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Krim-Brücke

Brücke über die Straße von Kertsch

Als Krim-Brücke (russisch Крымский мост Krymski most, ukrainisch Міст через Керченську протоку, inoffiziell «Кримський міст»; Projektname: Brücke über die Straße von Kertsch) wird die Straßen- und Eisenbahnverbindung zwischen der Halbinsel Krim über die Straße von Kertsch zur Halbinsel Taman in der russischen Region Krasnodar bezeichnet. Die Straßenverbindung wurde im Mai 2018 offiziell eröffnet; die Fertigstellung der Eisenbahnverbindung ist für 2019 geplant. Technisch gesehen handelt es sich nicht um eine einzelne Brücke, sondern mehrere, teils parallel verlaufende und durch Überlandstrecken miteinander verbundene Brücken. Einschließlich der Zu-/Abfahrten und der Strecke über die Insel Tusla ist die Verbindung ca. 19 Kilometer lang.

Krim-Brücke
{{{BEZEICHNUNG}}}
Krim-Brücke am Eröffnungstag
Offizieller Name Крымский мост
Nutzung Straße, ab 2019 auch Eisenbahn
Querung von Straße von Kertsch, Insel Tusla, Nehrung der Halbinsel Taman
Ort Kertsch – Taman
Konstruktion 2 parallele Pfeilerbrücken, teilweise Bogenbrücken
Gesamtlänge 19,0 km (Gesamtkonstruktion), davon insg. 7,5 km über Wasser [1]
18,1 km (Eisenbahnbrücke)
16,857 km (Autobahnbrücke)[2]
Anzahl der Öffnungen 2 Passagen
Längste Stützweite 227 m
Höhe 80 m (Bogen der Durchfahrt)
Lichte Höhe 35 m
Fahrzeuge pro Tag ≤ 40000
Baukosten 228 Mrd. Rubel[3]
Baubeginn 2016
Fertigstellung 2018 (Straße) / 2019 (Eisenbahn)[4]
Eröffnung 16. Mai 2018 (Straßenbrücke)
Planer SC Institute-Giprostroymost – Saint-Petersburg
Lage
Krim-Brücke (Krim)
Krim-Brücke
Verlauf der Brücken
Krim-Bruecke.png
Anteile der Brücken und Zu-/Abfahrten über Land und Insel

Das Projekt wurde, nach einigen gescheiterten Anläufen und 2013 zwischen der Ukraine und Russland bereits unterzeichneten Verträgen, nach der russischen Annexion der Krim 2014 durch die Regierung Medwedew beschleunigt umgesetzt. Im März 2014 beauftragte dann der russische Präsident Wladimir Putin das Transportministerium, die Brücke zu bauen.[5]

Der Projektname orientierte sich an der historischen Brücke, die 10 Kilometer weiter nordöstlich lag. Nach einer Online-Befragung im Dezember 2017 wurde sie offiziell Крымский мост (deutsch: Krim-Brücke) benannt.[6]

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Alte PlanungenBearbeiten

 
Taman-Halbinsel mit Tschuschka (links oben), Karte von 1943.
 
Brückenteil der alten Brücke aus dem Zweiten Weltkrieg

Der Bau einer Brücke über die Meerenge wurde immer wieder diskutiert. Noch vor dem Ersten Weltkrieg planten die Briten, eine Eisenbahnstrecke über die Kertscher Meerenge zu bauen, die weiter bis nach Indien führen sollte. Zar Nikolaus II. interessierte sich auch für die Idee. Erstmals hatte Anfang des 20. Jahrhundert der Schiffsbauingenieur Wassili Mendelejew (1886–1922), Sohn des berühmten russischen Chemikers Dmitri Mendelejew, den konkreten Vorschlag gemacht, die Meerenge mit einem Damm zu verbinden. Eine Gruppe russischer Ingenieure erarbeitete daraufhin bis 1910 ein Projekt. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs vereitelte jedoch seine Realisierung. In den 1930er Jahren wurde erneut ein Brückenschlag von der Sowjetunion geplant. Bald verhinderte jedoch der Zweite Weltkrieg die Umsetzung der Pläne.

2. WeltkriegBearbeiten

Nach dem Vormarsch der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg bis auf die Krim begann die paramilitärische Organisation Todt im Rahmen der Operation Gotenkopf mit dem Bau einer Brücke, um den von Januar bis Oktober 1943 bestehenden Kuban-Brückenkopf auf der Ostseite der Straße von Kertsch versorgen zu können. Diese 4,5 Kilometer lange Eisenbahnbrücke lag allerdings einige Kilometer weiter nordöstlich der heutigen Verbindung: sie verband nach einer Bauzeit von 150 Tagen die Krim mit der Halbinsel Tschuschka etwa auf der Trasse, auf der später die Fährverbindung zwischen den Häfen Port Kawkas und Port Krim verlaufen sollte. Nahe der Festung Jenikale war der Anschluss der Brücke an die Bahntrasse. Auf der kaukasischen Seite endete die Brücke knapp 3 Kilometer südwestlich von Port Kawkas. Parallel dazu verlief eine 5,1 Kilometer lange Seilbahn, die täglich bis zu 1000 Tonnen Ladungen transportierte. Der sowjetischen Luftaufklärung war der Bau bekannt, Josef Stalin verbot jedoch eine Bombardierung. Nach dem durch eine Gegenoffensive der Roten Armee erzwungenen Rückzug der deutschen Truppen auf die Krim wurde die nicht vollständig fertiggestellte Brücke im Oktober 1943 durch die Deutschen gesprengt.

Die Entscheidung, die Eisenbahnbrücke über die Straße von Kertsch zu rekonstruieren, wurde am 25. Januar 1944 getroffen. Das war bereits vor der Befreiung von Kertsch am 11. April 1944; es wurde nach der Kertsch-Eltigener Operation möglich. Die sowjetischen Bautruppen erstellten innerhalb von sieben Monaten unter Verwendung der verbliebenen Reste und des zurückgelassenen Baumaterials und nach den deutschen Konstruktionsplänen eine Eisenbahnbrücke. Das Brückenprojekt bestand aus 115 Teilen mit Spannweiten von jeweils 27 Metern Länge. Über dem schiffbaren Kertsch-Jenikalsker-Kanal wurde eine 110 Meter lange Drehbrücke errichtet, die Schiffe mit beliebiger Größe gleichzeitig in beiden Richtungen passieren konnten. Gleichzeitig wurden Eisenbahnlinien als Anschluss nach Osten und über die Krim gebaut.

Am 3. November 1944 fuhr der erste Zug über die wieder hergestellte Brücke. Die bereits von den Deutschen eingeplanten Eisbrecher waren noch nicht vollständig gebaut. Der dadurch unvermeidlich gewordene Unfall ereignete sich am 18. und 20. Februar 1945: Eisfelder bewegten sich unter dem Einfluss von Wind und Strömungen vom Asowschen Meer her auf die Brücke zu. Das Eis hatte eine so große Stärke, dass es auch nicht mit Hilfe von Sprengungen und Bombardierungen zerstört werden konnte. Am 18. Februar 1945 brachen 32 Pfeiler. Die Stützen, die bereits gesichert waren, hielten dem Eisdruck stand. Bis zum 20. Februar waren 42 Pfeiler beschädigt. Somit war die Brücke nur drei Monate in Betrieb. Eine Woche vor der Katastrophe, am 11. Februar, war der letzte Zug mit den Passagieren Josef Stalin und der sowjetischen Delegation, die von der Konferenz von Jalta zurückkehrte, über die Brücke gerollt.[7][8]

NeuzeitBearbeiten

1949 wurden neue Brückenkonzepte entwickelt – mit zwei Ebenen für den Straßen- und Bahnverkehr. Die Kosten des Projekts wurden auf 2 Milliarden Rubel (zu Preisen von 1949) geschätzt. Nach der Installation der ersten Pfeilerfundamente wurde jedoch klar, dass die Stützen nicht ausreichend stabil waren. Das Projekt wurde vorerst verschoben. Der westliche Brückenkopf sollte mit einer riesigen Stele mit dem Wappen und der Statue Stalins verziert werden.

1953 ersetzte die Kertsch-Fähre zwischen Port Kawkas und Port Krim die Brücke. Bald verkehrten vier Eisenbahnfähren, später noch drei Autofähren aus Riga. Die Überreste der Pfeiler der zerstörten Brücke behinderten viele Jahre den Schiffsverkehr. Im Jahr 1968 wurden sie bis auf einen vor dem östlichen Ufer abgerissen und entfernt. Um 1990 mussten die Eisenbahnfähren stillgelegt werden, da sie schrottreif waren.

Der Bau einer neuen Brücke wurde seitdem immer wieder diskutiert, aber nie als vorrangiges Projekt betrachtet, da die Verbindung über die Ukraine auf die Krim als ausreichend angesehen wurde. Absichtserklärungen von 1993, 2000 und 2008 versandeten, ebenso 2004 der Vorschlag eines Tunnels.

Am 24. Dezember 2003 unterzeichneten Russland und die Ukraine einen Vertrag über die gemeinsame Nutzung des Asowschen Meeres[9], der das Meer als inneres Gewässer beider Staaten definiert. Der Vertrag garantiert den Schiffen beider Länder die freie Durchfahrt.[10] 2010 ließen der ukrainische Präsident Wiktor Janukowytsch und der russische Präsident Dmitri Anatoljewitsch Medwedew anlässlich der kommenden Olympischen Spiele 2014 in Sotschi die Pläne für eine Brücke wieder aufleben. Am 26. November 2010 wurde ein Memorandum unterzeichnet und am 17. Dezember 2013 auf der Sitzung der russisch-ukrainischen gemeinsamen Regierungskommission entsprechende Verträge.[7]

Die Situation änderte sich mit der Annexion der bis dahin zur Ukraine gehörenden Halbinsel Krim im März 2014. Als Folge der völkerrechtswidrigen Aktion unterband die Ukraine am 26. Dezember 2014 alle bisherigen durch ihr Gebiet laufenden Versorgungslinien sowie Zug- und Busverbindungen über Land zur Krim.[11] Der Gütertransport zwischen Russland und der Halbinsel muss seitdem über den See- und Luftweg abgewickelt werden.

Um eine direkte Transportverbindung herzustellen, gewann das Projekt der Brückenquerung über die Straße von Kertsch für Russland höchste Priorität. Übergangsweise wurde die Eisenbahnfähre von der Taman-Halbinsel nach Kertsch am 1. August 2014 nach 25 Jahren wiedereröffnet. Bis zur Vollendung des Brückenprojekts wird der Verkehr nach Russland über die Meerenge von Kertsch provisorisch mit Eisenbahn- und Autofähren abgewickelt, die teilweise von anderen Routen abgezogen wurden. Einige Fähren wurden gebraucht im Ausland gekauft. Es wurde bald mit bis zu 110 Passagen täglich die verkehrsreichste Seeverbindung der Welt. Im Jahr 2017 wurden 5,71 Millionen Menschen, 1,78 Millionen Autos und 78 Tausend Eisenbahnwagen befördert. Teilweise gab es Wartezeiten bis zu 30 Stunden. Zusätzlich wurde eine Hubschrauberverbindung eingerichtet.[12]

EntstehungBearbeiten

Seit der Annexion der Krim im März 2014 ist der Tourismus, traditionell eine der Haupteinnahmequellen der Krim, eingebrochen. Die Preise und Lebenshaltungskosten waren stark gestiegen, die Einnahmen sanken drastisch und viele Arbeitsplätze gingen verloren. Vor 2014 reisten über 70 Prozent der Touristen über und aus dem ukrainischen Festland ein. Diese Landverbindung war nun unterbrochen oder wurde als zu risikoreich angesehen. Russland bot subventionierte Flugtickets für Beamte und Rentner an und warb für „patriotische Ferien“ auf der Krim. Trotzdem waren die Besucherzahlen rückläufig.[13][14] Die Brücke soll den Tourismus auf der Krim ankurbeln und die Preise für Lebensmittellieferungen senken.[15] Die Brücke hat für Russland zudem eine symbolische Bedeutung und ersetzt die fehlende natürliche Landverbindung zur Krim, über welche die Ukraine im Unterschied zu Russland verfügt.[16]

PlanungBearbeiten

Im März 2014 beauftragte der russische Ministerpräsident Medwedew die staatliche Straßenbauagentur Awtodor mit der Gründung einer Tochtergesellschaft zur Erstellung einer Machbarkeitsstudie und dem Bau einer Brücke.[17] Die Brücke sollte von Kertsch auf der Krim über die Insel Tusla zur Halbinsel Taman führen und so die Direktverbindung zwischen dem russischen Festland und der Schwarzmeer-Halbinsel herstellen. Sie wurde mit einer vierspurigen Autobahn und einer zweigleisigen Eisenbahnstrecke konzipiert. Die seit 1953 bestehende Fährverbindung, welche Teil der Europastraße 97 ist, soll bestehen bleiben.

FinanzierungBearbeiten

Aus dem russischen Staatshaushalt wurden 228 Milliarden Rubel (ca. 3  Mrd. Euro) bereitgestellt, wobei die beiden Zufahrten zur Brücke von der Krim und der Region Krasnodar anderweitig finanziert werden sollten. Der Bau der Autobahn- und Eisenbahnstrecke zwischen Krasnodar und der Krim erbringt künftig voraussichtlich 70 Prozent der jährlichen Einnahmen des Staatsetats für alle Straßen und Brücken.[13] Im Jahr 2014 berichtete die russische Zeitung Wedomosti, dass wegen der Krim-Brücke andere Infrastrukturprojekte zurückgestellt wurden. Beispielsweise wurde der Bau einer Brücke über die Lena nach Jakutsk auf die Zeit nach 2020 verschoben und die dafür vorgesehenen 44 Milliarden Rubel in die Krim-Brücke investiert.[18][19]

BauBearbeiten

Den Auftrag zur Errichtung der Brücke erhielt das Unternehmen Stroigasmontasch (SGM), das Arkadi Rotenberg gehört.[20] Rotenberg wird dem direkten Umfeld des russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin zugerechnet; Rotenberg selbst ist von den Sanktionen betroffen, die gegen russische Eliten wegen der Annexion der Krim verhängt wurden. SGM erhielt den Zuschlag zum Brückenbau Anfang 2015 ohne eine Ausschreibung.[21] Die Meerenge von Kertsch ist ein schwieriger Ort zum Bauen und ist geprägt von Schlammvulkanen am Meeresboden, seismischer Aktivität und treibenden Eisschollen. Die Brücke und die Zufahrten führen durch eine seismisch aktive Zone von ungefähr 9 Punkten auf der Richterskala, was ein kritischer Wert für eine solche Konstruktion und Verkehrsführung ist.[22][23] Auch bei der östlichen Zufahrt muss einer Gruppe von Schlammvulkanen ausgewichen werden. Die E 97/A-290 umfährt den aktiven Gryazevoy und Vulkankegel Karabetova Sopka in Sichtweite (ca. 2 km)[24]. Auf der Krimseite war eine Umgehung der Festung Kertsch/Fort Totleben (russisch Керченская крепость, ukrainisch Фортеця Керч/форт Тотлебен) und des Kap Buruns (russisch/ukrainisch Ак-Бурун) wegen der sich dort befindenden historischen Stätten notwendig. Das verlängerte die Trasse um ca. 3 Kilometer.

Im Oktober 2015 waren die Bauarbeiten zur Baustelleneinrichtung weit vorangeschritten. Zu den Höhepunkten des Bauprojektes gehörte die Montage zweier Brückenbögen, die eine Spannweite von 227 Meter haben.[25]

Am Bau beteiligte Unternehmen wurden im September 2016 auf die Sanktionsliste der USA gesetzt.[26]

Im September 2018 rammte ein Schwimmkran die Brücke, beschädigte dabei einen Lichtmast und verbog das Brückengeländer. Im Oktober 2018 stürzte ein Teil der geplanten Eisenbahnstrecke ins Wasser.[27]

Einweihung und TeileröffnungBearbeiten

Die Einweihung erfolgte am 15. Mai 2018 durch Wladimir Putin, der am Steuer eines orangefarbenen KamAZ-65115-Kippers voranfuhr, gefolgt von einer Reihe weiterer Baustellenfahrzeuge. Am 16. Mai wurde die Straße für die Allgemeinheit teilweise geöffnet: Nur Kraftfahrzeuge bis 3,5 t und Busse durften die Brücke nutzen.[28] Seit Oktober 2018 ist auch der Verkehr schwerer LKW zugelassen[29]. Ausgenommen bleiben weiterhin Gefahrguttransporte.

Die Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke ist für 2019 geplant.[30][31]

AuswirkungenBearbeiten

UmweltBearbeiten

Radar- und Satellitendaten zur Beurteilung der Eisverhältnisse in der Straße von Kertsch zeigen, dass die Krim-Brücke das Treibeis auf dem Weg vom Asowschen Meer über die Straße von Kertsch blockiert. Jedes Jahr wird das Asowsche Meer in der kalten Jahreszeit ganz mit Eis bedeckt, wobei kalte Winter seit der Jahrhundertwende häufiger auftreten und das Meerwasser teilweise bis März vereist bleibt. Vor dem Bau der Brücke wurden die Eisstücke von Strömungen und Winden ungehindert über die Straße von Kertsch bis in das Schwarze Meer hinausgetragen. Seit dem Bau der Brücke bleibt das Treibeis an den Pfeilern der Brücke hängen, und die Brücke funktioniert seitdem wie ein Damm, der Treibeis nicht durchlässt. Satellitendaten und Beobachtungen zeigen, dass das Treibeis auch bei starkem Nordostwind gegen die Brückenpfeiler drückt und die Eisstücke sogar an der breitesten Stelle unter der Brücke nicht passieren können. Durch Druck entstehen an den Kontaktstellen Presseishügel.[22][32] Das gestaute Treibeis kann dazu führen, dass Frachtschiffe die Brücke nicht mehr passieren können und Eisbrecher eingesetzt werden müssen, um einen Durchgang für andere Schiffe unter der Brücke zu öffnen. Im Vorfeld wurde das Bauprojekt keiner Umweltverträglichkeitsprüfung unterzogen.[22] Es ist unklar, ob die Eisformationen im Asowschen Meer bei der Bauplanung berücksichtigt wurden.[32]

Seit dem Bau der Krim-Brücke wurde eine erhöhte Konzentration von Schwebstoffen und verstärkte Algenblüte in den umgebenden Gewässern festgestellt. In einer Untersuchung der ökologischen Risikobereiche im Schwarzen Meer wurde die Brücke als eine der Hauptverschmutzungsquellen genannt.[33][22] Dadurch, dass die Brücke direkt über die Insel Tusla in der Straße von Kertsch gebaut wurde, entstanden auf der Insel irreparable Umweltschäden. Vor dem Bau war Tusla ein wichtiges Naturgebiet für Meeres- und Zugvögel. Während der Brückenkonstruktion wurden Teile der Wälder auf der Insel abgeholzt und die Insel als ein Parkplatz und Lager für Baumaterialien genutzt. Infolge der Bauarbeiten hat sich der Wasseraustausch zwischen dem Asowschen und Schwarzen Meer wesentlich verändert. Zuvor floss das Wasser mit geringer Geschwindigkeit gleichmäßig um die Insel. Für die Brückenkonstruktion wurde ein Damm aufgeschüttet, der eine künstliche Nehrung bildet. Seitdem verläuft der Hauptwasserstrom mit hoher Geschwindigkeit zwischen der Tusla und dem künstlichen Damm und hat die Erosion am südöstlichen Teil der Insel verstärkt. Die Beeinträchtigung des Wasseraustauschs hat erhebliche Auswirkungen auf die Temperatur und die Eisverhältnisse in der Straße von Kertsch und im Asowschen Meer. Im Sommer ist das Wasser wärmer als vor dem Bau und im Winter kälter. Letzteres erhöht sowohl die Dauer der Eisbedeckung, als auch die Dicke des Eises. Die Temperaturen und der Sauerstoffmangel wegen der Eisbedeckung verändern die Lebensbedingungen der Fische im Asowschen Meer und ihre Wanderung zum Schwarzen Meer. Die meisten Fischarten, die im Asowschen Meer leben, sterben bei einer Temperatur unter 4 °C. Insbesondere im Meerbusen von Taman ist mit einem vermehrten Fischsterben zu rechnen.[22]

WirtschaftBearbeiten

Seit der Besetzung der Krim und dem Bau der Krim-Brücke schränkt Russland den ukrainischen und internationalen Schiffsverkehr im Asowschen Meer ein. Schiffe können das Asowsche Meer nur über die Straße von Kertsch befahren. Seit der Okkupation kontrolliert Russland beide Seiten der Straße von Kertsch.[34][35] Für die ukrainische Wirtschaft sind das Asowsche Meer und vor allem die dortigen Häfen Mariupol und Berdjansk von großer Bedeutung. Der Bau der Krim-Brücke hat die Lage für den ukrainischen Schiffsverkehr weiter verschlechtert. Die Brücke wurde so niedrig gebaut, dass nur Schiffe unter ihr fahren können, die nicht höher als 33 Meter sind. Das hat dazu geführt, dass sich der Schiffsverkehr und die Zahl der Schiffe halbiert hat, die früher Mariupol und Berdjansk anliefen.[34][36][35] Auch der Hafen in Henitschesk kann erhebliche Einnahmen einbüßen.[22] Ein Massengutfrachter musste auf dem Weg nach Mariupol seinen Schiffsmast abschneiden, um unter die Brücke zu passen. Frachtschiffe der Panamax-Klasse können wegen der niedrigen Brücke nicht mehr zum Asowschen Meer durchfahren. Nur Handysize-Schiffe oder kleinere passen unter die Brücke, wobei auch sie Masten kürzen müssen.[37] Folglich sind ukrainische Häfen vom Wasser aus zunehmend von der Welt abgeschnitten. Mariupol verzeichnete einen Rückgang der Einnahmen um 30 Prozent.[35] Nach Schätzungen des ukrainischen Ministeriums für Infrastruktur belaufen sich die finanziellen Verluste aufgrund von Beschränkungen der Schifffahrt auf jährlich 20 bis 40 Millionen US-Dollar.[38] Zudem werden immer mehr ukrainische und ausländische Schiffe, die nach Mariupol und Berdjansk fahren, vom russischen Inlandsgeheimdienst FSB festgehalten und kontrolliert, teilweise mehrmals, und die Schiffsbesatzungen werden verhört. Insgesamt hat die russische Marine ihre Präsenz erhöht und Kriegsschiffe der Kaspischen Flottille wurden in das Asowsche Meer verlegt. Die russischen Inspektionen und Verzögerungen dauern bis zu einer Woche, wobei jeder zusätzliche Tag auf See eine Reederei etwa 15.000 US-Dollar kostet. Hafenarbeiter verloren ihre Arbeitsplätze. Andere gingen auf die Vier-Tage-Woche über, weil nicht genug Arbeit vorhanden ist.[39] Russland rechtfertigt die steigende Zahl von Eingriffen in den ukrainischen Schiffsverkehr mit Sicherheitsbedenken. Die Ukraine und die Vereinigten Staaten sprechen hingegen von einer wirtschaftlichen Blockade und anhaltenden Versuchen Moskaus, die Ukraine noch weiter wirtschaftlich zu schwächen und zu destabilisieren.[40][41]

Der Zusammenbruch der Verkehrsverbindung zu Wasser hat, insbesondere auf den Halbinseln Tschuschka und Taman, eine lokale Wirtschaftskrise ausgelöst. Viele Arbeitsplätze im Hafen, Verkehrswesen, im Handel, in der Gastronomie und in den Beherbergungsbetrieben gingen verloren. Die Umsätze sind dramatisch zusammengebrochen. Auch die Umsätze mit den teilweise bis zu 10000 für dem Brückenbau beschäftigten reduzieren sich durch Personalrückgang deutlich.[42]

Seit dem Zwischenfall vor der Krim im November 2018 versperrt Russland verstärkt die Durchfahrt in der Straße von Kertsch. Dazu positionierte Russland am 25. November 2018 ein Frachtschiff direkt unter die Brücke und blockierte so den Schiffsverkehr.[43][44] Dienste wie MarineTraffic zeigen, dass Schiffe sich seitdem auf den Reeden vor der Brückenpassage stauen.[45] Die Logistik der Passagen (Genehmigungen, Kontrollen) ist unzureichend oder vorsätzlich gestört.[46]

ReaktionenBearbeiten

Der Europäische Auswärtige Dienst der Europäische Union verurteilte am 15. Mai 2018 den Bau und die teilweise Öffnung der Brücke sowie die rechtswidrige Annexion der Krim und Sewastopols durch Russland. In der Stellungnahme heißt es, dass die Russische Föderation die Brücke ohne Einwilligung der Ukraine gebaut und die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine erneut verletzt habe. Der Bau der Brücke bezwecke die weitere Integration der illegal annektierten Krim in Russland und die Abspaltung der Halbinsel von der Ukraine, zu der die Krim weiterhin gehöre. Die Brücke begrenze zudem die Durchfahrt von Schiffen über die Kertsch-Straße zu ukrainischen Häfen im Asowschen Meer.[47]

Neben politischen Hintergründen und der Einschränkung der Schifffahrt steht auch die Qualität der übereilten Bauausführung in der Kritik.[28] Arbeiter an der Brücke berichteten zudem über Ausbeutung.[48]

Verdacht auf Umgehung von EU-SanktionenBearbeiten

Seit September 2017 wird gegen zwei, später (Stand Anfang Mai 2018) gegen insgesamt sieben niederländische Unternehmen wegen des Verdachts auf Umgehung von EU-Sanktionen ermittelt. Die Unternehmen sollen Maschinen, Geräteteile und spezielle Rammen für den Bau der Brücke geliefert und Wartungsarbeiten an den bestehenden Anlagen vorgenommen haben. Europäischen Unternehmen ist es wegen der EU-Sanktionen untersagt, Waren und Dienstleistungen auf die Krim zu liefern.[49][50]

WeblinksBearbeiten

  Commons: Krim-Brücke – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. The Crimean Bridge (transport crossing over the Kerch Strait)
  2. Krymsky Bridge Project Description SC ‘Institute-Giprostroymost – Saint-Petersburg’
  3. Der russische Milliardär und die Brücke ins Nichts. In: Neue Zürcher Zeitung, 7. Februar 2015.
  4. Bau von Brücke zwischen Russland und Krim verzögert sich. In: Salzburger Nachrichten. 14. April 2016, abgerufen am 11. Oktober 2016.
  5. Analyse: Russische Infrastrukturprojekte für die Krim, 13.11.2014, bpb
  6. ‘Crimean Bridge’ Tops Online Vote To Name Kremlin’s Mega-Project. The Moscow Times, 18. Dezember 2017, abgerufen am 15. Mai 2018..
  7. a b Hans-Joachim Hoppe: Die Brücke von Kertsch. In: Eurasisches Magazin, 21. März 2014.
  8. M. S. Rudenko: История строительства и разрушения моста через Керченский пролив. Artikel über den Bau und die Zerstörung der Brücke über die Straße von Kertsch, erschienen in der Zeitschrift Транспортное строительство (russisch, etwa: „Transportbauwesen“), Heft 6, 1991, auf einer Website über Schienenverkehr in der Ukraine, abgerufen am 15. Mai 2018 (russisch).
  9. Vertrag zwischen der Russischen Föderation und der Ukraine über die Zusammenarbeit bei der Nutzung des Asowschen Meeres und der Straße von Kertsch, russisch, durch die Russische Föderation am 22. April 2004 N 23-ФЗ ratifiziert
  10. Ukraine claims Russia 'rammed our tugboat' off Crimea. In: BBC, 25. November 2018.
  11. Russland liefert Kohle und Strom an die Ukraine, Süddeutsche.de, 28. Dezember 2014.
  12. Helicopter traffic through Kerch Strait to be launched this week, ticket price is 2500 rubles (Memento des Originals vom 26. November 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/en.krymedia.ru, Krymedia.ru, 24. Juni 2015. (englisch).
  13. a b Crimea is becoming a Russian money pit. In: World Policy Journal, 24. Oktober 2016.
  14. The High Price of Putin's Takeover of Crimea. In: Bloomberg, 31. März 2017.
  15. Drei Jahre nach der Krim Annexion: „Halten Sie durch!“. In: Deutschlandfunk Kultur, 29. Oktober 2017.
  16. Putin's Bridge to Crimea May Carry More Symbolism Than Traffic. In: The New York Times, 11. November 2017.
  17. Medvedev Signs Decree Creating Contractor for Kerch Strait Bridge Project. The Moscow Times, 4. März 2014.
  18. Деньги на дорогу до Якутска могут перебросить в Крым. In: Wedemosti, 14. Juli 2014.
  19. Как всего за два года был построен Крымский мост. In: Wedemosti, 15. Mai 2018.
  20. Мост в Крым будет строить компания друга Путина. Deutsche Welle, 15. Januar 2015, abgerufen am 23. August 2016 (russisch, dt.: „Die Brücke auf die Krim wird die Firma eines Freundes Putins bauen“).
  21. DVV Media Group GmbH: Login. In: DVZ. (dvz.de [abgerufen am 15. Mai 2018]).
  22. a b c d e f MI Romashchenko et al.: About Some Environmental Consequences of Kerch Strait Bridge Construction. In: Hydrology (Science Publishing Group). 6, Nr. 1, 2018, S. 1–9. doi:0.11648/j.hyd.20180601.11.
  23. AN Ovsyuchenko et al.: Estimation of the seismic hazards of low-active areas by the example of the kerch-ataman region. In: Science and Technological Developments. 96, Nw. 1, 2017, S. 5–18. doi:10.21455/std2017.1-1
  24. Berichte in russisch, reichlich illustriert und Videosammlung:
    Грязевой вулкан Карабетова сопка
    Вулканы и грязевые источники Карабетова сопка
    Грязевой вулкан «Карабетова сопка»
    Карабетова сопка — грязевой вулкан
  25. Autor Klaus-Helge Donath: Brückenbauer Putin. In: Sächsische Zeitung, 15. Mai 2018.
  26. U.S. imposes sanctions on 'Putin's bridge' to Crimea. In: Reuters, 1. September 2016.
  27. Крымский мост «съехал» в Керченский пролив (dt. „Krim-Brücke ist in die Straße von Kertsch «abgerutscht»)“. In: Kommersant, 4. Oktober 2018.
  28. a b Putin eröffnet die erste Brücke auf die Krim und landet einen patriotischen Coup, NZZ vom 15. Mai 2018, abgerufen am 17. Mai 2018
  29. Schwere Lkw können erstmals Brücke zur Krim befahren verkehrsrundschau.de: abgerufen am 28. Okt. 2018
  30. „Längste Brücke Russlands“ orf.at, 15. Mai 2018, abgerufen am 15. Mai 2018.
  31. Высказывания о перспективах строительства Крымского моста (google translate: Aussagen zu den Aussichten für den Bau der Krimbrücke) tass.ru, 15. Mai 2018, abgerufen am 15. Mai 2018. „Wladimir Putin hat an der Eröffnungszeremonie des Autobahnabschnittes der Krimbrücke teilgenommen, der ununterbrochenen Transport von der Krim zum Festland Russlands sicherstellen wird.“ Im Artikel wird „Eisenbahn“ (железная дорога) nicht erwähnt.
  32. a b OJ Lawrowa, MI Mitjagina, AG Kostjanoi: Ледовая обстановка в Керченском проливе в текущем столетии. Ретроспективный анализ на основе спутниковых данных (dt. „Eisverhältnisse in der Straße von Kertsch im laufen Jahrhundert. Retrospektive Analyse auf Grundlage von Satellitendaten“). In: Современные проблемы дистанционного зондирования Земли из космоса (Institut für Weltraumforschung der Russischen Akademie der Wissenschaften). 14, Nr. 2, 2017, S. 148–166. doi:10.21046/2070-7401-2017-14-2-148-166
    OY Lavrova, MI Mityagina, TY Bocharova, AG Kostianoy: Long-term monitoring of sea ice conditions in the Kerch Strait by remote sensing data. In: Proceedings of SPIE, Oktober 2017. doi:10.1117/12.2277829.
  33. OY Lavrova, MI Mityagina, AG Kostianoy, MA Strochnov: Satellite Monitoring of the Black Sea Ecological Risk Areas. In: Ecologica Montenegrina. Nr. 14, 2017, S. 1–13.
  34. a b Russland zermürbt die Ukraine vom Meer her. In: Neue Zürcher Zeitung, 12. Juli 2018.
  35. a b c Zankapfel Asowsches Meer. In: MDR, 16. August 2018.
  36. Sea Of Troubles: Azov Emerging As 'Tinderbox' In Russia-Ukraine Conflict. In: Radio Free Europe, 7. August 2018.
  37. Bulk carrier had to cut off mast to pass under illegal Kerch Strait Bridge. In: Maritime Bulletin, 10. September 2017.
  38. A closely watched basin: The Russian-Ukrainians tensions in the Sea of Azov. Centre of Eastern Studies, Nummer 279, 8. August 2018.
  39. Why Ukraine-Russia sea clash is fraught with risk. In: BBC, 27. November 2018.
  40. Russia Is Blocking 'Hundreds' of Ships From Ukraine's Ports and the U.S. Wants It to Stop. In: Newsweek, 31. August 2018.
  41. Ukraine Complains Russia Is Using New Crimea Bridge to Disrupt Shipping. In: Bloomberg, 25. Juli 2018.
  42. Der Konflikt um die Krim: Die Macht auf Stelzen. In: taz, 21. November 2018.
  43. Krim-Konflikt: Russland beschießt Marineschiffe aus der Ukraine. In: Spiegel Online, 25. November 2018.
  44. Russia 'fires on and captures' Ukrainian ships in new Crimea stand-off. In: The Telegraph, 25. November 2018.
  45. Россия вновь препятствует проходу судов через Керченский пролив – Госпогранслужба Украины. In: Radio Free Europe, 7. Dezember 2018.
  46. https://www.reuters.com/article/us-ukraine-crisis-russia-grain-insight/caught-in-russia-ukraine-storm-a-cargo-ship-and-tonnes-of-grain-idUSKBN1O4128. In: Reuters, 5. Dezember 2018.
  47. Statement by the Spokesperson on the partial opening of the Kerch Bridge. Europäischer Auswärtiger Dienst, 15. Mai 2018.
  48. ‘Like Being A Slave‘: Workers On Russia's Bridge To Crimea Report Abuse, Deceit. In: Radio Free Europe, 7. August 2016.
    Russia's Crimea Bridge Project Beset By Engineering Worries And Labor Woes. In: NPR, 16. August 2016.
  49. Dutch probe firms accused of violating EU sanctions against Russia. In: France24, 4. Mai 2018.
  50. Putin steuerte Lkw über Krim-Brücke: Staatsfernsehen übertrug live. orf.at 18. Mai 2018, abgerufen am 18. Mai 2018.