Streitkräfte Somalias

Die Streitkräfte Somalias (Somali: Xoogga Dalka Soomaaliyeed) befinden sich nach dem Staatszerfall Somalias um das Jahr 1991 seit 2012 im Wiederaufbau. Derzeitiger Oberbefehlshaber der Streitkräfte Somalias ist Präsident Mohamed Abdullahi Mohamed. Armeechef ist seit dem 27. August 2019 General Odowaa Yusuf Rageh.[6]

Somalia Somalische Streitkräfte
Xoogga Dalka Soomaaliyeed
القوات المسلحة الصومالية
Emblem der Streitkräfte Somalias
Führung
Oberbefehlshaber: Präsident Mohamed Abdullahi Mohamed
Verteidigungsminister: Hassan Hussein Haji[1]
Militärischer Befehlshaber: General Odowaa Yusuf Rageh[2]
Sitz des Hauptquartiers: Mogadischu
Militärische Stärke
Aktive Soldaten: 35.000[3]
Wehrpflicht:
Wehrtauglichkeitsalter: ab dem 18. Lebensjahr[4]
Haushalt
Militärbudget: 98 Mio. US-$ (2020)[5]
Geschichte
Gründung: 1960

GeschichteBearbeiten

Streitkräfte Somalias ab der Gründung 1960Bearbeiten

Die Streitkräfte Somalias wurden im Jahr 1960 gegründet. Kerntruppe bei der Gründung der somalischen Streitkräfte waren die Somaliland Scouts der British Army. Somalia war aufgrund seiner Gebietsansprüche gegenüber den Nachbarländern seit seiner Unabhängigkeit in der Region isoliert. 1963–1967 waren im Nordosten Kenias im „Shifta-Krieg“ Rebellen aktiv, die von Somalia unterstützt wurden, und von Februar bis April 1964 führten Somalia und Äthiopien einen kurzen Grenzkrieg. Im selben Jahr schlossen Äthiopien und Kenia ein Verteidigungsabkommen gegen Somalia.[7] Am 21. Oktober 1969 übernahmen prosowjetische Militärs unter Siad Barre die Macht. Barre baute die Armee mit sowjetischer Unterstützung zu einer der stärksten des Kontinents aus und führte 1976/77–1978 einen neuen Krieg um Ogaden gegen Äthiopien, den Somalia verlor. Hierbei wurde das kommunistische Derg-Regime Äthiopiens von der Sowjetunion und Barre – nachdem er wegen deren Unterstützung für Äthiopien mit der Sowjetunion gebrochen hatte – von den USA unterstützt. Folgen des Ogadenkrieges waren Tausende Tote, hohe Kosten für Somalia sowie der Zustrom von über 650.000 Flüchtlingen.[8] Im Inneren regierte Siad Barre zunehmend diktatorisch. 1978 versuchten einige Armeeoffiziere, hauptsächlich Majerteen-Darod, einen Umsturz gegen seine Regierung. Einer der Beteiligten an dem Umsturzversuch, Abdullahi Yusuf Ahmed, entkam nach Äthiopien und führte 1982 eine von Äthiopien unterstützte Militäroffensive der Somalischen Demokratischen Erlösungsfront (SSDF) in den Grenzregionen Mudug, Galguduud und Hiiraan. Die USA unterstützen die somalische Armee daraufhin mit erheblichen Waffenlieferungen, um die angebliche äthiopische Invasion abzuwehren. Der Hawiya-Clan im Süden, obwohl zunächst auf Seiten der Regierung, gründete den oppositionellen Vereinigten Somalischen Kongress (USC), der 1989 eine Rebellion anführte.

De-facto-Auflösung des Staates 1991Bearbeiten

Am 26. Januar 1991 wurde Barre abgesetzt und floh schließlich aus Somalia. Im weiteren Verlauf des Somalischen Bürgerkriegs versuchten Mohammed Farah Aidid und Ali Mahdi Mohammed vom USC die Macht für sich allein zu beanspruchen. Die anderen Oppositionsgruppen erkannten die vom USC gebildete provisorische Regierung nicht an. Der Norden des Landes erklärte unter der Führung der SNM als Somaliland einseitig seine Unabhängigkeit, die international nicht anerkannt wurde. Hier wurden die Streitkräfte von Somaliland gegründet.[9]

Der USC selbst spaltete sich zwischen den Unterclans der Abgal- und Habre Gedir-Hawiye, nachdem sich Ali Mahdi Mohammed (Abgal) ohne Einverständnis Aidids (Habre Gedir) zum Präsidenten ausgerufen hatte. Siad Barres Verteidigungsminister und Schwiegersohn Siad Hersi „Morgan“ kämpfte derweil im Süden weiter auf der Seite Barres. Somalia zerfiel in umkämpfte Machtbereiche von Clans und Kriegsherren und deren Milizen. Auch ausländische Interventionen konnten nicht zu einer Klärung der Machtverhältnisse beitragen. 2000 wurde nach Friedensverhandlungen in Arta, Dschibuti eine Übergangsregierung aus Vertretern verschiedener Clans gebildet. Am 24. Dezember 2006 kam es zum Eingreifen Äthiopiens in den Bürgerkrieg. Die militante Untergrundorganisation al-Shabaab und andere Gruppierungen brachten im Laufe des Jahres 2008 weite Teile Süd- und Zentralsomalias unter ihre Kontrolle. Die Übergangsregierung kontrollierte nur mehr einige Teile von Mogadischu und die Stadt Baidoa. Ende 2008 trat Präsident Abdullahi Yusuf Ahmed zurück, nachdem er für seine geringen Erfolge kritisiert worden war und sich mit Ministerpräsident Nur Hassan Hussein überworfen hatte. Teile der Allianz für die Wiederbefreiung Somalias führten Verhandlungen mit der Übergangsregierung über eine Machtteilung und den Abzug der äthiopischen Truppen. Durch diese Verhandlungen wurde der Abzug der äthiopischen Truppen im Januar 2009 erreicht. Der Allianz-Vertreter Sharif Sheikh Ahmed wurde zum neuen Präsidenten gewählt. 2011 rückten die Kenya Defence Forces mit rund 2.400 Soldaten marschierten in der Operation Linda Nchi (deutsch: Verteidigt die Nation) in Somalia ein, um al-Shabaab zu bekämpfen.

Bundesrepublik ab 2012Bearbeiten

Am 1. August 2012 nahm das Parlament Somalias eine neue Verfassung an. Mit ihr wurde die Übergangsregierung Somalias abgelöst und erstmals wieder eine zumindest formell-normalisierte Staatsordnung hergestellt. Somalia wurde in eine Bundesrepublik umgewandelt. Die De-facto-Regime in Somaliland und Puntland erkennen die Regierung in Mogadischu jedoch weiter nicht an.

Die Wiedererrichtung der Streitkräfte Somalias ist seit 2012 mit Unterstützung zahlreicher ausländischer Mächte in Gang. Der aktuelle Armeechef Brigadegeneral Ahmed Mohamed Jimale ist seit 5. April 2017 in Dienst.

Aktuelle AusrüstungBearbeiten

Die aktuelle Ausrüstung der Streitkräfte Somalias ist eine Mischung aus Material der früheren somalischen Armee und Spenden der letzten Jahre. Die Quellenlage zur Ausrüstung ist unübersichtlich.

LandstreitkräfteBearbeiten

Waffe Herkunft Typ Anmerkungen
T-54 Sowjetunion  Sowjetunion Kampfpanzer Unbekannte Anzahl in Dienst (auch T55).[10]
Fiat 6616 Italien  Italien Mannschaftstransportwagen Unbekannte Anzahl in Dienst.[10]
Saxon Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich Mannschaftstransportwagen Spende aus Dschibuti, derzeit 25 in Dienst.[10]
Iveco VM 90[10] Italien  Italien Mannschaftstransportwagen Spende aus Italien 2015.
Casspir Sudafrika  Südafrika Mannschaftstransportwagen 9 in Dienst.[10]
RG-31 Nyala Sudafrika  Südafrika Radpanzer Unbekannte Anzahl in Dienst.[10]
BM-21 Sowjetunion  Sowjetunion Raketenwerfer Unbekannte Anzahl in Dienst.[10]
SU-23-2[10] Sowjetunion  Sowjetunion Flugabwehrkanone
M79[11] Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten Granatwerfer
RPG-2[11] Sowjetunion  Sowjetunion Granatwerfer
RPG-7[11] Sowjetunion  Sowjetunion Granatwerfer
Sterling-Maschinenpistole[11] Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich Maschinenpistole
AK-47[11] Sowjetunion  Sowjetunion Sturmgewehr Standardgewehr neben anderen AK-47 Varianten.
AKM[11][12] Sowjetunion  Sowjetunion Sturmgewehr
M16[11] Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten Sturmgewehr
Heckler & Koch G3[11] Deutschland  Deutschland Sturmgewehr
FN FAL[11] Belgien  Belgien Sturmgewehr
M14[11] Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten Selbstladegewehr
RPD[11] Sowjetunion  Sowjetunion Maschinengewehr
RPDk[11] Sowjetunion  Sowjetunion Maschinengewehr
AA-52[11] Frankreich  Frankreich Maschinengewehr
FN MAG[11] Belgien  Belgien Maschinengewehr
DShK[11] Sowjetunion  Sowjetunion Schweres Maschinengewehr
Browning M2[11] Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten Schweres Maschinengewehr
Tokarew TT-33[11] Sowjetunion  Sowjetunion Pistole

Waffenspenden seit 2012Bearbeiten

Nach dem Eingreifen der Afrikanischen Union und der Zurückeroberung Mogadischus 2011 und den Übergang zu einer somalischen zentralen Regierung bekundeten mehrere westliche Staaten und Dschibuti die Absicht, durch Waffenspenden die somalische Armee mit modernerer Ausrüstung auszustatten.

Im März 2012 spendete die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika der somalischen Armee 33 Fahrzeuge, darunter vier Hilux-Pick-ups, sechs Land-Rover-Pick-ups und verschiedene Wassertankfahrzeuge.[13]

2014 wurden zudem 15 weitere Fahrzeuge an die somalischen Streitkräfte übergeben.[14]

Dreizehn gepanzerte Mannschaftstransportfahrzeuge ACMAT Bastion wurden im Jahr 2016 an das somalische Militär geliefert.[15]

Luftwaffe und MarineBearbeiten

Luftwaffe und Marine sollen wiedererrichtet werden. Aktuell verfügen sie abgesehen von einigen kleinen Transportflugzeugen und Patrouillenbooten über keine nennenswerte Ausrüstung.

Die Luftwaffe ist derzeit nicht einsatzbereit und verfügt über keine Flugzeuge. Es besteht aus etwa 170 Soldaten (40–50 Offiziere vom zweiten Leutnant bis zum Oberst und 120–130 Unteroffizieren und Fliegern). Die Türkei bietet eine Ausbildung in Wohnungen für eine Gruppe junger somalischer Luftwaffenangehörige an und beabsichtigt, die Entwicklung einer Luftfahrtkapazität zu unterstützen. Die potenziellen kumulativen Kosten für die erneute Entwicklung eines somalischen Luftarms über einen Wert von über 10 Jahren würden 50 Millionen Dollar betragen.[16]

Der Wiederaufbau der Somalischen Marine begann 2012. Am 30. Januar 2012 wurde von den Vereinigten Arabischen Emiraten eine Geldspende in Höhe von einer Million Dollar zum Wiederaufbau einer Somalischen Marine gegeben. Diese Investitionen sollen unter anderem ein zentrales Generalkommando beinhalten.

Am 23. Januar 2020 wurden von der türkischen Marine der Somalischen Marine 7 Patrouillenboote an die somalische Marine übergeben.[17]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. African Union and Somalia sign agreement on Mission assistance beyond 2021. Africanews, 24. August 2021, abgerufen am 7. November 2021 (englisch).
  2. US to review support for Danab following clashes with Sufi militia in Somalia. Garowe Online, 27. Oktober 2021, abgerufen am 7. November 2021.
  3. International Institute for Strategic Studies (Hrsg.): The Military Balance 2021. 121. Auflage. Taylor & Francis, 2021, ISBN 978-1-03-201227-8, S. 488.
  4. The World Factbook–Somalia. Central Intelligence Agency, abgerufen am 7. November 2021 (englisch).
  5. Military expenditure by country, in constant (2019) US$ m., 1988–2020. (PDF) Stockholm International Peace Research Institute, abgerufen am 7. November 2021.
  6. Somalia: New Somali Army Chief Takes Office. AllAfrica.com, 27. August 2019, abgerufen am 7. November 2021 (englisch).
  7. Countrystudies.us: Somalia – Pan-Somalism
  8. Zahl von Countrystudies.us: Somalia – Foreign Relations
  9. somaliareport.com: Somalilands military is a shadow of the past (Memento vom 20. Januar 2013 im Internet Archive)
  10. a b c d e f g h International Institute for Strategic Studies: The Military Balance 2017
  11. a b c d e f g h i j k l m n o p q Richard D. Jones: Jane’s Infantry Weapons 2009/2010. Jane’s Information Group; 35 edition (January 27, 2009). ISBN 978-0-7106-2869-5
  12. africanews.com: Several soldiers killed in al-Shabaab-attack on somali army-base
  13. AMISOM hands over military vehicles to the Somali National Army. African Union Mission In Somalia, 12. August 2012, abgerufen am 23. Mai 2020.
  14. U.S. eases arms restrictions for Somalia. 9. April 2013, abgerufen am 23. Mai 2020 (englisch).
  15. Guy Martin: United States ordered Acmat Bastion APCs for African partners. In: defenceWeb. 13. Oktober 2015, abgerufen am 18. Oktober 2022 (en-ZA).
  16. Max Mustermann: Somalische Verteidigung. In: Behörde. Weltbank, 1. Oktober 2020, abgerufen am 18. Oktober 2020 (englisch).
  17. Unbekannt: Somalische Marine Übergabe von Booten. In: YouTube. Somalische Marine, 23. Januar 2020, abgerufen am 21. Juli 2020 (Somali).

WeblinksBearbeiten

Commons: Streitkräfte Somalias – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien