Rio Tinto Group

Bergwerkgesellschaft

Rio Tinto Group

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Rechtsform Public limited company. Dual-listed Company
ISIN GB0007188757 (plc)
AU000000RIO1 (Limited)
Gründung 1873
Sitz London & Melbourne
Leitung Jean-Sébastien Jacques (CEO)[1]
Mitarbeiterzahl 47.000
Umsatz 40,5 Mrd. US-Dollar (2018)[2]
Branche Bergbau
Website www.riotinto.com
Stand: 27. Februar 2019

Rio Tinto (spanisch für „roter Fluss“) ist ein 1873 gegründeter britisch-australischer Bergbaukonzern. Er ist neben Vale und BHP eines der drei größten Bergbauunternehmen der Welt und seit der Übernahme von Alcan der weltweit führende Aluminiumproduzent. In den Forbes Global 2000 der größten börsennotierten Unternehmen belegt Rio Tinto Platz 111 (Stand: Geschäftsjahr 2017). Das Unternehmen kam Mitte 2018 auf einen Börsenwert von über 99 Mrd. USD.[3]

Seit 1995 ist Rio Tinto eine Dual-listed Company. Rio Tinto Limited, früher CRA, ist am Australian Stock Exchange notiert und mit Rio Tinto plc (früher RTZ) auch am London Stock Exchange sowie dem New York Stock Exchange. Beide Gesellschaften werden bei gleichen Stimmrechten und Dividenden von einem gemeinsamen Vorstand geführt. Die RTZ-Eigentümer brachten 76,7 % des Vermögens ein, das von London aus verwaltet wird. Der Chief Executive Officer ist Jean-Sébastien Jacques (vorher Sam Walsh), der Chairman ist Jan du Plessis.

GeschichteBearbeiten

 
Historisches Logo der Rio Tinto Company Limited

Die Ursprünge des Unternehmens liegen in den schon in der Bronzezeit bekannten Kupfervorkommen bei Minas de Riotinto in Südspanien, die später auch das Römische Reich mit Kupfer versorgten.

1962 übernahm die britische Rio-Tinto-Gesellschaft die Mehrheit an der australischen Consolidated Zinc und benannte sich in Rio Tinto-Zinc Corporation (RTZ) um. Das australische Unternehmen erhielt den Namen Conzinc Riotinto of Australia (CRA), behielt aber seine Unternehmensstruktur. Wesentliche Anteile werden von Australiern gehalten.

Zusammen mit der brasilianischen Companhia Vale do Rio Doce und der Xstrata erwog die Gruppe 2006 die Übernahme des drittgrößten Bergbaukonzerns Anglo American für 80 Mrd. US-Dollar.[4] Im Juli 2007 wurde außerdem die Übernahme von Alcan bekanntgegeben.

BHP Billiton beabsichtigte 2008 eine Übernahme von Rio Tinto, die wegen weltweit fallender Rohstoffpreise infolge der Finanzkrise 2008 jedoch scheiterte.[5]

2011 übernahm Rio Tinto für 3,9 Mrd. $ Riversdale Mining mit seinen Kohlevorkommen in Mosambik. Drei Jahre später verkaufte Rio Tinto diese Assets für 50 Mio. $ an den indischen Staat (ICVL) weiter. Dieses Fiasko führte zum Rücktritt von Vorstandschef Tom Albanese.[6]

GeschäftszweigeBearbeiten

ErzeBearbeiten

Eisenerz

Rio Tinto gehört das Unternehmen Hamersley Iron, das allein oder mit Partnern in Westaustralien mehrere Bergwerke betreibt. Einige ihrer Partner sind chinesische Unternehmen. Weiter gehören Rio Tinto 53 % der Robe River Iron Associates und 59 % der Iron Ore Company of Canada.

2002 entdeckten Mitarbeitende des Unternehmens ein riesiges Eisenerzlager (100 Milliarden Tonnen) am Simandou-Hügel bei Moribadou in Waldguinea im Südosten Guineas. Mit dem Erwerb von Schürfrechten durch Rio Tinto war auch die Verpflichtung zum Bau einer 650 Kilometer langen Eisenbahnstrecke und eines neuen Hafens verbunden, der 2007 bis 2014 erfolgen sollte. Rio Tinto ließ sich zu viel Zeit mit der Realisierung des Projekts. Die Schürfrechte wurden vom damaligen Herrscher Lansana Conté daher zunächst ohne Bezahlung und nur gegen das Versprechen künftiger Investitionen an die israelische Beny Steinmetz-Gruppe abgegeben, die keinerlei Erfahrung mit dem Erzabbau hat und 51 % der Rechte nach einem Jahr für 2,5 Milliarden US-Dollar an den brasilianischen Konzern Vale weiterverkaufte. 2010 wurden nach dem Tod des Machthabers die Lizenzen vom Staat für ungültig erklärt, weil bei der Vergabe offenbar Korruption im Spiel war, und gingen wieder an Rio Tinto. 2016 gab Rio Tinto das Projekt wegen sinkender Eisenerzpreise und der Ebola-Epidemie endgültig auf[7][8] und verkaufte die Rechte an die Aluminum Corporation of China (Chalco), die 2018 noch nicht mit dem Bau der Eisenbahnstrecke begonnen hatte.

Aluminium

 
Die Raffinerieanlage auf der Gove-Halbinsel bei Nhulunbuy im Arnhemland, Northern Territory, Australien

Die Gesellschaft ist Eigentümer von Comalco, welche Bauxit (Aluminiumerz) in Weipa, Queensland, fördert und in Gladstone sowie auf Sardinien raffiniert. Des Weiteren betreibt sie die Gove-Bauxitmine auf der Gove-Halbinsel bei Yirrkala im Arnhemland im Northern Territory. Das dort geförderte Bauxit wird im Bayer-Verfahren zu Aluminiumoxid aufbereitet.

Das Aluminiumoxid wird dann per Schmelzflusselektrolyse zu Aluminium geschmolzen. Dies geschieht u. A. in Bell Bay (Tasmanien) und auf Boyne Island (Queensland, 59 % Beteiligung) sowie am Tiwai Point (Neuseeland) mit 79 % Anteil. Diese Werke bildeten nach der Übernahme von Alcan zusammen mit deren Werken die Subdivision Rio Tinto Alcan. Dadurch wurde Rio Tinto der weltgrößte Aluminiumproduzent.

Kupfer und Gold

 
Eine Kupferhütte der Kennecott Copper Corp. bei Salt Lake City (Utah, USA)

Die beiden Metalle werden, teilweise im Joint Venture, in Bergwerken Australiens, Indonesiens, Südafrikas, Chiles (hier hält Rio Tinto einen 30-prozentigen Anteil an der Minera Escondida) und den Vereinigten Staaten gewonnen. Zum Unternehmen gehört auch Kennecott Utah Copper.

EnergierohstoffeBearbeiten

Die Gesellschaft betreibt Kohlebergwerke in Nordamerika, ferner die Energy Resources of Australia Ltd., welche die Ranger-Uran-Mine in der Nähe des Kakadu-Nationalparks ausbeutet.

Die Tochtergesellschaft Rio Tinto Coal Australia fördert Kohle in Australien.

IndustriemineraleBearbeiten

Neben anderen Mineralen werden Talkum, Titandioxid, Salz und Borax in Australien, den Vereinigten Staaten, in Österreich und in Afrika gewonnen.

DiamantenBearbeiten

Die Gesellschaft schürft rosafarbene Diamanten in der Argyle-Diamantenmine in Western Australia und hält damit 90 % Anteil an der Weltproduktion dieser Steine und ist der drittgrößte Förderer an Naturdiamanten. Ihr gehören 60 % der Diavik-Diamantenmine in Kanadas Nordwest-Territorien, die sie auch leitet, sowie Anteile an der Murowa-Diamantenmine in Simbabwe.

TechnologieBearbeiten

Die Gesellschaft unterhält eine Explorations- sowie eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung für Eisenschmelzprozesse.[9]

KritikBearbeiten

Umwelt- und Gewerkschaftsgruppen, hier besonders der Construction, Forestry, Mining and Energy Union (CFMEU), meldeten Bedenken wegen des Verstoßes gegen Umwelt- und Arbeitsrechte sowie mangelnde Sicherheitsbestimmungen an. Der CFMEU gelang eine Kampagne gegen die Auflösung der Gewerkschaften im Unternehmen, die das Unternehmen nach dem Workplace Relations Act 1996 der Regierung John Howards in Australien durchzusetzen suchte.

Der Konflikt um die von Rio Tinto betriebene Pangunamine war der Auslöser des Bürgerkrieges auf Bougainville in Papua-Neuguinea seit 1989.[10]

Am 10. September 2008 gab die norwegische Finanzministerin Kristin Halvorsen bekannt, dass der Staatliche Pensionsfonds eine Beteiligung im Wert von 500 Millionen Pfund verkaufen werde, da das Unternehmen an massiven Umweltschäden beteiligt sei.[11][12]

Ende Mai 2020 berichteten australische Medien, dass Rio Tinto am 24. Mai 2020 in der Pilbara-Wüste von Western Australia eine 46.000 Jahre alte indigene Kulturstätte der Aborigines der Kurrama und Pinikura habe sprengen lassen, um das Abbaugebiet des Eisenbergwerks Brockman 4 Mine zu erweitern. Laut Peter Stone, dem Inhaber des UNESCO-Lehrstuhls für Kulturgüterschutz und Frieden der Newcastle University, gehört diese Zerstörung in der Juukan-Schlucht in der Hamersley-Region zu den schlimmsten Kulturgüterzerstörungen aus jüngster Zeit. Er verglich sie mit der Zerstörung der Buddha-Statuen von Bamiyan durch die Taliban und mit der Vernichtung der antiken Oasenstadt Palmyra durch den sogenannten Islamischen Staat.[13][14]

Vor einer Untersuchungskommission begründete der Vorstandsvorsitzende Jean-Sébastien Jacques die Entscheidung von Rio Tinto so: „The difference between option four and the other three options was 8m tonnes of high grade iron“ (deutsch: „Der Unterschied zwischen Option vier [Sprengung der Juukan-Schlucht] und drei anderen Optionen lag bei acht Millionen Tonnen an mehr hochwertigem Eisenerz“).[15] Rio Tinto gab im August 2020 bekannt, dass der Vorstandsvorsitzende Jacques auf Bonuszahlungen in Höhe von drei Millionen Euro und zwei weitere Manager auf etwa 670.000 Euro und 582.000 Euro verzichten müssten.[16] Am 11. September 2020 traten aufgrund des Vorfalls in der Juukan-Schlucht sowohl der Vorstandsvorsitzende Jacques als auch zwei hochrangige Manager des Unternehmens zurück.[17][18]

Am 3. März 2021 wird publik (Sydney Morning Herald), dass sich auch Verwaltungsratspräsident Simon Thompson zurückzieht. Er werde sich 2022 nicht mehr der Wiederwahl stellen, „Als Vorsitzender bin ich letztlich für die Fehler verantwortlich, die zu diesem tragischen Ereignis geführt haben“.[19]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Executive Committee
  2. Rio Tinto investors in line for $4bn special dividend thetimes.co.uk, vom 27. Februar 2019 (englisch)
  3. The World’s Largest Public Companies. In: Forbes. (forbes.com [abgerufen am 17. Juli 2018]).
  4. Spiegel Online:Minenbetreiber Anglo American: Konkurrenten erwägen 80-Milliarden-Dollar-Übernahme. 21. August 2006, abgerufen am 19. Juni 2010.
  5. Spiegel Online: FALLENDE ROHSTOFFPREISE: Bergbaugigant lässt Mega-Übernahme platzen. 25. November 2008, abgerufen am 19. Juni 2010.
  6. Peter Ker: Rio Tinto sells Mozambique coal assets for $US50 million. In: The Sydney Morning Herald. 31. Juli 2014, abgerufen am 26. Februar 2018 (englisch).
  7. Fabian Urech: Der grösste Eisenerzschatz der Welt schlummert in einer Hügelkette in Guinea. Viele wollten ihn heben, alle sind gescheitert. Eine Reportage. Mehr als 100 Milliarden Dollar ist der Simandou-Hügelzug in Guinea wert. Doch alle, die sich dem riesigen Eisenerzvorrat bisher näherten, stürzten ins Verderben. Eine Geschichte über einen Goldrausch, Korruption – und eine Eisenbahn. NZZ Zürich, 8. März 2018
  8. Gerald Hosp: Rio Tinto wird von Korruptionsvorwürfen belastet. Der Bergbaukonzern Rio Tinto suspendiert einen hochrangigen Manager. Er steht im Verdacht, Bestechungsgelder gezahlt zu haben. Die Affäre wirft auch ein schiefes Licht auf frühere Konzernchefs. NZZ Zürich, 10. November 2016
  9. hismelt.com
  10. David Lea: Corporate and Public Responsibility, Stakeholder Theory and the Developing World. In: Business Ethics: A European Review. Bd./Jg. 8, Nr. 3, 1999, S. 151–162, doi:10.1111/1467-8608.00143.
  11. Norway blacklists miner Rio Tinto. BBC, 10. September 2008.
  12. The Government Pension Fund divests its holdings in mining company. Pressemitteilung des norwegischen Finanzministeriums, 9. September 2008.
  13. Rio Tinto apologises to traditional owners after blasting 46,000-year-old Aboriginal site. In: theguardian.com. Australian Associated Press, 31. Mai 2020, abgerufen am 15. Juni 2020 (englisch).
  14. Rio Tinto CEO stripped of millions over destruction of Aboriginal site. In: Bangkok Post, 24. August 2020.
  15. Rio Tinto did not tell traditional owners blowing up Juukan Gorge site was just one option for mine, vom 7. August 2020. In: The Guardian
  16. Rio Tinto bestraft eigene Manager. In: ARD-Börse, 28. August 2020.
  17. Rio Tinto Executive Committee changes. (PDF) Rio Tinto, 11. September 2020, abgerufen am 11. September 2020 (englisch).
  18. Rio-Tinto-Chef nimmt den Hut. 11. September 2020, abgerufen am 11. September 2020.
  19. Zerstörte Aborigine-Stätten: Wieder Rücktritt bei Rio Tinto orf.at, 3. März 2021, angerufen 3. März 2021.