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Freetown

Hauptstadt von Sierra Leone

Freetown ist die Hauptstadt des westafrikanischen Staates Sierra Leone und hat etwa 1,05 Millionen Einwohner (Stand 2015).[1] Freetown liegt an der Nordwestspitze der Freetown Peninsula, einer Halbinsel, die in den Atlantischen Ozean reicht und am Delta des Sierra Leone River liegt.

Freetown
Freetown (Sierra Leone)
Freetown
Freetown
Koordinaten 8° 29′ N, 13° 14′ WKoordinaten: 8° 29′ N, 13° 14′ W
Western AreaWestern Area
Symbole
Wappen
Wappen
Basisdaten
Staat Sierra Leone

Gebiet

Western
Distrikt Western Area Urban
Chiefdom keines
Höhe 0 m
Fläche 357 km²
Einwohner 1.050.000 (2015)
Dichte 2941,2 Ew./km²
Gründung 1787
Politik
Bürgermeister Sam Franklyn Gibson (2012)
Luftbildaufnahme von Freetown
Luftbildaufnahme von Freetown

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

LandschaftBearbeiten

Die Landschaft um Sierra Leone ist gekennzeichnet von Regenwaldbedeckten Hügeln, die bis an die Sandstrände reichen. Ein Großteil des Primärwaldes ist durch Brandrodung und Logging zerstört worden. 2010 wurde das gesamte Gebiet der Peninsula als Western Area Peninsular-Nationalpark in seinem Schutzstatus erhöht, um den Erhalt der bestehenden Wälder sicherzustellen. Im südlichen Teil der Peninsula sowie an den Flussmündungen sind Mangroven und Sumpfland verbreitet. Diese sind vor allem um den Aberdeen Creek im Zentrum der Stadt bedroht.[2]

KlimaBearbeiten

 
Klimadiagramm Freetown

Das Klima in Freetown ist tropisch-feucht mit Niederschlägen nicht weniger als 3000 Millimeter pro Jahr.[3] Freetown gilt damit als eine der feuchtesten Hauptstädte der Erde.

Das Klima unterteilt sich in drei Jahreszeiten: eine Regen-, eine Trockenzeit und die Harmattanzeit. Die Regenzeit beginnt im Mai und endet im November. Der Höhepunkt zwischen Juni und Oktober wird durch tägliche Gewitter und Regenfälle gekennzeichnet, die nicht selten Wochen anhalten.[3] Der Harmattan, ein trockener Saharawind, weht zwischen Dezember und Februar.[4]

Mitte Oktober beginnt die Trockenzeit, Niederschläge werden seltener. Im Dezember und Januar ist das Klima durch den Harmattan geprägt, einem Wind aus der Sahara, der Staub und erstaunlicherweise kühle Luft mit sich bringt. Februar, März, April sind die heißesten Monate mit seltenen Niederschlägen.

Die Temperaturen liegen ganzjährig am Tag bei 28 °C bis 31 °C, nachts zwischen 23 °C und 25 °C. Im Jahresdurchschnitt herrscht eine Tagestemperatur von 30 °C, nachts von 24 °C. Der Atlantik hat konstante 26 bis 27 °C. Die Luftfeuchtigkeit fällt selten unter 75 Prozent, liegt zwischen April und November meist bei deutlich über 90 Prozent.

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Freetown
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 31 30 31 31 31 30 29 28 29 30 31 31 Ø 30,2
Min. Temperatur (°C) 24 25 26 25 25 24 24 24 24 24 25 24 Ø 24,5
Temperatur (°C) 27 28 28 28 28 27 26 26 26 27 28 27 Ø 27,2
Niederschlag (mm) 3,4 3,6 12,5 46,9 177,2 323,0 734,3 791,1 484,1 265,8 87,5 15,9 Σ 2.945,3
Sonnenstunden (h/d) 7,3 7,7 7,5 6,9 6,1 5,1 3,3 2,8 4,2 6,0 6,6 5,2 Ø 5,7
Regentage (d) 0 0 1 4 15 22 27 27 24 21 9 2 Σ 152
Wassertemperatur (°C) 26 26 26 26 26 26 26 26 26 26 26 26 Ø 26
Luftfeuchtigkeit (%) 76 75 75 75 80 84 87 88 87 85 83 79 Ø 81,2
T
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29
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31
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Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
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d
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s
c
h
l
a
g
3,4
3,6
12,5
46,9
177,2
323,0
734,3
791,1
484,1
265,8
87,5
15,9
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

GeschichteBearbeiten

Erste BesiedlungBearbeiten

Das Gebiet um Freetown wurde 1787 von befreiten Sklaven aus England, Kanada und den USA sowie den jamaikanischen Maroons besiedelt. Bunce Island, eine Freetown vorgelagerte kleine Insel, war lange Zeit der größte Sklavenumschlagplatz Westafrikas.[5]

 
Freetown (1850)
 
Freetown (1856)

Bevor die Weißen an die Küste gelangten, hieß Freetown „Romarong“, die „Stadt der Wehklagen“. Dieser Name entsprang dem konstanten „Schreien“ und „Weinen“ der Verunglückten in den starken Stürmen an der Mündung des Sierra Leone River. Die ersten weißen Siedler gaben ihr den Namen „Granville Town“.[5]

KolonialzeitBearbeiten

Zwischen 1808 und 1874 war Freetown die Hauptstadt von Britisch-Westafrika. Es war wichtigster Standort der Royal Navy West Africa Squadron, die vor allem das Verbot der Sklaverei durchsetzen sollte. In dieser Zeit nahm die Bevölkerung in Freetown deutlich zu, da zahlreiche befreite Sklaven angesiedelt wurden.[6]

Jüngere GeschichteBearbeiten

Ende der 1990er Jahre fanden in der Stadt im Rahmen des Bürgerkriegs erbitterte Kämpfe zwischen Rebellen und den Regierungstruppen statt. Sie wurde 1998 von Truppen der ECOWAS eingenommen, die wieder Ahmad Tejan Kabbah als Präsidenten wollten. 1999 griffen Truppen der Revolutionary United Front die Stadt an, im Mai wurde ein Waffenstillstand vereinbart. Aber erst Anfang 2002 konnte der Bürgerkrieg mit Unterstützung der Vereinten Nationen (UNAMSIL) beendet werden. Im gleichen Jahr wurde Freetown Sitz des Sondergerichtshofs für Sierra Leone, der die für begangene Kriegsverbrechen Hauptverantwortlichen zur Rechenschaft ziehen soll.

Für das Jahr 2016 hat die ISESCO Freetown zur Hauptstadt der Islamischen Kultur der afrikanischen Region ernannt.

Politik und VerwaltungBearbeiten

Freetown wird von einem Stadtrat (City Council) unter Vorsitz eines Bürgermeisters geführt. Dieses Amt nimmt seit 2012 Sam Franklyn Gibson wahr. Das historische Zentrum der Stadt ist die eigentliche City of Freetown (vgl. City of London).

 
Karte vom Stadtzentrum von Freetown

Politisch ist Greater Freetown in drei Bezirke unterglieder: East End, Central und West End, die sich wiederum in insgesamt 17 Wahlkreise (Liste der Wahlkreise in Sierra Leone) gliedern. Freetown erstreckt sich von Wellington, Kissy, Cline Town, Fourah Bay, Kossa Town und Foulah Town im Osten bis nach Congo Town, Murray Town und Wilberforce bis Aberdeen im Westen.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

WirtschaftBearbeiten

Freetown ist das wirtschaftliche Zentrum des Landes. Die meisten großen Unternehmen haben einen Sitz oder ihren Hauptsitz in der Stadt. Der Hafen Freetown, eine der größten Naturhäfen der Erde, spielt eine wichtige Rolle. Industrien in Freetown sind die Getränkeabfüllung (unter anderem Sierra Leone Brewery), Fischverarbeitung, Reismühlen, Erdölraffinerien, Verarbeitungsunternehmen für Diamanten und Zigarettenherstellung.

TourismusBearbeiten

 
Blick auf Freetown vom Tower Hill

Einer der bekanntesten touristischen Anlaufstellen ist der Cotton Tree. Der Baum steht seit mindestens 1787 im Stadtzentrum von Freetown. Hier befindet sich auch das kleine Sierra Leone National Museum.

Weitere Sehenswürdigkeiten sind das Gebäude des Obersten Gerichtshofes, die sog. „Portugiesischen Treppen“, das Tor zum Old Kings Yard und die drei historischen Kanonen an der Stadtgrenze.

Unter den Gotteshäusern sind verschiedene Kirchen sehenswert wie die St. John’s Maroon (von 1820), St.-George's-Kathedrale (1828), Jamiul-Salaam-Foulah-Town-Moschee (1830), die römisch-katholische Sacred Heart Cathedral sowie die Zentralmoschee Freetown.

 
Oberster Gerichtshof

Im Nationalen Eisenbahn-Museum in Cline Town wird die größte und schwerste jemals gebaute Schmalspur-Lokomotive ausgestellt. In den Hügeln außerhalb von Freetown liegt das Schimpansenschutz- und -aufzugsgebiet Tacugama.

Entlang der Peninsula befinden sich viele kleine Inseln, u. a. Bunce Island mit den Ruinen eines Forts. Lumley Beach direkt in Freetown ist ein beliebter Anlaufpunkt.

Weitere Strände sind:

  • River No. 2 Beach (30 Minuten von Freetown)
  • Lakka Beach
  • Toke Beach
  • Mamma Beach
  • Kent Beach

2017 wurde der Victoria Park im Stadtzentrum in den Freetown Amusement Park, einem kleinen Freizeitpark, umgewandelt.[7]

VerkehrBearbeiten

 
Typische Straße und Verkehr in Freetown

Der Hafen Freetown spielt traditionell eine wichtige Rolle. Er ist der drittgrößte Naturhafen der Erde und wurde Ende 2013 erstmals wieder von großen Kreuzfahrtschiffen angefahren.

Durch den Internationalen Flughafen Lungi, auf der anderen Seite des Sierra Leone Rivers, und den stadtnahen Flugplatz Hastings an das internationale Flugverkehrsnetz angeschlossen.

Freetown kämpft mit chaotischen Verkehrszuständen aufgrund schlechter Straßenverhältnisse, denn nur die wichtigsten Straßen in Freetown sind asphaltiert, hohen Verkehrsaufkommen und fehlender Straßenschilder. Freetown ist die größte Stadt der Erde die keine Ampelanlagen einsetzt.

EnergieBearbeiten

Die Energieversorgung in Sierra Leone konnte zu keiner Zeit in den letzten 50 Jahren sichergestellt werden. Auch heute (Stand Juni 2017) gibt es keine durchgehende Stromversorgung in der Stadt. Durch den Bau eines Kraftwerkes am Bumbuna-Stausee (Bumbuna Hydroelectric Project)[8] werden von der Stadtverwaltung, seit 2009, vier Stunden öffentlicher Strom am Tag sichergestellt. Die meisten Unternehmen und Privathaushalte sind von einzelnen Generatoren zu Stromversorgung abhängig.

In der Nähe Freetowns sollte 2014 mit sechs Megawatt Leistung Westafrikas größter Solarpark entstehen.[9]

Bildung und SportBearbeiten

BildungBearbeiten

 
Ehemaliger Hauptsitz des Fourah Bay College (Datum unbekannt)

Die tertiäre Bildung wird vor allem durch die University of Sierra Leone (USL) und Njala University sichergestellt. Zweiteres hat einen Campus in Freetown, jedoch den Hauptsitz in der Stadt Njala.

Das Fourah Bay College (Teil der USL) ist die älteste Universität Schwarzafrikas und Grund, warum Freetown auch als „Athen Westafrikas“ bezeichnet wird. Sie wurde bereits 1827 gegründet. Ursprünglich eine Missionarsschule, entwickelte sich Fourah Bay schnell zu einem Magneten für viele gebildete Menschen aus ganz Westafrika. Sie erlangte insbesondere Berühmtheit in den Bereichen Theologie und Pädagogik. Ein weiterer dem College zugehöriger Campus ist die Eastern Polytechnic in Kenema.

Das Njala University College ist sowohl in Freetown (temporär, ursprünglich in der Stadt Njala) als auch in der Provinzhauptstadt Bo mit einem Campus vertreten. Ähnlich einer deutschen Fachhochschule werden hier vor allem technisch-praktische Fächer wie Landwirtschaft und Technologie unterrichtet.

Neben den Universitäten gibt es einige Polytechniken sowie zahlreiche Grund- und Oberschulen sowie Berufsschulen, darunter u. a.:

  • Methodist Boys High School[10]
  • American International School[11]
  • Ayoub International School[12]
  • Lebanese International School[13]

StädtepartnerschaftenBearbeiten

Quelle: Freetown City Council, 2009[16]

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

Auswahl in Freetown Geborener
Auswahl in Freetown Verstorbener

WeblinksBearbeiten

  Commons: Freetown – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wiktionary: Freetown – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. SIERRA LEONE 2015 POPULATION AND HOUSING CENSUS, PROVISIONAL RESULTS. Statistics Sierra Leone, März 2016, S. 4.
  2. Disappearing Mangroves. Lost Freetown, 13. Dezember 2016.
  3. a b Freetown Climate & Temperature. ClimaTemps.com. Abgerufen am 16. Dezember 2015.
  4. Geography. VisitSierraLeone.org. Abgerufen am 16. Dezember 2015.
  5. a b Rosalind Shaw: Memories of the Slave Trade, Ritual and the Historical Imagination in Sierra Leone. (Mohamed Sheriff), University of Chicago Press 2002, S. 37.
  6. Rosanne Marion Adderley: "New negroes from Africa" slave trade abolition and free African settlement in the nineteenth-century Caribbean. Indiana University Press, Bloomington 2006, ISBN 978-0-253-21827-8.
  7. The Freetown Amusement Park is an added blessing to the tourism industry. National Tourist Board Sierra Leone, 29. Juni 2017.
  8. Jarrah Kawusu-Konte: Bumbuna Complete, His Excellency the President Dr. Ernest Bai Koroma Launches Test Phase. In: www.statehouse.gov.sl. Abgerufen am 9. November 2016.
  9. Solar lighting revolution underway in Sierra Leone. Voice of Africa, 12. November 2014, abgerufen am 12. November 2014.
  10. mbhs.schools.edu.sl
  11. aisfreetown.org
  12. ayoubinternationalschool.webs.com
  13. Lebanese International School Official Site. In: www.lebaneseinternationalschool.com. Abgerufen am 9. November 2016.
  14. Sister Cities: Freetown. (Memento vom 22. Dezember 2004 im Internet Archive) auf: sister-cities.org, 9. Februar 2008.
  15. Außenministerium V.R. China: 外交部.cn, 6. März 2008.
  16. News. (Memento vom 17. Dezember 2009 im Internet Archive) Freetown City Council, 21. März 2009.