Hauptmenü öffnen

Meterspur

Eisenbahn mit einer Spurweite von tausend Millimetern
Die Chiemsee-Bahn in Bayern wird bis heute zeitweise mit Dampf betrieben.

Der Begriff Meterspur bezeichnet bei Eisen- und Straßenbahnen eine Variante der Schmalspur mit einer Spurweite von tausend Millimetern, also einem Meter. Mit Ausnahme von Antarktika, Ozeanien und Nordamerika findet man diese Spurweite auf allen Kontinenten, oft auch als Spurweite der Hauptbahnen.

Inhaltsverzeichnis

VerwendungBearbeiten

 
Bayerische Zugspitzbahn mit Adhäsions- und Zahnrad-Antrieb

EuropaBearbeiten

In Europa besitzt heute Spanien das größte Meterspurnetz, überwiegend in Nordspanien gelegen. Bis 2013 wurden mit über 1200 Kilometern die meisten der Strecken von der FEVE betrieben, die seitdem zur Staatsbahn RENFE gehört. Kleinere Teile werden von regionalen Gesellschaften betrieben, so im Baskenland von EuskoTren. Auf der Peloponnes in Griechenland gab es bis in die ersten Jahre des 21. Jahrhunderts ebenfalls ein großes Meterspurnetz, das inzwischen jedoch bis auf zwei Reststrecken weitgehend außer Betrieb ist (siehe Organismos Sidirodromon Ellados).

In Deutschland wurde die Meterspur erstmals bei der Feldabahn und anderen Nebenbahnen wie der Chiemsee-Bahn sowie bei Straßenbahnen verwendet. Die größten zusammenhängenden Meterspurnetze Deutschlands betreiben die Rhein-Neckar-Verkehrsgesellschaft (RNV) zwischen den Städten Heidelberg, Mannheim und Ludwigshafen am Rhein mit der Oberrheinischen Eisenbahn (OEG) und der Rhein-Haardtbahn (RHB) sowie die Harzer Schmalspurbahnen, deren Netz zudem mit dem der Straßenbahn Nordhausen verbunden ist.

 
Die Attergaubahn ist eine der wenigen meterspurigen Bahnstrecken in Österreich.

In den Schweizer Alpen befindet sich ein von Graubünden bis ins Wallis durchgehendes, von der Rhätischen Bahn (RhB) und der Matterhorn-Gotthard-Bahn (MGB) betriebenes Meterspurnetz, auf denen auch Fernzüge wie z. B. der Glacier-Express verkehren. In diesem Netz befindet sich auch der längste Meterspurtunnel der Welt, der Vereinatunnel. Daneben finden sich fast in allen Teilen der Schweiz kleinere Meterspurnetze oder -strecken. Im Gegensatz dazu ist in Österreich die Bosnische Spurweite mit 760 Millimetern vorherrschend. Hier existieren nur einige wenige kurze straßenbahnähnliche meterspurige Lokalbahnen, wie die Stubaitalbahn, die Innsbrucker Mittelgebirgsbahn, die Attergaubahn und die Traunseebahn. In Gmunden und Innsbruck verkehren meterspurige Straßenbahnen.

Früher vorhandene größere Netze gab es bis etwa Ende der 1940er Jahre in Frankreich und Norditalien. In Frankreich existiert lediglich auf Korsika noch ein größeres Netz, betrieben von der Chemins de fer de la Corse. Das ebenfalls recht umfangreiche, allerdings nur teilweise zusammenhängende Netz an Meterspurstrecken in Polen wurde seit 1990 weitgehend eingestellt.

WeltweitBearbeiten

 
Diesellokomotive der SNCFT im Bahnhof Sfax, dem Endbahnhof der schnellsten Meterspurstrecke weltweit
 
Der internationale train express auf der Abidjan-Niger-Bahn bei der Einfahrt im Bahnhof Dimbokro

Ein Teil des indischen Eisenbahnnetzes ist in Meterspur ausgeführt. Seit 1992 werden diese Strecken im Rahmen des Projekts Unigauge (Einheitsspur) der Indian Railways schrittweise auf die dortige Breitspur umgespurt. Die Thailändische Staatseisenbahn betreibt ein Schienennetz von mehr als 4000 Kilometern in Meterspur, welches sternförmig von Bangkok ausgeht. Auch in Vietnam wird die Eisenbahn hauptsächlich als Meterspurbahn betrieben, so z. B. die mehr als 1700 Kilometer lange Hauptstrecke von Hanoi nach Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon) sowie die Yunnan-Bahn von Hải Phòng über Hanoi zur chinesischen Grenze bei Lào Cai und von dort weiter nach Kunming über insgesamt 855 Kilometer.

In Afrika sind mehrere nationale und internationale Strecken in Meterspur gebaut. Ein Beispiel ist die Abidjan-Niger-Bahn zwischen der Elfenbeinküste und Burkina Faso in Westafrika. Weitere bedeutende Meterspurnetze gibt es in Tansania, Kenia und Uganda (siehe auch Uganda-Bahn). Dort fuhr auch die größte Meterspurlokomotive der Welt, die Klasse 59 der ehemaligen East African Railways, eine Garratt-Gelenklokomotive.

Das Eisenbahnnetz der tunesischen Staatsbahn SNCFT besteht ebenfalls zum Großteil aus Meterspurstrecken. In Tunesien besteht südlich von Tunis ein großes Meterspurnetz unter anderem mit der Bahnstrecke TunisSfax welche die Hauptachse im Nord–Süd-Verkehr ist.[1] Das große Lichtraumprofil entspricht in etwa dem europäischen Lichtraumprofil für Normalspur. Mit Dieselloks bespannte Personenzüge verkehren mit bis zu 130 km/h, was wahrscheinlich einem Rekord für Meterspur entspricht.

In Südamerika gibt es Meterspurnetze unter anderem in Argentinien, Bolivien und Brasilien.

Vor- und NachteileBearbeiten

Siehe auch: Abschnitt Vor- und Nachteile im Artikel Schmalspurbahn

Wie bei vielen Schmalspurbahnen werden an Meterspurbahnen geringere technische Anforderungen gestellt als an Normalspurbahnen. Durch kleinere Kurvenradien können in Meterspur gebaute Eisenbahnstrecken besser dem Geländeverlauf angepasst werden. Brücken und Tunnel können durch den meist kleineren Regelquerschnitt entsprechend kleiner dimensioniert werden. Andererseits ist die Laufruhe und Stabilität geringer, so dass sich die Meterspur schlecht für Hochgeschwindigkeitstrassen eignet.

Siehe auchBearbeiten

FußnotenBearbeiten