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Malaysia
Flagge Malaysias
Wappen Malaysias
Flagge Wappen
Wahlspruch: „Bersekutu Bertambah Mutu“
(„Einheit ist Stärke“)
Amtssprache Malaysisch
Hauptstadt Kuala Lumpur
Regierungssitz Putrajaya
Staatsform föderale, parlamentarische Wahlmonarchie
Regierungssystem parlamentarisch
Staatsoberhaupt König
Muhammad V.
Regierungschef Premierminister
Najib Razak
Fläche 330.290[1] km²
Einwohnerzahl 31.164.000 (Schätzung 2017)[2]
Bevölkerungsdichte 86 Einwohner pro km²
Bevölkerungs­entwicklung +1,66 % (2012)[3] pro Jahr
Bruttoinlandsprodukt
  • Total (nominal)
  • Total (KKP)
  • BIP/Einw. (nominal)
  • BIP/Einw. (KKP)
2016[4]
  • $ 296,3 Milliarden (38.)
  • $ 863,2 Milliarden (28.)
  • $ 9.360 (69.)
  • $ 27.267 (50.)
Index der menschlichen Entwicklung 0,789 (59.) (2016)[5]
Währung Ringgit (MYR)
Unabhängigkeit 31. August 1957[6]
(vom Vereinigten Königreich)
16. September 1963
(Sabah, Sarawak und Singapur1)[7]
Nationalhymne Negaraku
Zeitzone UTC+8
Kfz-Kennzeichen MAL
ISO 3166 MY, MYS, 458
Internet-TLD .my
Telefonvorwahl +60
1 Singapur wurde am 9. August 1965 eine unabhängige Nation
[8]
JapanGuamOsttimorVanuatuIndonesienHawaiiPapua-NeuguineaSalomonenNorfolkinselnNeuseelandAustralienFidschiNeukaledonienAntarktikaFrankreich (Kergulen)PhilippinenVolksrepublik ChinaSingapurMalaysiaBruneiVietnamNepalBhutanLaosThailandKambodschaMyanmarBangladeschMongoleiNordkoreaSüdkoreaIndienPakistanSri LankaRusslandRepublik China (Taiwan)MaledivenKasachstanAfghanistanIranOmanJemenSaudi-ArabienVereinigte Arabische EmirateKatarKuwaitIrakGeorgienArmenienAserbaidschanTürkeiEritreaDschibutiSomaliaÄthiopienKeniaSudanMadagaskarKomorenMayotteRéunionMauritiusTansaniaMosambikTurkmenistanUsbekistanTadschikistanKirgistanJapanVereinigte Staaten (Nördliche Marianen)Föderierte Staaten von MikronesienPalauJapanVereinigte Staaten (Wake)MarshallinselnKiribatiMalaysia on the globe (Southeast Asia centered).svg
Über dieses Bild

Malaysia (seltener Malaysien) ist eine konstitutionelle Wahlmonarchie mit 31 Millionen Einwohnern, bestehend aus 13 Bundesstaaten in Südostasien auf der Malaiischen Halbinsel oder Westmalaysia mit der Hauptstadt Kuala Lumpur und Ostmalaisia auf Teilen der Insel Borneo. Zwischen den beiden ungefähr gleich großen Landesteilen liegt das Südchinesische Meer.

Die malaische Halbinsel grenzt an Wasser und Land an Thailand und hat Seegrenzen mit Vietnam, Singapur und Indonesien. Im Süden ist sie durch die Straße von Malakka von der indonesischen Insel Sumatra getrennt und durch einen Damm mit dem Stadtstaat Singapur auf der gleichnamigen Insel verbunden. Ostmalaisia hat eine Land- und Seegrenze mit dem Sultanat Brunei im Norden und mit Indonesien im Süden und hat Seegrenzen zu Vietnam und den Philippinen.

Malaysia entstand 1963 aus vier ehemaligen Teilen des Britischen Weltreichs: die Föderation Malaya, die Kronkolonien Nordborneo, die Kronkolonie Singapur (bis 1965) und die Kolonie Sarawak[7].

Staatsoberhaupt ist der König Yang di-Pertuan Agong. Der König wird alle fünf Jahre aus einer Reihe von neun Adelsträgern gewählt. Das Parlament hat ein Ober- und ein Unterhaus nach englischem Vorbild. Seit der Gründung führt in beiden Kammern die Mehrheitskoalition Barisan Nasional unter der Führung der Partei United Malays National Organisation.

Malaysia ist Gründungsmitglied des Verbands Südostasiatischer Nationen (ASEAN) und gilt wirtschaftlich als Schwellenland. Im Index der menschlichen Entwicklung belegte das Land 2016 Platz 59 von 188 Ländern.

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Tanjung Piai, das sich im südlichen Staat Johor befindet, ist der südlichste Punkt des asiatischen Kontinents. Die Straße von Malakka ist als Seeweg eine der meistbefahrenen Schiffsrouten.

Malaysia hat im Westen wie im Osten eine ähnliche Landschaft, die aus Ebenen entlang der Küsten besteht, während im Hinterland, das in der Regel dicht mit tropischem Dschungel bewaldet ist, Hügel und teilweise sehr hohe Berge dominieren. Die höchste Erhebung Malaysias ist der 4.095 m hohe Kinabalu auf der Insel Borneo. Die größte Insel Malaysias ist Pulau Banggi, die vor der Nordspitze Borneos liegt und zum Distrikt Kudat im Bundesstaat Sabah gehört. Nordöstlich, vorgelagert vor der Küste Borneos, liegen die Turtle Islands, um die der Nationalpark Turtle Islands Park of Sabah 1976 etabliert wurde.

Das Handels- und Finanzzentrum ist die Hauptstadt Kuala Lumpur mit dem Parlament. Die meisten Regierungseinrichtungen sind in Putrajaya, das 1995 als neue Verwaltungshauptstadt errichtet wurde. Weitere wichtige Städte sind George Town, Ipoh und Johor Bahru.

Das Klima des Landes ist tropisch/äquatorial. Es wird von April bis Oktober durch den Südwestmonsun und von Oktober bis Februar durch den Nordostmonsun gekennzeichnet.

Die vier Klimadiagramme ergeben ein West-Ost-Profil: Kuala Terengganu und Kuala Lumpur liegen auf der Halbinsel (West-Malaysia), Sandakan und Kuching auf Borneo (Ost-Malaysia).

GeschichteBearbeiten

Hauptartikel: Geschichte Malaysias
 
Malaysia Akt 1963
 
Vereinbarung über Malaysia zwischen Großbritannien, Nord-Borneo, Sarawak und Singapur

Die malaiische Halbinsel wurde zu einem großen Handelszentrum in Südostasien, als der Handel zwischen China und Indien zu florieren begann. Damals begann in der Straße von Malakka ein reges Treiben. Die ersten malaiischen Königreiche entstanden durch Häfen, die im 10. Jahrhundert gegründet worden waren. Die wichtigsten frühen Königreiche waren Langkasuka und Lembah Bujang in Kedah, Beruas und Gangga Negara in Perak und Pan Pan in Kelantan. Der Islam kam im 14. Jahrhundert in Terengganu an. Im frühen 15. Jahrhundert wurde das Sultanat von Malakka gegründet. Durch seinen Wohlstand zog es das Interesse von Portugal auf sich. Der Hafen wurde dann ein Zentrum der Kolonialisierung durch die Niederländer und die Briten.

Die britische Kronkolonie Straits Settlements wurde im Jahre 1826 gegründet und England gewann schrittweise die Kontrolle über den Rest der Halbinsel. Zu den Straits Settlements gehörten Penang, Singapur und Malakka. Penang war im Jahre 1786 durch Kapitän Francis Light gegründet worden und diente als Militär- und Handelsbasis. In seiner Bedeutung wurde es bald von Singapur überholt, das im Jahre 1819 durch Sir Stamford Raffles gegründet wurde. Malakka war nach dem englisch-niederländischen Vertrag von 1824 endgültig in britischem Besitz. Die Kolonie wurde durch die Britische Ostindien-Kompanie mit Sitz in Kalkutta regiert, bis deren Sitz 1867 nach London verlegt wurde.

Etwa zur selben Zeit wurde die britische Politik gegenüber den malaiischen Staaten immer aggressiver. Innerhalb von wenigen Jahren kamen mehrere malaiische Staaten an der Westküste der Halbinsel unter britische Kontrolle. Auf Betreiben der Händler, die in den Kronkolonien saßen, mischte sich die Regierung in die Angelegenheiten der Zinn produzierenden Staaten ein. Gleichzeitig hatte die britische Kolonialmacht Bürgerkriege und Störungen durch chinesische Geheimgesellschaften zu befrieden. Die Briten führten mit ihrer Militärmacht eine friedliche Lösung herbei, die die Händler bevorzugten. Mit dem Vertrag von Pangkor im Jahre 1874 wurde der Weg frei für die britische Herrschaft. 1896 wurden die vier Sultanate Pahang, Selangor, Perak und Negeri Sembilan zu den Föderierten Malaiischen Staaten zusammengefasst, die dem Kommissar von Singapur unterstanden. Dieser war auch der Gouverneur der Straits Settlements. Dieser Gouverneur wiederum unterstand dem Kolonialamt in London.

Die anderen Staaten der Halbinsel waren zwar nicht direkt London unterstellt, die Sultane hatten aber britische Berater an ihrem Hof. Die vier nördlichen Staaten Perlis, Kedah, Kelantan und Terengganu waren bis 1909 unter der Kontrolle von Thailand. Das Gebiet des heutigen Staates Sabah war ein britisches Protektorat, das ursprünglich zum Sultanat von Brunei und Sultanat Sulu gehört hatte und unter dem Namen Nordborneo von der Britischen Nordborneo-Kompanie verwaltet wurde. Das riesige Waldgebiet von Sarawak war persönlicher Besitz der britischen Familie Brooke, welche das Land als Lehen vom Sultan von Brunei erhalten hatte und es als Weiße Rajas für fast ein Jahrhundert regierte. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das heutige Malaysia durch Japan besetzt. In dieser Zeit wuchs die Unterstützung für die Unabhängigkeit des Landes von der europäischen Kolonialmacht. Die britischen Pläne, eine malaiische Union zu gründen, wurden von vielen Malaien abgelehnt. Sie verlangten ein System, welches die Wünsche der Malaien stärker berücksichtigte, Singapur aus Sorge um eine Sinisierung des Landes ausschloss und Immigranten die Doppelte Staatsbürgerschaft verwehrte. Am 31. August 1957 erlangte die Föderation Malaya, bestehend aus den neun malaiischen Sultanaten sowie den beiden Straits Settlements Penang und Malakka, ihre Unabhängigkeit.[6]

Am 16. September 1963 wurde eine neue Föderation unter dem Namen Malaysia gegründet, welche die Föderation Malaya, die britische Kronkolonie Singapur sowie die Protektorate Nordborneo (heute Sabah) und Sarawak umfasste.[7] Die frühen Jahre waren durch territoriale Ansprüche der Nachbarn bestimmt, insbesondere durch die von Indonesien veranlasste Konfrontasi,[9][10] durch das Ausscheiden Singapurs aus der Föderation im Jahre 1965[11] sowie durch den Sabah-Disput, in dem die Philippinen den Anspruch auf Sabah geltend machen wollen.

BevölkerungBearbeiten

VolksgruppenBearbeiten

Hauptartikel: Demographie von Malaysia
 
Penan-Frau in Sarawak
 
Bevölkerungspyramide Malaysia 2016

Die Bevölkerung Malaysias setzt sich folgendermaßen zusammen: 50,4 % sind Malaien, 23,7 % Chinesen, 11 % indigene Völker (Orang Asli und Dayak), 7,1 % Inder und 7,8 % Sonstige.[12]

Die Bevölkerung ist nicht gleichmäßig auf dem Staatsgebiet Malaysias verteilt, denn im Ostteil Malaysias, also den beiden auf der Insel Borneo gelegenen Bundesstaaten Sarawak und Sabah, leben nur etwa 5 Mio. Menschen (circa 20 % der Bevölkerung Malaysias), obwohl die beiden Bundesstaaten zusammen etwa 60 % der Landesfläche Malaysias ausmachen, wohingegen die restlichen 80 % der Bevölkerung (circa 22 Mio. Menschen) im kleineren Westteil des Landes leben.

Die Malaien, welche zum großen Teil dem sunnitischen Islam angehören, erheben seit der Unabhängigkeit Malaysias den politischen Führungsanspruch, sie werden durch die Regierung systematisch gefördert und im öffentlichen Dienst bevorzugt eingestellt, dies wird seit der Einführung der malaysischen neuen ökonomischen Politik in den 1960er-Jahren durch den sogenannten Bumiputra-Status gesichert.[13] Des Weiteren stellen die Überseechinesen etwa ein Viertel der Bevölkerung. Sie dominieren derzeit noch in den Städten.[13] Die Chinesen spielen eine bedeutende Rolle in Handel und Wirtschaft. Weitere sieben Prozent der Bevölkerung sind indischstämmig. Diese sind Hindus, Moslems, Sikhs, Christen oder Buddhisten. Etwa 85 % der indischstämmigen Bevölkerung Malaysias sind Tamilen, Minderheitengruppen sind die Malayalis, Punjabis und Telugus.

In den dünn besiedelten ostmalaysischen Bundesstaaten Sarawak und Sabah stellen indigene Volksgruppen, die keine ethnischen Malaien sind, die Hälfte bzw. zwei Drittel der Bevölkerung. Sie werden wie die Malaien zur ursprünglichen Bevölkerung Malaysias gezählt und gelten somit ebenfalls als Bumiputras. Diese indigenen Volksgruppen werden in Sarawak unter dem Sammelbegriff Dayak zusammengefasst und umfassen unter anderem die Iban und die Bidayuh. In Sabah leben einheimische Volksgruppen wie die Murut oder die Kadazan.

Auf der Malaiischen Halbinsel existieren ebenfalls Ureinwohner, jedoch in kleinerer Zahl, sie werden mit dem Sammelbegriff Orang Asli bezeichnet. Diese gehören zu einer großen Zahl von ethnischen Gruppen, haben aber kulturelle Gemeinsamkeiten. Sie waren bis zum 20. Jahrhundert Anhänger von animistischen Lokalreligionen. Seitdem sind viele zum Christentum oder zum Islam übergetreten. Obwohl die Orang Asli sich hinsichtlich der Kultur von den Malaien unterscheiden, haben viele die malaiische Kultur assimiliert, etwa durch Umzug in die Städte oder durch Heirat.

Nennenswerte Minderheiten stellen die Europäer, Menschen aus dem Nahen Osten, Kambodscha und Vietnam. Die Europäer sind meist Briten und einige Portugiesen, deren Vorfahren seit der Kolonialzeit dort leben. Die meisten Kambodschaner und Vietnamesen kamen als Vietnamkriegsflüchtlinge nach Malaysia.

Das Wachstum der Bevölkerung ist mit etwa 1,6 % jährlich relativ hoch, und etwa ein Drittel der Bevölkerung ist jünger als 15 Jahre. Die Urbanisierungsrate liegt bei etwa 75 %.[14] Die durchschnittliche Lebenserwartung lag im Zeitraum von 2010 bis 2015 bei 74,7 Jahren (Männer: 72,6 Jahre, Frauen: 77,1 Jahre)[15] die Säuglingssterblichkeit bei etwa 13 pro Tausend. Das Durchschnittsalter betrug 2016 28,2 Jahre. Eine Frau bekam im Durchschnitt nur noch 1,9 Kinder weshalb die Bevölkerung in Zukunft deutlich altern wird.[16]

Entwicklung der BevölkerungBearbeiten

Jahr Einwohnerzahl Jahr Einwohnerzahl
1950 6.110.000 1990 18.038.000
1955 7.040.000 1995 20.496.000
1960 8.157.000 2000 23.186.000
1965 9.527.000 2005 25.659.000
1970 10.804.000 2010 28.112.000
1975 12.162.000 2017 31.624.000
1980 13.798.000 2030 36.815.000
1985 15.599.000 2050 41.729.000

Quelle: UN, Zahlen für 2030 und 2050 sind Prognosen[16]

SprachenBearbeiten

Die Amtssprache Malaysias ist Bahasa Malaysia (Malaysisch). Die englische Sprache genießt aufgrund der langen britischen Kolonialzeit in Malaysia eine besondere Rolle und ist für viele Malaysier Zweitsprache. Aufgrund einer großen chinesischen Minderheit spielt auch das Chinesische eine wichtige Rolle (vor allem Kantonesisch, Hochchinesisch, Hokkien, Hakka, Chaozhou (Teochew), Hainan, der Fuzhou-Dialekt). Aufgrund der ebenfalls in Malaysia lebenden indischen Minderheit sind zahlreiche indische Sprachen, insbesondere Tamilisch, Telugu und Malayalam verbreitet. In Ostmalaysia wird des Weiteren eine Vielzahl indigener Sprachen gesprochen, wovon die wichtigsten Iban und Kadazan sind. In Malaysia werden insgesamt 140 verschiedene Sprachen und Idiome gesprochen.

In offiziellen Dokumenten wird britisches Englisch verwendet. Durch das Fernsehen hat jedoch das amerikanische Englisch bereits einigen Einfluss genommen. Das Englisch, das in der Umgangssprache in Malaysia verwendet wird, unterscheidet sich stark vom britischen Englisch und wird deshalb auch als Manglish bezeichnet. Es ähnelt bis auf einige Slang-Ausdrücke stark dem Singlish, das in Singapur gesprochen wird.

ReligionBearbeiten

 
Kirche in Malakka

Islam in MalaysiaBearbeiten

 
Islamisches Museum in Kuala Lumpur
 
Moschee in Kota Kinabalu (Sabah)

Der Islam, zu dem sich 60 % der Bevölkerung bekennen, ist Staatsreligion. Erstmals in Kontakt mit dem Islam kam Malaysia durch arabische Händler und Kaufleute schon Ende des 7. Jahrhunderts. Allerdings herrschten zu diesem Zeitpunkt in Malaysia verschiedene buddhistische und indisch-hinduistische Königreiche vor, so dass Muslime bis ins 14. Jahrhundert nie mehr als 10 % der Bevölkerung ausmachten. Seit dem 13. Jahrhundert ließen sich vermehrt Araber in Malaysia nieder, die sich mit der einheimischen Bevölkerung schließlich vermischten und so die Islamisierung der Malaien vorantrieben. Islamisiert wurde Malaysia wie Indonesien im 14. und 15. Jahrhundert.

Bis weit in die 1970er Jahre galten viele muslimische Malaien als liberal (ähnlich den Abangan im heutigen Indonesien). Mit der Dakwah, einer islamischen Erweckungsbewegung, setzte jedoch eine Islamisierungswelle ein (ausgelöst durch verschiedene ethnische und soziale Konflikte, siehe unter anderem Parti Islam Se-Malaysia und Al-Arqam), so dass Malaysia heute orthodox-islamisch ist. Die Malaien, die 50,4 % der Gesamtbevölkerung ausmachen, sind praktisch alle Muslime. Etwa 70 % der Malaysierinnen malaiischer Herkunft tragen Kopftuch. Traditionelle malaiische Kleidung islamischen Ursprungs wird ebenfalls von vielen Malaien getragen.

Nach der Verfassung des Landes sind alle ethnischen Malaien von Geburt an automatisch Muslime. Sie können keine Andersgläubigen heiraten.[17] Ein Abfall vom Islam wird höchst ungern gesehen und ist in der Praxis nur schwer möglich. Hierzu ist zunächst ein „Borang Keluar Islam“ (Formular zum Austritt aus dem Islam) auszufüllen. Anschließend muss circa zwei Jahre bewiesen werden, dass man nicht doch noch zum Islam bekehrt werden kann, beispielsweise in „Umerziehungszentren“, wo Austrittswillige festgehalten werden.[18] Letztlich muss ein Sharia-Gericht über den Austritt entscheiden – die in der Verfassung verbriefte Religionsfreiheit besteht nur theoretisch.[19][20] Dies zeigen auch Fälle aus der jüngsten Zeit (2007).[18][21][22][23][24]

Andere ReligionenBearbeiten

Die Chinesen sind meist Buddhisten (20 %) oder gehören anderen chinesischen Religionen wie dem Daoismus oder Konfuzianismus an (2,6 %). Christen (9 %) gibt es in allen ethnischen Gruppen. Die Inder sind überwiegend Hindus (6,5 %). Muslime werden gegenüber Angehörigen anderer Religionen staatlicherseits bewusst bevorzugt.

Die christliche Presse kann nur unter Schwierigkeiten auf Malaysisch veröffentlicht werden, auf Englisch, Chinesisch und Tamil ist sie jedoch problemlos erhältlich. Uneingeschränkt ist die Verteilung von Schriften an Mitglieder von Vereinigungen oder Kirchen. Zensurversuche (konkret: Verbot des Wortes „Allah“) gab es durch die Regierung auch hier, was von einem Gericht zunächst aufgehoben[25], 2013 aber wieder eingeführt wurde.[26] So sorgte das Islamische Religionsamt JAIS im Januar 2014 für Schlagzeilen, als es ohne rechtliche Grundlage mit polizeilicher Unterstützung in die Räumlichkeiten der Bible Society of Malaysia eindrang und 300 Exemplare des ALKITAB, der in malaiischer Sprache abgefassten Bibel, konfiszierte.[27]

Der Bau von Kirchen führt in Ballungszentren häufig zu Schwierigkeiten mit der Planungsbehörde.

PolitikBearbeiten

StaatsformBearbeiten

 
Istana Negara – offizielle Residenz des malaysischen Königs (Yang di-Pertuan Agong)

Malaysia ist eine konstitutionelle, parlamentarisch-demokratische Wahlmonarchie (parlamentarische Monarchie). Das repräsentative Staatsoberhaupt ist der König, der alle fünf Jahre aus den Reihen der Herrscher der neun Sultanate nach dem Rotationsprinzip ausgewählt wird. Sein offizieller Titel lautet Yang di-Pertuan Agong. Seit dem 13. Dezember 2016 ist Sultan Muhammad V. König von Malaysia. Dieses System der Wahl aus den Reihen der Bundesherrscher (beziehungsweise Bundesfürsten) ist mittlerweile nahezu einzigartig auf der Welt. Nur die Vereinigten Arabischen Emirate sind ebenfalls eine föderale Wahlmonarchie.

Der parlamentarische Regierungschef ist der malaysische Premierminister. Diesen Posten hat seit dem 3. April 2009 Najib Razak von der UMNO. Sein Kabinett umfasst 30 Minister in 24 Ministerien.[28]

Das Abgeordnetenhaus (Dewan Rakyat) besteht zurzeit aus 222 für fünf Jahre gewählten Abgeordneten. Die Länderversammlung (Dewan Negara) hat 70 Mitglieder. Die letzten Wahlen zur Volksversammlung fanden am 5. Mai 2013 statt.

Nationalfeiertag ist der 31. August (Unabhängigkeitstag 1957).

ParteienBearbeiten

Seit 1957 regiert das von der United Malays National Organisation (kurz UMNO, auf Malaysisch Pertubuhan Kebangsaan Melayu Bersatu) angeführte Parteienbündnis Barisan Nasional. Zunächst trug dieses Bündnis den Namen Alliance und bestand aus der malaiischen Partei UMNO, der chinesischen MCA und der indischen MIC, womit die drei größten Volksgruppen vertreten waren. Nach Rassenunruhen, die der Parlamentswahl 1969 folgten, wurde das Bündnis erweitert und umbenannt. 1974 folgte die Gründung der Barisan Nasional („Nationale Front“). In der BN sind neben den genannten zehn weitere Parteien vertreten, die vorwiegend regionale Bedeutung haben. Die Parteien der BN einigen sich oft darauf, nur einen Kandidaten zur Wahl stellen zu lassen, sodass zwischen ihnen keine Konkurrenz entsteht und die Stimmen sich auf mehrere BN-Politiker verteilen. Dadurch gelang es ihr meist, die Zweidrittelmehrheit im malaysischen Parlament zu erlangen, welche Verfassungsänderungen zulässt. Nur bei den Wahlen 1969 und 2008 erreichte sie diese Zweidrittelmehrheit nicht, konnte aber dennoch die absolute Mehrheit wahren und so die Regierung stellen. Einige BN-Mitglieder treten auf Ebene der Bundesstaaten auch als Konkurrenten auf.

 
Premierminister Najib Tun Razak

Die Opposition ist nicht einheitlich. Bei der Parlamentswahl 1999 schlossen sich vier Oppositionsparteien zum Wahlbündnis Barisan Alternatif zusammen. Dieses zerfiel wieder, nachdem es weder 1999 noch bei der nächsten Wahl im Jahr 2004 nennenswerte Erfolge erzielen konnte. Die wichtigsten Oppositionsparteien und Mitglieder des ehemaligen Oppositionsbündnisses sind die PAS, die DAP und die PKR. Die PAS vertritt eine malaiisch-islamistische Politik. Die DAP hat ein sozialdemokratisches Programm und wird vorwiegend von chinesischstämmigen Malaysiern gewählt. Diese drei Parteien schlossen sich 2008 erneut zu einem Bündnis zusammen, der Koalition Pakatan Rakyat unter Führung des entmachteten, sehr beliebten ehemaligen UMNO-Politikers Anwar Ibrahim und konnten bei den Parlamentswahlen 2008 einen überraschenden Erfolg erlangen, als sie in fünf der 13 Bundesstaaten die Mehrheit im Landesparlament erlangten und im nationalen Parlament verhinderten, dass die Barisan Nasional eine Zweidrittelmehrheit erlangte, was erstmals seit 1969 der Fall war.

WahlenBearbeiten

Auf Bundesebene gibt es ein Mehrheitswahlrecht, bei dem nur ein Kandidat je Wahlkreis ins Parlament gewählt wird. Dies ist häufig ein Vorteil für die geschlossene Barisan Nasional gegenüber der gespaltenen Opposition. Die Größe der Wahlkreise ist zum Teil sehr unterschiedlich, so dass eine Wählerstimme je nach Wahlkreis sehr unterschiedliches Gewicht hat. Aus den Parlamentswahlen im Mai 2013 ging die Koalitionsregierung von Premierminister Najib Tun Razak trotz erheblicher Stimmeneinbußen als Sieger hervor. Sie erreichte 133 von 222 Parlamentsitzen und ist mit 59,91 % der Sitze im Besitz der absoluten Mehrheit, obwohl das Oppositionsbündnis Pakatan mehr Stimmen auf sich vereinigen konnte.

Politische GliederungBearbeiten

Malaysia gliedert sich in 13 Bundesstaaten (darunter neun Sultanate) und die drei Bundesterritorien (malaysisch: Wilayah Persekutuan) Kuala Lumpur, Putrajaya (neuer Regierungssitz) und die Insel Labuan. Die nicht als Sultanate konstituierten Bundesstaaten (Sabah, Sarawak, Penang und Malakka) werden jeweils von einem von der Zentralregierung ernannten Gouverneur verwaltet.

AußenpolitikBearbeiten

Malaysias Außenpolitik wird bestimmt durch seine geografische Lage, seine Integration in den weltweiten Handel und seine eigene demografische Zusammensetzung. Leitlinien der Außenpolitik sind Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten und Förderung des Austauschs mit anderen Schwellenländern.

Malaysia ist Mitglied der Bewegung der Blockfreien Staaten, Gruppe der acht Entwicklungsländer, des Commonwealth of Nations und in der Gruppe der 77. Ein besonderes Interesse verbindet Malaysia mit den Ländern des Nahen Osten, wobei das Land keine diplomatischen Beziehungen zu Israel unterhält. Seit Amtsantritt von Premierminister Najib tritt Malaysia im Nahen Osten zurückhaltender auf. Malaysia hat sich Koalitionen gegen den IS-Terrorismus angeschlossen, schließt aber eigene militärische Unterstützung ohne UN-Mandat aus. Malaysia stellt zudem Truppen für die UN bereit.

Malaysia sieht sich als ASEAN-Gründungsmitglied der zentralen Rolle ASEANS und der enger werdenden Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten verpflichtet. Unter malaysischem Vorsitz wurde 2015 die ASEAN Economic Community ins Leben gerufen und verstärkte Malaysias regionale Einbettung. Malaysia nimmt in der Organisation eine wichtige Rolle ein. Zusätzlich zu den ASEAN-zentrierten regionalen Aktivitäten ist Malaysia Mitglied in einer Vielzahl anderer internationaler und regionaler Organisationen religiöser (Organisation für Islamische Zusammenarbeit) wie wirtschaftlicher Ausprägung, darunter auch solche der Süd-Süd-Zusammenarbeit. Zu den beiden bedeutendsten Partnern außerhalb der ASEAN – China und USA – ist Malaysia auf Interessenausgleich ausgerichtet. Das Verhältnis zu China wird als „Umfassende strategische Partnerschaft“ qualifiziert. Es  ist durch intensive wirtschaftliche Kontakte sowie ausländische Direktinvestitionen Chinas in Malaysia sowie dessen vielfältigen kulturellen und wissenschaftliche Verbindungen geprägt. China ist Malaysias wichtigster Handelspartner. Ein besonderer Aspekt der Beziehung ist der Umstand, dass ein gutes Fünftel der malaysischen Bevölkerung chinesisch-stämmig ist. Konkurrierende Gebietsansprüche im süd-chinesischen Meer konnten bisher aber nicht geklärt werden. Die Beziehungen zu den westlichen Ländern einschließlich der USA, Australien und der EU bleiben von großer Bedeutung. Dies gilt insbesondere in Hinblick auf Sicherheitspolitik, Handel und Investitionen sowie den Technologietransfer und den Studentenaustausch.[29]

Zu allen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union bestehen gute Beziehungen, wobei Großbritannien als ehemalige Kolonialmacht eine Sonderstellung einnimmt. Der Europäische Auswärtige Dienst ist in Kuala Lumpur vertreten.

MilitärBearbeiten

Hauptartikel: Streitkräfte Malaysias

Die Streitkräfte Malaysias (Angkatan Tentera Malaysia) unterteilen sich bei einer Gesamtstärke von knapp über 100.000 aktiven Soldaten in Heer, Luftstreitkräfte und Marine.

PolizeiBearbeiten

Hauptartikel: Polis Diraja Malaysia

Die Polis Diraja Malaysia (Königliche malaysische Polizei) ist die Polizeibehörde von Malaysia. Ihr zugehörig ist auch die Spezialeinheit Pasukan Gerakan Khas.

Rechtliche Stellung HomosexuellerBearbeiten

Hauptartikel: Homosexualität in Malaysia

Homosexualität ist in Malaysia, im Gegensatz zu den meisten anderen benachbarten südostasiatischen Staaten, grundsätzlich strafbar. Aus diesem Grund existieren auch keine Antidiskriminierungsvorschriften zum Schutz der sexuellen Orientierung oder offizielle Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare. Vielmehr ist zu beobachten, dass vorsichtigen Versuchen, in der Öffentlichkeit und den Medien eine objektive Thematisierung zu erreichen, mittlerweile zunehmende staatliche Repression entgegengesetzt wird.[30]

Im Februar 2015 wurde der malaysische Oppositionsführer Anwar Ibrahim wegen eines angeblichen homosexuellen Verhältnisses mit einem Mitarbeiter zu fünf Jahren Haft verurteilt.[31] Anwar selbst und Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch kritisierten das Verfahren als politisch motiviert.

WirtschaftBearbeiten

Hauptartikel: Wirtschaft Malaysias
 
Modell des Automobilherstellers Proton

AllgemeinBearbeiten

Malaysia ist ein an Bodenschätzen und Rohstoffen (Zinn, Kautschuk, Palmöl, Erdöl) reiches Land. Zudem beheimatet Malaysia die Automobilhersteller Perodua und Proton sowie den Ölmulti Petronas. Seit Beginn der 1990er-Jahre erfolgte eine rasante industrielle Entwicklung, die das Land in die Reihe der aufstrebenden Schwellenländer aufrücken ließ.

Malaysia gilt ökonomisch und politisch als eines der stabilsten Länder Südostasiens, in dem die Konvergenz von Tradition und Moderne, Islam und Kapitalismus propagiert wird. Es ist Mitglied der ASEAN, der D-8 und der G15. Durch diese Ausrichtung erfuhr das Land einen grundlegenden Wandel von einem zuvor mehrheitlichen Agrarstaat hin zu einem technisierten und kapitalintensiven Industriestandort mit hohem Entwicklungspotenzial. Das Land hat sich seit den Neunzigern stark für Ausländische Investoren geöffnet. Ein weiterer Vorteil ist die weltweite Vernetzung der chinesischen ("Bambus-Netzwerk") und indischen Minderheit des Landes.

Doch ist die Wirtschaft trotz einiger Liberalisierungsmaßnahmen noch immer hochgradig reguliert. Der Staatsfonds Khazanah Nasional wirkt als strategischer Arm der Regierung und investiert in zahlreiche Branchen. Ethnische Malaien werden gegenüber Ausländern und malaysischen Chinesen im Geschäftsleben vielfach bevorzugt.

Die ab 1997 auftretende Asienkrise traf allerdings auch Malaysia, doch hat sich die Wirtschaft inzwischen wieder erholt und verzeichnet ein erneutes Wachstum von etwa 5 bis 6 %. Im Jahr 2012 wurden mehr als 600 Fusionen- und Akquisitionen im Wert von mehr als 23 Mrd. USD mit der Beteiligung von malaysischen Unternehmen angekündigt.[32] Die Inflationsrate betrug 2010 etwa 1,7 %. Das Bruttoinlandsprodukt betrug im Jahre 2016 9.360 US$ pro Einwohner (Vergleichbar mit Russland). Die Arbeitslosigkeit lag im Jahr 2012 bei 3,2 %.[33] Malaysia ist Mitglied der International Cocoa Organization.

Im Global Competitiveness Report des World Economic Forum belegte Malaysia 2016 Platz 25 weltweit damit war es das asiatische Land mit der sechsthöchsten Wettbewerbsfähigkeit. Im Index der Wirtschaftlichen Freiheit belegt das Land 2017 Platz 23 von 180 Ländern. [34]

AußenhandelBearbeiten

Malaysia ist sehr exportorientiert und hat sich als Vollmitglied der Welthandelsorganisation sowie in ASEAN und APEC für den Abbau von Handelsschranken engagiert. Das Außenhandelsvolumen entspricht dem 1,2-fachen des Bruttosozialproduktes. Damit ist die Inlandskonjunktur auch von der Nachfrage in den Hauptabsatzmärkten abhängig. Die wichtigsten Exportgüter sind elektronische Güter (36,6 %). Der Anteil von Rohöl, Ölprodukten,  Flüssiggas (LNG),  von Palmöl, Palmölprodukten und Kautschukprodukten an den malaysischen Exporten ist weiterhin auf nunmehr noch rd. 22 Prozent gesunken. Zu Beginn 2017 können wieder leicht steigende Rohstoffpreise verzeichnet werden. Durch die relativ erfolgreiche Positionierung der herstellenden Industrie wuchsen die malaysischen Exporte 2016 um 1,5 Prozent.

Wichtigster Handelspartner ist seit 2009 die Volksrepublik China. Die Top 10 Handelspartner liegen mit Ausnahme der USA in der Region. Der Gesamtanteil der EU-Mitgliedstaaten am Außenhandel Malaysias lag bei konstant 10,1 Prozent. Deutschland ist der wichtigste Handelspartner in der EU. Der Außenhandel mit Deutschland stieg 2016  an und liegt nun bei rund 12,3 Mrd. EUR. Die deutschen Exporte nach Malaysia waren mit 4,8 Mrd. EUR annähernd auf Vorjahresniveau, die Einfuhren nach Deutschland stiegen um  4,5 Prozent auf 7,6 Mrd. EUR. Damit weist Deutschland mit Malaysia eine negative Handelsbilanz von 2,8 Mrd. € aus.[35]

KennzahlenBearbeiten

Veränderung des Bruttoinlandsprodukts (BIP), real Weltbank[36]
Jahr 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016
Veränderung in % gg. Vj. 5,6 9,4 3,3 −2,5 7,0 5,3 5,5 4,7 6,0 5,0 4,2
Entwicklung des BIP (nominal), Weltbank[37]
absolut (in Mrd. USD) je Einwohner (in Tsd. USD)
Jahr 2014 2015 2016 Jahr 2014 2015 2016
BIP in Mrd. $ 338,1 296,4 296,5 BIP je Einw. (in Tsd. $) 11,2 9,6 9,5
Entwicklung des Außenhandels (GTAI)[38] in Mrd. US-Dollar und seine Veränderung gegenüber dem Vorjahr in Prozent
2014 2015 2016
Mrd. USD % gg. Vj. Mrd. USD % gg. Vj. Mrd. USD % gg.Vj.
Einfuhr 208,8 +1,5 176,2 −15,6 168,4 −4,4
Ausfuhr 234,1 +2,5 200,2 −14,5 189,4 −5,4
Saldo +25,3 +24,0 +21,0
Haupthandelspartner Malaysias (2016), Quelle: GTAI[38]
Export (in Prozent) nach Import (in Prozent) von
Singapur  Singapur 14,6 China Volksrepublik  Volksrepublik China 20,4
China Volksrepublik  Volksrepublik China 12,5 Singapur  Singapur 10,4
Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 10,2 Japan  Japan 8,2
Japan  Japan 8,1 Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 8,0
Thailand  Thailand 5,6 Thailand  Thailand 6,1
Hongkong  Hongkong 4,8 Taiwan  Taiwan 6,0
Indien  Indien 4,1 Korea Sud  Südkorea 5,2
sonstige Länder 40,1 sonstige Länder 35,7

StaatshaushaltBearbeiten

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 63,0 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 52,4 Mrd. US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 3,6 % des BIP. Die Staatsverschuldung betrug im dritten Quartal 2012 159 Mrd. US-Dollar oder 51,8 % des BIP.[39]

Aus dem 16,3 Mrd. US-Dollar umfassenden Budget für Entwicklungsausgaben[40], investierte Malaysia 2012 in die Bereiche

Die Ausgaben für Sicherheit gliedern sich in den Verteidigungshaushalt (1,2 Mrd. US-Dollar) und den Haushalt für die Innere Sicherheit (272 Mio. US-Dollar).[40]

VerkehrBearbeiten

EisenbahnBearbeiten

GeschichteBearbeiten

 
Verwaltungsgebäude der Eisenbahn in Kuala Lumpur

Die erste Eisenbahn in Malaysia führte von Taiping nach Port Weld und wurde am 1. Juni 1885 eröffnet. 1886 folgte eine Strecke von Kuala Lumpur zum Hafen von Klang. 1903 erreichte die Bahn im Norden Butterworth gegenüber von Penang und im Süden Negri Sembilan. Ebenfalls 1903 wurde die Strecke von Singapur nach Woodlands eröffnet. 1910 war der durchgehende Eisenbahnverkehr zwischen Kuala Lumpur und Singapur möglich, allerdings verkehrte vom Festland nach Singapur noch eine Fähre. Die feste Verbindung, ein Straßen- und Eisenbahndamm, wurde erst 1923 fertiggestellt. Nachdem Großbritannien 1909 die nördlichen Sultanate von Thailand zugunsten von Malaya annektiert hatte, wurde die Bahn im Norden vorangetrieben. Der grenzüberschreitende Verkehr mit Thailand wurde 1918 in Betrieb genommen[41], der östliche Grenzübergang bei Sungai Kolok zum 1. November 1921.[42]

InfrastrukturBearbeiten

Die Eisenbahninfrastruktur von Malaysia umfasst 1792 Streckenkilometer (Stand 2011).[43] Davon sind 1735 km in der für Malaysia historisch üblichen Meterspur, 57 km in Normalspur von 1435 mm ausgeführt. Der überwiegende Teil des Netzes verläuft auf dem Festland und wird von der Keretapi Tanah Melayu (Malaiischen Eisenbahn) betrieben. Etwa 207 km Strecke sind elektrifiziert, die meisten davon befinden sich auf der Westseite der Halbinsel im Großraum Kuala Lumpur. Eine zweigleisige für eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h ausgelegte Neubaustrecke von Kuala Lumpur nach Ipoh wurde Anfang 2008 fertiggestellt. Nördlich Ipohs entsteht zurzeit die Verlängerung bis Padang Besar in der Nähe der Grenze zu Thailand im Rahmen des Electrified double track projects (EDTP). Diese soll im November 2014[44] fertiggestellt sein und die Verbindung der Bundesstaaten Perak, Penang, Kedah und Perlis mit der Hauptstadt verbessern.

Im grenzüberschreitenden Verkehr gibt es zwei Strecken nach Thailand, die dort an die thailändische Südbahn anschließen. Im Süden besteht die grenzüberschreitende Verbindung nach Singapur. Die Züge verkehren allerdings seit Juli 2011 nur noch bis Woodlands Train Checkpoint (WTCP) und fahren den historischen Hauptbahnhof nicht mehr an.

Darüber hinaus gibt es die Keretapi Negeri Sabah, die Staatsbahn des Bundesstaates Sabah, die eine 134 km lange Strecke in der Spurweite 1000 mm auf Borneo betreibt.

In Kuala Lumpur verkehren mit Kuala Lumpur Star Light Rail Transit, Kuala Lumpur Putra Light Rail Transit, KLIA-Ekspres und KLIA-CRS und Kuala Lumpur Monorail mehrere schienengebundene Nahverkehrsangebote.

BetriebBearbeiten

 
Eisenbahngüterverkehr in Malaysia, Mio tkm, 2004–2006

Preislich ist die Eisenbahn in Malaysia ein sehr günstiges Transportmittel. So kostet die Fahrkarte von Kuala Lumpur nach Woodlands Train Checkpoint im Schlafwagenabteil 1. Klasse mit Doppelbett, eigenem Bad und Frühstück etwa 35 EUR (Stand: 2014), im Sitzwagen entsprechend weniger.

StraßeBearbeiten

 
Täglicher Ölverbrauch einiger Länder in Südostasien, Liter pro Tag/Einwohner

Aufgrund der britischen Kolonialvergangenheit herrscht Linksverkehr. Malaysia verfügt über etwa 125.800 km befestigte Straße (Stand 2011),[43] davon etwa 1.630 km Autobahn. So verbindet der North-South Expressway etwa den Nordzipfel von Malaysia an der Grenze zu Thailand mit Johor Bahru an der Grenze zu Singapur im Süden. Die Autobahnen sind größtenteils mautpflichtig, die Gebühr wird dabei direkt an Ort und Stelle an Mautstationen kassiert.

Während in den Ballungszentren die Straßen vorbildlich ausgebaut sind, findet man abseits der dicht besiedelten Gebiete, speziell in Ostmalaysia oder an der Ostküste der malaiischen Halbinsel, zahlreiche Straßen ohne Asphalt. Aufgrund der schlecht ausgebauten Straßen in abgelegenen Gegenden Ostmalaysias sind dort Wasserwege und Schiffsverbindungen besonders von Bedeutung.

Ende 2011 waren in Malaysia über 21,4 Millionen Kraftfahrzeuge registriert, davon knapp zehn Millionen Motorräder.[45] Der Staat subventioniert den Verkauf von Benzin, Diesel und Flüssiggas und legt einen verbindlichen Verkaufspreis fest. Der Benzinpreis für RON 95 liegt seit 1. Oktober 2014 bei RM 2,30 pro Liter umgerechnet EUR 0,56 (Kurs: 2. Nov 2014).

WasserwegeBearbeiten

Wichtige Seehäfen befinden sich in den Städten Tanjong Kidurong, Kota Kinabalu, Kuching, Pasir Gudang, Penang, Port Klang, Sandakan und Tawau. Daneben verfügt das Land über etwa 7.200 km schiffbarer Wasserwege, wobei sich davon 4.000 km in Ostmalaysia befinden.

LuftfahrtBearbeiten

Malaysia hat, nicht zuletzt wegen seiner Geographie, ein sehr dichtes Netz von Inlandsflugverbindungen. Die nationale Fluglinie des Landes heißt Malaysia Airlines, daneben ist mit Air Asia die erste Billigfluglinie Südostasiens in Kuala Lumpur beheimatet. Malaysia Airlines bedient zahlreiche Flughäfen innerhalb Malaysias und Südostasiens, bietet aber auch Langstreckenflüge in Richtung Europa und Nordamerika an. Der größte und wichtigste Flughafen des Landes ist der Kuala Lumpur International Airport, er wurde im Jahre 1998 eröffnet.

KulturBearbeiten

 
Hibiskusblüte

LiteraturBearbeiten

MedienBearbeiten

Die Medien Malaysias sind nicht gänzlich unabhängig. Ein rigider gesetzlicher Rahmen schränkt ihre freie Entfaltung ein, beispielsweise der Printing Presses and Publications Act (PPPA) von 1984. Dieses Gesetz regelt das Drucken, Importieren, Reproduzieren, Veröffentlichen und Verteilen von Publikationen. Der Innenminister gibt jährliche Lizenzen für Druckerzeugnisse heraus, die jederzeit widerrufen werden können. Bei Nichteinhaltung drohen bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe.

Die staatliche Nachrichtenagentur BERNAMA besitzt die Exklusivrechte zur Verbreitung von Wirtschaftsdaten, Nachrichtenbildern und anderem Material über die Printmedien. Die Mehrzahl der klassischen Medienprodukte (Print und Fernsehen sowie Radio) ist in Regierungshand oder gehört regierungsnahen Unternehmen. Oppositionelle Medien gibt es kaum.

Neue Medien sind stark im Kommen. 2008 kamen auf 100 Einwohner 100 Mobiltelefone. 2016 nutzten 68 von 100 Einwohnern das Internet.[46] Obwohl sich das Internet freier entfalten kann als die klassischen Medien, ist auch hier ein Trend zur Kontrolle und Zensur erkennbar. Vor allem kritische politische Blogs, Online-Zeitungen und Diskussionsforen werden von den Behörden stärker überwacht. Diese erfreuen sich in der Bevölkerung großer Beliebtheit.[47]

SportBearbeiten

Seit 1999 wird im Automobilsport (Formel 1) jährlich auf dem Sepang International Circuit der Große Preis von Malaysia ausgetragen.

Zu den populärsten Sportarten in Malaysia gehören Badminton, Fußball und Hockey. Vor allem der Badmintonsport hat in Malaysia eine große Tradition. Das Silat gilt als traditionelle Kampfkunst der Malaien.

LiteraturBearbeiten

  • Alois Karl Leinweber: Leben und Arbeiten in Malaysia. GD Gentlemen’s Digest, Berlin 2007, ISBN 978-3-939338-26-0.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistical Handbook Malaysia 2012. Department of Statistics Malaysia, 15. Mai 2013, abgerufen am 8. Oktober 2013 (malaiisch, englisch; PDF, 3,03 MB; Seite 1; PDF-Seite 22).
  2. [1]
  3. Google Public Data – Malaysia. Abgerufen am 15. Dezember 2013.
  4. [2]
  5. [3] United Nations Development Programme (UNDP),
  6. a b The UK Statute Law Database: Federation of Malaya Independence Act 1957 (c. 60)
  7. a b c United Nations Treaty Series Nr.10760: Agreement relating to Malaysia (Juli 1963). In: United Nations Treaty Collection. United Nations, archiviert vom Original am 11. Januar 2012, abgerufen am 8. Oktober 2013 (PDF; 4,48 MB, englisch).
  8. Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen
  9. United Nations Treaty Registered No. 8029, Manila Accord between Philippines, Federation of Malaya and Indonesia (31. Juli 1963) (Memento vom 11. Januar 2012 im Internet Archive)
  10. United Nations Treaty Series No. 8809, Agreement relating to the implementation of the Manila Accord (PDF-Datei; 5,56 MB)
  11. PROCLAMATION OF SINGAPORE
  12. The World Factbook: Malaysia, 4. Dezember 2008
  13. a b Meyers Lexikon online: Malaysia (Memento vom 25. Juni 2008 im Internet Archive) im Internet Archive
  14. Urban population (% of total) | Data. Abgerufen am 24. Juli 2017 (amerikanisches englisch).
  15. World Population Prospects - Population Division - United Nations. Abgerufen am 19. Juli 2017.
  16. a b World Population Prospects - Population Division - United Nations. Abgerufen am 24. Juli 2017.
  17. Radio Vatikan: Malaysia: Haft für hinduistische Eheschließung 11. August 2007
  18. a b AsiaNews.it: A Hindu Lina Joy, subjected to Islamic “re-education”, 15. Juni 2007
  19. Jalil Hamid and Liau Y-Sing: Malaysia braces for ruling on Islam conversion, Reuters, 13. August 2006
  20. Jürgen Kremb: Todesdrohungen im Paradies, Der Spiegel, 24. Juli 2007
  21. AsiaNews.it: Death threats against Lina Joy, fighting for her life and religious freedom, 29. August 2006
  22. Shah Yacob, Imran Imtiaz: Doing the Impossible: Quitting Islam in Malaysia, Asia Sentinel, 27. April 2007
  23. AsiaNews.it: Kuala Lumpur refuses to recognise Lina Joy’s conversion to Christianity, 30. Mai 2007
  24. NZZ: Verdikt gegen die Religionsfreiheit, 31. Mai 2007
  25. Daniel Kestenholz: Streit um Gottesname – Christen in Malaysia haben Allah wieder. Der Tagesspiegel, 5. Januar 2001, abgerufen am 8. Oktober 2013.
  26. Entscheidung eines malaysischen Berufungsgerichts – Nur Muslime dürfen „Allah“ sagen. Tagesschau (ARD), 14. Oktober 2013, archiviert vom Original am 14. Oktober 2013, abgerufen am 20. März 2014.
  27. The Malaysian Insider: Selangor Islamic authorities raid Bible Society of Malaysia, 300 copies of Alkitab seized, 2. Januar 2014; Zugriff am 15. Januar 2014
  28. Presseerklärung des Prime Minister's Department vom 16. Mai 2013; Zugriff am 17. Mai 2013
  29. Auswärtiges Amt. Abgerufen am 19. Juli 2017.
  30. Malaysia macht Jagd auf Homosexuelle, Spiegel-Online vom 1. Januar 2012; Zugriff am 1. Januar 2012
  31. Oppositionschef muss wegen Homosexualität in Haft, Die Welt Online vom 10. Februar 2015
  32. Institute of Mergers, Acquisitions and Alliances (IMAA); Zugriff am 4. April 2013
  33. Ministry of Finance Malaysia: Ekonomic Report 2012/2013, Kap. 6.1 (PDF-Datei; 163 kB); Zugriff am 18. Dezember 2012
  34. [4]
  35. Germany Trade and Invest GmbH: GTAI - Suche. Abgerufen am 19. Juli 2017 (deutsch).
  36. GDP growth (annual %) | Data. Abgerufen am 28. Juli 2017 (amerikanisches englisch).
  37. Malaysia | Data. Abgerufen am 28. Juli 2017 (amerikanisches englisch).
  38. a b Germany Trade and Invest GmbH: GTAI - Wirtschaftsdaten kompakt. Abgerufen am 28. Juli 2017 (deutsch).
  39. Ministry of Finance Malaysia: Malaysian Economy, Third Quarter 2012 (PDF-Datei; 660 kB), Seite 16; Zugriff am 18. Dezember 2012
  40. a b c d e Ministry of Finance Malaysia: Ekonomic Report 2012/2013 (PDF-Datei; 961 kB), Kapitel 4, S. 131–136; Zugriff am 18. Dezember 2012
  41. B. R. Whyte: The Railway Atlas of Thailand, Laos and Cambodia. White Lotus Co Ltd, Bangkok 2010, ISBN 978-974-480-157-9, S. 42.
  42. B. R. Whyte: The Railway Atlas of Thailand, Laos and Cambodia. White Lotus Co Ltd, Bangkok 2010, ISBN 978-974-480-157-9, S. 45.
  43. a b Statistical Handbook Malaysia 2012. Department of Statistics Malaysia, 15. Mai 2013, abgerufen am 8. Oktober 2013 (malaiisch, englisch; PDF, 3,03 MB; Seite 45; PDF-Seite 71).
  44. Gamuda EDTP page. Gamuda Berhad, 2012, abgerufen am 24. März 2014 (englisch).
  45. Statistical Handbook Malaysia 2012. Department of Statistics Malaysia, 15. Mai 2013, abgerufen am 8. Oktober 2013 (malaiisch, englisch; PDF, 3,03 MB; Seite 46; PDF-Seite 72).
  46. Internet Users by Country (2016) - Internet Live Stats. Abgerufen am 19. Juli 2017 (englisch).
  47. Knirsch, Thomas S. / Kratzenstein, Patrick: „Pressefreiheit, Neue Medien und politische Kommunikation in Malaysia – Eine Gesellschaft im Wandel“. KAS-Auslandsinformationen 6/2010, S. 103 ff.

WeblinksBearbeiten

  Wiktionary: Malaysia – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  Commons: Malaysia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikivoyage: Malaysia – Reiseführer

Koordinaten: 2° N, 112° O