Olympique Marseille

französischer Fußballverein

Olympique Marseille (offiziell Olympique de Marseille), häufig auch kurz als l’OM bezeichnet, ist ein 1899 von René Dufaure de Montmirail gegründeter französischer Fußballverein aus Marseille. Das Gründungsmitglied der Division 1 ist neunfacher Landesmeister und der einzige Verein Frankreichs, der die UEFA Champions League gewinnen konnte. 1993 wurde Marseille aufgrund einer Bestechungsaffäre ein weiterer nationaler Meistertitel aberkannt und der Verein zur Saison 1994/95 in die zweite Liga zwangsversetzt. Das auch im Wappen von OM enthaltene Vereinsmotto lautet Droit au but, auf Deutsch: direkt zum Ziel/Tor. Olympique bezieht sich auf den Olymp und stellt eine Verbindung zu den griechischen Wurzeln der Stadt Marseille dar.

Olympique Marseille
Vereinswappen von Olympique Marseille
Basisdaten
Name Olympique de Marseille
Sitz Marseille, Frankreich
Gründung 31. August 1899
Farben weiß-hellblau
Eigentümer Frank McCourt
Präsident Pablo Longoria
Website om.fr
Erste Fußballmannschaft
Cheftrainer Kroatien Igor Tudor
Spielstätte Stade Vélodrome
Plätze 67.394
Liga Ligue 1
2021/22 2. Platz
Heim
Auswärts
Ausweich

Der Präsident ist Pablo Longoria; die Ligamannschaft trainiert seit Juli 2022 der Kroate Igor Tudor.[1]

GeschichteBearbeiten

Vor dem Zweiten WeltkriegBearbeiten

Auch wenn der Verein bereits 1899 gegründet wurde, wurde Fußball erst ab 1902 gespielt. Aushängeschild des Vereins war die Rugby-Mannschaft, die bis 1944 existierte. Das erste belegte Spiel von Olympique Marseille war ein Freundschaftsspiel gegen US Phocéenne Marseille, das im Parc Borély 0:3 verloren ging. Unter Präsident Marino Dallaporta, der Marseille vom 5. Oktober 1920 bis 2. Januar 1925 leitete, stellten sich die ersten überregionalen Erfolge ein. Unter ihm wurden auch die Nationalspieler Édouard Crut und Jean Boyer verpflichtet. Olympique Marseille gewann am 13. April 1924 als erster nicht Pariser Verein gegen FC Sète mit 3:2 n. V. im Stade Pershing den Coupe de France. 1926 und 1927 folgten die nächsten zwei Pokalsiege. 1927 wurde Joseph Alcazar als Ersatz für den abgewanderten Crut geholt. Durch einen 3:2-Sieg gegen Club Français Paris wurde Marseille 1929, vor Gründung einer Profiliga, erstmals französischer Meister im Championnat par catégories. Der Wettbewerb wird heute als inoffizielle Meisterschaft gezählt. Insbesondere Mannschaftskapitän Boyer prägte diese Zeit und traf bis auf das Pokalendspiel 1927 in allen Finals für Marseille.

Der Verein gehörte im Jahr 1932 zu den 20 Gründungsmitgliedern der Profiliga Division 1, einer im ersten Jahr noch zweigeteilten Spielklasse mit jeweils 10 Mannschaften. Alcazar war der erste Torschütze für Marseille in der neuen Liga. Marseille verpasste als Tabellenzweiter der Gruppe A hinter dem späteren Meister Lille das Finalspiel der beiden Gruppensieger. Im folgenden Spieljahr stand Olympique Marseille bereits dicht vor der ersten französischen Meisterschaft, verlor jedoch als Tabellenführer sein letztes Saisonspiel mit 1:3 beim Tabellenletzten CA Paris – einer Mannschaft, die bis dato 21 ihrer 25 Spiele verloren hatte – und fiel noch auf Platz 3 zurück. 1934 wurde Alcatraz zudem erster Spieler von Olympique Marseille, der an einer Fußball-Weltmeisterschaft teilnahm.

Der Titelgewinn gelang erstmals 1937, wenngleich nach drei Niederlagen in den letzten vier Saisonspielen der Punktvorsprung am Ende vollends aufgebraucht war und sich das von József Eisenhoffer trainierte Team nur noch aufgrund des besseren Torverhältnisses gegenüber dem FC Sochaux durchsetzen konnte. Von 1904 bis 1937 trug Marseille seine Spiele im Stade de l'Huveaune aus. Am 13. Juni 1937 zog die Mannschaft mit einem Freundschaftsspiel gegen den FC Turin in das damals 35.000 Zuschauer fassende Stade Vélodrome. Die Franzosen gewannen ihre Premiere im Stadion mit 2:1. Weitere Erfolge könnten durch den Kriegsausbruch, bis zu dem noch zwei aufeinanderfolgende Vizemeisterschaften in den Jahren 1938 und 1939 folgten, verhindert worden sein. Das Vélodrome-Stadion wurde von der deutschen Wehrmacht beschlagnahmt, so dass Marseille gezwungen war, wieder im Huveaune-Stadion zu spielen. In der Saison 1940/41 gewann Marseille die Gruppe Süd und damit eine weitere inoffizielle Meisterschaft, da die sogenannten „Kriegsmeisterschaften“ (championnats de guerre) zwischen 1939 und 1945 – anders als der Landespokal – nicht als offizielle Wettbewerbe zählen. Beim Coupe de France 1942/43 gewann die Mannschaft bei ihrer achten Pokalteilnahme zum sechsten Mal. In der Folgesaison wurden sämtliche Vereinsmannschaften durch sogenannte „Bundesauswahlen“ (équipes fédéraux) ersetzt, die jeweils nach einer – teilweise historischen – Landschaft benannt wurden. Viele Spieler von Olympique Marseille spielten in dieser Saison für ÉF Marseille-Provence. 1944/1945 nahm Olympique Marseille wieder regulär an der Division 1 teil.

Von 1945 bis in die 1970er JahreBearbeiten

Nach dem Krieg konnte sich Olympique Marseille 1948 den zweiten Titelgewinn sichern. 1952 erreichte man dank Torschützenkönig Gunnar Andersson noch die Relegation und schaffte nach einer 1:3-Hinspielniederlage durch ein 4:0 im Rückspiel gegen US Valenciennes-Anzin den Klassenerhalt. Auch 1953 krönte sich Andersson in seiner torreichsten Saison mit 35 Treffern zum Torschützenkönig der Division 1. In der Folgesaison, erreichte Marseille das Finale des Coupe de France, musste sich aber OGC Nizza mit 1:2 geschlagen geben. 1957 folgte der nächste Titel im Coupe Charles Drago. Durch ein 3:1 gegen den RC Lens gewann die Mannschaft erst- und einmalig den Wettbewerb, der auch als „Trostpokal“ („la Consolante“) bezeichnet wurde. Sicherte sich der Klub 1958 am letzten Spieltag noch aufgrund des besseren Torverhältnisses gegenüber dem FC Metz erneut den Klassenerhalt, stieg das Team im folgenden Jahr als Tabellenletzter erstmals aus der Division 1 ab. Nach einem zehnten Platz in der Division 2 1959/60 und sechsten Platz in der Folgesaison stieg die Mannschaft in ihrer dritten Zweitligasaison unter Otto Glória durch einen vierten Platz wieder in die Beletage des französischen Fußballs.

1962 folgte die erste Teilnahme am Messestädte-Pokal. Gegen Royale Union Saint-Gilloise gab es eine Erstrundenniederlage. Nach einem einjährigen Gastspiel in der Saison 1962/63, in der Marseille als Tabellenletzter abstieg, verpasste die Mannschaft 1964 die Aufstiegsrelegation als Fünfter trotz 20 Tore ihres Toptorschützens Antoine Keller. Nachdem man 1964 nur Drittletzter in der Division 2 wurde, übernahm der neue Vereinspräsident Marcel Leclerc. Unter seiner Führung knüpfte Marseille einige Jahre später wieder an die großen Erfolge aus den 1920er und 1930er Jahren an. Zunächst folgte 1966 als Vize-Meister der Wiederaufstieg und die Etablierung in der ersten Liga und der Sieg im Coupe de France 1969. Als Olympique Marseille in der Weihnachtszeit 1969 gegen Red Star Paris ein Nachholspiel bestreiten musste, beschloss Präsident Leclerc, die Reservemannschaft antreten zu lassen. Leclerc wollte damit zeigen, dass er mit der Wahl des Termins nicht einverstanden war. Die Spieler, die eigentlich in der Division d’Honneur spielten, erreichten durch zwei Treffer von Ange Di Caro ein 2:2-Unentschieden. Die Liga erklärte dieses Ergebnis jedoch für ungültig und ließ das Spiel im März 1970 wiederholen. Im Nachholspiel besiegte Marseille Paris mit 6:1. Größter Coup war die Verpflichtung des Jugoslawen Josip Skoblar, der 1971 mit seinen 44 Treffern maßgeblichen Anteil am dritten Titelgewinn hatte und dafür mit dem Goldenen Schuh ausgezeichnet wurde. Im Folgejahr gelang das Double aus Titelverteidigung und Coupe de France 1971/72. Der 2:1-Sieg gegen den SEC Bastia war zudem das Eröffnungsspiel des neu gebauten Parc des Princes. Der Marseiller Didier Couécou wurde erster Torschütze im Stadion. Zu den erfolgreichsten Spielern dieser Zeit gehörten neben Skoblar auch Gilbert Gress, Roger Magnusson und der Brasilianer Jairzinho. International blieben die Erfolge dagegen aus. Im Intertoto-Cup 1969 gab es gegen den 1. FC Kaiserslautern mit 6:0 die höchste Niederlage in einem internationalen Wettbewerb für den Verein. Dazu unterlag Marseille im Landesmeisterpokal 1971 im Achtelfinale Ajax Amsterdam (1:2, 1:4), im folgenden Jahr schied die Mannschaft bereits in der ersten Runde gegen Juventus Turin (1:0, 0:3) aus. In der Liga endete die Saison 1973 auf dem dritten Platz. Zuvor wurde Marcel Leclerc im Juli 1972 von seinem Amt als Präsident entbunden, nachdem er beschuldigt wurde, Geld veruntreut zu haben. 1976, wurde er für schuldig befunden, ca. 3,3 Mio. Franc zum Nachteil von Olympique Marseille veruntreut zu haben. Leclerc wurde zu einer achtzehnmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung und zur Rückerstattung der veruntreuten Gelder verurteilt. In der Berufung wurde der Betrag auf 1,9 Mio. reduziert.[2] Nach Leclercs Regentschaft ließen die Leistungen der Mannschaft erstmal nach. 1974 verpasste Marseille als zwölfter die europäischen Ränge und im UEFA-Pokal gab es im November 1973 in der zweiten Runde nach einem 2:0-Hinspielsieg gegen den 1. FC Köln im Rückspiel zum zweiten Mal nach 1969 eine 6:0-Niederlage in einem europäischen Wettbewerb.

1974 übernahm Fernand Meric, ein Marseiller Kinounternehmer, die Präsidentschaft des Vereins. Unter ihm wurden mit Caju und Jairzinho zwei brasilianische Weltmeister von 1970 in die Mannschaft geholt. Sie waren gleichzeitig die ersten Weltmeister, die in der Division 1 spielten. Mit den beiden Brasilianern wurde Marseille 1975 Vize-Meister hinter AS Saint-Étienne. Im nächsten Jahr belegte Marseille lediglich den 9. Platz in der Liga. Erfolgreicher lief es im Coupe de France. Angetrieben von Héctor Yazalde gewann Marseille gegen Olympique Lyon im Finale mit 2:0. Aus der siegreichen Mannschaft von 1972 war einzig Jules Zvunka wieder mit dabei; dieses Mal allerdings als Trainer und nicht als Spieler. Das Ende der 70er Jahre war weniger erfolgreich. Dem Erstrundenaus im Europapokal der Pokalsieger 1976/77 gegen den FC Southampton folgte ein zwölfter, vierter und wieder ein zwölfter Platz. Damit verpasste man jeweils die Europapokalplätze. 1980 folgte dann der erneute Abstieg trotz Spielern wie Marius Trésor und Didier Six. Der frühere deutsche Nationalspieler Erwin Kostedde besiegelte den Abstieg durch drei Tore bei der 3:0-Niederlage am 36. Spieltag gegen Stade Laval. Da Lyon und Nizza ihre Spiele am folgenden Spieltag gewannen, konnte der Gang in die Division 2 auch rechnerisch nicht mehr abgewendet werden.

Steiler Aufstieg, tiefer FallBearbeiten

 
Logo 1990–1993

1981 geriet Olympique Marseille in große finanzielle Schwierigkeiten und wurde für Bankrott erklärt.[3] Nach vielen Abgängen verfehlte Marseille mit einer Mannschaft, die in großen Teilen aus dem Siegerteam des Coupe Gambardella 1979 bestand, den direkten Wiederaufstieg und wurde 1981 Sechster in der Gruppe A der Division 2. Auch 1982 (3. Platz Gruppe A) und 1983 (4. Platz Gruppe A) verpassten die Südfranzonsen den Aufstieg. Der gelang dann im vierten Jahr der Zweitklassigkeit, in dem Marseille Meister der Gruppe A wurde und damit direkt aufstieg. Im Endspiel um die Zweitligameisterschaft musste sich das Team dem FC Tours geschlagen geben. Nachdem 1985 der Klassenerhalt mit der Mannschaft glückte, die größtenteils auch für den Aufstieg verantwortlich war, erreichte die Mannschaft im Jahr darauf wieder das Pokalfinale. Hier musste man sich Girondins Bordeaux erst in der Verlängerung durch ein Tor von Alain Giresse geschlagen geben. In der Liga erreichte das Team mit dem 12. Platz ein Abschneiden im gesicherten Mittelfeld.

Auf Initiative von Bürgermeister Gaston Defferre übernahm Bernard Tapie 1986 das Amt des Vereinspräsidenten.[4] Mit ihm investierte der Klub in den folgenden Jahren viel Geld für die Neuverpflichtungen von Spielern mit internationalem Format, um Marseille ab Ende der 1980er Jahre wieder zu einem Spitzenklub Europas zu machen. In seiner ersten Saison verpflichtete er den deutschen Verteidiger Karlheinz Förster, den Siegtorschützen aus dem Pokalfinale des Vorjahres Alain Giresse sowie Stürmer Jean-Pierre Papin. Zudem wurde Michel Hidalgo als Sportdirektor verpflichtet. Trotz des Zuwachses an Qualität und der Herbstmeisterschaft verpasste Marseille die Meisterschaft 1987. Mitte April bezwang der spätere Meister Girondins Bordeaux wieder seinen direkten Kontrahenten mit 3:0, obwohl die Girondins ab der 20. Spielminute nur noch zu zehnt spielten. Gernot Rohr hatte den von Bordeaux gewechselten Giresse gefoult. Auch im Pokalfinale 1987 musste man sich erneut Bordeaux geschlagen geben. Für die nächste Saison wurden Abédi Pelé und Klaus Allofs verpflichtet. Im Europapokal der Pokalsieger, an dem Marseille als Pokalfinalist aus dem Vorjahr teilnahm, erreichte die Mannschaft gegentorlos das Halbfinale, in dem sie Ajax Amsterdam unterlag. In der Liga reichte es nur zum sechsten Platz. Papin krönte seine Saison allerdings als Torschützenkönig der Division 1. Einen Titel den er von 1988 bis 1992 fünfmal in Folge gewinnen sollte und damit maßgeblichen Anteil an vier aufeinanderfolgende Meisterschaften ab der folgenden Saison hatte.

Für diese wurde das Team mit Spielern wie Éric Cantona und Franck Sauzée weiter verstärkt. Nach einem enttäuschenden Start in die Saison mit nur einem Punkt nach zwei Spielen wurde der frühere Marseiller Torwart Gerard Gili Trainer. Insbesondere durch eine starke Rückrunde wurde die Meisterschaft 1989 gefeiert. Mit dem Pokalgewinn 1989 gelang zudem das Double. Im Pokalfinale wurde die AS Monaco mit 4:3 besiegt. Zur Saison 1990 wurden mit Carlos Mozer, Enzo Francescoli und Chris Waddle weitere Spieler von internationalem Format verpflichtet, mit denen die Meisterschaft wiederholt wurde. Auch international machte die Mannschaft nun auf sich aufmerksam. Im Europapokal der Landesmeister scheiterte Marseille 1990 erst im Halbfinale an Benfica Lissabon (2:1, 0:1). Vata Matanu Garcia erzielte im Rückspiel per Hand das Tor, das das Ausscheiden von Marseille besiegelte.

Mit Basile Boli und Dragan Stojković wurde die Mannschaft in der Sommerpause 1990 weiter verstärkt. Der namhafteste Neuzugang war allerdings Franz Beckenbauer, der als frisch gebackener Weltmeistertrainer den Posten als technischen Direktor übernahm. Im September 1990 übernahm Beckenbauer dann auch das Traineramt, übergab es ab Januar 1991 allerdings an Raymond Goethals und bekleidete fortan wieder die Direktoren-Position. Am Ende der Saison war Marseille wieder Meister und im Europapokal der Landesmeister 1991 verlor das Team erst im Endspiel gegen Roter Stern Belgrad mit 3:5 im Elfmeterschießen. Nach der Finalniederlage verließ Beckenbauer Olympique Marseille wieder. 1992 wurde Marseille erneut Meister, die Saison wurde allerdings vom „Drama von Furiani“ im französischen Pokal überschattet. Im Halbfinalspiel zwischen dem Zweitdivisionär SC Bastia und Marseille brach im Stade Armand Cesari sieben Minuten vor Spielbeginn die Leichtbautribüne zusammen, die zuvor unter extremem Zeitdruck innerhalb von einer Woche vor dem Spiel errichtet wurde. Der Einsturz forderte 18 Tote[5] und über 2.350 Verletzte als Opfer. Das Spiel wurde nicht ausgetragen und Olympique Marseille zum Sieger erklärt. Da Marseille sich weigerte, das Finale vier Tage später zu bestreiten, wurde der Wettbewerb 1991 ohne Pokalsieger abgebrochen.

Im Sommer 1993 gab es einen kleinen Umbruch im Team. Mit Papin verließ der Starstürmer den Verein in Richtung AC Mailand und auch Mozer und Waddle verließen Frankreich für einen Wechsel ins Ausland. Mit Marcel Desailly, Alen Bokšić und Rudi Völler gab es allerdings namhaften Ersatz. Bokšić wurde in der Meisterschaft Torschützenkönig und 1993 gelang Olympique im Champions-League-Endspiel gegen den AC Mailand schließlich in München durch das Tor von Basile Boli der bis heute einzige Europapokalsieg einer französischen Mannschaft. Aus dem Sieg entwickelte sich auch der Slogan „À jamais les premiers“ (Auf ewig die Ersten), der bis heute von Fans und Verein verwendet wird.

Auf den sportlichen Höhepunkt folgte 1993 für Olympique Marseille der jähe Abstieg. Nachdem bekannt wurde, dass Vereinsfunktionäre vor dem Punktspiel gegen US Valenciennes Bestechungsgelder gezahlt hatten („Affäre OM-VA“), wurde die französische Meisterschaft aberkannt, der Verein 1994 in die Zweite Liga zurückgestuft und mehrere Beteiligte strafgerichtlich verurteilt. Der Verein war an seinem Tiefpunkt angelangt und stand aufgrund hoher Schulden Mitte der 1990er Jahre am Rande des Ruins. Auch der Europapokal von 1993 erhielt späte Makel. Anfang 2006 gestand Jean-Jacques Eydelie in einem Gespräch mit der französischen Sportzeitung L’Équipe ein, dass mit Ausnahme von Rudi Völler alle Spieler vor dem Champions-League-Endspiel gegen den AC Mailand eine ihnen in ihrer Zusammensetzung nicht bekannte Injektion erhielten. Ähnliche Dopingvorwürfe äußerte bereits im Jahr 2003 der irische Nationalspieler Tony Cascarino in einer Kolumne der britischen Tageszeitung The Times. Da 13 Jahre nach dem Finalspiel keine endgültige Klärung mehr zu erwarten war, verfolgte die UEFA Eydelies Dopingvorwürfe trotz anfänglicher Überlegungen und Mailänder Titelansprüchen jedoch nicht mehr weiter.

Marseille wurde der Meistertitel 1993 aberkannt und die UEFA sperrte Olympique Marseille für die Saison 1993/94. Im UEFA Super Cup 1993 trat der AC Mailand an Stelle von Marseille gegen AC Parma an. Der AS Monaco nahm für Marseille an der UEFA Champions League 1993/94 teil. Auch die FIFA tauschte Marseille beim Weltpokal 1993 gegen den AC Mailand aus. Bokšić und Desailly mussten den Verein aufgrund finanzieller Engpässe wieder verlassen. Marseille wurde nach den vier Meisterschaften in Folge in der Liga dieses Mal zweiter und qualifizierte sich für den UEFA-Pokal. Als Folge des Bestechungsskandals von 1993 musste Olympique Marseille allerdings zwangsabsteigen.[6] Für die neue Saison stand ein Aderlass für den Kader an. Didier Deschamps, Basile Boli, Rudi Völler. Alain Boghossian und Sonny Anderson verließen den Verein und Marseille durfte keine unter Vertrag stehenden Spieler verpflichten. Mit Tony Cascarino und Rückkehrer Jean-Marc Ferreri waren die Neuzugänge nicht mehr so namhaft wie in den vorangegangenen Saisons. Im Dezember 1994 gab Gérard Gili ein zweiwöchiges Comeback, wurde aufgrund von finanzieller Schwierigkeiten aber nicht angestellt. Tapie verließ am 11. Dezember 1994 den Vorsitz des Vereins und Marseille musste im April 1995 Insolvenz anmelden. Da der Verein für 1 Mio. Francs von einem Konstrukt aus kommunale Behörden und privaten Geldgebern gekauft wurde, konnte der Spielbetrieb weiterlaufen. Auf dem Platz wurde Marseille zwar Zweitligameister, der Verband verwährte dem Verein allerdings den Aufstieg. In der nächsten Zweitligasaison ersetzte Jérôme Alonzo den zum AS Monaco gewechselten Fabien Barthez. Manuel Amoros und Christophe Galtier kehrten zu Marseille zurück. Tony Cascarino der in beiden Zweitliga-Spielzeiten Torschützenkönig wurde führte die Mannschaft unter Trainer Gérard Gili, der in der Saison zurückkam, zum zweiten Platz und damit zum Aufstieg. Zur Saison 1996/97 wechselte Europameister Andreas Köpke, nachdem dessen Wechsel zum FC Barcelona scheiterte, zum Aufsteiger. Am 14. Dezember 1996 kaufte der damalige Adidas Vorstandsvorsitzende Robert Louis-Dreyfus Olympique Marseille und wurde neuer Präsident. Am Ende der Spielzeit verpasste Marseille als Elfter knapp die europäischen Ränge, konnte sich aber souverän im französischen Oberhaus halten. Mit einem vierten Platz 1998 qualifizierte sich Marseille wieder für den europäischen Wettbewerb. Im Folgejahr verpasste der Klub, auch durch die Vertsärkung von Robert Pires, Peter Luccin und Florian Maurice mit einem Punkt Rückstand auf Girondins Bordeaux 1999 nur knapp die Meisterschaft. Das bemerkenswerteste Spiel der Saison lieferte der Verein zuhause gegen HSC Montpellier ab, in dem Marseille einen 0:4-Rückstand zur Halbzeitpause zu einem 5:4-Sieg drehen konnte. Im Mai 1999 unterlag Olympique im UEFA-Pokal-Finale dem AC Parma mit 0:3.

Im 21. JahrhundertBearbeiten

Die Saison zur Jahrtausendwende verlief durchwachsen für Marseille. Die Neuzugänge Franck Dumas, Eduardo Berizzo, Jérôme Leroy, Stéphane Dalmat und Ibrahima Bakayoko konnten die Qualität der abgewanderten Titi Camara und Laurent Blanc nicht ersetzen. Zwar gelang Marseille ein Heimsieg gegen Titelverteidiger Manchester United in der 1. Gruppenphase der UEFA Champions League 1999/2000, in der 2. Gruppenphase schieden die Südfranzosen mit nur zwei erzielten Toren als Gruppenletzter aus. In der Liga entgang man nur knapp dem Abstieg und beendete die Saison auf dem 15. Rang, punktgleich mit Absteiger AS Nancy. Für die nächste Spielzeit wurde der brasilianische Trainer Abel Braga verpflichtet. Er erhielt auf dem Platz Unterstützung durch die beiden Brasilianer Adriano Gabiru und Marcelinho. Darüber hinaus wurden mit Bruno N’Gotty, Manuel dos Santos Fernandes, Lucas Bernardi, Brahim Hemdani und der ehemalige Weltfußballer George Weah weitere Spieler von internationalem Format verpflichtet. Mit Robert Pirès, Stéphane Dalmat und Peter Luccinjoin verließen allerdings auch Leistungsträger den Club. Die Saison verlief enttäuschend und am Ende stand erneut ein 15. Platz zu Buche. Auch neben dem Platz gab es viel Unruhe, Trainerwechsel und Bernard Tapie wurde als Sportdirektor wieder zurückgeholt. In der Sommerpause kam es erneut zu vielen Wechseln. Vedran Runje, Frank Lebœuf, Daniel Van Buyten und Pascal Nouma halfen dem Verein, dass er nichts mit den Abstiegsrängen zu tun hatte, mit dem 9. Platz verfehlte Olympique aber auch ein Platz in Europa.

Die Premierensaison der Ligue 1, wie die höchste französische Fußballliga seit der Saison 2002/03 heißt, verlief wieder erfolgreicher. Alain Perrin wurde neuer Trainer und vergleichsweise wenige Wechsel bestimmten die Sommerpause. Fabio Celestini, Pascal Johansen und Dmitri Jewgenjewitsch Sytschow verhalfen der Mannschaft mit dem 3. Rang zur Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation. Mit Habib Beye und Philippe Christanval wurde die Abwehr für die nächste Saison verstärkt und im Angriff kamen Ahmed Hossam und Didier Drogba dazu. Nachdem Marseille sich gegen FK Austria Wien in der Champions-League-Qualifikation durchsetzen konnte, reichte es nur zu Rang 3 in der Gruppenphase und damit einem Weiterspielen in der 3. Runde des UEFA-Pokals. Hier konnte man unter anderem den FC Liverpool und Inter Mailand ausschalten und Marseille erreichte wieder ein internationales Finale. Nach einer Roten Karte von Torwart Fabien Barthez, unterlag Marseille im UEFA-Pokalfinale 0:2 gegen den FC Valencia im Mai 2004. In der Liga spielte Marseille unter den Erwartungen und verpasste mit Platz 7 wieder die internationalen Plätze. Drogba verließ den Verein im Sommer in Richtung Chelsea. Dafür kamen Frédéric Déhu, Bixente Lizarazu, Benoît Pedretti, Péguy Luyindula, Habib Bamogo neu nach Marseille. Im Januar 2005 wurde Pape Diouf von Louis-Dreyfus zum Vereinspräsidenten ernannt. Er war der erste schwarze Präsident eines großen europäischen Fußballklubs. In der Liga verbesserte man sich auf Platz 5, verpasste allerdings durch ein Unentschieden bei Bordeaux die direkte UEFA-Pokal-Qualifikation aufgrund des schlechteren Torverhältnisses gegenüber dem Tabellenvierten. Franck Ribéry, Lorik Cana und Mamadou Niang verstärkten Marseille im Sommer 2005 und durch das Gewinnen des UEFA Intertoto Cups 2005 gegen Deportivo La Coruña qualifizierte sich Marseille noch für den UEFA-Pokal 2005/06. Mit Toifilou Maoulida und Mickaël Pagis wurde im Winter 2005 nochmal im Angriff nachgelegt. Im nationalen Pokal erreichte Marseille das Finale des Coupe de France 2005/06, musste sich aber Paris Saint-Germain mit 2:1 geschlagen geben. In der Liga ereilte Marseille erneut das Schicksal der Vorsaison. Am letzten Spieltag der Saison 2005/06 verpasste Marseille wieder bei Bordeaux aufgrund des schlechteren Torverhältnisses gegenüber dem Tabellenvierten die direkte UEFA-Pokal-Qualifikation. Dieser gelang erneut über das Gewinnen des UEFA Intertoto Cups 2006. Hier besiegte Marseille Dnipro Dnipropetrowsk im entscheidenden Duell.

Olympique war erneut in einen Skandal verwickelt, bei dem es um illegale Transaktionen in Zusammenhang mit der Verpflichtung neuer Spieler, hinterzogene Sozialabgaben u. ä. aus den Jahren ab 1997 ging. Ein Gericht hat insgesamt 13 Personen zu teilweise mehrjährigen Freiheits- und hohen Geldstrafen verurteilt, darunter den Ex-Präsidenten Robert Louis-Dreyfus und weitere Vorstandsmitglieder von OM, mehrere Anwälte und Spielervermittler/-berater (einer der bekanntesten: Ex-Nationalspieler Jean-François Larios); lediglich der damalige Sportdirektor Marcel Dib wurde freigesprochen. Ungeachtet aller Probleme war OM einer repräsentativen Umfrage zufolge der 2007 in Frankreich beliebteste einheimische Fußballverein.[7]

Mit Ronald Zubar, Modeste M’Bami und Djibril Cissé erreichte Marseille die Vizemeisterschaft in der Saison 2006/07. Im Pokal musste sich die Mannschaft erneut im Finale geschlagen geben. Die Südfranzosen zogen gegen den FC Sochaux im Elfmeterschießen den Kürzeren. Steve Mandanda, Laurent Bonnart, Benoît Cheyrou, Karim Ziani und Boudewijn Zenden kamen neu nach Marseille, während Franck Ribéry, Habib Beye und Mickaël Pagis den Club wieder verließen. Nach einem schwachen Start 2007 wurde Eric Gerets neuer Trainer von Olympique. Der dritte Platz 2007/08 erlaubte OM wie im Vorjahr, an der Champions League teilzunehmen. Jedoch erreichte man nur den 3. Platz in der Gruppe A, um schließlich im Achtelfinale des UEFA-Pokals vom späteren Pokalgewinner Zenit Sankt Petersburg besiegt zu werden. Im Sommer wurden Vitorino Hilton, Hatem Ben Arfa und Bakari Koné neu verpflichtet. Die Eigengewächse Cédric Carrasso und Samir Nasri sowie Djibril Cissé verließen den Verein. In der Saison 2008/09 belegte OM den 2. Platz hinter Bordeaux in der Ligue 1 und qualifizierte sich somit direkt für die Champions League. Man erreichte wieder nur den 3. Gruppenplatz und verlor erneut im Achtelfinale der Europa League, diesmal gegen Benfica Lissabon.

Nach Streitigkeiten zwischen Gerets und Louis-Dreyfus wurde Ex-Spieler Deschamps neuer Trainer. Diouf verließ ebenfalls den Verein nach Ungereimtheiten mit Louis-Dreyfus. Im Juli verstarb Robert Louis-Dreyfus und seine Frau Margarita Louis-Dreyfus wurde neue Mehrheitseignerin. Mit Souleymane Diawara, Stéphane Mbia, Gabriel Heinze, Édouard Cissé, Luis González wurde die Mannschaft weiter verstärkt. 2010 gewann Marseille mit der Meisterschaft, der Coupe de la Ligue und der Trophée des Champions erstmals nach 17 Jahren wieder Titel. Im Sommer 2010 kamen César Azpilicueta, André-Pierre Gignac und Loïc Rémy Die Erfolge im Ligapokal und Supercup wurden wiederholt, in der Liga holte sich Marseille die Vize-Meisterschaft hinter OSC Lille. Mit den Neuzugängen Morgan Amalfitano, Alou Diarra, Jérémy Morel und Nicolas N’Koulou wurde Marseille zwar wieder Ligapokalsieger, in der Ligue 1 2012 reichte es nur zum zehnten Platz. In der Champions League schied die Mannschaft gegen den späteren Finalisten FC Bayern München aus. Ohne die Teilnahme an der Champions League wurde der Kader reduziert und Stéphane Mbia, César Azpilicueta und Alou Diarra verließen allesamt Frankreich in Richtung englische Clubs. Im Gegenzug wurde Joey Barton von den Queens Park Rangers ausgeliehen. Die Saison in der Heimatliga verlief erfolgreicher und 2013 wurde die nächste Vize-Meisterschaft hinter Paris Saint-Germain gefeiert. Mit Florian Thauvin, Benjamin Mendy, Giannelli Imbula, Mario Lemina wurde in der Transferperiode vor allem in Talente investiert. Dazu kam der etwas erfahrenere Dimitri Payet. Die Gruppenphase der Champions-League-Saison 2013/14 beendete Marseille als Schlusslicht der Gruppe F ohne einen einzigen Punktgewinn. Dies war zuvor noch keinem französischen Klub passiert, und für France Football „symbolisiert dieses Abschneiden alleine die internationale Schwäche des französischen Vereinsfußballs“.[8] Auch in der Ligue 1 sprang nur ein sechster Rang heraus.

Im Oktober 2016 übernahm Frank McCourt, US-Unternehmer und früherer Besitzer der MLB-Mannschaft der Los Angeles Dodgers und des Dodger Stadium, die Anteile der Mehrheitsaktionärin Margarita Louis-Dreyfus. Er setzte Jacques-Henri Eyraud als neuen Präsidenten ein,[9] wenige Tage später wurde in Person von Rudi Garcia zudem ein neuer Cheftrainer eingestellt.[10] Am 27. Oktober 2016 gab der Verein die Verpflichtung von Andoni Zubizarreta bekannt. Der ehemalige spanische Nationaltorhüter übernahm das Amt des Sportdirektors.[11] Am 3. August 2020 wurde Pablo Longoria als Nachfolger von Andoni Zubizarreta Geschäftsführer Profifußball. Nachdem es im Januar 2021 zu Ausschreitungen zwischen Fans und dem Verein kam[12] wurde Longoria zum Nachfolger von Jacques-Henri Eyraud als Präsident von Olympique Marseille ernannt.[13] In der Saison 2021/22 wurde Marseille Vizemeister. In der Champions League schied Marseille 2022 am letzten Spieltag der Gruppenphase durch ein Tor von Pierre Emile Højbjerg in der 95. Minute gegen Tottenham Hotspur aus und verpasste ein mögliches Weiterkommen bzw. die Finalrunden-Play-offs der UEFA Europa League.

ErfolgeBearbeiten

NationalBearbeiten

InternationalBearbeiten

Aktueller Kader 2022/23Bearbeiten

Stand: 19. September 2022[14][15]

Nr. Nat. Name Geburtstag im Verein seit Vertrag bis
Tor
01 Frankreich  Simon Ngapandouetnbu 12.04.2003 2019 2024
16 Spanien  Pau López 13.12.1994 2022 2026
36 Spanien  Rubén Blanco 25.07.1995 2022 2023
40 Belgien  Jelle van Neck 07.03.2004 2019 2024
Abwehr
03 Elfenbeinküste  Eric Bailly 12.04.1994 2022 2023
04 Frankreich  Samuel Gigot 12.10.1993 2022 2025
05 Argentinien  Leonardo Balerdi 26.01.1999 2021 2026
07 Frankreich  Jonathan Clauss 25.09.1992 2022 2025
18 Frankreich  Souleymane Isaak Touré 28.03.2003 2022 2027
23 Bosnien und Herzegowina  Sead Kolašinac 20.06.1993 2022 2023
29 Burkina Faso  Issa Kaboré 12.05.2001 2022 2023
30 Portugal  Nuno Tavares 26.01.2000 2022 2023
99 Kongo Demokratische Republik  Chancel Mbemba 08.08.1994 2022 2025
Mittelfeld
06 Frankreich  Mattéo Guendouzi 14.04.1999 2022 2025
08 Brasilien  Gerson 20.05.1997 2021 2026
10 Frankreich  Dimitri Payet 29.03.1987 2017 2024
21 Frankreich  Valentin Rongier 07.12.1994 2019 2024
22 Frankreich  Pape Gueye 24.01.1999 2020 2024
27 Frankreich  Jordan Veretout 01.03.1993 2022 2025
47 Turkei  Bartuğ Elmaz 19.02.2003 2026
77 Marokko  Amine Harit 18.06.1997 2022 2023
Sturm
11 Kolumbien  Luis Suárez 02.12.1997 2022 2027
12 Senegal  Bamba Dieng 23.03.2000 2021 2024
17 Turkei  Cengiz Ünder 14.07.1997 2022 2025
32 Frankreich  Salim Ben Seghir 24.02.2003 2021 2024
46 Frankreich  Aylan Benyahia-Tani 19.07.2005 2022 2024
70 Chile  Alexis Sánchez 19.12.1988 2022 2023

Den Verein in der Vergangenheit prägende PersonenBearbeiten

 
Traumelf von Olympique Marseille anlässlich des 110-jährigen Bestehens

Zum 110-jährigen Bestehen des Vereins wurde ein Traumelf gewählt. Ihr gehörten Fabien Barthez, Manuel Amoros, Basile Boli, Carlos Mozer, Éric Di Meco, Joseph Bonnel, Didier Deschamps, Dragan Stojković, Chris Waddle, Jean-Pierre Papin und Josip Skoblar.

Bedeutende Trainer

Unter allen Übungsleitern, die der Verein seit Peter Farmer (1923–1924) beschäftigt hat, waren die folgend Genannten diejenigen, die am häufigsten bei nationalen und internationalen Pflichtspielen als Verantwortliche für OMs erste Mannschaft auf der Trainerbank saßen:[16]

Trainer Zeitraum
von … bis …
Anzahl
Spiele
1 Mario Zatelli 1968–1973(a) 197
2 Gérard Gili 1988–1997(a) 190
3 Jules Zvunka 1974–1980(a) 165
Didier Deschamps 2009–2012 165
5 Henri Roessler 1950–1954 152
Trainer Zeitraum
von … bis …
Anzahl
Spiele
6 József Eisenhoffer 1935–1941(a) 142
Jean Robin 1956–1980(a) 142
8 Roland Gransart 1981–1984 137
9 Rolland Courbis 1997–1999 111
10 Lucien Troupel 1959–1962 105
Stand: Juli 2012
(a) im angegebenen Zeitraum nicht ununterbrochen Cheftrainer

StadionBearbeiten

Olympique Marseille trägt seine Heimspiele im Stade Vélodrome (seit 2016 durch Sponsoringvertrag offiziell Orange Vélodrome) aus, das trotz des Namens seit 1998 keine Radrennbahn mehr enthält. Diese namensgebende Bahn wurde anlässlich der Renovierungen zur Fußball-Weltmeisterschaft in Frankreich aus der Anlage entfernt. Das Stade Vélodrome wurde für die Fußball-Europameisterschaft 2016 umgebaut und erweitert. Dabei erhielten unter anderem die Zuschauerränge eine Komplettüberdachung. In der Saison 2013/14 waren 48.000 Plätze für die Fans verfügbar. Die Heimat von OM besitzt nach den Arbeiten rund 68.000 Zuschauerplätze. Es ist das größte für Vereinsspiele genutzte Stadion des Landes. Größer ist nur das Stade de France in Paris, das als Nationalstadion (also für Länderspiele und Pokalendspiele) dient, ohne einen Heimverein zu haben.

FrauenfußballBearbeiten

Olympique besaß bereits seit den 1970er Jahren eine Frauenfußballabteilung, deren erste Elf 1979 und 1980 als Gruppenzweiter sogar nur relativ knapp am Einzug in das Endspiel um den Landesmeistertitel gescheitert war. Diese löste der Verein allerdings 1985 auf.[17]

2011 richtete OM eine solche Abteilung wieder ein.[18] Anders als die südfranzösischen Konkurrenten aus Lyon, Montpellier oder Toulouse nutzte OM jedoch nicht die Möglichkeit, durch Inkorporation eines bereits existierenden Frauenvereins auf einen vorhandenen Kreis von erfahrenen Spielerinnen und bestehende Strukturen zurückzugreifen und – in diesem Falle stand FAMF, der Nachfolger von Celtic Marseille, zur Debatte – gleich in der dritthöchsten Liga zu beginnen. Vielmehr hat der Verein in einem mehrstufigen Sichtungsverfahren eine Gruppe sehr junger Frauen rekrutiert, die in der untersten regionalen Spielklasse begann, und baute zudem einen Jugendbereich auf.[19] 2014 sind Olympiques Frauen in die zweite Division aufgestiegen, in der sie 2016 die Meisterschaft der Südgruppe errangen. Deshalb sind Olympiques Frauen in der Saison 2016/17 erstmals in der Division 1 Féminine angetreten und haben sich dort zwei Jahre gehalten.

AnhängerBearbeiten

 
Choreographie des CU 84 vor einem Spiel gegen den Erzrivalen PSG

Olympique Marseille ist einer der populärsten Fußballvereine Frankreichs und verfügt über eine landesweite Gefolgschaft. Seine älteste Ultra-Gruppierung ist das 1984 gegründete Commando Ultra, das zusammen mit den 1987 entstandenen South Winners die Südkurve (Virage Sud) des heimischen Stade Vélodrome bevölkert. Die Nordkurve (Virage Nord) teilen sich die Dodgers Marseille (gegründet 1992), MTP Marseille Trop Puissant (1994), Fanatics (1988) und Yankee Nord Marseille (1987).[20]

Eine langjährige und intensive Freundschaft (in erster Linie des Commando Ultra 84) besteht mit den Fans von AEK Athen (in erster Linie mit deren ältester Ultra-Gruppierung Original 21). Die Freundschaft entstand anlässlich ihres Aufeinandertreffens im Achtelfinale des Europapokals der Landesmeister 1989/90, wo Marseille sich mit 2:0 und 1:1 durchsetzen konnte.[21] Seither kommt es zu wechselseitigen Unterstützungen, wenn OM in Griechenland oder AEK in Frankreich spielt.

RivalitätenBearbeiten

Eine junge, jedoch umso intensivere Rivalität liefern sich die Anhänger von OM und Paris Saint-Germain, bei der es jedoch nicht nur um sportlichen Erfolg geht, sondern auch um die beiden größten und einflussreichsten Städte Frankreichs mit den meisten Anhängern. Auch historische, kulturelle und soziale Aspekte spielen eine Rolle. Da es beim Derby de France regelmäßig zu teils schweren Ausschreitungen kommt, gelten Aufeinandertreffen der beiden Clubs als Risikospiel.

Mehr Tradition hat hingegen das Duell mit Saint-Étienne – da sich hier die größten und kreativsten Fangruppierungen des Landes begegnen, geht es hierbei jedoch vielmehr darum, wer sein Team lautstärker, farbenfroher und intensiver unterstützt. Auch die seit Beginn der 1950er regelmäßig ausgetragenen Spiele zwischen OM und OL sind weitestgehend frei von echten Auseinandersetzungen zwischen den Fangruppen. Bei diesem „Aufeinanderprallen der Olympiques“ (choc des Olympiques) beziehungsweise L’Olympico – wie auch schon Le Classique eine PR-dienliche Neuschöpfung des Bezahl-TV-Senders Canal+ – beschränkt sich die Rivalität auf die Frage der fußballerischen Dominanz zweier gleichnamiger Klubs aus dem Südosten des Landes.[22]

LiteraturBearbeiten

  • Thierry Berthou/Collectif: Dictionnaire historique des clubs de football français. Pages de Foot, Créteil 1999 – Band 1 (A–Mo) ISBN 2-913146-01-5, Band 2 (Mu–W) ISBN 2-913146-02-3.
  • Jean Cornu: Les grandes équipes françaises de football. Famot, Genève 1978.
  • France Football: Olympique de Marseille. Spécial – Clubs de légende, 2008.
  • Alain Pécheral: La grande histoire de l’OM. Des origines à nos jours. Éd. Prolongations, o. O. 2007 ISBN 978-2-916400-07-5.

WeblinksBearbeiten

Commons: Olympique Marseille – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege und AnmerkungenBearbeiten

  1. Nach Posse um Villas-Boas: Sampaoli neuer Trainer von Olympique Marseille – Vertrag bis 2023. In: sportbuzzer.de. RND, 26. Februar 2021, abgerufen am 27. Februar 2021.
  2. L’Équipe: Comment l'OM se remet des affaires
  3. UPI: A local tribunal has declared bankrupt the prestigious Olympic...
  4. 11 Freunde: Der große Diktator
  5. Siehe beispielsweise diese (Bild-)Quelle (Memento vom 5. Dezember 2011 im Internet Archive), in der die Opfer namentlich genannt werden, und den Artikel „20 ans de Furiani: le football français se recueille“ (Memento vom 29. Juli 2012 im Internet Archive) bei foot.hebdo vom 10. Mai 2012; dagegen nennen L’Équipe/Ejnès, S. 408/409, die Zahl von 17 Todesopfern.
  6. Marseille relegated. In: independent.co.uk. Independent, 22. April 1994, abgerufen am 22. November 2022 (englisch).
  7. France Football vom 6. März 2007, S. 11 ff.
  8. Artikel „Les dossiers noirs du foot français“ in France Football vom 7. Januar 2014, S. 21.
  9. Olympique Marseille hat einen neuen Besitzer. In: rp-online.de. 17. Oktober 2016, abgerufen am 3. Februar 2021.
  10. Rudi Garcia nommé entraîneur de l’Olympique de Marseille (Memento vom 21. Oktober 2016 im Internet Archive) (französisch)
  11. Andoni Zubizarreta nommé directeur sportif de l’OM (Memento vom 5. September 2018 im Internet Archive) (französisch)
  12. FAZ: ÄRGER BEI OLYMPIQUE MARSEILLE: „Lebensbedrohlich“: Spielabsage nach Fan-Protesten
  13. Laola1: Ligue 1: Jorge Sampaoli neuer Trainer von Olympique Marseille Sampaoli folgt Villas-Boas bei Marseille nach
  14. Olympique Marseille - Kader im Detail 22/23 (Detailansicht). Abgerufen am 19. September 2022.
  15. Équipes - OM. Abgerufen am 2. September 2022 (französisch).
  16. France Football vom 10. Januar 2012, S. 7, fortgeschrieben
  17. Statistiques de l’équipe féminine de l’OM
  18. La création d’une section féminine est envisagée
  19. France Football vom 21. Juni 2011, S. 14/15
  20. Südkurvenbladdl: Ultras in Frankreich (Artikel vom 28. Februar 2014)
  21. Philippe Auclair (The Guardian): Only in Marseille: where ultras rule and temptation is never far away (englisch; Artikel vom 6. Januar 2015)
  22. Artikel „Clasico, Olympico und Celtico“ vom 14. Dezember 2010 bei sofoot.com