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République de Guinée
Republik Guinea
Flagge Guineas
Wappen Guineas
Flagge Wappen
Wahlspruch: Travail, Justice, Solidarité

(frz., „Arbeit, Gerechtigkeit, Solidarität“)

Amtssprache Französisch
Hauptstadt Conakry
Staatsform Republik
Regierungssystem Präsidialsystem
Staatsoberhaupt Präsident
Alpha Condé
Regierungschef Premierminister
Ibrahima Kassory Fofana
Fläche 250.158 km²
Einwohnerzahl 12.413.867 (Quelle: CIA Juli 2017)
Bevölkerungsdichte 46 Einwohner pro km²
Bruttoinlandsprodukt
  • Total (nominal)
  • Total (KKP)
  • BIP/Einw. (nominal)
  • BIP/Einw. (KKP)
2017[1]
Index der menschlichen Entwicklung 0,392 (179.)[2]
Währung Franc Guinéen (GNF)
Unabhängigkeit 2. Oktober 1958 (von Frankreich)
Nationalhymne Liberté
Zeitzone UTC±0
Kfz-Kennzeichen RG
ISO 3166 GN, GIN, 324
Internet-TLD .gn
Telefonvorwahl +224
ÄgyptenTunesienLibyenAlgerienMarokkoMauretanienSenegalGambiaGuinea-BissauGuineaSierra LeoneLiberiaElfenbeinküsteGhanaTogoBeninNigeriaÄquatorialguineaKamerunGabunRepublik KongoAngolaDemokratische Republik KongoNamibiaSüdafrikaLesothoSwasilandMosambikTansaniaKeniaSomaliaDschibutiEritreaSudanRuandaUgandaBurundiSambiaMalawiSimbabweBotswanaÄthiopienSüdsudanZentralafrikanische RepublikTschadNigerMaliBurkina FasoJemenOmanVereinigte Arabische EmirateSaudi-ArabienIrakIranKuwaitKatarBahrainIsraelSyrienLibanonJordanienZypernTürkeiAfghanistanTurkmenistanPakistanGriechenlandItalienMaltaFrankreichPortugalMadeiraSpanienKanarenKap VerdeMauritiusRéunionMayotteKomorenSeychellenÎles ÉparsesMadagaskarSão Tomé und PríncipeSri LankaIndienIndonesienBangladeschVolksrepublik ChinaNepalBhutanMyanmarAntarktikaSüdgeorgien (Vereinigtes Königreich)ParaguayUruguayArgentinienBolivienBrasilienFrankreich (Französisch-Guayana)SurinameGuyanaKolumbienKanadaDänemark (Grönland)IslandMongoleiNorwegenSchwedenFinnlandIrlandVereinigtes KönigreichNiederlandeBarbadosBelgienDänemarkSchweizÖsterreichDeutschlandSlowenienKroatienTschechische RepublikSlowakeiUngarnPolenRusslandLitauenLettlandEstlandWeißrusslandMoldauUkraineMazedonienAlbanienMontenegroBosnien und HerzegowinaSerbienBulgarienRumänienGeorgienAserbaidschanArmenienKasachstanUsbekistanTadschikistanKirgisistanRusslandGuinea on the globe (Africa centered).svg
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Galeriewald bei Simandou

Guinea [giˈneːa] (französisch La Guinée [giˈne]) ist ein Staat in Westafrika, der (von Nordwesten aus im Uhrzeigersinn) an Guinea-Bissau, Senegal, Mali, die Elfenbeinküste, Liberia, Sierra Leone und den Atlantik grenzt. Ihre Unabhängigkeit erlangte die ehemalige französische Kolonie am 2. Oktober 1958.[3] Trotz der vorhandenen Bodenschätze lebt der Großteil der Bürger in Armut, diese wurde durch die Diktatur Ahmed Sékou Tourés noch verstärkt. Die Hauptstadt von Guinea ist Conakry.

Inhaltsverzeichnis

GeografieBearbeiten

Guinea befindet sich in Westafrika zwischen 7° und 12° nördlicher Breite und 8° und 15° westlicher Länge. Insbesondere der Mittel- und Südostteil des Landes befindet sich auf der Oberguineaschwelle. Ein Teil davon ist das bis 1537 Meter hohe Bergland von Fouta Djallon in der westlichen Mitte des Landes. Der Mont Richard-Molard, der sich im äußersten Südosten des Landes an der Grenze zur Elfenbeinküste befindet, ist mit 1752 Metern der höchste Berg beider Staaten. Das Naturschutzgebiet rund um den Mont Nimba steht seit 1982 auf der Liste des Weltkultur- und Naturerbes der Menschheit der UNESCO.

In Guinea entspringen einige bedeutende westafrikanische Ströme: der Niger und mehrere seiner Zuflüsse, der Gambia und der Bafing, ein Quellfluss des Senegal. Diese Flüsse entwässern einen großen Teil Westafrikas.

Die Lebensräume variieren vom Regenwald im Hochland bis zum Savannen-Grasland.

KlimaBearbeiten

In Guinea herrscht tropisches Wechselklima mit regional unterschiedlich langen Regen- und Trockenzeiten. An der Küste ist es feuchtheiß mit hohen Niederschlägen, östlich des Fouta-Djalon-Plateaus gehen die Niederschläge zurück. Die Niederschläge des westafrikanischen Monsuns fallen zwischen April und November mit tropischen Gewittern und heftigen Stürmen; in den südlichen Regenwaldgebieten beginnen sie meist schon im Februar. Der Höhepunkt des Monsuns wird im Juli und August erreicht. Von November bis April herrscht Trockenzeit. In dieser Zeit steht das Land unter dem Einfluss des Nord-Ost-Passats Harmattan aus der Sahara.

Die Temperaturen in Guinea betragen durchschnittlich 22 °C bis 32 °C, die Höchsttemperaturen liegen zwischen 28 und 35 °C. Im Fouta-Djalon-Plateau liegen die Tiefsttemperaturen im Winter bei 6 °C. In der Hauptstadt Conakry an der Atlantikküste herrscht unabhängig von Regen- oder Trockenzeit Tag und Nacht eine fast gleichbleibende Temperatur zwischen 24 und 32 °C, der jährliche Niederschlag in Conakry liegt bei mehr als 4.000 mm. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit (bis zu 98 Prozent) wird das Klima von Besuchern als schwül und sehr ermüdend empfunden. Besonders ungünstig sind die Monate am Beginn und Ende der Regenzeit (Mai/Juni und Oktober/November) mit tropischen Gewittern, orkanartigen Stürmen und Regengüssen.

BevölkerungBearbeiten

 
Bevölkerungspyramide Guinea 2016

62,3 Prozent der etwa 12,4 Millionen (2016) Einwohner Guineas leben auf dem Lande, 37,7 % in den Städten.[4]

Altersstruktur:

  • 0–14 Jahre: 44,4 %
  • 15–64 Jahre: 52,4 %
  • 65 Jahre und älter: 3,2 %

Der Altersmedian liegt bei rund 17 Jahren, d. h. die Hälfte der Bevölkerung ist jünger als dieser Wert. Die Lebenserwartung liegt 2016 bei rund 59,2 Jahren.[5] Das Bevölkerungswachstum beträgt 2,37 % (2004). Für das Jahr 2050 wird laut UN mit einer Bevölkerung von über 26 Millionen gerechnet.

Jahr Einwohnerzahl
1950 03.094.000
1960 03.577.000
1970 04.220.000
1980 04.512.000
1990 06.041.000
2000 08.809.000
2010 10.794.000
2016 12.396.000

Quelle: UN[6]

VolksgruppenBearbeiten

Die drei größten ethnischen Gruppen – unter insgesamt mehr als 40 Völkern – sind inzwischen größtenteils islamisiert:

  • 40 % stellen die Fulbe (Felatta, französisch Peul), sie sind die größte Ethnie und wohnen vorwiegend im Fouta-Djalon-Hochland und in der Hauptstadt Conakry,
  • 26 % sind Malinke und leben in Oberguinea,
  • 11 % sind Susu, die in der Küstenregion beheimatet sind.

Bei den kleineren Volksgruppen sind die Kpèlè mit 6 %, die Kissi mit 5 %, die Toma und die Baga die bekanntesten, sie wohnen mehrheitlich in Waldguinea und sind meistens Anhänger von traditionellen Religionen.[7]

Außerdem gibt es vor allem in den Städten libanesische Einwanderer, die ersten kamen schon vor mehr als 100 Jahren ins Land; sie beherrschen einen Großteil des Handels und des Hotelgewerbes. Als in den Nachbarländern Sierra Leone und Liberia Bürgerkrieg herrschte, kamen aus diesen Ländern zahlreiche Flüchtlinge nach Guinea. Noch heute sind es ca. 40.000 (Stand 2007).[8]

ReligionenBearbeiten

Die in Guinea vorherrschende Religion ist der sunnitische Islam.

Muslime 85 %, ethnische Religionen 7 %, Christen 8 %.

Die christlichen Minderheiten (meist römisch-katholisch) haben ihre Anhänger in Conakry und in Waldguinea, davon:

BildungBearbeiten

In Guinea liegt die Analphabetenquote 2015 bei 69,6 %, die Einschulungsrate im Primarschulbereich bei etwa 50 %, im Sekundärbereich bei 10 % und im Hochschulbereich bei 1 %.[10]

In Guinea gibt es vier Universitäten, drei in der Hauptstadt Conakry und eine in Kankan (mit Außenstelle in Faranah), an denen insgesamt etwa 35.000 Studenten eingeschrieben sind.

Neben der Amtssprache Französisch werden Fulfulde (Peulh, Fula), Malinke und Susu sowie weitere einheimische Sprachen gesprochen. Insgesamt sind acht offizielle Sprachen anerkannt, sechs davon sind auch Unterrichtssprachen. Die in Waldguinea und auch in Liberia ansässigen Toma verfügen über ein eigenes Schriftsystem.

GesundheitBearbeiten

Seit Anfang 2014 breitet sich in Sierra Leone, Liberia und Guinea das tödliche Ebolavirus massiv aus. Es handelt sich um die größte Ebolafieber-Epidemie seit Entdeckung des Virus im Jahr 1976. Nach Aussage der dort im Einsatz befindlichen Ärzte ohne Grenzen sei die Epidemie seit Juni 2014 außer Kontrolle geraten.[11] Seit Beginn der Epidemie im Dezember 2013 waren bis zum 26. Juli 2015 offiziell 3786 Personen in Guinea an Ebola erkrankt und 2520 daran verstorben.[12]

2015 wurde der Ebola-Impfstoff VSV-Zebov in einer Feldstudie mit 7500 Teilnehmern in Guinea erfolgreich getestet.[13] Die Ebola-Epidemie gilt zwar inzwischen als besiegt und beendet, aber an den persönlichen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen leiden in Guinea noch viele Menschen, insbesondere in den Dörfern und Städten Waldguineas, wo etliche Personen am Ebolavirus erkrankt und gestorben oder abgewandert sind und empfindliche Lücken hinterlassen haben.[14]

2015 waren 17,5 % der Bevölkerung unterernährt. Im Jahr 2000 hatte der Anteil noch 26,3 % betragen.[15]

Entwicklung der Lebenserwartung in Guinea

Zeitraum Lebenserwartung in
Jahren
Zeitraum Lebenserwartung in
Jahren
1950–1955 33,1 1985–1990 47,9
1955–1960 34,3 1990–1995 51,3
1960–1965 35,4 1995–2000 51,6
1965–1970 36,1 2000–2005 51,3
1970–1975 37,4 2005–2010 55,5
1975–1980 39,9 2010–2015 57,9
1980–1985 43,1

Quelle: UN[16]

GeschichteBearbeiten

Hauptartikel: Geschichte Guineas

Um das Jahr 900 wanderten aus Nordosten die Mandingue nach Guinea ein. Der Stamm der Soussou ließ sich in Niederguinea nieder, die weniger zahlreichen Malinké siedelten in Oberguinea. Die aus Pygmäenvölkern bestehende Urbevölkerung wurde vertrieben.

1726 entstand im Fouta Djallon, im heutigen Mittelguinea, die Fulbe-Theokratie. Sie endete 1905 mit der Deportation des letzten Königs von Labé, Alpha Yaya, nach Dahomey.

Ab 1850 begannen systematische Kolonisierungsversuche durch Frankreich, die auf zum Teil heftigen Widerstand stießen, vor allem im heutigen Oberguinea unter der Führung von Samory Touré.

Nachdem Deutschland 1885 seine Ansprüche auf Kapitaï und Koba aufgegeben hatte, wurde das heutige Guinea 1892/93 als Teil Französisch-Westafrikas französische Kolonie.

Am 28. September 1958 entschied Guinea sich in einer Volksabstimmung als einzige französische Kolonie in Afrika für die vollständige Unabhängigkeit. Es folgte die Ausrufung am 2. Oktober 1958 der Ersten Republik mit Ahmed Sékou Touré als Staatspräsidenten; es kam zum Bruch mit Frankreich.

Im November 1958 nahm Guinea diplomatische Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland auf.

Im November 1970 erfolgten die portugiesische Landung in Guinea und ein Umsturzversuch von Exilguineern. Die Operação Mar Verde (‚Operation Grünes Meer‘) scheiterte jedoch. Nach dem Tod Sekou Tourés am 26. März 1984 übernahm am 3. April 1984 der Oberst Lansana Conté die Macht, gestützt auf ein Militärkomitee. Es kam zur Proklamation der 2. Republik.

Nach Ausbruch des Bürgerkriegs 1990 in den Nachbarländern Liberia und Sierra Leone kamen Tausende von Flüchtlingen nach Guinea; zeitweise bis zu 700.000.

Am 19. Dezember 1993 wurde in der ersten demokratischen Präsidentschaftswahl General Lansana Conté als Präsident bestätigt. Es folgte die Ausrufung der 3. Republik im Januar 1994.

In den darauf folgenden Jahren kam es zu Aufständen, die im Februar 1996 mit der Niederschlagung einer Militärrevolte ihren Höhepunkt erreichten.

Am 18. Dezember 1998 wurde Präsident Lansana Conté mit 54 % der abgegebenen Stimmen für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt, wobei die Oppositionsparteien allerdings von massivem Wahlbetrug sprechen. Schon tags darauf wurden mehrere Oppositionspolitiker verhaftet. Conté ernannte am 8. März 1999 den Präsidenten des Obersten Gerichtshofes, Lamine Sidimé vom „Parti de l’Unité et du Progrès“ (PUP), zum neuen Regierungschef.

Von September 2000 bis März 2001 wehrte Guinea Angriffe sierraleonischer und liberianischer Rebellen auf das guineische Staatsgebiet ab. Infolge des Bürgerkriegs in Sierra Leone hielten sich zeitweise bis zu 500.000 Flüchtlinge aus Liberia und Sierra Leone in Guinea auf. Bei einem Gipfeltreffen der Staatspräsidenten von Guinea, Liberia und Sierra Leone in Rabat im Februar 2002 wurden Wege zur Beilegung des Regionalkonflikts erörtert.

Im November 2001 wurden durch ein umstrittenes Referendum zur Verfassungsänderung u. a. die rechtlichen Voraussetzungen für einen Verbleib von Staatspräsident Lansana Conté im Amt über 2003 hinaus geschaffen.

Im Juni 2002 endeten die von wichtigen Oppositionsparteien boykottierten, nicht demokratisch verlaufenen Parlamentswahlen mit einem klaren Sieg der Präsidentenpartei PUP.

Der politische Stillstand unter Conté zeigte seine Folgen. Nach einem Bericht von Transparency International vom November 2006 ist Guinea das korrupteste Land Afrikas. Horrende Preissteigerungen trieben die Bevölkerung unter Führung der traditionell starken Gewerkschaften allein 2006 in drei größere Generalstreiks. Schien bis dahin jeder auf das natürliche Ende der Regierung des greisen Conté zu warten, welches sich durch seine von Diabetes und übersteigertem Zigarettenkonsum stark angegriffene Gesundheit bereits lange abzeichnete, hatten sich die Gewerkschaften im Generalstreik im Januar und Februar 2007 die Absetzung Contés zum Ziel gesetzt. Proteste wurden von den Sicherheitskräften massiv unterdrückt, wobei mindestens 200 Menschen in den Auseinandersetzungen erschossen wurden. Zwischenzeitlich wurde auch das Kriegsrecht ausgerufen. Mitte Februar schließlich stimmte der Präsident zu, einen Premierminister zu ernennen, mit dem auch die Gewerkschaften einverstanden waren.

Dem von Lansana Kouyaté geführten neuen Kabinett gehörte kein Minister der vorherigen Regierung von Präsident Lansana Conté an. Die Opposition reagierte auf die Ernennung der Regierung vorsichtig optimistisch. Die Gesamtlage blieb jedoch weiterhin angespannt. Für Januar 2008 wurde die Fortsetzung des 2007 unterbrochenen Generalstreiks angekündigt – es wurde wieder gefordert, dass Präsident Conté zurücktritt, da er entgegen einem im Februar 2007 geschlossenen Abkommen Entscheidungen traf, die nicht in seiner Befugnis lagen.

Kouyaté wurde im Mai 2008 abgesetzt. Im gleichen Monat kam es in Teilen der Armee zu Unruhen, die mit ausstehendem Sold begründet wurden. Mitte Juni 2008 streikte die Polizei, woraufhin das Militär zeitweise den Verkehr in Conakry regelte. Es kam zu Verhaftungen von Polizisten durch die Armee, in Medien war die Rede von toten Polizisten; wenige Tage später traten auch Lehrer und Ärzte in einen Streik. Am 20. Juni 2008 stellte Präsident Conté die Liste des neuen Kabinetts vor. Unter den 34 Ministern und zwei Generalsekretären befanden sich erstmals Vertreter der Opposition.

Am 22. Dezember 2008 starb Guineas Präsident Lansana Conté nach langer Krankheit. Unmittelbar danach verübte das Militär einen Putsch. Der damalige Hauptmann Moussa Dadis Camara erklärte im staatlichen Rundfunk, die Regierung sowie andere Institutionen der Republik seien aufgelöst, die Aktivitäten der Gewerkschaften würden unterbunden und die Verfassung außer Kraft gesetzt; ein „Konsultativrat“ bestehend aus Zivilisten und Armeeangehörigen werde demnächst eingesetzt. Guineas Verfassung sah vor, dass der Parlamentspräsident Aboubacar Somparé die Amtsgeschäfte als Nachfolger vom verstorbenen Präsidenten übernehmen und innerhalb von 60 Tagen Parlamentswahlen organisieren sollte.[17] Am 24. Dezember 2008 wurde ein Nationalrat für Demokratie und Entwicklung gebildet, an dessen Spitze als Staatsoberhaupt Camara steht. Dieser Nationalrat soll Guinea bis zu Neuwahlen regieren.

Am 3. Dezember 2009 wurde Camara bei einem Attentat schwer verletzt. Sein Stellvertreter Sékouba Konaté übernahm die Amtsgeschäfte, womit Camara faktisch entmachtet wurde.[18] Konaté setzte am 19. Januar 2010 den Oppositionspolitiker Jean-Marie Doré als neuen Premierminister ein. Dieser sollte eine Übergangsregierung bilden und freie Wahlen innerhalb von sechs Monaten vorbereiten.[19] Am 27. Juni 2010 wurde die erste Runde der Präsidentenwahlen durchgeführt.[20] Der Wahlgang verlief friedlich und wurde ersten Berichten zufolge als erste demokratische Wahl seit der Unabhängigkeit des Landes eingestuft.[21] Die Stichwahl zwischen dem ehemaligen Premierminister Cellou Dalein Diallo und dem langjährigen Oppositionsführer Alpha Condé wurde allerdings mehrmals verschoben, zuletzt musste der für den 19. September 2010 geplante Wahlgang aus organisatorischen Gründen abgesagt werden.[22] Nachdem die Wahlkommission Guineas den Wahltermin für den 10. Oktober 2010 festgelegt hatte,[23] konnten die Wähler erst am 7. November 2010 zu den Urnen gehen.[24] Erst eine Woche nach den Wahlen und weiteren Unruhen in der Hauptstadt Conakry gab die Wahlkommission das Ergebnis bekannt. Alpha Condé gewann mit 52,5 Prozent der Stimmen gegen Diallo.[24]

PolitikBearbeiten

Verfassung und ParlamentBearbeiten

Nach der Verfassung von 1991 ist Guinea eine Präsidialrepublik. Der Präsident wird nach der letzten Verfassungsänderung vom November 2001 für eine Amtszeit von sieben Jahren (vorher fünf Jahre) direkt vom Volk gewählt. Das aus einer Kammer bestehende Parlament, die Nationalversammlung, setzt sich aus 114 Abgeordneten zusammen.

Wichtigste Parteien sind der Parti de l’Unité et du Progrès (PUP), der Rassemblement du Peuple Guinéen (RPG), der Parti du Renouveau et du Progrès (PRP) und die Union pour la Nouvelle République (UNR).

Nach dem Tod von Präsident Lansana Conté im Dezember 2008 wurde die Verfassung vom Militär ausgesetzt und die Regierung abgelöst.[25]

Im Demokratieindex 2016 der britischen Zeitschrift The Economist belegt Guinea Platz 136 von 167 Ländern und gehört damit zu den autoritär regierten Staaten.[26] Im Länderbericht Freedom in the World 2017 der US-amerikanischen Nichtregierungsorganisation Freedom House wird das politische System des Landes als „teilweise frei“ bewertet.

MenschenrechteBearbeiten

Guinea ist schon wenige Jahre nach der Staatsgründung 1958 zu einer Militärdiktatur geworden. Die heutige Verfassung bekennt sich formal zur Gewaltenteilung und fixiert allgemeine Bürger- und Grundrechte, welche in der Praxis bisher allerdings kaum oder nur in Ansätzen realisiert sind.

Am 28. September 2009 kam es in Conakry zu einem Blutbad durch die Militärregierung unter dem an der Offizierschule des Heeres in Dresden ausgebildeten Militärdiktator Moussa Dadis Camara.[27] Ungefähr 50.000 Menschen demonstrierten an diesem Tag in einem Stadion der Hauptstadt gegen die Militärführung des Landes. Sicherheitskräfte schossen nach Augenzeugenberichten auf die Menschen. Bei der brutalen Niederschlagung der Demonstration sind nach Angaben von Menschenrechtsgruppen und örtlichen Krankenhäusern mindestens 157 Menschen ums Leben gekommen.[28][29] Des Weiteren kam es im Laufe des Tages zu Massenvergewaltigungen an mindestens 100 Frauen durch Soldaten.[30]

Am 22. Februar 2010 berichtete die ARD in der Sendung Fakt[31] über unvorstellbare Grausamkeiten in Guinea. Die Gräueltaten würden auch von Regierungssoldaten begangen, die in Deutschland bei der Bundeswehr ausgebildet worden waren, darunter auch die Hauptverantwortlichen.[32] Nach Angaben von Fakt werden zum jetzigen Zeitpunkt immer noch Offiziere für die Armee von Guinea in Deutschland ausgebildet.[33] Die Ausbildung durch die Bundeswehr für Guinea hatte 1965 begonnen.[34]

Nach dem Korruptionswahrnehmungsindex (Corruption Perceptions Index) von Transparency International lag Guinea 2017 von 180 Ländern zusammen mit Nigeria und den Komoren auf dem 148. Platz, mit 27 von maximal 100 Punkten.[35]

AußenpolitikBearbeiten

Das Land ist Mitglied der Afrikanischen Union und der Bewegung der Blockfreien Staaten, was die beiden Grundsätze der Außenpolitik, Blockfreiheit und panafrikanische Zusammenarbeit verdeutlichen. 2017 hatte Guinea durch seinen Präsidenten Alpha Condé den Vorsitz der Afrikanischen Union inne. Im Vordergrund stehen für Guinea die Beziehungen zu den Nachbarländern in der westafrikanischen ECOWAS wegen der gemeinsamen Politiken zum Beispiel bei Zoll- und Wirtschaftsfragen oder bezüglich der Reise- und Bewegungsfreiheit der Bürger. Während der Bürgerkriege in den benachbarten Staaten Liberia, Sierra Leone und der Elfenbeinküste nahm Guinea über eine Million Flüchtlinge aus diesen Staaten auf, trotz der hohen wirtschaftlichen Kosten und der prekären Situation im eigenen Land. Inzwischen sind die meisten dieser Personen wieder in ihre Heimatländer zurückgekehrt. Um der im regionalen Umfeld weit verbreiteten Instabilität entgegenzuwirken, beteiligt sich das Land an Aktionen zur politischen Stabilisierung der Nachbarstaaten. So stellte Guinea für die Mission der Vereinten Nationen MINUSMA in Mali ein Bataillon Soldaten zur Verfügung, welches bereits mehrfach das Ziel von terroristischen Anschlägen war.[36]

Bei den außerafrikanischen Beziehungen versucht das Land vor allem ausländische Direktinvestitionen anzulocken und die entwicklungspolitische Zusammenarbeit zu vertiefen. Das Land verfügt über bedeutende Rohstoffvorkommen, was ihm trotz seiner Unterentwicklung wirtschaftliche Attraktivität verschafft. Länder, mit denen traditionell eine enge Zusammenarbeit bei der Ausbeutung der Rohstoffe besteht, sind Kanada, Russland und die USA. In den letzten Jahren kam die Volksrepublik China hinzu, die stark in die Infrastruktur des Landes investiert und im Gegenzug Zugang zu den Ressourcen des Landes erhält. Zudem dürften Chinesen inzwischen die größte nicht-afrikanische ausländische Gruppe in Guinea stellen. Wichtigster Partner sind allerdings weiterhin die Staaten der Europäischen Union, die für das Land der wichtigste Handelspartner und der wichtigste Geber von Entwicklungs- und Wirtschaftshilfen sind. Besonders hervorzuheben sind dabei die Beziehungen zu der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich, mit der das Land seit der Wiederaufnahme der Beziehungen 1975 eine enge Partnerschaft eingegangen ist. Weitere europäische Länder mit einer eigenen Botschaft in Conakry sind Deutschland, Vereinigtes Königreich, Spanien, Italien und Belgien. Als Land mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung ist es Mitglied in der Organisation für Islamische Zusammenarbeit und hat dementsprechend enge Beziehungen zu den Ländern der islamischen Welt. Besonders weit entwickelt wurden die diplomatischen Kontakte mit Marokko, Saudi-Arabien, der VAE und der Türkei.[36]

VerwaltungsgliederungBearbeiten

Guinea ist in 8 Regionen und diese in 33 Präfekturen gegliedert, die Hauptstadt Conakry bildet dabei eine eigene Region ohne weitere Untergliederung. Unterhalb der Präfekturebene gliedert sich Guinea weiter in 341 Unterpräfekturen.

Guinea-BissauSenegalMaliElfenbeinküsteLiberiaSierra LeoneConakryRegion BokéRegion LabéRegion FaranahRegion MamouRegion KindiaRegion KankanRegion Nzérékoré 
Regionen Guineas
Regionen und Präfekturen Guineas, die alle nach ihren jeweiligen Hauptstädten benannt sind
Region Hauptstadt Einwohner 2014[37] Zugehörige Präfekturen
Boké Boké 1.083.147 Boffa, Boké, Fria, Gaoual, Koundara
Conakry Conakry (Hauptstadtdistrikt) 1.660.973
Faranah Faranah 941.554 Dabola, Dinguiraye, Faranah, Kissidougou
Kankan Kankan 1.972.537 Kankan, Kérouané, Kouroussa, Mandiana, Siguiri
Kindia Kindia 1.561.374 Coyah, Dubréka, Forécariah, Kindia, Télimélé
Labé Labé 994.458 Koubia, Labé, Lélouma, Mali, Tougué
Mamou Mamou 731.188 Dalaba, Mamou, Pita
Nzérékoré Nzérékoré 1.578.030 Beyla, Guéckédou, Lola, Macenta, Nzérékoré, Yomou

Guinea gliedert sich zudem inoffiziell in vier geographisch definierte, so genannte Supraregionen, 30 Regionen und den Hauptstadtdistrikt. Hierbei besteht eine Unterteilung in die Regionen Niederguinea, Oberguinea, Fouta Djallon (Mittelguinea) und Waldguinea.

StädteBearbeiten

Hauptartikel: Liste der Städte in Guinea

Die größten Städte sind (Stand Zensus 2014):[38]

WirtschaftBearbeiten

Hauptartikel: Wirtschaft Guineas

AllgemeinesBearbeiten

Die Wirtschaft Guineas ist noch heute durch die Misswirtschaft von Touré, die bis in die 1980er andauerte, geschädigt. Sie führte zum völligen Erliegen der Infrastruktur, außerdem waren die meisten Betriebe in Staatsbesitz. 1984 wurde damit begonnen, ein marktorientiertes Wechselkurssystem zu errichten und sämtliche Staatsbetriebe entweder zu privatisieren oder aufzulösen. Seit 2010 wird verstärkt in die Infrastruktur investiert. Als Währung löste der Franc Guinéen den von 1971 bis 1986 gültigen Syli ab. Der Ausbruch der Ebolafieber-Epidemie 2014 schadete jedoch der Wirtschaft des Landes erheblich. Dennoch wuchs die Wirtschaft 2015 um 0,4 %, für 2016 wird von einem Wachstum in Höhe von 4 % ausgegangen. Guinea nimmt allerdings auf dem Global Innovation Index, der 2016 die Innovationsfähigkeit von insgesamt 128 Staaten bewertet hat, den vorletzten Platz ein. Im Index für wirtschaftliche Freiheit belegt das Land 2017 Platz 169 von 180 Ländern.[39]

Die wichtigsten Handelspartner Guineas sind die Volksrepublik China, die Europäische Union, die USA und Russland.[40] Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Guineas betrug im Jahr 2015 ca. 6,7 Milliarden US-Dollar. Im gleichen Zeitraum betrug die Inflation rund 8 %.[41]

Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes misst, belegt Guinea Platz 119 von 137 Ländern (Stand 2017–2018).[42] Im Ease of Doing Business Index 2018 der Weltbank belegt das Land Platz 153 von 190 Ländern.[43]

StaatshaushaltBearbeiten

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 1.857 Millionen US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 1.428 Millionen US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 6,7 % des BIP.[44] Die Staatsverschuldung betrug 2016 56,0 % des BIP.[45]

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

VerkehrswesenBearbeiten

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wingtip ! vormals Pristina ! sprechzimmer ! rating ! 15:25, 13. Apr. 2011 (CEST)

95 % des Personen- und Warentransports findet auf der Straße statt. Die anderen Verkehrsträger spielen also nur eine untergeordnete Rolle.

StraßennetzBearbeiten

 
Üblicher Benzinverkauf in Glasflaschen

Das Wegenetz in Guinea umfasste 2003 ungefähr 44.350 Kilometer, wovon etwa zehn Prozent asphaltiert waren.[47] Eine staatliche Quelle aus dem Jahr 2001 gibt eine Gesamtlänge der Straßen mit rund 35.000 Kilometern an, davon sollen knapp 10.000 Kilometer asphaltiert sein. Vielerorts hört der Asphalt abrupt auf, und viele Straßen weisen zusätzlich Löcher, Risse und Auswaschungen auf, weil sie zu wenig stabil gebaut wurden oder ungenügend unterhalten werden. Zudem sind nicht alle Siedlungen mit Motorfahrzeugen erreichbar. Während der Regenzeit, die etwa von Mai bis Oktober dauert, sind nicht alle Straßen und Brücken passierbar. Tankstellen gibt es nur in Städten, vor Ort wird Benzin üblicherweise in einlitrigen Glasflaschen angeboten.[48]

EisenbahnBearbeiten

Hauptartikel: Schienenverkehr in Guinea

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden von den Franzosen mehrere Bahnlinien zur Erschließung des Landes geplant und gebaut. Hauptstück war die so genannte Niger-Bahn, die auf einer mehr als 600 Kilometer langen Strecke Conakry mit Kankan verband. Von dort bestand eine Schiffsverbindung nach Bamako. Heute ist der Bahnverkehr fast vollständig eingestellt und nicht mehr befahrbar. Die Linie wird nur noch für Treibstofftransporte bis Mamou verwendet.

Mit dem Bau der Trans-Guinea-Bahn soll der Transport von Eisenerz der 2002 entdeckten Lagerstätten am Simandou-Hügel bei Moribadou in Waldguinea, im Süden des Landes, zu einem (ebenfalls noch zu bauenden) Überseehafen ermöglicht werden. Der Bau der mehr als 650 Kilometer langen Strecke sollte im Jahr 2007 beginnen. Es wurde eine Bauzeit von sechs bis sieben Jahren veranschlagt. Die Kosten wurden auf bis zu 17 Milliarden US-Dollar geschätzt. Der Bahnbau wurde vor allem durch den Preiszerfall von Eisen, die Ebolaepidemie und den Weiterverkauf der Schürfrechte der englischen Bergbaugesellschaft Rio Tinto Group 2016 verhindert.[49]

SchifffahrtBearbeiten

Der Seehafen von Conakry besitzt einen Containerumschlagplatz, mit einer Gesamtspeicherkapazität von etwa 8.000 TEU, eine Anlegestelle für Erdöltanker und eine Verladestelle für die mineralischen Rohstoffe. In Kamsar gibt es einen weiteren Hafen für die Verschiffung von Bauxit.

Warenaustausch auf dem Wasserweg ist mit dem Nachbarland Mali nur etwa vier Monate lang pro Jahr möglich, die Boote fahren auf dem Niger ab Kouroussa und auf dem Milo ab Kankan. Exportiert werden auf diese Weise jährlich rund 500 t (Getreide, Nüsse, Palmöl, Orangen, Erbsen). Die Importe aus Mali betragen etwa 1000 t jährlich (Datteln, Mais, Hirse, frische Zwiebeln, Erdnüsse, geräucherter Fisch, handwerkliche Produkte).

LuftverkehrBearbeiten

Guinea besitzt 15 Flugplätze, vier weitere werden von den Bergbaugesellschaften betrieben. Die größte Bedeutung hat der internationale Flughafen Conakry, von den anderen Flugplätzen gehen nur Inlandsflüge aus. In den Jahren 1994 bis 1998 wurden im Flughafen Conakry im Jahresdurchschnitt jeweils 250.000 Flugpassagiere gezählt. Die benachbarten Flughäfen Dakar und Abidjan hatten jeweils ein vierfach größeres Passagieraufkommen. Die Luftfracht betrug im gleichen Zeitraum in Conakry durchschnittlich 4700 Tonnen pro Jahr. Im Inlandsflugverkehr sank die Zahl der Passagiere im Jahr 1998 auf 12.500 Passagiere (nach einem Durchschnitt von 25.000 Passagieren in den Vorjahren). Inzwischen ist der regelmäßige Inlandsverkehr, nachdem keine nationale Fluggesellschaft mehr existiert, komplett eingestellt.

KulturBearbeiten

MusikBearbeiten

Unter der Regierung von Sekou Touré wurde vor allem die traditionelle Musik gefördert und ist auch heute noch sehr populär. Die bekanntesten Tanzgruppen sind das Ballet Africain und das Ballet Djoliba, die beide auch in Europa auftreten. Nur weibliche Mitglieder (Musikerinnen und Tänzerinnen) hat die Gruppe Les Amazones de Guinée. Internationale Bekanntheit erreichte unter anderem auch der guineische Griot-Musiker Mory Kanté.

NationalflaggeBearbeiten

Hauptartikel: Flagge Guineas

Die Nationalfarben Guineas wurden nach dem Vorbild Frankreich als Trikolore angeordnet: Rot symbolisiert die Opfer, die das Volk in seinem Kampf für die Freiheit gebracht hat, Gelb stellt die Sonne und die Bodenschätze dar, Grün erinnert an die üppige Vegetation des Landes.

MedienBearbeiten

Wegen des hohen Anteils an Analphabeten spielt der Rundfunk, vor allem der Hörfunk, in Guinea eine wichtige Rolle bei der Information der Bevölkerung. Neben dem staatlichen Rundfunk Radio Télévision Guinéenne (RTG) gibt es auch private Anbieter sowie die Auslandsdienste der internationalen Sender.[50]

Neben der staatlichen Tageszeitung Horoya („Freiheit“) gibt es mehrere privat betriebene Wochenblätter und eine größere Zahl an Online-Magazinen.[50]

Die digitale Infrastruktur befindet sich im Aufbau. Zugang zum Internet erhält man vor allem in den Städten und in deren näherem Umkreis. Das Festnetz wird von der Société des Télécommunications de Guinée (SOTELGUI) betrieben, während das mobile Netz und der Internetzugang von mehreren Providern angeboten wird.[50]

Bei der Rangliste der Pressefreiheit 2017, welche von Reporter ohne Grenzen herausgegeben wird, belegte Guinea Platz 101 von 180 Ländern.[51] Bei der Situation der Pressefreiheit im Land gibt es laut der Nichtregierungsorganisation „erkennbare Probleme“. Von Freedom House wurde Guinea im Jahr 2015 auf Rang 140 von 199 Staaten platziert („nicht frei“).[50]

FeiertageBearbeiten

  • Staatliche Feiertage:
    • Neujahr: 1. Januar
    • Nationalfeiertag, Tag der 2. Republik: 3. April
    • Tag der Arbeit: 1. Mai
    • Tag der Befreiung des afrikanischen Kontinents: 25. Mai
    • Nationalfeiertag, Tag der Unabhängigkeit: 2. Oktober
  • Christliche Feiertage:
    • Ostermontag
    • Mariä Himmelfahrt: 15. August
    • Weihnachten: 25. Dezember
  • Islamische Feiertage:
    • Laila Toul Kadr
    • Tabaski: Fest des Schafopfers
    • Id al-fitr: Fest des Fastenbrechens zum Abschluss des Ramadan
    • Mawlid an-Nabi: Geburt des Propheten Mohammed

SportBearbeiten

Fußball ist der beliebteste Sport in Guinea. Viele junge Nachwuchstalente trainieren hart und hoffen darauf, entdeckt und gefördert zu werden, um in einem europäischen Club spielen zu können und so der Armut Guineas entfliehen zu können. Trotz fehlender internationaler Erfolge erfreut sich die Nationalmannschaft Guineas, „Le Sylli National“ genannt, großer Beliebtheit. Die bekanntesten Spieler sind Kaba Diawara (früher bei Girondins Bordeaux und Olympique Marseille aktiv), Pascal Feindouno (AS Saint-Étienne), Pablo Thiam (ehem. FC Bayern München, VfB Stuttgart, VfL Wolfsburg, 1. FC Köln), Ibrahima Yattara, Daouda Jabi von Trabzonspor und Naby Keita von RB Leipzig sowie Titi Camara, früherer Publikumsliebling und Spieler beim Champions-League-Sieger FC Liverpool. Paul Labile Pogba (* 15. März 1993 in Lagny-sur-Marne) ist guineischer Abstammung und Fußballspieler der Nationalmannschaft Frankreichs.

StreitkräfteBearbeiten

Die regulären Streitkräfte Guineas, die Forces armées guinéennes, sind etwa 9700 Mann stark.[52] Dazu kommen 7500 Rekruten eines zweijährigen Wehrdiensts. Trotz des Status als Militärdiktatur sind weder die Größe noch das Budget der Streitkräfte im Vergleich mit anderen Staaten überdurchschnittlich. Guinea gab 2017 knapp 2,3 Prozent seiner Wirtschaftsleistung oder 127 Millionen US-Dollar für seine Streitkräfte aus.[53]

GeschichteBearbeiten

Zwischen 1958 und 1984 wurde ein Großteil der Soldaten für Entwicklungsaufgaben im Lande eingesetzt. Pioniere setzten Straßen instand und bauten Brücken, das Militär betrieb Fabriken, die auch für den zivilen Bedarf produzierten. Neben der Armee bestand eine starke, nur mit Handfeuerwaffen ausgerüstete Miliz. Nach dem Tode Sekou Tourés wurde die Miliz in das Heer integriert. 1960 entsandte Guinea ein Bataillon zur Teilnahme an der ONUC-Mission in den Kongo. Die guineische Armee unterstützte in den 1970er Jahren Befreiungsbewegungen in Afrika (ANC, PAIGC) durch Ausbildung, Logistik und direkte Kampfteilnahme. Im Rahmen der ECOMOG-Mission war Guinea nach Nigeria und Ghana der größte Truppensteller, guineische Stabsoffiziere dienten dort in hohen Führungsverwendungen. Seit 2000 erhält Guinea US-Militärhilfe, vor allem bei Ausbildung und Modernisierung der Streitkräfte.[54] Die Europäische Union verhängte 2009 infolge eines Massakers an Oppositionellen ein Waffenembargo gegen Guinea.[55]

LandstreitkräfteBearbeiten

Guinea ist in vier Militärregionen unterteilt – die 1. mit Stab in Kindia; die 2. mit Stab in Labé; die 3. mit Stab in Kankan; die 4. mit Stab in Nzérékoré sowie die Sonderzone Conakry mit Stab in der Alpha-Yaya-Kaserne. Das Heer Guineas ist in acht selbständigen Infanteriebataillonen im Land verteilt, in Conakry sind ein Panzerbataillon, der Stab eines Pionierbataillons und eine Artillerie-Abteilung mit Fla-Batterie stationiert, ebenso wie das Stabs- und Sicherstellungsbataillon. Vier Infanteriebataillone verfügen über eine zusätzliche Kommando-Ausbildung, die restlichen sind Infanteriebataillone. Die vier Kompanien des Pionier-Bataillons sind den Militärzonen zugeordnet. Das Heer verfügt über Panzer der sowjetischen Typen T-34, T-54 und PT-76, SPz BMP-1, Geschosswerfer BM-27 und Fla-Raketenkomplexe SA-13 Gopher.

LuftstreitkräfteBearbeiten

Die 800 Mann starken Luftstreitkräfte des Landes verfügen über MiG 21-Jagdflugzeuge[56] und Flugzeuge zum Absetzen von Fallschirmjägern (An-12 und An-24). Einige Mil Mi-24-Kampfhubschrauber befinden sich ebenso im Bestand, wie ein moderner Eurocopter AS550 C3 Fennec.

MarineBearbeiten

Die 400 Mann starke Marine (Armée de Mer) verfügt über Patrouillenboote, Torpedoschnellboote und Landungsschiffe.

Bekannte Personen aus GuineaBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. [1] des Internationalen Währungsfonds
  2. Human Development Report Office: Guinea – Country Profile: Human Development Indicators, abgerufen am 23. Oktober 2014
  3. Der Spiegel 12/1960 – Der Elefant.
  4. Urban population (% of total) | Data. Abgerufen am 21. Juli 2017 (amerikanisches Englisch).
  5. Life expectancy at birth, total (years) | Data. Abgerufen am 21. Juli 2017 (amerikanisches Englisch).
  6. World Population Prospects – Population Division – United Nations. Abgerufen am 28. Juli 2017.
  7. https://www.laender-lexikon.de/Guinea
  8. UNHCR Welcome. In: unhcr.org. Abgerufen am 28. Februar 2015.
  9. http://www.cmalliance.org/field/guinea
  10. The World Factbook — Central Intelligence Agency. Abgerufen am 21. Juli 2017 (englisch).
  11. Ebola in Westafrika: „Völlig außer Kontrolle“. Süddeutsche.de, 23. Juni 2014
  12. WHO:Ebola Situation Reports., 1. August 2015
  13. Zeit Online: VSV-ZEBOV – Ebola-Impfstoff in Guinea erfolgreich getestet, 31. Juli 2015
  14. Fabian Urech: Leiden unter Ebola. Die Krankheit verfolgt das Ursprungsland. Das Virus lebt in den Köpfen weiter. Vier Jahr nach der Ebola Epidemie tragen die Menschen in Guinea, am Ursprungsort der Katastrophe, noch immer an den Folgen. Wäre das Land für eine Rückkehr des Virus gewappnet? NZZ Zürich 8. Dezember 2017, S. 49–51
  15. Prevalence of undernourishment (% of population) | Data. Abgerufen am 10. März 2018 (amerikanisches Englisch).
  16. World Population Prospects – Population Division – United Nations. Abgerufen am 15. Juli 2017.
  17. vgl. AFP: Militärputsch in Guinea nach Tod von Präsident Conté bei google.com, 23. Dezember 2008.
  18. http://www.zenithonline.de/politik/hintergruende/?article=683&pageb=1&cHash=832ef536f2.
  19. Neue Zürcher Zeitung: Ziviler Regierungschef in Guinea, 20. Januar 2010.
  20. Guinea: Carter Center Launches Election Observation Mission to Country Allafrica vom 25. Mai 2010
  21. Guinea: Country Earns UN Plaudits After Peaceful Staging of Presidential Election Allafrika vom 28. Juni 2010
  22. BBC News: Guinea’s presidential elections ‚postponed‘, 15. September 2010.
  23. Guinea: Election Commission Sets New Date For Polls Allafrica vom 24. September 2010
  24. a b Condé zum Sieger in Guinea erklärt, FAZ, 16. November 2010, S. 7.
  25. Military 'seizes power' in Guinea BBC vom 23. Dezember 2008
  26. EIU digital solutions: Democracy Index 2016 – The Economist Intelligence Unit. Abgerufen am 3. Januar 2018 (englisch).
  27. Tagesschau:Militärregierung richtet Blutbad in Guinea an (Memento vom 2. Oktober 2009 im Internet Archive)
  28. [2]
  29. [3]
  30. Dutzende Frauen von Soldaten vergewaltigt DerStandard.at abgerufen am 22. Juli 2014
  31. ARD-Sendung FAKT vom 22. Februar 2010. (Memento vom 25. Februar 2010 im Internet Archive)
  32. Deutschlandradio, 4. Mai 2011: Markus Frenzel im Gespräch mit Jasper Barenberg.
  33. Markus Frenzel: Leichen im Keller. Wie Deutschland internationale Kriegsverbrecher unterstützt, April 2011, Deutscher Taschenbuchverlag, ISBN 978-3-423-24876-1.
  34. Deutschlandradio Kultur, 6. April 2011: Publizist: Deutschland unterstützt Völkermörder. Interview mit Markus Frenzel.
  35. Transparency International e.V.: Corruption Perceptions Index 2016. In: www.transparency.org. (transparency.org [abgerufen am 9. Februar 2018]).
  36. a b Auswärtiges Amt: Auswärtiges Amt – Außenpolitik. In: Seitentitel. (diplo.de [abgerufen am 10. Juni 2018]).
  37. Guinea: Regionen & Städte – Einwohnerzahlen in Karten und Tabellen. Abgerufen am 1. Januar 2018.
  38. Guinea – Major Cities
  39. [4]
  40. Auswärtiges Amt – Guinea- Wirtschaft, zuletzt gesehen am 6. August 2016.
  41. Auswärtiges Amt – Guinea- Übersicht, zuletzt gesehen am 6. August 2016.
  42. Country/Economy Profiles. In: Global Competitiveness Index 2017–2018. (weforum.org [abgerufen am 24. Januar 2018]).
  43. Ranking of economies – Doing Business – World Bank Group. Abgerufen am 10. März 2018.
  44. a b c The World Factbook.
  45. Report for Selected Countries and Subjects. Abgerufen am 21. Juli 2017 (amerikanisches Englisch).
  46. Der Fischer Weltalmanach 2010: Zahlen Daten Fakten, Fischer, Frankfurt, 8. September 2009, ISBN 978-3-596-72910-4.
  47. https://www.indexmundi.com/de/guinea/strassen.html
  48. https://www.eda.admin.ch/eda/de/home/laender-reise-information/guinea/reisehinweise-guinea.html
  49. Fabian Urech: Der grösste Eisenerzschatz der Welt schlummert in einer Hügelkette in Guinea. Viele wollten ihn heben, alle sind gescheitert. Eine Reportage. Mehr als 100 Milliarden Dollar ist der Simandou-Hügelzug in Guinea wert. Doch alle, die sich dem riesigen Eisenerzvorrat bisher näherten, stürzten ins Verderben. Eine Geschichte über einen Goldrausch, Korruption – und eine Eisenbahn. NZZ Zürich, 8. März 2018
  50. a b c d Guinea – gesamt – Massenmedien und Kommunikation. In: Munzinger Archiv Länder. Munzinger, 22. August 2017, abgerufen am 20. Dezember 2017 (kostenpflichtiges Login erforderlich).
  51. Rangliste der Pressefreiheit. Reporter ohne Grenzen, abgerufen am 13. August 2017.
  52. globaldefence.net, Truppenstärke Guineas.
  53. Home | SIPRI. Abgerufen am 10. Juli 2017 (englisch).
  54. Die Tageszeitung vom 28. Februar 2003: Armenhaus mit reichen Freunden.
  55. Vgl. NZZ Online: EU verhängt Waffenembargo gegen Guinea – Sanktionen gegen Militärregime nach Massaker in Conakry.
  56. Vgl. Aerospaceweb.org: Known MiG21-Operators.

Koordinaten: 11° N, 11° W