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Waleri Wassiljewitsch Gerassimow

russischer General
Waleri Gerassimow (2015)

Waleri Wassiljewitsch Gerassimow (russisch Валерий Васильевич Герасимов; * 8. September 1955 in Kasan) ist ein russischer General. Seit November 2012 ist er Generalstabschef der russischen Streitkräfte.

Inhaltsverzeichnis

BiografieBearbeiten

Gerassimow studierte von 1971 bis 1973 an der Suworow-Militärschule in Kasan und bis 1977 an der höheren Militärakademie der Panzertruppen in Kasan. Er diente dann in der Sowjetarmee und war von 1984 bis 1987 an der Malinowski-Militärakademie der Panzertruppen sowie 1995 bis 1997 an der Militärakademie des Generalstabes. Er diente u. a. bis 1984 als Stabschef und Kommandeur eines Bataillons, war von 1993 bis 1995 Kommandeur einer motorisierten Schützendivision in der Nordwest-Gruppe der Streitkräfte (Краснознамённая Северо-Западная группа войск), 1997/1998 stellvertretender Befehlshaber der 1. Gardepanzerarmee im Moskauer Militärbezirk, 1998 bis 2003 Generalstabschef bzw. Kommandeur der 58. Armee im Nordkaukasus, dann bis 2005 Generalstabschef des fernöstlichen Militärbezirks, bis 2006 Leiter der Hauptverwaltung für den Einsatz der Streitkräfte, bis 2007 Stabschef für den Nordkaukasus, bis 2009 Kommandeur des Leningrader Militärbezirks und bis 2010 des Moskauer Militärbezirks. 2010 wurde er stellvertretender Chef des Generalstabs der Streitkräfte.

Am 10. November 2012 wurde er als Nachfolger von Nikolai Makarow Generalstabschef der russischen Streitkräfte.[1] 2013 erfolgte seine Beförderung zum Armeegeneral.

Im April 2014 wurde Gerassimow infolge der Krise in der Ukraine 2014 auf eine Sanktionsliste der Europäischen Union gesetzt.[2][3]

Gerassimow ist verheiratet und hat einen Sohn.

Gerassimow-DoktrinBearbeiten

Ende Januar 2013 hielt Gerassimow seine erste programmatische öffentliche Rede. Er sprach (anders als angekündigt) über eine neue Form der Kriegsführung. Die Regeln des Krieges hätten sich verändert. Politische Ziele seien nicht mehr allein mit konventioneller Feuerkraft zu erreichen, sondern durch den „breit gestreuten Einsatz von Desinformationen, von politischen, ökonomischen, humanitären und anderen nichtmilitärischen Maßnahmen, die in Verbindung mit dem Protestpotential der Bevölkerung zum Einsatz kommen“. Er plädierte dafür, Russland solle sich Methoden von Guerillakämpfern aneignen. Militärische Maßnahmen müssten einen „verdeckten Charakter“ haben. Diese Rede wurde im Westen erst rezipiert, nachdem unabhängige Fachleute und Nato-Auswerter deutlich machten, dass Russland den Krieg in der Ukraine gemäß diesen Maßnahmen und Taktiken führt.[4] Die dargelegte Sichtweise wird als Gerassimow-Doktrin (engl.: Gerasimov doctrine) bezeichnet.[5]

Der Schöpfer des Begriffs, der Historiker und Politikwissenschaftler Mark Galeotti relativierte den Begriff später und merkte an, dass eine Gerassimov-Doktrin nicht existiere. Gerassimow selbst beschreibe in seiner Rede vielmehr die westliche Handlungsweise in der Ukraine und Syrien aus russischer Sicht. Ebenso sei Gerassimow kein Militärtheoretiker und der Begriff stelle die tatsächlichen Entscheidungsprozesse der militärischen und politischen Elite Russlands falsch dar.[6]

Preise und Auszeichnungen (Auswahl)Bearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Valery Gerasimov – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Putin feuert nach Verteidigungsminister auch Generalstabschef (9. November 2012)
  2. Tagesschau.de: Wer ist auf der Liste der EU (Memento vom 24. April 2015 im Internet Archive)
  3. Durchführungsverordnung (EU) Nr. 433/2014 des Rates vom 28. April 2014, Amtsblatt der Europäischen Union L126/48.
  4. FAZ.net 7. September 2014: Putins Schlachtplan. - Die Invasion der Ukraine ist seit Anfang 2013 geplant worden. Russland wollte von Guerillakämpfern lernen, erprobte neue Formen der Kriegsführung. Und der Westen bekam davon nichts mit.
  5. Charles K. Bartles: Getting Gerasimov Right, in Military Review 2016, S. 30–38 (Digitalisat)
  6. Mark Galeotti: I’m Sorry for Creating the ‘Gerasimov Doctrine’ I was the first to write about Russia’s infamous high-tech military strategy. One small problem: it doesn't exist., Foreign Policy, 5. März 2018, abrufbar als html; zuletzt abgerufen am 18. April 2018