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Das Mineral Talk (nicht zu verwechseln mit dem Eingeweidefett Talg), in pulverisierter Form auch als Talkum bekannt, ist ein sehr häufig vorkommendes Schichtsilikat mit der chemischen Zusammensetzung Mg3[(OH)2|Si4O10] und damit chemisch gesehen ein natürlich vorkommendes Magnesiumsilikathydrat.

Talk
Talc mutnikSVK01.JPG
Derbe Talkstücke im Lager der Zechengesellschaft Genes a.s. bei Hnúšťa-Mútnik, Slowakei (Die Länge des Geologenhammers am unteren Bildrand beträgt 28 cm.)
Allgemeines und Klassifikation
Andere Namen
  • Steatit
  • Speckstein
  • Magnesiumsilikathydrat
  • Talkum
Chemische Formel
  • Mg3Si4O10(OH)2[1]
  • Mg3[(OH)2|Si4O10][2]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
9.EC.05 (8. Auflage: VIII/H.09)
71.02.01.03
Ähnliche Minerale Pyrophyllit
Kristallographische Daten
Kristallsystem triklin oder monoklin
Kristallklasse; Symbol Talk-1A: triklin-pinakoidal; 1
Talk-2M: monoklin-prismatisch; 2/m[2]
Raumgruppe P1 (Nr. 2)Vorlage:Raumgruppe/2[2][3]
Gitterparameter a = 5,291 Å; b = 9,460 Å; c = 5,290 Å
α = 98,68°; β = 119,90°; γ = 85,27°[2][3]
Formeleinheiten Z = 2[2][3]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 1
Dichte (g/cm3) 2,58 bis 2,83[3]
Spaltbarkeit {001} vollkommen
Bruch; Tenazität uneben
Farbe farblos, weiß, grau, grünlich, gelblich
Strichfarbe weiß
Transparenz durchscheinend bis undurchsichtig
Glanz Perlmuttglanz, Fettglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,538 bis 1,550[4]
nβ = 1,589 bis 1,594[4]
nγ = 1,589 bis 1,600[4]
Doppelbrechung δ = 0,051[4]
Optischer Charakter zweiachsig negativ
Achsenwinkel 2V = 0 bis 30°[3]
Pleochroismus kein, z. T. farblos–blassgrün
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten unlöslich in verdünnten Säuren und Laugen,
unlöslich in Wasser und organischen Lösungsmitteln

Talk kristallisiert je nach Modifikation als Talk-1A im triklinen oder als Talk-2M im monoklinen Kristallsystem und entwickelt überwiegend blättrige, massige bzw. derbe Mineral-Aggregate, sehr selten auch makroskopisch erkennbare, tafelige oder pseudotrigonal-pyramidale Kristalle von meist mattweißer oder blassgrüner Farbe. Ebenso findet sich Talk in Form von Pseudomorphosen nach Quarz oder Anthophyllit.

Talk gehört zu den gesteinsbildenden Mineralen in der Epizone der kristallinen Schieferreihe[5] und ist Hauptbestandteil des Specksteins (auch Steatit).

Etymologie und GeschichteBearbeiten

Speckstein und damit auch Talk sind bereits seit dem Altertum bekannt. Die Sprachwissenschaftler vermuten, dass die Bezeichnung ursprünglich aus der persischen Sprache stammt und dann über das arabische talq in den gesamten indogermanischen Sprachraum übernommen wurde. Einige oberdeutsche Dialekte verwenden noch heute die Bezeichnungen „talket“ und „talkert“ zur Beschreibung der Eigenschaft weich bzw. unfest.[6]

KlassifikationBearbeiten

Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Talk zur Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur Abteilung der „Schichtsilikate (Phyllosilikate)“, wo er zusammen mit Pyrophyllit die „Pyrophyllit-Talk-Gruppe“ mit der System-Nr. VIII/E.04 und dem weiteren Mitglied Minnesotait bildete.[7]

Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser klassischen Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. VIII/H.09-40. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies ebenfalls der Abteilung „Schichtsilikate“, wo Talk zusammen mit Ferripyrophyllit, Kegelit, Macaulayit, Minnesotait, Pyrophyllit und Willemseit eine eigenständige, aber unbenannte Gruppe bildet.[8]

Auch die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) bis 2009 aktualisierte[9] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Talk in die Abteilung der „Schichtsilikate“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der Art der Schichtenbildung, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Schichtsilikate (Phyllosilikate) mit Glimmertafeln, zusammengesetzt aus tetraedrischen und oktaedrischen Netzen“ zu finden ist, wo es nur noch zusammen mit Minnesotait und Willemseit die „Talkgruppe“ mit der System-Nr. 9.EC.05 bildet.

Die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Talk ebenfalls in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Schichtsilikatminerale“ ein. Hier ist er zusammen mit Brinrobertsit, Ferripyrophyllit, Minnesotait, Pyrophyllit und Willemseit in der „Pyrophyllit-Talk-Gruppe“ mit der System-Nr. 71.02.01 innerhalb der Unterabteilung „Schichtsilikate: Schichten von sechsgliedrigen Ringen mit 2:1-Lagen“ zu finden.

KristallstrukturBearbeiten

 
Kristallstruktur von Talk

Talk-1A kristallisiert triklin in der Raumgruppe P1 (Raumgruppen-Nr. 2)Vorlage:Raumgruppe/2 mit den Gitterparametern a = 5,291 Å; b = 9,460 Å; c = 5,290 Å; α = 98,68°; β = 119,90° und γ = 85,27° sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.[2][3]

Talk-2M kristallisiert monoklin in der Raumgruppe C2/c (Nr. 15)Vorlage:Raumgruppe/15 mit den Gitterparametern a = 5,287 Å; b = 9,158 Å; c = 18,95 Å und β = 99,30° sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.[2][3]

EigenschaftenBearbeiten

FarbeBearbeiten

 
derbes, grünweißes Talk-Aggregat

Reiner Talk ist farblos oder durch Gitterbaufehler bzw. mikrokristalline Ausbildung in massigen Aggregaten weiß. Durch Fremdbeimengungen kann er aber auch von grauer, hell- bis dunkelgrüner oder gelblicher Farbe sein. Als Mineralgemenge im Speckstein sind weitere Farbvarianten möglich.

Eine grünliche Farbe kann ein Hinweis auf den möglichen Einbau von Fe2+ durch Einlagerung von Minnesotait sein.[10]

Physikalische und chemische EigenschaftenBearbeiten

Talk besitzt die geringstmögliche Mohshärte 1 und ist damit ein Referenzmineral auf der Mohs'schen Härteskala. Aufgrund seiner geringen Härte neigt er häufig zu Stapelfehlern in der Kristallstruktur.

Das Mineral ist wasserabweisend und fühlt sich seifig oder fettig an, daher wird er synonym oft auch als Speckstein bezeichnet.

In blättrigen und grobschuppigen Aggregatformen zeigt Talk eine sehr vollkommene Spaltbarkeit mit permuttähnlichem Glanz auf den Spaltflächen. In dünnen Blättchen ist Talk durchsichtig bis durchscheinend.[11] Einzelne Blättchen sind milde biegsam. Auch in Bezug auf optische und sonstige Eigenschaften ist Talk den Glimmern sehr ähnlich.[5]

Talk ist ein schlechter Leiter für Wärme und Elektrizität. Vor dem Lötrohr blättert sich das Mineral durch die Hitzeeinwirkung auf, leuchtet stark und wird nach dem Austreiben des Kristallwassers feuerfest. Seine Mohshärte steigt dabei auf 6.[5][11] Beim Erhitzen auf über 800 °C, genauer zwischen 800 und 840 °C zerfällt Talk (Mg3Si4O10(OH)2) in die Minerale Cristobalit (SiO2) und Enstatit (Mg2[Si2O6]) sowie Wasserdampf (H2O)[12] entsprechend der Reaktionsgleichung:

 

Modifikationen und VarietätenBearbeiten

Der seit 1979 nicht mehr als eigenständiges Mineral angesehene Kerolith wird heute als die grüne, nickelhaltige Varietät des Talkes angesehen.[4]

Bildung und FundorteBearbeiten

 
Grüne Vesuvianitkristalle auf weißem, blättrigem Talk aus den Belvidere Mountains im US-Bundesstaat Vermont
 
35 mm × 34 mm große Kristallgruppe von Talk-Pseudomorphosen nach Antophyllit
 
Pseudomorphose von Talk nach Quarz aus der Specksteingrube Göpfersgrün im bayrischen Fichtelgebirge
(Größe: 7,0 cm × 5,5 cm × 4,9 cm)

Talk bildet sich meist sekundär durch Umwandlung von aluminiumoxidfreien bzw. -armen Mineralen wie beispielsweise Olivinen oder Enstatit[5], aber auch metamorphen Gesteinen wie z. B. Marmor, Metaultrabasiten[13] und Dolomit[5] bis etwa 500 °C oder hydrothermal in Gängen. Begleitminerale sind unter anderem Aktinolith, Anthophyllit, Calcit, Chlorite, Dolomit, Pyroxene, Serpentine, Tremolit und Vermiculit.

Weltweit sind bisher (Stand: 2011) fast 2300 Fundorte bekannt.[4] Erwähnenswert sind unter anderem die Fundorte Brumado im brasilianischen Bundesstaat Bahia, wo tafelige Kristalle von bis zu zwei Zentimetern Größe gefunden wurden, sowie das Gotthardmassiv in der Schweiz mit Funden von Pseudomorphosen nach Quarz.

In Deutschland tritt das Mineral unter anderem im Schwarzwald in Baden-Württemberg, im Frankenland, Niederbayern und der Oberpfalz in Bayern, im hessischen Odenwald, im niedersächsischen und thüringischen Harz, im Sauerland und Siegerland in Nordrhein-Westfalen, an mehreren Fundpunkten in Rheinland-Pfalz, im Erzgebirge und in der Oberlausitz in Sachsen sowie im Thüringer Wald auf.

Weitere ergiebige Fundorte (drei oder mehr Regionen) sind unter anderem in Australien, Brasilien, China, Finnland, Frankreich, Indien, Italien, Japan, Kanada, Madagaskar, Mexiko, Namibia, Norwegen, Österreich, Peru, Russland, Sambia, Schweden, Schweiz, Simbabwe, Slowakei, Spanien, Südafrika, Südkorea, Ungarn, den Vereinigten Staaten sowie im Vereinigten Königreich (Großbritannien).[14]

Auch in Gesteinsproben vom Mittelatlantischen Rücken und vom Roten Meer sowie in der Nähe der japanischen Forschungsstation Shōwa-Station in der Antarktis konnte Talk nachgewiesen werden.[14]

Der weltweit größte Förderer von Talk ist die Talc de Luzenac, die zur Imerys-Gruppe gehört.

VerwendungBearbeiten

 
Talkuvit – 300-g-Streudose für (Zweirad-)Reifen

Talk ist aufgrund seiner besonderen Eigenschaften (weich, wasserabweisend) vielseitig verwendbar und wird bevorzugt in pulverisierter Form als Gleitmittel mit geringer Scheuerwirkung eingesetzt oder Stoffen beigemengt, um ihnen wasserabweisende oder abdichtende Eigenschaften zu verleihen.

TechnikBearbeiten

Fein gemahlen wird Talk zum einen als Füllstoff in der Papier- und Zellstoffindustrie, der Farben- und Lackindustrie sowie der Gummi-, Kunststoff- und Keramikindustrie verwendet und zum anderen als Trennmittel in Kabeln und zwischen Reifen und Schlauch.

In der Kunststoffindustrie finden Verstärkungsstoffe auf Basis von Talkum beispielsweise bei der Verstärkung von Polyolefinen, wie HDPE oder PP, einen vielseitigen Einsatz in der Auto- oder Bauindustrie. Ende der 1960er-Jahre wurden erstmals talkum- (TV) und glasfaserverstärkte (GFV) Produkte auf Basis PP angeboten. Mit Talkum verstärkte Polypropylencompounds finden seit etwa 1975 in einem breiten Einsatzgebiet Verwendung.

Talk bzw. gemahlener Speckstein ist Rohstoff und Hauptbestandteil der technischen Keramik Steatit[15], ein in der Elektrotechnik häufig verwendetes Isoliermaterial, z. B. für Sicherungs-Schmelzeinsätze und Isolatoren.

KosmetikBearbeiten

Talkumpuder wird bei vielen Produkten auf Puderbasis in der Kosmetik eingesetzt wie beispielsweise in Babypuder und anderen Körper- und Gesichtspudern wie Kompaktpuder, Bronzer, Deo-Puder[16][17], Rouge oder Kajalstiften und Liplinern. Früher puderten Eltern ihre Kinder in der Windelgegend, um die Haut zu trocknen und Hautrötungen oder einer Windeldermatitis vorzubeugen. Aufgrund von inzwischen weit verbreiteten modernen, saugstarken Einwegwindeln ist das Pudern der Windelgegend bei Babys inzwischen unnötig.

MedizinBearbeiten

In der Medizin wird es zur Pleurodese (gewollte, permanente Verklebung von Lungen- und Brustfell) verwendet (Talkumpleurodese). Es wird speziell für medizinische Zwecke hergestellt, ist steril und garantiert asbestfrei. Eine weitere Besonderheit besteht in einer definierten Körnchengröße. Dadurch wird die Migration (Wanderung) des Talkumpulvers in andere Gewebe vermieden.

Außerdem wird Talkum bzw. Talcum in der Pharmaindustrie sowohl als Pudergrundlage als auch als Gleitmittel bei der Tablettenherstellung verwendet. Es wird in der Zahnmedizin als Füllstoff für starre Abformmaterialien wie beispielsweise thermoplastische Kompositionsmassen verwendet. Talkumpuder wird auch bei der Benutzung von Diaphragmen und Kondomen benutzt.

KunstBearbeiten

 
Anhänger aus weißem Talk

In der Bildenden Kunst ist Talk als Hauptbestandteil des Werkstoffs Speckstein bekannt. Gelegentlich wird er trotz seiner Weichheit auch zu Schmucksteinen verarbeitet.

LebensmittelBearbeiten

In der Lebensmitteltechnologie findet Talk als Trennmittel und Trägersubstanz (für Farbstoffe) Verwendung. Es ist in der EU als Lebensmittelzusatzstoff mit der Nummer E 553b zugelassen.

Weitere Verwendungen (Auswahl)Bearbeiten

  • Talk dient als Trockenschmier- und Trennmittel
    • beim Gerätturnen (am Reck, Barren, Pferd …) zur schweißtoleranten Trocknung der Hände. Beim Klettern findet Talkumpuder hingegen keine Anwendung; es wird das als Magnesia bzw. Chalk bekannte Magnesiumcarbonat benutzt, um hohen Reibbeiwert zu erreichen.
    • zur Verhinderung der Verklebung von Latex- bzw. Gummi-Produkten wie beispielsweise Fahrradreifen und Schläuche, Luftballons und geflochtener Bungee-Seile aus Latexfäden, um das „Fressen“ an Berührungsstellen zu verhindern
    • zum Schmieren der Bein- und Arm-Manschetten von Trockentauchanzügen, um sie leichter überziehen zu können[18]
    • zum Glätten von stumpfen Tanzflächen und zur Behandlung von klebenden Spielkarten
    • zur Verhinderung von quietschenden Schuhen durch die Reibung der Wechselsohle mit der Brandsohle
    • als Trennmittel beim Gießen von Zinnfiguren in der Form, damit sich die Figur später leichter herauslösen lässt
    • als Ausbruchsicherung bei der Ameisenhaltung im Formicarium
  • Aufgrund seiner nur geringen Scheuerwirkung dient Talkum als Grundlage besonders schonender Scheuermittel.
  • Talkum wird auch als Streckmittel für Marihuana eingesetzt, damit dieses schwerer wird und auf den ersten Blick harziger aussieht. Das Rauchen von mit Talkum gestrecktem Marihuana soll jedoch hochgradig gesundheitsgefährdend sein. In einem Einzelfall festgestellte Nebenwirkungen waren Kopfschmerzen, Übelkeit/Erbrechen, Husten, Atemwegserkrankungen, Kreislaufprobleme und Zittern.[19]
  • Trägerstoff für Pestizide (Insektenpulver)
  • Trägerstoff für Farbe bei Holi-Festen
  • Schneiderkreide, als 3- oder 4-eckige, abgerundete Scheiben mit bis zu 60 mm Seitenlänge und flach auslaufendem Rand oder typisch 4 mm dicke Minen in Minenhaltern, weiß oder verschiedenfarbig eingefärbt
  • Markierkreide auf rauem, oxidiertem Metall
  • Bestandteil von Buntstiften

Vorsichtsmaßnahmen und RisikenBearbeiten

Einatmen des PulversBearbeiten

Das Einatmen von feinem Talkpulver kann zu Entzündungen in den peripheren Atemwegen führen, die zu sogenannten Fremdkörpergranulomen führen können (siehe auch: Pneumokoniose). Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt zudem ein Verbot gegen die Verwendung von Babypuder, weil das feine Pulver bei kleinen Kindern zu schweren Lungenschäden führen kann, wenn es versehentlich in größerer Menge eingeatmet wird.[20] Aufzeichnungen belegen seit den frühen 1980er Jahren, dass mehrere Tausend Kleinkinder jedes Jahr sterben bzw. ernsthaft erkranken, nachdem sie versehentlich Puderstaub eingeatmet hatten.[21] Die Verwendung von talkumhaltigen Produkten sollte daher möglichst komplett vermieden werden.[22]

Granulombildung auf der HautBearbeiten

Granulombildung erfolgt auch auf der Haut, wenn zu grobkörniges Puder (Partikelgröße > 100 µm) angewendet wird. Dies ist besonders bei offenen Wunden problematisch.

KrebsBearbeiten

Mit einer möglichen Krebsgefahr befassen sich seit Jahrzehnten etliche Studien und Gegenstudien. Gesundheitliche Probleme sind bei faserhaltigem Talkum zu erwarten, das eine ähnliche Wirkung wie Asbest hat. Faserhaltiges Talkum darf daher zu pharmazeutischen Zwecken nicht eingesetzt werden. Zudem konnte auch nachgewiesen werden, dass Talkpartikel Tumoren in den Eierstöcken und in der Lunge verursachen können.[23] Inwiefern eine sorgsame Kontrolle bei Kosmetikprodukten erfolgt, ist jedoch unklar.

2006 hat die Internationale Agentur für Krebsforschung Talkumpuder als mögliches Karzinogen klassifiziert, wenn es im weiblichen Intimbereich benutzt wird.[24]

Eine Studie konnte nachweisen, dass Frauen, die häufig (zwischen einmal pro Woche bis täglich) Talkumpuder im Genitalbereich anwenden, ein um 40 % höheres Risiko haben, an Eierstockkrebs zu erkranken.[21] Die Verwendung von talkumhaltigen Produkten sollte daher möglichst komplett vermieden werden.[22]

Im Gegensatz dazu sieht der Jenaer Experte und Leiter der Abteilung Pneumologie und Allergologie/Immunologie der Uniklinik Jena Professor Claus Kroegel keinen Zusammenhang zwischen Talkum und Krebs. Die Einschätzung, dass Talkum hochgradig krebserregend und gefährlich wie Asbest sein soll, hält er für die Folge eines weit verbreiteten Irrtums. Neueren Studien zufolge war Talkum in der ursprünglichen Form mit Asbest kontaminiert. Entsprechend kam es bei dessen Einsatz zu einem erhöhten Krebsrisiko durch den Asbestanteil. Heutzutage eingesetztes Talkum sei aber in seiner gereinigten Form asbestfrei und daher nicht krebserregend.[25]

Wegen fehlender Warnhinweise auf seinen talkumhaltigen Produkten ist der US-Kosmetik-Konzern Johnson & Johnson von einem US-Gericht im Februar 2016 zu 72 Millionen Dollar (rund 65 Mio. Euro) Schadenersatz verurteilt worden. Geklagt hatten die Angehörigen einer Oktober 2015 an Eierstockkrebs gestorbenen Frau, die jahrzehntelang Puder der Firma verwendet hatte. Babypuder aus Talkum ist seit 1893 im Sortiment von Johnson & Johnson, das Puder „Shower to Shower“ wurde 2012 an den kanadischen Konzern Valeant Pharmaceuticals International verkauft. Johnson & Johnson bietet heute auch Babypuder aus Maisstärke an; feuchte Maisstärke kann jedoch – im Gegensatz zu Talkum – einen Nährboden für Hefepilze abgeben.[26][27]

2017 musste Johnson & Johnson einer Krebspatientin in Kalifornien rund 350 Millionen Euro zahlen. Ein Gericht in Los Angeles verhängte die Rekordstrafe gegen den global agierenden Konzern.[24]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

 Wiktionary: Talk – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  Commons: Talk (Mineral) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Malcolm Back, William D. Birch, Michel Blondieau und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: May 2019. (PDF 1709 kB) In: cnmnc.main.jp. IMA/CNMNC, Marco Pasero, März 2019, abgerufen am 11. Juli 2019 (englisch).
  2. a b c d e f Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 663 (englisch).
  3. a b c d e f Talc. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org [PDF; 76 kB; abgerufen am 24. August 2017]).
  4. a b c d e f Talc. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 20. Mai 2019 (englisch).
  5. a b c d e Friedrich Klockmann: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. Hrsg.: Paul Ramdohr, Hugo Strunz. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 744 (Erstausgabe: 1891).
  6. Talcus – der lebende Stein (Memento vom 18. Januar 2006 im Internet Archive)
  7. Karl Hugo Strunz, Christel Tennyson: Mineralogische Tabellen. 8. Auflage. Akademische Verlagsgesellschaft Geest & Portig KG, Leipzig 1982, S. 435.
  8. Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
  9. Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF 1703 kB) In: cnmnc.main.jp. IMA/CNMNC, Januar 2009, abgerufen am 11. Juli 2019 (englisch).
  10. Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 808.
  11. a b Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S. 577–578.
  12. R. H. Ewell, E. N. Bunting, R. F. Geller: Thermal decomposition of talc. In: National Bureau of Standards (Hrsg.): Journal of Research RP848. Band 15, November 1935, S. 1 (nvlpubs.nist.gov [PDF; 5,6 MB; abgerufen am 11. Juli 2019]).
  13. Gregor Markl: Minerale und Gesteine. Mineralogie – Petrologie – Geochemie. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2008, ISBN 978-3-8274-1804-3, S. 66.
  14. a b Fundortliste für Talk beim Mineralienatlas und bei Mindat
  15. Werkstoffe der technischen Keramik: Steatit. In: keramverband.de. Brevier Technische Keramik, 4. Juni 2018, abgerufen am 20. Mai 2019.
  16. Fred Winter: Die Moderne Parfumerie. 6., vollständige umgearbeitete und ergänzte Auflage. Springer, Wien 1949, S. 328 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche – unveränderte Neupublikation unter der ISBN 978-3-7091-5738-1 (eprint)).
  17. Wie wirken Deos? In: vigo.de. AOK Rheinland/Hamburg, 22. Mai 2014, abgerufen am 7. Juli 2018.
  18. Stefan Franck: Tipps für Taucher – Trockentauchanzug: Pflege der Manschetten – Latex und Silikon. In: tipps-fuer-taucher.de. 7. Juli 2014, abgerufen am 20. Mai 2019.
  19. Streckmittel in Marihuana - Wie man sie erkennt und welche Risiken von ihnen ausgehen. Talkum, Speckstein. In: hanfverband.de. Deutscher Hanfverband (DHV), abgerufen am 20. Mai 2019.
  20. Sascha Karberg: Krebsverdacht für Talkum im Babypuder. In: tagesspiegel.de. Der Tagesspiegel, 23. August 2017, abgerufen am 20. Mai 2019.
  21. a b Bernhard L. Harlow, Daniel W. Cramer, Debra A. Bell, William R. Welch: Perineal exposure to talc and ovarian cancer risk. In: Obstetrics and gynecology. Band 80, Nr. 1, Juli 1992, S. 19–26, PMID 1603491 (englisch).
  22. a b Lea Niebling: Schad(?)stoffe in Kosmetika – Wirklich gefährlich oder Panikmache? In: fuldaerzeitung.de. Fuldaer Zeitung, 19. März 2015, abgerufen am 20. Mai 2019.
  23. Frederick R. Jelovsek: Can Vaginal Products Cause Cancer? In: wdxcyber.com. Women's Health, abgerufen am 20. Mai 2019.
  24. a b Krank durch Babypuder? Kosmetik-Konzern muss Krebspatientin fast eine halbe Milliarde Entschädigung zahlen. 22. August 2017, abgerufen am 24. August 2017.
  25. Sascha Richter: Jenaer Experte klärt auf: Kein Zusammenhang zwischen Talkum und Krebs. In: tlz.de. Thüringische Landeszeitung, 18. Juli 2015, abgerufen am 20. Mai 2019.
  26. Millionenstrafe für Johnson & Johnson: Strafe wegen fehlender Warnhinweise. In: orf.at. news orf.at, 24. Februar 2016, abgerufen am 20. Mai 2019.
  27. Johnson’s baby pure cornstarch powder with soothing aloe vera & vitamin e. In: johnsonsbaby.com. Johnson's, abgerufen am 20. Mai 2019 (Produktbeschreibung mit Forumbeiträgen seit März 2014).