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The Economist

britische Wochenzeitschrift

The Economist [ði: ɪˈkɒnəmɪst] ist eine englischsprachige Wochenzeitung aus London mit den Schwerpunkten internationale Politik und Weltwirtschaft. Verkauft wird der Economist in den meisten Ländern der Welt, vor allem aber in Nordamerika (54 %), in Großbritannien (19 %) und in Kontinentaleuropa (15 %), darunter Deutschland und Frankreich (je 2 %).[2][3][4]

The Economist
The Economist Logo.svg
Beschreibung Nachrichtenmagazin
Fachgebiet Wirtschaft, Politik, Governance, Finanzen, auch Technik und Kultur
Sprache Englisch
Verlag The Economist Newspaper Limited (Vereinigtes Königreich)
Hauptsitz London
Erstausgabe 2. September 1843[1]
Gründer James Wilson
Erscheinungsweise wöchentlich freitags
Verkaufte Auflage 1,3 Millionen Exemplare
Verbreitete Auflage 1,4 Millionen Exemplare
Chefredakteurin Zanny Minton Beddoes
Weblink economist.com
Artikelarchiv Juni 1997 ff.
ISSN (Print)
CODEN ECSTA

GeschichteBearbeiten

Gegründet wurde der Economist im Jahr 1843 von dem Schotten James Wilson,[5] die erste Ausgabe erschien am 2. September 1843.[1] Die Economist Group, nicht mehr im Besitz des Gründers, ist Verkäufer der Zeitschrift.[5] Am 15. September 2018 erschien die Ausgabe Nr. 9109 als Jubiläumsausgabe zum 175-jährigen Bestehen.[6]

Ein bedeutender Chefredakteur war von 1861 bis 1877 der Volkswirt und Journalist Walter Bagehot, ein Schwiegersohn des Gründers.[7]

Ab dem 23. März 2006 war John Micklethwait Chefredakteur. Er wechselte zum Anfang 2015 zu Bloomberg News. Beim Economist folgte ihm am 2. Februar 2015 Zanny Minton Beddoes.[8]

AuflageBearbeiten

Für die sechs Regionen Nordamerika, Vereinigtes Königreich, Kontinentaleuropa, Asien/Pazifik, Naher Osten/Afrika und Lateinamerika erscheinen unterschiedliche Ausgaben, die sich durch einzelne Artikel von regionalem Interesse, durch die Reihenfolge der Artikel, durch das Inhaltsverzeichnis und zum Teil durch die Titelseite unterscheiden.[2]

Die weltweite Auflage wurde im ersten Halbjahr 2018 mit 1,4 Millionen wöchentlich angegeben, davon rund 949.000 (67 %) gedruckte und 462.000 (33 %) digitale Exemplare.[4] Davon wurden 97 % verkauft, der größte Teil (90 %) im Abonnement.[9]

Für Deutschland wurde die wöchentliche Auflage im ersten Halbjahr 2017 mit 28.000 angegeben (einschließlich digitaler Ausgaben).[3]

ProfilBearbeiten

Schwerpunkte der Berichterstattung sind Politik, Wirtschaft und Finanzen, aber auch die Themen Wissenschaft und Technik sowie Literatur und Kunst werden in jeder Ausgabe behandelt.

Der Economist ist das letzte große Printmedium, das seine Artikel ohne Namensnennung der Autoren veröffentlicht.[10] Selbst der Chefredakteur wird nicht namentlich im Heft erwähnt. Der Tradition des Blattes folgend unterzeichnet er nur einen einzigen Artikel namentlich: den seines Abschieds. Die einzige Ausnahme hiervon sind zweiwöchentlich erscheinende Artikelserien zu wechselnden Schwerpunkt-Themen. Diese „Surveys“ werden von einem namentlich genannten Redakteur betreut.

AusrichtungBearbeiten

Der Name Economist leitet sich vom Wirtschaftsliberalismus (engl. economics) ab. Die Zeitschrift betonte zur Gründungszeit radikal die wirtschaftlichen und individuellen Freiheitsrechte des Bürgers des gesamten Vereinigten Königreichs mit Bezug auf diesen und die Vorzüge des Manchesterliberalismus zur Erlangung wirtschaftlicher Prosperität.

In der neueren Zeit ergreift das Magazin staatsinterventionistische Standpunkte. Zu Laissez-faire und keynesianistischer Ökonomie kommen auch pluralistische Positionen, wie etwa die rechtliche Gleichstellung von gleichgeschlechtlicher zur Ehe, Subventionsabbau bei öffentlichen Industrien, Legalisierung aller Drogen sowie von Prostitution und man befürwortet eine aktive Einwanderungspolitik. Man befürwortete den Irakkrieg 2003 oder die EU-Mitgliedschaft der Türkei. Der Klimawandel sollte im Sinne von Emissionsrechtehandel bekämpft werden.

Während des Zweiten Weltkrieg stellte man eine Preisfrage bzgl. der amerikanischen Intervention und Roosevelt'schen Politik und sprach dann dem verbliebenen Britischen Weltreich die zweite und den Amerikanern die Führungsrolle zu.

In der Nachkriegszeit während des Kalten Kriegs unterstützte man sowohl Sozialisten wie Harold Wilson in den 60er oder Ken Livingstone in den 70er Jahren. Der Economist befürwortete den Beitritt Großbritanniens zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft seinerzeit mit dem Vorschlag einer föderalen Alternative der Gemeinschaften gegenüber einer zwischenstaatlichen Organisation der Franzosen, auch um Deutschlands Ostpolitik zu kontrollieren. Zudem sah man das Verkaufspotenzial des Marktes. Das Magazin befürwortete auch das Umkrempeln konservativer Parteien durch Neo-Konservative wie Ronald Reagan, Margaret Thatcher oder Bob Dole, bzw. die Regierungspolitik von gemäßigten Staatssozialisten wie Bill Clinton, Tony Blair und Barack Obama. Der italienische Präsident Silvio Berlusconi bezeichnete die Zeitschrift im Jahr 2006 als 'ecommunist' als Folge von Kritik.[11]

2013 unterstellte ein Autor des Forbes Magazine den anonym schreibenden Ökonomen eine egalitäre Sicht, und ein einseitiges Ergreifen für Positionen, die Wirtschaftswachstum bedeuten, ohne simplifiziert auszugeben, dass es nur eine rechnerische Größe ist. Die konträre Sicht, etwa zur Vergrößerung der heimischen Bevölkerung käme zu kurz, mit allerlei verpassten auch ökonomischen Chancen.[12]

Die Entscheidung des Brexit lehnt der Economist ab und verweist auf den nicht zustandegekommenen Deal im Januar 2019 als "Mutter aller Schlamassel".[13]

In einer „Geschichte der Zeitung“ beschreibt das Blatt seine Redaktionslinie so: Es sehe sich als vehementen Verteidiger des Freihandels sowie in der Tradition des britischen Radikalismus und sei in der „extremen Mitte“ des politischen Spektrums angesiedelt. Es sei gegen Privilegien, Prunk und Vorhersagbarkeit (privilege, pomposity and predictability).

Im Jahr 2013 ordnete man sich selbst als Mitte ein, als Gegner des Monarchismus und Befürworter von Deregulation, Privatisierung und der Homo-Ehe.

In einem Manifest des Jahres 2018 beschrieb sich der Economist, dass er Liberalismus als universell für jeden Menschen offene Handelsmärkte, limitierter Regierung und reformistischem Handeln verkörpere und interpretiere. Im Gegensatz und nicht im Sinne des linkstendierenden "progressivism" amerikanischer Universitätscampi oder des rechten "ultraliberalism" des französischen Commentariats.[14]

IndizesBearbeiten

Bekannt ist der Economist unter anderem für den von ihm entwickelten und regelmäßig veröffentlichten Big-Mac-Index. Darin werden die Preise eines Big Macs in unterschiedlichen Ländern als Maßstab für die Kaufkraft der Währungen dieser Länder herangezogen.

Seit 2006 erstellt der Economist auch einen Demokratieindex, der den Grad der Demokratie in 167 Ländern misst (siehe auch Demokratiemessung). Seit 2007 erstellt ein Internationales Gremium aus Friedensexperten, Friedensinstituten und anderen Expertenkommissionen in Kooperation mit dem „Zentrum für Frieden und Konfliktstudien“ der Universität Sydney und dem Economist den Global Peace Index.

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: The Economist – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b economist.com: From the archive – Our first issue – Sep 2nd 1843
  2. a b The Economist Worldwide Brand Report. (PDF; 4,4 MB) July - December 2017. ABC Ltd., 13. Februar 2018, abgerufen am 27. Juni 2018 (englisch).
  3. a b The Economist Media Centre. 10. August 2017, abgerufen am 27. Juni 2018 (englisch).
  4. a b The Economist Media Centre. 16. August 2018, abgerufen am 24. September 2018 (englisch).
  5. a b About The Economist. Abgerufen am 14. Januar 2018.
  6. The Economist (Hrsg.): Impressum. Band 428, Nr. 9109, 15. September 2018, ISSN 0013-0613, S. 5.
  7. Joseph Hamburger: Bagehot, Walter (1826–1877), political commentator, economist, and journalist. In: Oxford Dictionary of National Biography. doi:10.1093/ref:odnb/1029.
  8. Zanny Minton Beddoes appointed new editor of The Economist
  9. The Economist - World Wide Sales Group. (PDF; 318 kB) ABC, 15. Februar 2018, S. 2, abgerufen am 1. Juli 2018 (englisch).
  10. Why are The Economist’s writers anonymous? The Economist, 4. September 2013, abgerufen am 17. April 2015.
  11. Il Dolce Berlusconi. The Economist, 6. April 2013, abgerufen am 8. Februar 2019.
  12. Finally, Economists Acknowledge That They're Biased. Forbes Magazine, 18. März 2013, abgerufen am 8. Februar 2019.
  13. Brexit Mother of All Messes. The Economist, 17. Januar 2019, abgerufen am 8. Februar 2019.
  14. A Manifesto for renewing liberalism. The Economist, 13. September 2013, abgerufen am 8. Februar 2019.