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Casablanca (arabisch الدار البيضاء, DMG ad-Dār al-bayḍāʾ, mazirisch ⴰⵏⴼⴰ Anfa, spanisch bzw. arabisch: „Das weiße Haus“) ist die größte Stadt Marokkos und liegt südlich der Hauptstadt Rabat direkt an der Atlantikküste. In der eigentlichen Stadt leben 3.359.818 Menschen, in der Region Grand Casablanca-Settat (arabisch الدار البيضاء الكبرى وسطات), die auch die Vororte umfasst, 6.861.739 (Berechnung 2014).[2]

Casablanca
الدار البيضاء
ⴰⵏⴼⴰ
Wappen fehlt
Hilfe zu Wappen
Casablanca (Marokko)
Casablanca
Casablanca
Basisdaten
Staat: Marokko
Region: Casablanca-Settat
Präfektur: Casablanca
Koordinaten 33° 35′ N, 7° 37′ WKoordinaten: 33° 35′ N, 7° 37′ W
Einwohner: 3.359.818 (2014[1])
Fläche: 324 km²
Bevölkerungsdichte: 10.370 Einwohner je km²
Höhe: 20 m
Website der Stadtverwaltung:
Innenstadt
Innenstadt
Casablanca aus dem Weltraum
Casablanca-Konferenz

Inhaltsverzeichnis

StadtgliederungBearbeiten

Casablanca gliedert sich in 16 Arrondissements.[3]

GeschichteBearbeiten

Bis zum 19. JahrhundertBearbeiten

Die seit dem 8. Jahrhundert auf dem Gebiet des heutigen Casablanca nachweisbare Siedlung Anfa war lange Zeit Hauptort des Berberreichs der Berghouta und wurde im 12. Jahrhundert von den Almohaden erobert. In den nachfolgenden Jahrhunderten entwickelte sie sich zu einem wichtigen Umschlagplatz für Getreide, gleichzeitig aber auch zu einem gefürchteten Stützpunkt für Piraten.

Ab Ende des 15. Jahrhunderts versuchten die Portugiesen wiederholt, Anfa einzunehmen. 1496 wurde die Stadt von der Armee Don Ferdinands zerstört. Ein weiterer Überfall portugiesischer Truppen fand 1515 statt. 1575 wurde die Stadt von den Portugiesen besetzt und erhielt den portugiesischen Namen Casa Branca („Weißes Haus“).

Nachdem ein schweres Erdbeben 1755 Casa Branca verwüstet hatte, wurde es nur wenige Jahre später unter dem arabischen Namen al-Dār al-bayḍāʾ („Weißes Haus“) vom Alaouiten-Sultan Muhammad bin Abdallah wieder aufgebaut. Er versah die Stadt mit öffentlichen Bädern, einer Medresa und einer Moschee, die seinen Namen trägt.

Mitte des 19. Jahrhunderts ließen sich spanische Händler in der Stadt nieder und nannten sie spanisch Casablanca. Unter der Herrschaft von Moulay Hassan (1873–1894) zählte sie 20.000 Einwohner.

20. JahrhundertBearbeiten

In Casablanca waren mit Billigung des Sultans von Marokko im Jahr 1907 Arbeiten zur Verbesserung der Hafenanlagen im Gange. Die Arbeiten erstreckten sich über die Wallanlagen hinaus, nahe heran an einen moslemischen Friedhof. Durch Berichte, der Friedhof sei bei den Arbeiten entweiht worden, gerieten die benachbarten Stämme der Shawia in Aufruhr. Am 30. Juli 1907 griffen sie die europäischen Arbeiter an und töteten neun von ihnen (drei Franzosen, drei Spanier und drei Italiener), danach drangen sie in die Stadt ein und überfielen das jüdische Viertel. Flüchtlinge kamen mit einem Boot nach Tanger und überbrachten Nachrichten vom Massaker. Die französische Regierung entschied sich, Casablanca zu besetzen und eine starke Marine- und Heeresstreitmacht dorthin zu entsenden. Vor der Ankunft der Truppen ließ der Kommandant des Kreuzers Galilée am 5. August eine Mannschaft zum Schutz des französischen Konsulats an Land setzen. Das Vorrücken dieser Abteilung wurde verhindert, worauf die Galilée, unterstützt vom Kriegsschiff Du Chayla, die Stadt bombardierte. Zur selben Zeit erreichten Stammesangehörige Casablanca und begannen mit einer allgemeinen Plünderung der Stadt. Am 7. August wurden die eingetroffenen Truppen der Franzosen an Land gebracht und weitere Kämpfe begannen. Bis sie ihren Auftrag erfüllt hatten, war fast jeder Einwohner entweder getötet oder verwundet worden oder geflohen. Allein die Zahl der Toten ging in die Tausende. Die europäische Kolonie hingegen war sicher. Zwar waren die Franzosen danach Herren in der Stadt, doch blieben die Shawia-Stämme weiter voll im Kampf. Zuerst unter General Drude und ab Januar 1908 unter General Amade gelang es den Franzosen, das Gebiet der aufständischen Shawia zu verkleinern. Das Expeditionskorps zählte so unversehens eine Stärke von 15.000 Mann. Bis zum Juni 1908 war der Bezirk um Casablanca befriedet, danach wurden die Streitkräfte stufenweise verringert.[4]

Am Anfang des 20. Jahrhunderts erlebte die Stadt einen wirtschaftlichen Aufschwung und löste Tanger als wichtigsten Hafen Marokkos ab. Casablanca wurde in der Zeit des französischen Protektorats zum Wirtschaftszentrum ausgebaut. Am 7. November 1929 war der erste Handelstag an der neu errichteten Börse.[5]

Casablanca war ein strategisch wichtiger Hafen im Zweiten Weltkrieg. 1943 fand dort ein englisch-amerikanisches Gipfeltreffen zwischen Roosevelt und Churchill statt (Casablanca-Konferenz).

Das rasche industrielle Wachstum prägt die Entwicklung Casablancas bis heute. Etwa 80 % der marokkanischen Industrie sind hier angesiedelt, ca. 60 % des Seehandels des Landes werden über den Hafen der Stadt abgewickelt. Viele bedeutende Unternehmen des Landes haben hier ihren Hauptsitz, z. B. die Cosumar.

21. JahrhundertBearbeiten

Am 16. Mai 2003 verübte eine Reihe von Selbstmordattentätern die Anschläge von Casablanca.[6]

StadtbildBearbeiten

 
Blick vom Boulevard de Paris ins Stadtzentrum
 
Casablanca aus 200 m Höhe, Walter Mittelholzer, 1930/31

Die Hassan-II.-Moschee ist die Hauptsehenswürdigkeit der Stadt. Sie ist – nach der al-Haram-Moschee in Mekka, der Prophetenmoschee in Medina, dem Imam-Reza-Schrein (in dem die Goharschad-Moschee integriert ist) in Maschhad, Iran, und der Istiqlal-Moschee in Jakarta, Indonesien – die fünftgrößte Moschee der Welt und bietet Platz für 25.000 Personen. Das Minarett der 1993 fertiggestellten Moschee ist mit 210 Metern Höhe das höchste Minarett und das höchste religiöse Bauwerk.

In der Stadt gibt es nach unterschiedlichen Angaben zwischen 22[7] und über 30 Synagogen für die geschätzt 3000 (2016) marokkanischen Juden, von denen die Mehrheit in Casablanca lebt. In den 1980er Jahren lebten noch rund 8000 Juden in Casablanca, und 34 Synagogen waren in Benutzung.[8] Als Hauptsynagoge gilt Beth El.

Vier Kilometer südwestlich des Hafens erstreckt sich entlang des Boulevard de la Corniche an der Küste im Vorort Ain Diab das luxuriöse Bade- und Vergnügungsviertel. Etwas entfernt vom Meer zwischen dem Stadtzentrum und Ain Diab ist das heutige Anfa ein zentrales Villengebiet. Im dortigen Hotel Anfa fand die Casablanca-Konferenz statt.

Im Umkreis der Innenstadt zeugt ein breiter Slumgürtel (Bidonville) von der wirtschaftlichen Notlage und den sozialen Problemen der stetig wachsenden städtischen Unterschicht.

VerkehrBearbeiten

Beim Hafen befindet sich der einzige Rangierbahnhof Marokkos (Roches Noires). Der südlich von Casablanca gelegene Flughafen Casablanca ist der wichtigste Flughafen Marokkos.

Im Dezember 2012 wurde die Straßenbahn Casablanca eröffnet. Die erste Linie ist 31 km lang.

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

Seit 1993 wird in Casablanca die Course Féminine de Casablanca veranstaltet, eine Laufveranstaltung, die nur Frauen offensteht. Mit etwa 30.000 Teilnehmerinnen ist sie mittlerweile eine der bedeutendsten Frauensportveranstaltungen weltweit. Seit 2008 findet in Casablanca auch jährlich ein Marathon statt, der Grand Marathon International de Casablanca.[9]

WirtschaftBearbeiten

Casablanca ist die größte Stadt Marokkos und ist mit dem Industriegebiet Aïn Sebaâ das wirtschaftliche Zentrum des Landes. In Casablanca hat zudem die Automobil- und Lebensmittelindustrie des Landes ihren Sitz. Bekannte Unternehmen der Stadt sind zum Beispiel der Fernsehsender 2M, der Lebensmittelhersteller Bimo, das Designunternehmen Laraki Design sowie die Automobilhersteller SOMACA, CANAM und Société Automobiles Ménara.

In einer Rangliste der wichtigsten Finanzzentren weltweit belegte Casablanca den 32. Platz (Stand: 2018) und den ersten Platz in Afrika.[10]

BildungBearbeiten

Religiöse GebäudeBearbeiten

FilmBearbeiten

FußballBearbeiten

Casablanca ist die Heimstatt zweier der drei erfolgreichsten Fußballvereine Marokkos:

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

StädtepartnerschaftenBearbeiten

Casablanca unterhält Städtepartnerschaften unter anderem mit:

KlimatabelleBearbeiten

Casablanca
Klimadiagramm
JFMAMJJASOND
 
 
62
 
17
8
 
 
59
 
18
9
 
 
51
 
18
10
 
 
40
 
20
12
 
 
19
 
21
14
 
 
6
 
23
17
 
 
1
 
25
19
 
 
0
 
26
20
 
 
5
 
25
18
 
 
31
 
23
15
 
 
74
 
20
12
 
 
78
 
18
9
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Casablanca
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 17,1 17,5 18,3 19,5 21,1 23,3 25,4 25,9 25,4 23,3 20,3 17,8 Ø 21,3
Min. Temperatur (°C) 8,4 9,2 9,9 11,5 14,0 17,1 19,3 19,5 18,2 15,2 11,8 9,3 Ø 13,6
Niederschlag (mm) 62 59 51 40 19 6 1 0 5 31 74 78 Σ 426
Sonnenstunden (h/d) 6,1 6,7 7,8 8,7 9,5 9,5 9,8 9,5 8,6 7,6 6,4 5,9 Ø 8
Regentage (d) 8 6 7 5 4 1 0 0 1 5 7 9 Σ 53
Wassertemperatur (°C) 16 16 16 17 19 19 21 22 21 21 19 17 Ø 18,7
Luftfeuchtigkeit (%) 83 81 79 79 79 80 82 82 81 81 82 83 Ø 81
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
17,1
8,4
17,5
9,2
18,3
9,9
19,5
11,5
21,1
14,0
23,3
17,1
25,4
19,3
25,9
19,5
25,4
18,2
23,3
15,2
20,3
11,8
17,8
9,3
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
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s
c
h
l
a
g
62
59
51
40
19
6
1
0
5
31
74
78
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

WeblinksBearbeiten

  Commons: Casablanca – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikivoyage: Casablanca – Reiseführer
  Wikiquote: Casablanca – Zitate

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. CityPopulation: Morocco: Grand Casablanca - Settat
  2. Grand Casablanca - Settat (Morocco): Provinces and Prefectures, Urban Communes and Urban Centers - Population Statistics, Charts and Map. Abgerufen am 2. August 2018 (englisch).
  3. Recensement 2004
  4. Morocco – LoveToKnow 1911 (Memento vom 3. März 2013 im Internet Archive)
  5. Casablanca Stock Exchange: History (Memento des Originals vom 28. Oktober 2009 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.casablanca-bourse.com, abgefragt am 6. November 2009
  6. Terror: Ground Zero in Arabien. In: Die Zeit. Nr. 22/2003 (online).
  7. Casablanca réhabilite ses synagogues. BladiNet, 10. März 2015
  8. Mark Avrum Erlich (Hrsg.): Encyclopedia of the Jewish Diaspora: Origins, Experiences, and Culture. Bd. 1, ABC-CLIO, Santa Barbara 2009, S. 485.
  9. Archivlink (Memento des Originals vom 7. Oktober 2012 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.casablanca-marathon.com
  10. The Global Financial Centres Index 23. Abgerufen am 13. Juli 2018.
  11. Archivlink (Memento des Originals vom 27. Dezember 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.zaman.com.tr