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Mariupol
Маріуполь
Wappen von Mariupol
Mariupol (Ukraine)
Mariupol
Mariupol
Basisdaten
Oblast: Oblast Donezk
Rajon: Kreisfreie Stadt
Höhe: 22 m
Fläche: 203,96 km²
Einwohner: 444.493 (2018)
Bevölkerungsdichte: 2.179 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 87500
Vorwahl: +380 629
Geographische Lage: 47° 6′ N, 37° 33′ OKoordinaten: 47° 6′ 0″ N, 37° 33′ 0″ O
KOATUU: 1412300000
Verwaltungsgliederung: vier Stadtrajone, drei Siedlungen städtischen Typs, ein Dorf, eine Siedlung
Bürgermeister: Wadym Boitschenko
Adresse: пр. Леніна 70
87500 м. Маріуполь
Website: www.marsovet.org.ua
Statistische Informationen
Mariupol (Oblast Donezk)
Mariupol
Mariupol
i1

Mariupol (ukrainisch Маріуполь; russisch Мариуполь) ist eine Stadt in der Oblast Donezk in der Ukraine mit rund 440.000 Einwohnern (Stand 2018).[1] Die Stadt war historisch eines der wichtigsten Zentren der Griechen in der Ukraine, die bis heute eine wichtige Minderheit in der Stadt sind. Mariupol befindet sich am Ufer des Asowschen Meeres an der Mündung des Kalmius und ist eine bedeutende Hafen- sowie Universitätsstadt und Wirtschaftszentrum. Rund 9 km westlich der Stadt befindet sich ein ziviler Flughafen mit einer Start- und Landebahn von 2570 m.

Administrative GliederungBearbeiten

 
Karte mit der administrativen Unterteilung Mariupols
 
Stadtverwaltung Mariupol

Mariupol gliedert sich in die vier Stadtrajone Rajon Zentral (bis zum 28. Januar 2016 Rajon Schowtnewe),[2] Rajon Kalmius, Rajon Liwobereschna und Rajon Prymorske, wobei der Rajon Kalmius noch in die drei Siedlungen städtischen Typs Sartana, Staryj Krym und Talakiwka, das Dorf Hnutowe (Гнутове) und die Siedlung Lomakyne (Ломакине) unterteilt wird.

Ende 2014 kamen noch Teile des durch den Ukrainekrieg besetzten Rajons Nowoasowsk hinzu. Dies sind die Dörfer Prymorske, Wynohradne und Pionerske,[3] die Fläche des Stadtgebiets beträgt somit 2015 203,96 Quadratkilometer.[4]

GeschichteBearbeiten

 
Innenstadt

Die Stadt wurde 1789 gegründet und war lange ein Zentrum pontos-griechischer Kultur, bis Ende des 19. Jahrhunderts war die Mehrheit der Stadtbevölkerung griechischer Herkunft. Auch der heutige Name der Stadt ist griechischen Ursprungs (griechisch Μαριούπολη/Mariúpoli; „Stadt Marias“). Die Stadt ist außerdem Heimat des berühmten Malers Archip Kuindschi. Im 19. Jahrhundert war die Stadt das administrative Zentrum des Ujesd Mariupol im Gouvernement Jekaterinoslaw. Die 1933 eröffnete Straßenbahn Mariupol fährt bis heute.

Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 war die Stadt zwischen dem 8. Oktober 1941 und dem 10. September 1943 von Truppen der Wehrmacht besetzt. Die Stadt erlitt schwere Zerstörungen, ein großer Teil der jüdischen Gemeinde der Stadt, 1926 noch etwa 11 % der Bevölkerung, fiel dem Holocaust zum Opfer. Zu Beginn der Besatzung zählte man etwa 241.000 Einwohner, Ende 1943 lebten nur noch 85.000 Menschen in der Stadt. Viele Mariupoler wurden 1942 zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt und kehrten erst 1945 zurück. Ab 1942 war Mariupol ein Hauptoperationsgebiet sowjetischer Partisanen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte ein rascher Wiederaufbau, bereits wenige Jahre nach dem Krieg erreichte die Einwohnerzahl Mariupols den Vorkriegswert und stieg bis 1989 auf weit über eine halbe Million Menschen an. Zahlreiche Industriebetriebe wurden in der Stadt angesiedelt, die Hafenanlagen ausgebaut. Zwischen 1948 und 1989 hieß die Geburtsstadt des sowjetischen Funktionärs Andrei Schdanow ihm zu Ehren Schdanow (russisch Жданов).

 
Dramatheater
 
Der Metallurge – Symbol der Stadt

Seit 1991 gehört die Stadt zur unabhängigen Ukraine. Seitdem hat Mariupol, wie zahlreiche andere Städte der Ukraine und anderer postsowjetischer Staaten, mit einem Strukturwandel und damit verbundenen Problemen, insbesondere Einwohnerrückgang, zu kämpfen.

Im März 2014 forderte eine prorussische Demonstration eine Sitzung des Stadtrates, bei der über ein Referendum nach dem Vorbild der Krim beraten werden sollte.[5] Von Mai bis Juni 2014 fand zwischen ukrainischem Militär und Volksmilizen der Kampf um Mariupol statt. Mit entscheidend war der Wechsel der Seite der lokalen Oligarchen, "erschreckt von der Rechtlosigkeit".[6] Nach Meinung von Aktivisten unterschieden durch den Konflikt die Menschen in Mariupol nun zwischen der ungeliebten Staatsmacht in Kiew und Heimat: „Politiker könne man abwählen, ohne das Land zu wechseln.“[6] Am 24. Januar 2015 eröffneten prorussische Rebellen mit einem Raketenangriff eine Offensive, die nach ukrainischen Behördenangaben mindestens 30 Todesopfer und 97 Verletzte forderte.[7] Als Reaktion darauf wurde maßgeblich durch das Regiment Asow eine Gegenoffensive gestartet, wo durch Einnahme der entsprechenden taktischen Positionen in der Ortschaft Schyrokyne und den Raum nordöstlich Mariupols weitere Angriffe gegen zivile Ziele verhindert oder zumindest erschwert werden sollten. Dieses taktische Ziel wurde durch die Einnahme der Ortschaft erreicht.[8]

WirtschaftBearbeiten

 
Industrie-Hafen von Mariupol
 
Ortseingang von Mariupol

Mariupol ist ein bedeutendes Industriezentrum und internationaler Seehafen am Asowschen Meer; die Stadt gehört zu den wichtigsten Wirtschaftszentren der Ukraine. Die hier angesiedelten Metallurgiekombinate (u. a. Asowstal und Illich Iron & Steel Works) tragen einen wichtigen Teil zu den Exportgütern des Landes bei. Zu den großen Arbeitgebern zählt ferner das Maschinenbauunternehmen Asowmasch. Von Bedeutung ist außerdem der Handelshafen. Im kleineren Rahmen gibt es hier auch eine Solarindustrie.

Die Schifffahrt nahm massiven Schaden durch wirtschaftliche Umwälzungen durch den nahen Krieg im Donbass und die Eröffnung der Krim-Brücke und russische Schikanen mit langen Wartezeiten in Kertsch; in Hafen von Mariupol halbierte sich der Umsatz von 2013 bis 2018 und geplante Ausbauten wurden obsolet, gemäß dem Direktor des Hafens von Mariupol waren diese wirtschaftlichen Auswirkungen von Russland beabsichtigt. Die Stahlwerke konnten zudem außer Spezialanfertigungen kaum mehr Güter wie Eisenbahnschienen nach Russland liefern und hatten seit dem Beginn des Krieges 40 Prozent der Kapazität abgebaut.[6]

BildungBearbeiten

Es gibt in der Stadt eine Technische Universität[9] und die Staatliche Universität Mariupol. Daneben existieren eine Humanitäre Hochschule sowie mehrere Berufsschulen.

KulturBearbeiten

 
Orthodoxe Kirche
 
Moschee Mariupol

Die Stadt beherbergt mehrere Musikschulen, ein Heimatkundemuseum, eine Kuindschi-Ausstellung und ein Russisches Stadttheater. Neben zahlreichen orthodoxen Kirchen findet sich in der Stadt auch eine im Jahr 2007 eröffnete Moschee.

SportBearbeiten

Mariupol ist Sitz des ukrainischen Zweitligisten FK Mariupol, der seine Heimspiele im Wolodymyr-Bojko-Stadion austrägt. Auch der erfolgreiche Basketballclub BK Asowmasch Mariupol ist in der Stadt beheimatet.

BevölkerungBearbeiten

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

1979 1989 2001 2005 2015
502.581 518.933 492.176 482.440 455.063

Quelle:[1]

BevölkerungszusammensetzungBearbeiten

Im Jahr 2002[10] setzte sich die Bevölkerung wie folgt zusammen:

  • Ukrainer 248.683 (48,7 %)
  • Russen 226.848 (44,4 %)
  • Griechen 21.923 (4,3 %)
  • Weißrussen 3.858 (0,8 %)
  • Armenier 1.205 (0,2 %)
  • Juden 1.176 (0,2 %)
  • Bulgaren 1.082 (0,2 %)
  • andere: 6.060 (1,2 %)

Beim Zensus 1882 (14.980 Einwohner) war die Bevölkerungsverteilung noch wie folgt:

  • Griechen (60 %)
  • Juden (28 %)
  • Russen (10 %)
  • Ukrainer (2 %)

SprachenBearbeiten

Fast 90 % der Bewohner Mariupols gaben 2001 Russisch als Muttersprache an, knapp 10 % haben Ukrainisch als Muttersprache. Alle weiteren Sprachen liegen unterhalb von 1 %.[11] Jiddisch war früher neben Russisch Hauptsprache von Mariupol. Heute wird es nur noch von einer kleinen Minderheit der Juden gesprochen. Viele Überlebende des Holocaust sind nach Israel oder in die USA ausgewandert. Griechisch wird ebenfalls kaum noch gesprochen. Historisch stellten die Griechen (siehe Griechische Minderheit in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion) einen hohen Bevölkerungsanteil in Mariupol, gingen mit der Zeit jedoch in der slawischen Bevölkerung auf. Zudem wanderten viele verbliebene Griechen nach dem Zerfall der Sowjetunion in den 1990er Jahren nach Griechenland aus.

Beim Zensus 1882 (14.980 Einwohner) war der Anteil der gesprochenen Sprachen:

  • Griechisch (52 %)
  • Russisch (35 %)
  • Jiddisch (12 %)
  • Ukrainisch (weniger als 1 %)

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

KonsulateBearbeiten

In Mariupol gibt es ein griechisches sowie ein zyprisches Generalkonsulat.

LiteraturBearbeiten

  • Grunau und die Mariupoler Kolonien. Reihe: Sammlung Georg Leibbrandt, 4. Bearbeiter Jacob Stach. Materialien zur Geschichte deutscher Siedlungen im Schwarzmeergebiet, 7. Hrsg. Emil Meynen. S. Hirzel, Leipzig o. J. (1942)[12]

VariaBearbeiten

In der 2017 veröffentlichten romanhaften Biographie Sie kam aus Mariupol von Natascha Wodin spielt die Stadt – wie es der Buchtitel vermuten lässt – eine wichtige Rolle.[13][14]

WeblinksBearbeiten

  Commons: Mariupol – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Bevölkerungszahlen auf pop-stat.mashke.org.
  2. http://marsovet.org.ua/news/show/id/11474
  3. Верховна Рада України; Постанова від 11.12.2014 № 32-VIII Про зміни в адміністративно-територіальному устрої Донецької області, зміну і встановлення меж міста Маріуполь, Волноваського, Новоазовського та Тельманівського районів Донецької області
  4. Верховна Рада України; Постанова від 20.05.2015 № 457-VIII Про внесення змін до Постанови Верховної Ради України від 11 грудня 2014 року № 32-VIII „Про зміни в адміністративно-територіальному устрої Донецької області, зміну і встановлення меж Волноваського, Новоазовського та Тельманівського районів Донецької області“
  5. Demonstranten in Mariupol drängten in den Stadtrat, Website der Stadt Mariupol am 18. März 2014.
  6. a b c Die ukrainischen Häfen im Asowschen Meer stecken im russischen Würgegriff fest, NZZ, 24. November 2018
  7. Prorussische Rebellen starten Offensive auf Mariupol, auf de.nachrichten.yahoo, abgerufen am 24. Januar 2015.
  8. „Azov Battalion spearheads Ukrainian counter-offensive“ Kyiv Post, abgerufen am 15. Juni 2015.
  9. Pryazovskyi State Technical University (PSTU).
  10. http://history.org.ua/LiberUA/NatsSklRMDonObl/NatsSklRMDonObl.pdf
  11. Die Angaben der Volkszählung vom 5. Dezember 2001 zu MARIUPOL sind unter dem Donetska Oblast geführt: Distribution of the population by native language, Donetska oblast auf der Website von gov.ua – Database Census – Main Regional Statistical Office. Die Statistik ist nicht direkt per Link abrufbar. Es müssen folgende Auswahlen auf dem angegebenen Link vorgenommen werden:
    • 1. Select region.
    Dazu 15-mal auf den Scroll-Streifen klicken bis Mariupol erscheint. Mariupol (miskrada) und m. Mariupol auswählen (Anmerkung: miskrada bedeutet city council, m. ist die Abkürzung für misto = city)
    • 2. Select Year
    2001 (05.12.)
    • 3. Select Indicated as a native language
    Gewünschte Sprachen auswählen, also russisch und ukrainisch
    • 4. Auf Continue klicken
    Es erscheint: Distribution of the population by native language (in % to the total population) by Region, Year and Indicated as a native language
    • Folgendes Ergebnis sollte erscheinen:
    • MARIUPOL (miskrada)
    • 2001(05.12)
    • 9,87 Ukrainian
    • 89,53 Russian
    • m. MARIUPOL
    • 2001(05.12)
    • 10,10 Ukrainian
    • 89,39 Russian.
  12. Diese Reihe diente im Sinn ihres Namensgebers dazu, fortdauernd deutsche Gebietsansprüche auf sowjetische Gebiete zu erheben.
  13. Angaben aus Verlagsmeldung
  14. Deutsche Nationalbibliothek