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Kanton Rätien

Kanton der Helvetischen Republik 1799-1803 (Graubünden)

Der Kanton Rätien war von 1798 bis 1803 ein Kanton der Helvetischen Republik auf dem Gebiet des heutigen Kantons Graubünden.

1802 wurden die kaiserlichen Truppen vom heimatlichen Boden vertrieben. Aufgrund dessen hoffte der Kanton auf seine Unabhängigkeit. Doch schon kurze Zeit später versuchten andere Kräfte den Bünden an sich zu reissen.[1] Der einzige Ausweg, einen Rest seiner bündnerischen bzw. rätischen Identität zu retten und zu bewahren, bestand darin, sich als fester Bestandteil an die Helvetik zu binden.[2] Zuerst zeigten sich andere Kantone feindlich gegenüber einem Beitritt der Bündner, denn sie waren selbst schon untereinander zerstritten und wollten sich nicht auch noch die Lasten des Bündens aufladen. Der Anschluss wurde aber trotzdem vollzogen und von den Unitariern willkommen geheissen, jedoch nicht von der gegnerischen Partei, den Föderalisten. Nach langen Machtkämpfen zwischen den beiden Parteien wurde entschieden, sich mit einem Vertrag an die Helvetik anzuschliessen. Diese Entscheidung stellte sich insofern als sinnvoll heraus, als im Januar 1802 Rätien eine Invasion französischer Truppen erlitt und auf die Unterstützung der anderen Kantone angewiesen war. 1803 entstand aus Rätien durch die Mediationsakte Napoleons der Kanton Graubünden.[1]

Die beiden Parteien und die RegierungBearbeiten

Die Regierung bestand hauptsächlich aus zwei Parteien. Diese hatten je einen wichtigen Vertreter:

  • Die Föderalisten wurden vom Zuger Joseph Leonz Andermatt vertreten, der sich nach aussen immer sehr unschlüssig gab. Er stand für die alte, konservative Herrschaft ein und wollte sich nicht der Helvetik anschliessen.
  • Die Unitarier, die in der Unterzahl waren, hatten den Hauptvertreter Gaudenz Planta, der für seine radikale Art bekannt war. Er war ein Verfechter der höheren Staatsinteressen und neuen helvetischen Ordnung. Durch seine Redegewandtheit konnte er sich, trotz der hohen Anzahl seiner Gegner, gut in der Regierung durchsetzen.

Im Oktober 1801 wurde Gaudenz Planta seines Amtes enthoben und abgesetzt. Nur 4 Tage später wurde die Tagsatzung durch einen von Föderalisten beherrschten Senat ersetzt. Davor hatten mehrheitlich die Unitarier mit Gaudenz Planta das Sagen.

Das Volk besetzte bei den ganzen Auseinandersetzungen auch eine wichtige Rolle, denn es war vor allem für die Politiker Gaudenz Planta und Andermatt ein einfaches Druckmittel gegen den jeweils anderen und war zudem leicht beeinflussbar und auch leicht zu überzeugen. Da sich die Streitereien auch oft auf die Bürger auswirkten, gab es teils Grund zur Annahme eines bevorstehenden Bürgerkrieges, denn es gab immer wieder Situationen, bei denen das Volk stark rebellierte.[1]

Die VerfassungBearbeiten

Da Napoleon aus der Helvetik einen Staat, wie es Frankreich war, machen wollte, liess er die ‚‚Malmaisoner-Verfassung‘‘ im April 1801 errichten, da bis zu diesem Zeitpunkt noch keine einheitliche Verfassung vorhanden war. Sie wurde am 29. Mai verabschiedet und diente dazu, die Kantone zu vereinigen und Gesetze festzulegen, die für alle gelten sollten. Im Oktober wurde die Verfassung verbessert, ergänzt und die Unitarier gaben ihre Zustimmung. Die Verfassung besagte u. a., dass jeder Kanton einen Staatsmann zugeteilt bekommt, der für die Einhaltung der Gesetze sorgt und für Ruhe und Ordnung im Volk verantwortlich ist. [1]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Peter Metz: Geschichte des Kantons Graubünden. Band 1. Carlven Verlag, Chur, S. 78–94.
  2. Simonett, Jürg und Roger Sablonier: Handbuch der bündner Geschichte. Band 2. Verein für bündner Kulturforschung, Chur, S. 200.