Hauptmenü öffnen

Afrikanische Union

Zusammenschluss afrikanischer Staaten

Die Afrikanische Union (arabisch الاتحاد الأفريقي, DMG al-Ittiḥād al-Ifrīqī, englisch African Union, französisch Union africaine, portugiesisch União Africana)[2] ist eine Internationale Organisation, die 2002 die Nachfolge der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) angetreten hat und sich für Kooperation auf allen Gebieten einsetzen soll. Sie ist ein Zusammenschluss von anfangs 53 afrikanischen Staaten (Westsahara ist Mitglied der Afrikanischen Union, sein völkerrechtlicher Status allerdings umstritten).

Afrikanische Union
AU

Emblem der Afrikanischen Union

Flagge der Afrikanischen Union

Mitgliedstaaten
Englische Bezeichnung African Union
Französische Bezeichnung Union africaine
Arabische
portugiesische
Swahili-
Bezeichnung
الاتحاد الأفريقي‎
União Africana
Umoja wa Afrika
Organisationsart Regionale Kooperation
Sitz der Organe * Addis Abeba,
AthiopienÄthiopien Äthiopien (Hauptsitz)
Vorsitz RuandaRuanda Paul Kagame
(jährlich wechselnd)
Generalsekretär TschadTschad Moussa Faki (Vorsitzender der Kommission)
Mitgliedstaaten 55
Amts- und Arbeitssprachen
Fläche 29.177.755 km²
Einwohnerzahl 1,1 Milliarden (2014)[1]
Bevölkerungsdichte 38,9 Einwohner pro km²
Bruttoinlandsprodukt * 1971 Mrd. US$ (2013, Schätzung, nominal)
  • 2538 Mrd. US$ (2008, KKS)
Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner * 1503 US$ (2008, nominal)
  • 2622 US$ (2008, KKS)
Gründung
  • 25. Mai 1963 (als OAU)
  • 9. Juli 2002 (als AU)
Währungen unterschiedliche Währungen, Einheitswährung Afro geplant
Hymne Let Us All Unite and Celebrate Together
Zeitzone UTC−1 bis UTC+4
Tochterorganisationen
  • Afrikanischer Gerichtshof für Menschen­rechte und die Rechte der Völker (ACHPR)
  • Afrikanische Friedens- und Sicherheits­architektur (APSA)
  • AU-Kommission (AUC)
  • AU-Sicherheitsrat (PSC)
  • AU-Vertretungs­ausschuss (PRC)
  • AU-Wirtschafts-, Sozial- und Kulturrat (ECOSOCC)
  • AU-Wasser­ministerrat (AMCOW)
  • Afrikanische Zentralbank (ACB)
  • Afrikanischer Währungsfonds (AMF)
  • Afrikanische Investi­tionsbank (AIB)
  • Neue Partnerschaft für Afrikas Entwicklung (NEPAD)
au.int
Farbe entspricht dem jeweiligen Beitrittsjahr zur OAU, der Vorgängerorganisation der AU, bzw. zur AU

Hauptsitz der Organisation ist Addis Abeba (Äthiopien), das Panafrikanische Parlament befindet sich in Johannesburg (Südafrika). Mitgliedstaaten der AU sind alle international allgemein anerkannten Staaten Afrikas, einschließlich Westsaharas. Geplant ist in der AU unter anderem ein Afrikanischer Gerichtshof. Marokko wurde am 30. Januar 2017 nach 33 Jahren Abwesenheit wieder in die Afrikanische Staatengemeinschaft aufgenommen.[3]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte und EntwicklungBearbeiten

Die Organisation wurde durch die förmliche Verabschiedung einer Gründungsabsichtserklärung auf der 4. OAU-Sondersitzung am 9. September 1999 im libyschen Sirte geschaffen. Das diesem Beschluss zugrundeliegende Dokument wird Sirte-Deklaration genannt.[4] In Lomé (Togo) beschlossen die Vertreter des 36. turnusgemäßen Gipfeltreffens am 11. Juli 2000 das Gründungsstatut (Constitutive Act of the African Union) der Afrikanischen Union.[5]

Der Maßnahmeplan des Übergangs zur neuen Organisation, definiert für den Zeitraum vom 11. Juli 2001 bis zum 10. Juli 2002, war ein Beschluss des Gipfeltreffens vom Juli 2001 in Lusaka (Sambia).[6] Mit dem gemeinsamen Gipfeltreffen (First Ordinary Session of the Assembly of Heads of State and Government of the AU) der Staatsoberhäupter in der Afrikanischen Union und der Afrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft zwischen dem 9. und 11. Juli 2002 im südafrikanischen Durban nahm die Afrikanische Union ihre reguläre Arbeit auf.[7][5]

Die Afrikanische Union löste nach Willen der Unterzeichnerstaaten die Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) ab und wurde mit mehr Kompetenzen als diese ausgestattet. Die Verträge, die die Auflösung der am 25. Mai 1963 gegründeten OAU beinhalten, waren zuvor schon von 45 der 54 Staaten ratifiziert worden. Marokko, das wegen des Konfliktes um die Demokratische Arabische Republik Sahara 1984 aus der Vorgängerorganisation OAU ausgetreten war, ist nach drei Jahrzehnten im Januar 2017 als Mitglied in die Afrikanische Union aufgenommen worden.

Die Initiative zur Gründung der neuen Afrikanischen Union geht auf den libyschen Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi zurück. Er war vehement für die Idee einer Union eingetreten und hatte mit großem finanziellen Aufwand bei den afrikanischen Staatschefs dafür geworben. Der Gründungsvertrag der Afrikanischen Union (Constitutive Act) orientiert sich vor allem am Vorbild der Europäischen Union (EU).[8] Weitere Gründungsakte enthalten unter anderem Erklärungen zur Achtung der Menschenrechte und zur Souveränität der Mitgliedstaaten, aber auch einen Absatz zum Eingreifen der Union in Mitgliedstaaten unter bestimmten Voraussetzungen. Artikel 30 des Gründungsvertrags knüpft an die innerstaatliche Legitimität der Staatsgewalt der Mitgliedstaaten an. Demnach sollen Regierungen, die verfassungswidrig an die Macht gekommen sind, von der Teilnahme an Aktivitäten der Afrikanischen Union ausgeschlossen werden. Gemäß Art. 33 Abs. 1 des Gründungsvertrags ging zudem die Afrikanische Wirtschaftsgemeinschaft in der AU auf.

Barack Obama sprach am 28. Juli 2015 als erster US-Präsident vor der Afrikanischen Union in Addis Abeba.[9]

Organe und OrganisationenBearbeiten

 
Sitz der AU in Addis Abeba

Die Organe der Union sind in Artikel 5 der Gründungsakte aufgezählt und werden in weiteren Artikeln näher bestimmt. Neben den ausdrücklich genannten Organen – Unionsversammlung als oberstes Organ (Art. 6 ff.), Exekutivrat (Art. 10 ff.), Panafrikanisches Parlament (Art. 17), Gerichtshof (Art. 18), Kommission (Art. 20), ständiger Vertretungsausschuss (Art. 21), sieben spezielle Ausschüsse für Technik (Art. 14 f.), Wirtschafts-, Sozial- und Kulturrat (Art. 22) sowie die drei Finanzinstitutionen Afrikanische Zentralbank, Afrikanischer Währungsfonds und Afrikanische Investmentbank (Art. 19) – wird der Generalversammlung die Errichtung weiterer Organe vorbehalten.

Ergänzend gelten die Bestimmungen des Vertrages zur Gründung der Afrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft, so etwa Art. 18 in Bezug auf den Gerichtshof.

Der erste Vorsitzende der Kommission der Afrikanischen Union, der bisherige Generalsekretär der OAU und frühere Außenminister der Elfenbeinküste Amara Essy, wurde bei dem Gipfeltreffen in Lusaka (Sambia) in sein Amt gewählt.

Im Februar 2003 einigte sich die AU auf die Errichtung einer African Standby Force (ASF) und einen AU-Sicherheitsrat nach Vorbild der Vereinten Nationen mit Interventionsrecht, welcher am 25. Mai 2004 offiziell eingerichtet wurde. 2008 kam die ASF auf den Komoren zum Einsatz.

Im März 2004 wurde die erste Sitzung des Panafrikanischen Parlaments innerhalb der AU feierlich eröffnet. Erste Parlamentspräsidentin ist Gertrude Mongella aus Tansania. Das AU-Parlament hat beratende Funktion und hat seinen Sitz in der südafrikanischen Stadt Midrand, wo am 16. September 2004 auch die erste Arbeitssitzung stattfand.

Seit Dezember 2004 engagierte sich die AU drei Jahre lang mit der friedensüberwachenden Mission AMIS bzw. seit Dezember 2007 mit der UNAMID (gemeinsam mit den Vereinten Nationen) in der Krisenregion Darfur im Sudan.

Das wirtschaftliche Entwicklungsprogramm wird in der AU über die NEPAD geleitet. Die Afrikanische Union nutzt das Programm African Peer Review Mechanism zur gegenseitigen Evaluation der Qualität des Regierungshandelns.

Mitglieder der AUBearbeiten

 
Mitgliedschaften der einzelnen Staaten

Durch die europäisch-koloniale Vergangenheit Afrikas werden in den meisten Mitgliedstaaten neben den traditionell verwendeten auch eine oder mehrere europäische Verkehrssprachen verwendet. Am verbreitetsten sind diesbezüglich Französisch (vor allem im Norden und Westen) und Englisch (vor allem im Osten und Süden), die auch als Arbeitssprachen der AU fungieren. Die größte Volkswirtschaft Afrikas ist Südafrika, die zusammen mit denen Nigerias, Ägyptens, Algeriens und Marokkos knapp zwei Drittel des gesamten AU-Bruttoinlandsprodukts (Bruttoregionalprodukt) generiert. Die Bevölkerungen der Mitgliedsländer sind in ihrer Größe sehr unterschiedlich. Nigeria besitzt den höchsten Anteil an ihrer Gesamtzahl, gefolgt von Äthiopien, Ägypten, Kongo (Dem. Rep.) und Südafrika. Bis 2025 werden voraussichtlich 1,5 Mrd. Menschen auf dem Kontinent leben und bis 2050 fast doppelt so viele. Die Lebenserwartung lag 2013 bei nur 59 Jahren und ist damit im globalen Vergleich sehr niedrig. Dementsprechend war der Anteil der über 60-Jährigen mit 4 % gering, wohingegen 41 % der Bevölkerung zu den unter 15-Jährigen zählten.[10]

Staat Hauptstadt Bevölkerung (2017)a[11] % Fläche (km²) % BIP (Mio. USD; 2016)[12] Amtssprache
  Afrikanische Union Addis Abeba 1.255.134.369 100,00 30.093.154 100,00 2.325.365 Arabisch, Englisch, Französisch, Portugiesisch
Agypten  Ägypten Kairo 97.553.151 7,77 1.001.449 3,33 266.653 Arabisch
Algerien  Algerien Algier 41.318.142 3,29 2.381.741 7,91 153.515 Arabisch, Tamazight
Angola  Angola Luanda 29.784.193 2,37 1.246.700 4,14 108.746 Portugiesisch
Äquatorialguinea  Äquatorialguinea Malabo 1.267.689 0,10 28.051 0,09 10.680 Portugiesisch, Spanisch, Französisch
Athiopien  Äthiopien Addis Abeba 104.957.438 8,35 1.127.127 3,75 65.691 Amharisch
Benin  Benin Porto-Novo 11.175.692 0,89 112.620 0,37 8.025 Französisch
Botswana  Botswana Gaborone 2.291.661 0,18 582.000 1,93 14.176 Englisch, Setswana
Burkina Faso  Burkina Faso Ouagadougou 19.193.382 1,53 274.200 0,91 10.668 Französisch
Burundi  Burundi Bujumbura 10.864.245 0,86 27.834 0,09 2.732 Französisch, Kirundi
Dschibuti  Dschibuti Dschibuti 956.985 0,08 23.200 0,08 1.710 Arabisch, Französisch
Elfenbeinküste  Elfenbeinküste Yamoussoukro 24.294.750 1,93 322.461 1,07 33.031 Französisch
Eritrea  Eritrea Asmara 5.068.831 0,40 121.144 0,40 5.235 Arabisch, Tigrinya
Gabun  Gabun Libreville 2.025.137 0,16 267.667 0,89 13.149 Französisch
Gambia  Gambia Banjul 2.100.568 0,17 11.295 0,04 934 Englisch
Ghana  Ghana Accra 28.833.629 2,30 238.537 0,79 40.012 Englisch
Guinea  Guinea Conakry 12.717.176 1,01 245.857 0,82 6.395 Französisch
Guinea-Bissau  Guinea-Bissau Bissau 1.861.283 0,15 36.125 0,12 1.103 Portugiesisch
Kamerun  Kamerun Yaoundé 24.053.727 1,91 475.442 1,58 29.639 Englisch, Französisch
Kap Verde  Kap Verde Praia 546.388 0,04 4.033 0,01 1.403 Portugiesisch
Kenia  Kenia Nairobi 49.699.862 3,97 582.646 1,94 66.596 Englisch, Swahili
Komoren  Komoren Moroni 813.912 0,06 1.862 0,01 1.129 Arabisch, Französisch, Komorisch
Kongo Demokratische Republik  Demokratische Republik Kongo Kinshasa 81.339.988 6,47 2.345.410 7,79 37.675 Französisch
Kongo Republik  Republik Kongo Brazzaville 5.260.750 0,42 342.000 1,14 7.505 Französisch
Lesotho  Lesotho Maseru 2.233.339 0,18 30.355 0,10 2.020 Englisch, Sesotho
Liberia  Liberia Monrovia 4.731.906 0,38 111.370 0,37 2.999 Englisch
Libyen  Libyen Tripolis 6.374.616 0,51 1.775.500 5,90 40.209 Arabisch
Madagaskar  Madagaskar Antananarivo 25.570.895 2,03 587.041 1,95 10.517 Französisch, Malagasy
Marokko  Marokko Rabat 35.739.580 2,84 446.550 1,48 91.358 Arabisch, Tamazight
Malawi  Malawi Lilongwe 18.622.104 1,48 118.480 0,39 4.780 Chichewa, Englisch
Mali  Mali Bamako 18.541.980 1,48 1.240.192 4,12 12.942 Französisch
Mauretanien  Mauretanien Nouakchott 4.420.184 0,35 1.030.700 3,43 4.292 Arabisch
Mauritius  Mauritius Port Louis 1.265.138 0,10 2.040 0,01 10.841 Englisch
Mosambik  Mosambik Maputo 29.668.834 2,36 801.590 2,66 10.214 Portugiesisch
Namibia  Namibia Windhoek 2.533.794 0,20 824.292 2,74 10.177 Englisch
Niger  Niger Niamey 21.477.348 1,71 1.267.000 4,21 7.096 Französisch
Nigeria  Nigeria Abuja 190.886.311 15,20 923.768 3,07 400.365 Englisch
Ruanda  Ruanda Kigali 12.208.407 0,97 26.338 0,09 7.876 Englisch, Französisch, Kinyarwanda
Sambia  Sambia Lusaka 17.094.130 1,36 752.614 2,50 20.090 Englisch
Sao Tome und Principe  São Tomé und Príncipe São Tomé 204.327 0,01 1.001 0,00 334 Portugiesisch
Senegal  Senegal Dakar 15.850.567 1,26 197.722 0,66 12.725 Französisch
Seychellen  Seychellen Victoria 94.737 0,01 455 0,00 1.196 Englisch, Französisch, Seychellenkreol
Sierra Leone  Sierra Leone Freetown 7.557.212 0,60 71.740 0,24 3.568 Englisch
Simbabwe  Simbabwe Harare 16.529.904 1,32 390.757 1,30 14.263 Chewa, Chibarwe, Englisch, Kalanga, Khoisan, Nambya, Ndau, Nord-Ndebele, Shangani, Sotho, Shona, Tonga, Tswana, Venda, Xhosa
Somalia  Somaliac Mogadischu 14.742.523 1,17 637.657 2,12 1.158 Arabisch, Somali
Sudafrika  Südafrika Pretoria 56.717.156 4,52 1.219.912 4,05 263.648 Afrikaans, Englisch, Süd-Ndebele, isiXhosa, isiZulu, Nord-Sotho, Sesotho, Setswana, Siswati, Tshivenda, Xitsonga
Sudan  Sudan Khartum 40.533.330 3,23 1.886.068 6,26 83.004 Arabisch, Englisch
Sudan Sud  Südsudan Juba 12.575.714 1,00 619.745 2,06 6.444 Englisch
Swasiland  Swasiland Mbabane 1.367.254 0,11 17.363 0,06 3.813 Englisch, Siswati
Tansania  Tansania Dodoma 57.310.019 4,57 945.087 3,14 45.548 Englisch, Swahili
Togo  Togo Lomé 7.797.694 0,62 56.785 0,19 3.880 Französisch
Tschad  Tschad N’Djamena 14.899.994 1,19 1.284.000 4,27 10.418 Arabisch, Französisch
Tunesien  Tunesien Tunis 11.532.127 0,92 163.610 0,54 38.955 Arabisch
Uganda  Uganda Kampala 42.862.958 3,42 241.040 0,80 23.294 Englisch, Swahili
Westsahara  Westsaharad El Aaiún (de jure) 552.628 0,04 266.000 0,9 Arabisch
Zentralafrikanische Republik  Zentralafrikanische Republik Bangui 4.659.080 0,37 622.984 2,07 1.780 Französisch, Sango

a Schätzungen
b Anteil am BIP von 2009.
c Aufgrund des anhaltenden Bürgerkrieges sind Daten aus Somalia grob geschätzt (mit Ausnahme des BIP).
d Anders als die AU als Ganzes erkennen die meisten Mitgliedstaaten die Republik nicht an (nur 19 AU-Staaten erkennen sie an, 17 weitere haben eine frühere Anerkennung zurückgezogen).

Das von einer Exilregierung in Algerien beanspruchte Staatsgebiet steht fast vollständig unter der Kontrolle Marokkos.

Suspendierte MitgliederBearbeiten

  • Aufgrund des Militärputsches in Mauretanien wurde dieser Mitgliedstaat am 5. August 2005 „bis zur Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Ordnung“ vorübergehend aus der AU ausgeschlossen, 2007 aber zunächst rehabilitiert. Nach einem weiteren Militärputsch am 6. August 2008 beschloss die AU, erneut Vorbereitungen für die Suspendierung der Mitgliedschaft des Landes zu treffen.
  • Im Dezember 2008 wurde auch Guineas Mitgliedschaft wegen eines Militärputsches suspendiert. Diese Suspendierung wurde im Dezember 2010 aufgehoben, da das Land wieder zur verfassungsmäßigen Ordnung zurückgekehrt sei.[13]
  • Madagaskar wurde nach dem Umsturz 2009 suspendiert.[14] Die Afrikanische Union nahm Madagaskar nach neuen Wahlen am 28. Januar 2014 wieder als vollwertiges Mitglied auf.[15]
  • Im November 2009 berief Eritrea seinen Botschafter bei der AU ab. Im Mai desselben Jahres hatte die AU Sanktionen gegen Eritrea wegen dessen Unterstützung für Islamisten in Somalia gefordert.[16][17]
  • Am 20. Februar 2010 wurde Niger wegen des Militärputsches suspendiert.[18] Nach der Durchführung von Parlamentswahlen und der Wahl von Mahamadou Issoufou zum neuen Präsidenten Anfang 2011 hob die AU die Suspendierung im März 2011 wieder auf.[19]
  • Nach den Präsidentschaftswahlen in der Elfenbeinküste 2010 wurde die Mitgliedschaft der Elfenbeinküste ausgesetzt, solange Laurent Gbagbo die Präsidentschaft nicht an Alassane Ouattara übergäbe.[20] Dies erfolgte am 21. Mai 2011.
  • Wegen des malischen Staatsstreichs 2012 wurde Mali für einige Monate suspendiert.
  • Nach dem Putsch am 24. März 2013 wurde die Zentralafrikanische Republik am 25. März suspendiert.[21] Im April 2016 wurde die Suspendierung wieder aufgehoben.[22]
  • Nach einem Militärputsch wurde Ägypten im Juli 2013 suspendiert.[23] 2014, im Anschluss an die ersten demokratischen Wahlen nach dem Putsch, wurde die Suspendierung wieder aufgehoben.[24]

Seit April 2016 ist kein Land mehr suspendiert.

MitgliedschaftsanträgeBearbeiten

  • Marokko  Marokko trat 1984 wegen des Westsaharakonflikts aus der OAU aus. Am 22. September 2016 wurde ein offizieller Aufnahmeantrag bei der AU gestellt.[25] Am 30. Januar 2017 wurde Marokko in die AU aufgenommen.[3]
  • Somaliland  Somaliland, das sich 1991 von Somalia ohne internationale Anerkennung für unabhängig erklärte, hat 2005 einen Mitgliedschaftsantrag gestellt, der zunächst nicht bearbeitet wurde.[26]

Weitere KennzahlenBearbeiten

Aufgrund der großen Mitgliedschaftszahl der AU werden einige Daten regional aufgelistet (räumliche Definitionen können je nach Quelle variieren, Marokko mitinbegriffen):[27]

Region Bevölkerung
in Mio.
Bevölkerungs-
wachstum
Lebens-
erwartung
Migrations-
saldo
CO2-
Emission
in Mio.
Waldfläche
in Tsd.[28]
Nordafrika 234 2,2 % 69 −2 139 t 78.814 ha
Ostafrika 422 2,7 % 60 0 17 t 73.197 ha
Südliches Afrika 65 1,0 % 59 3 128 t 194.320 ha
Westafrika 372 2,7 % 55 1 33 t 73.234 ha
Zentralafrika 163 3,0 % 52 −2 14 t 254.854 ha
Gesamt 1.255 2,5 % 59 0 331 t 674.419 ha

HerausforderungenBearbeiten

Ein dauerhafter Wandel hin zu demokratischer Stabilität wird in einigen Ländern durch bewaffnete Konflikte, politische und ethnische Spannungen, Grenzstreitigkeiten und instabile staatliche Strukturen gefährdet. Auch Korruption, Kapitalflucht, Staatsverschuldung, Abhängigkeit von globalen Rohstoffmärkten, Abwanderung qualifizierter Fachkräfte und ungerechte Regelungen des Welthandels verlangsamen Fortschritte in den Bereichen Staat, Gesellschaft und Wirtschaft. Darüber hinaus leben fast 40 Prozent der Bevölkerung noch immer ohne ausreichende Wasserversorgung, knapp 70 Prozent ohne angemessene Sanitärversorgung.

Dennoch hat der Kontinent im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts die längste Wachstumsperiode seit den 1960er Jahren erlebt. Die durchschnittliche Wachstumsrate lag bei fast sechs Prozent, mehrere afrikanische Länder zählten zu den weltweit am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften. Auch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise erwirkte nur eine kurzfristige Abschwächung des Wachstums in Subsahara-Afrika. Nach Angaben der Weltbank lag es im Jahr 2010 bei 5,1 Prozent.[29]

Eine weitere Aufgabenstellung sind die mangelnde medizinische Versorgung vieler ländlicher Bereiche Afrikas und die gravierenden Auswirkungen der Immunschwächekrankheit AIDS sowie weiterer Infektionskrankheiten wie Malaria und Tuberkulose. Verschärft wird dieses Problem durch Wegzug ausgebildeter Ärzte aus einzelnen Regionen in entwickelte Länder. So ist die Zahl behandelnder Ärzte für dringende Bedarfsfälle – wie jüngst (2014) bei der Ebola-Epidemie – sehr gering.[30]

Präsidenten der Afrikanischen UnionBearbeiten

 
Muammar al-Gaddafi (rechts), führender Initiator der AU, zusammen mit Jakaya Kikwete (links) auf dem 12. AU-Gipfeltreffen (2009)
Amtszeit Präsident/in Mitgliedstaat
Juli 2002 – Juli 2003 Thabo Mbeki Sudafrika  Südafrika
Juli 2003 – Juli 2004 Joaquim Alberto Chissano Mosambik  Mosambik
Juli 2004 – Januar 2006 Olusegun Obasanjo Nigeria  Nigeria
Januar 2006 – Januar 2007 Denis Sassou-Nguesso Kongo Republik  Republik Kongo
Januar 2007 – Februar 2008 John Agyekum Kufuor Ghana  Ghana
Februar 2008 – Januar 2009 Jakaya Kikwete Tansania  Tansania
Februar 2009 – Januar 2010 Muammar al-Gaddafi Politisches System der Libysch-Arabischen Dschamahirija  Libyen
Januar 2010 – Januar 2011 Bingu wa Mutharika Malawi  Malawi
Januar 2011 – Januar 2012 Teodoro Obiang Nguema Mbasogo Äquatorialguinea  Äquatorialguinea
Januar 2012 – Januar 2013 Boni Yayi Benin  Benin
Januar 2013 – Januar 2014 Hailemariam Desalegn Athiopien  Äthiopien
Januar 2014 – Januar 2015 Mohamed Ould Abdel Aziz Mauretanien  Mauretanien
Januar 2015 – Januar 2016 Robert Mugabe Simbabwe  Simbabwe
Januar 2016 – Januar 2017 Idriss Déby Tschad  Tschad
Januar 2017 – Januar 2018 Alpha Condé Guinea  Guinea
seit 28. Januar 2018 Paul Kagame Ruanda  Ruanda

Kommission der Afrikanischen UnionBearbeiten

Die Kommission übernimmt exekutive Aufgaben und besteht aus zehn Mitgliedern.[31]

Mitglieder der Kommission mit Stand von Oktober 2018[32]
Aufgabenbereich Name Mitgliedstaat
Vorsitzender Moussa Faki Tschad  Tschad
Stellvertretender Vorsitzender Thomas Kwesi Quartey Ghana  Ghana
Politische Angelegenheiten Cessouma Minata Samate Burkina Faso  Burkina Faso
Soziale Angelegenheiten Amira El Fadil Sudan  Sudan
Handel und Industrie Albert M. Muchanga Sambia  Sambia
Wirtschaftliche Angelegenheiten Victor Harrison Madagaskar  Madagaskar
Frieden und Sicherheit Smail Chergui Algerien  Algerien
Infrastruktur und Energie Amani Abou-Zeid Agypten  Ägypten
Personalwesen, Wissenschaft und Technologie Agbor Sarah Mbi Enow Anyang Kamerun  Kamerun
Ländliche Wirtschaft und Landwirtschaft Sacko Josefa Leonel Correa Angola  Angola
Vorsitzende der Kommission
Amtszeit Vorsitzende/r[33] Mitgliedstaat
2002–2003 Amara Essy (Interim) Elfenbeinküste  Elfenbeinküste
2003–2008 Alpha Oumar Konaré Mali  Mali
2008–2012 Jean Ping Gabun  Gabun
2012–2017 Nkosazana Dlamini-Zuma Sudafrika  Südafrika
seit 2017 Moussa Faki Tschad  Tschad

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Yassin El-Ayouty (Hrsg.): The Organization of African Unity After Thirty Years. Westport/New York 1994.
  • Christof Hartmann: Demokratie als Leitbild der afrikanischen Staatengemeinschaft? Zur Theorie und Praxis demokratischer Schutzklauseln in der Afrikanischen Union. In: Verfassung und Recht in Übersee (VRÜ). 38. Jg., 2005, ISSN 0506-7286, S. 201–220.
  • Christof Heyns, Evarist Baimu, Magnus Killander: The African Union. In: German Yearbook of International Law. Band 46, 2004, S. 252–283.
  • Konstantinos D. Magliveras, Gino J. Naldi: The African Union – A New Dawn for Africa? In: International and Comparative Law Quarterly. Band 51, 2002, S. 415–425.
  • Peter Meyns: Von der OAU zur „Afrikanischen Union“. Khadafis Engagement für die afrikanische Einheit. In: Internationale Politik. Heft 11/2001, S. 45–52.
  • Désiré Nzisabira: Von der Organisation der Afrikanischen Einheit zur Afrikanischen Union. Hamburg 2006.
  • Corinne A. A. Packer, Donald Rukare: The New African Union and Its Constitutive Act. In: American Journal of International Law. Band 96. 2002, S. 365–379.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. DSW-Datenreport 2009 (Memento vom 22. November 2009 im Internet Archive).
  2. Constitutive Act of the African Union (Memento vom 5. Februar 2011 im Internet Archive).
  3. a b Marokko nach 33 Jahren wieder in der Afrikanischen Union. In: Die WELT. 30. Januar 2017.
  4. Sirte declaration (Memento vom 28. April 2015 im Internet Archive). In: au2002.gov.za.
  5. a b Transition from the OAU to the African Union (Memento vom 4. Oktober 2013 im Internet Archive). In: au2002.gov.za.
  6. Lusaka Summit, Juli 2001: Decision on the Implementation of the Sirte Summit Decision on the AU (Memento vom 4. März 2014 im Internet Archive) (PDF; 286 kB).
  7. African Union: AU in a Nutshell (Memento vom 29. Januar 2011 im Internet Archive). In: au.int, abgerufen am 22. September 2013.
  8. Magliveras/Naldi (siehe unter Literatur, ICLQ 2002, S. 415.
  9. Rede vor Afrikanischer Union: Obama kritisiert afrikanische Staatsführer. In: FAZ.net. 28. Juli 2015.
  10. Länderdatenbank zur Weltbevölkerung. Zugriff am 28. Februar 2014.
  11. World Population Prospects – Population Division – United Nations. Abgerufen am 9. Juni 2018.
  12. United Nations Statistics Division (Hrsg.): National Accounts. Dezember 2017 (unstats.un.org).
  13. African Union Suspends Ivory Coast, Reinstates Guinea, In: Voice of America News. 9. Dezember 2010.
  14. Pressure grows on Madagascar coup. In: BBC News. 20. März 2009.
  15. Madagaskar wieder in der Afrikanischen Union. In: neues-deutschland.de. 28. Januar 2014, abgerufen am 4. Oktober 2018.
  16. Eritrea breaks with African Union. In: afrol.com. 20. November 2009.
  17. AU calls for sanctions on Eritrea. In: BBC News. 23. Mai 2009.
  18. AU suspendiert Niger. sueddeutsche.de, 20. Februar 2010.
  19. Beschluss des Friedens- und Sicherheitsrates der AU vom 16. März 2011 (Memento vom 16. März 2012 im Internet Archive) auf der Website der AU (englisch, französisch). Abgerufen am 6. November 2011.
  20. African Union suspends Ivory Coast over disputed poll. In: BBC News. 9. Dezember 2010.
  21. African Union suspends Central African Republic after coup. In: latimes.com. 25. März 2013.
  22. AU readmits Central African Republic. In: News24. 7. April 2016.
  23. Afrikanische Union schließt Ägypten aus. In: welt.de. 5. Juli 2013, abgerufen am 16. August 2018.
  24. Rauswurf vor einem Jahr – Ägypten wieder Mitglied der Afrikanischen Union. In: merkur.de. 18. Juni 2014, abgerufen am 16. August 2018.
  25. Morocco officially requests to join the African Union. African Union, 23. September 2016.
  26. Somaliland disappointed with African Union. In: afrol News. 3. Mai 2006.
  27. Länderdatenbank. Zugriff am 31. Dezember 2014.
  28. Waldfläche in Afrika. Zugriff am 31. Dezember 2014.
  29. Afrika südlich der Sahara. Regionale Zusammenarbeit fördern. BMZ. Zugriff am 31. Dezember 2014.
  30. AG Friedensforschung. Zugriff am 31. Dezember 2014.
  31. The Commission. In: au.int, abgerufen am 26. Oktober 2014.
  32. AU Commission Leadership. In: au.int. Archiviert vom Original am 14. Oktober 2018; abgerufen am 14. Oktober 2018 (Die Personalien auf der Originalseite werden laufend aktualisiert. Die Angaben im Artikel beruhen auf der archivierten Version.).
  33. AU. In: rulers.org.


Koordinaten: 9° 0′ 3″ N, 38° 44′ 31″ O