Stiftung Preußischer Kulturbesitz

eine dem Kulturstaatsminister unterstehende Kulturstiftung des öffentlichen Rechts mit Sitz in Berlin

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) ist eine dem deutschen Kulturstaatsminister unterstehende Stiftung des öffentlichen Rechts mit Sitz in Berlin. Die vom Bund und den Ländern getragene Stiftung zählt zu den größten Kultureinrichtungen weltweit. Die Hauptverwaltung mit einem Präsidenten an der Spitze hat ihren Sitz im Ortsteil Tiergarten des Bezirks Mitte. Zur Stiftung gehören fünf Einrichtungen mit einer Vielzahl von einzelnen Standorten in Berlin.

Stiftung Preußischer Kulturbesitz

(SPK)

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Rechtsform: Stiftung des öffentlichen Rechts
Zweck: Bewahrung, Pflege, Ergänzung und Auswertung der preußischen Kulturgüter für das deutsche Volk
Vorsitz: Hermann Parzinger[1]
Bestehen: seit 6. August 1957
Stifter: Bund und Länder
Sitz: Berlin
Website: www.preussischer-kulturbesitz.de

Anfang Juli 2020 erklärte die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien Monika Grütters (CDU), die SPK bis spätestens 2025 zu reformieren und in vier eigenständige Stiftungen (Staatliche Museen, Staatsbibliothek, Geheimes Staatsarchiv und Ibero-Amerikanisches Institut) zu überführen.[2] Grundlage ist ein Gutachten des Wissenschaftsrates, das die Auflösung der SPK empfiehlt.[3]

GeschichteBearbeiten

Die Stiftung wurde am 6. August 1957 mit Inkrafttreten eines Bundesgesetzes gegründet[4] und erhielt 1961 durch Verordnung der Bundesregierung eine Satzung.[5] Das vorrangige Ziel war zunächst, die Kulturgüter des ehemaligen Landes Preußen zu erhalten und zu pflegen. Seit der Deutschen Wiedervereinigung besteht eine wichtige Aufgabe in der Zusammenführung bisher getrennter Sammlungen.

Auflösungspläne (seit 2020)Bearbeiten

Ende der 2010er Jahre evaluierte eine Gruppe des Deutschen Wissenschaftsrates unter Vorsitz der Literaturwissenschaftlerin Marina Münkler alle Ebenen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Die daraus entstandene Studie kam zu dem Schluss, dass es in den Leitungsebenen der Teilbereiche zu viele unklare Verantwortlichkeiten und widerstreitende Interessen gebe. Zwar trage der Bund den Hauptteil der Kosten, aber die tatsächliche Mittelzuweisung sei beispielsweise an den Eigenanteil des Landes Berlin gekoppelt. Wenn Berlin jedoch keine Mittel ausschüttet, könnten auch Mittelzuweisungen des Bundes nicht erfolgen. Deshalb empfiehlt das Gutachten die Auflösung und Neustrukturierung der SPK. Empfohlen wird, dass Staatsbibliothek, das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz und das Ibero-Amerikanische Institut direkt dem Bund zuzuordnen. Dahingegen könne man die Staatlichen Museen zu Berlin nicht auseinanderreißen, jedoch bräuchten die Häuser ein eigenes Budget. Hierfür sei der Verbund die richtig Organisationsform.[6]

Kritik an AuflösungsplänenBearbeiten

Michelle Müntefering (SPD), Staatsministerin für Kulturpolitik im Auswärtigen Amt, kritisierte die Auflösungspläne. Ihr Ministerium habe in der Stiftung und deren Präsidenten Hermann Parzinger einen guten Ansprechpartner. Reformen seien zwar notwendig, eine Auflösung sei aber falsch, „denn warum sollte man einfach die Weltmarke SPK zerstören?“. Außerdem binde eine massive Neuorganisation über Jahre hinweg viele Energien, anstatt notwendige Entwicklungen wie beispielsweise die Digitalisierung von Archivbeständen voranzutreiben.[7]

Claudia Schwartz kritisierte in der NZZ, dass mit dem Preußischen Kulturbesitz mehr als eine Stiftung aufgelöst würde. „Es wäre damit eine Tradition der Preussenfeindlichkeit fortgeschrieben, die jene historische Epoche auf die deutsche Schuld verkürzt.“[8]

Ijoma Mangold kommentierte in der ZEIT, es sei „richtig, die aufgeblasene Stiftung aufzuteilen“, jedoch „falsch, die preußische Vergangenheit gleich mit zu entsorgen“. Mit der Stiftung sei nach der Wiedervereinigung das Preußen „nicht des Generalstabs, sondern das der Reformer Stein und Hardenberg und der Weltgelehrten Alexander und Wilhelm von Humboldt“ zum Bezugspunkt der Berliner Republik geworden, wofür die Museumsinsel genauso stehe wie der Reichstag. Es müsse eine Reform möglich sein, ohne die Dachmarke zu zerstören. „Preußen gehört zur deutschen Geschichte und sollte auch institutionell adressierbar bleiben. Wer Preußen exorziert, kann sich mit der Vergangenheit auch nicht mehr kritisch auseinandersetzen.“[9]

Klaus-Dieter Lehmann erklärte, das Gutachten des Wissenschaftsrates schieße über das Ziel hinaus. „Löst nicht auf, was vernetzt werden muss!“, warnte der ehemalige Stiftungspräsident in der FAZ.[10]

Aufgaben und OrganisationBearbeiten

Aus den Sammlungen, Bibliotheken und Archiven des preußischen Staates sind die fünf Einrichtungen der Stiftung hervorgegangen:

Die Stiftung wird zu 75 Prozent vom Bund und zu 25 Prozent von allen Ländern getragen. Die Gebäudekosten wie die Unterhaltungskosten für die Museumsinsel werden zurzeit vollständig vom Bund übernommen. Die Stiftung engagiert sich für das Freiwillige Soziale Jahr in der Kultur. So gibt es seit 2004 jeweils eine Stelle in der Generaldirektion der Staatlichen Museen, im Ibero-Amerikanischen Institut, in der Staatsbibliothek und im Zentralarchiv der Staatlichen Museen. Seitdem wurden in einigen Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin weitere FSJ-Stellen eingerichtet, z. B. im Ägyptischen Museum und Papyrussammlung, der Gemäldegalerie, der Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst.

 
Sitz des Präsidenten und der Hauptverwaltung in der ehemaligen Villa von der Heydt, Berlin-Tiergarten (2009)

Die Stiftung vergibt jährlich den Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Preis, zur Auszeichnung von Nachwuchsmusikern deutscher Musikhochschulen. Alle fünf Jahre wird der Ernst-Waldschmidt-Preis von der Stiftung ausgelobt.

Das Rechnernetzwerk der SPK ist mit dem Berliner Wissenschaftsnetz BRAIN verbunden.

Präsidenten der StiftungBearbeiten

Die Stiftung wurde bzw. wird von folgenden Präsidenten geleitet:

Weitere Einrichtungen der Stiftung Preußischer KulturbesitzBearbeiten

Zu den fünf Einrichtungen der Stiftung gehört eine Vielzahl einzelner Organisationseinheiten, von denen die bekanntesten die 15 Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin sind. Zu den Museen gehören auch das Institut für Museumsforschung und das Rathgen-Forschungslabor, zu der Staatsbibliothek gehört die Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte (vormals Bildarchiv). Das Staatliche Institut für Musikforschung betreibt das Musikinstrumenten-Museum mit eigener Restaurierungswerkstatt.

Im Jahr 2014 hat die Stiftung ein neues Funktionsgebäude in einer entstehenden Speicherstadt im Ortsteil Friedrichshagen in Betrieb genommen. Das neue Archiv bietet Platz für sechs Millionen Bücher und wird von der Staatsbibliothek, dem Ibero-Amerikanischen Institut und der Bildagentur gemeinsam genutzt. Entworfen hat das Magazin-Gebäude der Münchener Architekt Eberhard Wimmer. Der Bau, vom Bund finanziert, kann bei Bedarf noch erweitert werden.[11]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. http://www.preussischer-kulturbesitz.de/ueber-uns/praesident-und-vizepraesident.html
  2. https://www.zeit.de/2020/29/stiftung-preussischer-kulturbesitz-gutachten-aufloesung-wissenschaftsrat/komplettansicht
  3. Grütters will Preußen-Stiftung in drei bis fünf Jahren reformieren. Abgerufen am 15. Juli 2020.
  4. vgl. § 1 PrKultbG
  5. PrKultbSaV
  6. NDR: Stiftung Preußischer Kulturbesitz: Gutachten empfiehlt Auflösung. Abgerufen am 15. Juli 2020.
  7. https://www.spiegel.de/kultur/stiftung-preussischer-kulturbesitz-welche-rolle-spielt-monika-gruetters-a-95550d12-7bf6-4c37-bd33-b1a16608d51f
  8. https://www.nzz.ch/feuilleton/der-preussische-patient-sind-die-deutschen-eine-kulturnation-ld.1568402
  9. https://www.zeit.de/2020/30/stiftung-preussischer-kulturbesitz-gutachten-aufloesung-preussen-geschichte
  10. https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/klaus-dieter-lehmann-zur-stiftung-preussischer-kulturbesitz-16878381.html
  11. Preußenstiftung hat neues Magazin-Gebäude. In: Berliner Zeitung vom 1. Juli 2014, S. 15.