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Muotathal
Wappen von Muotathal
Staat: Schweiz
Kanton: Schwyz (SZ)
Bezirk: Schwyz
BFS-Nr.: 1367i1f3f4
Postleitzahl: 6436
UN/LOCODE: CH MTH
Koordinaten: 700393 / 203470Koordinaten: 46° 58′ 29″ N, 8° 45′ 29″ O; CH1903: 700393 / 203470
Höhe: 610 m ü. M.
Fläche: 172,15 km²
Einwohner: 3515 (31. Dezember 2017)[1]
Einwohnerdichte: 20 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
4,8 % (31. Dezember 2015)[2]
Website: www.muotathal.ch
Muotathal, Blick vom Grossen Band

Muotathal, Blick vom Grossen Band

Karte
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Muotathal ist eine politische Gemeinde im Bezirk Schwyz des Kantons Schwyz in der Schweiz.

NameBearbeiten

Der Ort ist nach dem Tal Muotatal benannt, das wiederum seinen Namen vom Fluss Muota hat. Zur Namensherkunft siehe dort.

GeographieBearbeiten

Die Gemeinde liegt auf einer Höhe von 610 m ü. M. und bildet den südöstlichen Teil des Kantons Schwyz, grenzt im Süden an den Kanton Uri und im Osten an den Kanton Glarus. Mit 172 km² zählt Muotathal zu den zehn flächenmässig grössten Gemeinden der Schweiz und ist fast so gross wie der Kanton Appenzell Innerrhoden. Muotathal besteht aus den Ortschaften Muotathal, Hinterthal, Bisisthal und Ried[3].

Die grösste Länge, Klingentobel–Eggstock, beträgt 29 km und die grösste Breite, Glatten–Fläschenspitz, 16 km.

Auf dem Gemeindegebiet liegt eine der längsten Höhlen der Welt: Das Hölloch hat eine Gesamtlänge von über 200 km (Stand: 2013) und liegt im Karstgebiet Silberen.

Geschichte des Tales Muotatal mit dem Ort MuotathalBearbeiten

Eine Landnahme des Muotatals durch Alemannen erfolgte wahrscheinlich im 8. oder 9, Jahrhundert. Archäologische Spuren belegen temporäre Siedlungen ab dem 10. Jahrhundert. Diese Alp-Siedlungen hatten nachbarschaftliche Verbindungen zu Uri und Glarus. Die Ahaburg wurden im 13 und 14. Jahrhundert bewohnt.[4] 1235 siedelten fromme Männer und Frauen am Ufer der Muota. Das Minoritinnen-Koster Muotathal wurde im Jahr 1288 gegründet. 1530 starb das Kloster aus und wurde 1590 wieder belebt. Aufgrund von Hochwassergefahren musste die Klosteranlage 1684 an einer neuen Stelle errichtet werden. Im 18. Jahrhundert hatte das Kloster seine Blütezeit.[5] Wahrscheinlich wurde eine erste Pfarrkirche im 9. Jahrhundert errichtet, sicher bezeugt ist eine Kirche im Jahre 1369. Die Kirche wurde 1786 abgebrochen und durch die heutige spätbarocke Pfarrkirche St. Sigmund und Waldburga ersetzt.[6]

Ab April 1799 befanden sich immer wieder Französische Truppen im Tal, welche von Muotathalern, Glarnern, (österreichisch-)Kaiserlichen und Freischärlern bekämpft wurden. Die Versorgung tausender Soldaten im Tal führte zu Futtermangel und Elend. Schliesslich fand bei Muothathal am 1. Oktober 1799 eine Schlacht zwischen Teilen des Heers General Suworows und einer französischen Truppe statt. Die Brigade von Nicolas Bernard Guiot de Lacour wurde eingekesselt und geriet in einer Stärke von 1500 Mann in Gefangenschaft, während weitere französische Truppen in der Schlucht der Muota nahe der heutigen Suworow-Brücke in grosser Zahl ihr Leben liessen.

Über Jahrhunderte war das Tal nur über Saumpfade zu erreichen. Die erste Fahrstrasse entstand 1865 nach Schwyz. Seit 1922 ist das Tal an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen. Am 27. August 1938 ereignete sich ein Flugunfall an den Muotathaler Heubergen, bei dem vier von fünf Flugzeugen einer Formation von Kampfflugzeugen der Schweizer Luftwaffe an den Heubergen im Muotathal zerschellten. Es gab sieben Tote.

Brauchtum und KulturBearbeiten

Im Dorf Muotathal findet jährlich ein Käse- und Älplermarkt statt. Das Theater Muotathal spielt von Mitte Oktober bis Anfang Dezember hauptsächlich volkstümliche Stücke im Muotathaler Dialekt. 1974 gewann die Mannschaft aus Muotathal für die Schweiz in Leiden das internationale Finale im Spiel ohne Grenzen. Muotathal ist Gründungsort der Muotathaler Wetterschmöcker.

MusikBearbeiten

Muotathal ist eine Hochburg der traditionellen Ländlermusik, des konzertanten Innerschweizerstils. Vor allem Franz Schmidig senior (1917–2008) entwickelte als Akkordeonist eine Stilrichtung, die noch heute weitverbreitet ist. Mit dem Argentinier Domingo Rey lebt in Muotathal ein Interpret südamerikanischer Volksmusik.

In den Jahren 2001 bis 2011 fand jedes Jahr Ende August das Mountains of Death Open Air statt,[7] welches in der Death-Metal-Szene über die Schweizer Grenzen hinaus bekannt war.

BevölkerungBearbeiten

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1850 1680
1900 2220
1950 2475
1980 2896
1999 3578
2010 3561

Muotathal hat 3485 Einwohner. 3180 Personen (91,2 %) sind Mitglied der römisch-katholischen Kirche (Stand: Ende 2015).[3][8]

41 % der berufstätigen Bevölkerung arbeitet in Gewerbe und Industrie, ein Drittel (33 %) im Dienstleistungssektor und 26 % in der Land- und Forstwirtschaft (Stand: 2010).[9]

WirtschaftBearbeiten

Die Gemeinde lebt heute nicht mehr nur von der Landwirtschaft, es haben sich auch diverse holzverarbeitende Betriebe angesiedelt, ausserdem touristische und andere Dienstleistungen.

SchulwesenBearbeiten

Im Jahr 1798 besuchten 60 Kinder die Schule, 30 im Sigristenhaus, 20 im Kaplanenhaus Ried, 10 im Frauenkloster. 1820 wurde das erste Schulhaus im Wil erbaut. Im Jahr 1849 wurde der Schulbesuch obligatorisch. Im selben Jahr brachte man die Mädchenschule im Frauenkloster unter. 1880 wurde das zweite Schulhaus im Wil erbaut («altes Schulhaus»). 1896 folgte der Bau des Kaplanenhauses im Bisisthal mit Schulzimmer und 1899 der Bau des Schulhauses im Ried.

Im Jahr 1954 wurde das Mädchenschulhaus Sankt Josef errichtet. 1962 entstand das zweite Schulhaus im Ried. 1972 wurde die Schulanlage Muota erbaut. 1973 erfolgte die Eröffnung dieser Schulanlage, die neben dem Schulhaus aus Turnhalle, Schwimmbad und Aussensportanlage besteht. Im Jahr 1974 stellte man die Schule im Bisisthal ein.

Im Jahr 1993 wurde das dritte Schulhaus im Ried gebaut. 1993 entstand die Mehrzweckanlage Stumpenmatt und 1994 das Oberstufenschulhaus.

SportBearbeiten

Muotathal ist eine schweizerische Handballhochburg. Der bekannteste Verein des Ortes ist die Handballer-Riege des KTV Muotathal. In der Saison 2006/2007 war sie nach einem Jahr in der 1. Liga (dritthöchste Liga der Schweiz) wieder in die Nationalliga (zweithöchste Liga der Schweiz) aufgestiegen. Daneben hat der Schwingklub Muotathal bekannte Schwinger hervorgebracht, die im urschweizerischen Sport zu den besten des Landes gehörten. Das Dorf hat einen Fussballklub (3. Liga) und eine Unihockeyriege (höchste Amateur-Kleinfeldliga).

BilderBearbeiten

Sehenswert ist die barocke Pfarrkirche St. Sigismund und St. Waldburga.[10][11]

LiteraturBearbeiten

  • Linus Birchler: Die Kunstdenkmäler des Kantons Schwyz, Band II: Die Bezirke Gersau, Küssnacht und Schwyz. Kunsthistorischer Überblick. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 2). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1930.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Muotathal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2018, abgerufen am 30. September 2018.
  2. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 4. Mai 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.sz.ch
  3. a b Muothatal auf der Webseite des Kantons Schwyz. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 4. März 2016; abgerufen am 3. März 2016.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.sz.ch
  4. Die Ahaburg in Muotathal SZ, Nachrichten des Schweizerischen Burgenvereins Band (Jahr): 32 (1959)
  5. Das Franziskanerinnenkloster St. Josef im Muotathal. Abgerufen am 24. August 2018.
  6. Erwin Horat: Muotathal. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 26. November 2009, abgerufen am 24. August 2018.
  7. MOUNTAINS OF DEATH 2011: Ein unbeugsames Festival in den Schweizer Voralpen Interview vom 6. Juni 2011 bei vampster.com zum 11. und letzten MOD
  8. Kirchgemeinden im Kanton Schwyz. Abgerufen am 3. März 2016.
  9. Gemeinde Muotathal - Zahlen und Fakten. Abgerufen am 3. März 2016.
  10. Pfarrkirche St. Sigismund und St. Waldburga
  11. Hans Ruedi Weber, Isabelle Rucki: Muotathal. Pfarrkirche St. Sigismund und Walburga. (Schweizerische Kunstführer, Nr. 225). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1977, ISBN 978-3-85782-225-4.