Normalperiode 1991–2020 beträgt die Jahresmitteltemperatur 9,3 °C, wobei im Januar mit 0,0 °C die kältesten und im Juli mit 18,3 °C die wärmsten Monatsmitteltemperaturen gemessen werden. Im Mittel sind hier rund 86 Frosttage und 19 Eistage zu erwarten. Sommertage gibt es im Jahresmittel rund 41, während im Schnitt 6 Hitzetage zu verzeichnen sind. Die Messstation von MeteoSchweiz liegt auf einer Höhe von 517 m ü. M.

Glarus
Klimadiagramm
JFMAMJJASOND
 
 
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8
2
 
 
110
 
4
-2
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: MeteoSchweiz, Normalperiode 1991–2020[7]
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Glarus
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 3,2 4,8 9,9 14,8 19,0 22,2 23,8 23,2 18,6 14,1 8,1 3,9 Ø 13,8
Min. Temperatur (°C) −3,0 −2,4 1,0 4,4 8,4 11,9 13,6 13,5 10,0 6,1 1,5 −1,9 Ø 5,3
Temperatur (°C) 0,0 1,0 5,2 9,5 13,5 16,7 18,3 17,9 14,0 9,8 4,6 0,9 Ø 9,3
Niederschlag (mm) 92 80 99 93 132 167 193 192 131 104 101 110 Σ 1494
Sonnenstunden (h/d) 2,0 2,5 3,1 4,6 5,0 5,5 5,6 5,3 3,6 2,8 2,0 1,7 Ø 3,6
Regentage (d) 10,7 9,5 11,3 11,2 13,5 14,3 14,8 14,3 11,6 10,0 10,2 10,8 Σ 142,2
Luftfeuchtigkeit (%) 82 77 72 67 71 74 76 78 81 82 82 83 Ø 77,1
T
e
m
p
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3,2
−3,0
4,8
−2,4
9,9
1,0
14,8
4,4
19,0
8,4
22,2
11,9
23,8
13,6
23,2
13,5
18,6
10,0
14,1
6,1
8,1
1,5
3,9
−1,9
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
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192
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  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: MeteoSchweiz, Normalperiode 1991–2020[7]

GeschichteBearbeiten

Erstmals schriftlich erwähnt wird der Ort Clarona im 8. Jahrhundert in einer Lebensgeschichte der Heiligen Felix und Regula. Der Name geht wahrscheinlich auf eine lateinische Grundform *ad clārōnam «bei der hellen Stelle», im übertragenen Sinn «Waldlichtung», zurück.[6]

Bis Ende des 14. Jahrhunderts gehörten grosse Teile des Glarner Landes zur Grundherrschaft des Klosters Säckingen, bis sich die Einwohner davon loskauften. 1387 fand die erste Landsgemeinde statt, eine Institution, die noch heute hier besteht und in der Regel am ersten Sonntag im Mai abgehalten wird. Zum Hauptort des Linthtals wurde Glarus durch Beschluss der Landsgemeinde 1419, da hier lange die einzige Kirche der Talschaft stand. 1506 bis 1516 war der spätere Reformator Ulrich Zwingli beliebter katholischer Priester in Glarus. 1522 bis 1555 war Valentin Tschudi der erste evangelische Pfarrer, ein gemässigter Reformator und Vermittler zwischen beiden Konfessionen. 1555 bis 1570 folgte Fridolin Brunner als Pfarrer, der zuvor in mehreren Glarner Dörfern die Reformation durchgeführt hatte.

Während der Helvetik (1798–1803) war Glarus Hauptort des Kantons Linth.

Im Jahr 1861 wütete ein verheerender Grossbrand, der grosse Teile des Ortes zerstörte. Nur wenige Gebäude aus der Zeit vor dem Brand blieben im Stadtbild erhalten. Der Wiederaufbau erfolgte sehr schnell nach einem städtebaulichen Plan, der auf einem rechteckigen Raster beruhte. Diese vor allem aus den Vereinigten Staaten bekannte Art der Städteplanung wurde gewählt, um weitere derartige Feuersbrünste zu verhindern.

PolitikBearbeiten

Gemeindepräsident ist Peter Aebli (FDP), der bei den Gemeinderatswahlen vom 13. Februar 2022 als Nachfolger von Christian Marti gewählt wurde. Dem Gemeinderat gehören neben ihm noch sechs weitere Mitglieder an. Die neue Gemeinde Glarus bildet einen Landratswahlkreis, der 18 der 60 Glarner Landräte stellt.

WirtschaftBearbeiten

Die einst wichtige Textilindustrie ist fast völlig verschwunden. Es überwiegt heute Holz- und Kunststoffindustrie sowie Stoff- und Buchdruckerei. Der Dienstleistungssektor ist zum wichtigsten Wirtschaftszweig geworden. Grösster Arbeitgeber ist heute das Kantonsspital mit etwa 450 Arbeitsplätzen. Auch der Tourismus gewinnt an Bedeutung.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

StädtepartnerschaftenBearbeiten

PersönlichkeitenBearbeiten

TriviaBearbeiten

In Glarus befindet sich die einzige Rekrutierungsstelle der Päpstlichen Schweizergarde, die von einer privaten Personalagentur betrieben wird.[10]

WeblinksBearbeiten

Commons: Glarus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Glarus – Reiseführer
Wiktionary: Glarus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. BFS Generalisierte Grenzen 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Höhen aufgrund Stand 1. Januar 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021
  2. Generalisierte Grenzen 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Flächen aufgrund Stand 1. Januar 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021
  3. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde, definitive Jahresergebnisse, 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. November 2021
  4. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde, definitive Jahresergebnisse, 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. November 2021
  5. Zahlen und Fakten, Website der Gemeinde Glarus, abgerufen am 8. Juni 2011.
  6. a b Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 392.
  7. Klimanormwerte Glarus. Normperiode 1991–2020. (PDF) In: meteoschweiz.admin.ch. Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz, abgerufen am 28. April 2022.
  8. Leza Dosch: Die Bahnhöfe Rapperswil SG und Glarus. (Schweizerische Kunstführer, Nr. 895, Serie 90). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 2011, ISBN 978-3-03797-028-7.
  9. Partnerschaftsverein Wiesbaden-Biebrich – Glarus e. V.
  10. Kontaktadressen. In: www.schweizergarde.ch. Abgerufen am 30. August 2016.