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Philipp Ther, Leipziger Buchmesse 2015
Philipp Ther erhält den Preis der Leipziger Buchmesse 2015 im Bereich Sachbuch für sein Buch Die neue Ordnung auf dem alten Kontinent.

Philipp Ther (* 16. Mai 1967 in Mittelberg im Kleinwalsertal, Österreich) ist ein deutscher Zeithistoriker, Kulturwissenschaftler und Universitätsprofessor an der Universität Wien.

LebenBearbeiten

Philipp Ther entstammt einer Lehrerfamilie. Er wuchs in Bayern auf und verbrachte Teile seiner Kindheit in Istanbul, wo sein Vater an der Deutschen Schule Mathematik und Physik unterrichtete. Ther studierte von 1988 bis 1992 Neuere Geschichte, Osteuropäische Geschichte, Soziologie und Politikwissenschaften an den Universitäten Regensburg und München. Mehrere Jahre lebte er in Polen und der Ukraine. Seinen Magister-Abschluss absolvierte er 1993 an der Georgetown University in den USA. 1997 promovierte er an der Freien Universität Berlin mit einer Arbeit über die deutsche und polnische Vertriebenengeschichte von 1945 bis 1956. Er war 1997/1998 John F. Kennedy Fellow am Center for European Studies an der Harvard University. Anschließend war er bis 2002 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Vergleichende Geschichte Europas der Freien Universität Berlin.

2002 erhielt er eine Juniorprofessur für Polen- und Ukrainestudien an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Er habilitierte sich mit einer Arbeit über die politische und soziale Funktion des Opernhauses im 19. Jahrhundert. Von 2007 bis 2010 hatte Philipp Ther die Professur für Europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz inne.

Ther profilierte sich als Experte für die Geschichte von Vertreibung in Europa und provozierte mit seiner Kritik am Bund der Vertriebenen, dessen Politik auch nach Ende des Kalten Krieges nicht auf Aussöhnung bedacht sei. Erika Steinbach schrieb daraufhin Anfang 2008 seinen Göttinger Verlag Vandenhoeck & Ruprecht an, um Ther dort als Autor zur Vertreibungsgeschichte „anzuschwärzen“. Sein Verhältnis zum Bund der Vertriebenen sei zudem gestört. Der Verlag machte dieses Schreiben publik und sprach von einer „dreisten Einmischung“.[1]

Seit dem Wintersemester 2010/11 ist Philipp Ther als Universitätsprofessor für Geschichte Ostmitteleuropas/„nation building“ am Institut für Osteuropäische Geschichte der Universität Wien tätig. Seit 2014 ist er dessen Vorstand.

Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die vergleichende Sozial- und Kulturgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert in Deutschland und Ostmitteleuropa, insbesondere Nationalismusstudien, Migrationsgeschichte, Stadtgeschichte und die Geschichte des Musiktheaters. Schwerpunkt seiner Forschungsarbeit bildeten vergleichende Analysen der Transformationsgeschichte in Ost- und Mitteleuropa seit den 1980er Jahren.

AuszeichnungenBearbeiten

Ther ist Träger mehrerer Auszeichnungen, darunter auch des Richard G. Plaschka-Preises. 2015 erhielt er für seine Studie Die neue Ordnung auf dem alten Kontinent den Preis „Politisches Buch des Jahres“ der Friedrich-Ebert-Stiftung und den Preis der Leipziger Buchmesse in der Rubrik Sachbuch/Essayistik.

SchriftenBearbeiten

Als Autor
Als Herausgeber
  • mit Ana Siljak: Redrawing Nations: Ethnic Cleansing in East-Central Europe 1944–1948. Lanham 2001.
  • mit Holm Sundhaussen: Nationalitätenkonflikte im 20. Jahrhundert: Ursachen von inter-ethnischer Gewalt im Vergleich. Wiesbaden 2001.
  • mit Kai Struve: Nationen und ihre Grenzen. Identitätenwandel in Oberschlesien in der Neuzeit. Marburg 2002.
  • mit Jürgen Danyel: Flucht und Vertreibung in europäischer Perspektive. (= Zeitschrift für Geschichtswissenschaft. Jg. 51, H. 1). Metropol, Berlin 2003.
  • mit Holm Sundhaussen: Regionale Bewegungen und Regionalismen in europäischen Zwischenräumen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Herder-Institut, Marburg 2003 (PDF).
  • mit Constantin Goschler: Raub und Restitution. Arisierung und Rückerstattung des jüdischen Eigentums in Europa. Frankfurt 2003.
  • mit Tomasz Krolik, Lutz Henke: Das polnische Breslau als europäische Metropole. Erinnerung und Geschichtspolitik aus dem Blickwinkel der Oral History. Wroclaw 2005
  • mit Martin Dean, Constantin Goschler: Robbery and Restitution. The Conflict over Jewish Property in Europe. Providence 2006.
  • mit Georgii Kasianov: A Laboratory of Transnational History. Ukraine and Ukrainian Historiography since 1991. Kiew 2007.
  • mit Peter Stachel: Wie europäisch ist die Oper? Die Geschichte des Musiktheaters als Zugang zu einer kulturellen Topographie Europas. Wien 2009.
  • mit Sven Oliver Müller, Jutta Toelle, Gesa zur Nieden: Die Oper im Wandel der Gesellschaft. Kulturtransfers und Netzwerke des Musiktheaters im modernen Europa. Wien 2010, ISBN 978-3-486-59236-8.
  • Kulturpolitik und Theater. Die kontinentalen Imperien in Europa im Vergleich. Oldenbourg, München / Böhlau, Wien 2012, ISBN 978-3-486-71211-7 (Oldenbourg) / ISBN 978-3-205-78802-7 (Böhlau).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Unliebsamer Autor. In: Der Spiegel. Nr. 10, 2008, S. 20 (online).
  2. orf.at: Wittgenstein-Preis an Historiker und Mikrobiologen. Artikel vom 17. Juni 2019, abgerufen am 17. Juni 2019.