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Berliner Zeitung

deutsche Tageszeitung mit Sitz in Berlin
Dieser Artikel behandelt eine seit 1945 in Berlin erscheinende Tageszeitung. Zu weiteren gleichnamigen Publikationen siehe Berliner Zeitung (Begriffsklärung).

Die Berliner Zeitung (BLZ) ist eine 1945 gegründete Tageszeitung aus Berlin. Die Abonnementzeitung ist die erste deutsche Tageszeitung, die nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet wurde, und gehört seit 2009 zur Kölner Verlagsgruppe M. DuMont Schauberg. Sie ist mit einer verkauften Auflage von 98.482 Exemplaren[1] und täglich 325.000 Lesern[2] die reichweitenstärkste Abonnementzeitung der Region Berlin-Brandenburg und wird vor allem in den östlichen Bezirken der Bundeshauptstadt gelesen. Chefredakteur ist seit Oktober 2016 Jochen Arntz.[3]

Berliner Zeitung
Schriftzug
Beschreibung Berliner Tageszeitung
Verlag Berliner Verlag GmbH
Erstausgabe 21. Mai 1945
Erscheinungsweise täglich außer sonntags
Verkaufte Auflage
(IVW 2/2017, Mo–Sa)
98.482 Exemplare
Reichweite (MA 2016  ) 0,32 Mio. Leser
Chefredakteur Jochen Arntz
Herausgeber Berliner Verlag GmbH
Weblink berliner-zeitung.de
ISSN (Print) 0947-174X

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Gründung und DDR-ZeitBearbeiten

Die Berliner Zeitung ist die erste deutsche Tageszeitung, die nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet wurde. Sie erschien von 1945 bis 1990 nur in Ost-Berlin, seither im wiedervereinigten Berlin.

Die erste Ausgabe der Berliner Zeitung erschien am 21. Mai 1945 mit vier Seiten und der Schlagzeile Berlin lebt auf! zum Preis von 10 Pfennig. Anfangs trug sie den Untertitel „Organ des Kommandos der Roten Armee“. Erster Chefredakteur war der sowjetische Oberst Alexander Kirsanow. Die Redaktion setzte sich aus sowjetischen Offizieren, ehemaligen Widerstandskämpfern und Mitgliedern der KPD zusammen. Später kamen auch andere, Journalisten hinzu, die in den Augen der damaligen Machthaber politisch weitgehend „unbelastet“ erschienen. Gedruckt wurde die Zeitung zunächst in einer kleinen Druckerei in der Urbanstraße in Berlin-Kreuzberg.

Im Juli 1945 ging die Herausgeberschaft auf den Magistrat der Stadt Berlin über. Die Chefredaktion übernahm Rudolf Herrnstadt, ein früherer Mitarbeiter des Berliner Tageblatts und ehemaliger Agent des sowjetischen Auslandsgeheimdienstes GRU. Auch Fritz Erpenbeck war eine wichtige Persönlichkeit in der Gründungsphase. Beiden gelang es, für eine kurze Zeit auch Helmut Kindler für eine Mitarbeit zu gewinnen. Zunächst hatte die Redaktion ihren Sitz in einem verlassenen Haus in Berlin-Friedrichsfelde, zog aber später in das Haus Lindenstraße 41 in Berlin-Mitte um. Ab dem 2. August 1945 erhielt der Titel den Zusatz „Amtliches Organ des Magistrats von Berlin“.[4]

 
„Offene Antwort auf einen Leserbrief“ (1946)

Die antifaschistische, bald sozialistische Linie durchzog bereits die ersten Ausgaben, lange vor Gründung der SED und der DDR. So antwortete in einem Artikel vom 14. März 1946 ein Redaktionsmitglied „Th.“ auf eine Leserbriefschreiberin, die sich über die schlechte Versorgungslage in Berlin beklagte, sie möge, statt zu jammern, sich organisieren, zum Beispiel in einem „Frauenausschuß“ oder einer „antifaschistischen Partei“.

1953 wurde die Berliner Zeitung dem Zentralkomitee der SED unterstellt. Die Tageszeitung der DDR-Hauptstadt, mit einer Auflage von über 345.000 Exemplaren täglich, firmierte nicht als Organ der SED-Bezirksleitung (Berlin galt als Bezirk) wie die 14 anderen Bezirkszeitungen der DDR, sondern der Berliner Verlag trat als Herausgeber auf; die Berichterstattung war teilweise etwas offener und kritischer. Dennoch war die Berliner Zeitung in dieser Zeit dem SED-Pressemonopol zuzurechnen. Seit 1973 hat sie ihren Sitz im Haus des Berliner Verlages.

Seit der WendeBearbeiten

Schon vor der Wiedervereinigung 1990 gingen der Berliner Verlag und damit die Berliner Zeitung sowie die BZ am Abend von der PDS an ein Joint Venture von Maxwell Communications und Gruner + Jahr. 1992 übernahm der Verlag Gruner + Jahr die Berliner Zeitung und versuchte mit hohem finanziellen Aufwand, die größte Zeitung Ostberlins in eine „Hauptstadtzeitung“ umzuwandeln. Erich Böhme, prominenter Herausgeber von 1990 bis 1994, formulierte den Anspruch, die Berliner Zeitung zur „deutschen Washington Post“ zu machen. Dieser gilt in der Zeitungsbranche als bisher nicht erfüllt.

Nachdem Gruner + Jahr sich entschlossen hatte, aus dem Tageszeitungsgeschäft auszusteigen, übernahm die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck Mitte 2002 für geschätzte 200-250 Mio Euro den Berliner Verlag mit Berliner Zeitung, Berliner Kurier und Stadtblatt Tip. Im Dezember 2002 untersagte das Bundeskartellamt den Verkauf.[5] Die Verlagsgruppe Holtzbrinck versuchte daraufhin, die Fusion über eine Ministererlaubnis durchzusetzen. Als die Chancen dafür jedoch im Zuge des Verfahrens schwanden, kündigten die Stuttgarter an, zur Entkräftung des Vorwurfs der Marktkonzentration den ihnen gehörenden „Tagesspiegel“ an den ehemaligen Holtzbrinck-Manager Pierre Gerckens zu verkaufen. Das Bundeskartellamt genehmigt zwar zunächst den Verkauf des Tagesspiegels an Gerckens, prüfte aber die Übernahme der Berliner Zeitung durch Holtzbrinck weiterhin. Im Dezember 2003 erteilte das Bundeskartellamt der Holtzbrinck-Gruppe wegen des Kaufs der Berliner Zeitung eine Abmahnung, im Februar 2004 untersagt es die Übernahme der Berliner Zeitung durch die Holtzbrinck-Gruppe erneut. Der Erwerb des Berliner Verlags hätte nach Einschätzung der Wettbewerbshüter zur Entstehung einer marktbeherrschenden Stellung von Holtzbrinck auf dem Lesermarkt für regionale Abonnement-Tageszeitungen in Berlin und dem dortigen Lesermarkt für Stadtillustrierte geführt. Die Anteile am „Tagesspiegel“, die von Holtzbrinck an Ex-Manager Pierre Gerckens veräußert werden sollten, seien Holtzbrinck zuzurechnen.[6] Dagegen klagte das Unternehmen Holtzbrinck. Das Düsseldorfer Oberlandesgericht wies aber im Oktober 2004 die Beschwerde des Medienhauses gegen das Verbot des Bundeskartellamtes zurück. Die Position Gerckens sei die eines Treuhänders zu Gunsten von Holtzbrinck. [7][8]

Die Verlagsgruppe Holtzbrinck verkaufte daher im Herbst 2005 den Berliner Verlag für geschätzte 150 bis 180 Millionen Euro an die BV Deutsche Zeitungsholding. Die Übernahmepläne waren nach deren Bekanntgabe innerhalb des Verlages auf starke Kritik gestoßen, weil befürchtet wurde, dass zu hohe Renditeerwartungen des britischen Medienmanagers David Montgomery die journalistische Qualität der Zeitung beeinträchtigen könnten. Ebenfalls wurde kritisiert, dass Chefredakteur Josef Depenbrock gleichzeitig als Geschäftsführer fungierte. Mit dem Verkauf des Berliner Verlages war erstmals ein deutsches Zeitungshaus in den Besitz eines ausländischen Finanzinvestors gelangt.

Die Enttarnung von zwei Mitarbeitern der Berliner Zeitung als Stasi-IMs im März 2008 brachte das Blatt in die Schlagzeilen. In einem Artikel vom 1. April 2008 kündigte Chefredakteur Depenbrock, der um die Glaubwürdigkeit seines Blattes fürchtete, Aufklärung an. Man werde „jeden einzelnen Journalisten dieser Redaktion überprüfen und auch möglichst die Akten der Birthler-Behörde sichten“. Die Untersuchung sollte von Wissenschaftlern der Freien Universität Berlin und der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) durchgeführt werden, die das Projekt wenige Tage später jedoch ablehnten.

Am 13. Januar 2009 teilte der Kölner Verlag M. DuMont Schauberg mit, dass er die Aktivitäten der Mecom Group in Deutschland inklusive der Berliner Zeitung übernehmen werde.[9] Mecom erzielte nach eigenen Angaben für die gesamten Publikationen einen Verkaufspreis von 152 Millionen Euro.[10] Im März 2009 wurde der Verkauf durch die Zustimmung der Mecom-Gesellschafter rechtskräftig. Gleichzeitig wurde bekannt, dass die DuMont-Gruppe 35 Prozent der Holding, deren Teil die Berliner Zeitung ist (PMB, Presse- und Medienhaus Berlin, mit den Beteiligungen an der Berliner Zeitung, Berliner Kurier, Tip, Berliner Abendblatt, Hamburger Morgenpost und der Netzeitung) an den Kölner Heinen-Verlag (Helmut Heinen) weiterverkauft hat.

Seit April 2010 ist die Berliner Zeitung Teil der „DuMont-Redaktionsgemeinschaft“, der auch die Frankfurter Rundschau, der Kölner Stadt-Anzeiger und die Mitteldeutsche Zeitung angehörten.[11] DuMont Schauberg gab im April 2011 bekannt, dass ab Sommer 2011 die überregionalen Mantelteile der Frankfurter Rundschau ebenfalls in Berlin produziert werden, das Personal der Berliner Zeitung werde dazu um einige Journalisten aus Frankfurt ergänzt. Uwe Vorkötter wurde Chefredakteur beider Zeitungen.[12] Im Juni 2012 wurde bekannt, dass es ab Juli 2012 wieder zwei Chefredakteure geben wird, Nachfolger von Vorkötter wurde bei der Berliner Zeitung Brigitte Fehrle.[13] Im Mai 2016 teilte das Unternehmen mit, Fehrle werde das Unternehmen „auf eigenen Wunsch“ zum 30. September 2016 verlassen, „könnte dem Unternehmen aber weiterhin erhalten bleiben“, darüber sei noch nicht entschieden. Ihr Nachfolger werde Jochen Arntz.[14] In einer Pressemitteilung erläuterte das Unternehmen, die Mediengruppe Berliner Verlag verlasse den Alexanderplatz und starte „in neuen Strukturen“ von Januar 2017 an im Feratti-Neubau[15] in unmittelbarer Nähe des Spittelmarkts an der Alten Jakobstraße. Berlin sei „digital – die konsequente digitale Ausrichtung des Berliner Verlags ist deshalb in unserem Fokus“[16]

AuflageBearbeiten

Die Berliner Zeitung hat in den vergangenen Jahren erheblich an Auflage eingebüßt. Die verkaufte Auflage ist seit 1998 um 52,7 Prozent gesunken.[17] Sie beträgt gegenwärtig 98.482 Exemplare.[18] Das entspricht einem Rückgang von 109.537 Stück. Der Anteil der Abonnements an der verkauften Auflage liegt bei 68,9 Prozent.

Entwicklung der verkauften Auflage[19]

 


ChefredakteureBearbeiten

Mai–Juli 1945 Oberst Alexander Kirsanow
Juli 1945–Mai 1949 Rudolf Herrnstadt
Mai–Juli 1949 Gerhard Kegel
Juli–September 1949 Georg Stibi
1949–1955 Günter Kertzscher
1955–1957 Erich Henschke
1957–1961 Theo Grandy
1961–1965 Joachim Herrmann
1965–1972 Rolf Lehnert
1972–1989 Dieter Kerschek
1989–1996 Hans Eggert
1996–1998 Michael Maier
1999–2001 Martin E. Süskind
2002–2006 Uwe Vorkötter
2006–2009 Josef Depenbrock
2009–2012 Uwe Vorkötter
2012–2016 Brigitte Fehrle
seit 10/2016 Jochen Arntz

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  Commons: Berliner Zeitung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  1. laut IVW, zweites Quartal 2017, Mo–Sa (Details und Quartalsvergleich auf ivw.eu)
  2. Quelle: Media Analyse 2016, siehe: Berliner Zeitung: „In eigener Sache Hier hat die Berliner Zeitung die meisten Leser“, erschienen am 7. September 2016, abgerufen am 22. Juli 2017
  3. SPIEGEL ONLINE, Hamburg Germany: "Berliner Zeitung": Jochen Arntz wird neuer Chefredakteur - SPIEGEL ONLINE - Kultur. Abgerufen am 21. Februar 2017.
  4. Peter de Mendelsohn: Zeitungsstadt Berlin. Frankfurt/Main-Berlin-Wien 1982, S. 512 f.
  5. Matthias Kurp: Chronik des Berliner Zeitungs-Streits - Seit mehr als zwei Jahren Kampf um Berliner Zeitung und Tagesspiegel, in: Medienmärkte.de, online 27. Oktober 2004, Abruf 07. Juni 2017
  6. FAZ: Kartellamt untersagt Übernahme der „Berliner Zeitung“, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, online 4. Februar 2004, Abruf 07. Juni 2017
  7. OLG Düsseldorf: Beschluss vom 27. Oktober 2004, Az. VI-Kart 7/04 (V), in openJur 2011, 37138
  8. n-tv: Gericht stützt Kartellamt - Entscheid gegen Holtzbrinck, in: n-tv, online 27. Oktober 2004, Abruf 07. Juni 2017
  9. Pressemitteilung der M. DuMont Schauberg-Gruppe zum Kauf
  10. Pressemitteilung von Mecom zum Verkauf PDF
  11. Uwe Vorkötter: In eigener Sache. In: Berliner Zeitung, 26. April 2010.
  12. Verlag streicht Traditionsblatt zusammen In: Spiegel online, 1. April 2011
  13. Spiegel online: Brigitte Fehrle übernimmt „Berliner Zeitung“, 1. Juni 2012
  14. Marvin Schade: Wechsel in der Chefredaktion der Berliner Zeitung: Brigitte Fehrle geht, Jochen Arntz übernimmt, in: Meedia, online 19. Mai 2016
  15. Feratti-Haus der deluse architects, online-Darstellung der Witte Projektmanagement GmbH, Abruf 7. Juni 2017
  16. Berliner Verlag zieht in Feratti-Neubau und richtet sich neu aus, in: Pressemitteilung der DuMont Mediengruppe vom 19. Mai 2016, Abruf 07. Juni 2017
  17. laut IVW, (Details auf ivw.eu)
  18. laut IVW, zweites Quartal 2017, Mo–Sa (Details und Quartalsvergleich auf ivw.eu)
  19. laut IVW, jeweils viertes Quartal (Details auf ivw.eu)