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Unter dem inneren Wert (englisch intrinsic value) oder fairen Wert (englisch fair value) versteht man in der Finanzanalyse, insbesondere der Fundamentalanalyse, den Wert eines Unternehmens, Wertpapiers oder eines Finanzinstruments, der diesem aufgrund von Bilanzregeln (z. B. IFRS) beigemessen wird („angemessener Wert“). Der innere Wert kann sich vom Marktwert unterscheiden, zu dem das Wertpapier gerade an der Börse gehandelt wird. Während sich der Marktwert aus Angebot und Nachfrage ergibt, ist der innere Wert das Ergebnis einer mathematischen Berechnung oder Prognose.[1]

Dieses Konzept lässt sich auch auf jedes andere ökonomische Gut, auf ökologische Ressourcen und auf materielle wie immaterielle Werte übertragen.

Liegt ein Marktwert unter dem inneren Wert, spricht man von Unterbewertung, im umgekehrten Fall von Überbewertung.

In Bezug auf Optionen hat der Begriff „innerer Wert“ eine spezifische, weiter unten erläuterte Bedeutung.

Innerer Wert von UnternehmensanteilenBearbeiten

Es gibt verschiedene Methoden, um den fairen Wert eines Unternehmens und von dessen Anteilen (zum Beispiel Aktien) zu berechnen (siehe Unternehmensbewertung und Substanzwert). Die meisten davon sind der Fundamentalanalyse zuzuordnen, also der Untersuchung betriebswirtschaftlicher Daten und volkswirtschaftlicher Rahmenbedingungen. Da die verschiedenen Methoden zu verschiedenen Ergebnissen führen, kann man bei Unternehmen nicht von einem absoluten inneren Wert sprechen, sondern nur von einer Bewertungsspanne (siehe auch: Kursziel). Durch Kombination mehrerer Analysemethoden lässt sich die Zuverlässigkeit der Bewertung erhöhen.

Bei komplexen Mischkonzernen liegt deren Börsenwert häufig unter einem theoretischen inneren Wert. Diese Differenz wird Konglomeratsabschlag genannt.

Innerer Wert von OptionenBearbeiten

Der innere Wert einer Kaufoption ist gleich der Differenz aus dem aktuellen Kurs des Basiswerts und dem Basispreis, multipliziert mit dem Optionsverhältnis. Der innere Wert einer Verkaufsoption ist entsprechend die Differenz aus dem Basispreis und dem aktuellen Kurs des Basiswertes multipliziert mit dem Optionsverhältnis.

Bei jederzeit ausübungsfähigen Optionen (Amerikanische Option) ist der innere Wert immer höchstens so hoch wie der theoretische Wert. Ist die frühzeitige Ausübung der Option nicht möglich (Europäische Option), dann kann der innere Wert auch über dem theoretischen Wert liegen.[2][3]

Der theoretische Wert von Optionen wird mit Hilfe von Optionspreismodellen berechnet, siehe Optionspreistheorie.

Effizienz von FinanzmärktenBearbeiten

Es gibt umfangreiche akademische Debatten über das Verhältnis von innerem Wert und Marktwert. Die Markteffizienzhypothese geht davon aus, dass an Finanzmärkten die Marktwerte immer gleich den inneren Werten sind. Hierfür gibt es praktische Gegenbeispiele in Form von dokumentierten Marktineffizienzen, zum Beispiel aus der Zeit des Neuen Marktes. Außerdem bleibt unklar, welcher innere Wert hier angesichts der verschiedenen Bewertungsmethoden gemeint ist.

Die Theorie der Behavioral Finance liefert psychologische und soziologische Erklärungen für die zu beobachtenden Unterschiede zwischen Marktwerten und inneren Werten.

Die Strategie des Value Investing und die Anwendbarkeit der Fundamentalanalyse beruhen auf der Annahme, dass der Marktwert eines Wertpapiers sich mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit und innerhalb eines mehr oder weniger langen Zeitraums einem fairen Wert annähert.[1] Als Beweis für diese Hypothese werten Value-Investoren den Erfolg von Investoren wie Warren Buffett.

Innerer Wert von MünzenBearbeiten

In der Numismatik versteht man unter dem „inneren Wert“ den Material- bzw. Metallwert von Münzen, im Gegensatz zum aufgeprägten Nennwert.

LiteraturBearbeiten

  • Simon Cottle, Roger Murray, Frank Block: Graham and Dodd's Security Analysis. 5. Auflage. McGraw-Hill, 1988, ISBN 978-0-07-013235-1 (englisch).

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Simon Cottle, Roger Murray, Frank Block: Graham and Dodd's Security Analysis. 5. Auflage. McGraw-Hill, 1988, ISBN 978-0-07-013235-1, S. 41 ff. (englisch).
  2. Wilhelm Schmeisser: Corporate Finance und Risk-Management. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2010, ISBN 978-3-486-59752-3, S. 174 ff.
  3. Franz-Joseph Busse: Grundlagen der betrieblichen Finanzwirtschaft. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2003, ISBN 978-3-486-25406-8, S. 523 ff.