Hauptmenü öffnen

Transgender

Abweichen von der nativen biologischen Geschlechterrolle
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Angaben ohne ausreichenden Beleg könnten demnächst entfernt werden. Bitte hilf Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.

Transgender (lateinisch trans ‚jenseits von‘, ‚darüber hinaus‘ und englisch gender ‚soziales Geschlecht‘) ist eine Bezeichnung für Personen, deren Geschlechtsidentität nicht oder nicht vollständig mit dem nach der Geburt anhand der äußeren Merkmale eingetragenen Geschlecht übereinstimmt oder die eine binäre Zuordnung ablehnen. Der zunehmende Gebrauch der Bezeichnung Transgender zeigt eine Abkehr von dem in Rechtsprechung und Gesetzgebung vorherrschenden, heteronormativen und auf körperliche Eindeutigkeit fokussierten Konzept der Transsexualität, dessen pathologisierender Kontext von der Medizin und Sexualforschung der 1970er Jahre geprägt wurde. In Abgrenzung dazu wird auch von Transgeschlechtlichkeit, Transidentität und Trans* gesprochen.[1] Diese Bezeichnungen dienen als Überbegriff der Selbst- oder Fremdbeschreibung sowie der Positionsbestimmung für Transgender-Personen mit weiblicher (Transfrau) sowie männlicher (Transmann) Geschlechtsidentität und alle Identitätsformen dazwischen. Zunehmend erfährt Transgender eine Bedeutungserweiterung, wonach auch Identitätskonzepte außerhalb der Norm der Zweigeschlechtlichkeit in das Bedeutungsspektrum von „Transgender“ eingeschlossen werden (siehe nichtbinäre, genderqueere Geschlechtsidentitäten, etwa genderfluid, bigender, pangender, gender-neutral).

Transgeschlechtlichkeit ist unabhängig von sexueller Orientierung.[2] Personen, die Transgender sind, können z. B. heterosexuell, homosexuell, bisexuell oder asexuell sein oder eine nähere Bezeichnung ihrer Sexualität ablehnen.

Das Gegenteil von Transgender ist Cisgender (von lateinisch cis ‚diesseits‘ als gegensätzliche Präposition zu trans). Die Bezeichnung Cisgender-Personen beschreibt Personen, deren Geschlecht bzw. Geschlechtsidentität und Geschlechtsausdruck[3] mit dem Geschlecht übereinstimmt, dem sie bei der Geburt zugewiesen wurden.

Der Grad, zu dem Personen sich mit ihrer äußerlichen Erscheinung wohlfühlen und ihre authentische Identität annehmen, wurde als Transgender-Kongruenz (siehe Engl. transgender congruence) bezeichnet.[4] Viele Transgender-Personen erleben Geschlechts- bzw. Gender-Dysphorie (siehe gender dysphoria in der englischen Wikipedia), und manche streben daher medizinische Maßnahmen an, z. B. Hormontherapie und geschlechtsangleichende Operationen. Nicht alle Transgender-Personen jedoch möchten diese Maßnahmen, und manche können sie nicht in Anspruch nehmen, z. B. aus medizinischen Gründen.

Viele Transgender-Personen sind beispielsweise am Arbeitsplatz[5] und bei Arztbesuchen[6] Diskriminierung ausgesetzt. In vielen Ländern sind sie nicht gesetzlich vor Diskriminierung geschützt. In Deutschland sind sie "nach heute ganz überwiegender Ansicht" durch Artikel 3 (Absatz 3, Satz 1) geschützt, obwohl die sexuelle Identität dort nicht explizit in der Liste der Diskriminierungsverbote erwähnt wird.[7]

Über den Anteil transsexueller Menschen in der Bevölkerung gibt es keine verlässlichen Zahlen. Nach Recherchen der Selbsthilfeorganisation Trans-Ident e.V. lässt die Anzahl der Fallzahlen von Verfahren nach dem Transsexuellengesetz an den deutschen Amtsgerichten eine ungefähre Einschätzung der Größenordnung zu: Demnach beantragten in 16 Jahren rund 0,1 % der Bevölkerung ein solches Verfahren.[8] Nach den Erhebungen von Winters und Conway soll ihr Anteil weltweit bei rund 0,2 % liegen.[9]

GrundlagenBearbeiten

Der Begriff Transgender war ursprünglich eine Bezeichnung für Menschen, die sich mit ihrem ursprünglichen biologischen Geschlecht nur unzureichend oder gar nicht identifizieren und ihr biologisches Geschlecht als falsch empfinden.

Transmänner sind Menschen, denen bei der Bestimmung des Geschlechts, die meist bei ihrer Geburt erfolgt, das weibliche Geschlecht zugewiesen wurde, die sich jedoch als Mann identifizieren. Transfrauen sind umgekehrt Menschen, die sich trotz der anfänglichen Zuweisung des männlichen Geschlechts als Frau identifizieren. Während sich viele Transgender eindeutig mit einem Geschlecht identifizieren, lehnen andere jede eindeutige Form einer Geschlechtszuweisung oder -kategorisierung für sich ab.

Von Transgender-Aktivisten wird Transgender inzwischen allerdings auch als Oberbegriff für sämtliche Menschen verwendet, die sich einer eindeutigen Geschlechtszuordnung entziehen. Als bekannte Unterbegriffe zu diesem Oberbegriff definieren sie Transsexualität und Transvestitismus. Allerdings werden gelegentlich auch einige andere nicht-transsexuelle Menschen ebenfalls als Transgender bezeichnet, die ständig oder vorwiegend in einer anderen Geschlechterrolle leben oder sich in diese einfühlen. Dazu zählen zum Beispiel Androgynie, Cross-Dressing, Dragking oder Dragqueen.

Die letzten drei Erscheinungsformen gelten dann als Transgender, wenn das Überschreiten der Geschlechterrolle nicht nur als Travestie im Sinne einer öffentlich zur Schau gestellten Verkleidungskunst anzusehen ist. Üblicherweise nicht eingeschlossen wird hingegen transvestitischer Fetischismus, bei dem der Wechsel der Geschlechterrollen nur zeitweise geschieht und einer sexuellen Stimulation dient, allerdings kann im Einzelfall die Abgrenzung schwierig sein.

Ob und in welchem Maße Transsexuelle medizinische geschlechtsangleichende Maßnahmen anstreben, ist im Einzelfall verschieden, dies gilt oder galt jedoch oft als notwendige Voraussetzung für eine gesetzliche Änderung des Vornamens oder des Personenstandes.

Das Gegenteil zum Begriff Transgender lautet Cisgender (lateinisch cis ‚diesseits‘ und englisch gender ‚soziales Geschlecht‘). Dieser Begriff entwickelte sich aus dem Begriff Zissexualität, der vom Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch geprägt wurde und Menschen bezeichnet, deren Geschlechtsidentität mit ihrem angeborenen biologischen Geschlecht übereinstimmt.[10][11][12][13][14][15]

BegriffsgeschichteBearbeiten

Der folgende Absatz ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Angaben ohne ausreichenden Beleg könnten demnächst entfernt werden. Bitte hilf Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.
Nicht nur ist (Stand 22. Juli 2019) die Begriffsgeschichte überhaupt dünn, so fehlen sämtlich auch Belege.
Der Zusammenhang mit der Frauen- bzw. Genderforschung klingt überdies mehr nach TF, denn nach handfeste Fakten.
"In Europa hat ein breiterer öffentlicher Transgender-Diskurs erst um 1995 begonnen." Wer, wo, wie, warum, als der in der deWP wichtigste Teil der Begriffsgeschichte, fehlt überhaupt auch als nähere Ausführung samt Belegen.

Transgender wird heute fast ausschließlich als ein Oberbegriff benutzt. Außerdem wählen solche Menschen Transgender als eine Selbstbezeichnung, die sich nicht auf eine der engeren Kategorien festlegen wollen. Der Begriff wurde in den 1970er Jahren in den USA von Virginia Prince maßgeblich geprägt. Sie gründete 1960 die Zeitschrift Transvestia, die sie bis 1980 herausgab.

Sie bezeichnete sich selbst in dieser Zeit als heterosexueller Transvestit, um sich von homosexuellen und transsexuellen Menschen abzugrenzen.[16] Transgender sollte Menschen beschreiben, die die soziale Geschlechtsrolle vollständig wechseln, egal ob chirurgische Eingriffe und geschlechtsangleichende Maßnahmen vorgenommen wurden.

Seit den 1980er Jahren wurde Transgender zunehmend als ein gender-politischer Oberbegriff gebraucht. Gleichzeitig und parallel mit der Ablösung der Bezeichnung Women’s Studies (Frauenforschung) durch Gender Studies (Geschlechterforschung) setzte sich in den USA der Begriff transgenderist durch. Diese Gruppierung ist in Europa kaum bis gar nicht vertreten. In Europa hat ein breiterer öffentlicher Transgender-Diskurs erst um 1995 begonnen.

Zwischen der Mitte der 1990er Jahre und den frühen 2000ern waren die hauptsächlich unter dem Transgender-Überbegriff benutzten Bezeichnungen Frau-zu-Mann (FzM) und Mann-zu-Frau (MzF) (vgl. MtF und FtM). Diese Begriffe wurden nun abgelöst von Transmann und Transfrau und die Begriffe transmaskulin und transfeminin verbreiten sich immer mehr. Diese Verschiebung der Präferenz von Begriffen, die das biologische Geschlecht betonten (transsexual, FtM) hin zu Begriffen, die Geschlechtsidentität und -Ausdruck betonen (transgender, Transfrau), reflektiert einen breiteren Paradigmenwechsel im Selbstverständnis von Transgender-Personen und der wachsenden Akzeptanz von Personen, die keine medizinischen Maßnahmen als Teil der Transition in Anspruch nehmen.

Behandlungsleitlinien und LSBT-Fachverbände verständigen sich darauf, dass die Wahl der Bezeichnung, Name und Pronomen allein der betreffenden Person überlassen und zu akzeptieren ist. Dabei merken viele an, dass transgender in der englischen Sprache als Adjektiv verwendet werden sollte und nicht ein Partizip aus einem vermeintlichen Verb gebildet werden soll (z. B.: „Max is transgender“, nicht aber „Max is transgendered“).[17]

Demgegenüber steht die Verwendung des englischen Adjektivs cisgender als Beschreibung für Menschen, deren Geschlecht mit dem übereinstimmt, dem sie bei der Geburt zugewiesen wurden (z. B. "Anna is cisgender" statt "Anna is cisgendered").

RollenwechselBearbeiten

Berichte über Personen oder Vorfälle, die einen Rollenwechsel beschreiben, lassen sich in nahezu allen Kulturen finden. Viele Kulturen kennen den rituellen Wechsel der Geschlechtsrolle, der meist von einer zeitweiligen Dauer ist. Etliche Kulturen haben spezifische soziale Rollen für Menschen, die sich ihrem Geburtsgeschlecht nicht zugehörig fühlen oder aus anderen Gründen die ihrem körperlichen Geschlecht entsprechende Rolle nicht einnehmen. Hierzu zählen unter anderem:

Es lässt sich nicht immer eine Aussage darüber treffen, ob ein Verhalten durch eine Transgender-Person oder lediglich durch eine Umgehung der Grenzen der jeweiligen Geschlechtsrolle begründet war, zum Beispiel bei Frauen, die als Männer verkleidet Soldaten wurden. Außerdem existierten Begriffe wie Transgender, Transsexualität oder Homosexualität noch gar nicht. Häufig sind die Vorfälle davon geprägt, dass sie im Zusammenhang mit einer strafrechtlichen oder religiösen Verfolgung zustande kamen.

Ein Wechsel der zugewiesenen Geschlechtsrolle kann pragmatische Gründe haben: Beispiele sind Frauen, die sich in Situationen, in denen sie eine Vergewaltigung befürchten müssen – etwa im Krieg –, als Männer verkleiden. Oder es gibt Männer, die sich als Frauen verkleiden, um einem Massaker entkommen zu können.

Reaktionen und SanktionenBearbeiten

Das Abweichen von den jeweilig vorgegebenen Geschlechtsrollen wird üblicherweise sozial, häufig auch strafrechtlich oder religiös negativ sanktioniert. So wurde Jeanne d’Arc unter anderem deswegen verbrannt, weil sie sich weigerte, einen Eid abzulegen, niemals wieder Männerkleidung anzuziehen.

Während entsprechende Gesetze in Europa in den letzten Jahrzehnten abgeschafft wurden oder nie bestanden, gibt es selbst in einigen US-amerikanischen Counties noch Gesetze, die das öffentliche Tragen von nicht zum angeborenen Geschlecht gehöriger Kleidung (siehe Cross-Dressing) unter Strafe stellen; allerdings werden diese mit zunehmender Liberalisierung immer seltener angewandt.[18] Weiterhin gibt es in den meisten westlichen (Nord-, West- und Westmitteleuropa sowie Nordamerika) sowie einigen anderen Ländern (zum Beispiel Japan, Iran) mittlerweile Gesetze, die rechtliche Aspekte eines Geschlechtsrollenwechsels regeln. In vielen nicht-westlichen Ländern allerdings wird entsprechendes Verhalten wesentlich härter bestraft, bis hin zur Todesstrafe (beispielsweise in vielen Ländern mit islamischer Mehrheit).

Geschlechtsrollen in Medizin und RechtBearbeiten

In der heutigen westlichen Gesellschaft sind sowohl rituelle als auch aus Not geborene Geschlechtsrollenwechsel äußerst selten geworden, so dass man nahezu immer davon ausgehen kann, dass, wer dort Transgender-Verhalten zeigt, dies aus innerer Notwendigkeit tut. Denn eine von den üblichen Geschlechtsrollen abweichende Geschlechtsrollenpräsentation beruht üblicherweise nicht oder nur bedingt auf einer freiwilligen Entscheidung, sondern sie ist für einige Transgender-Personen eine innere Notwendigkeit, da sie die Präsentation in einer akzeptierten Geschlechtsrolle (vgl. Heteronormativität) sehr belastend oder sogar als unlebbar empfinden. Viele Transgender-Personen bemühen sich, oft jahre- oder jahrzehntelang, darum, den Erwartungen der Gesellschaft zu entsprechen, schaffen dies aber nie so, dass sie sich selber in der erwarteten Rolle wohlfühlen. Viele schaffen es nicht einmal, andere Menschen von diesem Konflikt mit der ihrem inneren Empfinden nicht entsprechenden Geschlechtsrollenpräsentation zu überzeugen. Aus diesem Konflikt entstehen häufig psychische Probleme, psychische und psychosomatische Krankheiten, Suchtprobleme und Ähnliches. Wenn auch mit unterschiedlichen Folgen hinsichtlich der Kostenübernahme für chirurgische oder andere medizinische Maßnahmen, existiert nach ICD-10 die Diagnose F64.9 „Störung der Geschlechtsidentität, nicht näher bezeichnet“, die nicht für Transsexuelle im klassisch engeren Sinn, sondern im weiteren Sinn ebenso auch für Transgender-Personen angewendet werden kann.

Dieser Tatsache teilweise Rechnung trägt in Deutschland seit 1980 das Transsexuellengesetz, das zumindest die rechtlichen Notwendigkeiten eines Geschlechtsrollenwechsels von weiblich zu männlich oder umgekehrt regelt, da Transsexualität als medizinisch behandlungsbedürftiger Zustand angesehen wurde. Das Bundesverfassungsgericht hat sich jedoch seitdem in zahlreichen Entscheidungen mit dem TSG befasst und etliche Vorschriften des TSG für verfassungswidrig erklärt (siehe Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts zum TSG). Viele Transgender-Personen kritisieren besonders, dass in dem Gesetz nur die medizinisch-gutachterliche Diagnose der Transsexualität berücksichtigt wird, sodass das individuell persönliche Empfinden jedoch oftmals unberücksichtigt bleibt.

Da in vielen Gesellschaften bzw. Ländern für Transgender-Personen, insbesondere für Transfrauen, die einzige Möglichkeit Geld zu verdienen die Prostitution ist, bzw. diese für Transfrauen als einzige gesellschaftliche Rolle zuerkannt wird, besteht auch heute noch bei manchen Menschen die assoziative Gleichsetzung von Transsexualität bzw. Transgender mit Prostitution anzutreffen. Auch werden nach wie vor in vielen Staaten die teils hohen Kosten für die geschlechtsangleichenden Operationen und andere geschlechtsangleichende Maßnahmen nicht oder nur unzureichend aus dem staatlichen Sozialsystem bezahlt, sodass in diesen Fällen die Transgender-Personen, die überdies oftmals ohne „normalem“ Arbeitseinkommen sind (siehe Diskriminierung in der Arbeitswelt) sich zur Erwirtschaftung dieser Kosten gezwungen sehen in der Sexindustrie zu arbeiten.

UrsachenBearbeiten

Die Ursache dafür, warum es Personen gibt, deren Geschlechtsidentität nicht oder nicht vollständig mit dem nach der Geburt anhand der äußeren Merkmale eingetragenen Geschlecht übereinstimmt, ist nicht bekannt. Zwar existiert eine Vielzahl von psychologischen Theorien, darunter auch einige, die körperliche Ursachen annehmen, jedoch konnte keine dieser Theorien bisher empirisch belegt werden. Zu jeder einzelnen bis dato postulierten Theorie lassen sich etliche Gegenbeispiele finden, sowohl unter Transgendern, auf die die postulierte Ursache nicht, als auch unter Cisgendern (Nicht-Transgendern), auf die sie zutrifft.

Laut dem deutschen Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2007) bezeichnet der Begriff Gender diejenigen Geschlechterrollen, die gesellschaftlich, sozial und kulturell geprägt sind. Sie seien „– anders als das biologische Geschlecht – erlernt und damit auch veränderbar.“[19]

Transgender und SexualitätBearbeiten

Wie auch bei Menschen, deren biologisches (englisch: sex) und ihr rechtliches Geschlecht mit ihrer Geschlechtsidentität zusammenfällt (siehe Cisgender-Personen), so ist auch die Geschlechtsidentität von Transgender-Personen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung und ihren sexuellen Praktiken. Demnach sind sämtliche sexuellen Variationen gleichermaßen bei Transgender- wie auch bei Cisgender-Personen anzutreffen. So sind auch nicht alle Transgender-Menschen heterosexuell, sondern ist ebenso ein Teil von ihnen lesbisch, schwul, bi- oder pansexuell veranlagt.

Die in der Gesellschaft immer noch anzutreffende Assoziation von Transgender (für Gender mit der Geschlechtsidentität) mit Homosexualität hat mehrere Ursachen. Zum einen entspringt dies dem aus der englischen Sprache eingedeutschten Begriff der Transsexualität (Transsexualismus), worin historisch vermeintlich die Sexualität und damit auch die sexuelle Orientierung hineininterpretiert wurde und wird, während der Wortteil Sex, aus den englischen Begriffen Transexuality bzw. Transsexualism stammend, sich auf das biologische Geschlecht bezieht. Zum anderen kann es daran liegen, dass bisweilen Transgender-Personen nicht (vollständig) ihrem gelebten Identitätsgeschlecht entsprechend wahrgenommen werden können, sodass ein solcher Mensch als „mit Frauenkleidung verkleideter Mann“ und damit als „Schwuler“ oder als „mit Männerkleidung verkleidete Frau“ und damit als „Lesbe“ wahrgenommen wird. Des Weiteren spielt auch der Umstand eine Rolle, dass lesbische oder schwule Kreise häufiger sowohl Raum als auch Vorbild für Menschen mit abweichender Geschlechtsrollenpräsentation boten.

Transgender versus TranssexualitätBearbeiten

Obwohl (oder gerade weil) Transsexualität als eine Form von Transgender erscheint, kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Transsexuellen, die den Begriff und/oder jegliche Kommunikation, Zusammenarbeit oder Allianz mit nicht-transsexuellen Transgendern ablehnen, und vor allem politisch motivierten Transgendern andererseits. Die Gruppen unterscheiden sich deutlich im Wunsch und in der Ablehnung von operativen Maßnahmen. Während die einen geschlechtsangleichende Operationen anstreben, werden diese von anderen als Verstümmelungen angesehen und abgelehnt.

Wo einerseits „klassische“ Transsexuelle oft argumentieren, dass sie darunter leiden, transsexuell zu sein, und nur ein normales Leben führen möchten, während Transgender (manchmal wird hier stattdessen auch Transvestiten benutzt oder Transvestitismus impliziert, also ein nur zeitweiliger Rollenwechsel) zum Teil durch ihr Äußeres Aufsehen erregen wollen oder dadurch „Spaß haben“ möchten, verweisen einige Transgender andererseits darauf, dass a) nicht-transsexuelle Transgender genauso leiden können und genauso medizinische und juristische Maßnahmen benötigen können wie Transsexuelle und dass b) noch lange nicht alle nicht-transsexuellen Transgender Aufsehen erregen möchten oder „Spaß haben“ wollen, sondern es genauso nicht-transsexuelle Transgender gibt, die ebenfalls für sich persönlich kein großes Interesse daran haben, irgendwie aufzufallen in Hinsicht auf ihre Geschlechtszugehörigkeit.

Diese angenommene Unterscheidungsmöglichkeit wird zunächst durch die ICD-10-Definitionen von „Störungen der Geschlechtsidentität“ insoweit unterstützt, weil dieses unter F64.0 (Transsexualität, vollständiger Geschlechtsrollenwechsel innerhalb eines als binär verstandenen Systems, unter Inanspruchnahme „so weit wie möglicher“ medizinischer Maßnahmen) und F64.9 (nicht näher definierte Geschlechtsidentitätsstörung) eine ähnliche Unterscheidung trifft. Allerdings ignorieren die Argumentationen nach ICD-10 folgende Faktoren:

  • Das DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) verzichtet gänzlich auf den Begriff Transsexualismus und spricht (unter der Nummer 302.85 für Adoleszente und Erwachsene bzw. 302.6 für Kinder) nur noch allgemein von Geschlechtsidentitätsstörungen, die in unterschiedlich schwerer Form auftreten würden und bei denen die Behandlung auf die Bedürfnisse des einzelnen Patienten abgestimmt sind und nicht nur eine Alles-oder-Nichts-Alternative bieten.
  • Und nicht zuletzt jene nicht unbeträchtliche Anzahl von Menschen, die zwar einen Geschlechtsrollenwechsel samt den für sie notwendigen medizinischen und juristischen Maßnahmen benötigen oder bereits vollzogen haben, die jedoch, sei es, weil sie ein binäres Geschlechterverständnis ablehnen oder gewisse medizinische Maßnahmen für sich nicht benötigen, nicht die strikte Definition von F64.0 erfüllen.

Andere Transsexuelle begrüßen den Begriff Transgender, weil er nicht den Wortbestandteil -sexuell (von neulateinisch sexualis ‚geschlechtlich‘) enthält. Denn dieser kann in der deutschen Sprache den Irrtum nahelegen, es handle sich um eine sexuelle Orientierung. Aus diesem Grund und dem Umstand, dass im Deutschen zwischen biologischem und Identitäts-Geschlecht allgemein nicht unterschieden wird – beides wird mit dem einzigen Wort Geschlecht benannt –, wird der Begriff Transsexualität auch durch den Begriff der Transidentität ersetzt.

IntersexuelleBearbeiten

In einigen Definitionen werden pauschal alle intersexuellen Menschen, also Menschen, deren körperliches Geschlecht nicht eindeutig ist, unter Transgender subsumiert. Andere Definitionen betrachten nur diejenigen Intersexuellen als Transgender, die ihre Geschlechtzuweisung in irgendeiner Form als problematisch empfinden.

NeutroisBearbeiten

Es gibt ein Spektrum von Personen, das die Zuschreibung eines sozialen Geschlechts (Geschlechterrolle oder, vom Englischen: Gender) für sich selbst gänzlich ablehnen oder keine Geschlechtsidentität haben (wollen); dafür werden verschiedene Bezeichnungen verwendet, vor allem agender, gender-neutral, neuter oder neutrois.

Siehe auchBearbeiten

  Portal: Transgender, Transsexualität und Geschlechtervielfalt – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Transgender, Transsexualität und Geschlechtervielfalt

FilmBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Helma Katrin Alter: Gleiche Chancen für alle. KatrinLive SV, Köln 1999, ISBN 3-89811-043-5.
  • Kate Bornstein: My Gender Workbook – how to become a real man, a real woman, the real you, or something else entirely. Routledge, New York 1998, ISBN 0-415-91673-9.
  • Judith Butler: Körper von Gewicht. Die diskursiven Grenzen des Geschlechts. Suhrkamp, Frankfurt 1997, ISBN 3-518-11737-8.
  • Patrick Califia: Sex changes. The politics of transgenderism. Cleis Press, San Francisco 2003, ISBN 1-57344-180-5.
  • Leslie Feinberg: Transgender Warriors: Making History from Joan of Arc to Dennis Rodman. Beacon Press, Boston 1996, ISBN 0-8070-7941-3.
  • Elisabeth Greif: Doing Trans/Gender. Rechtliche Dimensionen. Universitätsverlag Rudolf Trauner, Linz 2005, ISBN 3-85487-832-X.
  • Judith Lorber: Gender-Paradoxien. Leske & Budrich, Opladen 2003, ISBN 3-8100-3743-5.
  • Polymorph (Hrsg.): (k)ein geschlecht oder viele – Transgender in politischer Perspektive. Querverlag, Berlin 2002, ISBN 3-89656-084-0.
  • Hertha Richter-Appelt, Timo O. Nieder (Hrsg.): Transgender-Gesundheitsversorgung. Eine kommentierte Herausgabe der Standards of Care der World Professional Association for Transgender Health. Übersetzung der Standards of Care aus dem Englischen von Hertha Richter-Appelt und Timo O. Nieder. Psychosozial-Verlag, Gießen 2014, ISBN 978-3-8379-2424-4.
  • Nicholas M Teich: Transgender 101: A Simple Guide to a Complex Issue. Columbia University, New York 2012, ISBN 978-0-231-15712-4.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Transgender – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Medien
Fachverbände
Übernationale und nationale Transgender-Lobbys und -Vernetzung

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Laura Adamietz, Juana Remus: Begrifflichkeiten und Bedeutungswandel von Trans und Intergeschlechtlichkeit in der Rechtswissenschaft. (PDF) In: Gutachten: Begrifflichkeiten, Definitionen und disziplinäre Zugänge zu Trans- und Intergeschlechtlichkeiten. Interministerielle Arbeitsgruppe Inter- & Transsexualität, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Referat Öffentlichkeitsarbeit, Mai 2015, S. 13–17, abgerufen am 13. Juli 2019.
  2. Sexual Orientation and Gender Identity. Abgerufen am 28. Juli 2018 (englisch).
  3. Vgl. dazu auch gender expression in der englischsprachigen Wikipedia.
  4. Holly B. Kozee, Tracy L. Tylka, L. Andrew Bauerband: Measuring Transgender Individuals’ Comfort With Gender Identity and Appearance Measuring Transgender Individuals’ Comfort With Gender Identity and Appearance: Development and Validation of the Transgender Congruence Scale. In: Psychology of Women Quarterly. Band 36, Nr. 2, 1. Juni 2012, ISSN 0361-6843, S. 179–196, doi:10.1177/0361684312442161.
  5. Studie "Out im Office?!": Transgeschlechtliche Beschäftigte werden am Arbeitsplatz häufig diskriminiert. In: presseportal.de. (presseportal.de [abgerufen am 28. Juli 2018]).
  6. Andrew M. Seaman: Transgender people face discrimination in healthcare. In: U.S. (reuters.com [abgerufen am 28. Juli 2018]).
  7. Bundesratsinitiative: Senat will Schutz der sexuellen und geschlechtlichen Identität vor Diskriminierung im Grundgesetz verankern. 10. April 2018, abgerufen am 28. Juli 2018.
  8. Wie viele Transsexuelle gibt es in Deutschland? . In: trans-ident.de, Wolframs-Eschenbach, abgerufen am 12. Oktober 2019.
  9. S. Winters und L. Conway: How many trans* people are there? 2011 in Colton Keo-Meier und Christine Labuski: The Demographics of the Transgender Population. doi:10.1007/978-94-007-5512-3_16. S. 297.
  10. Volkmar Sigusch: Die Transsexuellen und unser nosomorpher Blick. In: Zeitschrift für Sexualforschung. Band 4, 1991, S. 225–256, 309–343.
  11. Volkmar Sigusch: Geschlechtswechsel. Klein, Hamburg 1992 (Taschenbuch: 1995)
  12. Volkmar Sigusch: Transsexueller Wunsch und zissexuelle Abwehr. In: Psyche – Zeitschrift für Psychoanalyse. Band 49, 1995, S. 811–837.
  13. Volkmar Sigusch über Zissexuelle gendertalk.transgender.at
  14. Joan Roughgarden: Evolution's Rainbow. Diversity, Gender, and Sexuality in Nature and People. University of California Press, Berkeley (USA) 2004, ISBN 0-520-24679-9. (englisch)
  15. „Frequently Asked Questions“ auf der Website der University of Texas, Austin (USA) (Memento vom 1. September 2006 im Internet Archive): „FAQ – Transgender Issues“; „How should I identify myself if I am not transgender?“ (englisch)
  16. Ekins Richard, King Dave: Virginia Prince Transgender Pioneer. In: International Journal of Transgenderism. Band 8, Nr. 4, 2005, S. 8.
  17. Gay and Lesbian Alliance Against Defamation. "GLAAD's Transgender Resource Page" Archived2012-10-06 at the Wayback Machine., "GLAAD", USA. Retrieved 2011-02-24. "Problematic: "transgendered". Preferred: transgender. The adjective transgender should never have an extraneous "-ed" tacked onto the end. An "-ed" suffix adds unnecessary length to the word and can cause tense confusion and grammatical errors. It also brings transgender into alignment with lesbian, gay, and bisexual. You would not say that Elton John is "gayed" or Ellen DeGeneres is "lesbianed," therefore you would not say Chaz Bono is "transgendered."
  18. aclu.org
  19. Definitionen „Gender Mainstreaming“, „Gender“ und „Mainstreaming“ (Memento vom 30. November 2007 im Internet Archive) des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen & Jugend. (Stand 30. Nov. 2007)