Special Olympics

US-amerikanische Organisation

Special Olympics ist die weltweit größte Sportbewegung für Menschen mit geistiger Behinderung und Mehrfachbehinderung. Sie ist vom Internationalen Olympischen Komitee offiziell anerkannt und darf als einzige Organisation den Ausdruck „Olympics“ weltweit nutzen. Das Ziel von Special Olympics ist es, als Inklusionsbewegung Menschen mit geistiger Behinderung durch den Sport zu mehr Anerkennung, Selbstbewusstsein und letztlich zu mehr Teilhabe an der Gesellschaft zu verhelfen.

Die Special-Olympics-Bewegung wurde 1968 von Eunice Kennedy-Shriver, einer Schwester von US-Präsident John F. Kennedy, ins Leben gerufen. Hintergrund war die Behinderung deren Schwester Rosemary Kennedy nach einer Lobotomie.

Special Olympics ist heute mit 5,2 Millionen Athleten in 174 Ländern vertreten. Der deutsche Bundesverband (Special Olympics Deutschland, SOD) wurde 1991 gegründet. Darüber hinaus gibt es auf Ebene der Bundesländer derzeit 14 Landesverbände. Als Zwischenebene fungiert für Deutschland der Kontinentalverband Special Olympics Europa-Eurasien (SOEE).

Vorsitzender des Dachverbands Special Olympics International (SOI) ist Timothy Shriver, der Sohn von Eunice Kennedy-Shriver.

GeschichteBearbeiten

Im Juni 1963 eröffnete Eunice Kennedy-Shriver ein Camp für körperlich und geistig Behinderte in ihrer Heimatstadt Potomac: das bis heute bestehende Camp Shriver. Ihre Absicht war es, die mangelnde Inklusion und Partizipation von jungen Menschen mit Behinderung im Rahmen von Sportveranstaltungen zu thematisieren. Darüber hinaus engagierte sie sich auch auf politischer Ebene, etwa im Rahmen eines von ihrem Bruder eingerichteten Rates zu Menschen mit geistiger Behinderung.

Währenddessen verdichteten sich die Hinweise aus der Wissenschaft, dass Bewegungsangebote förderlich für die Entwicklung von Menschen mit Behinderung sind. Wegweisend war etwa die Forschung von James N. Oliver[1] oder die von Frank Hayden[2].

Die ersten Special Olympics-Spiele fanden am 20. Juli 1968 in Chicago statt. 1.000 Athleten aus den USA und Kanada nahmen damals teil. Trotz Widerstands von potentiellen Geldgebern, die Kennedy Shriver sowie die Schöpferin der Spiele in Chicago, die Sportlehrerin (und derzeitige Richterin am Supreme Court in Illinois) Anne McGlone Burke, heftig dafür kritisierten, „diese Kinder zur Schau zu stellen“, erhielten die beiden genug Rückendeckung und konnten die Spiele austragen.

Die Vereinten Nationen erklärten das Jahr 1986 zum „Jahr der Special Olympics“. Zwei Jahre später wurde Special Olympics offiziell durch das Internationale Olympische Komitee anerkannt.

Das globale Wachstum der Special Olympics nahm in den kommenden Jahren immer mehr an Fahrt auf. Ein besonderer Höhepunkt dieser Globalisierung der Bewegung waren die Internationalen Weltspiele 2003 in Dublin. Diese waren die ersten Sommerspiele von Special Olympics, die außerhalb der Vereinigten Staaten stattfanden. Mit etwa 7.000 Teilnehmenden in 18 Disziplinen waren diese Spiele ein großer Wendepunkt in der öffentlichen Wahrnehmung von Menschen mit Behinderung. Die Öffentlichkeitswirksamkeit wurde neben dem internationalen Charakter der Spiele auch dadurch unterstützt, dass die Eröffnungs- und Abschlusszeremonie zum ersten Mal live im Fernsehen übertragen wurden.

Nach den Weltspielen in Dublin wurden weitere europäische und asiatische Länder als Ausrichtungsorte für Special Olympics-Sommerspiele ausgewählt.

Die Internationalen Winterspiele debütierten außerhalb der Vereinigten Staaten im Jahr 1993 mit den Ausrichtungsorten Salzburg und Schladming. Die nächsten Winterspiele finden Anfang 2022 in Kasan (Russland) statt, nachdem das eigentliche Ausrichtungsland Schweden die Spiele abgab, da die Finanzierung von der schwedischen Regierung nicht zugesichert wurde.

Die nächsten Sommerspiele werden im Sommer 2023 in Berlin stattfinden. Es handelt sich hierbei um das erste internationale Special Olympics-Turnier auf deutschem Boden.

WeltspieleBearbeiten

Die Weltspiele sind der sportliche Höhepunkt für Athleten. Sie finden alle zwei Jahre im Wechsel zwischen den Sommer- und Wintersportarten statt.

Im Jahr 1993 fanden die ersten Winterspiele außerhalb der Vereinigten Staaten statt, im Jahr 2003 gab es die ersten Sommerspiele außerhalb des amerikanischen Kontinents.

SommerspieleBearbeiten

Spiele Jahr Ort ungefähre Teilnehmerzahl
1. 1968 Vereinigte Staaten  Chicago, IL 1000
2. 1970 Vereinigte Staaten  Chicago, IL 2000
3. 1972 Vereinigte Staaten  Los Angeles, CA 2500
4. 1975 Vereinigte Staaten  Mount Pleasant, MI 3200
5. 1979 Vereinigte Staaten  Brockport, NY 3500
6. 1983 Vereinigte Staaten  Baton Rouge, LA 4000
7. 1987 Vereinigte Staaten  South Bend, IN 4700
8. 1991 Vereinigte Staaten  Minneapolis-St. Paul, MN 6000
9. 1995 Vereinigte Staaten  New Haven, CT 7000
10. 1999 Vereinigte Staaten  Raleigh / Durham / Chapel Hill, NC 7000
11. 2003 Irland  Dublin 6500
12. 2007 China Volksrepublik  Shanghai 7450
13. 2011 Griechenland  Athen 7000
14. 2015 Vereinigte Staaten  Los Angeles, CA 6500
15. 2019 Vereinigte Arabische Emirate  Abu Dhabi 7000
16. 2023 Deutschland Bundesrepublik  Berlin[3]

WinterspieleBearbeiten

Spiele Jahr Ort ungefähre Teilnehmerzahl
1. 1977 Vereinigte Staaten  Steamboat Springs, CO 500
2. 1981 Vereinigte Staaten  Stowe, VT 600
3. 1985 Vereinigte Staaten  Park City, UT 720
4. 1989 Vereinigte Staaten  Reno, NV / South Lake Tahoe, CA (USA) 1000
5. 1993 Osterreich  Salzburg / Schladming 1600
6. 1997 Kanada  Toronto / Collingwood 2000
7. 2001 Vereinigte Staaten  Anchorage, AK 1834
8. 2005 Japan  Nagano 1800
9. 2009 Vereinigte Staaten  Boise, ID 3000
10. 2013 Korea Sud  Pyeongchang n.a.
11. 2017 Osterreich  Graz / Schladming / Ramsau am Dachstein 2700
12. 2022 Russland  Kasan

AngebotBearbeiten

Da die Teilnehmenden an Special Olympics-Angeboten in aller Regel keine hauptberuflichen Leistungssportler sind, sind Angebote kostenlos und die Teilnahme an Wettbewerben kostengünstig gestaltet. Dies steht im Einklang mit dem Hintergrundgedanken von Special Olympics, möglichst vielen Menschen mit geistiger Behinderung sportliche Betätigung zu ermöglichen. Somit können unter anderem Herz-Kreislauf-Störungen sowie Übergewichtigkeit nachweislich vermieden werden. Doch auch das psychische Wohlbefinden, das Selbstvertrauen sowie soziale Fertigkeiten werden gestärkt. Das Gesundheitsprogramm, das ein zentraler Bestandteil von Special Olympics ist, untermauert den gesundheitlichen Mehrwert zusätzlich.

SportartenBearbeiten

Anerkannte Sportarten der Special Olympics[4]Bearbeiten

In Deutschland anerkannte Sportarten

Ein fester Bestandteil des Sportprogramms von Special Olympics Veranstaltungen im Sommer und im Winter ist das Wettbewerbsfreie Angebot (WBFA), das die motorischen Grundlagen fördert und bei dem der Inklusionsgedanke eine wesentliche Rolle spielt: Das Programm richtet sich sowohl an Menschen, die aufgrund ihrer Behinderung nicht an den regulären Wettbewerben teilnehmen können, als auch an Menschen ohne Behinderung. So können sich alle Interessenten an Nationalen Spielen oder Landesspielen aktiv beteiligen und es ist eine ideale Begegnungsstätte von Menschen mit und ohne Behinderung.

Unified SportsBearbeiten

Ein etabliertes Praxisbeispiel für Inklusion ist Special Olympics Unified Sports®.

Special Olympics Unified Sports® ist mittlerweile ein weithin gut angenommenes Programm der weltweiten Special Olympics Bewegung. Im Rahmen des Unified-Sports werden eine annähernd gleiche Anzahl von Special Olympics Athleten und Sportlern ohne geistige Behinderung (werden als „Partner“ bezeichnet) in einem Team zusammengeführt, um gemeinsam zu trainieren und an Wettbewerben teilzunehmen.

In Unified Teams treiben Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam Sport, trainieren und nehmen an Wettbewerben teil, lernen voneinander und bauen gleichzeitig Barrieren und Grenzen im alltäglichen Umgang miteinander ab.

Unified Sports® unterteilt sich in drei Modelle:

- das Wettbewerbsmodell („Sports Competitive“) erfordert nahezu gleiche sportliche Fertigkeiten zwischen Athleten und Partnern und in der Regel ein ähnliches Alter. In diesem Modell können sich Unified-Teams für Wettbewerbe qualifizieren und je nach Leistungsstufe auf lokaler, regionaler, nationaler und internationaler Ebene an Turnieren und Spielen teilnehmen.

- das Entwicklungsmodell („Player Development“) dient der sportlichen Weiterentwicklung der Teilnehmenden. Die Athleten und Partner müssen nicht zwingend über dieselben Fähigkeiten verfügen, sollten aber ähnlich alt sein.

-das Freizeitmodell („Sports Recreation“) bietet die Möglichkeit, ohne viele Anforderungen freizeitorientiert Sport zu treiben. Es ist etwa möglich, gemeinsame Trainings mit Schulen oder Sportvereinen anzubieten. Ein regelmäßiges Training im Verbund ist hier nicht erforderlich.

InklusionBearbeiten

Die Inklusion von Menschen mit Behinderung ist eine zentrale Aufgabe der Special-Olympics-Verbände. Special Olympics Deutschland (SOD) fördert unter dem Stichwort Empowerment („Ermächtigung“) die selbstbestimmte Partizipation von Menschen mit geistiger Behinderung. Mit dem Athlete Leadership Programm setzt Special Olympics den Focus auf die aktive Übernahme von Leitungsfunktionen durch Menschen mit geistiger Behinderung.

So arbeitet SOD seit 2010 erfolgreich mit den Athletensprechern, die national, auf Länderebene, im Präsidium, in Fachausschüssen und für internationale Wettbewerbe oder Delegationen dieses Ehrenamt mit Engagement und sehr erfolgreich wahrnehmen.

Ein Beispiel für Bürgerschaftliches Engagement bei SOD ist der Einsatz von Athleten als freiwillige Helfer bei eigenen und externen Sportveranstaltungen.

SOD arbeitet mit kompetenten Vertretern in Gremien, Arbeitskreisen und Projekten unterschiedlicher bundesweit agierender Organisationen zum Thema Inklusion aktiv mit. Darüber hinaus wurden und werden eigene inklusive Projekte und Formate entwickelt wie z. B. Special Olympics Unified Sports® Experience und –Stützpunkte oder das Projekt „Inklusive Redaktion“.

Healthy AthletesBearbeiten

Healthy Athletes® ist das Gesundheitsprogramm von Special Olympics und ein zentraler Bestandteil der nationalen und internationalen Angebote.

Das Gesundheitsförder- und Präventionsprogramm Healthy Athletes® von Special Olympics umfasst weltweit kostenlose Beratungen und Kontroll-Untersuchungen, die Athletinnen und Athleten bei regionalen, nationalen und internationalen Special Olympics Sportwettbewerben in Anspruch nehmen können.

Das Gesundheitsprogramm unterteilt sich in „Fitte Füße“, „Bewegung mit Spaß“, „Besser Hören“, „Gesunde Lebensweise“, „Besser Sehen“, „Gesund im Mund“ und „Innere Stärke“. Somit wird auf verschiedene medizinische Teilbereiche Rücksicht genommen und dafür gesorgt, dass Menschen mit Behinderung über ihren Körper und ihre Gesundheit sensibilisiert werden, insbesondere durch die Bereitstellung von Informationsmaterial in Leichter Sprache über die Plattform Gesundheit Leicht verstehen.

In Deutschland wurden seit der Einführung des Programms im Jahr 2004 mit Unterstützung von mehr als 3.000 ehrenamtlichen Helfern (Ärzte, Zahnärzte, Optometristen, Physiotherapeuten, Podologen, medizinisches Fachpersonal und Studierende) insgesamt mehr als 50.000 Beratungen durchgeführt.

Die Regionalisierung und nachhaltige Etablierung des Gesundheitsprogramms in Deutschland wurde durch die Projekte „Selbstbestimmt gesünder I - III“, die seit 2011 durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) gefördert wurden, voran gebracht. Dabei ging es darum, Menschen mit geistiger und Mehrfachbehinderung zu befähigen, Gesundheit und umfassendes Wohlbefinden selbstbestimmt zu gestalten und ihre Teilhabe an der Gesundheitsvorsorge zu verbessern. Dieses Ziel verfolgt auch das anschließende Projekt der Jahre 2017 und 2018 „Gesund durchs Leben“, erneut gefördert durch das BMG. So konnten im Jahr 2018 in den Landesverbänden mehr als 50 Healthy Athletes® Veranstaltungen – sowohl bei Sportwettbewerben als auch in Werkstätten - durchgeführt werden.

SportBearbeiten

Special Olympics verschafft Kindern und Erwachsenen mit geistiger Behinderung durch ganzjähriges, regelmäßiges Sporttraining und durch Wettbewerbe in einer Vielzahl von Sportarten Zugangs- und Wahlmöglichkeiten zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Menschen mit geistiger Behinderung können aus diesem Angebot selbstbestimmt nach eigenen Interessen, Bedürfnissen und Wünschen auswählen. Dies reicht von speziellen sportlichen Angeboten für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung über die Teilnahme an Sportarten und in Unified Teams bis hin zur regulären Mitgliedschaft in Vereinen, Ligen und Mannschaften des organisierten Sports.

SOD und die SO-Landesverbände beteiligen sich aktiv an den jährlich stattfindenden Europäischen Fußball- und Basketballwochen. In Zusammenarbeit mit dem Regionalverband Special Olympics Europa-Eurasien, der UEFA und dem Europäischen Basketballbund sowie zahlreichen Ligamannschaften finden gemeinsame Begegnungen, Trainings und Spiele unter wachsender öffentlicher Aufmerksamkeit statt.

AkademieBearbeiten

Die Special Olympics Deutschland Akademie (SODA) wurde im Jahr 2008 gegründet. Sie befasst sich in den Bereichen Wissenschaft, Bildung und Betriebliche Gesundheitsförderung mit den thematischen Schwerpunkten Vielfalt, Gesundheit, Bewegung, Sport und Inklusion für und mit Menschen mit geistiger Behinderung unter dem zentralen Aspekt der Selbstbestimmung.

Die SODA verfügt über ein bundesweites Netzwerk von zahlreichen Experten aus Sportvereinen und Schulen, Einrichtungen der Behindertenhilfe bis hin zu Universitäten. Diese Kompetenzen werden genutzt, um im Bereich Bildung und Wissenschaft die Förderung der Teilhabemöglichkeiten im und durch Sport von Menschen mit geistiger Behinderung voranzubringen und im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention umzusetzen. So sind die Entwicklung eines Fort- und Weiterbildungssystems für und mit Special Olympics Athleten und die Erstellung vielfältiger Materialien in Leichter Sprache derzeit Schwerpunkte der SODA-Tätigkeit.

FamilienBearbeiten

Das Familienprogramm von Special Olympics umfasst die Vernetzung, Betreuung und Einbeziehung der Familien von Athleten bei Special Olympics Veranstaltungen und zunehmend auch im Alltag. Durch die engere Vernetzung können die Familien Erfahrungen austauschen, Unterstützung erfahren und sich engagieren.

Als Family Leaders können sich besonders engagierte Familienmitglieder hervorheben. Sie übernehmen etwa eine zentrale Rolle in der Vorbereitung oder Durchführung von Veranstaltungen oder beteiligen sich auf Verbandsebene.

QualifikationBearbeiten

Bei Special Olympics-Wettbewerben ist die Teilnahme entscheidend. Eine Besonderheit bei Special Olympics ist nämlich, dass nicht nur die besten Athleten an internationalen Wettbewerben teilnehmen können: vielmehr gibt es bei jeder Veranstaltung mehrere Leistungsstufen („Divisions“). So können also Athleten mit verschiedenen Graden der Behinderung und verschiedenen Fähigkeiten und Einschränkungen unabhängig voneinander an Wettbewerben teilnehmen.

Jede Athletin und jeder Athlet hat bei den regionalen, nationalen und internationalen Wettbewerben durch die Einteilung in homogene Leistungsgruppen die Chance zu gewinnen, unabhängig vom Grad der geistigen oder mehrfachen Behinderung.

Die Grundlage von Special Olympics-Wettbewerben ist der Artikel 1. Dieser gilt sportartenübergreifend und regelt die Durchführung von Wettbewerben.

In vielen Sportarten können die Regelwerke des jeweiligen Verbands nicht vollständig umgesetzt werden. Oft müssen auch zusätzliche Aspekte, etwa sicherheitstechnische Mindeststandards, beachtet werden. Artikel 1 bildet hierbei eine Grundlage zur Erstellung sportartspezifischer Veranstaltungsrichtlinien und Regelwerke durch Special Olympics.

Artikel 1 enthält etwa die Auflistung aller offiziell von SOI anerkannter Sportarten, Mindestanforderungen für Trainings- und Wettbewerbsangebote sowie Vorschläge zur Einteilung in Alters- und Leistungsstufen.

Im Wettbewerb wird in einer Leistungskategorie (engl.: „Divison“) von mindestens drei und höchstens acht Athleten angetreten, die auf der Grundlage des Vorwettbewerbs zur Leistungseinstufung (engl.: „Divisioning“) gebildet wurden.

Das sogenannte „Divisioning“ bildet die Grundlage von Special Olympics-Wettbewerben. Insbesondere muss die sogenannte „15-Prozent-Richtlinie“ berücksichtigt werden, nach welcher eine Differenz von höchstens 15 % zwischen den Leistungen des stärksten und des schwächsten Athleten liegen sollte. In Sportarten, in denen keine klare Klassifizierung (Zeit- und messbare Disziplinen) möglich ist, bietet Special Olympics in der Regel andere Verfahren an, um die Leistungsstufen zu erkennen. Die 15-Prozent-Richtlinie ist jedoch keine feste Regel und nicht bindend.

Grundsätzlich wird zunächst nach Geschlecht, dann nach Alter und letztlich nach Leistungsniveau eingeteilt.

Neben dem Klassifizierungssystem ist das Prinzip des Aufstiegs ein Grundstein des Artikels: Athleten müssen zunächst regelmäßig trainieren, um sich dann von lokalen und regionalen Spielen aus für nationale Spiele und schließlich für Weltspiele zu qualifizieren. Somit kann gewährleistet werden, dass alle Athleten mit den Abläufen und Regelwerken vertraut sind, wenn sie an großen Turnieren teilnehmen.

InszenierungBearbeiten

Durch die Anerkennung der Special Olympics vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) können olympische Programme aufgegriffen werden. Darunter fallen Fackellauf, Eröffnungszeremonie mit Fahne/Hymne/Flamme, Siegerehrungen, ein Olympisches Dorf und Olympisches Festival, die Abschlussfeier sowie die Durchführung von Kongressen und Begleitveranstaltungen.

Eine Besonderheit ist, dass jeder teilnehmende Sportler im Rahmen der Siegerehrung geehrt wird, auch, wenn die Platzierung außerhalb der ersten drei Plätze erfolgte. Ebenso können bei der Siegerehrung Teilnehmende besonders hervorgehoben werden, die im Laufe des Wettbewerbs besondere Leistungen, etwa eine starke Leistungssteigerung oder vorbildliches Fair Play, gezeigt haben.

Der offizielle Eid der Special Olympics lautet:

“Let me win, but if I cannot win, let me be brave in the attempt.”

„Ich will gewinnen, doch wenn ich nicht gewinnen kann, so will ich mutig mein Bestes geben!“

Special Olympics DeutschlandBearbeiten

Special Olympics Deutschland (SOD) ist der deutsche Bundesverband von Special Olympics International (engl.: „National Program“). Darüber hinaus gibt es 14 Landesverbände, die die Arbeit von SOD auf Landesebene durchführen.

Special Olympics Deutschland e.V. wurde am 3. Oktober 1991 gegründet. Im Jahr 2007 wurde SOD als Verband mit besonderen Aufgaben Mitglied des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) und im Dezember 2018 als Nichtolympischer Spitzenverband in die DOSB-Struktur eingruppiert.

SOD wird von einem Präsidium ehrenamtlich geführt und unterhält eine nationale Geschäftsstelle in Berlin. SOD-Präsidentin ist Christiane Krajewski, Bundesgeschäftsführer ist Sven Albrecht.

Zu Special Olympics Deutschland gehören heute mehr als 40.000 Athleten in allen Bundesländern, die in 14 Landesverbänden organisiert sind. Berlin und Brandenburg bilden einen gemeinsamen Landesverband, im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern befinden sich entsprechende Strukturen im Aufbau.

Insgesamt hat SOD mehr als 1.400 Mitglieder bzw. Mitgliedsorganisationen. Mitglieder bei SOD sind vorwiegend Einrichtungen, Werkstätten und Schulen für Menschen mit geistiger Behinderung sowie Vereine und Einzelpersonen.

Special Olympics Deutschland fungiert als Schnittstelle und Kompetenzzentrum zwischen dem organisierten Sport und Institutionen und Einrichtungen für Menschen mit geistiger Behinderung wie Schulen, Werkstätten und Wohneinrichtungen.

Sport NationalBearbeiten

Bis einschließlich 2018 wurden jährlich abwechselnd Nationale Sommer- und Winterspiele veranstaltet. Die ersten Nationalen Sommerspiele fanden 1998 in Stuttgart mit ca. 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt. An den Special Olympics Kiel 2018, den Nationalen Sommerspielen, nahmen mehr als 4.600 Athletinnen und Athleten teil, insgesamt waren mehr als 13.500 Teilnehmer waren vor Ort.

Ab dem Jahr 2020 werden Nationale Sommer- und Winterspiele im Vier-Jahres-Rhythmus ausgetragen. Das geschieht im Wechsel, sodass alle zwei Jahre Nationale Sommer- oder Winterspiele stattfinden.

Die nächsten Nationalen Sommerspiele finden 2022 in Berlin statt. Die Besonderheit dieser Spiele ist, dass es sich hierbei um die „Pre-Games“ für die 2023 stattfindenden Weltspiele handelt (vergleichbar mit dem FIFA-Konföderationen-Pokal im Fußball). Es wird also schon 2022 eine Delegation von etwa 400 internationalen Athleten eingeladen, um Abläufe, Eventkonzepte und Veranstaltungsrichtlinien zu testen.

Das Angebot von SOD und den Landesverbänden umfasst derzeit mehr als 220 Veranstaltungen jährlich, darunter Landesspiele, die zunehmend an Bedeutung gewinnen. Im Jahr 2017 fanden in zehn Bundesländern Landesspiele statt, im Frühjahr 2021 werden 12 Landesspiele stattfinden. Bei diesen können die Athleten sich für die Weltspiele 2023 qualifizieren. In Zukunft sollen auch verstärkt regionale und überregionale Wettbewerbe in Einzelsportarten veranstaltet werden.

ZusammenarbeitBearbeiten

SOD arbeitet in Partnerschaft mit Institutionen und Organisationen, die in der Förderung und Betreuung von Menschen mit geistiger Behinderung engagiert sind.

Beispiele dafür sind die Lebenshilfe, die Bundesvereinigung Evangelische Behindertenhilfe, die Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten oder die Caritas.

Darüber hinaus erfolgt eine regelmäßige Zusammenarbeit mit fünf Bundesministerien.

SOD ist in verschiedenen internationalen Gremien von Special Olympics International und Special Olympics Europa-Eurasien vertreten und arbeitet aktiv an der qualitativen Entwicklung der weltweiten Special Olympics Bewegung mit. Zahlreiche Prominente aus Sport und Gesellschaft helfen mit ihrem Engagement, das Anliegen von SOD einer größeren Öffentlichkeit bekannt zu machen, darunter die SOD-Botschafter Britta Steffen, Frank Busemann und Anna-Maria Kaufmann.

Sport InternationalBearbeiten

SOD entsendet regelmäßig mit Unterstützung des Bundesministeriums des Inneren Delegationen zu Special Olympics Welt- Sommer- und -Winterspielen und zu Europäischen Spielen. An den Europäischen Spielen 2014 in Antwerpen (Belgien) nahm eine 100-köpfige deutsche Delegation teil. Bei den Weltwinterspielen 2017 in Österreich war eine 114 Personen umfassende deutsche Delegation vor Ort. Zu den Special Olympics World Summer Games 2019 in Abu Dhabi hat SOD die mit 229 Personen bisher größte Delegation zu Weltspielen entsendet.

SOD hat sich, unterstützt vom Land Berlin, dem Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat sowie vom Deutschen Olympischen Sportbund, erfolgreich um die Ausrichtung des Special Olympics World Games 2023 in Berlin beworben: am 13. November 2018 vergab Special Olympics International die Weltspiele 2023 an SOD.

Liste der Nationalen SpieleBearbeiten

Special Olympics Deutschland veranstaltet seit 2018 im zweijährigen Wechsel Nationale Sommer- und Winterspiele.

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. JAMES N. OLIVER: THE EFFECT OF PHYSICAL CONDITIONING EXERCISES AND ACTIVITIES ON THE MENTAL CHARACTERISTICS OF EDUCATIONALLY SUB-NORMAL BOYS. In: British Journal of Educational Psychology. Band 28, Nr. 2, Juni 1958, ISSN 0007-0998, S. 155–165, doi:10.1111/j.2044-8279.1958.tb01437.x (org.uk [abgerufen am 30. September 2020]).
  2. About Us - Special Olympics Ontario - Greater Ottawa. Abgerufen am 30. September 2020.
  3. Berlin bekommt Zuschlag für Weltspiele der Special Olympics
  4. Sportarten. In: Special Olympics Deutschland. Abgerufen am 30. September 2020.

WeblinksBearbeiten

Commons: Special Olympics – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien